Wie geht es euch - Kapitel V

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  • Hallo ihr Lieben,


    bei unserem gestrigen abendlichen Telefonat hab ich ihn wie immer nach den Tagesereignissen gefragt. Meistens kommt eh ein 'war nix los' und ich muss weiter nachbohren.


    Auf meine direkte Frage, ob er jetzt mit Hilfe des jungen Mannes geduscht hat, sagte er nein, aber 'wir haben uns gewaschen'. "Wer wir?" - "Mutti hat mich von oben bis unten gewaschen.".


    Ich konnte mich mit einem Vorwurf nicht zurückhalten. Er kann doch nicht ernsthaft eine Ganzkörper-Schmiererei mit dem Waschlappen mit Duschen unter laufendem Wasser vergleichen… Wir versuchen IHM Hilfe zukommen zu lassen, aber wenn er selbst nichts dazutut, können wir uns das Ganze auch einfach sparen. Meine Enttäuschung war nicht zu überhören. Er hat es mir doch versprochen…

    Zum Schluss meinte er noch, der junge Mann käme ja nächste Woche wieder. Richtig, aber erst einen Tag nach dem Urologen-Termin.


    Auf jeden Fall muss ich die Mo-Mi-Pflegekraft über die ganze Sache informieren, dass sie am Mittwoch vor dem Termin ein Auge drauf hat, dass er zumindest frisch angezogen ist.


    Ich bin noch unsicher, ob ich die Nachbarn1/Freunde über den Urologie-Anruf und die Thematik informieren soll. Eigentlich müssen sie sogar informiert werden. Wenn sie ihn schon jede Woche zum Termin fahren, müssten sie auch wissen, warum er irgendwann unverrichteter Dinge wieder rauskommt…


    Und wieder ein Anruf von einer Pflegekraft, diesmal die Freitags-Dame. Meine Mutter hätte so starke Kreuzschmerzen und hat sich jetzt hingelegt. Ich brachte sie auf den aktuellen Stand und sagte ihr, dass mich das grundsätzlich nicht wundert, schließlich hat sie meinen Vater gestern von oben bis unten gewaschen. Ich schätze, sie hat jetzt einen gewaltigen Muskelkater. Wenn sich das übers Wochenende nicht bessert, muss natürlich jemand mit ihr zum Arzt, aber ich denke, ich liege richtig. Eine heiße Wanne würde Wunder wirken - das war auch früher ihr Allheilmittel…

    Die Fr-Pflegekraft ist auch eine sehr einfühlsame Dame, die meinte, man müsse bei ihm langsam und schrittweise die Reinigung steigern, beginnend mit den Armen. Könnte klappen, aber ich befürchte, die Zeit ist dafür nicht da. Zum nächsten Urologen-Termin am Mittwoch muss er 'frisch g'wasch'n, g'schneizt und kammped sei' (frisch gewaschen, geschnäuzt und gekämmt) - Spruch meiner Mutter seit meiner Kindheit.


    Mein Telefonat mit Fr-Pflegekraft wurde vom Anruf meines Vaters auf dem Festnetz abgebrochen. Er teilte mir das gleiche mit, dass Mom sich mit starken Rückenschmerzen hingelegt hat. Ich hab ihm daraufhin gesagt, dass das vermutliche die Konsequenz aus ihrer gestrigen Wasch-Aktion sein würde und er das das nächste Mal doch bitte mit dem Pflegedienst machen solle. Mom wiegt keine 50kg mehr, die ist dem nicht mehr gewachsen - außerdem auch nicht ihre Aufgabe.


    Vielleicht sieht er's langsam ein, dass er die Hilfe des jungen Mannes annehmen muss.

    Ich hab ihm erklärt, dass es für mich damals nach dem Unfall in Murnau auch nicht prickelnd war, sich mit 19 Jahren pudelnackig im Krankenbett von den jungen Pflegern (einer hübscher als der nächste ;)) waschen zu lassen.

    Da gewöhnt man sich dran, hilft ja nix.

    Aber auch mal was erfreuliches. Ich konnte meine Mutter endlich mal überzeugen, mit mir in die Stadt zu fahren.

    Eine tolle Idee, das würde ich zu gerne mit meiner Mutter machen. Eigentlich hatte ich dafür auch schon einen Plan, im nächsten Urlaub Ende Juni mit ihr zu dem Großmarkt zu fahren, in dem ich gelernt hab. Ist zwar kein Großhandel mehr, aber alles unter einem Dach. Leider musste ich feststellen, dass sie den Rolli nicht mehr aus und ins Auto bekommt - und mich aufs Geratewohl darauf verlassen, dass ein starker Passant (oder Passantin ;) ) vorbeikommt, ist mir dann doch zu riskant.

    Vielleicht hört dein Vater auch gerne Musik und ihr probiert es mal mit einem Radio oder CD im Badezimmer, am besten mit seiner Lieblingsmusik?

    Ganz lieben Dank für den Tipp. Leider hat mein Vater keinen Bezug zu Musik oder gar eine Lieblingsmusik.

    Wenn sie früher Musiksendungen angesehen haben, dann nur, weil 1. kein Radrennen zeitgleich war, und 2. meine Mom sie sehen wollte - in dieser Reihenfolge.

    A bisserl a Pascha war dann doch...

    Der Pflegedienst (als sie noch zu Hause lebte) meinte auch: "wir können/dürfen niemanden zu irgendetwas zwingen ---- außerdem lass ich mich nicht anspucken/hauen/treten"....)

    Womit der Pflegedienst natürlich völlig recht hat. Die Aggression meiner Mutter, die ausschließlich durch die Demenz zu Tage getreten ist, äußert sich Gott sei Dank derzeit nur verbal.

    Gottseidank kein Tema mehr, seit sie im Heim lebt.

    Auch wenn ich damit zur schlechten Tochter mutiere, manchmal erwische ich mich schon bei dem Gedanken, dass wohl alles besser wäre, wenn sie (beide) in ein Heim gingen. Ich versuche es ihm auch immer wieder 'schmackhaft' zu machen, aber für ihn ist das keine Option.


    Bitte nicht falsch verstehen, aber es ist beruhigend zu lesen, dass ihr ähnliche Erfahrungen, was die Reinlichkeit angeht, gemacht habt.


    Mal sehen, was das Wochenende - oder erst mal der Freitagabend - noch so bringt.


    Bleibt stark. Danke für eure Geduld und fürs Lesen.


    LG Zebulon

  • Ohje, das tut mir leid, dass es so ein Theater ist mit dem Duschen. Ich drücke die Daumen, dass es nächste Woche klappt.

    Auch wenn ich damit zur schlechten Tochter mutiere, manchmal erwische ich mich schon bei dem Gedanken, dass wohl alles besser wäre, wenn sie (beide) in ein Heim gingen. Ich versuche es ihm auch immer wieder 'schmackhaft' zu machen, aber für ihn ist das keine Option

    Nein, mit dem Gedanken mutierst du nicht zur schlechten Tochter. Wenn es Zuhause nicht mehr geht, dann bleibt nur das Heim. Und ich bin davon überzeugt, dass das Heim oft besser ist als eine halbherzige Betreuung Zuhause. Halbherzig in dem Sinne, dass es die Eltern einfach nicht zulassen.


    Wenn er so gar nicht ins Heim will, vielleicht kannst du es als... ähm... "Drohmittel" nutzen? Kann allerdings auch nach hinten los gehen, dass er dann so einen Horror vorm Heim hat, dass du ihn überhaupt nicht mehr hin bekommst, wenn es irgendwann nicht mehr anders gehen sollte.


    Vom Heim könnte ich meinen Vater auch nicht überzeugen. Er ist allerdings inzwischen schon so dement, dass er für Argumente überhaupt nicht mehr zugänglich ist. Meiner Mutter wiederum konnte ich es schmackhaft machen. Und da mein Vater komplett auf meine Mutter fixiert ist, denke ich inzwischen, das man es wagen kann.

    Ich habe heute mit dem Heim gesprochen, in dem mein Vater zur Kurzzeitpflege sollte und er sich geweigert hatte dort zu bleiben. Die Dame konnte sich auch noch an uns und das Theater erinnern 8o

    Sie blieb aber nett und freundlich, meinte nur, er müsse vorher gerontologisch eingestellt werden. Problem ist nur, ich habe ja schon versucht einen Termin zu bekommen, aber der früheste Termin ist Mitte Juni. Sie hat aber versprochen, dass sie versucht mir über einer gerontologische Klinik einen früheren Termin zu besorgen.

    Das Heim wird mir immer symphatischer. :)

  • Guten Morgen zusammen,

    hallo Finja,

    Wenn er so gar nicht ins Heim will, vielleicht kannst du es als... ähm... "Drohmittel" nutzen?

    Naja, so bisserl 'verwende' ich es schon. Ich sag ihm immer wieder, dass wir uns die ganzen Mühen mit Pflegedienst usw. ja in erster Linie deshalb machen, damit sie beide möglichst lange Zuhause bleiben können. Das Wort Heim versuche ich eh schon zu vermeiden, lässt sich aber spätestens dann nicht mehr vermeiden, wenn er wieder in eine depressive Phase rutscht (z.B. wg. nicht eingenommener Tabletten) und 'ihr habt's mich nimma lang!' oder 'I konn nimma, i mach Schluss!' kommt. Meine Antwort darauf ist immer: "Dann weiß Du aber auch, wohin Mom's Weg führt! Weder ich noch Bruder können in der nötigen Weise für sie sorgen. Genau deshalb versuchen wir, DIR so viel es geht zu helfen. Aber Du musst schon auch mitmachen und Hilfe zulassen.".


    Wir (mein Bruder und ich) wissen, dass wir uns mehr oder weniger zeitnah das eine oder andere Heim ansehen sollten. Das nächste ist im Nachbarort und hat gemischte Bewertungen/Rezensionen. Von 3x fünf Sterne ohne weitere Begründung, bis zu 2x einen Stern mit katastrophaler Begründung. Ein Freund meines Bruders, dessen Mutter bis zu ihrem kürzlichen Tod in diesem Heim war, meinte, er könne beides unterschreiben, sowohl/als auch... Der große Vorteil dieses Heimes ist, dass es nur 3-4 km entfernt ist.


    Ich hab versucht, ihm klarzumachen, dass, wenn sie zusammen in eine Einrichtung gingen, sie sich die zuerst mal selbst aussuchen könnten, ihm dann alle Verantwortung für Mom genommen werden würde, er sich um seine Fitness kümmern könnte, Mom versorgt wissen könne, sie beide dann nur noch die guten Stunden genießen könnten + sie wären zusammen.


    Nein, nada, niente, nichts da. Heim = Siechtum. Dann lieber tot! Ende der Diskussion.


    Danke für eure Geduld und fürs Lesen.

    LG Zebulon

  • Was ich auch schon überlegt habe, das Wort "Heim" ist immer so negativ belastet. Evtl. kann man besser von einem "Altenwohnhaus" oder noch besser "Seniorenwohnhaus" reden. Mir ist auch schon aufgefallen, dass viele sich nicht mehr Altenheim nennen sondern Seniorenresidenz oder irgenwas mit Haus.

    Ich werde jedenfalls das Wort Heim vermeiden.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Zebulon, schön zu lesen, dass sich die Kommunikation mit dem Pflegedienst etwas verbessert hat, aber das Schamgefühl (u.a.) Ihres Vaters ist so groß, dass eine hygienische Intimversorgung wohl nur mit einer ganz engen Zusammenarbeit mit allen Beteiligten klappen.


    Ist es möglich mit der Pflegedienstleitung abzustimmen, dass Sie grundsätzlich angerufen werden, wenn Ihr Vater die Versorgung ablehnt? Je stärker die Demenz zunimmt, desto wirksamer werden die mundartlichen Sprüche der Familie, die sie so treffend zitiert haben.


    Ihr Vater braucht vermutlich eher dieses entschlossene, gemeinsame und verständnisvolle Vorgehen, was Sie beschrieben haben. Aber es reicht vermutlich noch nicht, dass er in dem Moment über den Schatten springen kann.


    So verletzend, wie die Reaktion aus der Urologie war, … es kann genau dazu führen, dass Ihr Vater lernt die Hilfe anzunehmen. Es kann auch hilfreich sein, wenn Sie den Nachbarn1 in das Problem einbeziehen – wichtig scheint mir, das Verständnis, wie schwer es ihm fällt zu benennen und gleichzeitig konsequent zu sein und damit zu zeigen, dass es alle Beteiligten gut mit ihm meinen…


    Wenn der Konflikt eskaliert, ist es vielleicht noch eine Möglichkeit, dass der Pflegedienst die Arztbegleitung übernimmt und dann vor Ort die hygienische Vorarbeit leistet. Vielleicht würde allein diese Planung zur vorherigen Annahme der Hilfe beitragen…


    Viel Erfolg auf diesen schwierigen und belastenden Weg, Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Finja,

    Was ich auch schon überlegt habe, das Wort "Heim" ist immer so negativ belastet. Evtl. kann man besser von einem "Altenwohnhaus" oder noch besser "Seniorenwohnhaus" reden.

    ... interessant, dass Du das so empfindest. Ich hatte - bei meiner Mutter - immer das Gefühl, dass es das "Pflege" in "Pflegeheim" war, was sie gestört hat, also dass der Begriff ausdrückt, dass sie als Bewohnerin "hilfebedürftig" sei, was sie - zumindest in ihrer Realität - nicht war. Sie selbst spricht inzwischen von dem "Haus", früher haben wir auch immer ein bisschen darauf geachtet, von "Seniorenwohnheim" zu sprechen, weil ihr das angenehmer war. Ich habe das immer locker gesehen: wenn ich meine Rhetorik ein bisschen anpassen muss, damit meine Mutter sich nicht aufregt, von mir aus ... :)

    LG, SunnyBee

  • Hallo ihr Lieben,


    wie der gestrige Urologie-Besuch ablief, kann ich im Moment nur anhand der nicht erfolgten Anrufe erraten. Da ich gestern ganztägig auf unserer Vertriebstagung war, kein Anruf auf dem Handy erfolgte und auch nach meiner Rückkehr kein Anruf am Festnetz einging, gehe ich davon aus, dass die Hygiene meines Vaters gestern OK war.

    Weiter will ich im Moment gar nicht nachbohren…

    Wenn der Konflikt eskaliert, ist es vielleicht noch eine Möglichkeit, dass der Pflegedienst die Arztbegleitung übernimmt und dann vor Ort die hygienische Vorarbeit leistet. Vielleicht würde allein diese Planung zur vorherigen Annahme der Hilfe beitragen…

    Vielen Dank, das ist eine gute Idee.

    Allerdings gibt es erst noch eine Sache zu klären/ändern…

    Die Mo-Mi-Pflegekraft hat mir mitgeteilt, dass sie im Moment fast ausschließlich mit Putzarbeiten beschäftigt ist und so gut wie nicht zu ihrer eigentlichen Betreuungsarbeit kommt.

    Außerdem erfuhr ich von ihr noch, dass sie (der Pflegedienst) genau dafür explizite Reinigungskräfte haben. Warum weiß ich das nicht? Warum erfahre ich das erst jetzt und so ganz nebenbei von einer Pflegekraft, statt vom Pflegedienst? Spätestens in ihren halbjährlichen 'Qualitätskontrollen' hätte ich gerne davon erfahren.

    Wenn einmal die Woche jemand käme, der nur und ausschließlich drei Stunden zum Putzen kommt, ist allen Beteiligten inkl. der Pflegekräfte damit mehr geholfen, als wenn Pflegekräfte ihre Kompetenz mit Putzen vergeuden.

    Aktuell erwarte ich ihren Rückruf...


    Nicht falsch verstehen, bitte! Eine Putzkraft hat auf ihrem Gebiet die gleiche Kompetenz, wie die Pflegekraft - eben jede auf ihrem Gebiet und wie existenziell wichtig eine Putz- bzw. Haushaltshilfe ist, erfahre ich jede Woche am eigenen Leib.


    Mal wieder lieben Dank für eure Geduld und fürs Lesen.


    LG Zebulon

  • Liebe Zebulon,

    ich möchte kurz etwas zu den Putzkräften des Pflegedienstes sagen.

    Die Putzarbeiten erledigen die Pflegehilfskräfte. Wir hatten das bis zum Zeitpunkt, an dem meine Mutter ins betreute Wohnen ging, auch so geregelt. Leider war es bei uns so, dass dafür beim Pflegedienst zu wenig Personal zur Verfügung stand. Wir konnten uns entscheiden zwischen einmal pro Woche 1 Stunde oder 2 Stunden alle zwei Wochen. Wir wählten dann die erste Variante, eigentlich hauptsächlich aus dem Grund, dass dann einmal öfter ein Blick auf meine Mutter möglich war. So wurde dann einmal wöchentlich geputzt oder ein kleiner Einkauf zusammen mit meiner Mutter gemacht.

    Das war letztendlich aber nicht ausreichend. Die Wohnung war davon nicht wirklich sauber, denn das war nicht in einer Stunde zu schaffen. Aber meine Mutter hatte einen Gesprächspartner, das war letztendlich auch wichtig.

    Der Pflegedienst hat uns das damals auch nicht von sich aus angeboten. Erst nach mehreren Nachfragen bekam ich eine konkrete Antwort.

    Vielleicht hast du mit eurem Pflegedienst Glück und sie haben etwas mehr Personal bzw. dadurch mehr Zeit zur Verfügung. Dann ist es eine gute Sache.

    Liebe Grüße Stern

  • Hallo Stern0709

    ganz herzlichen Dank für deine Infos zu den Reinigungskräften des Pflegedienstes.


    Bisher (jetzt ist es 13:10 Uhr) hat noch niemand zurückgerufen, mein 2. Anruf ist noch unbeantwortet.

    Wir konnten uns entscheiden zwischen einmal pro Woche 1 Stunde oder 2 Stunden alle zwei Wochen.

    Das ist ja nun wirklich keine Hilfe. In einer Stunde die Woche kann doch gerade mal der aktuelle Abwasch gemacht, der Mülleimer rausgebracht und vielleicht noch von der/den Pflegeperson/en die Zähne geputzt werden.


    Da bin ich ja noch gespannter, wie das heutige Gespräch mit dem Pflegedienst ausfällt - sofern heute noch ein Rückruf kommt...


    Nochmal Danke und schönen Nachmittag allerseits. Bleibt stark :*


    VG Zebulon

  • Hallo Ihr Lieben


    Ich hatte heute wieder "Muttertag" und er verlief friedlich und unspektakulär. Muss auch mal sein! Na ja, wenn man davon absieht, dass Mutter mehrfach verärgert war, dass ich mich nicht an die Flucht aus Ostpreußen erinnern konnte (Es geht um eine Zeit 10 Jahr vor meiner Geburt).

    Da wir dieses Thema schon einige Wochen haben, meinten Freunde, ich solle einfach irgend etwas fantasieren.... Wie denn, wenn ich gefragt werde ob ich mich an diesen oder jenen Vorfall erinnere... Ich weiß von diesen Vorfällen nichts, höre sie zum Teil zum ersten Mal.

    Mutter meint, ich will mich nicht erinnern und sie sei sicher, dass ich dabei war.... es war ihre 7 Jahre jüngere Schwester....

    Ich versuche das Thema inzwischen zu umschiffen, versuche ein anderes Thema anzusprechen, was sie zuweilen merkt und dann grimmig mit "Ach ja Themenwechsel " kommentiert.


    Die Herausforderung für mich ist momentan, dass ich nie weiß, was ich von allem halten soll. Mal sind es ganz klare Erzählungen und sie kann sich an etwas von gestern oder vorgestern erinnern, mal fragt sie innerhalb einer Stunde immer wieder das gleiche, bekommt die gleiche Antwort um ein paar Minuten später wieder das Gleiche zu fragen und nach der Antwort dann ein "na das weiß ich doch" loszulassen...


    Mal erzählt sie, dass man sich nicht um sie kümmert und sie von ihren sozialen Kontakten abschneiden will , dann lobt sie einen für die Verlässlichkeit, weil man sie anruft, mal ruft sie verärgert um 6.00 Uhr an, sie würde nun schon zwei Stunden auf ihr Frühstück warten und es könne nicht sein, dass sie erst Mittags Frühstück bekommen... Und man würde sich ja um nichts kümmern. Es passt leider vorn und hinten nicht



    Aber ich würde gerne noch auf den Umgang mit dem Begriff "Heim" eingehen.


    Was ich auch schon überlegt habe, das Wort "Heim" ist immer so negativ belastet. Evtl. kann man besser von einem "Altenwohnhaus" oder noch besser "Seniorenwohnhaus" reden. Mir ist auch schon aufgefallen, dass viele sich nicht mehr Altenheim nennen sondern Seniorenresidenz oder irgenwas mit Haus.

    Ich werde jedenfalls das Wort Heim vermeiden.

    Ich kann mich gut daran erinnern, dass es bei meiner Mutter ein Erziehungsmittel war. "wenn Du nicht artig bist, kommst Du ins Heim" oder "Wenn Du nicht gehorchst, stecke ich Dich ins Heim, da werden sie Dir die Flausen schon austreiben"...

    Auch bei meiner Mutter ist die Reaktion auf "Altersheim" oder "Seniorenheim" sehr problematisch.... "Ihr wollt mich nur in die Klapse stecken".... Ich könnte mir vorstellen, dass die eigenen Drohungen von früher sie jetzt einholen. Bei uns heißt es daher, in den seltenen Fällen, in denen diese Einrichtungen angesprochen werden "Seniorenpflegeeinrichtung" . Ich gebe zu, es hilft nur bedingt, aber ein wenig schon ....


    Morgen ist wieder "Muttertag" weil ich mit ihr zum Arzt muss. Sie hat darauf bestanden, nachdem sie sich jetzt einige Tage immer wieder geweigert hat, die Tabletten, die ihr der Pflegedienst ein mal am Tag bringt, zu nehmen.... sie macht so lange Theater, sie nehme sie später, dass der Pfleger irgendwann geht und sie die Tabletten dann in die Toilette oder in den Müll wirft...

    Sie brauche keine Tabletten, so ein Quatsch, der Arzt habe sie ja nicht einmal anständig untersucht .... und und und ... von den Tabletten wird ihr schwindelig! Mal sehen, was morgen passiert.... ich bin gespannt!


    Danke für die Geduld beim Lesen und ein schönes Wochenende Euch allen

    Liebe Grüße

    Taybeere

  • Liebe taybeere,

    du könntest dich ja auch mal ein bisschen belesen, was die Flucht aus Ostpreußen betrifft 😂🙈!! Ich hoffe, du verstehst den Spaß! Manchmal ist es wirklich ein bisschen zum Schmunzeln, wenn man solche Sachen hier liest, aber ich weiß, dass es für dich in diesem Moment garnicht lustig ist. Geht mir ja öfter genauso.

    Meine Mutter fragte mich letzte Woche, ob ich wüsste, wo ihr Kind und ihr Mann sind (ich bin ihr einziges Kind und mein Vater ist vor 10 Jahren verstorben). Da hatte ich auch keine Antwort parat und lachen konnte ich auch nicht… Man muss sich einfach auf dieses viele Durcheinander einlassen. Ich versuche auch inzwischen nicht mehr zu viel zu erklären. Es ist mir schon oft genug passiert, dass meine Mutter dann sagt „na das weiß ich doch selbst“. Ich versuche alles so locker wie möglich zu nehmen und mir später auch keine weiteren Gedanken über das Gesagte zu machen. Vielleicht kannst du das auch versuchen.


    Ich kann mich gut daran erinnern, dass es bei meiner Mutter ein Erziehungsmittel war. "wenn Du nicht artig bist, kommst Du ins Heim" oder "Wenn Du nicht gehorchst, stecke ich Dich ins Heim, da werden sie Dir die Flausen schon austreiben"...


    Genau das Gleiche hörte ich früher auch von meiner Mutter. Du bist die Erste, liebe taybeere, von der ich so etwas auch erfahre. Danke dafür 🌺

    Dieser Satz ist bei mir wie eingemeisselt und ich war schon sehr oft traurig und enttäuscht darüber. War ich denn so ein schlimmes Kind für sie? Immer wieder hab ich mich gefragt, wie man als Mutter sowas zu seinem Kind sagen kann. Das würde ich niemals tun.


    Ich wünsche dir morgen noch viel Erfolg beim gemeinsamen Arztbesuch und dann auch ein schönes Wochenende.


    Liebe Grüße Stern

  • ... interessant, dass Du das so empfindest. Ich hatte - bei meiner Mutter - immer das Gefühl, dass es das "Pflege" in "Pflegeheim" war, was sie gestört hat, also dass der Begriff ausdrückt, dass sie als Bewohnerin "hilfebedürftig" sei, was sie - zumindest in ihrer Realität - nicht war.

    Hm, ja, das stimmt, ich vermeide das Wort Pflege auch. So spreche ich zum Beispiel nicht von der Tagespflege sondern benenne die Einrichtung beim Namen.


    Puh, was für eine Woche. Meine Mutter hat jetzt zum zweiten Mal eine Wundrose entwickelt, nur half dieses Mal das Antibiotika nicht und sie musste am Montag ins Krankenhaus. Bedeutete für mich: Morgens mit Mutter zum Arzt, dann wollte sie, bevor ich sie ins Krankenhaus gebracht habe, noch Duschen, Mittagessen, Tasche packen, ab zum Krankenhaus. 16 Uhr wieder Zuhause und dann noch bis 22 Uhr arbeiten.

    Dienstag nach der Arbeit ins Krankenhaus, Mittwoch mit unserer Pflegekraft einkaufen, heute nach der Arbeit meinen Vater abgeholt und mit ihm ins Krankenhaus. Jeden Tag war ich erst zwischen 19 und 19:30 Uhr zuhause. Nur gut dass wir dieses Mal die Pflegekraft haben, die sich um meinen Vater kümmert, eine Sorge weniger.


    Oh Wunder, mein Vater hat sich am Mittwoch vom Pflegedienst Duschen lassen. Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen.

    Ich habe Mittwoch Nachmittag noch versucht mit ihm zu reden. Es ist erschreckend, aber ein Gespräch ist nicht mehr möglich. Ich habe irgendwie noch den Zusammenhang verstanden, er wollte mir mitteilen, dass er versteht das er Hilfe benötigt. Eine Einsicht die vermutlich nicht lange anhalten wird.

    Heute muss er völlig verwirrt gewesen sein. Die Pflegekraft erzählte, dass er zum Frühstück mit Hemd und darüber noch sein Schlafanzugoberteil kam, später hatte er dann einen Pullover als Hose angezogen und zum Mittagessen kam er in Unterhose mit Schürze, keine Ahnung wo er die Schürze her hatte.


    Tja und morgen kommt der ärztliche Dienst für eine Neueinstufung des Pflegegrades. Ich habe mir heute noch mal die letzte durchgelesen, die gerade mal ein dreiviertel Jahr her ist. Es ist erschreckend wie sehr sich sein Zustand in der Zeit verschlechtert hat.

  • Liebe Stern,


    danke für Deine lieben Zeilen. Ja, man kann manchmal nur noch lachen, nur leider bleibt einem dann das Lachen irgendwie im Hals stecken ...


    Gruselige Erziehungsmethoden... und noch ein wenig gruseliger bei dem Gedanken , dass sie bei mir von einer ausgebildeten Sonderschulpädagogin kamen.... Schlimm waren wir sicher beide nicht, denn dann wären wir heute sicher nicht so wie wir sind... wir würden uns sicher trotz allem nicht so intensiv um die Ladies kümmern und uns so einiges gefallen lassen ...


    Mein jüngster Sohn (34) kam irgendwann dazu als ich im Wohnzimmer saß und mal wieder heulte weil Madame mich traktiert hatte... Oft steigt dann die Angst in mir hoch, dass ich genauso werden könnte... mein Sohn war einmalig.... er strahlte mich an und meinte "Du, da musst Du jetzt aber anfangen fleißig zu üben!"


    Ich wünsche eine gute Nacht

  • Liebe taybeere,

    …da hat dein Sohn ja nett reagiert 😁

    Mein Mann hat schon öfter bevor meine Mutter krank wurde gesagt, hoffentlich wirst du mal nicht, wie sie. Weil sie immer soviel geredet hat, ohne Punkt und Komma.


    Aus der Situation mit der Demenz meiner Mutter hab ich im Laufe der letzten 2 Jahre auf jeden Fall schon gelernt und eine Konsequenz gezogen. Ich werde so früh, wie möglich regeln, was gemacht werden soll, wenn ich selbst mal Hilfe benötige. Meinen Kindern und meinem Mann möchte ich diese Art von Drama auf keinen Fall zumuten. Ich denke oft darüber nach, aber habe noch keine gute Lösung gefunden.

    Lass uns hoffen, dass wir nicht auch an Demenz erkranken und genauso wie unsere Mütter werden, unsere Angehörigen traktieren und beleidigen….

    Also fangen wir schnell an, das zu üben 😆


    Gute Nacht

  • Hallo zusammen ,

    Heute war ein etwas besonderer Tag, ich habe meiner Mutter nach 1 Jahr endlich einmal klar gesagt, dass mein Bruder letztes Jahr verstorben ist. Ich habe es einfach nicht eher übers Herz gebracht und sie hatte auch viele Monate nicht mehr nach ihm gefragt, bis Weihnachten.. da habe ich gesagt "alles okay", genau wie bzgl.ihrer Mama und ihren Brüdern, längst verstorben, aber eben nicht für sie. martinhamborg hatte die Idee, dass ich ihr 1mal die Wahrheit sage, mein Gedanke dazu war, dass sie sich nicht unbewusst krampfhaft in dieser Welt hält aus Sorge um ihr lebenslanges Sorgenkind (geistig behindert u.a.).

    Für mich war es auch heute aufregend und traurig, bei meiner Mutter schien es tatsächlich bis in die Tiefe anzukommen und ich habe in wenigen Sätzen die vorherige Entwicklung mit der Erkrankung etc.geschildert, dass wir ihm eine schöne Beerdigung gewidmet haben, wer in etwa dabei war, sie war ärgerlich, dass sie meinen Bruder nicht besuchen konnte und ich habe erklärt, dass sie ja zu dem Zeitpunkt selbst im Krankenhaus war etc. Im nächsten Satz dann fragte sie, ob es ihm wieder besser geht, hab geantwortet, ja, er sei ja nun im Himmel, Reaktion "ohje, wenn er im Himmel ist, ist er ja tot" - das war tatsächlich logisch..also man wundert sich manchmal. Dann aber Quantensprung, ob das Auto ihres Bruders noch kaputt sei, er habe gestern davon erzählt...

    Themenwechsel - ich habe dann schöne Fotos vom jüngsten Urenkel gezeigt. Die Stimmung wieder wie anfangs.

    Nunja, nun ist es raus, für mich, bei ihr vermutlich schon wieder weg , egal.


    Neu war, dass ich sie im Rollstuhl antraf, lt. Pflege heute ein sehr schläfriger Tag, was nun öfter vorkomme. Auch während wir uns unterhielten, kippten teils die Augen etwas weg oder fielen zu.

    Das Sprechen sehr schleppend und die Zeitschrift, die sie die letzten Jahre so toll fand und ich heute neu mitgebracht hatte mit vielen schönen Blumenfotos drin, konnte sie erstmalig nicht selbstständig in Händen halten, weil sie zu schwer war.

    Einmal meinte sie heute, sie sei 32 Jahre, ein anderes Mal sagte sie, sie sei schließlich alt und da sei man schon mal müde.


    Puh, nun habe ich viel geschrieben, aber es war sehr aufregend für mich und nimmt mich schon mit, dass so nach und nach die Lebensenergie (gefühlt millimeterweise über die letzten 5 Jahre) aus meiner Mutter entweicht..

    Sie wolle doch gerne wieder in ihren vorherigen Heimatort zurück, dann sei sie näher bei ihrer Mama. Ich habe gesagt, vllt holt ihre Mama sie ja bald mal ab... ich würde es ihr so wünschen, da sie sich schon soooo lange nach ihrer Mama sehnt,das vorherrschende Thema der letzten Monate.


    Seid alle herzlich gegrüßt!

    Eure Rose60

  • Liebe Rose60

    Dein Beitrag hat mich gerade sehr berührt und ich habe richtig gespürt wie ich es mir für Deine Mama wünsche, dass Ihre Mama sie irgendwann abholt… was für ein schöner Gedanke…. 🫶🏻

  • Gedanken zur Nacht….

    Ich war das letzte mal am Montag bei meiner Mutter im Altersheim, der Besuch war durchwachsen…. Erst habe ich sie relativ fit angetroffen, später hat sie meiner Tochter erzählt dass sie mit mir mal in Hamburg auf Klassenfahrt war (…) 😯

    Ich gewöhne mich langsam daran, dass ich bei jeden Besuch eine neue Person zu sein schreine… immerhin ist es immer positiv, manchmal lustig… aber ich bin nie jemand über den sie sich geärgert hat (immerhin 🙂🙏🏼).

    Heute Nachmittag habe ich einen Anruf aus dem Altenheim bekommen, sie hätten den ärztlichen Notdienst gerufen, weil meine Mamaein rotes, geschwollenes heißes Bein hätte. Der hat sie sicherheitshalber per Krankenwagen ins Krankenhaus bringen lassen… Verdacht auf Thrombose 😔 - klar…

    Ich frage mich jetzt ob sie nicht längst hätte Thrombosespritzen oder Strümpfe tragen müsste… sie sitzt ja nur noch im Rollstuhl oder liegt im Bett…

    Ich hoffe jetzt dass sie gut behandelt wird und werde dann morgen ins Altersheim und dann wohl ins KH fahren

  • Liebe Rose60

    Heute war ein etwas besonderer Tag, ich habe meiner Mutter nach 1 Jahr endlich einmal klar gesagt, dass mein Bruder letztes Jahr verstorben ist.

    Deiner Schilderung nach hat Deine Mutter die Nachricht vom Tod Deines Bruders doch einigermaßen gut aufgenommen. Ich denke, es war auch für DICH wichtig, zumindest einmal die Wahrheit auszusprechen.


    Mein Bruder konfrontiert unsere Mutter manchmal mit bestimmten Wahrheiten und ich habe ihn gefragt, warum er das macht, weil sie es doch nach 15 Minuten eh wieder vergessen hat. Er meinte dann, dass er das in erster Linie für sich selbst macht, weil es ihm dann besser geht mit dem Frust über ihr mütterliches Versagen.

    Das Beispiel hinkt natürlich, aber ich hoffe, Du verstehst worauf ich hinaus will ...

    Manchmal liegt im Vergessen auch ein gewisser Trost, ich denke, das ist vielleicht für Deine Mutter so.

    Ich wünsche Euch noch eine friedliche Zeit miteinander.

    Liebe Grüße, SunnyBee

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