Wie geht es euch - Kapitel V

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  • @NoName

    ist ok,

    mein Kühlschrankspruch bezog sich auf deinen Post bezgl. wie Paare miteinander umgehen.

    Das war's auch schon.

  • Liebe Alle.

    Vielen Dank für die wertvolle Diskussion. Und ich habe verstanden, dass es eben mal passieren kann, etwas lauter zu werden (was allerdings keine Entschuldigung ist...) ich denke, dass mein Vater hier überwiegend viel Liebe und Fürsorge erfährt und manchmal auch Dinge sagt, deren Wirkung er einfach nicht mehr überblickt. Das muss ich noch lernen, damit besser und gelassener umzugehen. Denn, wenn ich das alles lesen, was ihr erlebt, habe ich noch eine relativ einfache Aufgabe... Mein Vater macht (fast) alles mit und wir haben viele schöne Tage miteinander.


    Liebe Grüße Sabine

  • Wie lange hast du deinen Vater nun schon ständig um dich? Und dann lässt er einen Satz vom Stapel, der, wäre er nicht dement, wie übler Undank klänge. Ich finde, deine Reaktion war normal und mehr als verständlich.


    Ich schreie auch schon mal. Wenn ich ständig angebrüllt werde wegen Dingen, für die ich nichts kann. Wenn ich ohne Bitte und Danke herumkommandiert werde. Neun von zehn Malen lache ich es weg oder weise meine Mutter darauf hin, dass ich nichts dafür kann, dass sie dauernd Schmerzen hat, ihr schwindlig ist, ihre Nase läuft oder ihr ein Missgeschick passiert ist. Wenn ihr ihre Hilflosigkeit oder ihre kognitiven Aussetzer bewusst werden und sie ihren Frust an mir austobt, und sagt, sie brülle nicht mich an, sondern in der Gegend herum, dann tut mir das leid, aber irgendwann ist Schluss und mir platzt der Kragen und ich schnauze sie an, ich sei es leid, ihr Blitzableiter oder Mülleimer zu sein. Hinterher tut es mir dann meistens leid. Aber auch nicht immer, denn ich habe nun mal keine übermenschlichen Kräfte und kann auch nicht wie eine Profi-Pflegekraft nach soundsovielen Stunden in den Feierabend entschwinden.

  • Lieber Hinz.

    Seit zwei Monaten lebt mein Vater nun bei mir. Die ersten Wochen war ich abends wie tot. Nun ist es anders. Er geht drei Tage die Woche in die Tagespflege. Im Moment habe ich die Zeit für mich bzw. irgendwelchen Orgakram oder Haushalt. Luxus. Acht Stunden ist er nicht hier und gut versorgt... In drei Wochen gehe ich wieder 50% arbeiten. Dann wird die Zeit für mich wieder sehr gering. (zum Glück macht mir meine Arbeit viel Spaß und ich sehe sie weniger als Belastung).


    Konfliktlinie ist meist meine Mutter. Mein Vater erinnert sich nicht mehr an die Zeit im Heim und kann daher auch nicht meine Wut verstehen, wie meine Mutter das zulassen könnte. Und dass ich ihn vorm sicheren Untergang gerettet habe. Trotzdem ist er sehr dankbar für meine Zuneigung und Versorgung. Er realisiert auch nur (noch) teilweise, dass es eigentlich noch einige Zeit gut zuhause gegangen wäre. (so sehe ich das, meine Mutter sieht das natürlich anders....)


    Ausrasten finde ich eigentlich überhaupt nicht in Ordnung. Aber es ist doch manchmal die große Wut und Verzweiflung in mir, die aus mir rausbricht... Aber die hat mein Vater nicht verdient, der ein sanftmütiger Mensch ist und einfach Riesenpech mit seiner Krankheit (und seiner Frau!!!) hat.

  • Hallo Rose60

    Von meinem verstorbenen Mann habe ich gelernt, dass man auch kontrolliert klare Worte finden kann und Grenzen und Konsequenzen ziehen, das hat mir sehr gefallen und war mir ein gutes Vorbild.

    Ich habe das - längst erwachsen und in fortgeschrittenem Alter - bei einem Therapeuten gelernt und es war soooo gut! Besonders das "Grenzen setzen" und "sich abgrenzen" - auch von Menschen, die mir nahe standen - war und ist unglaublich wertvoll. Es hat mir persönlich tatsächlich geholfen, im Umgang mit meiner Mutter nicht zu verzweifeln oder vor Mitleid zu zerfließen, sondern praktisch und pragmatisch (zu ihrem Wohle!) zu handeln. Hat sie es eingesehen oder war gar damit einverstanden? Nein - aber das war und ist der Krankheit Demenz geschuldet, das ist mir heute klar.

    Meine Mutter hat das dann für sich genutzt, um so boshaft zu sticheln wie möglich und den einzelnen mächtig einzuschenken.

    Das macht sie auch heute noch (lange geübt), wenn ihre geistige Verfassung das zulässt. Hinterher behauptet sie, war nur ein Witz, man solle sich nicht so anstellen.

    Das kenne ich gut - meine Mutter hatte es richtig gut drauf, mich mit wenigen Worten "niederzumachen". Meistens war ich nicht hübsch genug und ich würde nie einen Mann finden und müsste mich als alte Jungfer ganz meinem Beruf widmen ... (Wenn man seinen Beruf liebt, was ist daran verkehrt?)

    Wie dem auch sei, wenn ich sie darauf angesprochen habe, hieß es immer: "Du bist immer so empfindlich, so war das doch gar nicht gemeint".

    Doch - war es.

    Heute gebe ich durchaus mal Kontra, das hat sie dann nicht so gerne.

    Zum Thema "Ausrasten": Ausrasten und laut werden liegt mir persönlich nicht so, ich bin dann eher innerlich weinend und verzweifelt aus der Begegnung gegangen. Habe viel zu lange vor mich hingelitten, aber - siehe oben. Es gibt Hoffnung!

    In diesem Sinne allen ein schönes Wochenende! SunnyBee

  • Mir ging es nicht wirklich um Bewertung, ich finde es ein wichtiges Thema , sich auch über den Umgang mit Konfliktsituationen auszutauschen und ich denke, es wird auch deutlich, wie unsere Vorgeschichten da reinspielen.

    Du kennst meine Vorgeschichte nicht, und ich deine nicht. Müssen wir auch nicht.

  • @NoName

    ist ok,

    mein Kühlschrankspruch bezog sich auf deinen Post bezgl. wie Paare miteinander umgehen.

    Das war's auch schon.

    Oh, hi Thea,

    ja, da bin ich mit beiden Füßen voll auf dem Schlauch gestanden. :)


    Jetz wo ein Lämpchen aufgeleuchtet hat, kann ich dir (und dem Spruch) nur zustimmen.

  • Heute gebe ich durchaus mal Kontra, das hat sie dann nicht so gerne.

    Zum Thema "Ausrasten": Ausrasten und laut werden liegt mir persönlich nicht so, ich bin dann eher innerlich weinend und verzweifelt aus der Begegnung gegangen. Habe viel zu lange vor mich hingelitten, aber - siehe oben. Es gibt Hoffnung!

    SunnyBee: ja, ich verstehe dich, die offensive Auseinandersetzung ist eben nicht dein Ding, dabei kannst -und solltest- du auch bleiben, soweit es für dich passt. Wenn man versucht, etwas von anderen Leuten zu übernehmen, was zur eigenen Person nicht passt, dann kommt das eh nicht überzeugend rüber. Ist jedenfalls so bei mir.


    Aber auch ich spring, wie schon geschrieben, hin und wieder über den eigenen Schatten, und bin lieb und sanft. ;)

    Und du experimentierst ebenso mit der "härteren" Variante.


    Alles was hilft, ist erlaubt.

    Ich find's besser , deine Demente ist mal frustriert, wütend, was immer, als dass du innerlich weinst! :thumbup:


    Nebenbei, das Verhalten von deiner Mutter dir gegenüber läßt mich tatsächlich wünschen, sie hätte mit mir zu tun.

    Wie du es schaffen kannst, diese Person zu ertragen, ist mir schon ein Rätsel.

    Und dass du ihr hilfst, ist für mich der Inbegriff der Freundlichkeit!

    2 Mal editiert, zuletzt von NoName ()

  • Ohja, das mit dem Ausrasten kenne ich auch.
    Früher wurde es bei uns zuhause nie laut. Wenn der Haussegen schief hing, dann wurde über Tage vor sich hin "geprüttelt". Echt unschöne Situation, Probleme wurden nicht geklärt sondern ausgesessen.

    Erst mein Mann hat mir beigebracht, das ein lautes Gewitter die Luft reinigt. Wenn wir uns streiten, dann laut und heftig, aber kurz und anschließend ist alles wieder gut.

    Grundsätzlich finde ich es aber auch besser nicht alles in sich hinein zu fressen. Mir gefällt der Gedanke mit dem Brief.

    Ja, so meine ich das mit dem lauten Austicken. Es reinigt die Atmosphäre. Und wenn die Luft dann im ungünstigen Fall eben nur für mich reiner ist, auch gut.

    Das "Prütteln" würde mich in den Wahnsinn trieben.


    Ein Brief würde für mich zwar bewirken, dass ich alles klarer sehe, und ich schreibe in sehr schwierigen Situationen gern auch einen an mich selbst, aber wenn eine andere Person beteiligt ist, dann ist mit dem/der noch nichts geklärt.

    Und diese Klärung funktioniert für mich am Besten im direkten Kontakt. Da kann ich sofort und unmittelbar auf das Gegenüber reagieren.

  • Ich konnte mir noch nicht alle eure Gedanken zum Thema „Ausrasten-ja/nein“ durch den Kopf gehen lassen. Werde ich aber noch tun, und dann antworten. Vielen Dank auf jeden Fall!


    Jetzt grade muss ich noch innerlich mit dem letzten Besuch bei meinem „Stiefvater“ abschließen, und schreibe deshalb praktischerweise gleich hier.


    Statt einem Tag wie geplant, wurden es fast 2.

    Erst eine Nachtfahrt über 500km nach 3-4 Std Schlaf und bei Starkregen. Dann sofort nach Ankunft das Date mit dem Pflegedienst, der vorher telefon. mitgeteilt hatte, dass es so mit dem Dementen nicht weitergeht, der nebenbei alle vorher gemeinsam vereinbarten zusätzlichen Leistungen verweigert, und sich über nicht näher erklärte „Bedrohungen“ beklagt.

    Jetzt endlich endlich war der Dienst auch überzeugt, dass eine gesetzliche Betreuung für fast alle Lebensbereiche zwingend erforderlich ist, und der Antrag ans Amtsgericht konnte mit Unterschrift beider Parteien auf den Weg gebracht werden. Uff, ein wichtiger Punkt auf der Liste ist abgehakt!


    Dann wieder zurück in die Wohnung, warten auf den Reparaturdienst Nr. 2 (Nr.1 war schon beim letzten Besuch abgearbeitet), derweil Suche nach den neuesten Mahnungen, diesmal kein Inkassoverfahren, sondern nur die Zahlungsaufforderung eine RA-Büro’s, zusammen mit weiteren noch unbezahlten Rechnungen, Auffinden eines Schreibens, das vermuten ließ, dass dieser unfassbar dumme Mensch Opfer eines Betrugs ist, der bereits kriminaltechnisch verfolgt wird, ja, und dann nach Stunden des Wartens endlich der ersehnte Handwerker.


    Als krönendes Highlight des Tags, sozusagen als Schmankerl, dann der gemeinsame Besuch der örtlichen Polizeidienststelle, ohne Ausweis des Dementen, denn der war leider nicht auffindbar.

    Die hatten selbstverständlich auch große Freude, und natürlich auch nur auf uns gewartet. Es konnten auch digitale Hinweise auf ein polizeiliches Ermittlungsverfahren der Kripo gefunden werden, also ist für mich erstmal kein weiterer Handlungsbedarf gegeben. Aber, und jetzt wird’s wirklich lustig, es ist die Zeugenaussage des dementen Stiefvaters nötig. Die wird die Kripo in schriftlicher Form einholen. Yesss!

    Der Revierpolizist hat bei dieser Mitteilung auch eher hilflos in den Raum geschaut. Es wird aber noch die Institution angehört, die Anzeige erstattet hat, immerhin.


    Gleich am nächsten Tag in der Früh der neue Demenztest mit erwartbaren Ergebnis: Kurzzeitgedächtnis praktisch nicht existent. Kaum noch Alltagskompetenzen vorhanden, aber: Testergebnis allein begründet noch keine Änderung des Pflegegrads, und, noch viel schrecklicher: es ist lt. Doc „noch viel Luft nach oben“, sprich, da geht hinsichtlich Krankheitssymptomen noch viel viel mehr. Nach dem Test wieder heim, und dann zum Pflegedienst, den Schlüssel abliefern.

    Dort ein Anruf der Arztpraxis, wir könnten noch am selben Tag einen Termin für die Abschlussbesprechung beim Neurologen haben.

    Wieder zurück in die Wohnung, den Dementen gezwungen, auf Mittagessen Punkt 12h zu verzichen, und statt dessen eben um 13:30 zu speisen (ich hatte zu diesem Zeitpunkt nur eine Tasse Kaffee im Magen). Termin beim Doc, Ergebnis s.o., aber er hat mich außerdem mit einer maßgeschneiderten medizinischen Begründung für das Erfordernis der amtl. Betreuung beschenkt, wofür ich am liebsten vor ihm auf die Knie gesunken wäre.

    Dann nochmal in die Whg, und endlich Heimfahrt für mich, natürlich zu einer Zeit, zu der absehbar war, dass ich an einem besonders unangenehmen Verkehrsknotenpunkt ganz gewiss im Stau hängenbleibe. Was auch so eintraf.


    Am nächsten Tag dann Abarbeiten der Arbeitsrückstände.


    Ich liebe meinen Dementen!


    Der hat mir nämlich vor der Abfahrt noch erklärt, dass er sich in einem solchen Fall frei genommen hat. Ah, ja? Und in welchem Fall genau? Das war dann leider nicht mehr erinnerlich, aber dass mein Lage für ihn problemlos zu bewältigen gewesen wäre das wusste der schon.

    Ich hab mich dann nur noch erkundigt, wer mir denn freigeben soll, denn dass ich selbstständig bin, das weiß er noch . Da hat er sich dann vorsichtshalber die Zeitung vor die Nase gehalten, ohne Brille.


    Und bevor jetzt jemand aufschreit, nein, das ist nicht allein der Krankheit geschuldet, der war schon immer so, nur eben verdeckter, und weniger stark ausgeprägt, vielleicht.

    Und falls doch die Krankheit gesprochen hat, wo ist der Unterschied? Unverschämtheit kommt als Unverschämtheit bei mir an, und ich will mich nicht verbiegen, um mir das schönzureden.


    Ha, jetzt hab ich wenigstens den ganzen Mist raus. Jetzt fühl ich mich fast wieder wie ein normaler Mensch, und nehm mir den Rest des Tages frei.


    Aber sorry für’ Abkauen eurer Ohren!

  • @NoName Uff, das hört sich nach zwei anstrengenden Tagen an.


    Du hast am gleichen Tag noch einen Termin beim Neurologen bekommen? Nicht schlecht. Ich warte seit 2 Monaten auf den Termin und werde ihn jetzt absagen, da es im Pflegeheim einen Neurologen gibt, gottseidank.

    Das mit der Polizei ist auch "lustig". Aber ja, deutsche Gesetze :D Ich hoffe jedenfalls, der Betrug hat keine schlimmen Auswirkungen. Demente sind ja leider leichte Beute für Betrug...

  • Hallo NoName,


    ich hoffe, Du hast dich vom Stress deiner anstrengenden Reise schon ein bisschen erholt! Anstrengende Dinge, Aufregendes und sogar etwas zum Schmunzeln… Auf die schriftliche Zeugenaussage des Schwiegervaters für die Polizei wäre ich auch gespannt..-)

    Zumindest konntest du dir deinen Frust hier von der Seele schreiben und das ist ja schon mal viel wert.

    Solche und ähnliche Situationen hat hier wahrscheinlich schon fast jede/r erlebt.

    Auch ich hab beim Ausräumen der Wohnung meiner Mutter die ein oder andere Mahnung gefunden, abgesehen von unzähligen ungelesenen und unbeantworteten Schreiben von Behörden usw. Abgesehen vom restlichen Chaos in der Wohnung.

    Das hat auch bei uns nicht gerade einen Freudenschrei ausgelöst.


    So, wie du das Erlebte beschreibst, nehme ich mal an, dass es auch schon vor der Demenz ein schwieriges Verhältnis zwischen euch war.

    Ich glaube allerdings, dass Du da auch gewisse Anteile daran hast. Es gibt ja auch Menschen, die mit so einer direkten Art und Weise, wie du sie hast, nicht gut oder garnicht zurecht kommen.

    Da schließe ich selbstverständlich auch die Demenzkranken ein. Was nicht bedeuten soll, dass man alles immer nur Schlucken muss.

    Es hat letztendlich auch etwas mit Respekt im gegenseitigen Umgang zu tun.

    Ganz sicher ist es auch nicht unbedingt erfolgversprechend und zielführend, den dementen Angehörigen zu irgend etwas zu zwingen.

    Meine Mutter hat mir schon genügend Dinge gesagt, die mich traurig und auch manchmal wütend gemacht haben, allerdings bin ich dabei niemals auf den Gedanken gekommen, sie deshalb als unverschämt anzusehen. Ich hab sie deshalb auch nicht angeschrien, weil es einfach nichts gebracht hätte.


    Letztendlich muss jeder für sich selbst entscheiden, welche Form des Umgangs für ihn besser ist. Ich selbst bin da mehr für die respektvollere Variante und diese erwarte ich auch von anderen, wenn ich selbst mal in die Situation kommen sollte, dass ich auf fremde Hilfe angewiesen bin.


    Viele Grüße und noch einen schönen Abend!


    P. S. Über eine Höherstufung des Pflegegrades entscheidet doch nicht der (behandelnde) Arzt oder derjenige, der einen Demenztest durchführt. Unabhängig von dessen Meinung, kannst du jederzeit einen Antrag auf Höherstufung stellen.

  • Stern:


    nein, ein schwieriges Verhältnis hatten wir früher nicht, das hat sich erst jetzt so entwickelt.


    Ich hatte das schon mal beschrieben, deshalb nur kurz: Meine Mutter war eine Albtraumfrau und Meisterin der Manipulation durch emotionale Erpressung und passive Aggression.

    Ich muss aber sagen, ich hatte einfach sehr viel Glück, und eine Großmutter bei uns im Haus, die mit mindestens 3 Beinen auf dem Boden stand, und einen Onkel, der wie ein Vater für mich war, als meiner gestorben ist.

    Die waren "meine" Erwachsenen, auf die ich mich verlassen konnte.


    Als meine Mutter wieder geheiratet hat, war ich zwischen 12 und 13 Jahre alt,

    und obwohl ich überhaupt nichts mit ihm anfangen konnte, war ich ihm trotzdem sehr dankbar, weil durch ihn meine Mutter nicht mehr wie ein toter Albatross um meinen Hals gehangen hat.


    Ich habe das schon mal geschrieben: er war der "Mann ohne Eigenschaften" für mich, aber eigentlich ok, weil er sich über nichts aufgeregt hat, was ich so angestellt habe, um meine Mutter auflaufen zu lassen.


    Ich habe dieses Verhalten damals als Coolness eingeschätzt, und eigentlich erst kürzlich bemerkt, dass er nicht tiefenentspannt, sondern vollständig gleichgültig gegenüber allen anderen Personen ist (meine Mutter eingeschlossen).

    Was das für eine Störung ist, weiß ich nicht, aber da ist definitiv ein erhebliches emotionales Defizit vorhanden.


    Und hier muss ich dir widersprechen, es war durchaus hilfreich und absolut

    zielführend, ihn zur Wahrnehmung des Termins beim Doc zu nötigen.

    Gegessen hat er später, und mir hat es eine weitere Fahrt an einem anderen Termin erspart.

    Wer Zeit und Muße hat, kann das gern anders handhaben.


    Nein, natürlich entscheidet nicht der behandelnde Arzt über den Pflegegrad, aber einer entsprechende Empfehlung im Gutachten folgt in der Regel auch der medizinische Dienst. So schon geschehen in unserem Fall.


    Und selbstverständlich habe ich "Anteile" an der Situation. Was sonst?

    Ich habe wie alle anderen Menschen meine Befindlichkeiten und Eigenheiten, und vor allem meine Grenzen, die in diesem Fall weit überschritten wurden, obwohl ich deutliche Warnlaute von mir gegeben habe.


    Ich kann nicht sehen, dass es besser für mich wäre, mich von der Situation so runterziehen zu lassen, dass es mich erheblich beeinträchtigt.

    Das passiert nicht, und wird es auch nie, wenn ich es verhindern kann.


    Es tut mir so leid, wenn ich lese, wie manche Fori's für ihre Dementen den Fußabtreter geben sollen, und das alles nur, weil jedes unmögliche Benehmen der Angehörigen mit Krankheit entschuldigt wird. Und wie diese Angehörigen offensichtlich leiden. Mir geht da das Messer in der Tasche auf.

    Ich hab auch schon geschrieben, dass ich mir wirklich nicht mehr sicher bin, was bei denen Krankheit, und was urprünglich vorhandene und jetzt offensichtlich zu Tage tretende Persönlichkeitsanteile sind.


    Zuletzt "Respekt": ja respektiert mich diese Person, oder respektiert er meine Belange? Du darfst sicher sein, dass bei uns abgesehen von dem Dementen noch andere Baustellen bestehen, so wie bei vielen anderen auch. Kümmert das ihn? Kein bißchen, nicht mal in der kurzen Zeitspanne, die er sich das merken kann.

    Also, wer mir keinen "Respekt" entgegenbringt, braucht keinen von mir erwarten. So oft wie übrigens jeder dieses Wort im Munde führt und für seine Zwecke gebraucht, wäre "Respekt" für mich ein heißer Favorit für das Unwort des Jahrzehnts.


    Wie auch immer, eine schönen Restabend zurück ;)

  • Es tut mir so leid, wenn ich lese, wie manche Fori's für ihre Dementen den Fußabtreter geben sollen, und das alles nur, weil jedes unmögliche Benehmen der Angehörigen mit Krankheit entschuldigt wird. Und wie diese Angehörigen offensichtlich leiden. Mir geht da das Messer in der Tasche auf.

    Ich hab auch schon geschrieben, dass ich mir wirklich nicht mehr sicher bin, was bei denen Krankheit, und was urprünglich vorhandene und jetzt offensichtlich zu Tage tretende Persönlichkeitsanteile sind.

    Liebe Alle,


    über meine Mutter habe ich ja schon ein bisschen erzählt in dieser Richtung.

    Ich bin fest überzeugt, dass die Persönlichkeit lange, sehr lange in einem MmD eine große Rolle spielt. Denn mit einer Persönlichkeit werden wir geboren, die verändert sich zwar noch ein bisschen aber sie ist, wie Entwicklungspsychologen feststellen, bei Geburt angelegt und mit etwa 12 J fertig ausgebildet. Deswegen ist ja nach dem 12. Lebensjahr Ende mit Erziehung.

    Also nahezu unser gesamtes Leben wird in all seinen Facetten von der Persönlichkeit mitgestaltet.

    Das fällt doch nicht einfach mit der Diagnose Demenz weg. Diagnose heißt nur, festzustellen, dass da was ist. Das Diagnostizierte war vorher schon länger da und ist danach unverändert da. Die Diagnose an sich ändert nix.

    Die Kriegstraumata z.B. kommen durch Schwächung des Frontallappens, also der Fähigkeit sich sozialverträglich zu präsentieren, (noch) stärker zum Vorschein. Aber eben auch Unsicherheiten, Vorlieben , Abneigungen.

    Und wenn durch die Demenz vornehmlich das soziale Erleben übrig bleibt, dann eben auch das soziale Erleben in Form von tatsächlich gewünschten Verhältnissen Seiten des MmD. Ganz ungeschminkt eben.

    Und dann eben auch, je nach Persönlichkeit, manchmal ganz furchtbar unnett.

    Sind so meine Gedanken, muss niemand übernehmen.


    Liebe Grüße

    Albatross

  • Albatross der Überzeugung bin ich auch, dass sich die Persönlichkeit auch im Verhalten eines Demenzkranken wieder spiegelt.


    Ich habe es bei meiner Oma gesehen, sie war schon immer ein "Deubel" und in ihrer Demenz wurde sie aggressiv und handgreiflich.

    Ich sehe es bei meinem Vater, er war zwar immer mein lieber Papa, aber weil ich sein Liebling war. Ich habe erst in den letzten Monaten erfahren, wie er sich anderen gegenüber verhalten hat, wie stur und dominat er sein konnte und das er sich nichts hat sagen lassen. Das spielgelt sich auch in seinem Verhalten wieder.

    Und ich sehe es bei meiner Mutter, sie war immer schon die Liebe, verhuschte, die keinen eigenen Willen hatte und sich meinem Vater untergeordnet hat. Mein Vater hat sie vergöttert. Und jetzt erwartet sie das auch von uns. Sie ist jetzt in ihrer Demenz noch weniger in der Lage, selber Entscheidungen zu treffen und schon bei der Wahl, welche Jacke sie anziehen soll, überfordert.


    Auch wenn ich im Bekanntenkreis Erzählungen höre, spiegelt sich immer wieder, dass sich das Verhalten in der Demenz nicht ändert. Es ist meistens eher "ungeschminkt". Der Demenzkranke kann es nicht mehr so gut wie früher "verstecken".


    Es gibt sicher andere Fälle. Wie heißt es so schön: Ausnahmen bestätigen die Regel ;)

  • @NoName

    Höherstufung formlos bei der Krankenkasse beantragen; das ist der ganz normale Weg.

    Wichtig: genau absprechen, wann der med. Dienst zur Beurteilung kommt. Beim Termin dabei sein. Unbedingt!!!

    Der Demente versteckt bei seinen Antworten seine Hilflosigkeit bestimmte Dinge betreffend.

    Als meine Mutter noch zuhause war, hatten wir die Beurteilung per Telefon (Coronazeit).

    Mutter wurde gefragt, ob sie für sich selbst Essen besorgen und zubereiten kann.

    Mutter sagt im Brustton der Überzeugung: ja!

    Hab mir dann am Ende das Telefon geschnappt und während mein Bruder bei Mutter war, mit der Dame gesprochen und über ein paar Dinge aufgeklärt.

    Und diwe gefragt, also, wenn sie die 5-Minutenterrine täglich für eine ausgewogene Ernährung hält, ja, dann kann sich meine Mutter noch selbst was zubereiten.

    Argh, der med. Dienst weiß das alles genau, reagieren muss man aber selbst bzw. die Dinge richtigstellen.

    Good Luck!

    LG

    Thea

  • Hallo Thea,


    danke für die Warnung! So wie du es beschreibst, ist es bei uns bei der ersten Begutachtung auch gelaufen.

    Obwohl ich vorgewarnt war, habe ich während der Abarbeitung des Fragenkatalogs noch versucht, die Antworten richtigzustellen, trotzdem sind einige Dinge suboptimal gelaufen.

    Es ist ja leider so, dass der Fragenkatalog für die Bewertung körperlicher Beeinträchtigungen geeignet sein wird, aber für Demenzerkrankungen ganz gewiss nicht.

    Sicher , der Meinige kann die Hände hinter dem Rücken verschränken, und ja, er könnte sich allein die Zähne putzen, tut es aber nicht.

    Der Fragebogen wird der Problematik Demenz nicht annähernd gerecht.


    Was ich z.B. nicht ausreichend rübergebracht habe, ist die Sache mit der Gehfähigkeit.

    Er hat natürlich gesagt, er kann problemlos gehen, und dass er selbstverständlich mehrmals die Woche(!) spazierengeht.

    Klar doch! Er schlurft durch die Gegend ohne die Füße vom Boden zu nehmen, nimmt Bodenunebenheiten nicht mehr wahr, jede Schnecke wäre mit seinem Tempo maßlos unterfordert, und draußen war er abgesehen von den Terminen mit mir sicher seit Monaten nicht mehr.

    Ich hätte hier darauf bestehen sollten, seinen Gehfähigkeit tatsächlich vorzuführen, statt bequem vom Sessel aus bewerten zu lassen. Und noch einiges mehr, wo ich einfach nicht rasch genug reagiert habe.


    Es wird mit ein wenig Insistieren sicher eine höhere Pflegestufe geben, aber ich bin nicht mehr die Person, die das in die Wege leiten wird.

    Ich habe jetzt, nach der ganzen müßigen Zeit, die ich für diesen Mann aufgewendet habe, endlich den längst notwendigen Cut vollzogen.

    Hier wird der beantragte gesetzliche Betreuer tätig werden müssen, auch den Folgetermin beim Neurologen wird (in Absprache mit dem Doc) dann der Betreuer organisieren und wahrnehmen müssen.

  • Albatross und Finja:


    ich glaube auch, dass ihr recht habt. Durch die Krankheit können sich die Dementen nicht mehr so gut wie früher "verbergen".

    Also kommen Eigenschaften, die schon lange -wenn nicht schon immer- vorhanden waren, zum Vorschein.

    Vielleicht auch werden sie noch verstärkt, durch hirnphysiologische Prozesse, und damit einhergehende Ängste beim Betroffenen, das könnte ich mir auch gut vorstellen.


    Ich wäre mir aber vielleicht nicht so sicher, was die "Festlegung" der Persönlichkeit zu einem sehr frühen Zeitpunkt im Leben betrifft. Mir kommt das ein wenig zu "deterministisch" vor, also so, dass an einer einmal (genetisch?) festgelegten Persönlichkeit ab dem Beginn der Pubertät nur noch wenig äußere Einflüsse Änderungen bewirken können.

    Ich bin natürlich keine einschlägige Fachfrau, aber ich möchte einfach hoffen, dass auch in späteren Lebensjahren noch einiges persönliches Änderungspotential da ist.

    Wie gesagt: ich möchte und muss einfach hoffen! :huh:

  • Hallo ihr alle,

    auch ich melde mich mal wieder… zu dem vorangegangenen Thema der Pflegeeinstufung schreibe ich nichts mehr (ich habe nur den gleichen Irrsinn wie alle anderen ich leicht abgewandelter Form zu erzählen….) 😏

    Ich war jetzt 9 Tage nicht bei meiner Mutter und merke das ich mich eigentlich erst seit 2 Tagen so langsam von meinem letzten Besuch erholt habe… nachdem ich auch mal bei meiner Schwester all meinen Frust raus gelassen habe (und geheult habe 🫤) meinte sie auch: bitte fahr mal eine Zeitlang nicht hin, ich hab echt Angst dass du krank wirst…


    Heute habe ich mit meiner Mutter telefoniert und JA sie reagiert auf meine Abwesenheit und was ich wirklich erschreckend finde: heute ist mir aufgefallen WIE manipulativ sie trotzdem noch ist…

    Sie redet teilweise völligen Unsinn oder schimpft wieder wie ein Rohrspatz auf alles und jeden… und dann kommt sie wieder mit wahnsinnigem Gejammer wann ich den eeeeeendlich mal wieder käme…

    Sie hatte am Sonntag Besuch von meiner Schwester - die hin ist WEIL SIE GEMERKT HAT DAS ICH NICHT MEHR KANN… es war ihr 6. Besuch in 23 Monaten… sie ist also sonst nicht regelmäßig da… ein besonderer Besuch also !!! Aber bei mir jammern geht offensichtlich immer, weil ich ja eigentlich immer darauf anspringe.

    Ich habe mich das erste mal getraut zu sagen: Mama die Woche klappt nicht mehr, ich habe 1. Mittelohrentzündung (hab ich wirklich)

    Und

    2. zu viel Stress (stimmt auch… Selbst & Ständig sage ich da nur)

    Ich habe mich nur nicht getraut zu sagen: Du warst so ätzend letzten Montag - ich schaffe das gerade nicht… Ich möchte nicht kommen…

    Wieso bekomme ich das nicht hin? Ich bin mir sicher sie würde mit mir diskutieren dass das ja gar nicht stimmt (das war auch ohne Demenz schon immer so) und ich habe einfach keine Lust zu diskutieren, aber andererseits schreit alles in mir: sag es ihr halt mal so, das muss mal raus…


    Naja sie hat es geschluckt… mal schauen was ich jetzt daraus mache…

    Meine Tante war 1 Woche jetzt im KH - hatte sich im Lendenwirbelbereich etwas gebrochen, ist gestern operiert worden und tatsächlich heute entlassen worden. 😳 das finde ich sooo krass… 88 Jahre alt total immobil und einen Tag nach einer rücken op aus dem KH entlassen? 😳 kennt ihr solche Sachen auch ?

  • Hallo Trinity15,

    ich glaube dir sofort, dass du einige Tage geberaucht hast, dich zu erholen.

    Jetzt war ich grad mal 2 Tage bei meinem "Stiefvater" und hatte davor eine mehrwöchige Pause, und nicht wie du einen Dauereinsatz, aber bei mir hat es bis gestern gedauert, dass ich wieder in meinem Leben und bei meiner Family angekommen bin.

    Das ist der Effekt, den ich mal unschön als "dem anderen ins Hirn sch..ßen" bezeichnen würde.

    Es braucht so furchtbar viel Zeit und Kraft, um sich davon zu befreien.

    Ich hab mich gefühlt, als ob ich dringend eine Detox-Kur brauche...


    Und obwohl du ein schlechtes Gewissen hattest, hast du es trotzdem geschafft, deiner Mutter deine Wünsche und Bedürfnisse mitzuteilen. Das ist doch so schwer, und du hast es hinbekommen! Sei mal stolz drauf!

    Und glaub mir, wenn du soweit bist, dass du so angefressen bist, dass wirklich nix eine Rolle spielt, dann kannst du ihr das auch ganz direkt sagen.

    Bei mir hat es auch eine sehr lange Zeit gebraucht.

    Und wenn nicht, na dann eben nicht.

    Ich bedaure heute auch, dass im meiner Mutter gegenüber nie so richtig deutlich geworden bin (da hat die Beißhemmung einfach zu gut funktioniert), aber was soll's, heute ist es mir egal, und bei ihr hätte sich eh nichts geändert.


    Die Sache mit der Entlassung deiner Tante ist bestimmt nicht optimal.

    Es wundert mich aber im Hinblick auf den Notstand im Gesundheitswesen auch nicht wirklich.


    Vielleicht bekommst du es ja hin, erstmal eine Besuchspause einzulegen, bis du wirklich wieder gesund bist?

    Deine Schwester war ja dort, und deine Mutter ist betreut.


    Gute Besserung und eine virtuelle Umarmung von mir <3

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