Wie geht es euch - Kapitel V

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  • Hallo ihr lieben alle,

    Wollte nur mal einen Gruß hier lassen und euch wissen lassen mich gibt es noch 😃

    Ich lese immer mal wieder hier rein, mir fehlt nur leider gerade die Energie zu schreiben.

    Nachdem ich im Mai einen absoluten Tiefpunkt erreicht hatte und sowohl meine Tante als auch meine Mutter auf mir rumgehackt hatten als ich sie besucht habe (sind ja im gleichen Altersheim), habe ich die Notbremse gezogen… Ich war erst mal 3 Wochen nicht dort, habe mich auch einmal geweigert meiner Tante Klamotten ins KH zu fahren (sind für mich ca.60-70km Fahrerei) und mir mal darüber Gedanken gemacht wo ICH eigentlich bei der ganzen „Sache“ (die sich mein Leben nennt) bleibe… eigentlich finde ich nämlich nicht statt ist mir dann mal klar geworden…

    Naja und da keiner von uns weiß wie lange man diese Situation aushalten muss, sollte es auch langfristig aushaltbar sein…

    Daran arbeite ich gerade…

    Meine Mutter macht es mir GsD im Moment relativ leicht. Sie ist sehr umgänglich und tatsächlich seit vielen Wochen inzwischen erstaunlich fit… so fit, dass ich manchmal schon gedacht habe: neeee sie hat doch keine Demenz, da kann man doch nicht sooo klar sein und das auch noch über einen so langen Zeitraum… oft ist es echt so das ich mit ihr völlig normal telefoniere… okay ich frage mich bei der ein oder anderen Sache, ob das wirklich so stattgefunden hat, manchmal kommt dann auch ein kleiner Knaller aber im Großen und ganzen ist es echt unfassbar…

    Kennt das jemand von euch auch? Würde mich sehr über Erfahrungen in dieser Richtung freuen…

    liebe Grüße

  • Hallo Trinity15,

    oft ist es echt so das ich mit ihr völlig normal telefoniere… okay ich frage mich bei der ein oder anderen Sache, ob das wirklich so stattgefunden hat

    Genau so hab ich es vor genau einem Jahr mit meiner Mutter erlebt!

    Ich telefonierte fast jeden Tag mit ihr, sie erzählte mir meistens von ihrem Tagesablauf, alles schien fast normal. Sie erzählte, dass sie in der Stadt war, geputzt hätte. sich am Nachmittag mit Nachbarn getroffen hat, schöne Dinge. Es kam lediglich vor, dass sie mir einige Dinge mehrfach erzählte, aber okay, das war öfters schon mal so.

    Dem Ganzen hab ich sozusagen blind vertraut.

    End Juli verschlechterte sich plötzlich ihr Zustand drastisch. Am Telefon kam es zu Auseinandersetzungen über Kleinigkeiten, die gesamte Situation spitzte sich zu und ich bekam ein komisches Gefühl, dass da etwas nicht stimmen konnte.

    Also fuhren wir zu meiner Mutter. Wir fanden die Wohnung in einem chaotischen Zustand vor, da war lange nicht geputzt. Im Kühlschrank vergammelte Lebensmittel, schmutzige Wäsche lag herum. Von Nachbarn erfuhr ich, dass sie sich überhaupt nicht sehen lässt, aber teilweise nachts dort klingelte, weil sie etwas suchte und noch mehrere merkwürdige Dinge. Für Einkäufe hatte sie einen der Nachbarn beauftragt und ihn dafür großzügig mit Trinkgeld versorgt. Ich war schockiert!

    Fazit: meine Mutter hatte die Fassade sehr gut aufrecht erhalten und ich bin darauf rein gefallen.

    Was ich dir sagen möchte: vertraue nicht blind. Halte Augen und Ohren offen. Versuche, dir eventuell von Freunden oder Nachbarn deiner Mutter ein paar Informationen zu beschaffen oder mache einen Überraschungsbesuch, um dich selbst zu überzeugen.

    Ich hoffe, du musst mit deiner Mutter nicht die gleichen oder ähnliche Erfahrungen machen.


    Viel Glück und alles Liebe 🍀

  • Hallo liebe Stern0709 das kann ich mir sehr lebhaft vorstellen... bei meiner Mutter gestaltet sich das etwas anders... ich versuche es mal mit Stichpunkten, dass ist einfacher

    - seit ca. 2019 vermute ich das meine Mutter eine Demenz entwickelt

    - seit 2019 erzählt sie dinge innerhalb kurzer Zeit 2 odder 3 mal.

    - seit ca. 2018 kocht sie nicht mehr

    - seit ca. 2017 ist ihr (eigentlich immer schon nicht sooo akurat geführter Haushalt eher eine Katastrophe...

    - seit ca. 2020 kann sie kaum noch laufen (Rollator hat sie einfach nie benutzt)

    - das letzt mal ohne meine Hilfe aus dem Haus war sie ca. 2020

    - danach nur wenn ich dabei war mal beim Arzt oder so

    - seit 2021 benötigt Sie Hilfe beim waschen

    - 2022 ist mein Papa verstorben und sie ins Altersheim gekommen

    - seit 2022 kann sie gar nicht mehr laufen

    - seit 2023 kann sie auch nicht mehr alleine auf Toilette

    - manchmal erkennt Sie mich nur noch als "ihr Schätzchen"... dann weiß Sie meinen Namen nicht mehr...

    - manchmal weiß sie nicht das ich Ihre Tochter bin

    - Nacht schreit sie laut nach Ihrer Mama (seit ca. 6 Monaten)

    - sie denkt manchmal sie sei irgendwo anders ( vorzugsweise Italien - da haben meine Eltern viel Urlaub gemacht)


    Bei meiner Mutter ist die Lage also schon eindeutlug was los ist... aber sie war jetzt Wochenlang topfit, hat rege Anteil an der EM genommen, politisches Geschehen und und und... absolut bemerkenswert... (heute Morgen hatte ich einen Anruf von ihr und da war auch klar das diese Phase wohl rum ist...)
    Ich habe irgendwie jeden Tag darauf gewartet das das passiert und mich täglich gewundert das sie immernoch so fit ist... (das da viel überspielt ist war klar, aber das war Ihr vorher Monatelang gar nicht möglich...)
    Laut Demenztest ist meine Mutter über das Anfangsstadium schon hinaus und hat schon eine mittelschwere Demenz... aber manchmal verblüfft sie alle damit wie sehr sie immer noch kämpft um Ihr Fasade aufrecht zu halten...


    Deswegen wollte ich so gerne wissen ob jemand von Euch schon erlebt hat, dass nach zeiten in denen es echt schon "ziemlich dunkel" war... auf einmal über Wochen wieder so viel Klarheit vorherrscht... was ist das für eine fiese Krankheit... ? wie soll man damit umgehen, dass jemand im Prinzip jede Woche anders sein kann ? :-(

    Danke aber für Deine Ausführungen und ich kann mir vorstellen was das für ein Schock war... ich wüsnsche auch Dir viel viel KRAFT !

  • Hallo Trinity15,

    ja die Situation bei deiner Mutter ist doch wesentlich anders, als es bei uns war.

    Ich finde sie auch absolut unverständlich und hab keine Erklärung bzw. zu wenig Wissen über die verschiedensten Demenzverläufe dafür.

    Hoffentlich kann hier jemand auch noch ähnlich krasse Erfahrungen mit dir teilen und besser noch hilfreiche Tipps geben. Wahrscheinlich können die Profis das am Besten einordnen und verständlich machen.

    Ich bin mit dir gespannt!


    Liebe Grüße Stern

  • Liebe Trinity15,

    ist bei meiner Mutter genauso. Es verläuft in Wellen und man weiß einfach nicht vorher in welche Richtung es diesmal geht. Theoretisch ist meine Mutter auch bereits in der mittelschweren Demenz aber es glücken ihr immer noch Dinge, da denke ich dass das ja wohl nicht angehen kann.

    Sie weiß viele biographische Daten nicht mehr aber kennt jedes schuhpaar mit vor- und Zunamen ;)

    Eigentlich fällt es ihr schwer, die Körperhygiene selbst zu gestalten aber in guten Phasen wirkt sie wie früher mit Parfüm Schmuck und allem drum und dran.

    Wenn die gute Phase vorbei ist, ist sie wie ausgewechselt. Ich weiß dann auch nicht was und wenn auf welche Weise es sich verschlechtert.

    Der Verlauf ist insgesamt kontinuierlich schlechter werdend. Aber einzelne Stunden Tage oder auch Wochen können überdurchschnittlich schlecht oder auch gut sein. Ich habe länger gebraucht um das erkennen zu können. Ich stelle mir das vor wie folgendes Bild: Draußen im dunklen nur eine Laterne. Ihr lichtraum verkleinert sich immer mehr mit der Zeit , aber wenn man im Licht steht, kann man noch gut sehen. Nur meine Mutter steht manchmal außerhalb des Lichtraums der Laterne und manchmal mit einem Bein im Licht und mit dem anderen im dunklen. Und manchmal eben auch im kleinen aber voll beleuchteten Raum.Das Licht steht , wie Du Dir denken kannst, für die geistigen Fähigkeiten.

    Wenn sie zu ihrem geliebten Betreuungsnachmittag geht, kann sie laufen und sich orientieren. Aber zu keiner anderen Zeit kann sie irgendetwas sonst alleine außerhalb ihrer Wohnung. So zum Beispiel.

    Ich hoffe, dass das so eine Art Antwort war, wie Du sie suchst. Liebe Grüße Albatross

  • Hallo trinity,

    ich hatte neulich mit einem Demenz-Profi ein Gespräch über genau solche krass wechselnden Phasen. Die starke Vermutung war, dass es sich um vaskuläre Demenz handelt, bei der es öfter zu vermeintlichen Besserungen kommen kann, da die Schäden mehr an den Hirngefäßen sind (so habe ich es in Erinnerung, man möge mich ggf. korrigieren), so dass bestimmte Hirn-Bereiche manchmal eher vorübergehend verstärkt geschädigt/betroffen sind. Bei Alzheimer geht es linearer, da nach und nach Zellen unwiderbringlich absterben.


    Bei meiner Mutter sind wir auch nun mehrmals vom baldigen Ende ausgegangen , vor ein paar Wochen konnte sie nicht mehr allein essen, nicht mehr aufstehen, kaum wach bleiben (allerdings in Zusammenhang mit einer Harnwegsinfektion). Dann kam vor einiger Zeit ein Anruf, ob ich meiner Mutter Stopper-Socken besorgen kann, da sie auch wieder nachts gehäuft aufsteht und rumläuft, sie selbst weiß davon morgens nichts mehr.

    Eine Zeit lang sprach sie total schleppend, nun wieder verständlich, aber oft nicht sinnvoll oder eben viele Worte fehlen/fallen ihr nicht mehr ein. Und sie meint, sie hat ihre Mama öfter besucht.

    Ich kann mich ehrlich gesagt gar nicht immer über diese Besserung freuen, da sie ja mental trotzdem von der Tendenz her abbaut.

    Wichtig und richtig ist tatsächlich, dass wir auch FÜR UNS sorgen, damit wir nicht an den jahrelangen Sorgen und traurigen Erlebnissen kaputt gehen. Das tut kein anderer für uns.

    Von daher ist es gut und richtig, wenn du dir Kontaktpausen gönnst!


    Liebe Grüße

    Rose

  • Hallo Ihr lieben,


    vielen Dank für Eure Antworten... die haben mich tatsächlich wieder etwas schlauer gemacht :-D
    Albatross danke für dieses schöne Bild mit der Staßenlampe... mir gefällt die Idee der Beschreibung sehr gut und ich kann viel damit anfangen...
    Und JA es tut (leider) auch gut zu lesen, dass es anderen genau so ergeht... ich wünsche es ja keinem, aber man selbst fühlt sich mehr verstanden und nicht so alleine...

    Rose60 auch Dir vielen Dank für die Beschreibung Deiner Situation - ich kann mich erinnern wie Du beschrieben hast wie stark Deine Mutter (anfang des Jahres ??) abgebaut hatte und damals dachte ich tatsächlich das Du sicher bald Abschied von Ihr nehmen musst... das ist schon wirklich schräg... und ja mir geht es leider genau so wie Dir: ich kann mich über die guten Phasen gar nicht richtig freuen... leider kann ich es nicht einfach für den Moment so als gut hinnehmen... ein kleines Menchlein in meinem Kopf fragt ständig..."und wann kippt es ? jetzt gleich, heute noch oder erst beim nächsten Telefonat oder Besuch..." das ist schrecklich und oft fühle ich mich deswegen noch schlechter... wieso kann ich mich nicht einfach freuen, dass noch mal ein Gespräch möglich ist... Ab und an habe ich versucht in diesen Phasen noch ein paar Antworten zu bekommen: aber da merke ich das man ganz schnell an Grenzen stößt, da das dann eben nicht funktioniert.... :-(
    Das was Du wegen der vaskülären Demenz geschrieben hast, habe ich auch so schon mal woanders gelesen... und ja jetzt wo Du es noch mal geschrieben hast, denke ich...okay Du weißt ja das die Demenz auf jeden Fall Vaskulär ist... ob da noch etwas "klassiche Alzheimer" mit rein spielt, weiß ich gar nicht... aber bei einer Untersuchung wurde 2022 definitiv festgestellt das sie Schädigungen am Gehirn hat, die auf Vaskuläre Demenz schliessen lassen (diese Info lag ja bis vor wenigen Wochen nur rum.. (in Ihrer Akte...) kein Arzt hat eine Veranlassung gesehen, mir als Vorsorgebevollmächtigter mal was dazu zu sagen...
    Naja auf jeden Fall... hätte ich echt nicht gedacht das die hellen, wachen Phasen soooo lange andauern können...
    Vielen Dank für Eure Antworten !

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    • Offizieller Beitrag

    Hallo Trinity15, gute Phasen in einer Demenz sind durchaus häufig - besonders bei einer guten Betreuung.


    Mit Mitarbeitenden und Angehörigen suche ich dann nach Erklärungen, denn wenn wir wissen, was den Leidensdruck nimmt und die verbliebenen Restfähigkeiten stärkt, können wir mehr Erfolge in der Pflege erleben.


    Bei einer durchblutungsbedingten (vaskulären) Demenz erleben wir dies eher, aber auch bei der häufigeren Alzheimererkrankung verbessert sich der Zustand, wenn der oder die Kranke weniger Stress wahrnimmt und gesundheitlich gut behandelt ist.

    Ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie sich noch an vielen guten Phasen freuen können, Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Trinity,

    so wie du es beschreibst, klingt es als ob deine Gedanken noch sehr viel um deine Mutter kreisen und dich vom eigenen Leben etwas zurück halten. Kann das sein?

    Wenn ja, würde ich versuchen, dass du dir selbst, deiner Gesundheit etc.wieder verstärkt Beachtung schenkst, dich mit Kleinigkeiten belohnst etc. - immer in dem Gedanken, dass du für das Wohlergehen deiner Mutter ja in geeigneten Rahmen gesorgt hast, soviel dir möglich war. Und jetzt bist du wieder dran😊

    Ich habe das Gefühl, wenn ich meine Mutter entspannt besuche, weil es mir nun selbst besser geht, überträgt es sich und die Stimmung ist gelöster. Ich gehe bewusst nicht mehr jede Woche hin, weil sie sich eh nicht dran erinnert, während es mich ziemlich traurig macht, wenn ich so oft den Kontakt habe.

    Liebe Grüße

  • Hallo Ihr Lieben,


    auch ich wollte mich mal wieder melden.


    So recht weiß ich zur Zeit noch nicht, wie es mir mit der neuen Situation geht. Mutter ist seit 17. Juni im Pflegeheim. Das Krankenhaus hatte nach dem Sturz und dem Schulterbruch eine Rückkehr in die eigenen vier Wände ausgeschlossen.


    Ich hatte das unglaubliche Glück am zweiten Tag unserer Suche, meine Schwester war zu diesem Zeitpunkt dabei, einen Heimplatz zu finden. Das Haus machte auf uns beide vom ersten Moment an einen guten Eindruck. Alle waren sehr zugewandt, freundlich und hilfsbereit.


    Ich war in den letzten Wochen 2-3 Mal in der Woche dort, um Mutter das Gefühl zu nehmen, abgeschoben worden zu sein. Aber das scheint nicht so recht funktioniert zu haben.


    Was mich jedoch sehr beschäftigt ist die Tatsache, dass meine Mutter einen Tag vor ihrem Umzug aus dem Krankenhaus ins Heim noch ansprechbar war und zum Teil auch klar. Seit sie umgezogen ist habe ich das Gefühl, sie ist irgendwo im Nirgendwo, die Worte die sie artikuliert haben keinen Sinn, sie schläft nur noch, aber das schlimmste ist, dass sie schreit, wenn man sie anzieht, wenn sie gewaschen/geduscht wird, wenn sie umgelagert wird... Die eine Pflegerin hatte es mir erzählt, aber ich habe es erst heute selber erlebt... Grundlos! Anscheinend eine Form der Mitteilung, dass sie etwas nicht will.... Der Arzt hat sie untersucht und sie hat klar und deutlich gesagt, dass sie keine Schmerzen hat, kaum hatte er das Zimmer verlassen und die Pflegerin wollte ihr die Schuhe anziehen, hat sie laute Schreie von sich gegeben.


    Ich habe sie heute gefüttert, weil sie zur Zeit weder alleine isst noch trinkt. Als ich ihr die Serviette umlegen wollte, lautes Schreien... Ich habe sie nicht einmal berührt. Für mich ist das ganze etwas beängstigend. Als ich sie heute zum Abschied in den Arm nehmen wollte hat sie wieder geschrien.


    Einerseits sind die 5 Anrufe am Tag und die permanente Angst weg, dass sie wieder in ihrer Wohnung irgendwo gefallen ist, andererseits frage ich mich natürlich ob ich diesen traurigen Zustand durch den Umzug verschuldet habe. Irgendwie eine unerfreuliche Situation.


    Und vor mir steht wie ein riesiger Berg die Auflösung der Wohnung und alles was damit zusammen hängt.... Aber es hilft nichts, muss ja auch erledigt werden.


    Danke fürs Lesen und für Eure Geduld

  • Liebe Taybeere,

    es tut mir sehr leid für dich und deine Mutter. Ist doch kein Wunder , dass dich das belastet und traurig macht, du hast eben kein Herz aus Stein und bist nicht distanzierter Profi.

    Hast du schon erfahren, ob es einen zuständigen Neurologen gibt für das Heim? Den würde ich jedenfalls kontaktieren.. vllt ist es eine Angstsymptomatik oder noch ein Delir von der Ortsumstellung.

    Du hast da aus meiner Sicht absolut nicht die Verantwortung für, du hast für die professionelle Versorgung deiner Mutter gesorgt und niemand kann dir sagen, wie es in heimischer Umgebung wäre.

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    • Offizieller Beitrag

    Hallo Taybeere, das starke Schreien Ihrer Mutter ist aus gutem Grund kaum zu ertragen! Für mich sind solch schwere Symptome immer ein Auftrag, die Ursache zu ergründen. Aus meiner Sicht ist der Hausarzt in der Pflicht, ein Delir auszuschließen, wenn die Schmerzen nach einer Schulterfraktur wirklich ausgeschlossen sind.

    • Wird das "Schreien" besser, wenn Pflegekräfte eine Schmerz-Bedarfsmedikation verabreichen?
    • Haben sie in der Klinik nachgefragt, ob dort ein entsprechender "Bedarf" gegeben wurde?
    • Sind Sie den Arztbrief aus dem Krankenhaus mit einer Pflegefachkraft durchgegangen, gibt es Hinweise auf ein Delir, die vom Hausarzt oder von dem Neurologen umgehend behandelt werden sollten?

    Ihre Mutter braucht in dieser Phase eine besondere Fürsorge und Unterstützung. Was kann die Familie, Freunde, Nachbarschaft, Ehrenamt usw. leisten, damit Ihre Mutter abgelenkt wird und sich in das Heim einleben kann? Welche Betreuungsmaßnahmen empfiehlt das Heim?


    Leider verstetigt oder generalisiert sich ein "Schreien" wenn nicht so schnell und so früh wie möglich mit allen Mitteln gehandelt wird. Bitte schreiben Sie uns, was Sie erreichen konnten!

    Viel Kraft, Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Taybeere,


    das ist ja die absolute Horrorvorstellung eines jeden, der in fremde Pflege muss und deren Angehörige.

    Seit sie umgezogen ist habe ich das Gefühl, sie ist irgendwo im Nirgendwo, die Worte die sie artikuliert haben keinen Sinn, sie schläft nur noch, aber das schlimmste ist, dass sie schreit, wenn man sie anzieht, wenn sie gewaschen/geduscht wird, wenn sie umgelagert wird...

    Ich trau's mich fast nicht zu schreiben, aber meine Angst wäre hier sofort, ob sie medikamentös 'abgeschossen' wird um möglichst wenig Aufwand zu verursachen?

    Hast Du einen Medikationsplan des Heimes bekommen?


    Ich muss wirklich sagen, ich bin absolut unerfahren was Pflegeheime betrifft und mein 'gefährliches Halbwissen' bezieht sich auf TV-Beiträge der 80er- und 90er-Jahre, wo noch nicht so 'genau drauf geschaut' wurde.


    Vielleicht ist sowas inzwischen ja wirklich nur noch eine Ausnahme, aber irgendwie klingeln bei mir alle Alarmglocken, wenn sich Verhalten nur durch den Wechsel der Örtlichkeit so dramatisch verändert.

    Ich lasse mich liebend gerne eines Besseren belehren!


    Bleib stark und tu Dir was Gutes :!:

    LG <3

  • Ich trau's mich fast nicht zu schreiben, aber meine Angst wäre hier sofort, ob sie medikamentös 'abgeschossen' wird um möglichst wenig Aufwand zu verursachen?

    Hast Du einen Medikationsplan des Heimes bekommen?

    Das sollte heute nicht mehr möglich sein. Ein Heim selber, kann keine Medikamente vergeben. Sie müssen immer von einem Arzt verschrieben werden. Ich mein, klar gibt es schwarze Schafe, aber auch ein Arzt muss sich an Gesetze halten und kann nicht einfach irgendwas zur Beruhigung verschreiben.


    Als ich das gelesen habe, kam mir aber in den Sinn, ob sie nicht evtl. irgendein Medikament nicht verträgt? Prüfen würde ich es jedenfalls, ob sich da was verändert hat.


    Ansonsten kann ich mir vorstellen, dass es sehr beängstigend ist, wenn sie anscheinend grundlos schreit. Sie kann ja offensichtlich nicht mehr sagen was los ist und scheint es jetzt in schreien auszudrücken. Wirklich nicht einfach.

    Lass dich mal drücken und ganz wichtig: Mach dir keine Vorwürfe! Du hast alles richtig gemacht!

  • Das sollte heute nicht mehr möglich sein. Ein Heim selber, kann keine Medikamente vergeben. Sie müssen immer von einem Arzt verschrieben werden. Ich mein, klar gibt es schwarze Schafe, aber auch ein Arzt muss sich an Gesetze halten und kann nicht einfach irgendwas zur Beruhigung verschreiben.

    Ich habe es leider auch erlebt. Weil mein Vater sich so unwohl fühlte und angeblich (wir konnten es nicht klären) übergriffig wurde, hat der Hausarzt (bzw. sein jüngerer Compagnion) zusätzliche Antidepressiva verschrieben. Wir haben davon nur zufällig erfahren, obwohl ich mehrfach darum gebeten hatte, bei Arztbesuchen anwesend zu sein. Das würde einfach ignoriert.


    Als ich ihn in die häusliche Pflege genommen habe, hatte ich ein langes Gespräch mit seinem Neurologen. Der fand es sehr befremdlich, dass keine Rücksprache mit ihm erfolgt war und hat mir empfohlen, so einiges wegzulassen. Das habe ich dann auch gemacht...


    Der Arzt verlässt sich auf die Schilderungen des Pflegepersonal und das kann keiner kontrollieren. Gleichzeitig kann man die Pflegekräfte in ihrer Not und dem Wunsch nach "ruhigen" Bewohnern verstehen. Es sind aus meiner Sicht die Strukturen, die das "Ruhigstellen" fördern.

  • Hallo Ihr Lieben,


    danke, dass Ihr Euch so viele Gedanken macht.


    Ich glaube ich habe inzwischen einige Informationen, die das nebulöse Bild etwas klarer machen.


    Mutter schreit nur, wenn sie versorgt, also gewaschen, gelagert, geduscht usw. wird. Sie weitet es auf alle körperlichen Kontakte aus. "Die fassen mich an, könnte weh tun also schreie ich schon mal !"

    Heute war der Orthopäde in Heim und sie wurde ihm vorgestellt. Er hat festgestellt, dass sie anscheinend nun doch Schmerzen hat und hat das angeblich zu schwache Schmerzmittel abgesetzt und ihr statt dessen ein Schmerzpflaster verordnet. Die Station hat mich umgehend angerufen und mir die Veränderung der Medikation mitgeteilt.


    Mutter verweigert immer wieder ihre Medikamente und sie müssen mit Tricks arbeiten, um sie dazu zu motivieren, sie doch zu nehmen. Und sie verweigert die Orthese, die ihre gebrochene Schulter schützen soll....


    Da ich jederzeit den Medikamentenplan einsehen kann, glaube ich nicht, dass ich Angst haben muss, dass Mutter "abgeschossen" wird. Ich bin zu den unterschiedlichsten Zeiten dort aufgeschlagen, unangemeldet, und habe erlebt, wie das Personal mit ihr umgeht... zugewandt, geduldig, freundlich. Keine Beanstandung.


    Sicher ist sie erst ein paar Wochen in dem Haus, aber welches wäre meine Konsequenz wenn ich zu den Menschen dort kein Vertrauen hätte? Ich müsste meine Mutter dort wegholen und mich selber kümmern. Ich habe bisher keine einzige schlechte Erfahrung dort gemacht, hatte bisher keine Situation, in der ich mir eine andere Reaktion gewünscht hätte. Sollte ich dann nicht auch das nötige "Startvertrauen" aufbringen und erst einmal vom Guten ausgehen?


    Auf meine Bitte hin wird sie Anfang August der Neurologin vorgestellt.


    Ich glaube, dass Mutter sich über die letzten zwei Jahre zusammengenommen hat, und etwas vorgetäuscht hat, bloß um in ihrer Wohnung bleiben zu können. Jetzt ging es nicht mehr und das ist ihr, glaube ich, beim Umzug aus dem Krankenhaus ins Pflegeheim bewusst geworden... Und jetzt gibt es auch keinen Grund mehr, sich zusammenzureißen.


    Vielleicht bin ich ja im Irrtum, mal sehen was die Zeit bringt. Ich bin Freitag wieder im Heim.


    Ach da fällt mir noch etwas ein ....

    Was kann die Familie, Freunde, Nachbarschaft, Ehrenamt usw. leisten

    Also, da wäre

    Familie.... ich und ich und ..... Die anderen sind weit weg oder haben sich abgewandt weil sie zu oft getreten wurden.

    Freunde... Keine, weil man Freundschaften nicht gepflegt hat oder weil die wenigen die man hatte weggestorben sind.

    Nachbarschaft... Hat man keinen Kontakt gepflegt, weil war nicht ihr Niveau

    Ehrenamt... Da gab es niemanden der sich freiwillig länger engagiert hätte.

    Fazit

    Ich werde weiterhin regelmäßig versuchen sie aufzufangen....


    In diesem Sinne, Euch alles Liebe, viel Kraft bei der Bewältigung Eurer Aufgaben und versucht, Euch selbst nicht ganz zu vergessen

  • Hallo taybeere ,

    das würde ich als gute Nachricht verbuchen. Wie gut, dass ein Orthopäde drauf geschaut hat und etwas stärkeres verordnet hat mit dem Pflaster! Das macht ja auch Sinn, wenn das Schreien besonders bei Angst vor Berührung auftrat.

    Ich freue mich, dass du so ein gutes Gefühl mit dem Heim hast, so geht es mir ja bei meiner Mutter auch und das ist ein großes Glück.

    Heutzutage müssen die Pfleger jede Medikation mit dem zuständigen Arzt absprechen und dokumentieren, da habe ich auch noch kein unnötiges "abschießen" erlebt. Manche Medikamente müssen natürlich erst ausprobiert werden und anfangs hat meine Mutter z.B. stark auf ein minimales Medikament reagiert, das sie nach wochenlangen starken Schlafstörungen bekam, danach wurde es reduziert und nun braucht sie es sogar in mehrfacher Stärke um sich wohlzufühlen.

    Ich weiß aus Erfahrung, dass jeder anders auf Medikamente reagiert und es oft erst ein probieren/austesten ist bis zur richtigen Dosis.


    Ich hoffe für dich, Taybeere, dass du bald beruhigter sein kannst. Bin hier ja auch die einzige zuständige aus der Familie.

    Und da ist es umso besser, wenn man einen guten Draht zur Pflege hat.

    Liebe Grüße

  • Da ich jederzeit den Medikamentenplan einsehen kann, glaube ich nicht, dass ich Angst haben muss, dass Mutter "abgeschossen" wird. Ich bin zu den unterschiedlichsten Zeiten dort aufgeschlagen, unangemeldet, und habe erlebt, wie das Personal mit ihr umgeht... zugewandt, geduldig, freundlich. Keine Beanstandung.

    Liebe taybeere, die Demenz nimmt den Menschen die Möglichkeit, klar zu sagen, was los ist und wo es weh tut.


    Meine Mutter kann inzwischen nicht mehr sprechen (nur noch ganz wenige Worte) und sie versteht auch fast nichts mehr - und im Heim geht man bei jeder Merkwürdigkeit auf Ursachensuche. Die Pflegekräfte haben da meistens Erfahrung und schaffen Abhilfe. Medikamente dürfen sie niemals alleine verordnen, das darf nur der Arzt.


    Und mein Eindruck ist, dass man generell Medikamente, die jemanden schlaff und ruhig machen, nur im alleräußersten Notfall geben würde. Man hat mir erklärt, dass die Gefahren hierdurch viel zu hoch sind (Stürze etc.). Eher werden die Dementen animiert, noch ein bisschen fit zu bleiben.


    Auf der anderen Seite erhöht die Demenz auch oft das Ruhe- und Schlafbedürfnis. Wenn die Menschen dann aussehen wie "abgeschossen", kommt das oft auch hierdurch zustande.


    Eine Pflegerin meinte mal: Wir versuchen alles, damit sie nicht bloß Löcher in die Luft starren.

    Für Außenstehende sieht das manchmal nach nicht viel aus. Aber es sind oft die kleinen Vorlieben, die berücksichtigt werden: Zeitungen, malen, spielen, ..., mal von hier nach dort geführt werden ...


    Aus meiner Sicht ist es auch das A und O, dass man selbst einen guten Draht zu den Pflegekräften hat. Das erleichtert die Sache ungemein. Für uns gehören sie sogar zur Familie und werden entsprechend behandelt.


    Liebe taybeere, gut, dass Abhilfe gegen das Schreien deiner Mutter geschaffen wird. Das kann man ja so nicht lassen.


    Ich bin übrigens auch die einzige Person, die sich seit Ewigkeiten um meine Mutter kümmert (Einzelkind, meine Tochter weiter weg mit eigenen schweren Belastungen, keine Verwandten mehr, ...). Nur mein Mann unterstützt mich zum Glück.


    Alles nicht einfach, zumal es über viele, viele Jahre geht und man wird selbst nicht jünger ...

  • Manche Medikamente müssen natürlich erst ausprobiert werden und anfangs hat meine Mutter z.B. stark auf ein minimales Medikament reagiert, das sie nach wochenlangen starken Schlafstörungen bekam, danach wurde es reduziert und nun braucht sie es sogar in mehrfacher Stärke um sich wohlzufühlen.

    Mein Vater hatte euch eine zu hohe Dosis und war dadurch sehr schläfrig. Nachdem die Dosis verringert wurde, geht es wohl besser. Man sagte mir aber, es kann Wochen dauern, bis die optimale Dosis gefunden wird. Und dann verändert sich wieder irgendwas und alles geht von vorne los.


    taybeere ich drücke die Daumen, dass es mit dem Schmerzpflaster besser wird!

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