Wie geht es euch - Kapitel V

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  • Liebe schwarzerKater,

    der letzte Besuch meiner Mutter bei uns war an Hl.Abend, das hatte sie sich so sehr gewünscht und noch mitbekommen, sie war dann aber letztendlich am Schluss überfordert, weil wir sie im Dunkeln zurück gebracht haben und sie sich orientierungslos fühlte, auch wenn es erst 20 Uhr war. Das werden wir nicht nochmal machen. Doch sie hat ja wirklich vllt noch bessere Phasen als deine Mutter, man weiß eben vorher nie, in welcher Welt sie gerade ist ..

    Das macht es für mich auch oft schwerer, weil ich mich zwischenzeitlich damit abgefunden habe, dass sie so abgebaut hat und dann wieder gibt's einen Sprung zurück in eine fittere Phase. Gestern wusste sie nicht mal, wie sie die paar Meter vom Zimmer in die Küche kommt, man musste wirklich alles kleinschrittig ansagen, wo ihr Platz ist, dass sie sich nun hinsetzen kann etc. Das war neu für mich, so wie das Gezeter mit ihrem Lieblingspfleger, der ja angeblich Verwandtschaft ist und sie verstand nicht, dass er sie siezt..

    Ich denke bei Alzheimer läuft es linearer (nach unten).

  • schwarzerkater : deinen Erklärungsansatz finde ich interessant und hilfreich - also auch hier "das Auf und Ab im Abwärts", wie ich es schon einmal erlebt habe.

    Es tut mir sehr leid, was du bei deiner Mutter auch mitansehen musst, da fehlt natürlich die professionelle Distanz als Tochter und es ist gut, wenn man wieder aus der Situation raus kann, auch wenn nicht sofort der Knopf zum Abschalten greifbar ist..

  • Hallo an alle, ich bin neu hier, sehe mich mit zunehmender Demenz bei meinen betagten Eltern (94 / 91) ratlos gegenüber und auch etwas überfordert mit dem Kostensystem. Meine Eltern bewohnen (noch) eigenständig ein eigenes Haus. Sie erhalten Essen auf Rädern und 1x in der Woche kommt für 1,5 Std.ein Putzdienst. Mehr akzeptieren meine Eltern nicht, sind völlig stur und uneinsichtig. Jetzt sollen mein Bruder, mein Mann und ich die auch noch bestohlen und ausspioniert haben. Mein Papa wir nachts zunehmend aggressiv und randaliert (nur nachts, trotz Schlaf-/Beruhigungstabletten) und meine Mutter macht alles mit und spielt es herunter. Man merkt jedoch, sie ist jedoch völlig überfordert, man sieht, dass sie stsrk abgenommen hat. Obwohl mein Bruder und ich eine Generslvollmacht haben, stehen wir ungläubig und ratlos vor dieser Situation. Wir hatten schon mal angedacht, unseren Vater für erst nal 4 Wochen zur Kurzzeitpflege zu geben, aber wir befürchten, dass er dort abhauen und unsere Mutter suchen wird. Die bräuchte erst mal Ruhe und Abstand - das sehen aber beide nicht so. Sie sind so stur! Hinzu kommt, dass mein Bruder und ich nicht in der Nähe der Eltern wohnen, sondern rund 300 / 400 km entfernt von dort. Wir fahren jedoch alle 2 Wochen wechselweise dorthin, um nach dem Rechten zu sehn. Vielleicht sind wir ja die Rabenkinder, die meine Eltern verlassen haben!? Wir haben seit unserem Auszug ständig ein schlechtes Gewissen, was nicht weichen will.

  • Obwohl mein Bruder und ich eine Generalvollmacht haben, stehen wir ungläubig und ratlos vor dieser Situation. Wir hatten schon mal angedacht, unseren Vater für erst nal 4 Wochen zur Kurzzeitpflege zu geben, aber wir befürchten, dass er dort abhauen und unsere Mutter suchen wird.

    Hallo Misses E.

    herzlich willkommen! Ihr habt ja den großen Vorteil, dass Bruder und Schwester an einem Strang ziehen. Das ist nicht überall so.

    Wenn es schon eine Generalvollmacht gibt, dann gibt es wohl auch Pflegegrade? Für beide Elternteile? Für die Kostenfrage ist das ja wichtig.
    Was ist in eurer Situation am dringendsten? Was sollte zuerst angepackt werden? Befürchtungen, was jemand in der angedachten Kurzzeitpflege machen könnte, sollten doch erst ganz hinten anstehen.
    Mein Empfinden ist: Ihr braucht dringend professionelle Unterstützung vor Ort. Ich denke, erfahrene Pflegekräfte können auch damit umgehen, wenn sie (zunächst) abgelehnt werden.

    Wenn aber die Kurzzeitpflege das nächste Ziel sein soll: Dann meldet diese ohne lange Diskussion mit Vater und Mutter an. Und wenn die Kurzzeitpflege eigentlich dazu dienen soll, dass sich Mutter erholt, dann sollte sie doch diese Pflege genießen?! Ohne die tägliche Sorge der Frau wird wohl oder übel Vater dann Pflegekräfte zu Hause akzeptieren.

    Liebe Grüße von Buchenberg

    Einmal editiert, zuletzt von Buchenberg ()

  • Hallo Misses E. und alle anderen,


    zuerst einmal: Ihr seid keine Rabenkinder, die ihre Eltern im Stich lassen. Vergesst das ganz schnell am besten.

    Außerdem waren das doch die RabenELTERN, die sich nicht gekümmert haben. ;)


    Eine Frage habe ich aber, wie kommt das, dass Ihr seit Eurem Auszug daran knabbert?

    Das finde ich ungewöhnlich, machten die Eltern Euch ein schlechtes Gewissen?


    Ich bin dann auch ein Rabenkind, habe ich doch meine Heimat vor 43 Jahren verlassen.


    Wenn die Eltern nicht wollen, können wir m. M.n. nicht viel tun.

    Ich bin zuerst in Aktionismus verfallen (kann mich davon auch immer noch nicht davon frei machen) und habe dies und jenes unternommen, in die Wege geleitet, das meine Mutter aber gar nicht will.

    Mein Vater, der in erster Linie die Pflege inne hat, lässt sich aber auch nur schwer helfen.


    Ich habe nun beschlossen, ich zeige Wege auf, lasse mich dahingehend beraten, aber schlussendlich etwas tun, das müssen

    meine Eltern selbst.


    Wie Buchenberg schon ausführte, lasst Euch beraten über die Möglichkeiten und dann seht weiter.


    Ich könnte mir vorstellen, die Eltern sind wie meine der Meinung, ein "Urlaub" alleine komme gar nicht in Frage.

    Vielleicht wäre auch eine gemeinsame Kurzzeitpflege die Lösung.


    Wenn es finanziell wichtig ist, wäre dann erst mal der Pflegegrad zu klären.

  • Hallo MissesE,

    Ich kenne nicht eure Vorgeschichte, kann aber bestätigen, dass ich ebenfalls viele, viele Jahre ein sehr schlechtes Gewissen hatte, dass ich 140 km von meinen Eltern entfernt gezogen bin und vor allem meiner Mutter nicht beistehen konnte, habe mich seit ewig für ihr Wohlbefinden verantwortlich gefühlt, was an der Familiensituation, aber auch an ihren (verdeckten) Aufträgen an mich lag.

    Ich würde es von meinen Kindern nicht erwarten, dass sie auf ein eigenes Leben an ihrem gewünschten Wohnort verzichten und sich schlecht fühlen. Insofern seid ihr also keine Rabenkinder, auch nicht wenn eure Eltern nicht annehmen, was ihr für sie organisieren könnt.

    Man kann sich u.a. bei einer Pflegeberatung erkundigen, was es für Möglichkeiten gibt und wenn eure Eltern alles nicht wollen, seid ihr trotzdem nicht verpflichtet, alles selbst zu machen, dann muss man manchmal den Dingen ihren Lauf lassen und die Wendepunkte wie einen Sturz o.ä. abwarten, bevor sich neue Möglichkeiten (und Notwendigkeiten) ergeben. Ist leider oft so.


    Liebe Grüße

  • Vielen Dank für die sehr netten und lieben Worte, wir sind ziemlich mit uns am hadern. Unsere Eltern haben beide Pflegegrad 3.

    Heute haben wir uns entschieden, beide für 4 Wochen in ein Pflegeheim zur Kurzzeitpflege zu geben. Voelleicht ist es am Anfang ganz gut, wenn sie gemeinsam einmal die Erfahrungen im Heim machen. Ich denke, sie haben ein völlig falsches Bild von dieser Pflegeeinrichtung. Danach werden wir weitersehn. Vielleicht verbleibt unser Papa dann dort, vielleicht wollen beide dortbleiben oder doch wieder nach Hause. Geldlich dürfte alles möglich sein, aber es ist schon so, dass sie beide ziemlich geizig geworden sind und ihr sauer erspartes Geld nicht auf diese Art und Weise (O-Ton: nur für so eine Pflege) loswerden möchten. Wir haben ihnen gesagt, dass sie das Geld ja für sich gespart haben und da gehört eine gute Pflege halt mit dazu. Bei mir ist es so, dass mir schon seit der Kindheit eingebläut wurde, dass man Vater und Mutter zu ehren hat und man sich immer um sie kümmern muss - speziell ja auch nun im Alter und das ganz besonders. Mein Bruder schüttelt das meist ab, aber ich werde das nicht so richtig los. Ich bin schon vor 50 Jahren zu Hause ausgezogen, aber es verfolgt mich immer noch. Es haben mir schon viele Leute - und auch mein Arzt - gesagt, dass das mit der Sorgerei um die Eltern vorbei ist, sber es ist tief in mir drin. Ich hab ständig ein schlechtes Gewissen, weil ich 400 km weit weg gezogen bin.

    Ich werde weiter berichten. Danke für eure aufmunternden Worte. Morgen rufe ich erst mal die Krankenkasse an, um das alles bezügl. der Kurzzeitpflege abzuklären. Schönen Abend für alle!!

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Misses E, zunächst auch von mir willkommen im Forum!


    Die Frage, wie komme ich aus einem subjektiv schlechten Gewissen zu einem guten Gewissen, zieht sich wie ein roter Faden durch dieses Forum. Wenn Sie weiter auch über Jahre zurück lesen, finden Sie viele wertvolle Gedanken Erkenntnisse, die gegen die tief gesetzten Zweifel aus einem alten Erziehungsmodell wirken wollen - und oft nicht können. Die (falschen) Glaubenssätze sitzen oft so fest, dass sie selbst in einer Therapie nur mühsam verändert werden - Rückfälle inbegriffen. Aber in diesem Forum ist es erlaubt innerlich zur ringen und immer wieder zu zweifeln, weil alle wissen wie lang und schwer dieser Weg ist.


    Sie schreiben von (mindestens) einem zusätzlichen Teufelskreis zur Aufrechterhaltung: Die doppelte Botschaft Ihrer Eltern: Kümmert Euch aber helft uns nicht!


    Je mehr die körperliche und geistige Kraft nachlässt, um so mehr besteht die richtige Hilfe darin, dass Sie als Kinder die Risiken abwägen und Entscheidungen treffen, um Gefahr für Leib, Leben und Teilhalbe am Leben zu vermindern.


    Dabei kann es sogar von Vorteil sein, dass Sie 400km entfernt sind und nur das Denken und Lenken übernehmen und von außen für Ihre Eltern ein pflegerisches und nachbarliches Netz stärken. Bitte lassen Sie sich von einem Pflegestützpunkt beraten, nutzen Sie die Angebote der Alzheimer Gesellschaft und andere Hilfen zuhause und im Wohnort Ihrer Eltern.


    Ihre Eltern dürfen traurig sein, wenn die Kinder das eigene Leben nicht opfern und selbstlos helfen. Dahinter steht oft die Trauer um den inneren Veränderungen und der körperliche und geistige Abbau, den kein Kind aufhalten kann, selbst wenn es daran zerbrechen würde...


    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Kraft, Ausdauer und guter Erkenntnisse und die Entscheidung, dass Sie sich auf den Weg zum besten Gewissen machen. Sie entscheiden sich, ob Sie den inneren Blick in die Fallen und Teufelskreise richten oder in die "richtige Richtung zum besten Gewissen".


    Das ist übrigens auch die beste innere Einstellung, um Ihren Eltern wirklich zu helfen und deren Trauer über die inneren und äußeren Verluste in allen Phasen zu begleiten, auch wenn sie das volle Spektrum aller Emotionen, Verhandlungen oder Erpressungen in ihrer Trauerarbeit ausschöpfen.

    Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo schwarzerkater,

    Ihre Gedanken zur Wechselhaftigkeit der Stärken und Schwächen bei Menschen mit Demenz möchte ich gern noch aufgreifen.


    Bei einigen Demenzformen ist dies sogar ein diagnostisches Merkmal, z.B. ist der klassische Verlauf vaskulärer - durchblutungsbedingter - Demenzen in Stufen, in denen es immer auch Verbesserungen gibt. Bei der Lewybody-Demenz sind es besonders Schwankungen im Bewusstseinszustand.


    Vielleicht kann die Wissenschaft irgendwann beschrieben, welche Hirnprozesse eine Rolle für plötzliche Veränderungen spielen. Aber das ist eine so umfängliche Fragestellung, die kaum empirisch erforscht werden kann und die Alzheimer-Forschung ist bescheiden geworden.


    Um so mehr werbe ich für den/die "Wissenschaftler*in im Pflegenden". Wir können unsere eigenen Hypothesen oder Erklärungen beschreiben und überprüfen, bewährt haben sich folgende Fragestellungen:

    • welche äußeren Stressfaktoren verstärken die Symptome der Demenz?
    • welche inneren Stressfaktoren verstärken die Symptome der Demenz? (Krankheiten, Austrocknung usw.)
    • welche validierenden Worte, Bilder, Rituale, Erfahrungen und Erlebnissen schaffen es, dass das Gehirn trotz der Demenz für eine kurze Zeit entfalten kann?
    • Wie muss das Milieu, die Kontakte und die Atmosphäre gestaltet sein, damit sich die verbliebenen Ressourcen im Hirn entfalten können?

    Vielleicht ist dies ja der Einstieg in eine weitere Diskussion, Ihr Martin Hamborg

  • Guten Abend,

    nun habe ich kurz Zeit, um mich zu melden. Ich danke Ihnen allen so sehr für die lieben und aufmunternden Worte, ich bin ganz gerührt! Danke vielmals!!!

    Es ist nun so, dass beide Elternteil einer 36-tägigen Kurzzeitpflege zugestimmt haben und schon nächste Woche dorthin gehn. Sie möchten die Gelegenheit nutzen, sich so was (O-Ton) mal anzusehn. Mein Bruder und ich sind sehr erleichtert, auch wenn es kurzzeitig ist. Es gibt meinen Eltern die Möglichkeit das völlig unvoreingenommen anzusehn. So ein bißchen habe ich bei meiner Mutter das Gefühl, dass sie froh über den Aufenthalt ist. So etwas wie Urlaub.

    Sie hatten bisher große Ängste, dass sie nicht mehr nach Hause zurückkommen, aber wir haben wohl gut argumentiert, dass sie das "Experiment" nun mitmachen und entspannt angehn. Vielleicht haben sie sich ja zwischenzeitlich damit besser auseinandergesetzt und jetzt nur bemerkt, wie erschöpft sie eigentlich sind.

    Ich werde weiter berichten.

    Bin selbst mal gespannt, wie die Zeit von meinen Eltern genutzt und angenommen wird.

    Ich wünsche allen eine schöne und angenehme Zeit und viel Mut, um alle Schwierigkeiten gut durchzustehn!!

  • Guten Abend,

    seit Tagen lese ich hier vieles und fühle mich zur Zeit wie an einem Pendel hängend....

    Mal das Gefühl "es geht anderen wie Dir, sprich, tausch Dich aus, es kann Dir nur Helfen!"... dann wieder "hab Dich nicht so, es ist doch alles nicht so schlimm, Du leidest auf einem hohen Niveau, Du bist empfindlich..."

    Ich betreue eine 96-Jährige Mutter, die alleine lebt, angeblich alles alleine macht, notorisch unzufrieden ist, verlangt dass man sie bedient und die Menschen, die sie betreuen versucht gegeneinander auszuspielen.

    Ich habe Geschwister, die mir sagen, was ich wann wie machen soll, die aber nur bedingt bereit sind sich einzubringen.... telefonisch ja, persönlich hat der letzte in der ersten Dezemberwoche persönlichen Kontakt zu Mutter gehabt, ein weiterer hat sie seit mehreren Jahren nicht persönlich gesehen.

    Mutter verlangt von mir, dass ich zwei Mal täglich anrufe. Es gibt Tage an denen sie in kürzester Zeit immer wieder anruft, auf den AB spricht, es sei dringend, ich solle zurückrufen. Ich rufe zurück und es gibt null Grund.... Wenn sie etwas will, dann sofort und gleich!!!!!

    Anfang des Jahres stellte sich heraus, dass sie, weil "ich habe keine Lust" sie nicht mehr ins Bett ging, sich auch keine neuen Inkontinenzhosen anzog und alles mit U. getränkt war... Daraufhin war ich über mehrere Wochen 2 Mal täglich (einfache Strecke 20 Km) bei ihr, habe sie ins Bett gebracht (großer Protest) und am Morgen geholfen beim Aufstehen, Anziehen und habe Frühstück gemacht .... Sie macht immer alles aber das entspricht nicht den Tatsachen.

    Sie bewegt sich nicht, will immer mit dem Rollstuhl oder dem Auto herumgefahren werden, verweigert das Tragen des Notarmbandes.... Sie will von uns "bespaßt" werden.

    Eigentlich könnte ich noch tausend Dinge aufzählen, ich will niemanden langweilen und nerven.....

    Sie ist dement, will keinen Kontakt zu anderen Menschen (die sind blöde, das ist nicht mein Niveau) ist überheblich und arrogant.

    Inzwischen habe ich es geschafft, gegen ihren Widerstand (ich kann alles) die Pflegestufe zu erhöhen und habe nun eine Pflegestation mit im Boot. Sie betreuen meine Mutter morgens und abends, machen Frühstück und wärmen das von mir gekochte Mittagessen am Samstag und Sonntag auf..... Mutter meckert am Essen nur herum, fragt man sie, was sie haben will, "ich weiß nicht" .... Kurz danach Beschwerde: "warum muss ich eigentlich immer den Fraß essen, den ihr mir vorsetzt"

    Es ist jeden Wochentag zusätzlich für drei Stunden jemand da, wir sind zu dritt, putzen, aufräumen, spazieren gehen, usw. Außerdem übernehme ich das Waschen der großen Wäschestücke, Krankenkasse, Behörden, Überweisungen, Einkäufe ...


    Mir wurde gesagt, das sei meine verdammt Pflicht und Schuldigkeit..... Und ich fühle mich schlecht


    So es reicht..... ich habe genug genölt ...


    Ich möchte mich noch für die vielen Beträge bedanken, die mich aufgebaut haben.

  • Liebe taybeere, wenn ich Ihre Geschichte vernehme, dann wird meine Geschichte ganz klein und nicht so tragisch.

    Als ich Ihren Bericht gelesen habe, dachte ich so kurz dazwischen, die taybeere müsste einfach mal den Kopf in den Sand stecken und sich zurückziehn, damit Ihre Mutter mal sieht, was Sie so leisten. Ihr Bericht hört sich für mich eher nach einer Sklavenhaltung an. Je mehr man macht, desto selbstverständlicher wird alles - auch Ihre Geschwister machen das ganz schön clever - sagen Ihnen, was Sie machen sollen ...und Sie taybeere spielen mit und opfern einen großen Teil Ihres Lebens und Ihrer Lebensqualität. Und noch was, was man hier lernt: SIE sind Ihrer Mutter NICHTS schuldig und zu nichts verpflichtet, zu gar nichts!!!

    Denken Sie doch auch mal an sich, seien Sie selbstbewußt und egoistisch, Sie haben doch auch Ihr Leben.

    Nehmen Sie Ihre Geschwister auch irgendwie mit ins Boot.

    Ich wünsche Ihnen die Einsicht, dass Sie nicht immer reagieren müssen, wenn Ihre Mutter Sie anruft und von Ihnen wieder unsinnige Dinge verlangt und Sie schikaniert!

    Warum kochen Sie Essen für Ihre Mutter, warum bestellen Sie z.B. kein "Essen auf Rädern"?

    Die Frage ist, wie lange Sie dem Druck standhalten wollen, können oder werden. Vielleicht wäre auf kurze Sicht eine Vollzeitpflege die bessere Lösung für alle!

    Sie sind doch eine erwachsene Person, die sich nicht schikanieren lassen muss. Auch Ihre demente Mutter hat dazu KEIN Recht!!!!!

    Ich wünsche Ihnen viel Stärke und Mut, um die beste Lösung zu finden!

    WIr streng erzogenen Kinder haben es wahrlich nicht leicht, um mit solch einer anerzogenen Bürde vernünftig umzugehn. Ich hadere auch ganz oft noch mit mir, versuche jedoch achtsam mit mir zu sein, vergesse es aber dann ab und an. Kopf hoch!

  • Liebe taybeere, MissesE hat eigentlich schon alles gesagt.

    Trotzdem möchte ich es noch bestärken und ergänzen.

    Auch ich habe eine Mutter mit Demenz (98) allein lebend, blind, aber natürlich mit Betreuungspersonen, die täglich kommen. Ich lebe von ihr 4-5 Autostunden entfernt und sie ruft mich auch sehr viel an, mehrmals täglich (ich habe noch eine Schwester, die bekommt nicht so viele Anrufe, ist dafür alle 8 Wochen für mehrere Tage bei ihr, lebt noch weiter weg), aber ich habe gelernt: ich muss nicht jedes Mal abnehmen, wenn Mutter anruft - ICH entscheide, wann es für mich passt, denn die Inhalte der Anrufe sind aus meiner Sicht absolut belanglos. Da ich ihre Bedürfnisse aber nicht ignorieren will, gehe ich dennoch ca. drei Mal am Tag ans Telefon, wenn sie anruft. Aber keinesfalls jedes Mal.

    Denn genau wie Du auch: ich bin auch ein Mensch mit Bedürfnissen und wenn ich nicht mehr kann, dann hilft das meiner Mutter auch nichts.

    Insofern: Wage es, die Erkenntnis, die Du hier schon mehrfach gelesen hast, dass Du nicht verpflichtet bist, für Deine Mutter auf Befehl zu springen, auch umzusetzen und füge sie in Dein Leben ein, wie es Dir ohne Verbiegung möglich ist. Nicht Du hast Dein Leben nach ihr zu richten, denn Du musst noch länger leben und aushalten!

    Viel Mut und Kraft Dir!

  • Danke für die aufmunternden Zeilen.


    Zum Thema "Essen auf Rädern".... das verweigert sie , das Zeug will sie nicht...


    Mehr an mich denken?

    Ich komme mir schon sehr egoistisch vor, weil ich versuche, nur noch ein mal die Woche zu ihr zu fahren. Die drei bis vier Stunden bei ihr laugen mich so aus, dass ich froh bin, einen längeren Heimweg zu haben, um nicht andere in meinem Umfeld mit dem Thema permanent zu konfrontieren.

    Und weil ich ihr nichts mehr von mir erzähle, weil sie alles weitererzählt und verdreht und lästert.


    Ich versuche mir mein eigenes Leben "zurückzuholen", aber auch wenn ich mich mit Dingen beschäftige, die mir wichtig sind rödelt es zuweilen in meinem Kopf wie in einer Waschmaschine....

    "Die arme alte Frau, sie ist krank, sie kann nichts dafür, sie meint es nicht böse, sie ist deine Mutter ....."

    Und dann sitzt auf der Schulter ein Teufelchen, das flüstert: "Sie war noch nie der Charmbolzen, sie war immer schon egoistisch, sie war immer schon narzisstisch, sie hat immer schon geschafft die Dinge zu ihrem Vorteil zu drehen ."

    Und dann plagt mich wieder das schlechte Gewissen


    Vielleicht sehe ich die Dinge auch zu pessimistisch.


    Danke

  • Und dann sitzt auf der Schulter ein Teufelchen, das flüstert: "Sie war noch nie der Charmbolzen, sie war immer schon egoistisch, sie war immer schon narzisstisch, sie hat immer schon geschafft die Dinge zu ihrem Vorteil zu drehen ."

    Und dann plagt mich wieder das schlechte Gewissen


    Vielleicht sehe ich die Dinge auch zu pessimistisch.

    Nein, Du siehst nicht pessimistisch, sondern Du bist geprägt durch das, was das Schulterteufelchen erkennt, das eigentlich sogar ein Engelchen ist, weil es Dir eine Wahrheit aufzeigt, die Du nur ganz vorsichtig anzusehen wagst. Das schlechte Gewissen ist in Wahrheit das Teufelchen, weil es immer noch mehr aus Dir herausholen will, als sinnvoll und für Dich selbst gut ist.

    Denn wie hier alle, die mit solchen Dementen zu tun haben, schon erfahren haben: demente Narzisst*innen können ihre betreuenden Angehörigen auslaugen und fertigmachen, bis die selbst (fast) nicht mehr können.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Taybeere, schön dass Sie mit Ihrem Thema dabei sind.

    Zunächst bitte haben Sie Geduld mit sich, der Weg zu einem guten Gewissen ist sehr lang, so wie es schwarzerkater so treffend beschreibt. Das schlechte Gewissen klopft es immer und immer wieder an die innere Tür. Es testet Sie aus: Wie weit sind Sie auf dem Weg zur Ihrer Selbstbestimmung, der durch die Charaktereigenschaften Ihrer Mutter sicher nicht einfach war.


    In wie weit können Sie die alten kindlichen Gefühle mit dem Verstand beantworten? Diese sind wichtig und wertvoll und haben Sie zu einer sehr mitfühlenden und emphatischen Person werden lassen, vermute ich - so wie viele hier.


    Aber wenn Sie sich jetzt dem dramatischen Drehbuch Ihrer Mutter unterwerfen und sich für die Selbstlosigkeit entscheiden, sind Sie - im Bild gesprochen - Ihr Selbst los und Ihre Mutter wird sich wohl trotzdem nicht zum Guten ändern. Die Demenz verstärkt oft die negativen Eigenschaften und je stärker die narzisstischen Anteile sind, um so mehr verfestigen sie sich gegen das Vergessen. So lange, bis irgendwann die Demenz so zugenommen hat, dass auch die Erfahrungen vergessen werden, die den Charakter gebildet haben.


    Insofern wünsche ich Ihnen, dass Sie ganz viel Kraft und ganz viele Argumente für Ihren Weg finden. Wenn Sie in diesem Forum zurückgehen finden Sie dazu sehr viele "Schätze" und es würde ich sehr freuen, wenn Sie all das was Ihnen hilft hier wieder zusammentragen!

    Ihr Martin Hamborg

  • Ich bin heute über einige Stunden einer fast schon meditativen Tätigkeit nachgegangen (größere Menge Johannisbeeren abbeeren :) ) und hatte genug Zeit den Kopf mit der Frage nach dem schlechten Gewissen und seinen Gründen zu beschäftigen.


    Der Gedanke der "kindlichen Gefühle" von Ihnen, Herr Hamborg, hat mich erst einmal auf einen Weg gebracht, der mir aufgezeigt hat, dass viele meiner Probleme mit der Situation mit meiner Mutter nicht verarbeitete Dinge oder Situationen sind. Mutter hat sich nie einer Verarbeitung gestellt und alles mit den Worten "der Mensch macht eben Fehler" abgetan, sich nie klar zu etwas positioniert....

    Sie war nie zufrieden mit dem was ich aus meinem Leben gemacht habe.... Und ich habe leider viel zu lange versucht, ihre Anerkennung zu bekommen... Vielleicht erhoffe ich es mir immer noch obgleich ich logisch sehe, dass dies nie der Fall sein wird.

    Ich bin ebenso wie meine Schwester nur ein Mädchen ....


    Und doch frage ich mich, ob es mir gut tut, gleiches mit gleichem zu vergelten und mich nicht zu kümmern.... Ich befürchte es wird mich nicht glücklicher und zufriedener machen...


    des weiteren ist eine Fassette des schlechten Gewissens die Angst, ihr nicht gerecht zu werden, unfair zu sein. So bedankt sie sich zuweilen für etwas, was ich besorgt oder getan habe, aber im nächsten Moment redet sie mit mir über mich und sagt, "du weist doch wie die ist", dann kommen wieder klare Momente. Was soll ich glauben, was nicht... Es ist irgendwie verzwickt.


    Nun gehe ich wieder zu meinen Beeren ;)

    Danke für das "Zuhören" und das einfach da sein <3

  • Hallo taybeere,

    jetzt habe ich extra nochmal Deinen ersten Beitrag nachgelesen und ich kann nicht drauf kommen, wo Du gleiches mit gleichem vergiltst, wenn Du auch noch auf Deine Kraft schaust und dafür sorgst, dass Du nicht zerbrichst an den Forderungen Deiner Mutter (und evtl. auch Geschwister).

    Für jemand da sein, heißt nicht, auf jeden Piep zu springen, jeden Wunsch möglichst sofort zu erfüllen. Selbstfürsorge ist ein ganz wesentlicher Punkt, denn nur wer für sich selbst sorgt, dass es ihr/ihm gut geht, kann auch für einen anderen Menschen gut sorgen und genügend Kraft dafür aufbringen.

    Wir sich aufopfert, tut auch dem Gegenüber nicht etwas wirklich Gutes. Es entwickeln sich Lasten daraus, die die ganze Beziehung, das Miteinander schädigen können.

    Übrigens: das, "was soll ich glauben, was nicht" ist die Frage, die sich auch meine Schwester bezüglich unserer Mutter immer wieder stellt - aber ich denke, das beruht auf einer irrigen Annahme, weil die Mutter immer mal wieder viel klarer wirkt, als sie wirklich ist und dann auch Hoffnungen aufkeimen, sie könnte doch noch Versäumnisse aus unserer Kindheit jetzt plötzlich gutmachen oder aufklären.

    Ich merke, ich komme ins Schreiben, aber Du musst jetzt erst verdauen und verarbeiten, also höre ich für heute auf. Gutes Denken, aber auch Entspannen!

  • Heute muss ich hier ein neues Thema anschneiden, das mich seit gestern Abend sehr beschäftigt.

    Mir wurde gestern mitgeteilt, dass meine Cousine, die einen Monat jünger ist als ich, an Alzheimer erkrankt ist. Inzwischen sich weder an Wochentag, Monat, Jahr orientieren kann und als sie meine Tante von einer Reise wieder nach Hause brachte, den Weg nicht mehr fand.

    Sie war eine Frau, die viel in der Welt umherkam, sich auch in fremden Ländern, auf fremden Wegen, in fremden Sprachen immer zurechtfand - und nun findet sie einen Weg nicht mehr, den sie schon zigmal gefahren ist!

    Das hat mich einfach grausam erschüttert, obwohl wir uns seit Jahren nicht mehr sehr nahe standen.

    Immerhin bin ich durch die Demenz meiner Mutter seit Jahren auch mit mir selbst etwas wachsamer und nun tritt bei der Tochter ihres Bruders das schon mit 70 Jahren zu Tage! Also dieselbe Linie.

    Wobei ich seit wenigen Jahren weiß, dass auch mein Großvater väterlicherseits, den ich sehr geliebt habe in meinen ersten fünf Lebensjahren, die uns gemeinsam vergönnt waren, an Demenz litt. Also im Grunde bin ich von beiden Seiten vorbelastet - das macht mir Sorge. Alle anderen, zum Großteil über 90 Jahre alt gewordenen Angehörigen blieben frei von Demenz, nur eine Großtante, die 103 Jahre erreicht hatte, war in ihren letzten zwei bis drei Jahren auch eindeutig dement. Aber wenn es so lange dauert, habe ich keine Angst, denn die Wahrscheinlichkeit das zu erreichen, ist doch nicht so hoch.

    Danke fürs Losschreiben dürfen. Einen guten Sonntag Euch allen.

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