Wie geht es euch - Kapitel V

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  • Hallo Elbe


    auch von mir willkommen in dieser Gemeinschaft.


    Ich kann Deine Erschöpfung gut verstehen, es ist noch gar nicht so lange her, da war ich auch an einem ganz dunklen und düsteren Punkt in meinem Leben. Die Umstände, unter denen meine Mutter im Pflegeheim gelandet ist, waren etwas anders als bei Dir, aber der Prozess ist anstrengend und kostet viel Kraft. Schuldgefühle raubten mir den Schlaf, meine Gedanken kreisten ständig um die gleichen Themen und ich konnte überhaupt nicht mehr abschalten, vor lauter Sorge, alles "recht" und "richtig" machen zu wollen.

    Ich bin dankbar für Euer Forum , weil es hilft zu wissen das es andere gibt die dasselbe mitmachen müssen. Danke für's lesen. Wie kommt man aus so einer dunklen Periode raus ? Oder besser gefragt - wie lange dauert so was ?

    Ich glaube, den Zeitraum kann man nicht pauschal benennen - es mag banal klingen, aber "Zeit hilft". Wenn ich heute - mit zeitlichem Abstand - auf die Zeit des Eingewöhnens zurückblicke, dann sehe ich deutlich, welche Fortschritte meine Mutter im Hinblick auf das Leben im Heim gemacht hat.

    Ich habe mit Mitte 50 nochmal eine neue Stelle angetreten und ich muss sagen, dass es mir gut tut, dass ich quasi gezwungen bin, meine Gedanken auf etwas anderes als meine Mutter zu richten. Ich darf mein eigenes Leben haben und ja, auch genießen.

    Du hast jetzt schon ganz viel Gutes für Deine Mutter getan, Du hast es Dir verdient, mal durchzuschnaufen und Deinen Blick nach vorne und auf Dein eigenes Leben zu richten.

    Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute!

    LG, SunnyBee

  • Die eine führt die Begutachtung des Pflegegrades durch, die andere prüft unangemeldet einmal im Jahr die Einrichtungen. Dabei wird auch das Eingewöhnungskonzept geprüft. Darin steht genau, mit welchen Schritten das Heim dem Menschen das Ankommen erleichtert. Offensichtlich klappt das in dem neuen Heim Ihrer Mutter sehr gut, sodass mein Kommentar nicht nötig war. Weil Angehörige aber manchmal das Gefühl haben, ihre Informationen, Angebote und Ideen zur Eingewöhnung würden nicht gern gehört, weise ich darauf hin, dass es ein überprüftes Qualitätsmerkmal ist.

    Hallo Herr Hamborg,

    vielen Dank für die Aufklärung, ich wusste nicht, dass der MD auch für die Überprüfung der Heime zuständig ist.

    Insbesondere Ihr letzter Satz hat mich aufhorchen lassen. Ich gehöre zu den Angehörigen, die das Gefühl haben, dass meine Informationen, Angebote und Ideen zur Eingewöhnung nicht gerne gehört werden, da vieles von dem was ich vorgeschlagen habe, mit den Worten: "Wir haben jahrzehntelange Erfahrung und behandeln alle Bewohner gleich. Wenn wir auf alle Vorschläge der Angehörigen eingehen wollten, könnten wir die Dienstzeiten unseres Personals nicht mehr sicherstellen, und wir haben nicht nur den Bewohnern sondern auch unserem Personal gegenüber eine Verantwortungspflicht." abgetan wurde.

    Okay, das verstehe ich natürlich, aber ich kann es einfach nicht gut heißen, dass den Bewohnern im Vorbeigehen das Essen in den Mund gestopft wird, damit man bis zum Feierabend/Schichtwechsel alle satt bekommen hat.

    Naja, auf der anderen Seite haben Demente ja auch den Vorteil, dass sie unschöne Vorkommnisse (sofern sie nicht ständig passieren) auch schnell wieder vergessen haben.


    Ein schönes Wochenende Ihnen und allen anderen hier

    Silly

  • Liebe SunnyBee und alle anderen !


    aber "Zeit hilft" ..... das glaube ich auch. Ich bin völlig erschöpft. Im Moment noch bis nächste Woche krankgeschrieben. Ich mache einfach mal nix. Meine Mutter besuche ich diese Woche nicht. Eine Freundin von ihr geht heute hin.


    Wir haben Gott sei Dank absolut keine finanziellen Sorgen und in sofern kann ich hier einfach nur rumsitzen. Irgendwann suche ich mir dann einen neuen Job, aber ich kann echt sagen dass die Krankheit meiner Mutter dafür gesorgt hat dass meine eigentlich erfolgreiche Karriere den totalen Absturz bewirkt hat.


    Das maximum was ich mir im Moment vorstellen kann ist z.b. irgendwo an der Kasse zu sitzen oder einfache Büroarbeit. - Irgendwas wo ich bloß keine Entscheidungen treffen muss. - So einen Zustand hab ich noch nie erlebt. - Ich hab bei meinem Arzt darum gebeten mal Bluttest zu machen nächste Woche, weil ich auch glaube dass ich Mangelerscheinungen haben. - Durch die Demenz und den Zustand meiner Mutter hab ich in den letzten Jahren sämtliche Selbstdisziplin verloren. Meine Wohnung sieht aus wie Lotte , mein Körper macht mir zu schaffen und ich bin erst 57. Jede Form von Stress löst bei mir Panik aus. Im Moment mach ich einfach nur jeden Tag ein kleines bisschen -

    also einen Tag Steuererklärung - nächsten Tag Akten sortieren - heute mal ein bisschen die Wohnung meiner Mutter umräumen. Das sind Sachen die ich früher locker an einem Tag erledigt habe. Im Moment gehts nicht.


    In dem Heim meiner Mutter ist ein Psychologe und der hat simple einfach nur gesagt auch wenn es schmerzhaft ist - Du musst die Krankheit akzeptieren. Weil ändern kann man die nicht . Es ist zu viel - diese Hilflosigkeit, ein Leben lang selbständig, erfolgreich und jetzt total anders. - Meiner Mutter geht es gut in dem Heim und trotzdem hab ich ein Problem. Ich hoffe das ich es innerhalb der nächsten Wochen schaffe ein bisschen Distanz aufzubauen. Ihre Freundinnen helfen dabei, weil sie sie besuchen und mir dann berichten.


    Vielen Dank fürs Lesen und ich wünsche allen ausreichend Kraft.

    Elbe

  • ...


    Hier kommt die integrative Validation ins Spiel, eine Methode, die pflegende Angehörige dabei unterstützt, eine bessere Verbindung zu ihren geliebten Menschen aufzubauen und ihre Bedürfnisse besser zu verstehen.

    Liebe Julia Siebers,

    Bei Demenz ist guter Rat teuer, erst recht, wenn Demenzkranke schon vor ihrer Demenz schwierige Charaktere waren.

    Vielleicht habe ich Ihr Konzept "integrative Validation" nicht verstanden, denn mir ist nicht ersichtlich, wie dieses Konzept helfen soll, wenn der/die Kranke sich normalen Pflegemassnahmen widersetzt. Hier ein paar Beispiele aus dem Pflegealltag von mir und meiner Frau:

    Schwiegermutter hat endlich einen Termin beim Psychiater und weigert sich, sich zu setzen und Fragen zu beantworten.

    Schwiegermutter hat endlich einen Termin bei der Internistin wegen Leistenbruch und weigert sich, sich untersuchen zu lassen.

    Schwiegermutter verweigert ihre Medikamente zu nehmen und stachelt ihren Mann an, ebenfalls seine Medizin zu verweigern.

    Schwiegermutter verweigert ihre Morgenpflege und klammert sich an ihren Mann, damit er auch nicht gewaschen und angezogen werden kann.

    Schwiegermutter droht mit Polizei und Schlimmerem, wenn meine Frau und ich abends ausgehen wollen.

    Schwiegermutter hat angeblich Blasenentzündung. Wir glauben, das ist nur ihre Reaktion auf die Inkontinenz, trotzdem will meine Frau den Morgenurin ihrer Mutter sammeln und zur Hausärztin bringen. Ihre Mutter verweigert zwei Stunden lang jedes Tröpfchen.


    Meine Frage ist, wie soll uns eine "integrative Validition" in solchen Situationen helfen?

    Buchenberg und Frau.

    Einmal editiert, zuletzt von Buchenberg ()

  • Hallo Elbe,

    deinen Zustand der Erschöpfung kenne ich sehr gut, seitdem ich meinen Mann vier Jahre bis zu seinem Tod gepflegt habe, mit Ende 40 fühlte ich mich wie Ü80 - also wie ich mir es vorstelle jedenfalls ;)

    Zeit ist nur 1 Faktor, der für die Genesung davon helfen kann, besser ist es mit entsprechender Anleitung und Begleitung anzugehen, je nachdem, ob Beschwerden vorliegen, die über Müdigkeit hinausgehen. In jedem Fall hilft viel Ruhe, Schlaf und vitaminreiches Essen. Hast du schon mal darüber nachgedacht, eine Reha zu beantragen? Dann kann man versorgt werden und gleichzeitig Abstand zur bisherigen Situation bekommen, körperorientierte Anwendungen, Anleitung für Bewegung und vieles mal loswerden und sich Richtung berufliche Zukunft beraten lassen. Die Rentenversicherungen haben ja auch ein Interesse daran, dich als Zahler zu behalten ;)

    Meist denkt man ja, wenn die belastende Situation vorbei ist und der kranke Angehörige versorgt ist, kann man durchstarten - oft meldet sich dann erstmal der Körper und möchte nun endlich wieder mehr Fürsorge.

    Sich selbst viel Gutes tun und sogen. Genusstraining wird da sehr empfohlen.

    Liebe Grüße

  • Hallo Elbe,


    Deine Erschöpfung ist nachvollziehbar und verständlich, was Du beschreibst, hört sich für mich wie ein "Burn-out" an ...

    So einen Zustand hab ich noch nie erlebt.

    Jede Form von Stress löst bei mir Panik aus. Im Moment mach ich einfach nur jeden Tag ein kleines bisschen -

    Die Idee mit der Reha/Kur von Rose60 finde ich richtig gut - hätte ich damals auch machen sollen.

    Ich kann nur sagen: Lass' es zu, dass Du erschöpft bist, Du hast allen Grund dazu. Dass es Deiner Mutter im Heim gut geht, ist etwas Positives, aber die Veränderung will auch von Dir verarbeitet werden.

    Die Krankheit zu akzeptieren ist ein schmerzhafter Prozess, auch dafür muss man sich ein bisschen Zeit nehmen. Aber es geht nicht anders, sonst geht man daran zugrunde.

    Mir hilft dieses Forum dabei in vielerlei Hinsicht, es ist meine "Online-Selbsthilfegruppe" ;)

    In diesem Sinne, ein schönes Wochenende, SunnyBee

  • Liebe Elbe -


    ich kann Deinen Erschöpfungszustand so gut nachvollziehen. Mit ist es besonders aufgefallen, nachdem die Wohnung meiner Mutter ausgeräumt und ich den Schlüssel übergeben hatte. Ich wohne im 3. Stock ohne Aufzug und kam kaum noch die Treppen hoch. Wochenenden habe ich mich aufgerafft zum Einkaufen etc., am liebsten hätte ich aber durchgeschlafen. Freunde treffen war mir zu anstrengend und ich war dauernd krank. Durch den ganzen Stress (auch vor'm Ausräumen der Wohnung) habe ich über 2 Kleidergrößen abgenommen. Bei mir war es etwas anders als bei Dir: Ich war froh, dass meine Arbeit mich abgelenkt hat, auch wenn ich manchmal gefühlt manchmal über meine Grenzen ging. Meine Psychologin hat auch sehr geholfen, muss ich sagen. Aber es dauert, bis man sich erholt - mir geht es vor allem psychisch besser, physisch auch, indem mein Immunsystem sich erholt hat. Es sind jetzt 3 Monate und es geht schrittweise besser. Ich denke, es wir noch eine Weile dauern.

    Elbe: Mute Dir nicht zu viel auf einmal zu. Reha hört sich gut an. Tu was für Dich - egal was. Das hilft auf jeden Falls.

  • aber wenn Sie Sorge haben, sollten Sie Ihr Mutter damit sehr "ernst nehmen" und über den Arzt oder den sozialpsychiatrischen Dienst eine Einweisung in die Klinik veranlassen.

    Hallo Herr Homburg,


    ich weiß nicht woher sie das haben, dass man jemand über den sozialpsychiatrischen Dienst in die Klinik einweisen lassen kann.

    Der sozialpsychiatrische Dienst hat sich bei uns zuhause nur meine Mutter angesehen, und das war es.

    Meine Mutter ist zuhause mehrfach gestürzt, und ich habe mehrfach den Rettungswagen gerufen, weil sie nicht mehr vonl alleine stehen konnte.

    Folgendes ist passiert:

    Man untersuchte die Vitalfunktionen, welche in Ordnung waren und Mutter schrie, dass sie nicht ins Krankenhaus will.

    Gegen den Willen eines Menschen, kann man ihn nicht einfach irgendwo hin bringen.

    Eine (Betreuungs-) Vollmacht hatte ich auch nicht.

    Thema erledigt.

    Erst beim dritten Mal wurde sie vom RTW mitgenommen.

    Es ging ihr wirklich schlecht, und sie hatte tatsächlich eine chronische Blasenentzündung, und was weiß ich noch alles.

    Die Krankenhäuser wollen diese Patienten nicht, und das ist kein Witz.

    Die können sich ambulant behandeln lassen, aber das verweigern sie meistens.

    Wenn sie erst einmal im KH sind, meldet sich der soziale Dienst zu Wort wie es mit dem Patienten weiter gehen soll. Meistens ist es erst einmal die Kurzzeitpflege.

    Da werden die Verwandten angerufen, ob es da jemand mit Betreuungsvollmacht gibt, oder es wird eine bei Gericht angeregt und bestimmt.

    Und diese Person kann dann je nach Aufgabenbereiche entscheiden.


    Das beste, was man machen kann:

    Sich alle Vollmachten (Betreuer) geben lassen (und das möglich noch im klaren Zustand), und wenn man einen dementen Angehörigen nicht alleine pflegen kann, dann einen guten Heimplatz suchen.

    Meine Mutter hat sich bestens eingewöhnt, hat eine Freundin.

    (Auch wenn sie ihr ab und die Handtasche klaut ;) ).

    Ich besuche sie nicht, damit sie nicht wieder in ein Loch fällt und in ihre Wohnung zurück will, die sie nach einem halben Jahr immer noch hat (andere Geschichte).

    Ich habe die Betreuung abgegeben, weil mich meine Mutter trotz Demenz überleben könnte, aber ich bin nicht 100% zufrieden mit dem Betreuer.

    Damit muss man auch rechnen und vor allem keine Auskunft mehr zu kriegen.

    Man ist dann quasi raus.

    LG

    • Offizieller Beitrag

    Guten Morgen Herr Buchenberg und Frau,


    gerne möchte ich auf Ihre Nachfrage zu meinem Beitrag eingehen.

    Vorab möchte ich jedoch kurz darauf hinweisen, dass dieser weder Ratschläge, noch Anweisungen zur Anwendung oder Vorgehensweisen enthält. Er diente nur zur Information darüber, dass es dieses Kommunikationsmodell IVA und was damit erreicht werden kann, gibt. Zudem gibt dieser Beitrag keine Lösungsstrategien bei individuellen herausfordernden Alltagssituationen her.


    Die IVA (Integrative Validation) wird schon viele Jahre in der professionellen Pflege und Betreuung angewendet und ist in vielen Pflegeeinrichtungen ein fester Bestandteil der Konzeption. In meiner Arbeit mit pflegenden Angehörigen von Menschen mit Demenz werden immer wieder Fragen zum Thema: Richtiger Umgang in Konfliktsituationen gestellt und ähnlich wie in diesem Forum, über Alltagsgeschehnisse berichtet. Dabei weckt die IVA, als Kommunikationsmodell bei vielen das Interesse.


    Dieser Annahme folgend, wollte ich hier gerne das Modell vorstellen und den einen oder anderen bestärken, an der bereits bestehenden Kommunikationsform festzuhalten, denn viele validieren bereits intuitiv richtig gut.

    Vor allem in herausfordernden Pflege- oder Konfliktsituationen hat sich die IVA als Möglichkeit bewährt , die kritische Situation angemessener zu lösen und die eigenen Kräfte zu schonen.


    Wer die IVA in seinen Alltag einbauen will, muss wissen, dass es sich und einen Prozess handelt, der mit Arbeit, Selbstdisziplin und Reflektion verbunden ist. Es muss als Marathon gesehen werden, nicht als Sprint.

    Der erwartete Lohn dafür ist unbezahlbar, denn es bringt allen Beteiligten mehr Lebensqualität ein.

  • Guten Morgen Herr Buchenberg und Frau,


    gerne möchte ich auf Ihre Nachfrage zu meinem Beitrag eingehen.

    Liebe Frau Siebers,

    vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort!
    Ich will den allgemeinen Wert dieses Konzepts keineswegs in Frage stellen, hatte aber den Eindruck, dass es nicht bei allen Demenzkranken und nicht in allen Situationen weiterhilft.


    Im übrigen wäre es gut, - da bei uns so viele gute Pflegekräfte einen ausländischen Hintergrund haben -, wenn dieses Konzept auch einen allgemeinverständlichen deutschen Namen bekäme.

    Freundliche Grüße!
    Buchenberg und Frau

    • Offizieller Beitrag

    Auch das Thema der Unhöflichkeiten und Schimpfworten beschäftigt mich sehr. Als Kinder haben wir regelmäßig was hinter die Ohren bekommen, wenn wir es wagten das böse Wort Sch.... zu benutzen, sie hat kein Problem damit, einen vorbeifahrenden Radfahrer mit Arschloch zu beschimpfen, oder auf einen freundlichen Gruß zu fragen, was die alte Schachtel denn wollte.

    Hallo taybeere ,

    ich kenne ähnliche Situationen, die einem selbst sehr unangenehm werden können. Bei verschiedenen Alzheimer Gesellschaften gibt es sogenannte Verständniskärtchen.Vielleicht wäre das ein kleines "Hilfsmittel" für Sie in solchen Situationen, insbesondere um Ihrer Mutter und sich Erklärungen gegenüber Dritten zu ersparen, die eine Situation häufig noch schwieriger machen?

    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

  • So hoffe ich, dass eure Pflegekräfte und ihr die geeigneten Strategien findet.

    Lieber schwarzerkater,

    Ich fühle mich von dir verstanden, das ist ein gutes Gefühl!

    Ja, ich trete eher „bestimmt“ auf, wenn ich unberechtigten Widerstand spüre. Ich bin da sicherlich zu ungeduldig und verliere zu schnell die Nerven. Aber ich kann auch nicht aus meiner Haut. Hinzu kommt, dass ich ja nicht der einzige bin, mit dem Schwiegermutter zu tun hat, da ist zunächst meine Frau, die im Zweifelsfall ebenso genervt ist wie ich, die aber ganz anders damit umgeht. Sie fällt dann in verletztes Schweigen - leider auch mir gegenüber. Bei den beiden gescheiterten Arztterminen war nur sie dabei.
    Dann sind da noch 8 oder zehn Pflegerinnen und ein Pfleger, die zweimal täglich kommen, und auch ganz unterschiedlich auftreten. Trotzdem ist es bei mehreren von ihnen zu Konflikten mit der Schwiegermutter gekommen. Zuletzt ist da auch die Schwägerin, die nach Kräften versucht, es ihrer Mutter recht zu machen. Wenn sie z.B. für uns Vertretung macht und für die Eltern kocht und runde Frikadellen machen will, Mutter aber flache Buletten will, dann macht sie flache Buletten. (Sie selbst isst kein Fleisch). Das ist sicherlich ein Musterbeispiel an „Integrativer Validation“.
    Mit dem nötigen Respekt wird Schwiegermutter von allen behandelt. Noch niemand hat sie je beschimpft oder ein böses Wort zu ihr gesagt. Aber ich nehme mir als Einziger (?) das Recht heraus, einer herrschsüchtigen alten Frau bei unsinnigen Ideen zu widersprechen und glaube, wer wie eine Königin behandelt werden will, muss auch akzeptieren, dass nicht alle ihre „Dienerinnen und Diener“ gleich willig sind.


    Ob wir nach vier Jahren Pflege noch „geeignete Strategien“ finden werden, bezweifele ich. Wir haben noch diese Woche einen Besprechungstermin in einem Pflegeheim mit angeschlossener gerontopsychiatrischer Abteilung.


    Buchenberg

  • Hallo Buchenberg,

    ich verstehe ebenfalls alles gut, was du schreibst und auch, dass ihr nun nach einer alternativen Unterbringung schaut. Vier Jahre Pflege ist eine sehr lange Zeit und da hoffe ich für dich/euch, dass ihr es nicht als Niederlage empfindet, wenn nun schlussendlich doch noch ein Heimaufenthalt Richtung letzter Lebensphase angestrebt wird.


    wir haben ja alle nur dieses eine Leben!


    @alle:Mir selbst fällt es aktuell sogar schwer, die wöchentliche Besuchszeit einzuhalten, denn dazu kommen nun immer mehr Dinge zu erledigen, wenn ich eigentlich gerade andere Dinge zu tun zu tun habe. Mal ist es die kaputte Zahnprothese oder ein Rezept in einer anderen Stadt abzuholen, dann ist das Telefon verschwunden und etwas neu zu installieren - mit dem Erfolg, dass meine Mutter wieder zigmal nachts meine Schwester anruft, aber ihre Mama oder ihren Bruder am anderen Ende vermutet.. Keine Ahnung, wie meine Mutter es hin bekommt. Auf jeden Fall bin ich in den letzten Wochen schon außerhalb der Besuche oft etliche Stunden unterwegs und beschäftigt für meine Mutter

    Liebe Grüße an alle

    Einmal editiert, zuletzt von Rose60 ()

  • Hallo Buchenberg,

    ich verstehe ebenfalls alles gut, was du schreibst und auch, dass ihr nun nach einer alternativen Unterbringung schaut. Vier Jahre Pflege ist eine sehr lange Zeit und da hoffe ich für dich/euch, dass ihr es nicht als Niederlage empfindet, wenn nun schlussendlich doch noch ein Heimaufenthalt Richtung letzter Lebensphase angestrebt wird.

    Liebe Rose,

    ja, ich sehe das als persönliches Scheitern. Ich hatte diese Verantwortung (mit)übernommen, in dem Glauben, dass meine Frau und ich genügend Kraft und Zeit für die Pflege von zwei alten Menschen haben. Was die gesundheitliche, hygienische und räumliche Versorgung und das tägliche Essen angeht, hatten wir wohl gute bis optimale Bedingungen geschaffen. Aber letztlich erwiesen sich die psychischen Probleme stärker als unsere Nervenkraft.
    Der Umgang mit einem psychisch kranken Menschen erfordert Fachwissen, Erfahrung und eine medikamentöse Palette. Das alles fehlt uns.

    Wir hoffen erst mal auf eine Kurzzeitpflege mit psychiatrischer Beobachtung/Behandlung. Die beiden Alten werden nicht getrennt, sondern sind in einem Zweier-Apartment.

    Dann sehen wir weiter. Anschließende Rückkehr in unseren Haushalt nicht ausgeschlossen.

    Lieben Dank für Deine Anteilnahme! Ich verfolge deinen Leidensweg - du bist ja uns voraus!

    Buchenberg und Frau

  • Lieber Buchenberg,

    leider musste ich in meinem Leben schon mehrmals mit, aus unterschiedlichen Gründen, psychisch kranken Menschen zusammenleben und das bewältigen.

    Ich musste auch erleben, dass regelmäßig das die gesunden Betreuenden (oder anderweitig im alltäglichen Zusammenlebe beteiligten Personen) absolut an ihre Grenzen bringt und irgendwann der Punkt erreicht ist, an dem es nicht mehr schaffbar ist.

    Wir dürfen nicht vergessen, auch die Fachhelfer, die dafür ausgebildet sind und Wissen und Strategien zur Bewältigung erlernt haben, brauchen doch oft auch Supervision, um nicht an dem zu zerbrechen, was sie in diesem Alltag aushalten müssen.

    Wie sollen wir Laien mit persönlicher Betroffenheit das besser können!

    Vier Jahre mit zwei dementen Menschen ist eine lange Zeit, da dürft Ihr Euch auf jeden Fall zugestehen, das jetzt an die Fachkräfte abzugeben, zumal ein Ende ja nicht absehbar ist und Ihr selbst nicht jünger und nicht gesünder werdet. Ihr müsst Euch doch auch noch Kräfte für Euer eigenes Alter aufbewahren.

    Ich wünsche Euch von Herzen, dass Ihr den Weg dahin findet, es als sinnvolle Entscheidung betrachten zu lernen und nicht mehr als Niederlage.

  • Lieber Buchenberg und Frau,

    Ihr macht das Alles ja sehr verantwortungsbewusst und reflektiert, da bin ich mir sicher. Vermutlich ist ja auch eine gewisse seelische Erschöpfung bei euch dazu gekommen, aber wir sind alle keine Maschinen, die endlos belastbar wären. Ihr gesteht euch professionellen Support zu und das ist völlig richtig.

    Ich weiß aber noch, wie furchtbar schlecht ich mich fühlte, als ich vor einigen Jahren meinen Mann ins Hospiz ziehen lassen musste, weil ich am Ende meiner Kräfte war und wie ich überzeugt werden musste. Im Nachhinein war es die goldrichtige Entscheidung, ihm ging es dort besser mit der adäquaten Versorgung, meine Besuche dort waren entspannter möglich u.v.m.

    Mein damaliges Versagensgefühl ist definitiv verschwunden.

    Ich wünsche euch wirklich, dass es mit einem Umzug zu einer deutlichen Entspannung führt, deine Schwiegermutter wird sich mit anderem Input vllt nochmal von einer besseren Seite zeigen.

    Herzliche Grüße

  • Liebe Rose60,

    ich habe gerade das dringende Bedürnis dir zu sagen, dass du für mich und viele andere hier im Forum eine sehr wertvolle und hilfreiche Stütze bist.

    Auch ich habe (so wie Buchenberg) in den vergangenen Jahren deine Geschichte verfolgt und bin unglaublich beeindruckt, wie du all die Herausforderungen in deinem Leben so tapfer meisters ohne darüber zu verbittertn.


    Du bist so ein wunderbar empathischer Mensch, danke das du da bist!

    Klingt irgendwie super kitschig, aber ich musste das jetzt einfach mal hier schreiben.


    Liebe Grüße

    Silly

  • Das eigene Alter ist bei vielen von uns schon längst da. Man kann niemanden mehr ganz allein auf seine Schultern nehmen, wenn man selbst schon auf Krücken läuft ... Das muss man sich eingestehen. Liebe ecia, auch für dich alles Gute.

    Danke und - so wahr!

  • Wow, liebe Silly, vielen lieben Dank für diese überraschenden Zeilen!! es freut mich sehr, wenn mein vieles Geschreibsel auch anderen sogar noch guttut ;)

    nun ja, es ist schon ein Stück Arbeit der Verbitterung zu entgehen und brauchte etliche Stunden bei prof. Begleitern, aber man tut es ja auch für sich - und meine Kinder sollen ja auch ihre Mutter nicht noch obendrauf verlieren. Aber erschöpft bin ich aktuell schon weiterhin, muss ich sagen. Habe oft Pudding in den Beinen und arbeite dran, bald mal eine Zeit der Erholung zu haben.

    Am Wochenende habe ich mit meinem Partner meine Tochter in einer anderen Stadt besucht und es tat so gut, mal rauszukommen und nicht greifbar zu sein. Trotzdem zuhause wieder das Gefühl, mehr tun zu können, will ich aber gerade nicht... und meine Mutter kann bei diesem Wetter auch mit anderen draußen sitzen , das muss reichen..

    Herzliche Grüße

  • Liebe Alle !


    Vielen Dank für Eure Kommentare. Heute war ich beim Arzt und bin erstmal wieder bis 22 September krankgeschrieben und hab eine Überweisung für Gesprächstherapie bekommen. Ich wollte gestern mit meinem Cousin zu meiner Mutter. Das hat nicht geklappt, weil er auch einen schweren Krankheitsfall in seiner Familie hat. Morgen gehe ich zu meiner Mutter mit meiner besten Freundin und hab schon Zitteranfälle, die wahrscheinlich unbegründet sind.

    Aber irgendjemand muss schon mal nach ihr gucken. - Und ich gehe definitiv nicht alleine zu ihr hin. Das ist eigentlich unglaublich. Ich war mit meiner Mutter immer sehr eng verbunden - und jetzt - traue ich mich nicht mehr sie alleine zu sehen. Unerträglich - die Fragen nach meinem verstorbenen Partner - und immer diese Frage nach dem Wohnungsschlüssel.


    Gestern hat meine beste Freundin die Nase voll gehabt und hat gesagt, wir machen jetzt mal was wirklich schönes. Haben wir dann auch getan - Spaziergang und Essen gehen und Miniwunderland. Da ging dann auch mein Tinnitus runter.


    An arbeiten ist aber immer noch nicht zu denken. Das maximum was ich vielleicht leisten könnte wäre in einer Bäckerei hinter der Theke. Bloß keine Entscheidungen treffen.


    Ich finde es unglaublich was viele Menschen leisten um Angehörige zu pflegen/betreuen. Ich danke Euch für dieses Forum. Und ich danke diesem Sozialstaat. Und meinem Arzt für die Krankschreibung bis 22 September. Jetzt brauch ich erstmal einen Termin für die Psychologische Therapie. Mein Kopf ist fucked up. - Vielen Dank Euch allen fürs Lesen und die Empathie.


    Elbe

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