Wie geht es euch - Kapitel V

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  • Lieber schwarzerkater,


    vielen Dank für Deine Worte und Lichtblicke. Gestern abend habe ich hier noch viel gelesen und dann spontan beschlossen , nach all den Beiträgen "tu was für Dich" einen Flug zu meiner Familie in Spanien gebucht für eine Woche. Ich hoffe dann das die Freundinnen meiner Mutter sie nächste Woche 1 oder 2 Mal besuchen. - Also "ich bin dann mal weg" - Hoffentlich hilft es mir mit ein bisschen Abstand. - Termin für den Psychologe ist erst am 29. September. Vorher haben wir aber noch ein Treffen für Angehörige im Pflegeheim.


    Ich wünsche Dir und allen anderen ein schönes Wochenende.


    Elbe

  • Morgen gehe ich zu meiner Mutter mit meiner besten Freundin und hab schon Zitteranfälle, die wahrscheinlich unbegründet sind.

    Aber irgendjemand muss schon mal nach ihr gucken. - Und ich gehe definitiv nicht alleine zu ihr hin. Das ist eigentlich unglaublich. Ich war mit meiner Mutter immer sehr eng verbunden - und jetzt - traue ich mich nicht mehr sie alleine zu sehen. Unerträglich - die Fragen nach meinem verstorbenen Partner - und immer diese Frage nach dem Wohnungsschlüssel.

    Hallo Elbe! Auch von mir ein herzliches Willkommen!


    Viele von uns kennen den Psycho-Stress und die Ängste, die man hat, wenn man mit dementen Eltern zusammenkommt. Ich bin 2 Jahre lang mit Telefonanrufen malträtiert worden, in denen mir immer irgendwelche Vorwürfe gemacht wurden. Obwohl mein Vater jetzt schon ein dreiviertel Jahr lang im Heim ist und kein Telefon hat, zucke ich immer mal wieder zusammen, wenn mein Handy läutet. Vor Heimbesuchen ist es so wie schwarzerkater sagt; ich schlafe immer schlecht und bin dann den ganzen Tag aufgeregt, weil man ja nie weiss was passiert und welche Vorwürfe einem gemacht werden.


    Mein Vater ist jetzt in einer recht ausgeglichenen Phase (klopf auf Holz!) und hat sich recht gut im Heim eingelebt. Deshalb waren die letzten Besuche eigentlich besser, als befürchtet. Aber mann weiss es natürlich nie, und geht immer mit einem flauen Gefühl im Magen hin.


    Die Empfehlungen von schwarzerkater finde ich toll. Versuche, dein eigenes Leben zu leben. Diskutieren bringt nichts. Man muss auch davon Abstand nehmen, den dementen Eltern gefallen zu wollen; Lob und Tadel, das ist alles bedeutungslos. Und ich denke auch, man sollte sich bewusst machen, dass man, wenn man den Erkrankten in einem guten Heim untergebracht hat, zu einem gewissen Grad seine Schuldigkeit getan hat. Wenn Besuche also unerträglich sind, dann ist es völlig ok, nicht hinzugehen.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde und danke, wie offen Sie mit der Erschöpfung und der inneren Grenze umgehen, die Ihnen Ihr Körper und Ihre Seele senden! Die Erschöpfung nach einer so langen so schweren und so überfordernden Zeit ist völlig "normal" und ein wirksamer Schutz, nicht in eine Erschöpfungsdepression oder ein burn-out zu geraten. Wenn deren Mechanismen schon greifen, ist es umso wichtiger, sofort und entschlossen gegenzusteuern!


    Wem nützt es, wenn Sie in diesem Zustand einen Menschen mit Demenz besuchen, der nicht mehr in der Lage ist, zu erkennen, welche Äußerungen Gift für die Tochter sind?


    Ist es vielleicht sogar ein weiser innerer Schutz, genau diese Treppe nicht mehr steigen zu können oder können zu wollen?


    Es freut mich sehr, dass Sie - Elbe - jetzt den Urlaub machen und hoffentlich aus vollen Zügen genießen können und dann so schnell eine Psychotherapie gefunden haben! Ein Auto bleibt stehen, wenn es nicht aufgetankt wird - Menschen können aber noch ganz lange - bildlich gesehen - ohne Benzin fahren.


    Deshalb möchte ich an all die starken Frauen hier appellieren, Ihre Mütter sind gut versorgt - jetzt sind Sie dran! Fahren Sie bitte nur aufgetankt und einem guten Reifendruck in das Heim und nicht auf den "Felgen".

    Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Buchenberg, was kann ich tun, dass Sie nicht dieses Gefühl des Scheiterns haben?

    Das war mein erster Gedanke. Von allem was ich gelesen haben ist schon länger eine Grenze erreicht.


    Es ist nicht die Grenze durch die Pflegebedürftigkeit! Sie sind da mittlerweile Experte und haben diesbezüglich mit Ihren Erfahrungen andere hier im Forum beraten können.


    Es ist nicht die Grenze durch die Demenz Ihrer Schwiegermutter. Sie haben mit Ihrer Einscheidung schon so viel Geduld gelernt, aber es ist ein lebenslanges Lernen. Sie haben Ihren Humor behalten und hier geteilt und Sie haben ein hohes Maß an Verständnis für die Krankheit.


    Sie haben eine kleine heile Welt für Ihre Schwiegereltern bebaut, aber Ihre Schwiegermutter ist daran gescheitert.


    Das schreibe ich in dem Wissen, dass Ihre Schwiegermutter dement ist und damit (eigentlich) genau die heile validierende Welt braucht, die Sie aufgebaut haben. Aber sie hat sich mitgenommen. Noch beeinflusst die Persönlichkeitsstörung die Demenz und möglicherweise andere gerontopsychiatrische Diagnosen. Irgendwann dreht sich dies nach meinen Erfahrungen um und die Demenz tritt in den Vordergrund, Validation und andere demenzbezogene Konzepte "kommen an oder durch".


    Dies gelingt aber schlechter, wenn die toxischen Muster der Persönlichkeitsstörung weiterhin aufrechterhalten werden. Das sind auch uralte Muster mit ihrem Mann, der sich in seiner Demenz gut in der heilen Welt einfindet, die Sie beiden gestaltet haben.


    Möglicherweise braucht Ihre Schwiegermutter den Abstand und die Behandlung in einer Gerontopsychiatrie und vielleicht auch eine Zeitlang ein gerontopsychiatrisches Heim, bis sie in den Zustand kommt, mit dem sie bei Ihnen ankommen kann.

    In diesem Sinne, was brauchen Sie noch, damit sie nicht denken, SIE wären gescheitert...

    Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Herr martinhamborg
    herzlichen Dank für Ihre verständnisvollen Worte.

    Die heutige Situation hat eine gewisse Ähnlichkeit mit meiner ersten, gescheiterten Partnerschaft. Die damals erfolgte Trennung – ich war gerade 30 - war ein Scheitern, aber die schmerzhafte Trennung entwertete nicht unsere gemeinsamen guten Jahre davor.

    Die jetzige Trennung von den beiden Pflegebedürftigen entwertet nicht die vier Jahre, in denen meine Frau und ich für sie gut sorgten. Dass wir jetzt unser gegebenes Versprechen, für die beiden jeden Tag zu sorgen, nicht mehr einhalten, ist unseren eigenen Schwächen geschuldet. Angesichts dieser Schwächen wollen wir nicht warten, bis die täglichen Anforderungen uns beide zerfressen haben. Die beiden werden von uns ja nicht verstoßen, aber in andere, professionelle Hände gegeben. Es wird nicht zu ihrem Schaden sein.
    Grüße von Buchenberg und Frau!

  • Guten Abend, all Ihr Lieben,


    heute muss ich mal wieder schreiben...


    vor vier Tagen ist die Schwester meiner Mutter zu Besuch gekommen und wir haben an drei aufeinanderfolgenden Tagen meine Mutter besucht, waren zwei Mal mit ihr Essen, haben an einem Nachmittag zusammen Kaffee und Kuchen genossen.... und es war für mich einigermaßen schwierig...


    Ich weiß nicht, ob meine Mutter ihre Schwester überhaupt erkannt hat.


    Ich habe mich etwas im Hintergrund gehalten um den beiden Raum für Gespräche und Erinnerungen zu geben, aber es kam kaum etwas. Mutter hat mit ihrer Schwester fast genauso wenig geredet wie mit mir und ich habe vergeblich nach einem Zeichen der Freude oder dergleichen gesucht. All ihre Äußerungen und Gesprächsbeiträge waren vorwiegend negativ, passten selten zusammen oder zum Thema und ich war schon lange nicht mehr so traurig wie an den drei Tagen. Meine Mutter meinte dann aber, es hätte Spaß gemacht und sie habe sich über die Menüfolge gefreut. Es ab kein Menü.... Es gab einfach ein Mittagessen.... Meine Tante meinte, sie bewundere meine Geduld, aber das hilft mir auch nicht wirklich weiter..... Ich bin mit meiner Geduld oft am Limit, vor allem, wenn wieder der Schwall an Vorhaltungen kommt... Ich weiß, es ist die Krankheit, aber es läßt einen deswegen nicht weniger hilflos dastehen.


    Heute kam dann ein Anruf von Mutter, sie finde ihren Schlüssel nicht.... sie habe stundenlang gesucht....

    Ich habe mit ihr zusammen am Telefon (geh bitte zu der Braunen Jacke, geh bitte zur blauen Jacke, schau bitte in die Taschen der Weste.....) versucht das Problem zu lösen.... "Ich finde nichts"

    Ich bin dann hingefahren, weil sie nur den einen Schlüssel für ihre Wohnung hat und ich keine neuen Probleme hervorrufen wollte..... Die Schlüssel waren in der Tasche der Weste...


    Elbe

    die Angst vor den Besuchen kenne ich auch... sie war jetzt auch wieder sehr stark da, als ich mit meiner Tante zu Mutter gefahren bin.


    Silly

    Ich kann Dir nur beipflichten. Die Texte von Rose60 haben auch mir sehr geholfen.


    Rose60

    Danke für die vielen Gedanken und Tipps


    Ich wünsche Euch allen einen guten Start in die Woche, wenig Probleme mit den Aufgaben die wir alle zu bewältigen haben und jeden Tag mindestens einen Menschen der Euch signalisiert, dass Ihr einen guten Job macht!


    Alles Liebe Taybeere

  • Liebe OiOcha -


    ich weiß genau, was Du meinst - unsere Mütter sind sich da sehr ähnlich. Ich schaue auch noch immer schreckhaft auf's Telefondisplay, wenn es klingelt - auch wenn ich weiß, dass meine Mutter nicht anrufen kann. Wenn es das Heim ist, weiß ich quasi schon, dass sie wieder gefallen ist. Das ist aber auch immer so ein böses Bauchgefühl. Und ich bin dann auch immer erst gestresst. Das wird auch sicherlich dauern, bis dieses Gefühl sich dann abschwächt. Lass Dir Zeit. Ich mache jetzt die nächsten Schritte - mal ein Wochenende wegfahren, ins Kino / Theater oder mit Freunden essen gehen.

    LG

    Tanja

  • Hi zusammen, dass mit dem Zusammenzucken bei Telefonanrufen kenne ich leider auch. Ich bin die letzten Wochen auch schon manchmal aus dem Schlaf aufgeschreckt, weil ich geträumt habe, dass das Telefon klingelt. Da sieht man leider mal, wie sehr man unter Dauerstrom steht. 😔

  • Ohja, das kenne ich auch, dass angeblich nachts das Telefon klingelte oder sogar an der Haustür und ich aus dem Schlaf hochgeschreckt bin. In den ersten Wochen meiner Mutter im Heim hatte ich jeden Morgen Angst, dass ich eine schlimme Nachricht aus dem Heim bekomme, weil meine Mutter schon vor dem Einzug ins Heim oft sagte, sie merke deutlich, dass sie bald stirbt.. das ist nun über vier Jahre her und schon länger ist von sterben keine Rede mehr.lange Zeit sagte sie noch mit Nachdruck "also hier will ich auf keinen Fall sterben" - das fand ich furchtbar, denn was sollte ich ändern ? Sie wollte da wohl am liebsten zu mir ziehen , was ich aber absolut nicht leisten konnte.

    Das ist furchtbar, wenn man sich so unter Druck gesetzt fühlt, doch irgendwann änderte es sich und die Angst vor einem Anruf verschwand, auch der unruhige Schlaf deshalb. Ich weiß ja, dass mehrmals pro Nacht jemand bei ihr reinschaut, was ich definitiv nicht leisten könnte und von daher haben wir nun die Verantwortung abgegeben und dürfen uns mehr um uns kümmern.

    Wenn wir das nicht selbst tun, wer soll es dann in unserem Alter?

    Liebe Grüße

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Rose60, ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie sich diesen wichtigen Gedanken beim Klingeln des Telefons vor Augen führen. Es ist tatsächlich nötig, neu zu lernen und die alten schlimmen Gedanken von dem Telefon zu entkoppeln.

    Das kann ein regelrechtes Übungsprogramm werden: Klingel - Ausatmen (den alten Impuls) - Einatmen (die Erkenntnis: "Wir dürfen uns um uns kümmern" - Entspannen)


    Ihnen Taybeere, wünsche ich sehr, dass Sie Ihre bemerkenswerte Geduld behalten, das allein ist schon ein sehr großes Geschenk für einen Menschen mit Demenz!


    Danke, Schwarzerkater, dass Sie anstelle des Scheiterns die persönliche Größe setzen, das ist ein starkes Bild für eine große Sache!

    Allen ein schönes Wochenende, Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo taybeere,


    ich möchte noch einmal auf Ihren Beitrag eingehen.


    Es ist großartig, dass Sie und Ihre Schwester drei Tage mit schönen Ausflügen für Ihre Mutti geplant haben. Es tut mir leid, dass diese für Sie nicht so verlaufen sind, wie Sie es sich gewünscht haben. Um für sich selbst dennoch freie Zeit zu haben und diese für Ihre Entspannung zu nutzen, möchte ich hier noch einmal den Hinweis auf die Möglichkeit der Tagespflege oder ehrenamtliche Betreuung durch Einzelpersonen in der Häuslichkeit geben. Hier lassen sich in den Einrichtungen auch kostenfreie Probetage vereinbaren. Einige Menschen mit Demenz zeigen vor Etablierung erst einmal abwehrendes Verhalten bzgl. der Tagespflege. Hier ist auch noch einmal der Kommunikationshinweis, das Wort "Tagespflege" durch "Senioren/Nachbarschaftstreff" oder "Treff für Alleinstehende" oder ähnliches zu ersetzen. Sollte der Probetag gut verlaufen (hier auch nach dem Empfinden des Personals sprechen und nicht nur auf die Aussagen des Betroffenen verlassen), sind viele Angehörige erstaunt, wie gut es dann doch funktioniert. Einen Versuch ist es sicherlich wert, denn auch wenn die Betreuung durch fremde Personen dem Menschen mit Demenz nicht immer so gut gefällt, sollten sich Angehörige dennoch auch immer wieder für die eigene Selbstfürsorge entscheiden.


    Bezüglich des "Schlüsselproblems": Gibt es die Möglichkeit, einen Zweitschlüssel anfertigen zu lassen und diesen bei Ihnen zu deponieren? Nur für den Fall, dass der Schlüssel verloren geht. Es gibt es auch sogenannte Schlüsseltracker, die sich an den Schlüsseln befestigen lassen. So kann man über GPS den Schlüssel ggf. auch orten und erspart sich lange Stunden mit suchen.


    Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft,


    herzliche Grüße


    Yvonne Kotschik

  • Hallo zusammen,


    mich würde mal interessieren, wie sich bei euch eure Beziehung zu euren Geschwistern entwickelt hat, die sich bei der Pflege eurer Eltern eher zurückhalten? Meine Schwester klinkt sich total aus der ganzen Sache aus. Sie besucht meine demente Mutter etwa einmal im Quartal für ein Wochenende, ruft kaum an. Begründung: Es stresse sie zu sehr.


    Morgen wollte meine Schwester eigentlich übers Wochenende zu meiner Mutter kommen. Ich freute mich schon, weil ich jetzt 3 Monate am Stück bei meiner Mutter im Haus gelebt habe und nun mal in mein eigentliches Zuhause hätte fahren können und mal 2 Tage Ruhe gehabt hätte.


    Aber natürlich bekomme ich heute eine WhatsApp von meiner Schwester, sie habe sich erkältet. Und nun kommt sie nicht. Gut, erkälten kann man sich immer mal, aber es kommt noch nicht mal eine Alternative von ihr nach dem Motto: Dann komme ich nächstes Wochenende, um dich mal zu entlasten. Wahrscheinlich taucht sie erst wieder an Weihnachten für einen Tag auf, so wie letztes Jahr.


    Mich hat das heute echt fertig gemacht und ich habe viel geweint. Nicht nur weil ich die Pause einfach dringend mal gebraucht hätte. Sondern auch weil ich nicht verstehen kann, warum meine Schwester mich so hängen lässt. Die Situation mit meiner Mutter wäre viel erträglicher, wenn ich einfach zwischendrin mal für ein paar Tage nach Hause könnte und weiß, es ist jemand - den meine Mutter kennt - bei ihr und passt auf sie auf. Aber es kommt nichts dergleichen.


    Ich habe mittlerweile so eine Wut auf meine Schwester, bin so enttäuscht und hab auch schon Hassgefühle.


    Habt ihr sowas auch erlebt? Und wie seid ihr damit umgegangen?

  • Liebe Schmiddi ,

    tja, das mit den Geschwistern ist auch so ein Thema.

    So wie bei dir, lief/läuft es auch bei mir, und sicherlich vielen anderen hier auch. Es scheint eher die Ausnahme zu sein, dass Geschwister bei der Pflege eines demenzkranken Angehörigen einhellig am gleichen Strick ziehen.

    ...aber es kommt noch nicht mal eine Alternative von ihr nach dem Motto: Dann komme ich nächstes Wochenende, um dich mal zu entlasten. Wahrscheinlich taucht sie erst wieder an Weihnachten für einen Tag auf, so wie letztes Jahr.


    Mich hat das heute echt fertig gemacht und ich habe viel geweint. Nicht nur weil ich die Pause einfach dringend mal gebraucht hätte. Sondern auch weil ich nicht verstehen kann, warum meine Schwester mich so hängen lässt.

    Ging/geht mir ganz genauso! Wann immer ich in den vergangenen 2 Jahren auf die Unterstützung meiner Schwester gehofft/gebaut habe, kam ihr irgendetwas dazwischen, oder sie hat es zwischen Tür und Angel und nur halbherzig erledigt, was dann zu weiteren Problemen führte, die ich ausbaden durfte.

    Ich kann zwar nachvollziehen (verstehen kann ich's nicht), warum meine Schwester so handelt, aber ich empfinde es dennoch als "hängen gelassen werden".

    Deshalb habe ich unsere Geschwisterbeziehung jetzt erstmal auf Eis gelegt. Ich habe einfach kein Interesse mehr, mir anzuhören, aus welchen Gründen sich meine Schwester bei der Pflege meiner Mutter nur in einem minimalen Umfang engagiert. Wir besprechen seit einiger Zeit nur noch das allernötigste, und selbst da geraten wir manchmal aneinander, weil wir einfach komplett unterschiedlich ticken, was die Pflege unserer Mutter, unser Lebenskonzept, etc. betrifft.

    Anfangs habe ich versucht, meine Schwester zu zwingen sich mehr einzubringen, das ging aber komplett nach hinten los. Ändern kann man nur sich selbst, niemals den/die andere/n!

    Sorry, dass ich dir keinen besseren Ratschlag geben kann. Geschwisterbeziehungen sind meist die längsten und oftmals die kompliziertesten Beziehungen in unserem Leben.


    Viele Grüße

    Silly

  • Hallo Schmiddi,


    das Geschwisterthema war neben der Versorgung meines Vaters mein größtes Problem während der Pflege an das ich unheimlich viel Energie vergeudet habe. Mit meiner Schwester hatte ich ein sehr enges Verhältnis und trotzdem wurde ich mit der Pflege zu 99,999% allein gelassen. Zwar sehe ich heute mit ein paar Monaten Abstand seit dem Tod meines Vaters viele Sachen etwas differenzierter aber an den Tatsachen ändert sich da nichts.


    Meine Psychologin hat mir da sehr gut geholfen diesen Groll aufzuarbeiten und loszulassen. Mit meiner Schwester habe ich heute wieder ein gutes Verhältnis (allerdings nicht so wie zuvor) weil ich dieses Thema aktiv hinter mir gelassen habe und langsam lerne ein Selbstwertgefühl zu entwickeln.

    Sich selbst in dieser Lebenphase professionelle Unterstützung zu holen (z.b. Beratungsstellen, Psychologe etc..) halte ich für sehr wichtig. Mir hat es enorm geholfen und ich habe Rückblickend viel zu lange damit gewartet.


    Rückblickend möchte ich dir raten, wenn sich deine Schwester bis heute nicht mehr eingebracht hat wird sich daran wahrscheinlich auch nichts mehr ändern. Man kann es mit einem klärenden Gespräch versuchen aber schraube diesbezüglich deine Erwartungen nicht zu hoch.

    Das tut weh, aber die Energie, Trauer, Gefühle der Zurückweisung etc... die du dafür aufbringst sind vergeudet. Du hast ein Erwartungshaltung und jedes mal wenn diese nicht erfüllt wird fühlst du dich schlecht und die Verbitterung nimmt zu.


    Es ist deutlich einfacher wenn du die Sachen selbst in die Hand nimmst, Entlastungen können Tagespflege, Besuchsdienste, Pflegedienste, Kurzzeitpflege und je nach Grad der Erkrankung eine Demenz-WG oder ein Umzug ins Plegeheim sein. Das mag sich erstmal überwältigend anhören (war bei mir nicht anders) aber das sind die Fakten. Auch bist du, bei aller Liebe die du empfindest, nicht verpflichtet dich selbst für die Pflege aufzugeben. Du darfst Verantwortung in die Hände von Fachpersonal geben. Daran ist nichts verwerfliches. Du schreibst ja das sich deine Mutter noch recht fit ist, gerade da könnte eine Tagespflege (Falls du dir darunter nichts vorstellen kannst, Kindergarten für Senioren trifft es wohl recht gut) durchaus nochmals stabilisierend wirken. Bei meinen Papa hatte das gerade im ersten Jahr erstaunliche Effekte. In der Tagespflege wurde auch mehrfach wöchentlich mit den Bewohnern die MAKS (motorisch, alltagspraktisch, kognitiv, sozial) Therapie gemacht.



    Hier im Forum hat irgendjemand mal einen Satz formuliert der mir Sinngemäß sehr im Gedächtnis geblieben ist.

    "Niemand käme auf die Idee Eltern ein schlechtes Gewissen zu machen wenn sie ihre Kinder in die Schule bringen um dort von Fremden unterrichtet und auch erzogen zu werden. Warum sollte dies bei hilfebedürftigen Senioren anders sein?"


    Ich wünsche dir alles Gute

  • Hallo Schmiddi,

    Ich kann Sohn83 da voll zustimmen, dir jede mögliche Unterstützung, sowohl für deine Mutter als auch dich , zu holen.

    Das Geschwister -Thema finde ich schwierig zu beantworten. Vor einigen Jahren fühlte sich meine Schwester in der Betreuung meiner Eltern von mir hängen gelassen, das lag aber u.a. daran, dass sie sich nie gegen die Forderungen und Wünsche meiner Eltern abgrenzen konnte, während ich mich schon aus gesundheitlichen Gründen abgrenzen MUSSTE. Ich hatte da gerade meinen Mann nach jahrelanger Pflege verloren und war selbst am Boden.

    Erst als meine Schwester dann schwer krank wurde, ihre Ehe zu zerbrechen drohte, nach meinem Ermessen vor allem auch wegen ihrer jahrelangen Selbstaufgabe, habe ich meine mittlerweile verwitwete Mutter nach dreimal Notaufnahme, Stürzen etc.in das Pflegeheim in meinem Nachbarort geholt. Nun ist es so, dass meine Schwester nur alle drei Monate die für sie zweistündige Fahrt zu meiner Mutter auf sich nimmt und jedesmal im Vorfeld kränkelt. Soll ich ihr daraus einen Vorwurf machen??

    Nein, tue ich nicht. Ich fühle mich auch oft zu sehr belastet, trotz Unterbringung im Pflegeheim, weil ich eben die einzige Familienangehörige als Besuch bin - es ist aber nicht zu ändern und ist nun der Lebensabend meiner Mutter, den ich nicht wirklich zu verantworten habe.. mittlerweile sehe ich vieles klarer und sehe auch manches als Schuld bei meiner Mutter, was ich vor vier Jahren noch nicht so mit Abstand sehen konnte..

    Das war nun viel Persönliches , zeigt aber wohl, wie unterschiedlich Familienkonstellationen sein können.

    Und mittlerweile hat sich auch gezeigt, dass meine Schwester, die fünf Jahre jünger ist als ich, einiges in unserer Familie gar nicht so belastend erlebt hat wie ich, auch wirklich nicht mitbekommen hat, wegen dem ich wiederum gesundheitlich stark beeinträchtigt bin.

    Also kann wirklich nur jeder geben , was individuell möglich ist, und wenn deine Schwester nicht mehr KANN oder WILL, warum auch immer, musst du es wohl oder übel als Tatsache annehmen und für dich Konsequenzen daraus ziehen, die nicht bedeuten sollten, dass du dich weiterhin komplett aufgibst. Es hat immer Gründe, warum man keine Grenzen setzen kann und ist sehr hilfreich, dies zu beleuchten und sich dabei von geschulten Leuten unterstützen zu lassen.

    Das sind MEINE Erfahrungen dazu..

    Liebe Grüße

  • Hallo zusammen,


    mich würde mal interessieren, wie sich bei euch eure Beziehung zu euren Geschwistern entwickelt hat, die sich bei der Pflege eurer Eltern eher zurückhalten? Meine Schwester klinkt sich total aus der ganzen Sache aus. Sie besucht meine demente Mutter etwa einmal im Quartal für ein Wochenende, ruft kaum an. Begründung: Es stresse sie zu sehr.

    Hallo Schmiddi
    Solidarität unter Geschwistern ist rar.
    Siehe auch das frühere Thema: Geschwisterstreit

    Gruß von Buchenberg

  • Hallo Schmiddi


    ich habe heute ein gutes Verhältnis zu meinem Bruder, der GottseiDank in der Nähe lebt und meine Mutter regelmäßig im Pflegeheim besucht.


    Als es damals um die Unterbringung und Betreuung unserer Mutter ging, war mir klar, dass ich das übernehmen muss, denn - salopp gesagt - mein Bruder ist dafür nicht gestrickt. Also bin ich das ganz pragmatisch angegangen und er hat mir aber auch nicht reingeredet, sondern mich unterstützt, wie er es eben konnte ... Ich denke, er ist mir immer noch wirklich dankbar, dass ich das übernommen habe und hat es so auch schon gesagt.


    Ich habe auch andere Konstellationen bei Freundinnen erlebt, die eine Beteiligung ihrer Brüder regelrecht "erzwingen" wollten. Das ist meiner Meinung nach nicht lösungsorientiert und führt nur zu extra Konflikten, die Kraft und Nerven kosten. Ich sehe es so: wenn es in der Praxis so ausschaut, dass der Löwenanteil an Pflege, Betreuung und Arbeit bei einer Person liegt, dann darf diese Person das so gestalten, dass sie es aushalten kann. Und die anderen haben es zu akzeptieren, ansonsten dürfen sie sich gerne mehr einbringen ...


    Mein Bruder gestaltet seine Zeit mit unserer Mutter, wie er es für richtig hält, da mische ich mich nicht ein. Wir sprechen uns allerdings ab, wer was mitbringt oder mitnimmt (Altpapier, Post, vertrocknete Blumen, etc.) und springen auch mal ein, wenn der andere krank oder verhindert ist. Klappt soweit ganz gut, ich kann mich nicht beklagen. Ich finde immer noch, dass es für meine Mutter ein Luxus ist, dass sie zwei Kinder hat, die in derselben Stadt wohnen und sich regelmäßig blicken lassen.


    Ich denke, man muss sich vielleicht von den Erwartungen an andere frei machen und eine eigene Lösung finden.


    Ich wünsche Dir für den Weg viel Kraft und dass Du mit den negativen Gefühlen klar kommst.


    LG, Sunnybee

  • Hello again,

    ich danke euch für eure Antworten!! Ich denke, ich werde meine Erwartungen sehr herunterschrauben und versuchen, mir anderweitig Hilfe zu suchen. Aber Arbeit in die schwesterliche Beziehung werde ich nicht mehr stecken - da habe ich keine Kraft für. Wenn wir dann eben nicht mehr miteinander reden, ist mir das egal. Schade eigentlich, weil Familie. Aber so ist es dann halt.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Schmiddi, Ihre Entscheidung nimmt Ihnen einen zusätzlichen Druck, den Sie bei Ihrem großen Einsatz für Ihr Mutter wirklich nicht noch brauchen.


    Aber es ist traurig und enttäuschend, wenn Geschwister bei einer so großen Aufgabe nicht zusammenhalten und es ist eine persönliche Größe, wenn Sie trotzdem den Draht halten.


    Es kann gut sein, dass sich Ihre Schwester öffnet, wenn sie dies merkt. Die Unverbindlichkeit kann ein Selbstschutz sein, der vielleicht weniger stark wird, wenn sich Ihre Erwartung verändert.


    Aber eigentlich wünsche ich Ihnen, dass Sie einen Familienrat finden, in dem die Probleme gemeinsam getragen werden - ganz nach den Möglichkeiten und Grenzen, so wie bei SunnyBee.


    Können Sie sich mit Ihrer Schwester aussprechen?

    Eine Botschaft könnte sein: "Es geht mir nicht gut damit, aber ich möchte Dich verstehen und ich wünsche mir Deine Unterstützung ohne Dein schlechtes Gewissen, so wie Du es leisten kannst und wollen willst.."


    Vorwürfe und eine handfester Streit können zwar wie ein klärendes Gewitter die Beziehung stärken, aber je komplexer das Problem bei Ihrer Schwester ist, desto wahrscheinlicher ist der schmerzhafte Bruch.


    Gibt es in der Familie oder im Freundeskreis eine Person, mit der Sie irgendwann gemeinsam nach gegenseitigem Verständnis und Lösungen suchen können?


    Ich schreibe Ihnen das, obwohl oder besser weil ich Ihre Entscheidung für den jetzigen Zeitpunkt voll unterstütze. Hoffentlich gelingt es Ihnen das Thema innerlich abzuhaken und irgendwann wie Sie, Sohn83, einen neue Form des Kontakts aufbauen. (Es freut mich, wie Ihnen die psychologische Hilfe dabei gut tut!)


    Sollten Sie trotzdem viel Energie in die Gedanken um Ihre Schwester stecken, ist es eine gute Hilfe gegen die Verbitterung, wenn Sie nicht über Ihre Schwester nachdenken, sondern über einen Lösungsweg in der Zukunft. Dazu ist Abstand nötig, bis Sie von der Erwartung zum Wunsch kommen. Wünsche werden oft viel besser angenommen als Kritik...

    Ihnen viel innere Stärke, Ihr Martin Hamborg

  • Können Sie sich mit Ihrer Schwester aussprechen?

    Eine Botschaft könnte sein: "Es geht mir nicht gut damit, aber ich möchte Dich verstehen und ich wünsche mir Deine Unterstützung ohne Dein schlechtes Gewissen, so wie Du es leisten kannst und wollen willst.."

    Hallo Herr Hamborg,

    das werde ich mir für die nächsten Monate mal auf die Agenda setzen. Das ist ein guter Hinweis und könnte etwas bringen. Aber im Moment brauche ich erst noch etwas Distanz.

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