Wie geht es euch - Kapitel V

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  • Liebe Sabine, was für ein toller Bericht, danke! Ich liebe sowas.

    Vermutlich ist es in der Gerontopsychiatrie nochmal etwas anderes als in einem „normalen“ Pflegeheim- hier geht es wohl vorrangig darum, den Erkrankten zu beruhigen und aus seiner (in dem Fall) Wahnvorstellung rauszuholen.

    Als meine Mutter noch in der Gerontopsychiatrie war, habe ich auch so manches validiert, was ich heute nicht mehr so machen würde. Man muss die Intervention dem momentanen geistigen/psychischen Zustand des Betroffenen anpassen.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde, danke für die wertvollen Erfahrungen und Beispiele für Validation von Fehlwahrnehmungen, Verkennungen und den Erinnerungen in denen der Mensch mit Demenz gerade lebt.


    Validation ist kein Zauberwerk, aber es funktioniert oft nicht, wenn neben der Demenz eine Depression, eine Persönlichkeitsstörung, ein Wahn, eine Sucht ... oder körperliche Symptome, Schmerzen usw. im Vordergrund stehen. Viele Jahre habe ich dieses Wissen in der Ausbildungen zur Validation weitergegeben, gerade weil auch Profis sehr oft an ihre Grenzen kommen und an sich zweifeln.


    Kerngedanken von Validation ist das Erkennen von Gefühlen und Antrieben, unbedingte Wertschätzung, der Respekt vor der subjektiven Welt in der der Mensch mit Demenz gerade lebt und die Begleitung in seinem oder ihrem Erleben ohne zu Lügen und "echte" den gefühlten Wahrheiten gegenüberzustellen.

    Bitte probieren Sie sich aus und berichten hier!

    Ihr Martin Hamborg

  • Hallo ihr Lieben! Wollte mal ein kurzes Update schreiben: Mein Vater hatte gestern sein einjähriges Jubiläum im Heim.


    Er hat sich sehr gut eingelebt, was wir ja eigentlich nie erwartet hätten. Leider hat er körperlich sehr abgebaut. Und zwar hat es ihn ganz besonders beim Gehen schwer erwischt. Er schlurft eigentlich nur noch in Minischritten, wenn man ihn beidseitig unterhakt und zieht. Aufstehen fällt ihm schwer, aber Hinsetzen ist am allerschlimmsten -- er versteht nicht mehr, dass er sich umdrehen muss. Wir bugsieren ihn zur Toilette, er kippt leicht nach vorne, hält sich an den Behinderten-Haltegriffen fest und denkt, er kann sich hinsetzen, obwohl er noch direkt vor der Toilette steht, also noch eine 180 Grad Wendung machen müsste. Schlimm! Ansonsten ist er noch recht gut drauf, freundlich (im Heim immer, zu meiner Mutter und mir meistens), will nicht mehr mit nach Hause und ist eigentlich recht teilnamslos, egal ob man was erzählt oder sich verabschiedet. Er hat einige "Freundinnen" gefunden, die gerne bei ihm sitzen und ihm die Hand streicheln. Am Sonntag setzten wir ihn nach einem schwierigen Spaziergang neben eine alte Dame aufs Sofa und sie griff beherzt seine Hand und sagte, "du hast ja ganz kalte Hände." Meine Mutter setzte sich dann etwas eifersüchtig auf die andere Seite und nahm die andere Hand.


    Das Heim ist wirklich toll, es wird gut und gesund gekocht, die Angestellten gehen sehr freudlich mit den Bewohnern um, es wird gesungen und getanzt. Man will ihn auch nicht in den Rollstuhl bugsieren, sondern möglichst lange aktiv halten. Für uns war es ja nur ein glücklicher Zufall, dass er in diesem Heim gelandet ist, aber wie mir damals von vielen Seiten gesagt wurde, haben die dank der antrophosophischen Ausrichtung schon ein besonderes Händchen mit schwierigen Demenz-Patienten.

  • Hallo Oichoa


    ich habe interessiert Deinen Bericht mitgelesen. Es tut gut, etwas Positives aus einem Heim zu lesen. Hier kommt das anscheinend öfters vor.


    Darf ich fragen, wo diese Heim liegt? Gerade weil Du erwähnt hast, dass dort gesund gekocht wird. Das ist in anderen deutschen Heimen oftmals nicht der Fall.


    Liebe Grüße

  • Hallo Teuteburger -- es ist ein Heim, wo nach anthroposophischen Grundsätzen gehandelt wird. Wir hatten damit nie etwas am Hut, aber das Heim wurde uns von einigen Seiten als ideal für schwierige Demenzpatienten empfohlen. Und es hat sich auch wirklich als ganz hervorragend herausgestellt. Solche Heime gibt es in ganz Deutschland; hier ist die Website der Organisation: https://www.nikodemuswerk.de/

  • Ihr Lieben,

    Gestern war ich nach fast vier Wochen bei meiner Mutter im Heim , sie hat den längeren Abstand offensichtlich nicht registriert und ich brauchte die Zeit wegen anderer Aufregung zu alten Themen. Sie war wie immer die letzten Monate entspannt und zufrieden, aber nun dauerhaft in ihrer eigenen (eher alten) Welt versunken, anfangs waren es nur Phasen, nun eben anhaltend.

    Sie hat nun das Gefühl, dass meine Schwester, die lange Jahre fast täglich bei meiner Mutter war und die letzten 4-5 Jahre nur alle paar Monate, nun ständig in ihrer Nähe ist, irgendwo im gleichen Haus wohnt und sie sie täglich sehe. Das finde ich total schön, dass es sich so gewandelt hat, da meine Schwester sehr am schlechten Gewissen litt.

    Vielleicht macht es also anderen Mut, die noch viel mit den Angehörigen zetern.

    Die Sprache wird immer schwerfälliger und weniger, wir haben einfach auch viel zusammen geschwiegen , aber sie hat offenbar immer noch das Gefühl, dass ich regelmäßig komme.

    Meinen "Wahrheitstag" (bzgl.meines verstorbenen Bruders) habe ich nochmal aufgeschoben, um den Urlaub meiner Schwester abzuwarten.. ich gehe immer noch von einer heftigen Reaktion aus und momentan hat meine Mutter eh Probleme mit Asthma.

    Durch den größeren Abstand meiner Besuche hat sich mein Groll ziemlich gelegt, auf eine große Mitschuld meiner Mutter, die ich hier nicht ausführen will und habe die Zeit genutzt um meinen erwachsenen Kindern m.E.wichtige Dinge zu schildern, die mein Leben und die Beziehung zu meinen Eltern krass beeinflusst haben. Auch das kostete gerade Kraft, ich mag einfach diese wabernden Familiengeheimnisse nicht, die dann die Kinder verunsichern und irgendwie in der Bindung unangenehm halten. Das auch damit sie nicht das Gefühl haben, sie sind mir etwas schuldig und für meine unangenehmen Gefühle mitverantwortlich. Jetzt kann ich das noch bei Verstand machen und das Ganze schriftlich.

    Das habe ich monatelang vor mir her geschoben, aber zum Glück gute Reaktionen bekommen, bei einem "Kind" sogar große Erleichterung.

    Tja, so geht's mir, gehört nicht alles zum Demenzthema, aber doch zum Umgang damit, wenn es die eigenen Eltern betrifft.

    Seid alle herzlich gegrüßt!

  • Liebe Rose,


    irgendwer hat hier geschrieben, die Pflege alter Menschen sei für die Pflegenden sinnstiftend. Das ist wohl wahr – so wie auch Kinder Aufziehen, eine Partnerschaft oder eine gute Arbeit sinnstiftend sein kann.

    Ich möchte zur Altenpflege noch ergänzen, dass sie auch „krampflösend“ ist. Sie löst in uns, den Pflegeverantwortlichen, Verspannungen und Verhärtungen, die sich im Lauf des Lebens zwangsläufig und vielleicht gegen unseren Willen herausgebildet haben. Diese Krampflösung ist ganz bestimmt nicht schmerzfrei, aber auf längere Sicht heilsam.

    Ich glaube, durch die Erfahrung der Pflege unserer Alten – selbst wenn es widerborstige Menschen sind – gehen wir sorgsamer mit uns und unseren Mitmenschen um. Gerade mit den schwer begreifbaren Demenzkranken üben wir unsere Empathie.

    Meinem Schwiegervater hatte ich als Nachruf geschrieben: „Menschen wie er hinterlassen uns den Auftrag, anderen zurückzugeben, was er uns an Güte geschenkt.“

    Gegen Schwiegermutter hege ich immer noch Groll, weil sie mir und meiner Frau die „sinnstiftende Pflege“ herzlich schwer und letztlich unmöglich gemacht hat. Aber „krampflösend“ hat sie auch auf mich und auf meine Frau gewirkt. Unser Verhältnis hat in dem ständigen Stress und den ständigen Sorgen nicht nur standgehalten, sondern ist gewachsen. Dafür kann ich Schwiegermutter danken.

  • Du klingst so positiv und aufgeräumt liebe Rose, ich hoffe es geht Dir auch so gut, wie ich es aus den Zeilen interpretiere.


    Geheimnisse. Ja, da sagst Du was. Die Eltern meines Mannes haben immer von einem düsteren Geheimnis in der Familie gesprochen. Nur angedeutet und dann wieder das Thema gewechselt. Sein Vater verstarb damals sehr schnell, den konnte er nicht mehr fragen. Seine Mutter hat - nach dem Tod des Vater - immer nur Andeutungen gemacht und von einer Schuld gesprochen, die er nicht tilgen kann (also mein Mann). Er hat sie so gebeten, vor ihrem Tod noch reinen Tisch damit zu machen. Nein, hat sie nicht, konnte sie dann auch zum Schluss nicht mehr. Dann ist sie verstorben. Und an diesem Geheimnis knackt mein Mann jetzt. Es kann alles oder nichts sein. Und das belastet ihn. Deshalb finde ich es sehr gut, dass Du mit deinen Kindern reinen Tisch machst. Wenn unsere Tochter alt genug ist zu verstehen, werde ich es mit ihr genau so machen. Sie soll ihre Großeltern weiterhin lieben können, aber auch verstehen, dass es Menschen mit Fehlern sind / waren, die das Leben ihrer Kinder auch negativ beeinflusst haben.


    Euch allen ein schönes Wochenende.

  • Buchenberg: an dem Begriff "Krampflösend" hänge ich noch etwas, aber es wird etwas dran sein. Den Spruch für deinen Schwiegervater finde ich total schön, er wird es verdient haben. So etwas ähnliches habe ich meiner lieben Schwiegermutter zu ihrem 90. Geburtstag geschrieben, diese erfahrene Güte kann in uns fortwirken und als Beispiel dienen. Ich freue mich für euch, dass die Beziehung deiner Frau und dir standgehalten hat, denn es war doch eine lange Belastung für euch, gleich zwei alte Menschen und hoffe, dass es nun mit der Schwiegermutter noch eine sanftere letzte Lebenszeit wird.


    Schwiegertochter: ganz lieben Dank für deine Antwort, ich hatte schon fast überlegt meinen persönlichen Beitrag zu löschen und zweifelte immer noch, ob mein Schreiben an meine drei Großen passend war, eine hat es auch noch nicht ganz gelesen, aber das dürfen sie ja machen, wie es passt. Und für deinen Mann tut es mir aufrichtig leid, dass er nun mit einer schweren Bürde rumläuft, die niemand mehr auflösen kann. Schlimm!! Doch als Erwachsener sollte man ja einschätzen können, ob man wirklich Schuld auf sich geladen hat oder da "nur" etwas Manipulatives hinter steckt. Ich wünsche es ihm.

    Liebe Grüße

  • an dem Begriff "Krampflösend" hänge ich noch etwas,

    zu Erklärung, wie ich das meine:
    Gesetzt den Fall, wir packen ein Thema oder auch mehrere Themen nach der Pflegeerfahrung an, was wir vorher tabuisiert hatten und dem wir bis dahin ausgewichen sind, dann - meine ich - hat die Pflege (auf-, krampf-, er-)lösend gewirkt.

    (Philosophen dürfen sich jetzt streiten, ob diese Aufeinanderfolge zufällig ist oder verursachend.) :/

  • Liebe Rose60

    Dein Beitrag macht mir Mut, dass auch ich irgendwann mit meiner Mutter an eine versöhnliche Stelle komme ... noch bin ich unterwegs. Ihre Demenz, meine "unsichtbare" Kindheit, die Streitigkeiten mit meinem Stiefvater, die Auseinandersetzungen mit der sogenannten Erbengemeinschaft, das hat bei mir viel "hochgeholt", von dem ich gedacht hätte, dass ich es bereits erfolgreich und sicher weggepackt hätte.

    habe die Zeit genutzt um meinen erwachsenen Kindern m.E.wichtige Dinge zu schildern, die mein Leben und die Beziehung zu meinen Eltern krass beeinflusst haben. Auch das kostete gerade Kraft,

    Ich finde es sehr mutig von Dir, dass Du Dich all dem stellst und die Emotionen tapfer angehst. Das ist Deinen Kindern sicher ein gutes Beispiel, dass man nicht mit der Vergangenheit zu hadern braucht, sondern es in der Hand hat, etwas damit anzufangen und nach vorne zu schauen.

    Ich bin seit einigen Jahre mit Hilfe eines Therapeuten dabei, vieles aufzuarbeiten und ich kann das nur empfehlen. Es ist ein schmerzhafter Prozess, aber er hilft. Und ja, es hilft mir auch mit der Demenzerkrankung meiner Mutter umzugehen.

    Mach' weiter so - wir gehen den Weg gemeinsam.

    LG, SunnyBee

  • Hallo Buchenberg

    Gesetzt den Fall, wir packen ein Thema oder auch mehrere Themen nach der Pflegeerfahrung an, was wir vorher tabuisiert hatten und dem wir bis dahin ausgewichen sind, dann - meine ich - hat die Pflege (auf-, krampf-, er-)lösend gewirkt.

    Ich denke, die Pflegeeerfahrung ist eine ganz elementare Erfahrung, sie zwingt uns, uns mit Themen, Beziehungen und Emotionen auseinanderzusetzen, die wir - wie Du sagst - bisher (unbewusst?) verdrängt oder mindestens nicht beachtet haben.

    Ich persönlich habe z.B. durch die Pflegeerfahrung bei mir beobachtet, dass ich eine Stärke habe, von der ich bis dahin gar nicht wusste, dass sie vorhanden ist. Ich dachte immer, ich kann mich nicht so gut durchsetzen, aber siehe da: ich konnte es doch und das war auch gut so! :)

    LG,SunnyBee

  • Buchenberg : OK, verstehe, lösen und lassen ist auf jeden Fall hilfreich in unserer Situation.


    SunnyBee und schwarzerkater : ich kann schon auch sagen, dass mich die letzten Jahre in meiner Entwicklung weiter gebracht haben, vermutlich klingt es aber vom Schreiben sogar klarer und gereifter als ich mich aktuell fühle. Ich habe schon immer zu tun, dass ich nicht in eine längere depressive Phase rutsche. Ich denke, in unserer Lebensphase mit erwachsenen Kindern oder auch manche ohne Kinder hat man zum Glück die Möglichkeit einiges aufzuarbeiten und da bin ich weiterhin auf dem Weg - ganz einfach, weil ich die schweren Zeiten so leid bin und ich mittlerweile liebe Menschen kenne, mit denen ich mich den positiven Seiten des Lebens wieder zuwenden kann. Denn das kann uns niemand abnehmen, niemand schellt an der Tür und bietet uns an, uns das Leben schön zu machen. Wir kriegen das hin, okay?

    😉👋

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Rose60, danke dass Sie Ihren Beitrag nicht gelöscht haben! Sie machen damit auf einen Weg aufmerksam, wie sich dunkle Familiengeheimnisse nicht mehr so sehr auf die kommenden Generationen auswirken müssen. Bestimmt lesen Sie Ihren Brief immer mal wieder selbst - besonders dann, wenn die gut geübten inneren Zweifel kommen.


    Ihrem Mann, Schwiegertochter71, wünsche ich auch sehr, dass er seinen Frieden findet, denn das Geheimnis ist buchstäblich gestorben: Sein Vater ist schnell und wahrscheinlich friedlich gestorben, Angesicht des Todes werden manche traumatische Erfahrungen kleiner - andere können nur sehr schwer loslassen...

    Seine Mutter hat in ihrer Demenz das Geheimnis vergessen, auch das ist ein gutes Zeichen, denn häufiger konnte ich miterleben, wie stark solche Geheimnisse in Verhaltensstörungen sichtbar wurden.

    Ihnen eine schönes Wochenende und eine gute Woche, Ihr Martin Hamborg

  • Lieber Herr martinhamborg,

    Ganz lieben Dank für Ihre Einschätzung - die "gut geübten inneren Zweifel" ist wirklich eine (mich) beeindruckende Formulierung 😊

    Ja, im Zweifeln bin ich gut, es gelingt mir durch viele Erkenntnisse der letzten Jahre besser zu meinen Entscheidungen zu stehen. Den Brief an meine Kinder habe ich mir tatsächlich digital abgespeichert, es ist schon beeindruckend, wenn man sich durch das "geschriebene Wort" noch deutlicher von außen betrachten kann. Nun lasse ich es aber besser erstmal ruhen um eine weitere Restraumarisierung abzuwenden und den Blick wieder nach vorn zu bekommen.

    Viele wichtige Erkenntnisse hätte ich wohl tatsächlich nicht gehabt, wenn ich meine Mutter in den letzten 4-5 Jahren nicht so nah begleitet hätte.

    Bei allem Mitgefühl für das Vermissen ihrer vorherigen Heimat habe ich doch auch immer wieder den Vorteil in einer neuen Umgebung, hell und freundlich, aufgeräumt und mit Pflege und Beachtung gesehen, wo niemand etwas von ihrem Mann wusste (den hat sie immerhin 4 Jahre nicht erwähnt..).

    Herzliche Grüße

    Rose60

  • Ich lese hier grad, dass die Pflege unserer Eltern krampflösend/-auflösend sind/ sein können.

    Bei mir ist es momentan eher krampfAUSlösend. Zu meinem eigenen Schutz gehe ich zur Zeit nicht ans Telefon, wenn die Nummer meiner Eltern zu sehen ist. Ich habe schon seit Jahren nur ungern mit meiner Mutter telefoniert, aber seit sie immer dementer und aggressiver wird, habe ich regelrecht Angst davor.

    Vorhin klingelte bei uns das Telefon und mir zog sich in derselben Sekunde mein Magen heftigst zusammen, obwohl ich noch gar nicht wusste, wer da anruft. Es war glücklicherweise jemand anderes und ich nahm das Gespräch auch entgegen. Wären es meine Eltern gewesen, wäre mein Mann ans Telefon gegangen.


    Ich bezweifle, dass ich durch die Pflege meiner narzisstischen und mittlerweile dementen Mutter, die wohlwissend 400 km von mir entfernt wohnt, krampflösende Erfahrungen würde sammeln können. Im Gegenteil, zurzeit kommt bei mir all der Seelenmüll der vergangenen Jahrzehnte, den ich so gut wie möglich still halten wollte bzw . musste (um des lieben Friedens Willen) immer mehr hoch.

    Theoretisch weiß ich, dass man sich seinen Ängsten stellen muss, aber praktisch bricht bei mir grad vieles zusammen bzw. verkrampft sich.

    Dass ich vorhin beim Telefonklingeln zusammenzuckte, bekamen mein erwachsener Sohn und mein Mann direkt mit. Wir saßen uns grad beim Abendessen gegenüber. Ich sah ihnen an, wie sehr meine Angstreaktion sie erschreckt hat.


    Ich beneide wirklich alle Menschen, die ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern hatten/haben und/oder sie trotz allem pflegen können und diese krampfauflösende Wirkung erfahren dürfen.

    Ich gäbe was dafür!


    Um auf den Titel dieses Beitragspfades zu antworten "Wie geht es Euch?" würde ich antworten: Alles, nur nicht gut!

  • Hey du Arme... Das ist ja schrecklich, wenn es Dein ganzes Leben so bestimmt und in Mitleidenschaft zieht. Für mich ein Horrorszenario, wenn ich möglicherweise mit meiner Mutter alleine zurückbleibe. Da kann ich mir auch wenig Krampflösendes vorstellen.


    Ich schicke Dir Kraft und einen lieben Gruß aus der Stadt mit der groooooßen Kirche.

    Sabine

  • Also bei mir wird es nach vier Jahren - auch viel Arbeit an mir selbst mit Hilfe - "krampflösend". Es lohnt sich das anzugehen!!

    Und das zusammenzucken kenne auch noch. Meine Mutter weiß nun mit Telefon nichts mehr anzufangen, anfangs hat sie mich manchmal noch angerufen, dass ihr langweilig ist, ich kommen soll, was sie in dem Heim soll, wo ihr ganzes Geld bleibt etc ..

    Bewahre den bestmöglichen Abstand!

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