Wie geht es euch - Kapitel V

Datenschutzhinweis: Bitte achten Sie darauf, dass Sie im Forum keine persönlichen Daten von sich selbst oder von Dritten posten. Auch sollten Ihre Angaben keine Rückschlüsse auf Ihre Person zulassen.
  • Liebe alle -


    eure Unterstützung hilft mir sehr - wie auch immer in der Vergangenheit. Ich habe gestern Abend mit dem Pfarrer ihre Kirche gesprochen, der am Grab ein paar Worte sagen wird - das hätte ihr gefallen. Die Beerdigung wird wohl nächste Woche Freitag stattfinden - ich warte gerade noch auf Rückmeldung von der Stadt dazu. Einige Bekannte aus ihrer Kirche werden teilnehmen, es freut mich, dass sie an sie denken. Ich werde die Ostertage dazu nutzen, um Kraft zu tanken. Und dann sehen wir weiter. Ich wünsche euch allen wunderbare Ostertage!

  • Grab ein paar Worte sagen wird - das hätte ihr gefallen. Die Beerdigung wird wohl nächste Woche Freitag stattfinden - ich warte gerade noch auf Rückmeldung von der Stadt dazu. Einige Bekannte aus ihrer Kirche werden teilnehmen, es freut mich, dass sie an sie denken. Ich werde die Ostertage dazu nutzen, um Kraft zu tanken.

    Mach das so, wie es Dir gut tut. Das ist Dein Abschied von Deiner Mutter und das sollte so laufen, wie es Dir passt.

    Ostern ist ja bestens geeignet, da geht es um Auferstehung und Erneuerung.


    Eine "wunderbare" Parallele. Zudem werden die Tage länger, wärmer.


    Viel Kraft, sonst meldest Du Dich einfach noch mal.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Tanja, auch ich möchte mich der Anteilnahme, den Gedanken und Wünschen aus der Runde anschließen und mich für Ihre Offenheit in der schweren Zeit mit Ihrer Mutter bedanken, in der Ihre Mutter mit ihrer so herausfordernden Persönlichkeitsstörung und der Demenz gegen alle gekämpft hat, die es gut mit ihr meinten.


    Aus meiner Sicht war es nicht nur die zunehmende Demenz, durch die Ihre Mutter immer mehr Frieden fand - Sie haben einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, weil Sie trotz allem so sehr zu ihr gehalten haben.


    Diese Kind-Eltern-Umkehr hat Ihre Mutter mit ihrer Geschichte versöhnt. Das ist (eigentlich) nicht die Aufgabe der Kinder, umso mehr wünsche ich Ihnen alles Gute!

    Durch Ihre Entwicklung - an der Sie uns im Forum Anteil haben nehmen lassen - konnten Sie nun auch die weichen Anteile Ihrer Mutter kennenlernen. Sie können stolz darauf sein, wie Sie dies erreicht haben!

    Ihr Martin Hamborg

  • Lieber Herr Hamborg -


    vielen Dank für Ihre Anteilnahme und die lieben Worte. Dieses Forum hat mir sehr geholfen - zum einen habe ich erfahren, dass es viele ähnlich Schicksale gibt, zum anderen habe ich meine Mutter besser einschätzen gelernt. Ich bin froh, dass sie ihren Frieden nun gefunden hat Allein das Bild, dass sie friedlich eingeschlafen ist und keine Schmerzen hatte, hilft mir. Ich erfahre gerade sehr viel Unterstützung von ihrer Kirche bei der Gestaltung ihrer Beerdigung. Diese wird so sein, wie sie sie sich gewünscht hat.

    Liebe Grüße

    Tanja

  • Hallo ihr Lieben,


    jetzt hab ich mich mal wieder länger nicht gemeldet, sorry dafür. Entwürfe hab ich jede Menge, aber nicht wirklich die Muße, etwas fertig zu schreiben. Bin mal gespannt, wie weit ich mit diesem komme…

    Mitgelesen hab ich regelmäßig und bin nach wie vor voller Bewunderung, wie ihr eure Situationen meistert. Hut ab!


    Wir haben jetzt auch für meinen Vater den Pflegegrad 3 und somit kommt auch für ihn jemand. D.h. Mo/Mi/Fr für meine Mutter, Die/Do/Sa für meinen Vater = Mo-Sa kommt täglich jemand und Sonntag ist mit meinem Bruder und mir abgedeckt. Da das der selbe Pflegedienst übernommen hat, wird natürlich nicht strikt getrennt nach ihm und ihr.


    Das Problem ist nur, dass nicht nur meine Mutter die Pflegekräfte - besonders die vom Samstag - vorzeitig nach Hause schickt. Leider ist es nicht möglich, direkt mit der Pflegekraft Kontakt aufzunehmen. Indirekt über den Pflegedienst funktioniert eigentlich nicht, denn hier gibt's dann eben die 2-tägige Verzögerung, also was bringt's dann noch. Die Kommunikation mit den Pflegekräften bzw. der Agentur ist - schwierig...


    Auf Anregung meines Vaters haben wir ein Angebot für die Einrichtung eines Treppenlifts EG/1.St angefordert. Die Bewilligung für den Zuschuss der Kasse ist eingegangen, von der Kasse wurden pro Pflegeperson 4.000€ Zuschuss bestätigt. Dann kann's jetzt losgehen…


    Da sich meine eigene Situation auch nicht verbessert hat, habe ich beim gleichen Dienstleister eine Info angefordert, ob ein Treppenlift auch in einem Mietshaus angebracht werden kann. Im Speziellen geht es um schlappe sieben Stufen vom Keller zur Tiefgarage - für mich ein immer größer werdendes Sturzrisiko. Der war inzwischen da, hat sich die Gegebenheiten angesehen und auch gleich bei meiner Kasse eine Bewilligung beantragt. Feuerpolizeilich sollte es keine Probleme geben und sobald das OK der Kasse da ist, wendet er sich an den Inhaber. Mal sehen…

    ___


    Aber all das vorige wird von einer Mail überschattet, die ich heute Morgen erhalten habe.


    Situation: gegenüber meiner Eltern wohnt ein Ehepaar, das sich die Fürsorge meiner Eltern auf ihre Fahnen geschrieben hat. Sie bewohnen eine Doppelhaushälfte mit dem Eingang wie gesagt, gegenüber meiner Eltern. Die angrenzende Doppelhaushälfte hat ihren Eingang als erstes in der Seitenstraße - und genau darum geht es. Dieses Ehepaar wird von meiner Mutter regelrecht heimgesucht.


    Etwa im Herbst letzten Jahres erfuhr ich erstmals von den befreundeten Nachbarn, dass meine Mutter Nachbarn2 regelmäßig 'besucht'. Ich nahm dann direkt Kontakt mit Nachbarn2 auf und dabei erzählte sie mir die gesamte Vorgeschichte:


    Begonnen hat alles damit, dass sich meine Mutter bereits seit etlichen Monaten ungefragt und unaufgefordert auf ihre Terrasse setzte. Das haben die Nachbarn2 noch lächeln akzeptiert. Als nächstes begann meine Mutter in deren Garten zu zupfen und schließlich ging sie auch ins Gerätehäuschen um sich Werkzeug zu holen.


    Ihre Einfahrt war bisher offen und wurde von meiner Mutter als 'öffentlich zugänglich' angesehen. Nur wegen meiner Mutter haben sie eine Kette davor gespannt - was meine Mutter nur anfangs abhielt, auf das Grundstück zu gehen.


    Ein Ereignis war, dass Nachbarn2 ihr Auto für den Urlaub vorbereiteten und immer zwischen Wohnraum und Einfahrt hin- und hergingen. Plötzlich stand meine Mutter im Wohnraum hinter Nachbarin2, die einen Mordsschreck bekam, nicht zuletzt deshalb, weil es durchaus hätte passieren können, dass sie meine Mutter versehentlich eingesperrt hätten und in den Urlaub gefahren wären.


    Ein weiteres Ereignis war, dass das Paar meine Mutter bestimmt aber höflich aus dem Garten komplimentierten - was meine Mutter mit Beschimpfungen beantwortet.

    Und gleiches passierte am Samstag.


    Nachbarin2 meinte, so sehr sie die Situation meiner Mutter 'akzeptieren' würden, sie sehen es natürlich nicht ein, nur wegen meiner Mutter für etliche hundert Euro, wenn nicht mehr, ein/e Gartentür/-tor anfertigen zu lassen. Verständlich.


    Nach dieser für uns erstmaligen Nachricht letzten Sommer war unsere Reaktion, dass wir meinem Vater eindringlich darauf hinwiesen, die Türe ab sofort immer verschlossen zu halten. Wenn sie Garten zupfen möchte, soll sie das in ihrem eigenen Garten machen.


    Ich habe keine Ahnung, welchen Ärger uns die Nachbarn2 machen könnten, wenn sie's drauf anlegen würden - angefangen von Hausfriedensbruch… Natürlich wissen sie um die Situation meiner Mutter, aber auch ihre Geduld hat Grenzen und ich verstehe das voll und ganz.


    Heute habe ich meinem Vater die Mail in Gänze vorgelesen und ihn erneut eindringlich gebeten, ab sofort wieder konsequent die Haustüre zuzusperren.


    Ich muss mich mit meinem Bruder absprechen, dass wir uns zumindest informativ auf ein evtl. Pflegeheim, bestenfalls in der Nähe, vorbereiten. Das im Nachbarort hat schlechte Bewertungen und kostet pro Person +/- 4000€. Mir wird schwindlig...



    PS: TanjaS , natürlich auch von mir mein herzlichstes Beileid für deinen Verlust <3

  • Liebe Zebulon,

    im ersten Moment hört sich die Geschichte deiner Mutter mit den Nachbarn ein bisschen lustig an, aber wirklich nur im ersten Moment. Ich verstehe dich sehr gut, denn ich hab mit meiner Mutter ein ähnliches Problem, nur keine Lösung dafür. Einen guten Rat hab ich also leider nicht für dich parat.

    Meine Mutter lebt seit letztem Jahr im betreuten Wohnen. Ihr früheres Haus liegt etwa 200 Meter von dort entfernt. Seit knapp 2 Monaten macht sie sich fast täglich auf den Weg zum Haus, um dort Sachen zu holen, sucht meinen Vater, der seit knapp 10 Jahren tot ist und ihre Mutter dort. Das Haus ist ebenfalls seit mehr als 10 Jahren verkauft und die neuen Eigentümer lehnen jeden Kontakt ab. Ich wollte ja auch keinen Kontakt zu Ihnen aufbauen, sondern sie lediglich vorwarnen, falls meine Mutter mal dort klingelt.

    Ich bin auch ratlos, hab keine Lösung. Das Pflegepersonal kann meine Mutter auch nicht 24/7 überwachen.

    Ich denke, auf längere Sicht wird ein Heimplatz bei euch sicher unumgänglich. Stellt sich die Frage, wie die Nachbarn für diese Zeit beruhigen. Ich weiß es leider nicht. Auf jeden Fall auf die verschlossenen Türen achten.

    Liebe Grüße

    Stern

  • Liebe TanjaS,


    von mir auch noch herzliches Beileid und viel Kraft. Ich glaube ja, dass es immer noch vieles zu bewältigen gibt, nachdem erst einmal die notwendigen Schritte erledigt worden sind.

    Das endgültige Abschiednehmen nimmt noch einmal Raum ein und dafür alles Gute.


    LG PausE

  • Mal was ganz anderes (ich weiß nicht, ob ich es schon mal hier verlinkt habe),


    Nürnberg Kaiserburg - Lebensraum Burg
    Natur entdecken auf der Kaiserburg Nürnberg. Verschaffen Sie sich einen Überblick über die Lebensräume inkl Artenlisten und einer Wanderfalken Webcam an der…
    lebensraum-burg.de


    Die Wanderfalken haben wieder im Turm der Nürnberger Burg gebrütet und drei von vieren sind schon geschlüpft. Das vierte Ei müsste heute "fällig" sein.

    Es wird natürlich auch schon gefüttert, das nur mal für zartere Gemüter vorab. Gerne wird Täubchen verfüttert.


    Meine Mutter sieht sich das gerne an. Die jetzigen Flauschbälle kann man bis zum Abflug verfolgen.

  • Hallo Stern,


    herzlichen Dank für deine lieben Worte.


    Ich weiß, anfangs war es für die Nachbarn2 auch noch zum Schmunzeln, deshalb haben sie's ja auch relativ lange zugelassen. Ich erfuhr die Sache erst, als es schon kritisch wurde, Ende letzten Jahres.


    Für betreutes Wohnen sind beide schon in einem zu schlechten Zustand. Die Aufmerksamkeitsspanne meiner Mutter bewegt sich inzwischen um eine Minute. Bei meinem Vater ist es der körperliche Zustand, der inzwischen höchst pflegebedürftig ist - nur sieht er es nicht ein und gibt es noch weniger zu. Erst vor ein paar Tagen sagte er zu meinem Bruder, er wolle jetzt im Frühjahr wieder anfangen Rad zu fahren. Wir sprechen hier von Rennrädern im Wert von ein-/zweitausend Euro, also hochprofessionelle 'Maschinen', wie sie von den Radlern genannt werden. Zu mir sagte er die letzten Tage sogar, sie wollen an Pfingsten wieder ins Paradiso nach Villa Rosa fahren, damit er dort wieder radeln kann (Serpentinen!!). Das ist ihr Urlaubsort seit Mitte der 80er-Jahre - in den Abruzzen, also ca. 1000km zu fahren. No Way!! Ich weiß nicht, wie ich das einschätzen soll… Glaubt er das wirklich selbst??


    Die letzten Ereignisse waren für mich Grund, mich (mal wieder) zu einer 24-Stunden-Betreuung zu informieren. Dazu hatte ich gestern einen Telefontermin. Er erzählte mir nichts neues: es geht grundsätzlich (fast) alles, es ist alles nur eine Frage der Finanzen… Ach was!! Soweit waren wir letztes Jahr auch schon. Da hab ich meinen Eltern, bzw. meinem Vater genau vorgerechnet, was es kosten würde und was vom Pflegegeld abgedeckt wird. Im Grunde wäre alles gut mit beider Renten vereinbar, es blieben sogar noch einige hundert € zum Leben und sie müssten nicht mal ihr Erspartes anpacken. Das sollte doch beruhigen - eigentlich… Kurz vor der Umsetzung haben sie alles wieder gecancelt. Es stört sie, wenn jemand fremdes im Haus ist.


    Gestern Abend machte ich den Fehler, meinem Vater von dem Telefonat zu erzählen. Es dauerte keine Stunde, da rief er mich an, er zittere am ganzen Körper und kann sicher die ganze Nacht nicht schlafen. Ich musste ihm x-Mal versichern, dass es sich nur um ein Info-Gespräch gehandelt hat und ich nichts veranlasst habe. Trotzdem musste ich ihm einfach sagen, dass wir uns auf eine Verschlechterung vorbereiten müssten und uns eben auch mit dem Gedanken einer Pflegeeinrichtung befassen müssen.


    Bei jedem Telefonat frage ich meinen Vater, ob zugesperrt ist und jedes Mal bejaht er. Als mein Bruder gestern bei meinen Eltern war, sah er, dass zwar zugesperrt war, der Schlüssel aber von innen steckte. Lt. meinem Vater war das nur ein Versehen. Ich kann ihm nur immer wieder die Dringlichkeit 'einhämmern', darauf zu achten.


    Ganz lieben Dank an alle fürs Lesen

    LG und schönes, soweit möglich unbeschwertes Wochenende

  • Hallo Zebulon,

    Es ist eine schwierige Phase bei euch.. ich erkenne meine Mutter vor ein paar Jahren in einigen Aussagen wieder. Sie hat jahrelang gesagt, sie fängt bald wieder mit Auto fahren an, anfangs hatte ich die Idee vorgetragen, dass sie ja mal zwei Fahrstunden nehmen könne, immer "ja ja", nichts umgesetzt, später habe ich nur gesagt "ja prima", wusste sie wagt es eh nicht. Dann wollte sie auf keinen Fall ins betreute Wohnen, mehrmals habe ich dort mich informiert, für sie war alles Quatsch, auch eine seniorengerechte Badumgestaltung lehnte sie ab wegen dem Staub etc, meine Schwester hätte das Putzen übernommen. Eine ausländische Pflegekraft "eine fremde Frau im Haus", brauchte sie nicht usw.

    Also dasselbe Spiel.. das alles führte dann nach drei Besuchen in der Notaufnahme in die Kurzzeitpflege, wo wir sie nicht wieder weg geholt haben, zumal dann Corona begann.

    Wenn man sie jetzt hört, kann sie meist noch alles allein, überlegt was sie heute kochen soll, dass sie ihre Mama besucht und draußen spazieren geht, lieber selbst in der Stadt ihre Kleidung anprobiert - real läuft sie keine 20 Meter mehr allein und wird komplett gepflegt seit fast 5 Jahren. Ich bestätige trotzdem ihre Pläne bzw.streite es ihr wenigstens nicht ab, sondern wechsle das Thema. Ich finde es natürlich mühsam, seltsam, unbefriedigend, aber so kommen wir am besten zurecht und sie muss mir nicht ständig beweisen oder deutlich machen, was sie alles noch kann.

    Man muss sich erst dran gewöhnen, denn man will ja ehrlich sein, aber es ist nun ein anderes Level - so wie meine Enkel mit 2 Jahren einen Koffer durch die Gegend schieben und sagen, sie fliegen in Urlaub, da rede ich ja auch nicht dagegen.. also dein Vater wird noch nicht auf dem Level eines zweijährigen sein, aber vllt irgendwann

    Liebe Grüße und ich wünsche dir gute Nerven!!

  • Hallo Zebulon,


    Deine Situation erinnert mich an meine Eltern, wobei es nur meine Mutter, 88, ist, die dement mit PG 3 zusammen mit meinem Vater in ihrem Haus lebt.

    Aber mein Vater, 90, ist an einem Blasentumor erkrankt, muss alle 6 Wochen ins Krankenhaus und dann komme ich um mich um meine Mutter zu kümmern.

    Ansonsten schaffen sie es noch fast allein. Ein Pflegedienst kommt morgens und abends, verabreicht Augentropfen und Insulinspritze an meine Mutter.

    Für den Entlastungsbetrag kommt eine Putzfrau alle zwei Wochen und einmal in der Woche die 10 Jahre jüngere Schwester meiner Mutter um die Wäsche zu machen.


    Ein bis zwei Tage in der Woche stehe ich auch auf der Matte, meist um Fahrdienste zu erledigen.


    Im Grunde müsste meine Mutter ins Heim, aber sie will auch nicht aus ihrem Haus raus und kann ja alles noch selbst. Das Typische eben.



    Es ist so unendlich schwer, Erleichterungen, die ihnen zu Gute kommen könnten, zu verschaffen.

    Mein Vater sieht ja noch alles ein, aber Muttern....


    Jetzt hab so lange von mir berichtet, aber eigentlich wollte ich eine Idee von meiner realen Angehörigen-Gruppe vorstellen.

    Bei meiner Mutter klappt es manchmal, aber sie ist auch ein anderer Mensch als Deine Eltern.


    Zebulon, Du hast mal berichtet, dass Deine Eltern immer sehr hilfsbereit waren. Vielleicht kriegst Du sie über diese Schiene.


    Stelle nicht heraus, was ihnen Gutes widerfahren könne, stelle im Gegenteil in den Vordergrund, dass sie Dir und Deinem Bruder extrem helfen würden, wenn sie eine Haushaltshilfe zulassen würden. Ihr wärt beruhigter und sie würden Euch damit sehr helfen.

    Mir fällt gerade nicht mehr ein, aber Du wirst wissen, wie man sie noch über diese Schiene kriegen kann etwas zuzulassen.


    Zu dem Thema Tür, kann man da nicht was als SmartHome installieren? Oder wenigstens Bewegungungsmelder oder ein Tracking für Deine Mutter?


    LG PausE

  • Hallo ihr Lieben,

    neben all den vielen Alltagsgeschichten und Problemen lese ich sehr aufmerksam, was ihr über eure Mutter-Tochter-Verhältnisse schreibt. Mittlerweile stellen sich dazu viele Fragen, was dieses Verhältnis zwischen meiner Mutter und mir betrifft.

    Ich bin ein Einzelkind und die meisten meiner Kindheitserinnerungen habe ich an Dinge, die mein Vater mit mir unternommen hat. Ich hatte zu ihm schon immer einen stärkeren Bezug. Bis auf die „normalen“ Pupertätsprobleme“ hatte ich aber keine großen Schwierigkeiten mit meiner Mutter.

    Aber meine beste Freundin, so wie es bei vielen ist, war sie auch nicht.

    Nach meinem Studium ging ich nicht wieder zurück nach Hause, in einer 50km Entfernung fand ich eine Arbeit. Genau das wirft mir meine Mutter nun schon fast 40 Jahre in mehr oder weniger großen Abständen und aus verschiedensten Anlässen vor. Immer, wenn’s aus ihrer Sicht gut passt.

    Mittlerweile stehe ich da drüber, da ich auch nicht ständig Lust auf immer wieder die gleichen Erklärungen habe. Seit die Demenz Fahrt aufgenommen hat sowieso.

    Alles, was familiäre Angelegenheiten betraf, bekam ich meistens nach erfolgter Entscheidung präsentiert, so zum Beispiel den Verkauf meines Elternhauses.

    Als mein Vater vor 10 Jahren an Krebs erkrankte und per Notarzt ins Krankenhaus kam, erlaubte sie dem Chefarzt keine Auskünfte an mich über seinen Gesundheitszustand. Angeblich um mich zu schützen. Das waren ein paar Beispiele. Jedes Mal fragte ich mich dann, warum tut sie das???

    Wenn ich nachfragte, konnte oder wollte sie mir keine Antwort geben.

    Ansonsten lebte jeder sein Leben, wir telefonierten und trafen uns regelmäßig.

    Im Verlauf der Demenz hatten wir viele Diskussionen. Grundtenor ihrerseits ist immer wieder, ich bin schuldig an ihrer Gesamtsituation. Mittlerweile diskutiere ich nicht mehr, dank euch allen hab ich das gelernt. Ihre aggressive Phase aktuell macht es leider nicht besser.

    Trotzdem kümmere ich mich gerne um alles, ich möchte, dass es ihr gut geht, auch wenn ich 470km entfernt wohne.

    Mir stellt sich die Frage, hat sie all die Dinge ihr Leben lang zurück gehalten und jetzt mit der Demenz lässt sie es ungefiltert raus?

    Ich weiß nicht mehr, was ich davon halten soll.


    Danke erstmal für eure Zeit und fürs Lesen, ich wünsche euch allen noch einen schönen, sonnigen Sonntag.


    Liebe Grüße, eure Stern

  • Hallo Stern0709


    vor einer Weile hatten wir hier eine ähnliche Diskussion: wenn ich mich richtig erinnere ging es darum, ob die Demenzerkrankung gewisse bereits vorhandene Persönlichkeitsmerkmale verstärkt hervorbringt.

    Mir stellt sich die Frage, hat sie all die Dinge ihr Leben lang zurück gehalten und jetzt mit der Demenz lässt sie es ungefiltert raus?

    Aus meiner persönlichen Erfahrung mit meiner Mutter kann ich das durchaus so bestätigen, ich nenne das Phänomen "Der-Lack-ist-ab" ...

    Meine Mutter war beispielsweise schon immer ein eher egozentrischer Mensch und das hat sich mit der Demenz verstärkt, d.h. sie nimmt nur sich und ihre Emotionen, Bedürfnisse, etc. wahr. Früher hat sie sich noch etwas Mühe gegeben (wenn sie wollte) auf andere einzugehen, das versucht sie nicht mal mehr. Ich habe viele Jahre damit gehadert, dann irgendwann beschlossen - mit therapeutischer Unterstützung - MEIN Leben zu leben und nicht ihres, damit und einer gesunden Distanz ging es mir viel besser.

    Heute ist sie (nach Widerstand, Gezetere, Geschimpfe und Drohungen jeglicher Art "Dann sterbe ich!" ...) im Pflegeheim und ich kümmere mich "von außen", dass es ihr gut geht, soweit sie es zuläßt. In der ersten Zeit hat sie mich auch für ihre "Situation" verantwortlich gemacht und ich war an allem schuld - interessanterweise mein Bruder nie. Er und ich besuchen sie jedes Wochenende und sie hat und bekommt alles, was sie braucht.

    Mein Rat: Schone Deine Kräfte und diskutiere nicht zu viel. Du wirst Deine Kraft noch brauchen, wenn es an die wichtigen Entscheidungen geht.

    Noch einen schönen Sonntag, SunnyBee

  • Danke für deine gute Einschätzung liebe SunnyBee. Das hört sich so ungefähr genau, wie bei mir an. Leider habe ich keine Geschwister, so dass alles an mir abprallt.

    Das viele Diskutieren hab ich mir schon abgewöhnt, dank dieses Forums hab ich das gelernt. Das sagte ich auch schon.

    Sie lebt nun seit einem halben Jahr im betreuten Wohnen und ist dort, wie ich finde, sehr gut umsorgt. Wir besuchen sie ungefähr einmal pro Monat, mehr geht nicht und das ist auch gut so. Sie versteht mittlerweile auch nicht mehr, was 470km Entfernung bedeuten, insofern bekomme ich das schon zu hören, aber egal, damit kann ich leben.

    Liebe Grüße

  • Guten Morgen,


    vielen Dank Stern, PausE und Rose für eure lieben Worte und vor allem euren kreativen Ideen. Es ist tatsächlich tröstend, zu lesen, dass es anderen genauso oder zumindest ähnlich geht. Aber das wisst ihr ja selber nur zu gut…

    Stellt sich die Frage, wie die Nachbarn für diese Zeit beruhigen.

    Glücklicherweise haben wir Nachbarn1, die sich als wirklich gute Freunde meiner Eltern erwiesen haben und sich rührend kümmern. Die haben Kontakt zu Nachbarn2 und werden versuchen, sie zu beruhigen.

    so wie meine Enkel mit 2 Jahren einen Koffer durch die Gegend schieben und sagen, sie fliegen in Urlaub

    Das ist wirklich ein treffender und hübscher Vergleich :D


    PausE

    Bei meinem Vater wurde ca. Mitte der 80er Blasenkrebs festgestellt. Inzwischen - nach dem jahrelangen Harnröhren dehnen und den Blasenspülungen - ist die Harnröhre derart geschreddert, dass er seit einigen Jahren einen Pufi an der Bauchdecke hat. Bis vor etwa zwei Jahren brauchten wir mehrfach in der Woche den Notdienst, der ihn mit ins 'nächste Krankenhaus' nahm (von einem Vorort von München aus ist eigentlich kein Krankenhaus 'das nächste', vor allem, wenn man eine Urologie braucht).

    Dann richteten wir wöchentliche Termine beim Urologen ein und seitdem ist kein Notdienst mehr nötig. Zu diesen wöchentlichen Terminen werden i.d.R. beide von Nachbarn1 gefahren. Das ist eine so unglaublich große Hilfe, dass ich nicht müde werde, mich bei ihnen zu bedanken.

    Inzwischen haben wir die Termine auf Mittwochvormittag gelegt. Da ist die Lieblings-Pflegekraft anwesend und meine Mom kann mitfahren zum Urologen, muss sie aber nicht.


    Der Pflegedienst kommt mittlerweile von Mo-Sa täglich ca. 2-3 Stunden. Der Sonntag ist mit meinem Bruder und mir abgedeckt. Er hat sich ja auch oft beschwert, dass es ihm langweilig ist, und so hat er täglich halbwegs Bewegung im Tagesablauf. Ganz nebenbei schaut mein Bruder fast täglich vorbei.

    Stelle nicht heraus, was ihnen Gutes widerfahren könne, stelle im Gegenteil in den Vordergrund, dass sie Dir und Deinem Bruder extrem helfen würden, wenn sie eine Haushaltshilfe zulassen würden

    Mit diesem Gedanken konnten wir tatsächlich die Eltern zum stundenweisen Pflegedienst 'überreden'. Wie du sagtest, es ist 'für uns eine Beruhigung und Erleichterung', aber wie ich oben schon schrieb, das Thema Haushaltshilfe läuft inzwischen. Jetzt ginge es um die Bereitschaft zu einer Pflegeeinrichtung und das ist für meinen Vater das absolute KO-Kriterium ("Dann bring ich mich um!").

    Zu dem Thema Tür, kann man da nicht was als SmartHome installieren? Oder wenigstens Bewegungsmelder oder ein Tracking für Deine Mutter?

    Das Thema Haustür-Kamera und Tracking hatten wir auch schon auf dem Schirm, aber dann wieder aus den Augen verloren.

    • Die Haustür-Kamera samt Türöffner können sich mein Bruder und ich aufs Handy laden, mein Vater kommt allerdings mit einem SmartPhone nicht zurecht, das hatten wir schon probiert.
    • Tracking für Mom: Schwierig. Hat jemand eine Idee, wie sich das zuverlässig umsetzen ließe? Sie müsste das Was-auch-immer mitnehmen, wenn sie das Haus verlässt. Sie hat auch nicht mal mehr eine Armbanduhr wegen ihrer inzwischen so dünnen Handgelenke. Also Ist ein Tracking-Armband auch schon ausgeschlossen.

    Ich bin ja nicht mal sicher, ob unser Plan, die Haustüre ständig verschlossen zu halten, überhaupt zulässig ist oder ob wir uns damit schon im Bereich der Freiheitsberaubung befinden...

    Ich würde deine Mutter meinen Garten behacken lassen. Soll sie doch wenn sie es noch kann! Es ist toll, dass sie das noch kann!

    Der Rahmen, dass sie Nachbars2 Garten 'nur' behackt, ist längst gesprengt. Inzwischen schleicht sie sich - wissentlich heimlich - sogar in den Wohnraum, sofern der offen oder zugänglich ist. Das geht einfach nicht und Nachbarn2 stört das völlig zu recht.

    Bei Nachbarn1 darf sie jederzeit und rund um die Uhr das Grundstück betreten und notfalls auch im Garten zupfen.

    Auch ich versuche ihren Blick auf ihren eigenen Garten zu lenken, das tut sie aber nur mit einem eher gelangweilten 'M-hm' ab.


    Ich danke euch allen unendlich für eure Zeit, hier zu lesen und wünsche euch einen guten, halbwegs stressfreien Start in die Woche!


    LG Zebulon

  • Liebe Zebulon,

    ich beschäftige mich auch schon seit mehreren Wochen mit Trackingsystemen, bin aber leider nicht wirklich zu einem guten Ergebnis gekommen.

    Eine relativ günstige Kostenvariante sind aus meiner Sicht die AirTags. Die gibts für Apple und adäquat für Androidgeräte.

    Ich zweifle daran, weil ich nicht weiß, ob die Entfernung in unserem Fall ausreichend ist. Meine Mutter geht ja neuerdings aus der Wohnanlage um ihr ehemaliges Haus, meinen verstorbenen Vater und ihre Mutter in der Nähe zu besuchen.

    Vielleicht sind diese für euch interessant. Man kann sie auch als Kette tragen.


    Netzwerk Demenz Stuttgart | Airtag – eine mögliche Alternative zu GPS-Ortungsgeräten für Demenzkranke


    Liebe Grüße

    Stern

  • Liebe schwarzerkater,

    du hast mir gerade eine Antwort auf eine umgestellte Frage gegeben 😆

    Meine Mutter wickelt auch alle möglichen Dinge in Toilettenpapier oder Küchenrolle ein… Wie du sagst, hört sich erstmal lustig an, ist es aber nicht immer.

    Ich hab dahinter bis jetzt keinen Zwang vermutet, es eher abgetan oder als „“Macke „ eingeordnet.

    Eine gute Beobachtung, wo ein Päckchen versteckt ist, wird weiterhin nötig sein…

    Liebe Grüße

  • Vielleicht ist es auch der Wille beschäftigt zu sein, ich weiß es nicht. Bei meiner Mutter hab ich mehr das Gefühl, sie tut es um Dinge gut zu verstecken. Wir sind zum Beispiel immer auf der Suche nach nicht mehr vorhandenem Geschirr. Sie meint, DIE klauen mir alles. Letzte Woche fand ich 3 benutzte Messer schön in Toilettenpapier eingewickelt zwischen ihrer Unterwäsche im Badschrank 🙈

    So taucht das ein oder andere Teil manchmal wieder auf, wenn ich auf der Suche nach etwas bin. Aber vieles bleibt verschwunden….

    Lass uns drüber schmunzeln 😅

  • Ja, der Wille nach Beschäftigung ist hier auch vorhanden.


    Es muss aber etwas sein, das meine Mutter kennt. Mandalabücher ausmalen empfindet sie als Kinderkram.

    Sie erzählt manchmal, dass sie (im Krieg) im Laden ihres Onkels die Lebensmittelmarken auf Zeitungsseiten aufgeklebt hat.


    Ich hatte mal gegoogelt und diese Marken tatsächlich gefunden. Ich bestelle die jetzt mal und fotokopiere sie, vielleicht lässt sie sich damit eine Weile beschäftigen.

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!