Zu Hause mit schizophrenen Kindern doch besser als Pflegeheim?

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  • Liebe Illuu

    Ich schwanke emotional, je nachdem wie es meiner Mutter geht.

    Deine emotionale Achterbahnfahrt ist zu Beginn völlig normal - ich glaube, das geht der überwiegenden Mehrheit der Angehörigen so und ist auch okay.

    1 Monat ist für die Eingewöhnung noch keine sooo lange Zeit, das kann dauern und es wird immer gute Tage und schlechte Tage geben.

    Dass wir Angehörigen ein Stück weit "loslassen" gehört auch dazu ... die Grübelei und das "Sich-Sorgen-machen" ist auf Dauer nicht gesund ... Du hast schon sehr viel in Sachen Unterbringung und Versorgung für Deine Mutter getan, Du kannst jetzt auf andere Weise für sie da sein und dabei darauf schauen, dass es Dir auch gut dabei geht. Hast du einen guten Draht zum Pflegepersonal, bzw. der Pflegedienstleitung? Kannst Du eventuell die Problematik des "Herumwanderns" mit dem Pflegepersonal, bzw. der Leitung besprechen? Vielleicht hat das Pflegepersonal hierfür schon bewährte Lösungsansätze oder Strategien?

    Ich denke, es lohnt sich auf jeden Fall im Gespräch zu bleiben und zu beobachten.

    Weiterhin alles Gute und einen schönen Sonntag, LG SunnyBee

  • Lieber Jochengust, Rose60 und sunnybee,

    Danke für eure Antworten und aufbauenden Worte!

    Es ist wirklich eine Berg und Talfahrt. Und ich finde mich langsam damit ab dass dem so ist und es sich hoffentlich irgendwann stabilisieren wird. Meine Mutter bekommt jetzt doch höher dosiert seroquel, was sie ruhiger macht und noch ein Medikament vor dem schlafengehen dessen Namen ich jetzt vergessen habe. Wahrscheinlich war sie auch deswegen letztes Mal als ich sie besucht habe so schwach auf den Beinen.

    Die Pflegerin meinte man muss sie noch richtig einstellen. Schlafen tagsüber tut sie gar nicht.


    Es ist nach wie vor schwierig, gerade auch deswegen weil meine (schizophrenen) Geschwister sie auch vermissen und jetzt ständig erzählen dass daheim eh alles noch so gut funktioniert hat und harmonisch war (was sicher nicht stimmt) aber manchmal zweifle ich trotzdem weil ich ja nicht alles mitbekam daheim und es wahrscheinlich auch noch gute Momente gab.

    Aber dann rufe ich mir wieder in Erinnerung welche Aktionen meine Schwester so geschoben hat (zb wollte sie meine Mutter mit uraltem Wasser aus der Gießkanne „duschen“, also direkt über ihren Kopf, aß ihr Essen weg, schrie sie ständig an…). Auch hat mir meine Mutter in einem klaren Moment gesagt hat, dass sie nur nicht alleine sein will im Alter und das wäre sie wenn meine Schwester in die Psychiatrie käme- was ja eigentlich für alle besser wäre, wenn sie noch alleine zurecht käme…


    Ich fühle mich trotzdem oft schuldig weil ich den Heimeintritt initiiert habe- obwohl noch gar nichts passiert war im Sinne von Stiegen runterfallen zb. Es ist irgendwie wirklich verrückt, weil alle-also meine schizophrenen Geschwister und meine Mutter ihre Lebenssituation so verschoben als normal betrachten und ich manchmal schon denke ich spinne jetzt.

  • Hallo Illu,

    Diese Zweifel haben wir ja letztlich fast alle hier, selbst MIT Stürzen.. du hast deine Mutter in einem geschützten Rahmen unterbringen wollen und das zu Recht, das klingt mit deinen Geschwistern einfach nicht zuverlässig genug!

    Es bleibt ein komisches Gefühl, als Tochter etwas über den Kopf der Mutter zu entscheiden, aber es ist m.E.verantwortungsvoll und das ist entscheidend.

    Liebe Grüße

  • Hallo Illuu

    diese Zweifel, ob die Entscheidung richtig war, werden Dich noch eine Weile begleiten. Aber wenn sich die Situation stabilisiert - und das wird sie - dann werden die Zweifel mit der Zeit abnehmen.

    Du hast in einem kritischen Moment Verantwortung übernommen und eine notwendige, vorausschauende und verantwortungsvolle Entscheidung getroffen. Diese Entscheidung gefällt momentan nicht jedem, aber sie war wichtig und musste getroffen werden.

    Du darfst ruhig stolz auf Dich sein und durchatmen!

    LG, SunnyBee

  • Liebe Illu, liebe alle,


    in diesem Zusammenhang möchte ich mal anmerken, dass ich diese Zweifel auch kenne, auch wenn anders herum.

    Wir haben unsere Mutter ihrem Wunsch entsprechend in ihrem zu Hause gelassen, in dem sie nach wie vor allein lebt.

    Zwar kommen täglich Menschen, die sich um sie kümmern. Einen Pflegedienst ließ sie nach langen Kämpfen zumindest für zwei Mal die Woche auch zu. Aber sie ist z.B. nachts immer allein und zu ihrer Demenz ja auch noch blind.

    Immer, wenn wieder eine Veränderung, ein Ereignis eintritt, das uns kritisch erscheint, dann kommen auch da wieder die Zweifel, ob es richtig ist, sie in ihrem selbst geschaffenen zu Hause zu lassen. Es gehört von unserer Seite natürlich auch die Bereitschaft dazu, zu akzeptieren, dass sie dann eben z.B. stürzt und nicht mehr hochkommt. Da sie aber auch in ihrer Patientenverfügung entschieden hat, keine Krankenhausbehandlung mehr zu wollen, egal was, keine Reanimation zu wollen, hat sie damit für uns eindeutig ihre Bereitschaft ausgedrückt, im Zweifelsfall auch ihren Tod in Kauf zu nehmen und das respektieren wir.

    Dennoch ist der Gedanke auch beunruhigend, sie könnte dann länger liegen und leiden, bis am Tag wieder jemand zu ihr kommt.

    In einem Heim würde sie in ihrer schon immer sehr eigenen Art vermutlich aber jeden Tag leiden (sicher wissen wir es aber auch nicht), von daher, zumindest bei mir kommen immer wieder Zweifel auf, welche Entscheidung die richtige wäre. Es ist einfach schwierig und übersteigt schon fast die menschlichen Möglichkeiten. Aber sie steht nicht unter Betreuung und wir respektieren ihre selbstbestimmte Entscheidung.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Illuu, ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie sich immer wieder innerlich bestärken, die richtige Entscheidung für Ihre Mutter getroffen zu haben, auch wenn sie sich nicht so schnell einleben kann und gerade nachts auf der Suche ist.


    Haben Sie eine Idee, was Sie suchen könnte? Oft hilft es schon in der Toilette das Licht anzulassen oder im Blickfeld vertraute Gegenstände zu finden…

    Vielleicht können Sie sich mit den Pflegekräften dazu beraten, denn das Eingewöhnungskonzept ist - nicht ohne Grund - eine wichtige Anforderung für Heime.

    Die beruhigenden Medikamente sollen etwas den inneren Druck nehmen, allerdings sind dann Maßnahmen zur Sturzprophylaxe zu empfehlen, sinnvoll sind da z.B. die gleichen Wege auf dem Flur, - das Laufen an sich ist wie eine Art Selbsttherapie und hat weniger „Nebenwirkungen“ wie nächtliche Besuche.

    Ihnen alles Gute, Ihr Martin Hamborg

  • Es ist einfach schwierig und übersteigt schon fast die menschlichen Möglichkeiten.


    Liebe Ecia25 - ja genau, diese Aussage trifft es irgendwie sehr finde ich. Es ist eine Entscheidung die eigentlich so gewaltig ist, und das Ergebnis kann anscheinend nie für alle gleichermaßen gut passen, dafür sind wohl immer die Umstände und allein die Diagnose zu speziell.


    Lieber Rose und sunnybee, danke das ist so aufbauend geschrieben von euch!


    Ich habe vor kurzem mit dem Hausarzt telefoniert. Er meinte er dosiert so hoch weil sie so extrem herum wandert und eben in die anderen Zimmer geht. Sobald sie sich besser eingewöhnt hat werden die Medis reduziert. Nebenwirkung ist, dass sie sehr schwach ist und tatsächlich sturzgefährdet…

    Er hat ihr aber am gleichen Tag noch einen Besuch abgestattet und ein Medikament reduziert. Davor nahm sie nie Medikamente, nur ihre Alzheimertabletten. Ich hoffe dass der Plan aufgeht. Momentan zumindest bewirken die medis dass die Nächte ruhig sind.

    Ich kann am Samstag meine Mutter wieder besuchen und vielleicht wage ich es mit ihr einen Besuch daheim bei meinen Geschwistern zu machen. Ich hoffe sie ist dann etwas besser auf den Beinen…? Aber ich werde es entscheiden wenn ich dort bin.


    @herr Hamborg, wir nehmen an dass sie einfach heim gehen will/wollte in der Nacht. Aber ich habe ihr Zimmer jetzt etwas einrichten können, mit gemütlichem Stuhl auch ihre 1000 Fotos u Tagebücher mitgebracht mitsamt dem Kasten. Damit hat sie sich auch zu Hause sehr viel beschäftigt.

    Aber insgensamt fühlt sie sich mittlerweile glaube ich zumindest zeitenweise recht wohl, zb konnte sie letztes Mal nur ganz kurz telefonieren weil sie seit Ewigkeiten wiedermal die Möglichkeit hatte die Messe im tv anzusehen:)

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