Schuldgefühle, weil meine Mutter im Pflegeheim ist

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  • Hallo. Meine Mutter (89 Jahre) wurde im Januar an der Hüfte operiert. Nach ein paar Tagen im Krankenhaus kam sie für 2 Wochen in die Geriatrie. Dann wurde ich darüber informiert dass meine Mutter auf keinen Fall nach Hause könnte und kam dann ins Pflegeheim zur Kurzzeitpflege. Seit der OP ist sie dement, vor der OP gab es für Demenz keinerlei Anzeichen. Im Pflegeheim ist sie zweimal aus dem Bett gestürzt, kam dann auch immer mit dem Krankenwagen zur Untersuchung ins Krankenhaus. Beim ersten Mal hatte sie 3 Wirbel im Rücken gebrochen, beim zweiten Mal kam noch ein Blutgerinnsel im Kopf hinzu. Nach den Untersuchungen im Krankenhaus kam sie immer sofort wieder zurück ins Pflegeheim. Von den Ärzten wurde mir von einer weiteren OP abgeraten. Seit Ende Januar ist sie jetzt im Pflegeheim, mittlerweile vollstationär. Meine Mutter hatte auch gekrampft. Sie bekommt jetzt alle 3 Tage ein neues Schmerzpflaster. Seit einiger Zeit ist sie total dement, sie weiß nicht wo sie ist, ob Tag oder Nacht ist, welche Uhrzeit. Sie weiß nicht ob sie etwas gegessen hat. Essen tut sie kaum noch, ein paar Löffel Pudding. Ihre Zähne kann sie auch nicht mehr anziehen, die passen nicht mehr. Sie sieht auch schon länger kaum noch etwas wegen ihrer trockenen Makula. Die meiste Zeit schläft sie. Sie nestelt sehr viel an der Bettdecke, macht Bewegungen mit ihren Händen und sagt mir, ich solle irgendwelche Sachen aufheben die ihr gerade heruntergefallen sind. Dann sieht sie irgendwelche Sachen und sagt, ich solle sie wegräumen. Manchmal ist sie aggressiv. Von den Pflegern bekomme ich oft erzählt, dass meine Mutter nachts geschrien hat. Vor einiger Zeit hatte ich ihr versprochen, dass sie nie in ein Pflegeheim kommt und dass ich immer für sie da sein werde. Bevor sie operiert wurde, habe ich sie morgens angezogen, ihr die Tabletten gegeben (alles vor meiner Arbeit), und abends habe ich sie ins Bett gebracht. Zweimal in der Woche kam eine Frau vom Pflegedienst, die ist dann mit meiner Mutter ein bisschen raus gegangen oder hat einfach nur mit ihr geredet, damit sie nicht immer so allein ist. Wenn ich vom Pflegeheim nach Hause fahre, muss ich erstmal laut weinen. Ich fühle mich sehr schlecht und habe Schuldgefühle, weil ich mein Versprechen nicht gehalten habe. Es tut mir in der Seele weh. Es gab Wochen, da habe ich mich zu Hause verkrochen und hab nur geweint. Mittlerweile treffe ich mich aber wieder mit Freunden. Ich kann mich nur nicht mehr wirklich über irgendetwas freuen, weil ich dann sofort wieder Schuldgefühle habe. Ich würde meiner Mutter gerne helfen, irgendetwas tun, anstatt nur hilflos an ihrem Bett zu sitzen. Wenn ich nach Hause fahre habe ich ein schlechtes Gewissen und wenn ich einen Tag nicht da bin, habe ich auch ein schlechtes Gewissen. Ich fühle mich so schlecht, kann auch nicht mehr richtig schlafen. Diese Schuldgefühle sind schlimm, ich wollte doch immer für meine Mutter da sein.

  • Hallo HBL,

    diese Schuldgefühle kann ich gut nachvollziehen, aber es war ein gewagtes Versprechen, dass Ihre Mutter NIE ins Pflegeheim kommt. Wir wissen ja alle nicht, was das Schicksal für uns bereit hält, wann und wie unser Leben zu Ende geht. Für uns alle hier im Forum ist die Demenz unserer Angehörigen eine sehr traurige Angelegenheit, in die man erst hineinwachsen muss.

    Manche versterben bei einer OP, andere verkraften vom Gehirn her die Narkose nicht mehr und dann kamen noch Stürze Ihrer Mutter dazu, so wie es vielen unserer Elternteile auch zuhause erging. Niemand kann das wirklich bis zum letzten verhindern. Nun ist aber doch für Ihre Mutter gemessen an den Umständen bestmöglich gesorgt und es klingt nicht so, als könnten Sie bei den Ausfällen Ihrer Mutter die Pflege selbst problemlos übernehmen, jede Nacht daneben sitzen etc... Also muss man sich mit den Gegebenheiten abfinden.

    Mir persönlich hat sehr geholfen (wie auch anderen) die Angelegenheit mit einer psychol. oder seelsorglichen Berater/in zu besprechen und es kann sehr gut tun, wenn man von außen bestätigt bekommt, dass man nichts falsches oder schlechtes getan hat - denn das ist nicht so!! Sie haben Ihre Mutter nicht bewusst vernachlässigt - also auch nichts vorzuwerfen. wir können alle nicht Schicksal spielen und alles unter Kontrolle haben, weil wir ganz normale Menschen sind.

    Alles Gute erstmal!

    Liebe Grüße

    Rose60

  • Meine demente Mutter hat jahrelang im betreuten Wohnen gelebt und ist seit gestern nach einem Oberschenkelhalsbruch in stationärer Pflege. Ich habe ihr zugesagt, dass ich immer für sie da sein werde und mich kümmere, nicht mehr und nicht weniger. Ich organisiere alles für sie, aber mir war immer klar, dass ich keine Pflege leisten kann und werde. Das überlasse ich lieber Profis. Meine Aufgabe ist, darauf zu achten, dass sie gut versorgt ist. Alles andere lege ich in die Hände von Menschen, die dazu ausgebildet sind.


    Ich habe sie bis dato auch jeden Tag besucht (das Gewissen...), weil sie in Fußnähe wohnte, aber da das Heim nun in einem ganz anderen Stadtteil ist, werde ich das nicht mehr so halten. Alle zwei Tage ja, aber nicht mehr jeden Tag. Und ich werde kein schlechtes Gewissen mehr haben, weil sie ja nicht mehr allein ist wie vorher im betreuten Wohnen.


    Ich habe auch meinen Mann gebeten, mich ins Heim zu bringen, falls es nötig würde. Ich würde keinem zumuten wollen, mich zu pflegen, zumal er dann ja auch nicht mehr der Jüngste wäre.


    Bitte martere Dich nicht, Du tust, was Du kannst. Und in gewissem Sinne müssen wir alle auch etwas loslassen können.


    LG Zimt

  • Hallo HBL,

    ich kann mich Rose und Zimt nur anschließen.

    Auch wenn wir wissen, dass unsere Angehörigen gut versorgt und liebevoll betreut werden, ist es ein schmerzhafter Weg, den gehen. Gut ist die Unterstützung von lieben Menschen, die einen in der Entscheidung bestärken und hinweisen, dass es keinen anderen Weg gibt.

    Ich bin derzeit viel krank, für mich ein Hinweis, dass ich unbedingt psychologische Hilfe benötige.

    Ich wünsche dir, dass du auch einen Weg findest, dass es dir besser geht. Mach dir immer bewusst:

    Die professionelle Hilfe, die deine Mutter jetzt erfährt, kann man alleine nicht stemmen. Und du bist ja trotzdem für deine Mutter da.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo HBL, so wie Sie Ihre Mutter beschreiben, ist es vielleicht das allerbeste, wenn Sie bei Ihr sitzen, ohne Druck, einfach nur da sind. Es kann gut sein, dass Ihr Mutter durch die OP ein schweres Delir bekommen hat, dass mit einer Demenz verwechselt werden kann. Vielleicht fragen Sie noch einmal nach, denn eine plötzliche Demenz ist sehr unwahrscheinlich.

    Aber richtig ist, wenn Sie genau das machen, was Sie gerade tun: Etwas für sich selbst tun und Kraft tanken und dann mit bestem Gewissen am Bett Ihrer Mutter Ruhe, Geborgenheit und Sicherheit ausstrahlen - und sich dabei ganz und gar nicht hilflos fühlen!!

    Ihr Martin Hamborg

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