Demenz und Wahn

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  • Lieber Buchenberg und Frau,

    soeben konnte ich vom Tod Deines Schwiegervaters lesen.

    Ganz aufrichtiges und sehr reales Mitgefühl von mir auch. Da sind wir einander im Moment ja auf besondere Weise verbunden.

    Viel Kraft Euch und hoffentlich geht es mit der Schwiegermutter trotzdem gut weiter.

  • Lieber Buchenberg und Frau,

    auch von mir aufrichtiges Beileid und für Euch die allerbesten Wünsche für Kraft und gute Nerven. Hier im Forum haben wir Euren Weg begleitet und aus Deinen Beiträgen vieles für uns mitnehmen dürfen.

    Liebe Grüße, SunnyBee

  • Lieber Buchenberg,

    mein ganz aufrichtiges Beileid - ganz besonders auch für deine Frau! Aufgrund deiner Beschreibungen, glaubte ich fast, ihn zu kennen (ich habe immer gedacht, dass er meinem verstorbenen Vater sehr ähnlich ist) und es tut mir sehr leid, dass es jetzt so schnell zu Ende ging! Sicher wird es auch für die Schwiegermutter sehr schwer - ich wünsche euch allen viel Kraft und alles Gute!

    never20

  • Lieber Buchenberg und Frau,

    auch ich möchte euch mein aufrichtiges Beileid aussprechen. Ich habe eure Geschichte hier über Jahre verfolgt, eure Anstrengungen in der häuslichen Pflege immer sehr bewundert und auch viele gute Tipps von dir/euch bekommen.

    Euren Vater/Schwiegervater habe ich als einen sehr weisen Menschen wahrgenommen, der euch mit seiner Gelassenheit und seinem Wortwitz (ganz glatzige Haare) sicherlich auch schöne Momente im anstrengenden Pflegealltag beschert hat.

    Ich finde es tröstlich, dass er am Ende keinen langen Leidensweg mehr zu gehen hatte.

    Für die Mutter/Schwiegermutter beginnt nun wahrscheinlich eine sehr schwierige Zeit und ich wünsche euch ganz viel Kraft, um in eurer eigenen Trauer auch die Trauer der Mutter/Schwiegermutter mittragen zu können.

    Es sendet euch mitfühlende Grüße

    Silly

  • In diesem Forum müssen ganz besondere Menschen unterwegs sein.

    Ihr habt persönlichere Worte des Trostes gewählt als die meisten aus unserer Verwandtschaft.


    Besonderen Dank dafür von mir und meiner Frau - heute erst habe ich erfahren, dass sie ein "Papakind" war. Sie hatte ihren Vater ganz besonders lieb.

  • Das Kompliment kann ich auch geben. Hier im Forum habe(n) ich / wir mehr Rückhalt erfahren, als in der Verwandtschaft. Das einzige was die interessiert hat, war das Höhe des Erbe und wann sie was abholen kann.


    Hier wird man einfach mehr verstanden.

  • Lieber Buchenberg und Frau -


    Papakinder sind ganz besonders gesegnet, denn sie haben (oder hatten) einen ganz besonderen Papa. Davon gibt es nicht so viele. Ich hatte das Glück auch so einen zu haben. Daher kann ich sehr gut verstehen, dass es sehr schlimm ist, ihn zu verlieren.
    Alles, alles Gute!

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Buchenberg, auch ich wünsche Ihnen und besonders Ihrer Frau viel Kraft und Zeit zur Trauer!


    Ich sehe es wie Sie: Wahrscheinlich hat Ihr Schwiegervater Ihnen eine schwere Entscheidung abgenommen. Tatsächlich habe ich oft erleben dürfen, dass die letzte Stunde nicht zufällig war und trotz aller Demenz von einer inneren Weisheit geprägt zu sein schien...


    Bitte seien Sie ein wenig "gnädig mit sich": Der Groll gegen Ihre Schwiegermutter gehört definitiv zur Trauerarbeit, d.h. ihn wahrzunehmen, ihn zuzulassen ... aber ihn nicht auszuleben ... ist nicht nur normal, sondern auch wichtig für eine spätere Versöhnung.


    Gut dass Sie Ihre Schwiegermutter derzeit nicht persönlich besuchen und hoffentlich Ihre Frau so besser stützen und schützen können!


    Wenn sich ein schlechtes Gewissen wieder melden sollte, schreibe ich gern noch hundertmal, dass es keine Versagen war, sondern der richtige Zeitpunkt und Sie gemeinsam - besonders Ihrem Schwiegervater - so sehr wertvolle Jahre schenken konnten!

    Ihr Martin Hamborg

  • Diese Woche ist die Einäscherung von Schwiegervater (ohne Familie). Beigesetzt wird die Urne im Januar im Kolumbarium einer nahegelegenen Kirche. Dazu meine Frage:

    Als Schwiegermutter von meiner Frau und mir vom Tod ihres Mannes erfuhr, reagierte sie ganz ungerührt, vergoss (ganz anders als ich und meine Frau) keine Träne und fragte uns nur, was jetzt aus ihr wird.

    Der Heimärztin sagte sie später nur, dass sie Angst habe. Ich vermute, es ist ihre Angst vor dem Sterben. Sie bekommt nun ein Mittel gegen Angstattacken.

    Was kommt nun auf der Beisetzungsfeier noch auf uns zu? Es werden da Verwandte und Bekannte sein, die Schwiegermutter seit vier Jahren nicht mehr gesehen hat.

    Ist da mit Panikattacken und Szenen zu rechnen? Welche Erfahrungen habt ihr mit Beerdigung und dementen Hinterbliebenen?

    Buchenberg und Frau

  • Als Schwiegermutter von meiner Frau und mir vom Tod ihres Mannes erfuhr, reagierte sie ganz ungerührt, vergoss (ganz anders als ich und meine Frau) keine Träne und fragte uns nur, was jetzt aus ihr wird.

    Der Heimärztin sagte sie später nur, dass sie Angst habe. Ich vermute, es ist ihre Angst vor dem Sterben. Sie bekommt nun ein Mittel gegen Angstattacken.

    Was kommt nun auf der Beisetzungsfeier noch auf uns zu? Es werden da Verwandte und Bekannte sein, die Schwiegermutter seit vier Jahren nicht mehr gesehen hat.

    Ist da mit Panikattacken und Szenen zu rechnen? Welche Erfahrungen habt ihr mit Beerdigung und dementen Hinterbliebenen?

    Lieber Buchenberg, eigentlich wundert mich die Reaktion deiner Schwiegermutter nicht. Aufgrund ihrer Demenz ist es nicht klar, inwieweit sie diese Lebensereignisse und sozialen Konstrukte noch vollständig erfassen kann. Das große Vergessen durch die Demenz löscht auch Erinnerungen an frühere Ereignisse, Gefühle usw. Außerdem fehlen die Bezugspunkte - ich weiß nicht, wie ich das richtig erklären soll. Aber all das passiert nicht von einem Tag auf den anderen und nicht linear. Ich denke, dass ich mich in so einem Fall bemühen würde, herauszubekommen, an welcher Stelle der Demenz die Schwiegermutter angekommen ist.

    Wenn ich an meine Mutter denke, so würde ich sie niemals mehr mit zu einer Beerdigung nehmen. Es wäre nur emotionaler Stress für sie und alle Beteiligten. Aber ihr könnt ja beobachten, wie die Schwiegermutter über das Thema Ehepartner, Tod und Beerdigung im Heim spricht, ob sie überhaupt aus eigenem Antrieb darüber spricht.


    Wie gesagt: In unserem Fall (meine Mutter) hätte ich dazu eine eindeutige Meinung. Ich kann jedoch aus der Ferne nicht beurteilen, wie es bei euch ist. Daher ist mein Rat: aufmerksame Beobachtung der Schwiegermutter und Rücksprache mit dem Pflegeheim. In unserem Pflegeheim würde man da auf Nachfrage sehr offen zu mir sein. Ich denke, grundsätzlich würde ich immer "zum Wohle der dementen Person" entscheiden, egal was andere darüber denken. Liebe Grüße

  • Hallo buchenberg,

    Die Bedenken verstehe ich sehr gut. Letztendlich kann es sicher niemand voraussagen. Ich habe auf jeden Fall bei meiner Mutter erlebt, dass zwei Todesfälle von Menschen, mit denen sich meine Mutter im Heim angefreundet hatte, jeweils zu einem heftigen Demenzschub geführt haben.

    Vom Tod ihres Sohnes haben wir ihr, wie berichtet, im März d.J.nicht berichtet, zumal sie nie mehr nach ihm gefragt hat und die Beisetzung weiter weg war.


    Ich habe zudem mitbekommen, wie beim Tod einer Tante der demente Ehemann informiert wurde, aber es sich wirklich nicht merken konnte und auf dem Weg zum Friedhof gefragt hat, wohin der Ausflug geht, nach der Beisetzung, die ihm jeweils wieder erklärt wurde, immer wieder fragte, wo denn nun seine Frau bleibe...

    Deine Schwiegermutter ist nun natürlich verunsichert, was die Ängste erklärt. Eigentlich wäre es je nach Demenzstufe für die Erfassung ggf.sinnvoll , dass sie bei der Beerdigung dabei ist. Trotzdem kann es gut sein, dass sie es nicht erfasst und ihren Mann noch eine Weile sucht.

    Also ich würde mich tatsächlich auch im Heim beraten lassen von Bezugspflegerin, die sie am besten kennt aus dem derzeitigen Alltag.

    Alles Gute!

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Buchenberg, die Bedenken, dass Ihre Schwiegermutter von der Beerdigung überfordert ist, kann ich gut nachvollziehen. Haben Sie sie schon gefragt und darüber gesprochen, was belastend sein kann? Könnte sie es aushalten, dass Ihr Mann so im Mittelpunkt steht?

    So wie ich Ihre Schwiegermutter vor Augen habe, braucht sie vielleicht nur die Erlaubnis, nicht mitzukommen - im Heim hat sie vermutlich weniger Stress. Ihr Martin Hamborg

  • Lieber Buchenberg, so wie Sie ihre Schwiegermutter hier oft beschrieben haben, würde ich mir sehr gut überlegen, ob sie dabei sein muss. Vielleicht wäre es sinnvoller, später mit ihr alleine zu der Beisetzungsstelle zu gehen und ihr nochmal alles zu erklären. Ich vermute, die vielen Menschen, die sie vermutlich nicht mehr zuordnen kann und die ganze Trauerfeier an sich, würde sie durcheinander bringen. Ein Abschiednehmen, wie wir es machen, wird ihr vielleicht aufgrund der Demenz nicht möglich sein. Ich möchte damit ausdrücken - nur für die "Leute" muss sie ja nicht dabei sein, wenn es ihr nur schadet. Ich würde da das intensive Gespräch mit den Pflegern suchen.

  • Unser Plan für die Trauerfeier ist, dass Schwiegermutter daran teilnimmt, aber von ihrer ältesten Tochter in besondere Obhut genommen wird, so dass sie mit ihr die Kirche verlassen kann, wenn Schwiegermutter laut oder auffällig wird.


    Schwiegermutter wurde heute umquartiert. Ein Ehepaar, das bisher in zwei getrennten Zimmern untergebracht war, zog in Schwiegermutters großes Doppelzimmer. Sie selbst kam in ein Einzelzimmer auf dem gleichen Flur.


    Sie nahm alles ganz selbstverständlich und ich bin bass erstaunt, was Schwiegermutter in der neuen Umgebung von den „fremden“ jungen Leuten alles annimmt und akzeptiert, was sie von ihrer jüngeren Tochter und von mir, ihrem Schwiegersohn, in unserem gemeinsamen Haushalt niemals angenommen und hingenommen hätte.

  • Sie nahm alles ganz selbstverständlich und ich bin bass erstaunt, was Schwiegermutter in der neuen Umgebung von den „fremden“ jungen Leuten alles annimmt und akzeptiert, was sie von ihrer jüngeren Tochter und von mir, ihrem Schwiegersohn, in unserem gemeinsamen Haushalt niemals angenommen und hingenommen hätte.

    Lieber Buchenberg, das ist genauso wie bei uns. Aber ich habe dafür eine sehr einfache Erklärung gefunden: Das alte Rollenverständnis Mutter vs. Tochter bleibt selbst bei Demenz lange intakt. Dieses Rollenverständnis kann beinhalten, dass eine gezeigte Hilfsbedürftigkeit gegenüber dem "Kind" undenkbar ist. Das muss nicht auf eine schlechte Beziehung hindeuten.

    Weiterhin kann das eigene Haus als individueller Schutzraum verstanden werden, wo man (selbst in der Demenz) nicht duldet, dass einem jemand "auf die Pelle rückt".

    Meine Mutter hat im Pflegeheim komplett umgeschaltet !!!! von totaler Hilfeverweigerung auf "Lieb, kuschelig und duldsam!". Ich bin heilfroh darüber, wenn ich sehe, wie sie sich von den Pflegerinnen und Pflegern umarmen lässt!

    Wenn ich ehrlich in mich hineinhorche, möchte ich selbst im Bedarfsfall keineswegs von meiner Tochter gepflegt werden, obwohl ich zu ihr eine hervorragende und liebevolle Beziehung habe. Sie weiß das und wird (falls mein Mann nicht dazu in der Lage sein sollte) für mich ein ebenso liebevolles Pflegeheim aussuchen wie ich es für meine Mutter gefunden habe.

    Es liegt also nicht daran, dass ihr (du und deine Frau) irgendetwas falsch gemacht hättet. Das musst du dir immer wieder sagen.

  • Lieber Buchenberg, liebe schwarzerkater -


    ich kann schwarzerkater nur zustimmen: Ich denke auch, es liegt daran, dass die Pflegerinnen keine Familienmitglieder sind. Als meine Mutter ins Heim kam, haben mir alle gesagt, wie lieb, nett und umgänglich meine Mutter wäre - eine zuckersüße Person. Sie konnten nicht glauben, wie bösartig sie mir gegenüber sein konnte, bis sie selbst erlebt haben, wie sich mich beschimpft hat. Ihr habt also wirklich nicht "falsch gemacht". Freut euch, dass sie sich so gut eingelebt habt und alle gut mit ihr klarkommen. Das ist ein großes Glück. Und ihr konnt euer Leben genießen (und heilen).

  • Hallo Tanja,

    zum Lebensgenuss ist es noch ein längeres Stück, aber die Heilung hat schon begonnen. Meinen Groll gegen Schwiegermutter bin ich fast los. Meine Frau leidet noch sehr unter dem Tod ihres Vaters. Das wird sich wohl vor der Bestattung nicht viel ändern.

    • Offizieller Beitrag

    Danke Ihnen Schwarzerkater für die so treffenden Erklärungen zu den wundersamen Veränderungen der demenzerkrankten Persönlichkeiten im Heim!


    Die alte gut geübte Elternrolle und der Schutz des privaten vertrauten Schutzraumes stärken das Selbstgefühl und manchmal leider auch der Angriffskraft gegen die liebenden, sorgenden und pflegenden Kinder. Es ist wie ein demenzbedingter Selbstschutz mit Nebenwirkungen.


    Hinzu kommen die alten Muster im gegenseitigen Verhalten, die nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip sofort und unmittelbar wirken und damit die Problemmuster stärken.


    Im Pflegeheim gibt es sofort eine Vielzahl neuer Kontakte und eine Struktur, die mehr Sicherheit vermitteln sollte, als der Rückzug in das Bett. So können sich alte positive Ressourcen entfalten, wenn Angehörige sich zunächst zurückhalten, falls es Konfliktpotenziale und Vorwürfe gibt.


    Ganz wichtig ist die zugewandte und validierende Haltung der Mitarbeitenden in den Einrichtungen und eine Atmosphäre zum Wohlfühlen...

    Es freut mich zu lesen, dass so viele hier im Forum eine solche Einrichtung gefunden haben!


    Ihnen allen wunderschöne und besinnliche Weihnachtstage!

    Ihr Martin Hamborg

  • Lieber Buchenberg,


    Herzliches Beileid!


    Ihr macht das alles so richtig mit so viel Feingefühl, so wünsche ich Euch einen nicht zu schmerzhaften guten Rutsch 🎈


    Meine Mutter konnte beim Tod meines Vaters auch nicht trauern, sie konnte ihn nur immer noch übelst beleidigen.

    Die Demenz hat die Emotionen ausgelöscht.


    Toll dass sich die Schwiegermutter so gut einlebt!!!!! Lg von Alfi

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