Fragen zur Verhinderungspflege

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  • Ich muss auch mal was zur Verhinderungspflege fragen.


    Mein Vater pflegt meine Mutter. Das ist zunehmend eine Belastung für ihn, aber wem sage ich das, Ihr kennt das selbst.


    Tagespflege will sie nicht. Ich habe zwar beim zuständigen Pflegestützpunkt erfahren, dass es auch Pflegedienste gäbe, die stundenweise ins Haus kommen, aber da müsste ich mich durchtelefonieren und da andere Aussagen dieses Stützpunktes zweifelsfrei falsch waren, frage ich lieber hier mal nach.


    Also, einmal meine Frage, ob Pflegedienste wirklich die Tagespflege im Haus des Pflegebedürftigen ausüben könnten?


    Zum anderen bliebe dann die Verhinderungspflege.

    Sofern ich das richtig verstanden habe, besteht ein Anspruch rückwirkend für 4 Jahre. Dies bedeutet aber nicht wie beim Entlastungsbetrag, dass dieser quasi angespart wird und bis zum 30.6. des Folgejahres ausgegeben werden kann. Sondern wenn beispielsweise im Vorjahr jemand Verhinderungspflege geleistet hat und von dem zu Pflegenden bezahlt worden ist, diese im Nachhinein angefordert werden kann.


    In unserem Fall hat tatsächlich die Schwester meiner Mutter praktisch Verhinderungspflege geleistet. Sie kommt einmal in der Woche für 2-4 Stunden und mein Vater kann dann beruhigt das Haus verlassen. Für diese Zeit wird sie auch bezahlt.

    Wir haben voriges Jahr noch keinen Antrag auf Verhinderungspflege gestellt, aber das ist wohl nicht schädlich für den Anspruch?

    Im Gegensatz zum Pflegestützpunkt weiß ich auch, dass für nahe Angehörige nur das 1,5fache des Pflegesatzes zur Verfügung steht. Meine Mutter hat im Februar des vergangenen Jahres den Pflegegrad 3 erhalten (zuvor PG1).


    Jetzt steht diese 6-Monatsregel im Raum, die ich noch nicht richtig verstanden habe. Die Pflegeperson muss 6 Monate gepflegt haben, bevor Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden kann, aber der zu Pflegende muss noch keinen Pflegegrad gehabt haben. Das finde ich ein bisschen widersprüchlich. Ich würde jetzt sicherheitshalber rechnen: Februar + 6 Monate, ab August kann ich meine Tante abrechnen?


    Gibt es einen Höchst-Stundensatz? Ich habe 15 € in Erinnerung. Die 817,50 € für letztes Jahr würden dann ganz abgedeckt werden. Wenn es nur ein paar Stunden in der Woche sind, wird auch das Pflegegeld meiner Mutter nicht gekürzt.


    Wie sieht es mit Fahrtkostenersatz aus, gibt es den obendrauf oder vergesse ich den ganz schnell, weil das Budget durch die geleisteten Stunden schon abgedeckt ist?


    Bei anderen Personen als nahen Angehörigen ist es ja so, dass ca. 1.800 + hälftiger Kurzzeitpflegebetrag zur Verfügung stehen. Ich nehme an, in unserem Beispiel bleibt es bei dem 1,5fachen des Pflegegeldes und wir haben keinen Anspruch aus der Kurzzeitpflege?


    Irritiert haben mich zwei gelb markierte Sätze aus dem Barmer-Flyer, den ich gleich verlinke.

    Was soll das mit dem Maximalbetrag bedeuten "wenn die Vertretungsperson Verdienstausfall oder Fahrtkosten nachweist"?


    Auch die Aussage in vorigen Beiträgen zum Versteuern auf Seiten der Vertretungsperson kann ich nicht nachvollziehen. Ich hatte an anderer Stelle gelesen, dass eine Versteuerung nur zu vollziehen ist, wenn das Verhinderungspflegegeld höher als das jährliche Pflegegeld ist. Wie soll das passieren?


    Dabei belasse ich es erst einmal, vielen Dank schon mal im Voraus.

    Liebe Grüße

    PausE


    PS. Ich kann das PDF nicht verlinken, daher Kopie daraus:

    In diesen Fällen steht ein Betrag in Höhe des Pflegegeldes für sechs Wochen – also der 1,5fache Monatsbetrag – zur Verfügung. Die Erstattung der Verhinderungspflege beträgt damit jährlich bis zu:
    Der Maximalbetrag der Verhinderungspflege steht in diesen Fällen nur dann zur Verfügung, wenn die Vertretungsperson Verdienstausfall oder Fahrtkosten nachweist.

  • Hallo PausE,

    eine Teilantwort von mir:
    Verhinderungspflege kann JEDE/r machen, Laien, Nachbarn, Verwandte und Profis, auch stundenweise, aber die von der Pflegekasse erstattete Entlohnung ist je nach Art der Vertretenden verschieden. Und es gibt einen jährlichen Höchstbetrag, den die Pflegekasse auszahlt.

    Unser guter Pflegedienst hat bei dieser Frage passen müssen, weil sie niemanden hatten, der kochen kann. Letztlich hat uns ein Familienmitglied in Urlaubszeiten vertreten, aber ihre mögliche Bezahlung war so mies, dass sie auf Bezahlung verzichtet hatte.

    Buchenberg

  • Vielen Dank, Buchenberg, ja, jeder kann diese Verhinderungspflege ausüben. Es ist nur zum Haareraufen, wie unterschiedlich die Bestimmungen sind.


    Ich finde die Einteilung der nahen Angehörigen ja sehr weit gefasst. Ehepartner und Kinder, da bin ich völlig einverstanden.


    Aber Geschwister und Enkel sollten nicht mehr unter diese Regelung fallen. Bei verschwägerten Verwandten 2. Grades finde ich es absurd.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo PausE,


    die Tagespflege, für die es noch einmal zusätzliche Leistungen der Pflegeversicherung gibt, ist nur in den offiziell anerkannten Tagespflege-Einrichtungen möglich. Es handelt sich dabei um eine teilstationäre Unterbringung und kann nicht ambulant zu Hause erbracht werden. Die Anbieter sind an entsprechende Rahmenverträge gebunden, die unter anderem die personelle Ausstattung, die pflegerischen Leistungen und Beschäftigungsangebote regeln.


    Sie vermuten also richtig, dass für die Entlastung Ihres Vaters bei der Pflege und Betreuung Ihrer Mutter zu Hause, die Verhinderungspflege greift. Es könnte mit einem Pflegedienst eine stundenweise Pflege- und Betreuung vereinbart werden. Dafür stünde dann das volle Budget von insgesamt 2.418 Euro (1.612 für Verhinderungspflege + 806 Euro hälftiges Budget für Kurzzeitpflege) zur Verfügung.


    Für nahe Verwandte, wozu nach dem Gesetz auch Geschwister zählen, stehen pro Jahr das 1,5fache Pflegegeld des jeweiligen Pflegegrades zur Verfügung. In Ihrem Fall (Pflegegrad 3) wären das 859,50 Euro. Darüber kann die Entlohnung der Ersatzpflegeperson abgerechnet werden. Für eine eventuelle Erstattung von Fahrtkosten und/oder Verdienstausfall können dann noch 752,50 Euro (1612 Euro – 859,50 Euro) sowie die 806 Euro aus dem Kurzzeitpflege-Budget verwendet werden, also insgesamt 1.558,5 Euro. Hierfür sind der Pflegekasse entsprechende Belege vorzulegen.


    Der Stundensatz für die privat geleistete Verhinderungspflege ist nicht festgelegt, muss also von den Beteiligten vereinbart werden. Dabei muss man natürlich im Blick haben, wie lange das zur Verfügung stehende Budget ausreicht und ab wann eventuell privat zugezahlt werden muss.


    Nun zu Ihrer Frage, ab wann Anspruch auf Verhinderungspflege besteht. Es muss mindestens der Pflegegrad 2 zu dem Zeitpunkt vorliegen, an dem die Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden soll. Bestand in den 6 Monaten vorher lediglich der Pflegegrad 1, ist die Vorpflegezeit erfüllt, wenn die Pflegeperson den Pflegebedürftigen schon seit 6 Monaten gepflegt hat. Das heißt, Ihr Vater kann die stundenweise Verhinderungspflege für das gesamte Jahr 2023 noch rückwirkend abrechnen.


    Mit freundlichem Gruß


    Birgit Spengemann

  • Herzlichen Dank, Frau Spengemann, für Ihre detaillierte Auskunft.


    Sehr gut, dann können wir meine Tante noch fürs Jahr 2023 abrechnen.


    Dieses Jahr möchte es etwas anders handhaben, die Tante wird weiterhin einmal in der Woche kommen, sowie ich demnächst ca. alle 10 Tage (aber ich komme immer unregelmäßig, wenn meine Mutter Arzttermine oder Podologie zu erledigen hat).

    Damit für meinen Vater ein planbarer Rahmen geschaffen werden kann, will ich die Putzhilfe ins Boot holen. Ich hatte sie schon angefragt, ob sie einmal in der Woche für ein paar Stunden ins Haus kommen kann.


    Sie hat so eine Agentur aufgemacht für haushaltsnahe Dienstleistungen. Der Entlastungsbetrag wird für sie eingesetzt. Dann kann mein Vater die Tante wieder privat bezahlen und das volle Kontingent für Verhinderungspflege und ggfs. halbe Kurzzeitpflege kann darüber eingesetzt werden.

  • Ich pflege meine demenzkranke und auch körperlich stark eingeschränkte Mutter, PG 3, seit über vier Jahren rund um die Uhr. Die Verhinderungspflege habe ich in den vier Jahren nicht einsetzen können. Das Hindernis ist regelmäßig, dass die Entlohnung versteuert werden muss. Den Aufwand, allein wegen der paar Kröten für eine gelegentliche Gefälligkeit eine Steuererklärung machen zu müssen, schreckt Nachbar*innen, Freund*innen und Bekannte ab. Wenn sie Rentner*innen oder Arbeitnehmer*innen sind, machen sie meist gar keine Steuererklärung und wenn sie Bürgergeld oder Grundsicherung im Alter beziehen, würde der Lohn für die Verhinderungspflege angerechnet.

  • Es gibt das etwas schwammige Konzept der sittlichen Verpflichtung. Davon sei bei engen Freund*innen oder Nachbar*innen auszugehen. Vorausgesetzt sie betreuen nur eine Person. In der Steuererklärung müssen sie die Einnahmen trotzdem angeben.

    • Offizieller Beitrag

    Liebe Forumnutzer,


    ich bin leider keine Steuerberaterin. Außerdem möchte ich daran erinnern, dass hier im Forum eher allgemeine Auskünfte und Informationen zu den gesetzlichen Leistungen gegeben werden können.


    Sowohl im Sozial-, Pflege- oder Steuerrecht kommt es immer auf den Einzelfall an. Dazu muss man die Hintergründe genau kennen. Selbst wenn Sie Ihre Situation und die Ihrer Angehörigen ausführlich schildern, kann ich nicht unbedingt erkennen, ob nicht doch wichtige Informationen fehlen, um einen genauen Überblick zu bekommen. Daher empfehle ich bei komplexen Fragestellungen, sich persönliche Beratung am Wohnort zu suchen.


    Mit freundlichem Gruß

    Birgit Spengemann

  • Hallo zusammen


    habe auch eine Frage zur VHP.


    Meine Schwiegermutter hat Pflegestufe 3.

    Meine Frau ist die Pflegeperson.


    Nun haben wir für das Jahr 2023 die Stundenweise Abrechnungen der Pflegekasse vorgelegt.


    Meine Frau wurde von Ihren Nichten , also Enkel der Schweigermutter jeweils 4 std vertreten. Es waren 60 Std im Jahr je Enkel. Insgesamt 120 std.


    Wir haben dafür den Enkeln 1200 Euro gegeben und diesen Betrag möchten wir nun von der Pflegekasse erstattet bekommen.


    Die sagen nun das für nahe verwandte es den höchsbetrag von 817,50 gibt.


    Aber dieser Höchstsatz ist doch pro Person oder für beide Enkeln.


    Denn im Grunde kann es doch nicht sein, das man von den 2418 Maximal Betrag durch die Kombination aus VHP und KZP dann nur diese 817,50 erhalten würde. Sehe ich das falsch oder hat die Pflegekasse einen Fehler gemacht.


    Würde mich sehr über eine Antwort freuen. Im Netz findet man immer nur die Aussage von den 817,50 Euro wenn ein naher Verwandte die VHP macht, aber was ist nun wenn es mehrere machen

  • Hallo DCC,


    leider ist es richtig, was die Pflegekasse sagt.

    Enkel zählen zu den nahen Verwandten bis 2. Grades, wofür es nur das 1,5fache des Pflegegeldes gibt.

    Also 545 × 1,5 = 817,50 € für 2023, also für das Jahr.


    Ich finde es auch nicht richtig, dass Verwandte wie Geschwister und Enkel da noch drunter fallen, sogar Schwäger sind da noch drunter erfasst. Aber so ist es leider.

  • morgen


    aber diese 817,50 Grenze gilt doch für eine Ersatzpflege Person und doch nicht für mehrere.


    Bei 3 Freunde kann ich bis 2418 Euro als VHP erhalten.

    Wenn 3 Enkeln die VHP machen dann nur 817,50 insgesamt.. und der restliche Betrag geht verloren ?

  • Guten Morgen,


    die Anzahl der Pflegepersonen ist unerheblich.

    Die Verhinderungspflege gilt für bis zu 6 Wochen im Jahr.

    Daher kommt der Anspruch für Verwandte und Verschwägerte bis zum 2. Grad auf das 1,5fache des Pflegegeldes


    Sie kann auch gestückelt in Anspruch genommen werden oder stundenweise. Nur bei 817 € ist bei Pflegegrad 3 eben Schluss.

  • hallo danke für diese Antwort auch wenn ich Sie für total unfair nicht logisch halte. Da fragt man sich doch, das da noch keiner wegen Diskrimierung geklagt hat.

    Auch verstehe ich nicht das wenn die nahe Verwandte die VHP machen die Umwandlung von der Kurzzeitpflege verloren geht.


    Das heisst ja das wenn von den max 2418,- VHP und KZP nur 817,50 gezahlt werden die Pflegekasse 1600 Euro schön gespart hat !!

  • Erstmal vielen Dank für Ihre mitfühlenden Worte

    Ich bin nicht krank.... über diese schreinden Ungerechtigkeit könnte ich es aber werden. Für jeden anderen Käse wird auf Gleichbehandlung und Diskrimierung gebrüllt... Aber der ganze Bereich der Millionen von pflegenden Angehörigen wird total verarscht, fängt bei der Energiepauschale an und hört leider bei der Benachteiligung von nahen Verwandtten bei der Verhinderungspflege nicht auf.

    • Offizieller Beitrag

    Guten Abend DCC,


    da kann ich leider die schon getätigten Aussagen nur bestätigen. „Ist die Ersatzpflegekraft mit der pflegebedürftigen Person bis zum 2. Grad verwandt oder leben die beiden in häuslicher Gemeinschaft, dürfen die Kosten den Betrag des 1,5 fachen des jeweiligen monatlichen Pflegegeldes je Kalenderjahr nicht überschreiten“. In Ihrem Fall 859,- €.


    Es können jedoch nachweisbare zusätzliche Aufwendungen wie Fahrtkosten oder Verdienstausfall bei der Pflegekasse bis zu einem Gesamtbetrag in Höhe von 1612,- € geltend gemacht werden.


    Alles Gute wünscht


    mit freundlichen Grüßen

    R. Gascho

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