Sie braucht Geld

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  • Meine Mutter fordert seit Monaten Geld! Wenn ich ihr welches bringe erinnert sie sich nicht oder es wurde geklaut😌 Ich habe gefĂŒhlt 100 mal alles erklĂ€rt aber es nĂŒtzt nichts. Irgendwann waren ca. 800€ im Zimmer und wieder die Forderung ich brauche Geld fĂŒr den Friseur, Einkaufen und Fußpflege. Inzwischen habe ich im betreuten Wohnen ĂŒberall EinzugsermĂ€chtigungen hinterlegt, so das sie ohne Bargeld alles machen könnte! Es ihr x Fach erklĂ€rt und dennoch VorwĂŒrfe ich wĂŒrde ihr ihr Geld nicht geben es sei schließlich ihres usw. Sie schreibt inzwischen tĂ€glich immer massivere WhatsApp so das ich mich entschieden habe sie zu blockieren. Leider fĂŒhle ich mich dann schlecht, ĂŒberlege stĂ€ndig was ich noch tun könnte. Sie lehnt alles ab, geht nie zum Friseur fordert nur dafĂŒr Geld! Es ist eine Endlos Schleif! Ich habe organisiert das sie im Rollstuhl hingefahren wird
.sie schickt die Leute weg!

  • HAllo Mical,

    Im Laufe der Zeit mĂŒssen wir hier alle lernen, uns in der ein oder anderen Weise und zu unterschiedlichen Problemlagen gegen unsere dementen Eltern/teile durchzusetzen und Entscheidungen zu treffen, die oft nicht deren Wunsch entsprechen, das liegt eben an dieser blöden Krankheit.

    In deinem Fall wĂŒrde es bedeuten, dass du deiner Mutter kein Geld mehr bringst. Du hast es bzgl. Friseur doch schon gut organisiert bzw.versucht und deine Mutter versteht es dann nicht mehr.

    Meine Mutter hatte auch lange Zeit das GefĂŒhl zu wenig Geld zu haben, auch wenn ich ihr immer wieder gezeigt habe, wo es im Heimzimmer ist. Sie meinte lange, dass ihre gesamte Rente in mein Haus geliefert wird und ich ihr alles wegnehme, wĂ€hrend es natĂŒrlich von ihrem Konto ans Heim ging..

    Das ist eine schwere Phase, sowohl fĂŒr uns Angehörige als auch die betroffenen Dementen, sicher mit vielen Ängsten verbunden, dass einem alles mögliche im Leben entgleitet .

    Ich wĂŒrde in deinem Fall versuchen, so wenig wie möglich darauf einzusteigen und mich vllt von einer Pflegeberatungsstelle beraten lassen.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo MiCal,


    Das ist eine schwere Phase, sowohl fĂŒr uns Angehörige als auch die betroffenen Dementen, sicher mit vielen Ängsten verbunden, dass einem alles mögliche im Leben entgleitet .

    das möchte ich unterstreichen. HÀufig geht es Betroffenen nicht so sehr um "den Geldschein" in der Hand. Es ist ein Ringen um Autonomie, um Selbstbestimmung. Manchmal hilft nur, diese Phase auszuhalten, ablaufen zu lassen.
    Manchmal wirkt auch in der gemeinsamen Arbeit aller Beteiligten , wenn man sich auf gleichartige Reaktionen einigt. Es empfiehlt sich, weniger oder bestenfalls gar nicht, auf das Geld argumentativ einzugehen. Vielmehr den Fokus auf die damit verbundenen GefĂŒhle hinter dem Geldwunsch der Betroffenen zu legen.
    AbhÀngig vom Stadium / Krankheitsfortschritt eher etwa
    "Du hast noch alles."
    "Du kannst Dir leisten, was Du brauchst."
    "Es wird fĂŒr alles gesorgt."
    "Es wird darauf geachtet, dass Dir alles zur VerfĂŒgung steht was Du benötigst."
    u.a. .
    In relativ frĂŒhen Stadien wird das hĂ€ufig eher nicht funktionieren. Jedoch rate ich dazu, sich möglichst zĂŒgig von der reinen Argumentationsebene wegzubegeben, sich zu rechtfertigen etc. . Die enorme Belastung die dadurch entsteht, haben Sie ja bereits geschildert.
    Dennoch, vielleicht unterstĂŒtzt Sie zumindest die Sichtweise etwas beim Aushalten. Menschen verlieren FĂ€higkeiten im Rahmen der Demenz - und kĂ€mpfen gegen diese Verluste an - manchmal mĂŒndet das in ungerechten VorwĂŒrfen an die falschen Adressaten.

    Es grĂŒĂŸt Sie

    Jochen Gust

  • Danke fĂŒr die Perspektiven!

    Ich merke wie ich beim lesen in diesem Forum ruhiger werde. Manchmal lese ich und muss auch einfach nur lachen, weil die Beschreibungen der Situationen, mir so bekannt vorkommen, ich genau weiß wie sich die Angehörigen fĂŒhlen😌es ist oftmals einfach nur absurd!

    Danke fĂŒr die Offenheit den Austausch!

  • Manchmal lese ich und muss auch einfach nur lachen, weil die Beschreibungen der Situationen, mir so bekannt vorkommen, ich genau weiß wie sich die Angehörigen fĂŒhlen😌es ist oftmals einfach nur absurd!

    Das ist ein wesentlicher Grund, warum der Austausch hier so hilfreich ist: viele fĂŒhlen sich zuerst mit ihrer Situation völlig allein und dann dĂŒrfen sie hier erleben: ach, dass kennen ja viele andere auch und aus dem ursprĂŒnglichen Alleinsein wird eine Gemeinschaft, ein mitfĂŒhlendes Wir.

    Fast alle, die sich hier anschließen, wissen das zu schĂ€tzen.

  • Hallo MiCal,


    ehrlich gesagt musste ich ohne deinen Beitrag in diesem Moment schon gelesen habe, schmunzeln.


    Mit dem Thema Geld bin ich ĂŒber meinen Opa bestens vertraut. Anfangs ließ ich mich auch immer wieder gern provozieren, habe aber dann bald gemerkt, dass das keinem von uns gut tut und es im Hinblick auf die vielen Finanzdienstleistungen die ich fĂŒr ihn erbringe eigentlich eh nur noch ein "Falsch" gibt:


    - Habe ich Rechnungen aus der Apotheke, vom Gartencenter, Supermarkt etc. vorgelegt, dann waren diese eben ein Beweis fĂŒr meine Verschwendungssucht. Dass idR alles abgesprochen war, zĂ€hlte nicht

    - Tat ich es nicht, dann war da fĂŒr ihn "etwas im Busch"

    - Mal ganz allgemein, mal aufgrund fehlender Bons wurden dann KontoauszĂŒge gefordert. Als Alternative wurden dann diese AuszĂŒge kritisch geprĂŒft und als vermeintlicher Beweis bewertet


    -> Eines Tages kam ich (mal wieder) seinem Wunsch nach, ihm einen Lottoschein mitzubringen. Du kannst dir nicht (oder vielleicht doch ein wenig) vorstellen, welche Wellen die Abbuchung einer ihm unbekannten Firma, die zudem noch so gar keinen Hinweis auf das LottogeschÀft in ihrem Firmennamen trÀgt, schlÀgt...


    Ich könnte noch lange so weitermachen. Dein Vorgehen, weitestgehend auf Abbuchungen zu setzen, ist mMn ziemlich sinnvoll. Ansonsten kann ich dir nur den diffusen Rat geben, dich möglichst nicht provozieren zu lassen. Mir fiel das oft sehr schwer, besonders, weil er auch nicht zimperlich war, wenn es darum ging meine BetrĂŒgereien in die Welt hinaus zu posaunen.


    Zwischenzeitlich habe ich auch immer mal selbst protokolliert, denn manchmal verliert man dann eben den Überblick. Wurde dann wieder gestĂ€nkert, dann half mir ein kurzer Blick auf meine Liste und damit war dann das Thema fĂŒr mich erledigt. Gerade weil er mich ja auch öffentlich beschuldigte, war das gut fĂŒr mich selbst: Ich hatte mir nichts vorzuwerfen und wusste was ich wann in seinem Namen (und damals dem meiner Oma) angeschafft habe.


    Ansonsten schließe ich mich den Vorpostern an: Der Austausch hier ist super :)


    LG

  • Hallo MicAL -


    viele Demente "verstecken" das Geld. Das muss nicht einmal absichtlich sein. Ich habe bei meiner Mutter erlebt. Sie sagte immer, sie hat kein Bargeld mehr und ich muss kommen und welches von der Bank hole. Ich habe spĂ€ter hohe Summen gefunden, die sie versteckt hatte: auf SchrĂ€nken, in HandtĂŒcher eingewickelt, unter'm Teppich, im Nachttisch usw. Ich habe Geldscheine an den seltsamsten Orten gefunden. Wenn Deine Mutter mal nicht da sein sollte, könntest Du mal nachschauen, wo Du Geld findest. Es hört sich ja tatsĂ€chlich nicht so an, als ob sie alles ausgibt.

  • Danke! Ja ich werde deinen Hinweis gerne aufgreifen! Leider unterstellt sie sowieso das wenn sie nicht da ist jemand in ihrem Zimmer ist đŸ«€erst war es irgendjemand dann ich😟

  • Das ist leider auch typisch, ich denke alles durch das GefĂŒhl von Kontrollverlust. Meine Mutter hat stĂ€ndig das GefĂŒhl, sie wird bestohlen, egal ob Kleidung (die dann in WĂ€scherei ist) oder sogar Äpfel o.Ă€. statt dagegen zu reden, sage ich mittlerweile, dass ich mich kĂŒmmere oder beschwere o.Ă€., also umso, als nehme ich es ernst. Dann kann sie sich beruhigen. Dagegen reden macht es nur schlimmer.

    Wenn du es gewesen sein sollst, ist es natĂŒrlich bitter..

    • Offizieller Beitrag

    Hallo MicAl, wie schon Jochen Gust und Rose60 schrieben, es geht jetzt darum, diese Phase so gut es geht auszuhalten und nicht durch Rechtfertigung, Diskussionen oder wĂŒtenderer EnttĂ€uschung zu verlĂ€ngern. Das ist das Einfache, was schwer zu machen ist.


    Manchmal kommen vielleicht Ihre GefĂŒhle von Traurigkeit und KrĂ€nkung an, manchmal auch die Liebe hinter der Verletzung.

    Was zĂ€hlt, ist die kontinuierliche Botschaft: "Du weißt dass ich es gut mit Dir meine und deshalb bin ich sicher, dass Dein Vertrauen irgendwann wieder da sein wird"


    In diesem Sinne wĂŒnsche ich Ihnen Geduld, Humor, einen Moment Achtsamkeit, bevor Sie antworten und Gelassenheit, weil Sie wissen, es ist nur eine wichtige Phase im Trauerprozess der Demenz - dem schmerzhaften Abschied der eigenen Kontrolle.

    Ihr Martin Hamborg

  • Vielen Dank!

    Ich werde weiter an mir arbeiten. Der Lernprozess ist leider schmerzhaft. Welch ein langer Abschied mit unvorstellbaren VerÀnderungen.

  • Guten Abend,


    meine Mutter ist auch so ein "Geldmensch". Schon als sie noch in ihrer Wohnung lebte, ohne jegliche Kontakte oder Möglichkeiten, Geld auszugeben, musste es immer reichlich Bargeld zu Hause sein. Sie hatte so kleine durchsichtige MĂ€ppchen fĂŒr jede GeldscheingrĂ¶ĂŸe von 100 - 5 Euro und da musste auch immer genug drin sein.


    Im Heim hatte sie zunÀchst ihre Handtasche und darin ihre Geldbörse dabei.

    Sie ließ die Tasche aber immer unbeobachtet irgendwo liegen und darum sprach man mich im Heim an, dass sie eigentlich kein Bargeld haben sollte, sondern das Geld auf ihrem Heimkonto. Da könnte sie alles mit bezahlen, was im Heim so anfĂ€llt. Da hatte sie natĂŒrlich von Anfang an genug Geld drauf, aber das verstand sie nicht, sie wollte BARES.....


    Naja Ende vom Lied war, dass einmal ihre Geldbörse plötzlich verschwunden war mit ca. 70 Euro drin. Wer die nun genommen hat, oder ob sie sie irgendwo versteckt hat, keine Ahnung. Aber seit diesem Tag hat sie kein Bargeld mehr und in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden schimpft sie immer mal, dass sie kein Geld hat und ich ihr das Geld unterschlage.

    Dann erklÀre ich ihr wieder, wie das mit dem Heimkonto funktioniert und dann gehts wieder 1-2 Wochen gut und dann gehts von vorne los :)


    VG

  • Ja, so geht uns wohl allen hier. Erst denkt man doch, nur man selbst kriegt es nicht hin, man reagiert falsch, fĂŒhlt sich fĂŒr alles mögliche verantwortlich - und dann ist man erleichtert , dass es wohl viele typische demenzbedingte Anzeichen und Verhaltensweisen gibt, die sich unserer Kontrolle und Verantwortung entziehen.

    Gut ist, wenn man regelmĂ€ĂŸig etwas zur eigenen Entspannung tut, Video fĂŒr Meditation oder autogenes Training o.Ă€.

    Das kann auch helfen sich abzugrenzen und bei sich zu bleiben, nicht alles so zu Herzen gehen lassen - im wahrsten Sinne des Wortes.. mittlerweile kriege ich meinen Blutdruck auch nicht von allein unter Kontrolle ;)

  • Im Augenblick haben wir eine Entspannung!

    Wenn meine Mutter direkt mit mir spricht

    (meine Stimme hört) ist es besser! Noch einfacher war der Besuch
sehen und hören ergab fast ein vertrautes GefĂŒhl wie frĂŒher. Ich bin jedoch angespannt weil ich nicht einschĂ€tzen kann wann es umschlĂ€gt 😞

    Die Vermeidung von „ das haben wir doch besprochen“ 
zu akzeptieren das sie es Vermutlich eh vergessen hat hilft mir!

    Ich unterbreche immer wieder WhatsApp und Telefon! Sie merkt es nicht und mir hilft es!

    Ich lerne langsam die Situation anzunehmen!

    Ich bekomme allerdings auch zunehmend Rechnungen von der Einrichtung! WĂ€sche waschen mit Auflage weil Kot usw. (Erster Impuls
peinlich) Meine Mutter sagt sie macht alles selber! Sie hat alles im Griff!

    Ich bin erleichtert einiges abgegeben zu haben! Dieser Weg kostet zwar aber entlastet mich! Kann ich nur empfehlen!

    • Offizieller Beitrag

    Hallo MicAL, es freut mich zu lesen, dass die entspannten Momente mit Ihrer Mutter hÀufiger werden. Sie können es nicht verhindern, dass die Stimmung mal umschlÀgt, aber je mehr Sie Diskussionen vermeiden und Themen umlenken, um so besser und lÀnger werden die guten Phasen, ganz nach dem Motto


    Das Wichtigste ist, dass wir uns noch haben, da sollten wir doch nicht streiten - oder besser - da sollten wir uns immer schnell wieder versöhnen

    Viel Erfolg, Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo KO72, es ist ein gutes Zeichen, dass eine ErklĂ€rung der Situation immerhin 1-2 Wochen anhĂ€lt. Im Laufe der Zeit wird Ihnen dies immer weniger Kraft kosten, weil Sie Ihre Vorgehen optimieren können und nicht immer neue Argumente suchen mĂŒssen.

    Die nachvollziehbare Deutung "Das schöne Portemonnaie ist leider weg, wenn es gefunden wird, bekommst Du es wieder..." kann etwas trösten und das Vertrauen stÀrken.

    Ihr Martin Hamborg

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