morgen Begutachtung meiner u.a. dementen Mutter bzgl. der Pflegestufe

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  • Liebes Forum,

    ich bin neu hier und würde mich über die Beantwortung meiner Fragen sehr freuen.

    Meine Mutter, welche 1 Fahrstunde von mir entfernt wohnt, erhält morgen aufgrund meines Widerspruches zum letzten Begutachtungsergebnis eine weitere Begutachtung.

    Es soll über den Pflegegrad entschieden werden.


    An aktuellen Erkrankungen steht der Blasenkrebs und die 95%iger Sehbehinderung an erster Stelle.

    Mir selbst ist schon seit langer Zeit aufgefallen, dass meine Mutter mir oft eine schon beantwortete Frage immer wieder stellt und auch sonst extrem viel vergisst.

    Sie versteht auch im normalen Leben nur sehr schwer Zusammenhänge oder Abläufe oder die Sachen, die ich ihr berichte. Eigentlich lebt sie schon seit Jahren in ihrer Scheinwelt.

    Auf das Thema Demenz angesprochen, reagiert sie bockig und ablehnend.


    Deswegen hatte ich bis heute noch keine Möglichkeit, dies ärztlich korrekt und nachweisbar diagnostizieren zu lassen. (sie lehnt dementsprechende Arztbesuche kategorisch ab).


    Jetzt steht aber schon morgen der so wichtige Gutachtenstermin an und ich möchte mich darauf irgendwie vorbereiten und bräuchte Tips, welche Fangfragen gestellt werden oder wie man sonst versucht, nicht auf den Pflegegrad 3 zu kommen.


    Leider habe ich von meiner Mutter keinerlei Unterstützung, da sie wie erwähnt in ihrer Scheinwelt lebt und gar nicht kapiert was die Begutachtung soll und welche Konsequenzen eine zu niedrige Pflegestufe überhaupt mit sich bringen.


    Für mich ist dies alles eine extreme Beanspruchung, da ich seit einem schweren Unfall von 2017 schwerbehindert bin und es mich körperlich und psychisch oft an die Grenze bringt.


    Falls jemand von Euch Mitlesenden Erfahrungen mit Begutachtungen schon machen konnte, so würde ich mich über Tips sehr freuen.


    Danke schon mal im voraus und viele Grüße

  • Hallo,

    Von den Beauftragten des Medizinischen Dienstes werden keine Fangfragen gestellt, sondern abgeklopft, was deine Mutter in ihrem Alltag noch selber bewältigen kann und was nicht. Ein Blasenkrebs spielt für den Pflegegrad so gut wie keine Rolle. Da deine Mutter noch allein im eigenen Haushalt lebt, wird die Pflegebedürftigkeit in der Regel niedrig angesetzt werden.
    Eine Demenz ist für Laien ohne speziellen Test nur schwer feststellbar. Ohne ärztliches Attest wird ihre Demenz vielleicht nicht berücksichtigt. Ich befürchte, PG 3 ist so schwer zu erreichen. Sobald aber die Demenz bei deiner Mutter ärztlich festgestellt wird, kannst du eine sofortige Erhöhung des aktuellen Pflegegrades beantragen. Das geht auch schriftlich ohne Hausbesuch.

    3 Mal editiert, zuletzt von Buchenberg ()

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Bistnarrisch,


    entscheidend für die Einstufung ist der Grad der Hilfebedürftigkeit. Pauschal kann man daher auch nicht sagen, dass die bzw. eine reine Diagnose einen bestimmten Pflegegrad ergibt - es geht immer um die Folgen / Wirkung auf den Alltag und die Selbständigkeit des/der potentiell Pflegebedürftigen.
    Ich glaube, dass Sie sich wegen irgendwelcher "Fangfragen" keine Sorgen machen müssen. Hier finden Sie die verschiedenen Module und deren Gewichtung im Rahmen der Begutachtung ganz gut dargestellt.

    Ist eine rechtliche Betreuung eingerichtet bzw. liegen Vollmachten vor?


    Im Rahmen von kognitiven Einschränkungen / bei Demenz ist es auch für die Gutachter*innen nicht ungewöhnlich, dass die Betroffenen nicht "mitspielen". Es kann daher sehr hilfreich sein, wenn Sie eine Art Pflegetagebuch / Notizen parat haben oder sogar mitgeben können, in denen klar wird wie viel Unterstützung im Alltag benötigt wird. Im Forum gesetzliche Leistungen des Wegweisers können Ihnen die Expertinennen ggfs. detaillierte Tipps zur Begutachtung geben.

    Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft hat auch ein hilfreiches Infoblatt zur Vorbereitung auf die Begutachtungssituation online gestellt.

    Viel Erfolg und willkommen im Forum.

    Jochen Gust


  • Mein Tipp für die Begutachtung ist: Sich als Angehöriger rasch verabschieden, wenn die eigene Anwesenheit nicht mehr erforderlich ist. Bei uns war es so, dass die Gutachterin ca. eine dreiviertel Stunde mit mir und meiner Mutter gesprochen hat. Danach habe ich mich verabschiedet und die Gutachterin war dann noch ca. eine Stunde mit meiner Mutter allein. Wir haben daraufhin Pflegegrad zwei bekommen.

    Allerdings war das die zweite Begutachtung, nachdem die erste Gutachterin PG 2 verneint hatte und ich schriftlich Widerspruch erhoben hatte.

    Den Tipp, die Gutachterin einfach mit meiner Ma allein zu lassen, bekam ich übrigens von der Leiterin unserer Tagespflegeeinrichtung.

  • Liebes Forum,


    das Gutachten ist nun vorbei und ich habe geschafft, dass meine Mutter die Pflegestufe 3 erhält.

    Es kam ja neben dem Blasenkrebs noch Inkontinenz, Demenz und eine Sehschwäche von fast 90% dazu.

    Ich ging von einem persönlichen Gutachten aus, aber es wurde dann spontan nur ein telefonisches Gutachten erstellt. Dies war im Nachhinein unser Glück. Leider war es jedoch um 180 Grad anders als molli empfohlen hatte. Meine Mutter mit dieser mir noch nicht begreifbaren Art der Demenz (oder was es sonst ist??), quasselt bei anderen Leuten in ihrer Wohnung bzw. bei irgendwelchen menschlichen Kontakten leider zu fast 100% kompletten Mist und kann dies nicht kontrollieren. Sie ist dann immer so extrem aufgedreht und in einer Blase, dass sie rationell nicht kapiert, was sie eigentlich erzählt. Leute, die sie kennen,können sofort erkennen, dass daran nicht viel stimmt. Andere, wie z.B. die Gutachterin hätte ihr Gelaber für bare Münze genommen und so wäre eigentlich wieder alles verbockt worden. Sie quasselte, dass sie gerne mit Freundinnen Urlaub im Ausland mache, dass sie auch noch von der Tochter gepflegt werde und es ihr ja super ginge. Also 180 Grad anders als in der Realität.

    Es war sehr schwer, der Gutachterin klar zu machen, dass Muttern in ihrer Blase lebt und rationell nicht mehr weiss, was sie redet.


    Als rechtlicher Betreuer bin ich als Sohn eingetragen und habe dementsprechend auch dem vorigen Gutachtensergebnis widersprochen. Klar, dass dies auch falsch gestellt wurde, weil meine Mutter ihr seltsames Mundwerk nicht unter Kontrolle hatte. All die Pflegegrade haben sich um Jahre verschoben, da sie genau das falsche als die Realität erzählt hatte. Dies bedeutete dann für mich als Hauptpfleger die volle Arbeit und keine finanzielle Unterstützung.


    Ob es eine Art der Demenz oder eine Persönlichkeitsstörung ist, kann ich nicht genau sagen. Aber da stimmt schon seit Jahrzehnten was nicht mit ihr.


    Keine Ahnung an wen ich mich da wenden kann bzw. wo ich da gezielte Infos herbekomme?


    Nochmals danke für die Tips und die eingestellten links


    V.G. vom Bistnarrisch?

  • Meine Mutter, welche 1 Fahrstunde von mir entfernt wohnt, erhält morgen aufgrund meines Widerspruches zum letzten Begutachtungsergebnis eine weitere Begutachtung.

    Meinen Glückwunsch, dass du dein Ziel erreicht hast!
    Ich frage mich aber, wie die Pflege deiner Mutter konkret aussieht, wenn du eine Fahrstunde von ihr entfernt wohnst?


    Kommt ein Pflegedienst, und mit welchen Leistungen?

    Viele Grüße
    Buchenberg

  • Hallo Buchenberg,


    es kommt 2 mal die Woche ein sog. Pflegedienst für max. 2 Stunden.

    Ob da wirklich viel passiert, bezweifel ich. Wenn ich einen Tag nach dem Besuch des Pflegedienstes vorbeischaue, dann kann ich nicht grob erkennen, das etwas getan wurde. Weiterhin sind verschimmelte Lebensmittel im Kühlschrank, die meine Mutter stets zu sich nimmt. Sie sieht ja kaum um was es sich handelt und schmeckt es wohl auch kaum.

    Eine der Pflegerinnen macht sich wenn sie ankommt erst mal bei meiner Mutter ein Frühstück (natürlich ungefragt) und weil meine Mutter kaum was sieht, kann man nur so tun, als würde man arbeiten. Es wird eher nur ein Gequatsche sein.


    mit der 2. Pflegerin kann meine Mutter ganz gut (fast zu gut) und sie vergisst total, dass es eine Dienstleisterin ist, die diese Dienste auch leisten sollte. Da wird dann eher nur gequatscht und falsche und erlogene Geschichten über die tolle Familie erzählt.

    Ich konnte mit dieser Pflegerin aber beim Müllwegbringen 20 Min. Tacheles reden und sie darauf hinweisen, dass meine Mutter seit Jahrzehnten in einer Scheinwelt lebt, also vehement alles Unangenehme verweigert, alles wo man sich anstrengen muss, verweigert und den ganzen Tag sich mit Unterschichten TV von der Glotze zudröhnt (und so ihr Weltbild aufbaut).


    Sie wird vom Pflegedienst 1 mal pro Woche gewaschen und dies wird mit 40 Euro berechnet (so weit ich es verstanden habe). 1-2 mal die Woche wird ihr die Wäsche gewaschen.

    Dies müsste aber täglich geschehen, da sie sich ständig einnässt etc. und dies nicht bemerkt. Die Wohnung stinkt erbärmlich. Sie bemerkt dies jedoch nicht und will immer ihre Freudinnen einladen, die aus guten Gründen aber kaum noch kommen.

    Ich habe mich seit >20 Jahren stets fremdgeschämt, wie bei ihr Klo, Bad und Küche ausgesehen haben und in welchem Zustand der Wohnung sie Gäste empfangen hat. Aber sie hat es einfach nicht erkannt oder in der Schizophrenie nicht erkennen wollen.


    Ich putze den Pflegerinnen eigentlich nur hinterher und mache die Erledigungen wie Essen besorgen, sie zu Arztterminen begleiten, Wäsche waschen, Bürokratie, etc. und ihr Diabetes überprüfen. (was extrem schwer ist, da sie von dem Süsszeug-Essen nicht loskommt).


    V.G. vom Bistnarrisch?


    Ach ja: der Pflegedienst berechnet u.a. auch Zubereitung von Essen etc. was jedoch noch nie passiert ist. Man kann kaum Druck ausüben, denn Pflegekräfte werden überall dringendst gesucht und können diese Pole-Position auch gut ausnutzen.

  • Bei uns kommt der Pflegedienst zweimal täglich. Wenn er für deine Mutter nur zweimal die Woche kommt, ist es zwangsläufig, dass sie verwahrlost.

    Schade, dass der Medizinische Dienst nicht persönlich bei deiner Mutter vorbeigeschaut hat!

  • Hat Deine Mutter auch Pflegestufe 3 oder eine höhere, so dass sie 2 mal täglich Besuch bekommt?


    Jetzt gerade ist eine Pflegerin bei ihr und die Chefin der Pflegeeinrichtung. Ich bin nicht dabei, weil ich es nicht aushalte, wie meine Mutter dann immer öffentlich extrem peinlich aufdreht...

  • Abgesehen von den drei Mahlzeiten am Tag, ist morgens und abends gewaschen werden und täglich frische (Unter)Kleidung zu bekommen, keine Frage der Pflegestufe, sondern eine Frage der Menschlichkeit.

  • Ja, das ist mir schon klar.


    Aber ist dies bei Pflegestufe 3 überhaupt gegeben?


    Kann dies alles auf die Angehörigen abgewälzt werden, die dann deswegen ihren Job aufgeben müssen?

  • Aber ist dies bei Pflegestufe 3 überhaupt gegeben?

    Hallo,

    Bei Pflegegrad 3 zahlt die Pflegekasse 545 Euro für nötige Pflegemaßnahmen. Die Pflegekasse geht (bei Pflegegrad 3) davon aus, dass damit ein täglicher Hilfsbedarf von 5 Stunden abgedeckt ist. Bei deiner Mutter sieht es gegenwärtig nicht so aus, als würde sie 5 Stunden Pflegemaßnahmen pro Tag bekommen.


    Sobald ein professioneller Pflegedienst die Pflegemaßnahmen übernimmt, zahlt die Pflegekasse bei PG 3 bis zu 1.363 Euro direkt an den beauftragten Pflegedienst. Dazu kommen noch 125 Euro im Monat für Wohnungsreinigung, die nur an den Pflegedienst bezahlt werden. Das deckt selten die gesamten Pflegekosten.


    Wir zahlen für Pflegemaßnahmen (für zwei Pflegebedürftige) fast 1000 Euro im Monat zusätzlich zu dem gesetzlichen Pflegegeld. Das Pflegegeld ist kein "Zuverdienst", sondern deckt in der Regel nur einen Teil der Pflegekosten.

    Gruß Buchenberg

  • Hallo schwarzerkater,


    vielen Dank für Deine infos.


    Ich kann im Moment nur Putztätigkeiten, Besorgungen, Bürokratie und solche Sachen erledigen.

    Mehr wird schwierig, da ich selbst eine Schwerbehinderung (an beiden Händen und an der Schulter als auch eine noch unbehandelte schwere PTBS habe).


    Wegen letztem Punkt ist es für mich kaum auszuhalten, wenn meine Mutter wieder "schwierig" wird, da ich da sehr dünnhäutig geworden bin.


    Wir haben seit langer Zeit eine sehr ungewöhnliche und schwierige Familienkonstellation.


    Habe noch eine Schwester und einen Bruder mit denen ich aber seit ca. 35 Jahren keinen Kontakt mehr habe.


    Bruder hat Kontakt mit Mutter auch schon länger aufgegeben, da er ihre schwierige Art nicht mehr ertragen konnte.


    Schwester war vor mir als Betreuerin eingetragen. Hat aber nur Geld abgegriffen und Mutter verwahrlosen lassen und ihre Wohnung von Wertsachen befreit (wollte die Situation nur ausnutzen, um an Wertgegenstände ranzukommen, während Mutter im Krankenhaus und anschließender Reha war).


    Also wurde ihr die Betreuungsverfügung gestrichen und ich wurde zwangsweise eingeteilt. Jetzt hängt alles an mir und mein Leben ist nicht mehr frei.


    Kann es rechtlich so sein, dass wenn 3 Kinder existieren, sich 2 von der Pflege komplett drücken können und alles nur an 1 Kind hängt, dieser zudem wegen Schwerbehinderung wirtschaftlich auch noch am Existenzminimum herumkrebst, während Schwester vermögend ist und nur an Urlaube und Freizeitaktivitäten denkt?


    Habe gerade den Pflegestufenrechner durchgeführt und komme auf Pflegestufe 3-4 bei sehr positiven Angaben, also im "Best Case". Wenn Mutter aber wieder im Nebel ist, dann ist die Pflegestufe deutlich zu gering.


    Sie weigert sich jedoch vehement den Demenz-Test im Klinikum durchführen zu lassen, hatte mich aber ca. 15 Mal an verschiedenen Tagen angerufen und mir zum Geburtstag gratuliert (den ich nicht hatte und auch 40 Jahre nie gefeiert hatte).

  • Hallo Buchenberg,


    vielen Dank für die wichtigen infos.


    Von 5 Std. täglich sind wir ja weit entfernt. Es sind 4 Stunden in der Woche von Seiten des Pflegedienstes und diese dann auch nicht unbedingt sehr effektiv mit Arbeit versehen, sondern eher mit Gequatsche.


    Von einem Pflegegeld habe ich bisher keinen Euro erhalten. Im Gegenteil, da ich ja pro Tag ca. 12 Euro Fahrtkosten habe und die Arbeit ja nicht entlohnt wird.


    Jetzt wurde wegen meinem Widerspruch und der Einteilung in die Pflegestufe 3 diese rückwirkend zugeteilt. Also ab Datum des Widerspruches. Somit müsste die Differenz von Pflegestufe 2 zu 3 für knapp 1 Jahr nachvergolten werden.


    Läuft dies automatisch ab oder wird dies dann auch wieder ein Kampf um die Erstattung?


    V.G. vom Bistnarrisch?

  • Hallo schwarzerkater,


    vielen Dank für die infos. Die sind echt wichtig.


    Die Schriebe der Pflegekasse hatte mir meine Mutter stets vorenthalten bzw. wohl früher die Schwester, die sich ja alles unter die Nägel reissen wollte. Kann auch sein, dass diese sich für die Scheinarbeit dann auch von Muttern bezahlen liess.


    Soweit ich mitbekommen habe, ist diese extremst ausgerastet als sie erfuhren hatte, dass ich jetzt für die Pflege verantwortlich bin und die Betreuungsvollmacht habe. Darüber hinaus hat sie dann auch den Hausstürschlüssel von meiner Mutter einbehalten, so dass ich einen nachmachen lassen musste.


    Somit besteht immer wieder die Möglichkeit, dass sie wieder die Wohnung durchwühlt und mitnimmt was sie gebrauchen kann. Meine Mutter hat aber soviel Angst vor ihr, dass sie sich nicht wagt, für klare Verhältnisse zu sorgen und auch nicht für ein neues Schloss an der Haustüre sorgen möchte.


    Heute waren ja mehrere Damen bei ihr in der Wohnung und es wurde so einiges protokolliert. Was genau konnte mir meine Mutter natürlich nicht sagen. Für sie war alles wieder nur eine Party und die Frauen waren ja soooo nett.


    Sie will einfach nicht verstehen, dass es da nur um Geschäft geht und nicht damit es ihr gut geht. Deswegen hat auch die Pflegecheffin darauf gedrängt, dass ich meine Pflegeleistung aufgebe bzw. dem Pflegedienst abtrete und wollte dies sofort bestätigt haben.

    Ich wollte noch Bedenkzeit haben und fand später heraus, dass ich fast einen Persil-Schein ausgestellt hätte, dass die Ersparnisse meiner Mutter dann zusätzlich für das Pflegegeld aufgebraucht werden.


    Die Stundensätze, die für so eine Pflege berechnet werden, hätte ich damals in meiner Selbständigkeit nie berechnen können. Davon zieht sich natürlich das Unternehmen den größten Teil raus und die Pflegekräfte bekommen den Rest.

  • Von einem Pflegegeld habe ich bisher keinen Euro erhalten. Im Gegenteil, da ich ja pro Tag ca. 12 Euro Fahrtkosten habe und die Arbeit ja nicht entlohnt wird.


    Jetzt wurde wegen meinem Widerspruch und der Einteilung in die Pflegestufe 3 diese rückwirkend zugeteilt. Also ab Datum des Widerspruches. Somit müsste die Differenz von Pflegestufe 2 zu 3 für knapp 1 Jahr nachvergolten werden.


    Läuft dies automatisch ab oder wird dies dann auch wieder ein Kampf um die Erstattung?

    Das Pflegegeld ist für Pflegemaßnahmen bei deiner Mutter und geht deshalb auch auf ihr Konto, nicht auf dein Konto. Die Rückerstattung auf ihr Konto geht aber automatisch, sobald du das neue Gutachten mit PG 3 an die Pflegekasse geschickt hast. (Behalte aber eine Kopie davon!) In diesem Gutachten steht ein Datum, ab wann es rückwirkend gilt und entsprechend gezahlt wird. Das sollte das Datum für Eingang deines Widerspruchs sein.


    Wie gesagt, das Pflegegeld deckt immer nur einen Teil der notwendigen Pflege ab. Es wird erwartet, dass deine Mutter zunächst aus ihrer Rente und dann aus ihren Rücklagen dazuzahlt. Nur im Ausnahmefall werden Zuzahlungen von (reichen) Angehörigen erwartet.

    In deinem Fall würde ich überlegen, deine Pflegevollmacht an einen gerichtlichen Vertreter abzugeben. Dann kümmern sich andere um deine Mutter, und du bist den Ärger mit ihr und mit deinen Geschwistern los.


    Gruß!
    Buchenberg

  • Hallo Buchenberg,


    die Pflegekasse hat das neue Gutachten sofort übermittelt bekommen.


    Bei gerichtlichen Vertretern bin ich aufgrund der Horrornachrichten noch vorsichtig.


    Das Betreuungsgesetz wurde zwar endlich verbessert, so dass diese Gutachter nicht mehr nach Lust und Laune das Vermögen der Betreuten an sich reissen können. Trotzdem bin ich da noch vorsichtig.


    Überall geht´s nur ums Geld. Moral und Ethik kommen ganz zum Schluss.


    Aber langfristig brauch ich eine Lösung, denn wenn ich meinen Therapieplatz bekomme, dann bin ich schnell 12 Wochen oder mehr mal nicht da. Dann würde dies alles kollabieren.....

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Bistnarrisch? Dank Ihnen, Buchenberg, für die kompetenten Antworten! Zu den hilfreichen Informationen möchte ich nur folgendes kurz ergänzen:


    1. Konkrete Fragen der Finanzierung können Sie gern in unserem zweiten Forum zu den gesetzlichen Leistungen stellen. Die Kolleginnen schauen sich bestimmt Ihren Beitrag hier an, sodass Sie nicht alles neu schreiben müssen.


    2. Der Pflegedienst macht für seine Leistungen einen Kostenvoranschlag für Sie als rechtlichen Betreuer. Es steht Ihnen frei, was Sie dann vertraglich vereinbaren. Es stehen ja nun höhere Mittel für die Sachkosten zu Verfügung. Buchenberg hat ja schon darauf hingewiesen, dass eine private Zuzahlung üblich ist, denn die Pflegeversicherung ist nur ein Teilkaskoversicherung.


    3. Gerade bei Menschen wie Ihre Mutter sind ambulante Leistungen oft nicht zufriedenstellend durchzuführen und es dauert länger, bis so viel Vertrauen oder Autorität da ist, dass es gelingt. Das "richtige" Vorgehen sollten sie auch mit dem Pflegedienst besprechen, Sie kennen ja Ihre Mutter am besten.


    4. Bei der Entscheidung, wieviel Hilfe notwendig ist, spielt die Selbstbestimmung und die Bedürfnisse einer große Rolle. Gerade bei Menschen, die schon lange und bei vollem Bewusstsein am Rande der Verwahrung gelebt haben, ist ein behutsames Vorgehen wichtig.


    5. Sie sprechen an einer Stelle von einer Schizophrenie Ihrer Mutter, ist diese diagnostiziert? In diesem Fall gelten bei einer zusätzlichen Demenz andere Regeln und der Pflegedienst sollte dies in seiner Planung berücksichtigen.


    Der entscheidende Punkt ist Ihre persönliche Situation. Sie brauchen auch persönlich Entlastung und Abstand und ich wünsche Ihnen sehr, dass die Kur genehmigt wird. Genau dafür sollte das Vertrauen in den Pflegedienst wachsen. Die Stundensätze für die Pflegedienste sind in der Regel scharf kalkuliert und es gehen viele Posten zusätzlich ein. Weil die Inflation kaum berücksichtigt wird, müssen wir sogar davon ausgehen, dass ambulante Dienste in die Insolvenz gehen und das Problem für die pflegenden Angehörigen stärker einspringen müssen. Bitte beachten Sie das bei Ihren Verhandlungen.

    Sie können beim Betreuungsgericht auch anfragen, ob Ihnen ein zusätzlicher Betreuer zeitweise zur Seite gestellt wird, um die Probleme gemeinsam zu lösen.

    Ihnen viel Kraft und Vertrauen in das große Hilfesystem um einen Menschen mit Demenz. Ihr Martin Hamborg

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