Autofahrer mit Demenz

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  • Demenzkranke Autofahrer verursachen mindestens doppelt so viele Unfälle wie gleichaltrige Fahrer ohne Demenz. Gegenüber den Gesünderen zeigen sie eine langsamere Reaktionszeit, sie bemerken Verkehrshinweise (Schilder, Ampeln) nicht oder zu spät. Sie fahren zu dicht auf, nehmen anderen die Vorfahrt und blinken nicht. In einer 12-monatigen Langzeitstudie von Alzheimer-Patientinnen im Frühstadium zeigte sich, das die Erkrankten „deutlich anders“ fuhren als ihre Vergleichsgruppe: Auffällig war ein Hang zu ruckartigen Manövern. Mal beschleunigten sie ohne erkennbaren Grund, mal traten sie jählings auf die Bremse.“


    Mein Eindruck aus unsystematischer Zeitungslektüre ist: Wenn Demenzkranke einen Unfall verursachen, dann sind häufiger andere Verkehrsteilnehmer mit Körperschäden betroffen als beim Unfalldurchschnitt.

    Die EU plant Führerscheinnachprüfungen für Senioren. Eine Demenzerkrankung ist aber keine Altersfrage und sollte nach meiner Meinung wie Alkohol am Steuer angesehen werden - als individuelle Einschränkung der Fahrtüchtigkeit.

    Grüße von Buchenberg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Buchenberg,


    Demenzerkrankung sind altersassoziiert und von daher durchaus eine Altersfrage. Die Wahrscheinlichkeit an einer Demenz zu erkranken ist mit 20 einen andere als mit 80. Die Fahrtüchtigkeit zu überprüfen, wann und unter welchen Bedingungen das stattfinden soll, scheint mir eine bereits jahre(zehnte)lange Diskussion - und auch die Studienlage ändert sich nicht wesentlich dazu. Eine Demenz führt irgendwann zur Fahruntüchtigkeit. Nur ist eben die Frage, wie "filtert" man dies heraus. Eine regelmäßige Prüfung würde ich befürworten, schon aus dem Aspekt heraus, dass dies sehr schnell Normalität würde: ebenso wie das Auto zum Tüv muss, muss ich das halt (im Alter) auch. Ich glaube, das würde manchen Konflikt und Unfall ersparen.


    Grundsätzlich würde ich es persönlich begrüßen, wenn ab einem gewissen Alter einen regelmäßigen Gesundheitscheck für Führerscheininhaber gäbe - auch, aber gar nicht nur um Hinblick auf Demenzerkrankungen. Von mir aus noch nicht einmal am Alter festgemacht, sondern ganz prinzipiell in bestimmten Rhythmen. Aber checken sollte man das schon alle paar Jahre, finde ich.
    Im Rahmen von Demenzen wird es manchmal ganz schön schwierig, Betroffene vom Autofahren abzuhalten - auch hier im Wegweiser gibt es Infos dazu.

    Ihnen ein schönes Wochenende.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

  • Hallo Buchenberg,


    Eine Demenz führt irgendwann zur Fahruntüchtigkeit. Nur ist eben die Frage, wie "filtert" man dies heraus.

    Hallo Herr Gust,

    Dieses "man" ist dann eine Behörde mit gesetzliche Regelung. Darum geht es mir nicht.
    Ich denke, wer als Passant einen offensichtlich Betrunkenen in ein Auto einsteigen sieht, hat die Aufgabe, ihn möglichst vom Fahren abzuhalten, um Gefahr von ihm und von anderen Verkehrsteilnehmern abzuwenden.
    Wer als Angehöriger einen Demenzkranken in ein Auto einsteigen sieht, hat m.E. die Aufgabe, ihn möglichst vom Fahren abzuhalten, um Gefahr von ihm und von anderen Verkehrsteilnehmern abzuwenden.

    Mit freundlichen Grüßen!
    Buchenberg

  • Ich denke, wer als Passant einen offensichtlich Betrunkenen in ein Auto einsteigen sieht, hat die Aufgabe, ihn möglichst vom Fahren abzuhalten, um Gefahr von ihm und von anderen Verkehrsteilnehmern abzuwenden.
    Wer als Angehöriger einen Demenzkranken in ein Auto einsteigen sieht, hat m.E. die Aufgabe, ihn möglichst vom Fahren abzuhalten, um Gefahr von ihm und von anderen Verkehrsteilnehmern abzuwenden.

    Lieber Buchenberg,

    ja, "Autofahren und Demenz" ist ein wichtiges, aber auch sehr heikles Thema.

    In beiden Fällen (sowohl beim Betrunkenen, wie auch beim Dementen) muss man als Passant oder Angehöriger auf massive aggressive Attacken gefasst sein, wenn man versucht denjenigen/diejenige vom Autofahren abzuhalten. Inwieweit man als "Zivilperson" verpflichtet ist, das zu verhindern und sich ggf. selbst in Gefahr zu bringen, finde ich sehr schwer zu definieren. M.E.n. wäre eine staatliche Regelung hier zielführender. Ich denke Autofahrer sollten - so wie Piloten - von Anfang an und in (un)regelmäßigen Abständen auf ihre Fahrtüchtigkeit hin überprüft werden, denn auch Fahranfänger verursachen verhältnismäßig häufig Unfälle.

    Ein solcher Fahrtauglichkeits-TÜV würde sicherlich helfen Unfälle zu vermeiden, aber vermutlich ist die Einführung eines Fahrtauglichkeits-TÜV schon garnicht mehr von Nöten, oder er wäre nur eine Übergangslösung, denn in 10-20 Jahren wird wohl die KI am Steuer sitzen.


    Einen schönen Sonntag

    Silly

  • In beiden Fällen (sowohl beim Betrunkenen, wie auch beim Dementen) muss man als Passant oder Angehöriger auf massive aggressive Attacken gefasst sein, wenn man versucht denjenigen/diejenige vom Autofahren abzuhalten.

    Ich denke, wenn Familienmitglieder z.B. zu einem Betrunkenen oder zu einem Demenzkranken ins Auto steigen und sich mitnehmen lassen, machen sie das nicht aus Angst vor aggressiven Attacken, sondern aus Mangel an Problembewusstsein.

    Grüße zurück!
    Buchenberg

  • Hallo Buchenberg,

    sorry, ich hatte deine Aussage "vom Fahren abhalten" so interpretiert, dass man die Aufgabe hat, den Betrunkenen/Dementen aktiv (z.B. auf denjenigen einreden, sich vor die Fahrertür stellen, Schlüssel wegnehmen, etc.) daran zu hindern sich hinters Steuer zu setzen.


    Viele Grüße

    Silly

  • Hallo Silly,

    in dem Link, den Jochen Gust zu dem Thema gesetzt hat, steht unter anderem:

    "Auch Angehörige sollten eindringlich auf den Menschen mit Demenz einwirken, wenn dieser bei fortschreitender Erkrankung weiter Auto fährt. Rechtlich verpflichtet, das Autofahren zu verhindern, sind Angehörige jedoch nur dann, wenn sie die Aufsichtspflicht über die erkrankte Person haben (§ 832 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB))....

    Bei nachgewiesener Verletzung der Aufsichtspflicht, müssen sie für etwaige Schäden aufkommen, die die betreute Person beim Autofahren verursacht. ...

    Grundsätzlich steht auch bei Autofahrerinnen und Autofahrern mit Demenz die Kfz-Haftpflichtversicherung als gesetzliche Pflichtversicherung für Schäden gegenüber Dritten ein. Die Versicherung kann sich diese Schäden jedoch von dem Menschen mit Demenz ersetzen lassen – insbesondere dann, wenn der Unfall gerade wegen der Demenz passiert ist und ärztliche Anweisungen ignoriert wurden. " (Zitatenende)


    Als Angehörige/r kann/soll man durch das eigene Verhalten deutlich machen, wenn man einen Demenzkranken nicht mehr für fahrtauglich hält.
    Darüber hinaus wurden in diesem Forum auch "Tricks" diskutiert, mit denen man einen Demenzkranken vom Fahren abhalten kann, ohne dass man in eine direkte Konfrontation mit ihm einsteigt (z.B. Schlüssel verlegen, Auto fahruntüchtig machen durch Zündkabel ziehen etc.)
    Freundliche Grüße
    Buchenberg

  • Die gutgemeinten Ratschläge haben wir bei meinem Vater auch versucht, aber nachdem gerade Schlüssel verlegen seine Hauptaktivität war, die täglich den gesamten Haushalt in stundenlange Panik versetzte, hätte das "Autoschlüssel verstecken" nichts gebracht. Auch das Auto ausser Betrieb setzen hätte zu massiven Panikreaktionen geführt, tagelangem Terror mit ständigen Telefonaten mit ADAC und Autohaus. Ich habe das Thema Autofahren bei einer Neurologin angesprochen, und zwar in der Phase, wo uns Ärzte nicht helfen wollten, weil mein Vater so tat, als sei alles Bestens. Die wollte sich an dem Thema nicht die Hände verbrennen und hätte ihn lieber in eine Gruppe Fußgänger fahren lassen, als ihn bei irgendeinem Amt zu melden. Von den Ämtern ganz zu schweigen; 2022 haben wir innerhalb weniger Monate ZWEI Mal einen "gestohlenen" Führerschein ersetzen lassen, ohne, dass da irgendeine Nachfrage kam. Von der Polizei, die etliche Male wegen ausgelöster Alarmanlage da war und ihn extrem verwirrt erlebt hat, kam auch nie die Nachfrage, fahren Sie denn eigentlich noch Auto?


    Ich denke, schwieriges Thema, denn natürlich halte ich es für nicht fair, die Millionen von noch sicher fahrenden Älteren alle Paar Jahre zu belästigen. Und wenn man sich die Zahlen anschaut, weiss ich auch nicht, wie es organisatorisch gehen soll, wer testet jedes Jahr eine Million+ Fahrer? Und wie würden diese Tests überhaupt aussehen (es gibt ja auch nicht nur Demenz, die die Fahrtauglichkeit beeinträchtigt)?

  • die Millionen von noch sicher fahrenden Älteren alle Paar Jahre zu belästigen.

    Es kann funktionieren wie bei Berufskraftfahrern (LKW, Rettungsdienst usw.), die ohnehin alle fünf Jahre Untersuchungen und Nachprüfungen (weiß nicht, wie die genau heißen) absolvieren müssen, um ihre Fahrtauglichkeit nachzuweisen.

    Tatsächlich bin ich durchaus dafür, das am besten für alle einzuführen, denn auch in jüngeren Jahren kann sich die Fähigkeit durch Krankheit oder Unfall verändern und mir (bin 70) gibt es ein Stück Sicherheit, noch keine massive Verkehrsgefährdung zu sein.

    Und es würde natürlich auch ermöglichen, Fahruntüchtigkeit durch Demenz zu erkennen und von behördlicher Seite anzugehen, so dass die Angehörigen dadurch in gewisser Weise entlastet würden.

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