Mutter dement oder altersstarrsinnig?

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  • Liebe Community,

    Vorab: der Text könnte etwas länger werden. Meine Mutter, 81 lebt nach dem Tod meines Vaters vor 12 Jahren allein in ihrer Wohnung. Ich wohne im gleichen Ort, mein jüngerer Bruder ca. 500 km entfernt. Seit ca. 3 Jahren wird sie mir gegenüber zunehmend aggressiver und boshafter. Sie war 2x im KH wegen eines Handbruchs, das erste Mal hat sie einfach die Klinik verlassen. Danach war sie immer sehr verwirrt. Sie lässt keine Hilfe zu, ich habe ihr angeboten zu putzen, bzw. eine Putzfrau zu bezahlen, auch Essen möchte sie nicht geliefert bekommen (hätte ich auch bezahlt). Zum Arzt darf ich nicht

    mit, sie geht sie seit einem Jahr gar nicht mehr hin, seit er ihr Tabletten gegen Depressionen verschrieben hat. Die hat sie in den Müll geschmissen, sie wär ja nicht bekloppt. Ich rufe sie täglich an, ein richtiges Gespräch ist nicht möglich. „Es ist alles gut“. Meist erzähle ich von

    Meiner Arbeit oder ihren Urenkeln. Nun habe ich auf einer Familienfeier gehört, das sie überall erzählt, ich würde mich nicht um sie kümmern und das sie meinem Sohn gesagt hat, dass ich sie entsorgen wolle. Mein Bruder ist ganz gelassen und sagt, er geht mit ihr um wie mit einer Zweijährigen. Ich aber mache mir trotz ihrer Lügen und der Boshaftigkeit Sorgen, das sie allein nicht

    mehr gut klarkommt. Nun hat sie behauptet, sie hätte als Einzige keine Einladung zu meiner Hochzeit bekommen, das hätte sie über ihre Schwester erfahren. Darauf angesprochen, sagte sie nur, sie wäre alt und manchmal doof im Kopf. In ihre Wohnung lässt sie mich nur selten und ungern, mein Bruder darf aber rein. Ihren 81. Geburtstag haben wir bei mir gefeiert, ich habe alle eingeladen, als ich sie abholen wollte, hatte sie vergessen, das wir bei mir feiern und wollte mich wegschicken, weil mein Bruder ja käme. Ist das nun Demenz, oder ist sie einfach altersstarrsinnig und wie kann ich ihr helfen, bzw. auch mir, da mich die Situation sehr belastet. Danke für Eure Antworten.

  • Hallo Tochter60,

    Ich würde von Demenz ausgehen, aggressiv dir gegenüber und solche Geschichten erzählen, die sie wahrscheinlich selbst glaubt und so wahrnimmt, macht die Krankheit. Außer sie hätte früher schon alles zusammen gelogen.

    Meine Mutter (92) erzählt im Brustton der Überzeugung, dass sie ihre Mama besucht hat, ihre (verstorbenen) Brüder da waren etc.

    Für dich ist es schwierig, keine Frage.. zwingen zum Arzt kannst du sie nicht.

    Eine Zeit lang noch laufen lassen und warten bis eine Krankheit oder ein Sturz eine Wendung bringt, ist leider bei vielen hier der Weg (gewesen).

    Kannst du den Hausarzt kontaktieren, damit er einen Hausbesuch macht und vllt die Situation vor Ort beurteilen kann?

    Liebe Grüße und herzlich willkommen im Club;)

  • Hallo Tochter60,

    ich sehe das wie Rose60 – es handelt sich bei deiner Mutter höchstwahrscheinlich um Demenz, aber mit einem narzisstisch vergifteten Mutter-Tochter-Verhältnis.

    Kurz: Deine Mutter braucht Hilfe, aber sie lehnt Hilfe von dir ab.

    Was tun?

    Ich glaube, du selbst kannst bei deiner Mutter nichts direkt erreichen - außer dass du dich selbst nervlich aufreibst.

    Einerseits musst du deshalb den Dingen ihren Lauf lassen bis bei deiner Mutter ein Krankenhausaufenthalt nötig und möglich wird (dann erst werden ärztliche Maßnahmen auch ohne Zustimmung der Mutter ergriffen), andererseits kannst du versuchen, von jetzt an Hilfe von dritter Seite einzuholen: Familienmitglieder, Hausärztin, ihre Kranken- und Pflegekasse, Psychiatrischer Dienst, (und ich weiß nicht, wen noch).


    Lieben Gruß!

    Buchenberg

  • Danke für Eure Antworten. Ich werde mit dem Arzt telefonieren, wenn er einen Hausbesuch machen sollte, eskaliert die Situation aber sicher. Mit ihm möchte ich auch das leidige Thema Autofahren besprechen, weil das tut sie noch regelmäßig, sie muss ja einkaufen. 🤷‍♀️Mein Bruder ist leider nicht einsichtig, er sagt nur, solange es gut geht, ist alles ok.

  • Hallo Tochter60


    ich halte es für eine gute Idee den Hausarzt "mit in's Boot" zu holen. Du kannst auch mit ihm als besorgte Tochter sprechen und ihm einfach nur Deine Beobachtungen schildern, dann hat er die Situation zumindest auf dem Schirm und ist - sollte ein akuter Fall eintreten - vorgewarnt. Vielleicht hilft für einen Hausbesuch eine kleine Notlüge oder List, z.B. "Die Krankenkasse schreibt diese Untersuchung vor" ... oder so ähnlich ... falls der Arzt mitspielt.

    Haben Du und/oder Dein Bruder Vollmachten, damit ihr im Ernstfall handlungsfähig seid?

    Alles Gute für Dich - LG, SunnyBee

  • SunnyBee , nein leider haben wir das nicht. Mein Bruder kümmert sich um die Finanzen (das kann ich ja nicht), da sie nicht mehr in der Lage ist ihr Konto online zu führen. Sie würde mir zum jetzigen Zeitpunkt auch keine Vollmachten geben, da ich sie ja "entsorgen" will. Ich werde das mit meinem Bruder besprechen, das er eine bekommt. Gestern Abend hat sie nach Monaten das erste Mal wieder zurückgerufen und war ganz aufgeräumt und schien ziemlich klar. Ansonsten ruft sie nicht mehr an, sie behauptet meine Telefonnummer wäre nicht in ihrem Telefon. Dabei hat sie mich aber wieder angelogen, da ich sie nach ihrem Arztbesuch fragte. Heute rufe ich sie wieder an und frage nach. Das Forum hier hilft mir sehr, und wenn ich Eure Beiträge lese, kann ich mich sehr gut auf die weitere Zeit, so schwer sie auch sein mag, einstellen.

    • Offizieller Beitrag

    Liebe Tochter60,


    anhand Ihres Beitrags wird sehr deutlich, in welch schwieriger Situation Sie und die meisten pflegenden Angehörigen sich befinden. Insbesondere die alltäglichen Dinge des Lebens werden zu großen Herausforderungen, wenn der/ die zu betreuende Familienangehörige sich geistig verändert.


    Den Ausführungen von Rose60, Buchenberg und SunnyBee hinsichtlich der Konsultierung des Hausarztes schließe ich mich an. Ratsam wäre es in dieser Situation zudem, wenn Sie Ihren Bruder, der ja augenscheinlich nicht in der gleichen Art und Weise wie Sie mit der Situation belastet ist, mit ins Boot holen.

    Möglicherweise kann eine Ansprache Ihres Bruders dafür sorgen, dass Ihre Mutter sich doch davon überzeugen lässt, einen Arzttermin wahrzunehmen.

    Wenn das funktioniert, sollte im nächsten Schritt, unabhängig davon, ein Neurologe aufgesucht werden. Ohne ärztliche Begutachtung kann eine demenzielle Veränderung nicht ausgeschlossen werden, auch kann es sich bei Ihrer Mutter um eine Pseudodemenz, aufgrund der unbehandelten Depression handeln. Dies kann aber auch nur ein entsprechender Facharzt diagnostizieren.


    Hilfreich kann es auch sein, Ihre Pflegekasse oder die Ihrer Mutter zu kontaktieren. I.d.R. bieten die Pflegekassen viele unterschiedliche Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige an.


    Abschließend würde ich Ihnen noch raten, das Verhalten Ihrer Mutter nicht persönlich zu nehmen, ihre seltsamen Aussagen oder merkwürdige Tätigkeiten nicht zu sehr hinterfragen und eine gewisse Gelassenheit zu entwickeln. Bedenken Sie, Ihre Mutter ist augenscheinlich erkrankt und die von Ihnen negativ wahrgenommenen Verhaltensweisen resultieren oftmals aus einer Mischung von Desorientierung, Überforderung, Angst und kognitiven Abbauprozessen.


    Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen und wünsche Ihnen viel Kraft.

  • Heute möchte ich mich noch einmal melden, das letzte Mal ist ja schon etwas länger her. Der Zustand meiner Mutter hat sich körperlich und geistig massiv verschlechtert, eine massive Unterversorgung und Eisenmangel mit einem Krankenhausaufenthalt Anfang Dezember, hat die Situation dann eskalieren lassen. Nachdem sie wieder zu Hause war, packe ich ihr die Medikamente, was sie dann aber wieder verweigert hat und sie selbst sortiert hat. Was nicht klappt, und ich wieder übernommen habe. Mein Bruder schafft es nicht, sie einmal die Woche anzurufen. Arztbesuch mache ich nun mit ihr gemeinsam. Beim Demenztest hat sie die relevanten Dinge verweigert und wurde sehr böse, als ich sie darauf ansprach. Aus dem Haus geht sie seit Monaten nicht mehr, behauptet es aber. Auch Essen kochen macht sie nicht mehr, behauptet aber voller Überzeugung, dies zu tun. Montag kommt der medizinische Dienst um eine Pflegestufe festzustellen. Immer wenn ich bei ihr, bin ich fix und fertig. Aggressiv mir gegenüber ist sie nicht mehr, da fehlt die Kraft. Ich bin voll berufstätig, kann nicht täglich bei ihr sein. Was mache ich bloß, wenn der MD ihr keine Pflegestufe gibt? Ich habe ja schon Probleme, das sie nicht jemanden jeden Tag in der Wohnung haben will?

  • Hallo Tochter60,


    ach je, da machst Du ja auch was mit!


    Gerade heute hat mir eine Freundin von ihrer Schwägerin erzählt, die dement ist. Bei ihr ist es auch so weit, dass ihr die Einsicht, "dass etwas nicht stimmt" völlig ab geht.

    Sie fährt auch noch Auto und die Kinder können sie nicht bewegen das aufzugeben.

    Zum Arzt will sie auch nicht.


    Die Kinder waren bei der Polizei und haben gefragt, ob diese da nicht einschreiten kann.

    Die Polizei meinte nur, sie habe da keine Handhabe, erst wenn etwas passiere.


    Ich kann mir das gar nicht vorstellen, dass das so ist. Müsste man dann nicht einen Betreuer einschalten, der alles weitere in die Wege leitet?



    Zur Begutachtung des MD:

    Deine Mutter war ja nun beim Arzt, hat aber nicht richtig "mitgespielt".

    Hast Du diesen Arztbericht?


    Den könntest Du am Montag vorlegen. Natürlich nicht, wenn da drin steht, dass Deine Mutter kognitiv total gesund ist.


    Aber die verweigerte Mitarbeit ist schon mal wichtig, und dann wird sie vom MD selbst ja auch befragt und die kennen ihre Pappenheimer.


    Alles Gute!

  • Danke für Deine Antwort PausE . Ja, den Test werde ich am Montag mitnehmen und auch heute noch mit der Dame, die den Test gemacht hat, telefonieren. Auch werde ich jetzt einfach mal Probeessen bestellen. Das ich dann wieder die böse Tochter bin, die sie bevormundet, muss ich wohl in Kauf nehmen. Es kostet mich unheimlich viel Kraft, wenn ich bei ihr bin. Da mein Bruder sich rauszieht und noch nicht mal mit ihr regelmäßig telefoniert, stehe ganz allein mit der Situation da. Wenn ich meinen Mann nicht hätte, der mich sehr unterstützt, weiß ich nicht wie ich das alles schaffen könnte. Ich sage mir immer wieder: Es ist die Erkrankung. Und trotzdem berichtige ich sie, was m. E. falsch ist. Es ist so eine fiese Krankheit.

  • Unsere Mütter könnten Zwillinge sein, Tochter60.

    Ich kenne das alles gut und die Validation (grob gesagt: nicht widersprechen, die Wirklichkeit der Patientin annehmen und umlenken) habe ich auch nicht drauf.


    Meine Mutter hat erst seit letztem Jahr mich die Medikamente richten lassen. Der Hausarzt rief mich an, dass sie wohl nichts mehr einnimmt. Ihm ist aufgefallen, dass sie ein Jahr zuvor das letzte Rezept Diabetes-Tabletten abgeholt hatte.


    Das gleiche mit Augentropfen. Da habe ich eine Verordnung geholt und nun kommt ein Pflegedienst morgens und abends ins Haus und verabreicht sie.

    Aber immer nur unter großem Lamento meiner Mutter. Das könne sie ja noch selbst.


    Ich muss im Moment so alle 6 Wochen für eine Woche zu meiner Mutter, wenn mein Vater im Krankenhaus ist.

    Da hab ich erst so richtig festgestellt, was alles nicht mehr funktioniert.


    Das letzte Mal war meine jüngste Tochter mit. Sie hat eine Engelsgeduld mit ihrer Oma.


    Ja, alleine auf weiter Flur zu sein, ist ein bescheidenes Gefühl. Wie gut, dass Dein Mann Dich da unterstützt.

  • Liebe Tochter60,

    für mich hört sich das alles auch schwer nach Demenz an.

    Bevor meine Mutter letztes Jahr ins betreute Wohnen umgezogen ist, hatten wir so ungefähr die gleichen Probleme. Keine Medikamente mehr nehme, nicht mehr wissen, hab ich gegessen oder getrunken, war es heute oder vielleicht gestern… Das ging solange, bis ich selbst nicht mehr konnte und die Situation auch nicht mehr zu verantworten war (ich wohne 470km entfernt und hab keine Geschwister, mein Vater ist leider schon verstorben. Allerdings hatte meine Mutter in diesem Moment schon den Pflegegrad.

    Auf jeden Fall haben wir das Problem dann folgendermaßen gelöst. Ich hab sie vor die Wahl gestellt, entweder kommt ein Pflegedienst und stellt täglich die Medikamente, oder du gehst in die Tagespflege. Dann wollte sie lieber den Pflegedienst. Wir hatten auch mit einer Wochenbox für die Medikamente begonnen, aber das bringt nichts, da die Medikamente dann doch vergessen werden (meine Mutter sammelte die vergessenen Tabletten in einem großen Kaffeebecher, der war fast voll..)

    Allerdings beschuldigte sie mich dann, dass ich ihr Verbrecher ins Haus geschickt habe, die ihre Sachen mitnehmen. Das hab ich dann großzügig hingenommen.

    Ich wünsche dir zuerst, dass die Begutachtung nächste Woche positiv verläuft, das ist sehr wichtig. Dann kannst du Hilfe organisieren, bestens mit Einsicht deiner Mutter.

    Ich wünsche dir viel Kraft und Erfolg in dieser schwierigen Situation.

    Ganz liebe Grüße

  • Die Medikamentengabe wird übrigens nicht über den Pflegegrad abgerechnet. Diese Leistung gehört zur häuslichen Krankenpflege und darauf hat sie sowieso Anspruch.

    Der Pflegedienst kümmert sich dann auch um Rezepte und Apotheke. Das ist auf jeden Fall auch schon eine Erleichterung.

    Liebe Grüße

    Stern

  • Danke für Euren Zuspruch, er tut wirklich gut. Heute war die Dame, die mit ihr den Demenztest gemacht hat und wir hatten zwei Stunden ein sehr gutes Gespräch. Sie hat mir viele Tipps gegeben, wie am besten mit dem MD umzugehen ist. ihre Diagnose war nun ganz klar PF 2 und vaskuläre Demenz. Mal gucken, ob ich das durchbekomme. Sie hat mir geraten, mit dem MD unter 4 Augen zu sprechen, habt ihr das auch gemacht? Ich stelle nur fest, das ich diese Woche von 5 Tagen, 4 nach der Arbeit mit meiner Mutter beschäftigt war, das geht so nicht weiter. Ich bin, wie gesagt, voll berufstätig und möchte gern auch noch Zeit mit meinen Enkelkindern verbringen. Das tut nämlich mir gut. Und es dreht sich nicht alles um sie. Meine Hoffnung ist nun eine PF 2 und das ich eine Pflegedienst bei ihr durchbekomme. Essen bestelle ich jetzt einfach mal.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Tochter60, die Begutachtung Ihrer Mutter haben Sie gut vorbereitet und das ehrliche Gespräch mit dem oder der MD-Begutachterin ist wichtig: Für den Pflegegrad zählt auch die Abwehr/Ablehnung gegen die Pflege und die "verbale Aggression", das sind auch die Beschimpfungen Ihrer Mutter. Werden die Unterstellungen irreal oder wahnhaft, geht dies auch in die Begutachtung ein, denn die aktuelle Begutachtungsrichtlinie berücksichtigt etwas mehr, wie belastend herausforderndes Verhalten für die Pflegenden sind.


    Ihnen wünsche ich viel Kraft für diese anstrengende Phase, ihr Martin Hamborg

  • Heute möchte ich mich mit einem kurzen Update melden. Der MD hat bei meiner Mutter sofort eine Pflegestufe 2 bewilligt, was mich doch erstaunt hat, da sie an dem Tag relativ klar war. Seitdem bereite ich sie darauf vor, das eine Haushaltshilfe einmal wöchentlich kommt und wenn ich im Urlaub bin, eine Verhinderungspflege die Medikamente stellt. Nach vielen, vielen Telefonaten habe ich nun einen Pflegedienst gefunden…..aber sie verweigert es völlig. Ich gehe seit Monaten mit ihr einkaufen, das möchte sie nun auch nicht

    mehr, sie fährt dann selbst mit dem Auto. Ihre Tabletten musste ich ihr bringen, weil das ja ihre sind und ich sie ihr weggenommen habe… diese Woche sind sie noch gepackt…. ab nächste Woche werde ich den Arzt informieren, das sie sich wieder selbst medikamentiert. Dem Pflegedienst habe ich heute absagen müssen. Ich bin sehr enttäuscht und frustriert, da ich so langsam an

    meine Grenzen komme. Mein Bruder hat es telefonisch versucht, aber sie ist absolut nicht einsichtig. Ich habe für mich beschlossen, mich nun erstmal nicht mehr bei ihr zu melden, ich muss auch für mich klarkommen. Trotzdem ist da dieses schlechte Gewissen…..Aber ich musste auch für mich eine Grenze setzen, da ja alles was der Pflegedienst leistet, schlussendlich mich entlastet.

  • Liebe Tochter60,

    wir haben das Gleiche mit meiner Mutter erlebt. Sie lehnte kategorisch den Pflegedienst ab und sagte von vornherein, sie lässt niemanden in die Wohnung.

    Darüber war ich auch frustriert und knickte erstmal ein. Ich merkte jedoch immer öfter an den Aussagen meiner Mutter am Telefon, dass sie nicht sicher war, ob sie ihre Medikamente genommen hat oder nicht.

    Ich hab das dann mit der Leiterin des Pflegedienstes besprochen und sie machte den Vorschlag mit einer Wochenbox für die Medikamente zu beginnen. Das machten wir dann auch erstmal so und siehe da, es gab nur am ersten Tag eine Diskussion an der Tür, weil meine Mutter die Dame nicht kannte.

    Leider ging das alles aber nicht lange gut, denn die Wochenbox schützte nicht vor dem Vergessen der Einnahme.

    Ich fand 2 Biergläser voll vergessene Tabletten im Schrank meiner Mutter, die Sie sammelte, für den Fall, dass sie mal keine mehr hat!

    Dementsprechend war auch ihr Zustand schlecht, denn auch die Tabletten gegen die Depressionen hatte sie nicht genommen.

    Das war für mich endgültig das Zeichen, dass es so nicht mehr weitergehen konnte.

    Ich vereinbarte dann 2x täglich Med.gabe.

    Meine Mutter war nicht einverstanden und drohte weiter, die Damen nicht rein zu lassen.

    ABER: Es passierte nichts! Meine Mutter war sanft, wie ein Lamm, ließ sich die Tabletten geben und dann tschüss. Das ganze dauert ja sowieso nur ein paar Minuten.

    Manchmal wusste sie auch garnicht mehr, dass sie dort waren.

    Weiter ist es ja auch so, dass sich die Leute vom Pflegedienst mit solchen Situationen auskennen und sich nicht gleich abwimmeln lassen.

    Zusätzlich hatte ich meiner Mutter noch gesagt, dass wir keine andere Möglichkeit mehr haben und es jetzt so gemacht wird, ob es ihr gefällt oder nicht, keine Diskussion.

    Manchmal geht es eben leider nicht anders.


    Vielleicht könnt ihr mit dem Pflegedienst eine Probewoche vereinbaren? Ggf. auch für die Haushaltshilfe?


    Ich wünsche dir viel Erfolg und gut Nerven!


    Liebe Grüße

    Stern

  • Ich kann dir nur raten, dir immer zu sagen, dass es eine Durchgangsphase ist. Der Widerstand von ihr wird früher oder später geringer ... Bis dahin wünsche ich dir, dass du dir ab und zu innere Ruheinseln schaffen kannst. Hört sich banal an, ist aber sehr wichtig!

    Ja, darauf warte ich bei meiner Mutter auch, dass der Widerstand abnimmt. Ich weiß, irgendwann kommt es so. Wenn man nur wüsste, wann es so weit ist.


    Tochter60, Du bist ja schon einen großen Schritt weiter durch den Erhalt des Pflegegrads. Kannst Du vielleicht jemand von außen noch ins Boot holen?

    Eine Freundin Deiner Mutter, eine Nachbarin, mit der sie sich gut versteht?

    Die ihr dann zuredet Hilfe zuzulassen?


    Bei uns war es die Dame vom Pflegestützpunkt, die uns besucht hat. Der hat meine Mutter überschwänglich gedankt zum Schluss. Es ist zwar noch nichts umgesetzt (Tagespflege), aber ich darf mich noch mal an sie wenden zur Unterstützung.


    Ansonsten, so sagte der Neurologe meiner Mutter im März, muss wohl erst der klassische Sturz die Kellertreppe passieren. So drastisch hat er es wirklich ausgedrückt.

    Ich hoffe nicht, dass es so weit kommt. Aber auch ich kann nicht ständig vor Ort sein.


    Hast Du es mal mit stundenweiser Unterstützung probiert durch die Hilfe aus dem Entlastungsbetrag?

  • Bei uns war es die Dame vom Pflegestützpunkt, die uns besucht hat. Der hat meine Mutter überschwänglich gedankt zum Schluss. Es ist zwar noch nichts umgesetzt (Tagespflege), aber ich darf mich noch mal an sie wenden

    Herzlichen Dank für eure Unterstützung, das tut mir wirklich gut. Die Dame vom Pflegestützpunkt lässt sie gar nicht mehr rein, die ist wie sie sagt, doof. Ihre Freunde reden seit Monaten, das sie Hilfe zulassen soll. Eine ähnliche Aussage wie den Treppensturz habe ich auch schon zu hören bekommen, ist nur schwer zu ertragen. Es wird wohl erst wieder eskalieren müssen….dann wird ja eventuell auch der Widerstand abnehmen. Ich bin nur nicht mehr gewillt, mein ganzes Leben umzustellen, weil sie nicht einsichtig ist. Ich muss noch mindestens 3 Jahre voll arbeiten, habe zwei Enkelkinder, Haus, Garten, Hunde und ein zeitintensives Ehrenamt. Ich habe jetzt viele Nächte nicht gut geschlafen, war stundenlang wach und habe überlegt, wie ich an sie herankomme, das geht einfach nicht so weiter. Gelernt habe ich aber auch schon aus der Situation: Ich werde alles dafür tun, dass ich meinen Kindern nicht diese Verantwortung und Sorge aufbürde.

  • Liebe Tochter,

    ich verstehe dich soooo gut! Mir ging es ja letztes Jahr genauso. Ich hab mir wochenlang jeden Tag Gedanken und Sorgen gemacht und keine Nacht vernünftig geschlafen.

    Man fühlt sich, als wenn man gegen dicke Betonwände läuft und das täglich aufs Neue.

    Meine Mutter sagte irgendwann zu mir „unterlasse deine guten Ratschläge, die interessieren mich sowieso nicht“.

    Letztendlich hat mein Mann Klartext mit ihr geredet, persönlich, nicht am Telefon und zwar richtig heftig.

    Wäre es ein Option, wenn dein Bruder oder dein Mann so ein Gespräch mit deiner Mutter mal führt?

    Ansonsten hört es sich wirklich so an, als wenn erst etwas passieren muss. Da will man doch garnicht dran denken.


    Ich wünsche dir, dass du hoffentlich schnell eine Lösung finden kannst und vor allem, vergiss dich selbst nicht dabei.


    Alles Liebe <3

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