Ambulant Psychatrischer Dienst Mutter lehnt Hilfe ab

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  • Hallo, ich hatte einen Ambulanten psychiatrischen Dienst für meine Demenz kranke Mutter bestellt. Meine Intentionen dahinter war, dass sie Kontakt zu einer professionellen Person hat zu der sie vertrauen aufbauen kann und sie dann lernt auch Hilfe annehmen kann.


    Meinte Mutter wohnt alleine soweit aber von den Nachbarn betreut und hat dort Kontakt. Generell nimmt sie aber keine Hilfe an Tagespflege möchte sie nicht.

    Nun war der APP heute morgen bei ihr, meine Mutter hat der Pfelgekraft erzählt, sie bräuchte nix. Danach rief die Pflegekraft mich an und meinte, wenn keine Bereitschaft besteht könnte sie nix machen. Ich habe ihr gesagt, dass meine Mutter Hilfe braucht und einfach Zeit benötigt vertrauen und Kontakt aufzubauen und sie zu allem sagt, sie braucht das nicht. Ich frage mich jetzt ob ich nochmal beim APP nachhaken soll.

    Generell fühle ich mich einfach nicht unterstützt von den Ärzten und Pflegenden. Der Psychiater sagte mir, ich soll sie einfach in ein betreuter wohnen geben. Meine Mutter droht mit Selbstmord sobald wir das Thema ansprechen, ich denke zur Zeit ist sie noch gut zu Hause aufgehoben, zweimal in der Woche fährt meine Schwester vorbei. Ich wohne weiter weg und fühle mich einfach komplett allein gelassen. Hat jemand Erfahrungen mit dem APP

  • Meine Mutter hat auch Demenz und kommt allein nicht mehr zurecht. Ich habe jetzt Kontakt zu einem Betreuungsdienst aufgenommen, die anstatt meiner Wenigkeit meine Mutter etwas im Alltag, z. B. gemeinsam einkaufen, spazieren gehen etc., unterstützen soll. Es muss ja keine psychiatrische Hilfe sein, oder? Vielleicht würde es Deiner Mutter helfen, wenn Du oder Deine Schwester dabei seid, wenn sich eine fremde Person, die Deine Mutter im Alltag unterstützen soll, vorstellt.

  • Die Hilfe sollte ja zusätzlich sein und was spricht dagegen in alle Bereiche Hilfe zu suchen um meine Mutter aufzufahren. Zudem mit meiner Mutter verbringen wir auch zusätzlich genug Zeit und es war der Wunsch der Pflegekraft das keiner dabei sein muss

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Christin! ,

    Die Hilfe sollte ja zusätzlich sein und was spricht dagegen in alle Bereiche Hilfe zu suchen um meine Mutter aufzufahren.

    es ist nicht ungewöhnlich, dass Menschen mit Demenz Hilfe von Außen (zumindest zunächst) ablehnen. Ein möglicher Grund kann darin bestehen, dass es keine Einsicht in den eigenen Hilfebedarf gibt. Ein weiterer wiederum kann "Selbstschutz" sein. Wenn ich nicht mit Dritten zu tun habe, kann auch niemand "entdecken", dass mir Dinge nicht mehr gelingen und ich Probleme habe.
    Meiner Erfahrung nach benötigt es oft Zeit und mehrere Versuche, aber je nach Situation auch ein behutsames Vorgehen, damit die Unterstützung akzeptiert wird. Manchmal gelingt es auch nur, wenn die Hilfe gar nicht als Hilfe wahrgenommen wird bzw. so nicht vorgestellt wird.

    Es könnte, wie molli vorgeschlagen hat, hilfreich sein wenn Sie od. Ihre Schwester als Vertrauensperson beim Kennelernen, ggfs. auch mehrmals, dabei sind um den Vertrauensaufbau zu unterstützen.

    Ich würde beim Dienst durchaus nachfragen, ob die eine Idee / einen Plan haben aufgrund ihrer Erfahrung, wie die Einmassierung / Gewöhnung ablaufen könnte. Vielleicht kann hier gemeinsam und in Absprache ein guter Weg gefunden werden.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

  • Christin! Wie alt ist denn Deine Mutter und hat sie bereits einen Pflegegrad? In jeder Stadt/Gemeinde gibt es einen Pflegestützpunkt, wo man sich über die zur Verfügung stehenden Hilfen informieren kann.

    Wenn die Wohnung Deiner Mutter einigermaßen barrierefrei ist, würde ich vom betreuten Wohnen Abstand nehmen, da die pflegerische Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst in den eigenen vier Wänden i. d. R. gut zu bewerkstelligen ist.

  • Weil die ja schon bei Deiner Mutter waren und Deine Mutter diese Form von Hilfe nicht annehmen wollte - deshalb würde ich an Deiner Stelle nicht noch einmal dort nachfragen.

    Wenn Deine Mutter neben der Demenz psychisch krank ist, gibt es vielleicht bei Euch in der Nähe niederschwellige Angebote, z. B. Selbsthilfegruppen. Demenz an sich ist m. E. keine psychische Erkrankung, sondern lediglich der schleichende Verlust kognitiver Fähigkeiten bedingt durch Veränderungen im Gehirn.

    Da meine Mutter „nur“ Demenz hat, würde ich eine ambulante psychiatrische Pflegerin nicht engagieren wollen.

  • Ich finde, Molli hat ganz recht: Demenz ist keine psychische Erkrankung und Demenz kann nicht mit psychiatrischen Mitteln behandelt werden.


    Für Schwiegermutter hatten meine Frau und ich eine ambulante psychiatrische Pflege besorgt. Das Rezept konnte nicht von der Hausärztin ausgestellt werden, das hat uns viel Zeit und Wege gekostet, aber gebracht hat diese APP nichts. Als Beispiel:

    Als Schwiegermutter nicht mehr in der Lage war, sich selbst an- und auszuziehen, verweigerte sie die Hilfe der Pflegerinnen mit dem „Argument“, es sei für sie ENTWÜRDIGEND, wenn sie nackt vor der Pflegerin sitzt. Aber es ist viel entwürdigender, wenn sie ihre vollgepinkelte Kleidung anbehält.

    Meine Meinung ist, dass vor allem dominante Persönlichkeiten, denen ihre schöne (falsche!) Fassade wichtig ist, bei Demenz „fremde“ Hilfe ablehnen. Sie wollen vermeiden, dass „familienfremde“ Menschen ihre Hilfsbedürftigkeit sehen. Ich bin kein Psychiater, aber ich denke, dass die „falsche Fassade“ vor allem für narzisstische Menschen wichtig ist.

    Dagegen kommen wir nicht mit Argumenten an. Bei Schwiegermutter hatte sich meine Frau geweigert, den Ersatz für die Pflegerin zu spielen. Wenn ihre Mutter sich nicht von der ambulanten Pflegerin an- oder auskleiden ließ, behielt sie die Klamotten an, die sie anhatte. Irgendwann wurde sie weich und ließ sich von den Pflegerinnen helfen.


    Buchenberg

    Einmal editiert, zuletzt von Buchenberg ()

  • Meine Meinung ist, dass vor allem dominante Persönlichkeiten, denen ihre schöne (falsche!) Fassade wichtig ist, bei Demenz „fremde“ Hilfe ablehnen. Sie wollen vermeiden, dass „familienfremde“ Menschen ihre Hilfsbedürftigkeit sehen. Ich bin kein Psychiater, aber ich denke, dass die „falsche Fassade“ vor allem für narzisstische Menschen wichtig ist.

    Dem kann ich aus verschiedenen Erfahrungen uneingeschränkt zustimmen. Derzeit erlebe ich es bei meiner Mutter, der dann immer wieder "fremde" Hilfe "eingeschmuggelt" werden muss.

    Z.B. indem die neue Putzhilfe eine "gute Freundin" der Alltagshilfe ist (die schon vorher als befreundete Nachbarin meiner Mutter viel zur Hand gegangen ist, als nur die Fast-Blindheit akut war). Wäre das "irgendeine fremde Frau" gewesen, hätte sie sich sicherlich nicht einmal das Haus ansehen dürfen. Dennoch besteht meine Mutter natürlich darauf, ihren Haushalt ganz alleine zu führen.

    Demenz ist keine psychische Erkrankung und Demenz kann nicht mit psychiatrischen Mitteln behandelt werden.

    Auch das kann ich nur unterschreiben.

  • Hallo Christin!

    ich kann mich Buchenberg und ecia25 nur anschließen ...

    Ich finde, Molli hat ganz recht: Demenz ist keine psychische Erkrankung und Demenz kann nicht mit psychiatrischen Mitteln behandelt werden.

    Ich denke, dass aber auch die Persönlichkeit der erkrankten Person eine Rolle dabei spielt, wie sich die Demenz entwickelt, bzw. fortschreitet. Meiner Mutter war z.B. die "Fassade" mit einer gewissen Eitelkeit sehr wichtig, deshalb besteht sie bis heute - sie ist jetzt seit fast 3 Jahren im Pflegeheim - darauf, dass sie alles alleine kann und sich selbstverständlich alleine versorgen kann. Die Realität sieht anders aus ...

    Am Ende des Tages blieb den meisten hier in diesem Forum nur, die Krankheit zu akzeptieren und nach der bestmöglichen Lösung (für alle) zu suchen.

    Ich wünsche Dir alles Gute und dass Du einen guten Weg findest!

    LG, SunnyBee

  • Psychiatrische Pflege kümmert sich auch um Demenz kranke Menschen. Demenz kann auch aufgrund von einer schweren Depression ausgehen. Das vermuteten die Ärzte auch bei meiner Mama. Ich finde eure Beiträge wirklich teilweise am Thema :“Wer hat eine Erfahrung mit APP“ vorbei! Einige Antworten hier obwohl sie nix davon wissen und keine Erfahrungen haben. Das Demenz unheilbar ist, weiß ich auch aber darum ging es nicht. Jeder macht mit der Krankheit seine eigenen Erfahrungen, alles über einen kam zu scheren ist nicht individuell und finde ich nicht gut. Aber es geht hier ja einfach teilweise nicht mehr darum meine Frage zu beantworten sondern einfach seien Meinung zu verbreiten und zu bestätigen.

  • Wenn ja, macht unbedingt noch einmal einen Anlauf, aber dann soll sich der APP im Beisein von Dir oder Deiner Schwester und natürlich Deiner Mutter vorstellen.

    Früher war Deine Mutter für Dich und für Deine Schwester verantwortlich - und heute ist es umgekehrt.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Christin! Nun endlich möchte ich auch eine Antwort auf Ihre Frage geben, ich hoffe, es ist noch nicht zu spät:

    Aus meiner Sicht ist es wichtig und fachlich geboten, dass Sie sich weiterhin mit dem psychiatrischen Pflegedienst abstimmen. Dort sollte eigentlich bekannt sein, wie man/frau professionell mit der Ablehnung von Hilfe umgeht. Dazu gehört auch die Frage der Mitarbeitenden: Braucht Ihre Mutter Hilfe, obwohl sie diese ablehnt?

    Die Anbahnung von Hilfe ist der erste wichtige professionelle Schritt und der kann manchmal lange dauern. Je schwieriger dies ist, um so wichtiger ist die enge Abstimmung mit Ihnen.


    Ambulante psychiatrische Pflege richtet sich eindeutig auch an Menschen mit Demenz. Dies wurde zum Glück in den letzten Jahren mit langen Liste von Demenzerkrankungen und anderen Erkrankungen der Gerontopsychiatrie festgelegt. Da diese Leistungen von der Krankenkasse übernommen werden, ist diese auch ohne Pflegegrad möglich, bzw. die Leistung ergänzt die SGB XI-Leistungen (der Pflegekasse).

    Mögen Sie berichten wie der aktuelle Stand ist, durch meinen Urlaub mussten Sie länger auf meine Antwort warten.

    Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Herr Hamborg,


    vielen Lieben Dank vorweg für ihre professionelle Antwort.

    Derweilen war ich verunsichert, wie ich weiter mit der Situation umgehen soll.

    Meine Mutter braucht Hilfe und benötigt lediglich Zeit auch diese anzunehmen.


    Leider wusste die Frau, welche vom der APP gesendet wurde beim ersten Treffen mit meiner Mama nicht, dass diese an Demenz erkrankt ist.


    Ich hatte gedacht, dass diese Information direkt an die Pflegende weitergeleitet werden.


    Nach Rücksprache mit dem APP haben wir abgemacht, dass bei einem nächsten Besuch einer aus der Familie zusätzlich anwesend ist.



    Das ist derzeit der Stand der Dinge

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