Ich weiss nicht wie es mit meiner Mutter weitergehen soll

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  • Die Situation mit meiner Mutter wird langsam aber stetig schlechter. Sie ist immer mehr verwirrt. Kann sich immer wieder nicht an Dinge erinnern die nur wenige Stunden vorher passiert sind. Zudem läuft der Telefonterror unvermindert weiter. Erst gestern hat sie wiedermal 28 mal bei mir angerufen. Inhaltlich geht es meinstens um nichts, oder man den Eindruck es ist nur ein Vorwand. Sie klammert immer mehr, was für mich unerträgtlich ist. Aus ihrem Haus (200 qm mit Garten) will sie weiterhin nicht ausziehen. Es wäre alle wunderbar. Seit über 10 Jahre kümmere ich mich um das Haus. Mähe des Rasen, planze Blumen wo sie es will und schneide alle Bäume und Büsche. Da ich selber inzwischen 52 Jahre alt bin, fällt mir die Sache immer schwerer. Seit vier Wochen hat sie Kontakt zu einem alten Freund der Familie. Dort ruft Sie jetzt auch ständig an und erwartet, dass er sich um sie kümmert. Der ist aber genauso alt wie sie. Vor zwei Wochen erzählt sie mir auf einmal, dieser Bekannte wolle keinen Sex mehr mir ihr. Ich dachte, jetzt geht es vollkommen los. Zudem nimmt sie jede Menge Schmerztabletten. Wenn ich ihr keine besorge, schickt sie den Nachbarn los. Gestern morgen war ich 1 1/2 Stunden bei ihr. Wie jeden Sonntag Tabellten gerichtet und Gartenarbeit geleistet. Dann hat sie mir wieder Geschichten aus dem Krieg erzählt. Zuvor hatte Sie schon ab 7 Uhr morgen, dreimal anrufen. Wann ich endlich kommen würde. Als Sie Abend anrief, konnte Sie sich nicht mehr an meinen Besuch erinnern. Pflege durch einen Pflegedienst lehnt sie strickt ab. Zwei Tage geht sie in die Tagespflege. Ich hatte keine Ahnung, wie es weiter gehen soll. Ihre Krankheit wird jede Woche schlechter. Einen Termin bei Neurologen haben wir Anfang Dezember, nach 6 Monaten Wartezeit. Eigentlich müsste sie dringend zur Blutabnahme. Aber darfür müsste ich schon wieder einen Tag Urlaub nehmen, der dann wieder bei meiner Familie fehlt. Soll ich aufhören mich um sie zu kümmern? Ich bin echt verzweifelt.

  • Hallo Alex,

    willkommen im Klub! ;)

    Ich sehe das größte Problem im Klammern deiner Mutter. Ohne externe Hilfe kann deiner Mutter nicht geholfen werden. Ohne externe Hilfe wirst du mit der Pflege deiner Mutter verzweifeln.

    Ich finde, du kannst ambulante Pflegekräfte einstellen (sobald deine Mutter einen Pflegegrad hat) , auch wenn deine Mutter das im Gespräch ablehnt. Vielleicht können die Pflegerinnen als Freundinnen von dir eingeführt werden.


    Der dauernde Gebrauch von Schmerztabletten ist eine Selbstgefährdung. Entweder wird die Leber oder die Nieren zerstört. Könntest du die Tabletten nicht durch harmlose Pillen ersetzen, indem du ihre Originalpackungen umfüllst?
    Nach einer gewissen Zeit helfen die Schmerztabletten sowieso nicht mehr. Sie können sogar Schmerzen hervorrufen.

    Liebe Grüße!

    Buchenberg

  • Hallo Alex, das kommt mir alles so bekannt vor, diese ständige Anrufen, sich dann nicht mehr erinnern. Bei unserer Mutter war es genauso, jetzt kann sie zum Glück das Telefon nicht mehr bedienen. Sie hatte nicht nur uns, sondern auch alle Freundinnen schließlich so abgenervt, dass die gar nicht mehr ans Telefon gingen. Ja, eine Pflegekraft einstellen, aber ich weiß, wie schwierig es ist. Unsere Mutter konnte sich bei den Gesprächen mit dem Medizinischen Dienst immer wunderbar darstellen, dass man denkt, meine Güte, demenzerkrankt, diese nette, alte Dame doch nicht. Es dauert alles so lang. Wir waren jetzt bei einem Neurologen, und der hat sie untersucht und die fortgeschrittene Demenz diagnostiziert. Daraufhin gab es nun nochmal eine Begutachtung vom Medizinischen Dienst, wir warten auf den Bescheid. Toi, toi, toi. Ich werde berichten

    Liebe Grüße

    bcseins

  • Mutter konnte sich bei den Gesprächen mit dem Medizinischen Dienst immer wunderbar darstellen, dass man denkt, meine Güte, demenzerkrankt, diese nette, alte Dame doch nicht.

    Dieses Verstellen kann meine Mutter nach Außen hin auch noch perfekt. Aber hinter verschlossenen Türen zetert sie dann los.


    Ich drücke die Daumen für einen guten Bescheid des MD.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Alex9990, schön dass Sie sich hier melden. Die Demenz Ihrer Mutter äußert sich besonders durch das Vergessen der Dinge des Alltags und der Fixierung auf ihren Sohn, sodass eine Hilfe durch einen Pflegedienst nicht möglich scheint.


    Viele hier im Forum haben das durchgemacht und oft gelingt es irgendwann, dass der Mensch mit Demenz die Hilfe zulässt. Da ist viel Geduld gefragt und die unzähligen Telefonate zehren an den Nerven.


    Wichtig ist jetzt, dass Sie mit dem "Einschleichen" der Hilfe beginnen und den Kontakt zu einem Pflegedienst aufnehmen, der dann vielleicht mit niedrigschwelligen Leistungen beginnt. Buchenbergs Idee kann dabei helfen das Vertrauen zu den "Fremden" aufzubauen.


    Lange Diskussionen darüber, ob Ihre Mutter einen Pflegedienst braucht und die Beweisführung ihrer Unselbständigkeit verstärken aber eher die Ablehnung. Besser ist, dass Sie sich von Ihrer Mutter in einer ruhigen Stunde in die Hand versprechen lassen, dass Sie Hilfe annimmt, wenn sie diese braucht. Sie können dann an ihr Versprechen erinnern und selbstbewusster auftreten und ihr damit die Sicherheit vermitteln die sie braucht. Das ist einfach gesagt und schwer umgesetzt.


    Über den "Telefonterror" haben wir uns hier hier im Forum schon oft ausgetauscht. Das Beste ist, wenn Sie anrufen und feste Zeiten vereinbaren und diese vielleicht aufschreiben. Ihre Mutter wird es immer wieder vergessen, aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich die Anrufe häufen, wenn sie jemanden erreicht. Hilfreich ist auch ein Anrufbeantworter mit Ihrer Stimme, vielleicht auch der Zusatz "Mutter, wenn Du es bist, Du weißt ich melde mich nachher..."

    Wenn es nun darum geht die Hilfen für Ihre Mutter zu organisieren, können Sie mit der Pflegezeit auch Urlaub auf Kosten der Pflegekasse beantragen.


    Leider sehen wir immer noch, dass die Medizinischen Dienste die Auswirkungen der Demenz übersehen und sich von einer guten "Fassade" blenden lassen. Es hilft, die Einschränkungen genau zu beschreiben und dies als "Fremdbefund" an den MD zu schicken. Dazu können Sie sich auch von der Pflegekasse Ihrer Mutter beraten lassen. Dort ist ein*e Fallmanager*in für Ihre Mutter zuständig.

    Was der MD genau fragt, finden Sie in den Begutachtungsrichtlinien im Internet. Etwa in der Mitte des Textes gibt es gute Beispiele, ab wann Punkte für eines der Kriterien gegeben werden müssen. Zu Beginn geht es um das "überwiegend selbständig" - der Mensch mit Demenz ist der festen Überzeugung, noch alles zu können. Sie können aber bei der Begutachtung oder in einem Gespräch oder "Fremdbefund" deutlich machen, wo und warum Ihre Anwesenheit erforderlich ist oder notwendig wäre. Dies können regelmäßige telefonische Erinnerungen, vorbereitende oder nachbereitende Tätigkeiten sein usw.

    Viel Erfolg, Ihr Martin Hamborg

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