Im Haushalt lebende Schwiegermutter, 88, wahrscheinlich dement

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  • Hallo zusammen,


    wir haben seit der Coronazeit ein zunehmend großes Problem mit meiner Schwiegermutter, 88 Jahre alt, in unserem Haus.


    Erst Mal zu unserer Aufteilung im Haus:


    Sie hat ein Schlafzimmer und ein Wohnzimmer mit Schlafcouch in der oberen Etage unseres Hauses. Sie nutzt aber nur die Schlafcouch, auf der sie täglich 3/4 des Tages verbringt, schläft, döst, liest, Selbstgespräche führt (und denkt, dass sie telefoniert), Badezimmer nutzt sie eigentlich gar nicht, aber ihre Toilette im Gang oben.


    Meine Schwiegermutter wirkt immer verwirrter und verzweifelter.


    Seit über einer Woche hat sie wieder einen "Schub", in dem sie alles Mögliche behauptet. Von wegen jemand (eine Frau, ein Paar etc.) kommt sie besuchen oder sie muss da hin gehen, behauptet sie hat telefoniert, was nachweisbar nicht so ist (alles überprüft). Heute Abend hat sie einen Schrei- und Heulkrampf bekommen deswegen, der sich gewaschen hat. Mein Mann hatte mit seiner Mutter sehr zu kämpfen (verbal) und sie stapfte beleidigt in ihr Zimmer.


    Außerdem entwickelte sie in den letzten Tagen einen starken Laufdrang, räumte ihren halben Zimmerinhalt auf den Gang vor ihrem Zimmer.


    Jetzt liegt alles da und keiner weiß, was das soll. Auch sie selbst nicht.


    Um diese Zeit kam sie mit der Fernbedienung auch runter zu mir in die Küche und sagte dass da bis gerade eine Frau mit ihr telefoniert hat. Als ich sie konfrontierte, nur ein verwirrter Blick.


    Mein Mann möchte jetzt noch keine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, da dies noch kein Dauerzustand ist. Er denkt, dass er mit ihr noch fertig wird, was ich aber zunehmend bezweifle. Auch unsere zwei Kinder 8 und 10 sind damit schon teils belastet, weil sie mitbekommen, dass ihre Oma nicht mehr "normal" ist, was ich aber auch immer wieder erkläre.


    Wie bekommt man das alles am besten unter einen Hut? Hätten Sie Tipps für uns?


    LG

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    Hallo Carmen _vom_Bauernhof34 ,


    ich rate zu einer Abklärung, zunächst beim Hausarzt. Was glaubt Ihr Mann zu gewinnen, wenn er abwarten möchte? Nimmt er an, dass es von allein besser wird. Plötzlich aufhört? Wie Sie beschreiben, hat ja auch Ihre Schwiegermutter einen Leidensdruck ("verzweifelt"). Was Sie beschreiben kann auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen sein - ist eine Demenz bereits früher diagnostiziert worden? Trinkt sie ausreichend?
    Hier im Forum können Sie eine Vielzahl unterschiedlicher Verläufe und Geschehnisse verfolgen und werden auch noch guten Rat bekommen. Meiner Meinung nach sollten Sie sich frühzeitig Gedanken machen über Vollmachten / rechtliche Vertretung und auch, wer Sie möglicherweise als Familie unterstützt in der Versorgung. Gerade in der "Sandwich-Position" mit Kindern die noch der Fürsorge bedürfen, ist es empfehlenswert so früh als möglich ein "Netzwerk" aufzubauen von Dritten, die Ihnen auch einmal etwas abnehmen und bei der Versorgung unterstützen (z.B. im Rahmen der Nachbarschaftshilfe / Alltagsbegleitung).

    Liegt ein Pflegegrad vor?

    Willkommen im Forum.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

  • Guten Morgen Herr Gust,


    ich schreibe so früh, da meine Schwiegermutter vorhin um 3.30 Uhr nachts Mal wieder umherwanderte, die Balkontüre drei Mal aufriss (es würde stinken (was nicht stimmte!), außerdem kann sie auch nicht mehr riechen, auch nicht sich selbst) und fast das ganze Haus wach gemacht hat. Ich kann nicht mehr schlafen, mein Mann muss gleich zur Arbeit.


    Nein, meine Schwiegermutter war schon zwei Jahre nicht mehr beim Hausarzt (sie möchte eher, dass er Hausbesuche macht, was er aber nicht tut, da er in der Praxis alleine arbeitet auf dem Land).


    Nein, sie hat dementsprechend auch keinen Pflegegrad.


    Mein Mann besteht auch nicht auf die Überprüfung seiner Mutter durch die Pflegekasse, da er befürchtet, dass dann permanent Kontrollen zu uns nach Hause kommen. Er kann sich nicht wirklich um seine Mutter kümmern (ist ihr emotional nicht wirklich nah und sie verstellt sich auch ihm gegenüber, sodass er zu mir kommt und sagt, dass sie nichts bräuchte, will, etc.) Dabei müsste sie sich regelmäßig waschen (Körperpflege ist gar nicht mehr gut, da sie sich auch nicht mehr so wahrnimmt). Kleidung müsste regelmäßig gewechselt werden, sowie Bettwäsche.

    Waschen tue ich ihre Wäsche schon, obwohl ich mich stellenweise ekele, vor ihrer schmutzigen Unterwäsche (Stuhlflecken und Urin sind manchmal darin) explizit.


    Wahrscheinlich fragen Sie sich, warum ich als Schwiegertochter das nicht übernehme. Ich habe von Anfang an klar gemacht, dass ich das im Falle eines Falles nicht machen möchte, habe aber Sorgen, dass mein Mann das alles eher belächelt, da er es ja selber wegen der Arbeit (er ist Landwirt und wir kümmern uns zusammen um 70 Milchkühe , Haupterwerb, bin vor 14 Jahren hier her gezogen und habe meine Arbeit aufgegeben) und eben der nicht besonders verbandelten Beziehung zu seiner Mutter nicht schafft.


    Ich bin selber psychisch krank (mittelschwere Depressionen, nicht besonders gut belastbar, nervlich /emotional schnell fertig) und traue mir das nicht zu, da es ja mit der Zeit auch immer schlimmer und schwerer werden wird.

    Kenne die Situation bereits von meinem Vater, der mit multiplen Schlaganfällen zwei Jahre von meiner Mutter gepflegt wurde und eine Demenz entwickelte.


    Deswegen bin ich da wohl auch besonders sensibilisiert.


    Spreche auch oft mit meiner Mutter (Anfang 60) über meine Schwiegermutter und sie versteht meinen Mann und seine Entscheidungen genauso wenig.


    Was soll ich tun? Bin ehrlich gesagt in einer ziemlichen Zwickmühle, was mich seeehr belastet. Mein Mann möchte auch bis auf leichte Dinge seine Geschwister nicht mit einbeziehen

    (Schwester fällt eher raus, wohnt in der Stadt, versteht sich mit meinem Mann auch nicht gut, auch umgekehrt). Der Schwager hilft uns schon in der Saison so gut es geht im Betrieb (Ernte einfahren, etc. ) , hat eine gute Beziehung zu uns und zur Mutter, aber auch Vollzeitjob und ist auch nervlich nicht mehr ganz so belastbar.


    Kann ich irgendwas offizielles tun, ohne als "Pflegekraft" für meine Schwiegermutter eingetragen zu werden, praktisch schon Mal "Alarm" schlagen?


    Bin selbst schon bald bereit, die Ehe zu beenden und wegzuziehen, da mein Mann es einfach nicht kapiert. Es belastet mich zu stark, um weg zusehen. Was ich auch nicht kann, da ich ALLES mitkriege, bei der Entwicklung der Schwiegermutter.


    Verzweifelte und ratlose Grüße


    Carmen


    P.S.: Vor dem Balkon war unter anderem auch meine Hobbystation (ich züchte vor allem Chilis und Tomaten für unseren großen Garten) aufgebaut, welche sie jetzt vor zwei Stunden auch zerstört hat, da sie jetzt unbedingt die Balkontüre öffnen wollte. Die Station war aber an der Seite aufgebaut, stand nicht im Weg. Sie hat meine frisch gewachsenen Chilis im Tray in den Mülleimer geworfen und die Abdeckung vom beleuchteten Balkongewächshaus abgerissen, das Gewächshaus in den Flur gestellt.

    Für mich auch überhaupt nicht akzeptabel, da ich dies als Ausgleich betreibe zu unserem Alltag.

  • Liebe Carmen,

    wende Dich UNBEDINGT an die Pflegekasse. Deine Schwiegermutter kann Dir/Deinem Mann eine Vollmacht geben, damit ihr befugt seid, die Angelegenheiten zu regeln. Es hilft ja nichts, sich wegzuducken und das Problem zu ignorieren. Im allgemeinen ist „Pflege“ im Alter (so keine gravierende Krankheit oder Unfall zur Pflegebedürftigkeit führt) ein schleichender Prozess. Bei Pflegegrad 1 gibt es „nur“ einen monatlichen Entlastungsbetrag, der z. B. für eine Haushaltshilfe verwendet werden kann. Aber er ist die „Eintrittspforte“ in das Hilfsnetz „Pflege“. Bei Pflegegrad 2 (der Antrag kann grds. nur gestellt werden ein halbes Jahr nachdem Pflegegrad 1 bewilligt wurde) sind Leistungen für die Inanspruchnahme einer Tagespflegeeinrichtung da - Tagespflege („unter die Leute kommen“) ist eine prima Sache und wäre auch für Deine Schwiegermutter eine Abwechslung vom Alltag. Und, wie Herr Gust schrieb: ein Besuch beim Hausarzt wäre schon sinnvoll für einen allgemeinen Gesundheitscheckup und Überprüfung der psychischen/kognitiven Leistungsfähigkeit. Er ist auch bei Antragstellung für einen Pflegegrad bei der Pflegekasse mit anzugeben. Wenn Dein Mann Dich nicht für voll nimmt, könnte vielleicht auch Deine Mutter oder Euer Schwager ein ernstes Wort mit ihm reden.

    Das alles geht nicht von „jetzt auf gleich“, aber ihr könnt schon mal einen möglichen Weg, der letztlich allen zugute kommt, beschreiten. Bleibe da hartnäckig am Ball.

    Und vergiß‘ bei all‘ dem Dilemma nicht Dich und Deine eigenen Bedürfnisse.

    Alles Liebe, molli

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    Hallo Carmen, Sie sind in einer sehr schwierigen Lage! Es ist gut dass Sie sich an uns wenden und es ist gut, dass Sie Ihre Grenzen klar erkannt haben und sogar den Umzug in die Stadt in Erwägung ziehen, wenn Sie nicht gemeinsam mit Ihrem Mann eine Lösung für das Problem finden.

    Wie Herr Gust und Molli schon geschrieben haben:

    - Ihre Schwiegermutter braucht dringend ärztliche Hilfe, da ihr Verhalten neben einer Demenz auf andere Erkrankungen abgeklärt werden muss. Alle Symptome können auch durch ein Delir ausgelöst werden. Vermutlich ist es kein Entzugsdelir, sondern eines, dass durch eine Krankheit, durch Austrocknung, eine Stoffwechselstörung, innere Vergiftung usw. ausgelöst werden kann. Das Gehirn schaltet dann in einen Notfallmodus und entwickelt Verhaltensstörungen wie bei einer schweren Demenz. Ich hoffe sehr, dass Ihr Mann den Ernst der Lage erkennt! Es kann notwendig sein, dass Ihre Schwiegermutter auch im Krankenhaus behandelt werden sollte


    Die Sorge Ihres Mannes vor ständiger Kontrollen bei einem Antrag auf einen Pflegegrad möchte ich noch kurz einordnen: Um einem Pflegegrad zu bekommen, kommt der Medizinische Dienst auch mit einem beratenden Auftrag. Gerade in der schwierigen ländlichen Versorgung ist dies m.E. sehr wertvoll, weil dort auch eine kompetente Einordnung des Krankheitsbildes möglich wird. Ist ein Pflegegrad genehmigt, wird regelmäßig ein Pflegedienst vor Ort für einen Beratungsbesuch geschickt. Auch hier steht die Beratung im Vordergrund, wie die Pflege Ihrer Schwiegermutter sichergestellt werden kann.


    Die Zerstörung Ihrer Paprika und Chili-Zucht ist vermutlich keine Bosheit gegen Sie, sondern Folge einer Halluzination oder eines wahnhaften Erlebens, die bei einem Delir sehr viel häufiger auftreten, als in einer beginnenden Demenz. Bitte nehmen Sie diesen schmerzhaften Verlust nicht persönlich, aber sehr ernst, weil Ihre Schwiegermutter dringend ärztliche Hilfe braucht!


    Ihnen wünsche ich sehr, dass Sie eine gute Lösung finden!

    Ihr Martin Hamborg

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    Hallo Carmen _vom_Bauernhof34

    Mein Mann besteht auch nicht auf die Überprüfung seiner Mutter durch die Pflegekasse, da er befürchtet, dass dann permanent Kontrollen zu uns nach Hause kommen.

    eine permanente Kontrolle gibt es nicht, im Sinne von ständigen Hausbesuchen oder etwas dergleichen, wie Martin Hamborg schon schrieb. Es gibt Beratungsgespräche, die halb- oder vierteljährlich stattfinden.
    Könnte man Ihrem Mann die Dinge nicht vielleicht über den finanziellen Aspekt "schmackhafter" machen? Sie beschreiben Probleme ja auch in der Haushaltsführung. Ggfs. wäre darüber etwas Unterstützung finanzierbar. Für den Anfang - z.B. im Rahmen von Nachbarschaftshilfe od. ähnl., wie molli schrieb.

    Wahrscheinlich fragen Sie sich, warum ich als Schwiegertochter das nicht übernehme.

    Das habe ich mir ehrlicherweise nicht gefragt. Denn: je klarer jemand die Entscheidung für sich trifft, wozu er bereit ist, was er leisten kann, desto besser. Kein(e) Angehörige(r) sollte sich rechtfertigen müssen dafür, wie weit das geht oder nicht geht. Wichtig scheint mir eher, dass Sie für sich selbst die Linie halten und "bei sich" bleiben.

    Ich kann das an dieser Stelle nochmals nur verstärken: hier ist auch eine ärztliche Abklärung notwendig. Wechseln Sie zur Not den Arzt, falls möglich oder fragen Sie bei der KK nach, was ein gangbarer Weg sein könnte und lassen Sie sich bei der Suche unterstützen. Bei Ihrem ersten Eintrag musste ich unmittelbar auch an eine möglicherweise unerkannte Infektionslage denken, ohne direkt das jetzt an etwas festmachen zu können.

    Da Sie schrieben, dass auch die Kinder bzw. Enkel die Veränderungen der Oma mitbekommen und Sie sich tollerweise Mühe geben, so gut als möglich die Dinge zu erklären: es gibt Kinderbücher zum Thema Demenz (sofern es eine ist), die Eltern beim Erklären unterstützen. Vielleicht kann Ihnen dies mal eine Hilfe sein. Eine Liste finden Sie z.B. bei derAlzheimer Gesellschaft BW, aber auch Infos hier im Wegweiser.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

  • Liebe Carmen -


    ich gebe molli recht: Schalte die Pflegekasse ein. Zur Einstufung findet ein Gespräch mit Deiner Schwiegermutter statt und es kommt niemand wiederholt zu euch - außer, ihr möchtet den Pflegegrad erhöhen. Ich war damals bei der ersten Einstufung meiner Mutter nicht dabei, weil sie sonst nur geschimpft hätte. Und Du solltest schauen, dass Du (oder Dein Mann) eine Vorsorgevollmacht von ihr bekommt. Sie erleichtert vieles, wenn Deine Schwiegermutter nicht mehr entscheiden kann. Vor allem aber: Gib auf Dich acht.


    LG

    Tanja

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