Entscheidung Pflege zu Hause oder Pflegeheim für meine Eltern

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  • Hallo zusammen,


    ich bin gerade dabei meine beiden Eltern in einem Pflegeheim unterzubringen und bin mit mir selbst am kämpfen

    ob ich die beiden nicht lieber zu Hause in unserer Wohnung, mit Hilfe vom Pflegedienst und einer Tagesplfege für meine Mutter pflegen sollte. Ich muss ein wenig weiter ausholen, mein Vater ist im Januar bei einem Krankenhausaufenthalt gestürzt und musste wegen einer Hirnblutung operiert werden, lag danach im Delir durch die Narkose. Er läuft sehr unsicher (soll eigentlich nur am Rollator laufen) und hat einige Ausfallerscheinungen, die Ärzte sprechen auch von beginnender Demenz. Davor hat er sich tagsüber solange ich arbeiten war um meine an Demenz erkrankte Mutter gekümmert. Ihr Zustand ist leider sehr schwankend, mal kann man sich mit ihr über alle Probleme die wir haben gut verständigen, mal fragt sie wo mein jüngeres Ich ist oder verwechselt meinen Vater mit ihrem Vater. Wenn man auf sie aufpasst ist sie zur Zeit noch super zu "händeln". Eins steht für mich aber fest, alleine lassen kann man die beiden mit sich selber nicht mehr. Ich habe mittlerweile ein Doppelzimmer in einem Pflegeheim ganz hier in der Nähe unserer Wohnung in Aussicht (müsste nur noch unterschreiben, Vollmachten dafür habe ich). Was jetzt sehr an mir nagt ist der Fakt das es für beide, vorallem für meine Mutter extrem schwierig werden wird sich an das Pflegeheim zu gewöhnen, das gilt leider auch für mich, ich habe während des Krankenhausaufenthalts meines Vaters, mich einige Male gefragt wie die Versorgung (gute Versorung) mit so wenig Personal überhaupt funktionieren soll und auch gemerkt das dies teilweise gar nicht möglich ist. Deshalb habe ich schon einige Male darüber nachgedacht meinen Job zu kündigen und mich zu Hause, mit Hilfe, um die beiden zu kümmern. Ich selber bin 41 Jahre alt, habe keine eigene Familie und bin Angestellter, meine Arbeit dafür aufzugeben ist für mich daran der schwierigste Punkt, da man auf dem Arbeitsmarkt ja im Moment nicht so richtig weiß wo die Fuhre hin geht. Ich weiß, dass das Pflegeheim die objektiv rationalste Lösung ist, doch der Gedanke daran meine Mutter/Vater in einer ihnen fremden Umgebung einer ungewissen Versorung zu überlassen ist für mich im Moment extrem schwer zu ertragen.


    Vielen Dank im Voraus, für Ihre, Eure Meinungen!


    mfg Sascha

  • Hallo Sascha,

    Deinen Konflikt verstehe ich gut, du wünschst dir für deine Eltern offensichtlich, dass sie sich an ihrem Lebensabend wohlfühlen und du dir nichts vorwerfen musst.

    So wie du die Situation beschreibst, sind beide stark pflegebedürftig und man muss, realistisch betrachtet, davon ausgehen, dass der Bedarf steigen wird, irgendwann Inkontinenz, nächtliches Herumlaufen, vllt Verhaltensprobleme hinzu kommen.. ich behaupte einfach mal, bei allem guten Willen ist das 24/7 für dich allein nicht zu stemmen. Du bist auch keine Maschine, kannst selbst krank werden o.ä.

    Wenn du nun also quasi nur noch zugreifen musst bei dem Doppelzimmer im Heim, ist das eine große Chance, vor allem wenn es finanziell machbar ist. Und ganz wichtig: wenn es aus irgendwelchen Gründen in diesem Heim überhaupt nicht OK ist, kann man den Vertrag kündigen, sofern eine andere Möglichkeit besteht?

    Hast du denn einen guten Eindruck von dem Heim? Der Atmosphäre?

    Meine Mutter ist in einem gut geführten Heim, anfangs lange nicht grundsätzlich begeistert, aber nun genießt sie die Pflege, die Angebote des Heimes, die regelmäßigen Kontakte dort, es wird viel gelacht etc. Und ich kann sie in Ruhe besuchen und kann mein Leben weiterführen..

    Wenn du hier andere Beiträge liest, wirst du sehen, dass Demenz nicht aufhaltbar ist, auch wenn man es noch so will.

    Liebe Grüße

  • Hallo.

    Ich stimme Rose60 absolut zu.

    Im Heim ist immer jemand da, der sich kümmert.

    Einen Dementen kannst du irgendwann nicht mehr alleine lassen.

    Es kommt zu Stürzen, sie verweigern viel, werden grantig und benehmen sich wie kleine Kinder.


    Sie werden im Heim bespasst, essen gemeinsam und sitzen nicht nur alleine rum.

    Das Heim wo meine Mutter war, hat mir gefallen, und die haben gute Bewertungen.

    Ich würde es dur empfehlen.

    Sicher habe ich am Anfang auch vieles kritisiert, aber die Zeit kommt wo man kleine Brötchen backt und dankbar ist, dass es Pfegeheime gibt und sich nicht mehr über jede verloren gegangene Socke in der Wäscherei aufregt.

    LG

    • Neu
    • Offizieller Beitrag

    Hallo Sascha1982 ,


    willkommen im Forum. Ja, keine leichte Entscheidung. Hier haben bereits erfahrene Angehörige geantwortet und Sie werden vermutlich noch weiteren Rat erhalten.
    Ich möchte eigentlich nur zwei Dinge anmerken: egal wie Sie sich am Ende entscheiden - es muss nicht endgültig sein. Heißt, auch wenn Sie jetzt für die Unterbringung in der Einrichtung sorgen, wäre es ja nicht so, dass Sie niemals wieder eine andere Entscheidung treffen könnten. Natürlich ist jeder Umzug, jede Ortsveränderung mit Schwierigkeiten verbunden und eine Sache der Abwägung. Aber es ist auch nicht so, dass Sie nicht zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden könnten, einen oder beide Elternteile zu sich zu holen. Aus Ihren Worten sprach für mich eine gewisse "Endgültigkeit" - deshalb wollte ich das anmerken und wer weiß, vielleicht gewöhnt sich auch Ihre Frau Mutter so gut ein nach ein paar Wochen, dass Sie erstaunt sind?

    Weiter fällt mir noch der Hinweis auf Vereinbarkt von Pflege und Beruf (PflegeZG) ein. Je nach dem sollten Sie sich mit weiteren Fragen dazu ggfs. an das Forum zu den gesetzlichen Leistungen werden.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

  • Ich weiß, dass das Pflegeheim die objektiv rationalste Lösung ist, doch der Gedanke daran meine Mutter/Vater in einer ihnen fremden Umgebung einer ungewissen Versorung zu überlassen ist für mich im Moment extrem schwer zu ertragen.

    Lieber Sascha, willkommen im Forum.

    Es ist eine schwierige Frage, was denn nun die bessere Entscheidung ist. Da spielen so viele Faktoren mit hinein ... man kann das eigentlich häufig nur für den Einzelfall entscheiden.

    Voraussetzung für heimische Pflege ist m.E., dass die Dementen noch einigermaßen zuverlässig agieren (nicht weglaufen, keine gefährlichen Dinge tun), dass der Pflegebedarf nicht ein gewisses Maß überschreitet (z.B. dass sie nicht inkontinent sind), dass sie lieb und umgänglich sind und v.a. dass sie Pflege von dir und von außen geduldig zulassen.


    Meine Mutter war lange noch zu Hause. Ich kann aber sagen, dass der Zeitpunkt kam, wo es absolut nicht mehr ging. Schlimm war, dass sie eben keine nötige Hilfe zuließ, v.a. nicht von Pflegekräften.


    Obwohl unser Leben nur noch auf meine Mutter fixiert war, stürzte sie eines Tages bzw. erlitt einen Zusammenbruch infolge Dehydrierung. Ich glaube, sie würde nicht mehr leben, hätte ich sie damals nicht ins Pflegeheim gebracht.


    Meine Mutter wollte niemals in ein Pflegeheim (lieber tot sein als das), aber die Demenz verändert den Menschen und dessen Wünsche total!!! Ich glaube, dass dies für uns schwer nachvollziehbar ist ... wir sehen immer den Menschen von früher, der sich aber längst gewandelt hat und für den auch wir ggf. nicht mehr die Rolle spielen, die wir früher einmal hatten.


    Zum Aufgeben des Jobs: Hier spielt es eine Rolle, wie sehr du den brauchst und magst. Für manche ist es (vorübergehend?) eine Win-win-Situation, einmal neue Wege zu beschreiten und die Pflege als neue Herausforderung anzunehmen. Aber man muss natürlich auch an die eigene Zukunft denken ...

    Ich kann nur aus meiner Sicht sagen: Ich würde NICHT wollen, dass meine Tochter wegen mir ihre Arbeit aufgibt. Keinesfalls! Das weiß sie auch und kann es diesbezüglich bei einer Entscheidung bedenken, sollte diese notwendig sein. Sie gehört schon zur nächsten Generation und für die fühle ich mich verantwortlich.


    Vielleicht hilft es dir, die Situation einfach noch eine Weile zu beobachten und aufmerksam zu überlegen, wohin das Pendel der Entscheidung tendiert, zunächst mal hierhin, mal dorthin. Ich wünsche dir, dass du den Zeitpunkt einer guten Entscheidungsmöglichkeit gut erkennst und dich dann zum Vorteil aller entscheidest.


    Und wie Herr Gust schon schrieb: Notfalls lässt sich eine Entscheidung auch mal rückgängig machen. Du brächtest deine Eltern ja nicht ins Gefängnis, sondern in ein Pflegeheim, das man wieder verlassen darf. (Außerdem finde ich nicht, dass es in allen Pflegeheimen schlimm ist. In unserem z.B. ist es nett ... ich würde selbst dorthin gehen, wenn ich müsste.).

    Alles, alles Liebe

  • Lieber Sascha,

    auch ich heiße dich hier herzlich willkommen, dieses Forum kann wirklich eine große Hilfe sein, bei Entscheidungen wie der, die du nun zu fällen hast.

    Ich habe mich sehr lange gewehrt meine hochbetagte, demente Mutter in ein Heim zu geben, und selbst als ich einsehen musste, dass es mit der häuslichen Pflege einfach nicht mehr geht, fiel mir die Entscheidung extrem schwer.

    Meine Mutter hatte bereits Pflegegrad 5 als sie im Sommer 2023 ins Heim kam.

    Seitdem besuche ich Sie täglich, bespaße sie und ihre Zimmerkameradin (sie ist ebenfalls in einem Doppelzimmer), sorge dafür, dass sie regelmäßig trinkt, reiche Essen an, putze mit ihr Zähne, etc.

    Das Pflegepersonal ist größtenteils sehr emphatisch und versteht es, auf die Wünsche und Bedürfnisse meiner Mutter einzugehen. Dennoch bin ich mit einigen Abläufen im Heim so garnicht einverstanden.

    Ich habe 2022 für die häusliche Pflege meiner Mutter meinen Job aufgegeben und habe es bis heute nicht bereut, denn ich kann meine Mutter nun täglich für einige Stunden besuchen und die Mängel in der Pflege, die durch die Personalknappheit entstehen, auffangen. Meine Mutter und auch das Pflegepersonal schätzen meine Anwesenheit und Hilfe, und ich lerne langsam mich mit den Gegebenheiten abzufinden. Es ist ein Prozeß, wie Rose60 es nennt.

    Mein Rat an dich ist: Give it a try..., und wenn du nach 2-3 Monaten merkst, dass der Heimalltag deinen Eltern nicht gut tut, kannst du diese Entscheidung ja wieder revidieren und eine andere Betreuungsform in die Wege leiten. Allerdings möchte ich dir auch raten, versuche bitte nicht 24/7 nur mit der Unterstützung eines Pflegedienstes und der Tagespflege dieses Intensivprogramm (zwei stark Pflegebedürftige) stemmen zu wollen. Das ist definitiv nicht zu schaffen. Ich hatte mir, während der Pflege meiner Mutter (nur eine Person) zu hause, ein Netzwerk von bis zu 7 Personen, die mich durch die Woche hindurch unterstützt haben, aufgebaut.


    Viele Grüße

    Silly

  • Lieber Sascha, auch von mir ein herzliches Willkommen!

    Du schreibst, dass sich Dein Vater vor seinem KH-Aufenthalt um Deine demenzkranke Mutter gekümmert hat. Nun ist er gesundheitlich selbst angeschlagen- natürlich wird er es trotzdem versuchen, wie bisher alles zu leisten, nehme ich an. Dabei spielt sicher auch ein Gefühl des verantwortlich-seins eine Rolle. Dies kann aber auch belasten, ob bewusst oder unbewusst.


    Ich würde es daher auf jeden Fall mit dem Heimplatz versuchen, denn da kann auf die Bedürfnisse BEIDER Eltern professionell eingegangen werden. ZB kann der eine bei einer Veranstaltung im Heim teilnehmen, während der andere einfach seine Zeit im Sessel genießt. Dieses „beiden Bedürfnissen gerecht werden“ kann meines Erachtens nur in einer professionellen Umgebung geschehen, das würde Dich irgendwann aufreiben.


    Dazu in einem gemeinsamen Doppelzimmer: das klingt doch wie ein 6er im Lotto. Sie haben „ihr“ Leben, Du kannst jederzeit hin und auch mit einem von beiden etwas unternehmen und weißt den anderen in der Zwischenzeit gut aufgehoben und betreut.


    Liebe Grüße!

  • Lieber Sascha,

    auch von mir herzlich willkommen.

    Du hast hier wirklich eine sehr schwierige Entscheidung vor dir. Viele Dinge sind zu bedenken und zu entscheiden und täglich kommen in der Pflege daheim neue Herausforderungen auf dich zu.

    Ich möchte aber nochmal auf den von Herrn Gust angesprochenen Aspekt zurückkommen bezüglich Vereinbarkeit von Pflege und Beruf.

    Besteht bei dir eventuell die Möglichkeit eine Auszeit für die Pflege in Anspruch zu nehmen? Eine Auszeit in Form einer unbezahlten Freistellung von z. B. mehreren Monaten würde dir Zeit verschaffen, die tatsächliche Situation mit all ihren täglichen Aufgaben besser beurteilen zu können und somit auch für dich zu entscheiden, ob du diese Situation auf Dauer bewältigen kannst und willst. Danach könntest du dich immernoch für eine Kündigung entscheiden oder aber andersrum für die Pflege deiner Eltern in einem Pflegeheim.

    Ich wünsche dir viel Kraft und alles Liebe.

    Vergiss dich selbst nicht bei dieser schwierigen Entscheidung.

    Liebe Grüße

  • Guten Abend,


    vielen, vielen Dank für die zahlreichen, hilfreichen Anworten, an euch alle, ich habe mir das Pflegeheim jetzt mehrmals angeschaut und auch Fotos für meine Eltern gemacht und ihnen gezeigt und sie sind auch der Meinung das wir diese

    Chance nutzen sollten, darüber bin ich schon sehr froh. Und es ist ja letztlich wie viele von euch auch meinten, keine endgültige Entscheidung. In den letzten Tagen geht es meinem Vater leider sehr schlecht und das hat mir gezeigt dass ich diese Situationen (Arzt und Medizin mal schnell in der Nacht auftreiben etc.) in häuslicher Pflege nicht lösen könnte ohne einen der beiden zu vernachlässigen. Ich werde also morgen den Heimvertrag studieren und unterschreiben. Und dann hoffen wir mal dass sich beide Stück für Stück im Heimalltag einleben werden. Ich werde berichten und mich weiter im Forum informieren.


    Nochmals vielen Dank! Liebe Grüße, Sascha

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