Demenz im Alltag

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  • (vorübergehende) Unterbringung im Einzelzimmer

    Ich nerve ja schon die Verwaltung... Sie sagen, sie haben keine Möglichkeit. Außerdem hat meine Mutter dort hinterlassen, dass diese Sachen mit ihr und nicht mit mir besprochen werden. Das ignoriere ich aber und rufe weiter an.


    Ein anderes Doppelzimmer hatte ich auch schon als Idee. Ich hake morgen noch mal nach.

    Schönen Abend in die Runde und bis nach Afrika!

    Liebe Grüße Sabine

  • Liebe Sabine,

    Diese von dir beschriebene Situation finde ich ebenfalls nicht hinnehmbar, da kann ich voll zustimmen. Hast du mit der Heimleitung gesprochen, auch bzgl.der wahren Diagnose? Das hatte ich so nicht auf dem Schirm.

    Ich bin ebenfalls von DZ nicht zu überzeugen und geduzt wird im Heim meiner Mutter niemals. Die Idee mit dem Hausarzt und schriftlicher Begründung für Einzelzimmer finde ich gut.

    Schreib mal alles für dich auf. Es gibt doch sowas wie Heimaufsicht.. also da würde ich auch zur "Löwin".

    Wie an anderer Stelle bemerkt, in meiner Umgebung gibt es seit Jahren nur Einzelzimmer.

    Ich drücke alle Daumen! 🍀

  • Guten Abend in die Runde.

    Soeben habe ich die schöne Nachricht von einer Freundin meiner Eltern erhalten, dass mein Vater morgen in ein Einzelzimmer kommt. Wieso es jetzt doch geht. Keine Ahnung... Damit kommt erstmal etwas Beruhigung in die Sache. Puh. Ich bin sehr erleichtert...


    Dennoch möchte ich von der Betreuungsstelle begutachten lassen, ob meine Mutter noch in der Lage ist, die Verantwortung zu erfüllen. Es werden möglicherweise ja noch viele schwere Entscheidungen kommen. Und eigentlich möchte ich auch ein besseres Heim für ihn. Wir schauen jetzt mal wie es geht im Einzelzimmer. Wenn er dort zufrieden ist, bin ich happy. Dass meine Mutter ihn fast nie besucht, das ist dann jetzt eine Geschichte zwischen meinen Eltern...


    Liebe Grüße

    Sabine

  • Liebe Sabine,

    Ich gratuliere dir von ganzem Herzen zu diesen guten Neuigkeiten! Wieso, weshalb, warum es nun plötzlich möglich war, deinem Vater ein Einzelzimmer zu geben, du wirst es sicher noch erfahren. Da kannst du jetzt wenigstens erstmal durchatmen. Alles andere wird sich nach und nach auch klären.

    Ich hatte mir vorgenommen, im Urlaub so wenig wie möglich an meine Mutter zu denken. Bis jetzt hab ich auch nur einmal mit ihr telefoniert. Sie ist zum Glück relativ ruhig, aber sie sagte mir, dass sie unbedingt meinen Vater anrufen muss und die Telefonnummer nicht findet. Mein Vater ist vor knapp 10 Jahren verstorben. Bisher hatte sie es noch nicht, Verstorbene zu sehen oder nach ihnen zu fragen. Ich war so überrascht davon, dass ich selbst erstmal sprachlos war. Das ist wieder ein krasser Schritt zurück, finde ich. Auch wenn ich das hier schon so oft von anderen gelesen hab, macht es mir ganz schön zu schaffen und ich hab fast einen ganzen Tag gebraucht, bis ich wieder an etwas anderes denken konnte.

    Einen schönen Abend noch und liebe Grüße

    Stern

  • Liebe Stern.

    Genieße noch Deinen Urlaub. Jede Veränderung in der Demenz ist eine neue Herausforderung. Ich wurde erst vor 4 Monaten so krass damit konfrontiert. Bei dem akuten Schub habe ich immer gedacht, auweia er ist total verrückt geworden. (8 Std. In der Notaufnahme mit völlig absurden Gesprächen und Situationen). Und jetzt habe ich mich Schritt für Schritt an den neuen Zustand herangetastet. Und erkenne immer noch den besonderen Menschen, der mein Vater immer war und ist. Wie mein Sohn mal sagte. Im Alter zahlt sich aus, wenn man immer ein freundlicher guter Mensch war. Und ich bin glücklich, dass er einfach noch da ist...


    Einmal hat er nach meiner Schwester gefragt, die vor drei Jahren gestorben ist. Kommt sie denn auch mal? Dann habe ich gefragt. Weißt du was mit ihr ist? Und dann hatte er es sofort parat. Achja sie ist gestorben.


    Aber das wird sich ändern, dass er sich daran erinnert. Wie ich darauf richtig reagiere, muss ich mir dann noch aneignen.


    Für heute aber kann ich das erste Mal seit Wochen beruhigt ins Bett gehen.

    Liebe Grüße

    Sabine

  • Liebe Sabine,

    ich freue mich von Herzen für Dich und Deinen Vater, dass er jetzt so etwas wie Intimsphäre hat und sich in sein kleines Reich zurückziehen kann. Die Kräfte Deiner Mutter sind begrenzt - sie hat ja bis zur Krankenhauseinweisung mit Deinem Vater zusammen gelebt und ich kann mir vorstellen, dass sie einfach erschöpft ist und mit der Demenzerkrankung Deines Vaters nicht so gut zurecht kommt.

    Du besitzt noch Kraft und kannst Dinge anstoßen, die Deinem Vater zugute kommen könnten. Du übernimmst Verantwortung - trotz der großen Entfernung und trotz der Schwierigkeiten mit Deiner Mutter.

    Das spricht dafür, dass Dein Daddy bei Deiner Erziehung vieles richtig gemacht hat!

    Was mir noch eingefallen ist: Beim Pflegestützpunkt in dem Bezirk, wo Deine Eltern leben, gibt es sicher eine Liste mit „Betreuungsdiensten“ - hier können stundenweise, zumeist Damen, gebucht werden, die dem Pflegebedürftigen Gesellschaft leisten, Spaziergänge machen etc.. Vielleicht wäre es für Dich und Deinen Vater eine Option, vor Ort noch jemanden mit ins Boot zu holen, der hin und wieder nach Deinem Vater sieht (weil Deine Mutter es nicht häufiger schafft). Toi, toi, toi. Am Ende wird alles gut - und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende. LG molli

  • Liebe Sabine,

    Das freut mich von Herzen für dich und deinen Vater, warum es so kam? Ich würde es ruhen lassen und einfach freuen.

    Und auf die "schrägen" Fragen nach verstorbenen zu antworten ist nicht immer schwer😉 meine Mutter fragt oft, ob ich von ihrer Mama was gehört habe oder mit ihren Brüdern gesprochen habe, da kann ich ganz einfach "nein" sagen.. man gewöhnt sich an vieles

    Liebe Grüße

  • Ihr Lieben.

    Vielen Dank für Eure Antworten und Kommentare. Im Moment bin ich total erleichtert. Heute hatte ich ein langes Gespräch mit dem zuständigen Vertreter in der Betreuungsstelle. Morgen werde ich meinen Vater besuchen und ihn nochmal fragen, ob er möchte, dass ich oder ein rechtlicher Betreuer die Vollmacht übernimmt. Ich vermute aber, dass er es durch die neue Situation nicht mehr unbedingt möchte. Keine Konflikte...


    Und ich bin auch gerade nicht scharf auf neue Auseinandersetzungen. Dann würde ich den Antrag vorerst zurückziehen. Wenn meine Mutter irgendwann wirklich gar nicht mehr kann, bin ich ja sowieso bevollmächtigt. Bis dahin muss ich es wohl aushalten.


    Wegen Besuchsdiensten habe ich mich auch schon erkundigt. Es gibt ja schon so ein paar Dinge, die ich aus der Ferne erledigen kann.


    Ich danke Euch sehr für euren Zuspruch.

    Liebe Grüße

    Sabine

  • Die Kräfte Deiner Mutter sind begrenzt - sie hat ja bis zur Krankenhauseinweisung mit Deinem Vater zusammen gelebt und ich kann mir vorstellen, dass sie einfach erschöpft ist und mit der Demenzerkrankung Deines Vaters nicht so gut zurecht kommt.

    Ja. Sie ist erschöpft. Das kann ich auch verstehen... Andererseits besteht das Muster schon länger. Vor 5 Jahren hatte meine Vater eine Nieren-OP mit schweren Kompliktionen. Auch damals hat sie ihn nur einmal besucht. Da lebte meine Schwester noch und sie ist jeden Tag zu ihm gefahren. Er musste ein zweites Mal operiert werden und sie ließ ihn allein damit. Später ht mein Vater mir erzählt, dass er vor der zweiten OP dachte, sein letztes Stündlein hätte geschlagen und sehr traurig war, damit allein gewesen zu sein.


    Vor einem halben Jahr ging es meinem Vater wohl nicht gut und die Putzfrauen hat etwas Panik gemacht. Der Rettungswagen kam und dann hat die Putzfru und nicht meine Mutter ihn begleitet. Ich kann und werde das wohl nie begreifen...


    Jetzt ist aber erstmal kein dringender Handlungsbedarf und ich kann nach Monaten endlich durchatmen.


    Liebe Grüße

    Sabine

  • Sabine67

    Hat den Titel des Themas von „Demenz und Unterbringung im Zweibettzimmer“ zu „Demenz imPflegeheim“ geändert.
  • Heute erster Besuch im neuen Einzelzimmer. Es ist relativ klein, aber erstmal okay. Dafür hat mein Vater jetzt einen Militärhaarschnitt, über den er SEHR unglücklich ist...


    Ich hatte ihn vor zwei Wochen extra in die Stadt zu "seinem" Frisör gebracht und dem Heim mitgeteilt, dass wir uns um die Haare kümmern (er ist sehr eitel).

    "Aus Versehen" kam er nun doch zum Heimfriseur. Offensichtlich fragen die nicht wie geschnitten werden soll und achten nicht auf den bisherigen Haarschnitt... Mein Vater hatte die Haare immer etwas länger. In der 70er Jahren haarsozialisiert! Jetzt kann man sagen, sind ja nur Haare und wachsen wieder. Aber es geht darum, dass er sich einfach so entmachtet fühlt. Und das kann ich verstehen.


    Heute morgen konnte ich mal halbwegs normal mit meiner Mutter telefonieren. Den Brief für eine Anhörung bei der Betreuungsstelle hatte sie schon erhalten. Ich war ganz erstaunt, dass sie nicht total wütend deswegen war... Ich habe ihr gesagt, ich möchte, dass uns jemand berät, wie sie entlastet werden kann und wir alle wieder in ein halbwegs lebbares Leben zurückkehren. Das hat sie nicht kommentiert.


    Ich hoffe, dass sie mitttlerweile selbst einsieht, dass es so nicht weiter geht. Allerdings hat sie einer Freundin erzählt, dass sie ja den Heimvertrag unterschrieben hat und daher für nichts mehr zuständig ist. Gut, wenn ihr das nochmal eine neutrale Stelle erklärt. Dass sie sich trotzdem um so Dinge wie Brille, Friseur usw. kümmern muss.


    Bis auf die neue Frisur erstmal alles im grünen Bereich.

    Liebe Grüße

    Sabine

  • Sabine67

    Hat den Titel des Themas von „Demenz imPflegeheim“ zu „Demenz im Pflegeheim“ geändert.
  • Hallo Sabine,

    Die Haare wachsen wieder!! Man muss akzeptieren, dass man im Heim nicht alles unter Kontrolle haben kann und wir müssen als Angehörige akzeptieren, dass wir unsere Eltern/teile dort nicht vor allem schützen können, und da ist das Einzelzimmer nun erstmal wichtiger 😊 mir ist das anfangs auch schwer gefallen und ich musste lernen mehr loszulassen.

    Bei meiner Mutter fing nach kurzer Zeit die Coronazeit an und da kam monatelang kein Friseur ins Haus, ich durfte ja auch nicht hin und die Pfleger konnten nicht mit "Haare aufdrehen" anfangen, fönen fand meine Mutter unter ihrer Würde... Zum Glück wird nun wieder "aufgedreht", gefärbt etc.

    Ansonsten klingt es wirklich so, als möchte deine Mutter alles an Verantwortung abgeben und das ist nicht ungewöhnlich im fortgeschrittenen Alter. Bin gespannt wie es bei euch weitergeht.

    Liebe Grüße

  • Liebe Rose.

    Danke und ja es sind nur Haare... Aber so vermeidbares Unglück. Naja. Passiert halt. Mein Vater fand es so "SPIEßIG" ☺️. (Alt 68er aber ohne Hippy).


    Mit dem Einzelzimmer ist prima. Auf dem Gang zwei Bilderrahmen mit Todesdaten aus dieser Woche und Kerzen. Deshalb war jetzt so schnell etwas frei... Den Grund dafür muss man etwas ausblenden. Aber das Sterben im Heim gehört eben auch dazu.


    Der Typ von der Betreuungsstelle meinte, ich solle es noch mal mit meinem Vater besprechen. Ich habe ihm dann heute erklärt, dass meine Mutter das so jetzt nicht mehr schafft und sie Unterstützung braucht. Und ihr ein rechtlicher Betreuer viel abnehmen könnte. Das fand er gut. Also wird er nächste Woche von der Betreuungsstelle befragt und meine Mutter auch.


    Bin sehr gespannt. Es gibt auch noch das Szenario Widerruf. Wenn ein Sachverständiger der Ansicht ist, dass mein Vater das noch überblickt, kann er die Vollmacht widerrufen. Mein Vater hat heute selbst gesagt, dass es ein Fehler war, seiner Frau das zu übertragen. Weil sie eben viel zu alt dafür ist...


    Liebe Grüße aus dem Zug,

    Sabine

  • Liebe Sabine, das sind ja erfreuliche Wendungen. Prima! Auch, dass die Betreuungsstelle sich so schnell einschaltet. Die Reaktion Deiner Mutter passt gut, sie scheint froh zu sein, dass sie „raus“ ist - offenbar glaubte sie ja schon, das jetzt zu sein. Es kann sein, dass sie Deinen Vater auch wieder „freier“ besucht, wenn sie nicht mehr in der Verantwortung ist.

    Evtl. bist Du ja dann zuständig, dann wäre das m.E. das Abbild von dem, was gerade sowieso abläuft: DU kümmerst Dich und tust es gerne und verantwortungsvoll. Warum also nicht dem ganzen rechtlichen Brief und Siegel geben.

  • Liebe Sabine,

    bei rechtlichen Betreuern, die vom AG bestellt werden, gibt es „solche und solche“. Wenn Dein Vater noch einigermaßen kommunizieren und vielleicht auch eine Unterschrift leisten kann: Wäre nicht eine auf Dich lautende Vollmacht (Vorsorgevollmacht: https://www.wegweiser-demenz.d…n/vollmacht-und-testament) das mildere Mittel? Als amtlich bestellter Betreuer ist man gegenüber dem AG immer rechenschaftspflichtig - mit einer Vorsorgevollmacht entfällt das. Bei meiner Mutter wurde schon vor zwei Jahren eine Demenz diagnostiziert und im letzten Jahr haben wir zusammen eine Vorsorgevollmacht ausgefüllt, mit der ich bevollmächtigt bin, etliche Aufgabenkreise (Gesundheit, Post, Behörden, Bank etc.) für sie wahrzunehmen. Die Vollmacht haben wir bei der hiesigen Betreuungsbehörde amtlich beglaubigen lassen. Ich selbst musste auch erst lernen, für meine Mutter Verantwortung zu übernehmen und versuche, sie natürlich in jeglicher Hinsicht mit einzubeziehen. Wir sind beide ein bisschen gewachsen, weil meine Mutter gelernt hat, mir Entscheidungen zu überlassen und ich habe gelernt, Entscheidungen für meine Mutter zu treffen. Ich hoffe, dass Deine Mutter lernt, Dein Engagement zu schätzen - denn wer würde sich um sie kümmern, wenn sie nicht mehr kann? Ich drücke feste die Daumen, dass ihr das zu Dritt so regeln könnt, dass jeder damit gut leben kann. Liebe Grüße, molli

    P.S.: Als einziges Problem sehe ich die große räumliche Distanz. Die Demenz Deines Vaters wird voranschreiten, so dass auch der Pflegebedarf steigen wird. Auch wenn das Heim ein „Rundumsorglos“-Paket mit Wäscheservice, Friseur, Fußpflege, Arztbesuchen anbietet: es ist „Schema F“ und ersetzt keine menschlichen Kontakte von und nach außerhalb.

  • Liebe Molli.

    Es könnte ja ganz einfach sein... Die Vollmacht meines Vaters ermöglicht eine Untervollmacht und benennt mich als Ersatzbevollmächtigte. Meine Mutter könnte mir mit einem Zweizeiler die Vollmacht übertragen (das wäre mir am liebsten). Aber sie will nicht. Sie traut mir nicht bzw. sie traut mir zu, dass ich meinen Vater irgendwo anders unterbringe. Also warte ich ab, was der äußere Druck (den ich uns gerne erspart hätte) bewirkt. Vielleicht denkt sie um. Ansonsten kann ja auch ich zur rechtlichen Betreuerin bestellt werden. Dann eben mit Darlegung und Dokumentation.


    Die räumliche Distanz ist natürlich ein Problem. Auch für mich. Mein Wochenende nach einer langen Arbeitswoche beginnt Samstagabend um 20.00 Uhr. Auf Dauer geht das für mich auch nicht... Aber ich habe gelernt. Step by step. Jetzt kläre ich erstmal die Baustelle der rechtlichen Betreuung bzw. Vollmacht und dann sehe ich weiter.


    Vielen Dank für Eure Kommentare und die Anteilnahme.

    Liebe Grüße

    Sabine

  • Liebe Sabine,

    bis auf die Haare hört sich wirklich alles gut an. Betrachte das mal als das kleinere Übel.

    Dein Vater hat jetzt seine Ruhe und Privatsphäre, das war wichtig.

    Wenn du die Vorsorgevollmacht jetzt noch klären kannst, dann wäre es gut. Bei uns klappt alles prima damit. Wir haben sie vor 5-6 Jahren gemacht und ich hatte noch nie Probleme damit. Das ist auf jeden Fall der einfachste Weg und du bist niemandem rechenschaftspflichtig.

    Den Antrag bei Gericht würde ich aber nicht zurücknehmen, bevor die Sache mit der Vollmacht geklärt ist.

    Meine Mutter erinnert sich inzwischen nicht mehr an die Vollmacht.

    Deshalb wirft sie mir auch vor, dass ich alles unterschreibe für sie und noch dazu, ohne es mit ihr zu besprechen. Stimmt nicht, behauptet sie aber.

    Seit Anfang der Woche ist sie wieder auf der Agro-Schiene und beschimpft mich in jeder Hinsicht. Leider hat mich heute nach fast einer Woche nicht anrufen mein schlechtes Gewissen geplagt und ich hab sie angerufen.

    Kein freundliches hallo, nein na endlich rufst du an, sag mir wann ich hier endlich ausziehen kann….Die ganze Geschichte schon 100mal und öfter versucht, ihr zu erklären. Je mehr ich versuchte, sie abzulenken, desto lauter wurde die Stimme.

    All die guten Ratschläge hier sind total lieb gemeint und da steckt auch viel Erfahrung dahinter, funktionieren aber leider auch nicht immer. Ich weiß grade auch nicht, was ich noch machen kann, ihre Medikamente wurden im Oktober erst neu angepasst und 2-3 Monate ging es relativ gut.

    Das nette Gespräch von heute muss ich erstmal wegstecken und dann versuche ich erstmal nicht anzurufen….

    Ich wünsche dir und allen anderen hier noch ein schönes Wochenende.

    Liebe Grüße

    Stern

  • Einen Gedanken möchte ich hier noch loswerden.


    Mein Vater fragt mich gelegentlich, warum er nicht mehr zu Hause wohnen kann. Ich erkläre ihm dann, dass er für viele Dinge Unterstützung braucht und dass meine Mutter zu alt ist, um das zu leisten. Aber es ist natürlich nur die halbe Wahrheit. Meine Mutter ist nämlich eigentlich noch ziemlich fit. Weder immobil noch geistig eingeschränkt.


    Sie will es eben nicht. Und das ist natürlich auch ihr Recht, es so für sich zu entscheiden. Trotzdem macht es mich traurig, wenn ich lese, was ihr alle unternehmt, damit die Alten so lange wie möglich zu Hause leben können.


    Bei uns gab es keinen einzigen Versuch mit mobiler Pflege oder anderen Unterstützungen. Das ist bitter für meinen Vater, weil er noch so fit ist. Wir waren heute 2,5 Stunden in der Stadt. Im Café. In Geschäften. Mein Vater ist dort auch nicht desorientiert. Hat sich Sachen angeguckt oder ist mir hinterher getrottet. Unsere Gespräche waren überwiegend normal.


    Und weil er eben das Pech hat, in einem so frühen Zustand nun im Heim leben zu müssen, möchte ich unbedingt, dass er es so schön wie möglich hat. (jetzt kommen mir wieder die Tränen, weil ich so traurig bin über die ganze Situation....) Für mich fühlt es sich so an, als wurde er von meiner Mutter "entsorgt". Klingt hart, aber ich empfinde es so.


    Liebe Grüße

    Sabine

  • Liebe Stern.

    Ach wie schlimm für Dich. Ich höre sofort auf zu Jammern. Ich habe den besseren Part. Einen total bescheidenen, liebevollen und dankbaren Vater, der sein Schicksal akzeptiert...


    Da möchte ich echt nicht tauschen. Wenn es mit Mutter mal soweit ist, wird sie wohl auch eher so wie Deine Mutter. Das tut mir sehr leid für Dich.... Das ist ja ein fast täglicher Horror. Und du hast trotzdem die Kraft, weiterzumachen. Bewunderung!


    Fühl dich lieb gegrüßt

    Sabine

    Einmal editiert, zuletzt von Sabine67 ()

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