Demenz im Alltag

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  • Ja ich fühle mich natürlich verpflichtet, schließlich ist sie meine Mutter… Klischee eben. Außerdem tut sie mir auch irgendwo leid. Sie beschwert sich ja ständig, dass sie nur alleine ist und dort niemand sich um sie kümmert. Problem ist nur, es ist nicht so, sie geht einmal pro Woche in die Tagespflege und an den anderen Tagen ist Einkaufen, Bingo, Seniorensport. Allerdings ist ihr Kurzzeitgedächtnis scheinbar vollkommen weg und von alledem weiß sie nichts, nicht mal eine Stunde später. War noch nie irgendwo…

    Im Prinzip bin ich, wenns ums Telefonieren geht noch ihr einziger regelmäßiger Kontakt. Ihre letzte Cousine, mit der sie regelmäßig gesprochen hat, ist Anfang Februar verstorben, meine beiden Söhne rufen in größeren Abständen mal ihre Oma an, die haben auch eine volle Agenda mit Arbeit und kleinen Kindern. Der Rest der noch lebenden Verwandschaft, alle von Seite meines Vaters, hat sich vornehm zurückgezogen. Nach dem Tod meines Vaters hatte sie ein paar gute Kontake zu Nachbarn, aber an die erinnert sie sich nicht mehr. Außerdem kommt sie mit ihrem Handy auch fast nicht mehr klar, im Prinzip geht telefonieren nur, wenn sie angerufen wird. Manchmal versucht sie es mit der Fernbedienung vom Fernseher, aber da geht irgendwie niemand ran …

    Es ist wirklich schwierig, aber die Zeiten, in denen ich solche Gespäche, wie heute jeden Tag hatte, sind bei mir auch vorbei. Das kann und will ich nicht mehr aushalten. Soviel Kraft hab ich dann doch nicht.

    Danke für deinen lieben Trost, hat mich ein bisschen aufgemuntert. Morgen ist ein neuer Tag, der kann nur besser werden und ich werde nicht meine Mutter anrufen. Wir haben 33 Grad morgen und gehen zum Strand. An den Rest werde ich mal versuchen, nicht zu denken.

    Liebe Grüße

    Stern

  • Du musst das halt aus Sicht deines Vaters beobachten und sehen, ob du und dein Vater damit euren Frieden machen könnt.

    Lieber schwarzerkater.

    Genau darum geht es. Und mir ist klar, dass ein Leben im Heim immer mit vielen Abstrichen verbunden ist. Letztendlich ist es eine Frage der Schmerzgrenze.


    Gestern habe ich aber nochmal gemerkt, dass das mit dem Heim so eigentlich nur funktioniert, wenn jemand von uns (meine Mutter oder ich) sich alle paar Tage kümmert. Gestern waren keine Schlafanzüge mehr da. Dann ist die Brille weg. Das Telefon im neuen Zimmer war nicht angeschlossen, weil Kabel zu kurz. Nachtischlampe geht nicht, weil keine Steckdose am Bett. Mein Vater unrasiert. Rasierer ging nicht, weil Akku leer (Kabeldose war noch im alten Zimmer.)


    Schon mehrfach habe ich meinen Vater gegen 19.00 Uhr angerufen. Er erzählte dann, er liegt schon im Bett. "Warum" frage ich? Weil ich schon die Nachtsachen anziehen musste. Das macht die eh schon schwierige Nacht wegen Schlafstörungen unerträglich lang.


    Angeklopft wird nicht. Geduzt wird vereinzelt (und es ist keine Duz-Kultur). Es werden nur die sehr dementen Bewohner geduzt oder je nach Pflegekraft. Die Polizeiaktion neulich und der aufgezwungen Haarschnitt kommen dazu....


    Gestern war ich nochmal in dem alten Zimmer, weil wir noch Sachen vermissten. Der frühere Mitbewohner sehr grummelig. Leicht aggressiv, als ich die Dinge von meinem Vater mitnehmen wollte... Ich wieder raus. Den Pfleger gebeten mitzukommen. Der alte Mann weiterhin sehr unfreundlich. Er bittet uns sofort sein Zimmer zu verlassen. Da sagt der Pfleger im barschen Ton, ich bin hier Pflege Fachkraft. Ich habe das Recht mich in jedem Zimmer aufzuhalten. Völlig unempathisch. Und das ist der Pfleger, der auch den Wohnbereich leitet.... Führungskraft.


    Bin ich da jetzt echt zu anspruchsvoll?


    Es würde mich interessieren, was bei euch so die Grenzen sind (oder wären). Und spiegelt mir gerne meine Einstellungen. Und schreibt mir, wenn ihr meine Ansprüche überzogen findet. Das hilft mir ungemein von euren Erfahrungen und Ansichten zu profitieren und bei mir alles zurecht zu rütteln.


    Liebe Grüße

    Sabine

  • Liebe Sabine, das mit dem „alle paar Tage kümmern“ kenne ich. Wenn man die Individualität des Bewohners/Verwandten erhalten möchte (und dieser das zulässt) ist das wohl nötig meiner Erfahrung nach. Im Heim wird je nach Einrichtung mehr oder weniger auf die speziellen Bedürfnisse des Bewohners eingegangen. Alles was über die Grundpflege hinausgeht oder zeitlich nicht machbar ist, bleibt oft auf der Strecke (von der Betreuung mal abgesehen, das sind oft/meist 2 Schienen. Die dürfen dann aber wieder keine pflegerischen Leistungen).

    Warte doch mal die Gespräche mit Betreuungsstelle/Gericht ab und deren Entscheidung- danach bist Du hoffentlich handlungsfähig und kannst auch Deinen Vater in Deine Nähe holen. Die Unzufriedenheit mit dem jetzigen Heim von Dir und Deinem Vater ist zwar nun durch das Einzelzimmer etwas kompensiert, bleibt aber offenbar grundsätzlich bestehen.

  • Da sagt der Pfleger im barschen Ton, ich bin hier Pflege Fachkraft. Ich habe das Recht mich in jedem Zimmer aufzuhalten. Völlig unempathisch. Und das ist der Pfleger, der auch den Wohnbereich leitet.... Führungskraft.

    Das klingt freilich, wenn man es so spontan und ungefiltert miterlebt, sehr unangenehm. Aber vielleicht ist es auch die Erfahrung dieses Pflegers, dass er bei diesem Bewohner so klar reagieren muss?

    Er könnte durchaus bei anderen Bewohnern ein freundlicher Mensch sein, kann aber wo nötig ohne persönliche Vorbeziehung anders reagieren als Angehörige es könnten?

    Das sind aber nur Gedanken, die nicht zwingend zutreffen müssen, aber den Eindruckl relativieren können.

  • Wie geschrieben. Ich bin unglaublich dankbar für jeden Gedanken von Euch... Und leider merke ich auch schon, dass ich in so eine negativ Wahrnehmung rutsche was das Heim betrifft. Bei der ganzen Trauer über die Situation und meiner Anstrengung seit Monaten, gerät schnell die Objektivität an ihre Grenzen... Aber ich bemühe mich sehr darum. Gegebenheiten anzunehmen, loszulassen usw. Vor allem auch die Arbeit der PflegerInnen wertzuschätzen. Auch ihnen Fehler im Alltag, die wir ja auch machen, zuzugestehen.


    Der alte Mitbewohner ist noch nicht lange da. Und der Pfleger meinte, er hätte ihn so noch nicht erlebt. Also kein "ich habe es schon 100mal freundlich versucht"...


    Liebe Grüße

    Sabine

  • Liebe Sabine,

    Nach meiner Erfahrung ist es so, dass sich manches erst "zurechtruckeln" muss und ich habe mich anfangs um eine gewisse Grundausstattung selbst gekümmert, wie z.B. Telefon anschließen (ist in manchen Heimen vorhanden, bei unserem nicht ), manchmal war es runtergezogen durch die Reinigungskraft oder auch meine Mutter? Manchmal hat sie es in einer Schublade versteckt.

    Wenn etwas an Kleidung fehlte oder knapp war, wurde ich angerufen. Bei dem Personalschlüssel kann nicht eine Pflegekraft immer alles auf dem Schirm haben wie Zuhause in Einzelbetreuung, das ist natürlich klar. Ich glaube aber, dass sie schon etwas mehr schauen, wenn sich ein Angehöriger mehr kümmert. Und die Pfleger sind natürlich sehr unterschiedlich.

    Im Heim meiner Mutter wird nicht geduzt, aber meine Mutter duzt vereinzelt, hat auch unter den Bewohnern dies teils "eingeführt" , die Reaktionen waren unterschiedlich, aber das ist natürlich ihr Ding.

    Nun ist es allerdings so, wenn ein gerichtlich bestellter Betreuer abgestellt würde, kommt der nicht mehrmals pro Woche, eher 1mal/Monat soweit mir bekannt ist.

    Von daher wäre es Summa summarum in deiner Nähe am einfachsten zu verfolgen, wenn du das leisten kannst und willst... Wir haben meine Mutter auch in meinen Nachbarort geholt, weil hier (nach Knochenbruch) das einzige Zimmer bei den von mir kontaktierten Heimen frei war(warum "frei geworden" ist sicher klar..).

    Vllt schaust du einfach mal in deiner Umgebung?

    Also im Heimatort meiner Mutter gibt es nur ein altes Pflegeheim mit vorwiegend DZ und kein angemessenes Bad, hier hat sie ein sehr schönes, helles EZ mit geräumigem Bad, schöner "Kapelle" nebenan, für sie sehr wichtig, und einer insgesamt guten Atmosphäre, Luft nach oben ist immer..

    Auf die Entfernung wirst du immer in Unruhe sein momentan. Ich habe nicht das Gefühl, dass du allzu anspruchsvoll bist, sondern dass es für deinen Vater angenehm i.S.v.gut aushaltbar sein soll.

    Ich selbst habe den Vorteil, dass ich zwei Pflegerinnen von Mutters Station persönlich kenne, eine weitere war in der Pflege meines verstorbenen Mannes beschäftigt, das ist natürlich zusätzlich angenehm für mich. Manchmal bekomme ich mit, dass eine Pflegekraft genervt ist und auch vereinzelt etwas barsch zu Bewohner sein kann, hart aber herzlich irgendwie, aber ich habe eben auch mitbekommen, wie sie ewig lange nach verschusselten Sachen wie Schlüssel oder Brille der Bewohner mit suchen - einmal hatte meine Mutter die Brille auf der Nase und hat den Pfleger beschimpft, die Brille geklaut zu haben. So kann dort der Alltag sein und ich kann dann Genervt sein nachvollziehen.

    Liebe Grüße für heute 🍀

  • Liebe Rose,

    Danke für Deine Gedanken und Einordnungen. Und natürlich sind auch PflegerInnen keine Übermenschen und unsere Angehörigen zuweilen echte Nervensäge. Dass das im Alltag und Stress nicht immer wie im Lehrbuch klappt, ist doch völlig klar. Es gibt aber auch in jeder Einrichtung ein Mindset und da habe ich mittlerweile so einen gewissen Eindruck...


    Sofort würde ich meinen Vater gerne in meine Nähe holen. Aber was mache ich mit meiner Mutter? Sie sieht die Problematik nicht. Aus ihrer Sicht ist mein Vater versorgt und sie schaut alle 1 bis 2 Wochen mal nach ihm.


    Selbst wenn ich die Vollmacht bekomme, weiß ich nicht, ob so ein Umpflanzen das Richtige ist. Der Besuch von Freunden ist ja auch schön und wichtig. Im Moment versuche ich es so gut es geht, auszuhalten und bei wöchentlichen Besuchen und telefonisch so viel wie möglich zu regeln.


    Liebe Grüße

    Sabine

  • Selbst wenn ich die Vollmacht bekomme, weiß ich nicht, ob so ein Umpflanzen das Richtige ist. Der Besuch von Freunden ist ja auch schön und wichtig. Im Moment versuche ich es so gut es geht, auszuhalten und bei wöchentlichen Besuchen und telefonisch so viel wie möglich zu regeln.

    Ich gehe davon aus, dass deine Mutter den Finger am ehelichen Geldbeutel hat. Was hilft dir eine Vollmacht für deinen Vater, wenn du keine Bankvollmacht für das Konto deiner Eltern hast? Du kannst doch das Heim für deinen Vater nicht finanzieren.
    Ich denke, deine Zeit und deine Nerven sind hilfreich investiert, wenn du deinen Vater so viel wie möglich besuchst und ihn in praktischen Dingen unterstützt.
    Ich denke, du nimmst dir zu viel vor, wenn du ohne Zustimmung der Mutter über den Aufenthalt deines Vaters bestimmen willst.
    Liebe Grüße!
    Buchenberg

  • Achso. Ich habe nicht die Idee, dass ein rechtlicher Betreuer den Alltag regelt. Es geht auch eher um die Unterstützung, die Interessen meines Vaters zu vertreten. Bisher zahle ich für meinen Vater alles aus eigener Tasche, weil meine Mutter viele Wünsche meines Vaters für überflüssig hält... Klamotten, Schuhe, Alltagseinkäufe, neuer Rasierer, Friseur, Essen gehen, Taxis usw. Okay die letzte Brille hat sie vom Konto meines Vaters bezahlt. Meinte aber, er würde sie so selten aufsetzen, dass man eigentlich nicht so viel Geld dafür ausgeben müsste. (250 Euro)

  • Lieber Buchenberg.


    Mein Vater hat ein eigenes Konto und kann darüber bestimmen, wer es verwaltet und wofür das Geld ausgegeben wird... Im Moment ist es meine Mutter. Und natürlich hoffe ich, dass meine Mutter irgendwann ein Einsehen hat, dass die Situation so nicht geht.


    Meine Energie soll nachhaltig eingesetzt sein. Damit ich auch mal irgendwann zur Ruhe komme. Für wöchentliche Besuche ist die Entfernung zu groß und zu zeitaufwändig.


    Liebe Grüße

    Sabine

  • Ich verstehe, liebe Sabine, und die Freunde sind wirklich nicht unwichtig, die hat meine Mutter auch oft vermisst und das hat mir Druck gemacht und sehr leid getan. Da konnte nur vor Ort meine Schwester nicht mehr und so ist jede unserer Situationen anders..

  • Mein Vater hat ein eigenes Konto und kann darüber bestimmen, wer es verwaltet und wofür das Geld ausgegeben wird... Im Moment ist es meine Mutter. Und natürlich hoffe ich, dass meine Mutter irgendwann ein Einsehen hat, dass die Situation so nicht geht.

    Ich denke, da machst du dir falsche Hoffnungen.

  • Lieber schwarzerkater.

    Vielen Dank für deine Einschätzung. Und ja, man muss die Dinge neu bewerten, weder nach den eigenen Ansprüchen noch nach den früheren Bedürfnissen des Erkrankten.


    So finde ich erstaunlich, dass mein Vater diese Heimmöbel (helles Holzfunier) sogar schön findet. Früher hätte er das noch nicht mal in einer Ferienwohnung akzeptiert. Sein Geschmack war immer sehr exquisit. Nur hochwertige Bauhausmöbel und echte Klassiker.


    Und die Vorstellung: mein intellektueller Vater beim Bastel- und Singnachmittag. Horror. Nun merke ich, dass ihm viele kleine Dinge Freude machen. Die Erinnerung an früher, wenn ein WanderLied gesungen wird oder auch das schöne Ergebnis einer Bastelei. Es sind jetzt die kleinen Erfolgserlebnisse. Und das finde ich auch wunderbar, Hauptsache er ist glücklich damit.


    Liebe Grüße

    Sabine

  • Lieber SchwarzerKater.

    Lieben Dank für Deine Nachricht. Tatsächlich hast Du einen guten Punkt getroffen. Das Mitleid. Das ja nicht nur so heißt, sondern sich auch so anfühlt. Ich leide mit meinem Vater. Und bin nun der einzige, mitleidende Mensch für ihn...


    Sicherlich sind die Gründe vielfältig und nicht einfach nachvollziehbar warum meine Mutter sich so verhält. Langsam gelingt es mir besser sie zu akzeptieren. Auch der Selbstschutz gelingt besser. Über all ihre bösartigen Bemerkungen, über mich, meinen Vater, Freunde höre ich hinweg. Ich gehe darauf einfach nicht mehr ein. Damit klappt es schon besser.


    In vielen Momenten war ich fassungslos und wütend über die Empathielosigkeit meiner Mutter. Weil es so oft gekoppelt ist mit abwertenden Bemerkungen mir oder meinem Vater gegenüber. Ich kümmere mich seit vielen Monaten um alles allein. Neben einem anspruchsvollen Vollzeitjob und einer 100 km Entfernung. Mittlerweile werde ich nachsichtiger. Das Alter meiner Mutter verstärkt ihre negative Grundhaltung allen Menschen gegenüber und das ist wirklich schwer auszuhalten.


    Mein Vater hat meine Mutter mal vor über 30 Jahren betrogen und es wirkt so, als wäre jetzt der Zeitpunkt gekommen, es ihm heimzuzahlen. Diese These habe Freunde von meinen Eltern auch schon formuliert. Muss ich das akzeptieren?


    Im Moment fühle ich mich nicht in der Lage zu akzeptieren, dass mein Vater völlig einsam und verlassen in diesem Heim leben muss. Weil genau das mich ans nervliche Ende bringen wird. Es gibt so viele Alternativen. Die Krankheit bleibt, aber es gibt auch ein Leben mit Demenz, das schon zumindest halbwegs schön sein kann.


    Und dafür werde ich kämpfen. Mit all meiner Energie und der tiefen Verbundenheit mit meinem Vater.


    Liebe Grüße

    Sabine

  • Liebe Sabine67, ich glaube Du musst dich vor allem von dem Gedanken lösen, zwischen Deinen Eltern vermitteln zu müssen. Selbst wenn es eine Retourkutsche Deiner Mutter ist, so kannst Du nichts daran ändern.


    Vielleicht hat sie sich in dieser Ehe auch "müde" gekämpft und will ganz einfach nicht mehr. Oder sie hat wirklich keine Kraft mehr, gepaart mit der Uneinsichtigkeit, dann doch alles abzugeben, was Deinen Vater betrifft.


    Im Moment ist Dein Vater ja nicht völlig einsam und alleine. Ich würde mal behaupten, er hat im Heim mehr Abwechselung und Ansprache, als er es alleine zu Hause mit Deiner Mutter hätte.


    Ich würde meine Kraft darauf konzentrieren, dass Du deinem Vater vielleicht einen Umzug in Deine Nähe und in - vielleicht eine Demenz WG - ermöglichen kannst. Ich glaube alle Kraft, die Du in die negativen Gedanken und Gefühle in Richtung Deiner Mutter steckst - ist vergeudet.


    Liebe Grüße

  • Vielen Dank für Eure Kommentare und Aufmunterungen. Auch das liebgemeinte "Pass auf Dich auf" kommt an... Und sicherlich kommt hier bei mir eine Wesensseite zum Tragen, die mir das Leben schon immer ein bisschen schwer gemacht hat. Die Dinge auszuhalten, die man (vermeintlich) nicht ändern kann. Und natürlich mich sehr für alles verantwortlich zu fühlen.


    Und nein. In das Beziehungsgeflecht meiner Eltern will ich nicht eingreifen. Ich vergeude nicht meine Energie (und habe es an keiner Stelle getan), das Verhalten meiner Mutter zu ändern. Das geht nicht. Es ist unumkehrbar, so wie die Demenz meines Vaters auch.


    Wenn sie ihn nicht besuchen will, dann ist das eben so. Trotzdem hat sie die Verantwortung. Und sie muss sich entscheiden, sie wahrzunehmen oder abzugeben. Das ist für mich nicht verhandelbar...


    Das Wohlbefinden oder Unwohlbefinden hat direkte Auswirkungen auf die Demenz. Der Abbau geht schneller oder langsamer, je nach Pflege und Wohnsituation. Im Heim ist halt Grundpflege und ab und zu Entertainment. In WGs und Wohngruppe werden die Bewohner in die Alltagsgestaltung einbezogen. Das hilft nicht nur gegen Langeweile, sondern erhält viele Funktionen.


    Dennoch habt ihr Recht. Ich gebe zu viel Energie rein und achte zu wenig auf mich. Das geht auf Dauer nicht...


    Heute richten wir erstmal das Zimmer schön ein.

    Liebe Grüße

    Sabine

  • Liebe Sabine,

    Es sind schon viele wichtige, wahre Gedanken zu dir gekommen und ich verstehe dein Problem mit dem Aushalten sehr gut. Ich denke die meisten hier mussten quasi erstmal "vor die Wand laufen", sich richtig schlecht bis krank fühlen, bevor man annehmen kann, dass wir nicht alles MACHEN können, manches hinnehmen MÜSSEN.

    Meine Mutter fand basteln und spielen absolut unter ihrer Würde, doch ich konnte ihr nicht soviel Aufmerksamkeit geben um ihre Trauer über den Auszug zuhause etc.zu nehmen und mit der Zeit hat sie sich auf andere Bewohner und sogar Basteln eingelassen und ich habe sie für Fensterschmuck oder eine selbst gemachte Kette bewundert und verstärkt, dass sie zur Ablenkung doch mitmachen soll. Das gemeinsame Tun ist ja oft auflockernd und gegen die Einsamkeit hilfreich.

    Für deinen Vater ist nun eine neue Zeit dran und vllt kann er ebenfalls für sich Neues entdecken. Ein großer Teil liegt auch bei ihm das Beste daraus zu machen und das darfst du durchaus abgeben. Keiner hält es ewig durch neben Job und eigenem Leben plus Zeiteinsatz durch Entfernung.

    Wir haben da alle unseren eigenen "Film laufen" - das ist so mein Bild 😉

    Liebe Grüße

  • Liebe Sabine67

    Und natürlich mich sehr für alles verantwortlich zu fühlen.

    Ich glaube, genau das hat die meisten von uns hierher geführt ...


    Und viele - und da schließe ich mich ausdrücklich mit ein - haben gelernt, dass wir eben nicht für ALLES die Verantwortung übernehmen müssen (können, dürfen), sondern dass wir etwas davon abgeben dürfen und dafür dann entspannter im Umgang mit den dementen Angehörigen sind.


    Liebe Grüße, SunnyBee

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