Demenz im Alltag

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  • Liebes Forum.


    Wie schon mal an anderer Stelle beschrieben, lebt mein an Demenz erkrankter Vater (83) seit einigen Wochen im Pflegeheim, zunächst in der Kurzzeitpflege und jetzt seit zwei Wochen in einem Doppelzimmer. Während es ihm in der Kurzzeitpflege relativ gut ging und er ein eigenes Zimmer genoss, habe ich jetzt den Eindruck, dass er kognitiv ziemlich schnell abbaut. Er ist ganz unruhig in dem Zimmer. Weil er gar nicht weiß, geht jemand an meine Sachen, wie kann ich mich hier verhalten, fühlt sich der Mitbewohner gestört durch mich und so weiter... ich habe das Gefühl, er kommt gar nicht mehr richtig zur Ruhe.


    Ich habe mit dem Pflegepersonal gesprochen, sie haben insgesamt den Eindruck, die beiden Männer würden miteinander klarkommen. Aber mein Vater ist ein sehr harmoniebedürftiger Mensch, der schnell sagt, alles in Ordnung. Und dann mir sein Herz ausschüttet...


    Jetzt meine Frage. Gibt es Erfahrungen mit Demenzerkrankten in Doppelzimmern? Ist es vielleicht eine Frage der Gewöhnung und es wird besser? Mein Vater hatte vorher schon Schlafstörungen. Jetzt berichtet er, dass er gefühlt überhaupt nicht mehr schläft, wegen der fremden Person im Zimmer. Auch früher zu Hause hatten meine Eltern getrennte Schlafzimmer, so dass er eigentlich sein Leben lang gewohnt ist, alleine zu schlafen.


    Und ich bin wirklich besorgt, dass sich die Unterbringung im Doppelzimmer insgesamt sehr negativ auf seinem Gesamtzustand auswirkt und die Demenz verstärkt.


    Liebe Grüße

    Sabine

  • Liebe Sabine,


    mein spontanes Gefühl bei deiner Beschreibung war: versuche ein Einzelzimmer für deinen Vater zu bekommen.

    Gibt es in dem Heim Einzelzimmer? Fühlt er sich ansonsten wohl in dem Heim? Dann würde ich ihn auf die Warteliste für ein Einzelzimmer setzen lassen.


    Meine Mutter ist glücklicherweise in einem der ganz wenigen Doppelzimmer im Heim untergekommen und versteht sich obendrein mit ihrer Zimmerkameradin wunderbar. Für mich ein absoluter Glücksfall, denn in einem Einzelzimmer würde meine Mutter Suizidgedanken bekommen.

    Wenn es aber wie im Fall deines Vaters zu extremer Unruhe anstatt einem Wohlgefühl führt, dann würde ich alle Hebel in Bewegung setzen und für ein Einzelzimmer kämpfen.


    Viele Grüße

    Silly

  • Liebe Sabine, ich sehe es ähnlich wie Silly.

    Meine Mutter war Anfang letzten Jahres eine Zeit lang in einem Doppelzimmer zur Kurzzeitpflege- es war ähnlich wie bei Deinem Papa. Sie fühlte sich immer „unter Beobachtung“, kam nachts durch die ungewohnte Anwesenheit einer weiteren Person nicht zur Ruhe und ihr psychischer Zustand verschlechterte sich zusehends.


    Heute, nach einem sehr bewegten restlichen Jahr 23 und vielen, zum Teil sehr belastenden Ereignissen und Vorfällen, ist sie nun kurz vor weihnachten in ein sehr schönes Heim mit Einzelzimmer umgezogen. Und da ich nun den Vergleich habe, kann ich sagen: nie wieder Doppelzimmer für meine Mutter! Sie ist nicht der Typ, der sein Leben auf so engem Raum mit jemanden teilen kann und will.

    Bei Deinem VAter habe ich einige Deiner Beschreibungen gut erkannt, da sie auch bei meiner Mutter zutrafen/treffen. Ich kann mir daher gut vorstellen, dass der Umzug in ein Einzelzimmer in diesem oder einem anderen Heim für ihn eine Wohltat wäre.

  • Ich danke Euch für die Kommentare.

    Auf einer Warteliste ist es schon. Aber das Heim entscheidet Einzelfallbezogen. Da mein Vater ein netter und unkomplizierter Bewohner ist, ist unklar, wann er an die Reihe kommt... Vorher war ein Bewohner fast ein Jahr dort in diesem Doppelzimmer.


    Zudem, wie schon in einem anderen Beitrag ausgiebig beschrieben, sind mir die Hände gebunden, da die Vollmacht bei meiner Mutter liegt und sie sich aufgrund ihres Alters überfordert fühlt, sich mit Alternativen auseinanderzusetzen. Und auch der Ansicht ist, dass man halt Kompromisse schließen muss im Alter. Sie will unbedingt, dass er in dem Heim bleibt, wo er jetzt ist (egal wie).


    Ich bin so traurig und deprimiert, dass mein Vater so "hausen" muss. Das Zimmer hat etwa 22 qm und bietet keinerlei Privatsphäre für zwei. Was auch für mich die Besuchssituation sehr beeinträchtigt. Es gibt zwar eine Wohnecke mit Sofa in einer Flurnische. Aber dort ist ein Lifter geparkt, was es sehr ungemütlich macht und eher wie eine Abstellfläche wirkt. Unter uns sind wir dann nur außerhalb des Gebäudes.


    Sehr schade. In der Kurzzeitpflege hatte mein Vater tagsüber gemalt (echt kunstvoll) und war ganz happy, dass ihm das noch so gut gelang und er damit eine schöne Beschäftigung hatte. Im Doppelzimmer möchte er nun nicht den gemeinsamen Tisch damit blockieren und hat die Malsachen wieder weggepackt :-(.


    Sehr deprimierte Grüße

    Sabine

  • Liebe Sabine,

    nach allem für und wider der letzten Woche, bist du unzufrieden und deprimiert über die Situation deines Papas. Ich verstehe das wirklich sehr gut, da auch ich ein sehr inniges Verhältnis zu meinem Vater hatte.

    Vielleicht wäre es doch der bessere Weg, nicht auf diese Art und Weise auszuharren, sondern unter dem Aspekt der Hilfe für deine Mutter, zusammen mit einem Betreuer eine Veränderung herbeizuführen. Sicher würde sich dein Papa letztendlich in der von dir beschriebenen WG unendlich wohl fühlen.

    Letztendlich hilft es dir persönlich auch nicht weiter, wenn du dich zurück hältst und daran verzweifelst. Weiterhin würdest du damit auch dem immer wieder geäußerten Wunsch deines Papas nachkommen. Er ist hier die Hauptperson, um die sich alles dreht und das sollte nicht vergessen werden, erst recht nicht unter dem Aspekt, dass er den Wunsch nach einer Veränderung permanent wiederholt und er sich offensichtlich nicht an die vorhandene Situation gewöhnt.

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich all meine Kräfte zusammen nehmen und das durchziehen würde. Leider gibt es nicht immer einen Weg, der für alle Beteiligten angenehm ist. Was ich aber nicht verstehe ist der Punkt, warum es deine Mutter nicht weiter interessiert, dass dein Papa dort so unglücklich ist…?

    Viele liebe Grüße und noch einen schönen Sonntag

  • Liebe Sabine, zu Deiner „anderen“ Problematik habe ich ebenfalls viel nachgedacht.

    Ich habe, zusammen mit dem damaligen Heim und der Betreuungsstelle (offizielle städtische Stelle, die dem Betreuungsgericht zuarbeitet) eine Betreuung für meine Mutter angeregt und innerhalb 10 Tagen eingerichtet bekommen. Es war ein sehr nötiger und erleichternder Schritt, den ich so jederzeit wieder machen würde. Die „unangenehmen“ Dinge werden geregelt (Gottseidank in Absprache mit mir), es ist jemand Professionelles mit im Boot, der zB auch die ganzen Anträge regelt und eine „Schnittstelle“ zum Gericht ist. So bleibt mir Zeit und Nerven, mit meiner Mutter „schöne Dinge“ zu tun, es wird nicht über ob und wenn und aber diskutiert, weil das ja die Betreuerin macht :) und ich da „leider raus bin“ (so erkläre ich es meiner Mutter immer) :)


    In Deinem Fall sehe ich, dass Deine Mutter aus verschiedenen Gründen mit der Betreuung Deines Vaters und der Wahrnehmung SEINER Interessen überfordert ist und das ja auch mehr oder weniger deutlich formuliert und zeigt.

    Das ist eigentlich ein klassischer Fall dafür, eine (teil)Betreuung bei Deinem Vater anzuregen, also für bestimmte Bereiche. Damit wäre Deiner Mutter eine Last genommen, und das Thema stünde nicht länger zwischen Euch allen 3en.

    Frage Dich bitte, ob die Belange und Interessen Deines Vaters ausreichend und für ihn passend (dauerhaft) wahrgenommen werden. Wenn nein, wende Dich doch an die Betreuungsstelle (offizielle Einrichtung!) in Deiner Stadt. Erzähle ihnen von dem, was da im Moment bei Euch Situation ist…es geht ja auch um die Vermögenssorge Deines Vaters, für die irgendwer verantwortlich ist und ggf. Rechenschaft ablegen muss! Ich sehe da dringenden Handlungs- und Klärungsbedarf.


    Alles Liebe!

  • vielen lieben Dank, für eure Kommentare. Das hilft mir ungemein weiter, und ich bin total gerührt dass ihr euch die Zeit nehmt für meine Probleme und mitdenkt.


    Ich komme an meine Grenzen. Ich versuche alles Mögliche, um die ungünstige Situation mit dem Zimmer und auch die schwierige Situation mit meiner Mutter, das heißt seltene Besuche und so weiter, zu kompensieren. Gestern habe ich einen tollen Tag für uns geplant... bin um 6 Uhr aufgestanden. Die 100 km mit der Bahn kosten mich von Tür zu Tür ein Weg über zwei Stunden... kein Thema.


    Dann habe ich meinen Vater abgeholt. Im Heim Bescheid gesagt, dass wir am Nachmittag wieder da sind. Das auch schon einen Tag vorher angekündigt wegen Mittagessen. Und dann war es sehr schön in der Stadt. Auf dem Markt haben wir sogar alte Bekannte getroffen. Waren Kaffee trinken und beim Friseur. Danach bei seinem Lieblingsitaliener. Und dann war es eigentlich vorbei mit schön. Ich hatte mein Handy leise gestellt. Aber durch die Vibration gehört, dass es pausenlos klingelte. Dann war die Polizei dran. Sie haben mein Vater schon zwei Stunden gesucht mit einer größeren Staffel.


    Leider hatte der Frühdienst verpasst dem Spätdienst mitzuteilen, dass mein Vater mit mir unterwegs ist. Dann gab es natürlich eine Aufregung. Die hat mein Vater mitbekommen und konnte dann auch das Essen gar nicht mehr genießen. Er hat dann zu mir gesagt, ach das machen wir nicht noch mal. Die möchten das vielleicht von dem Heim auch nicht, dass ich das Haus verlasse. Und dann hatte er ein schlechtes Gewissen, weil er sich nicht selber abgemeldet hat... ich habe ihm erklärt, dass wir nichts falsch gemacht haben und dass er auch das Haus verlassen darf, aber er war nicht mehr zu überzeugen.


    Damit war der Tag für uns gelaufen. Ich habe ihn dann zurückgebracht, er hat sich bei allen entschuldigt dass wir uns nicht an 100 Stellen abgemeldet haben. Eine merkwürdige Eigenschaft, den Fehler immer bei sich zu suchen. Vom Heim gab es eine laue Entschuldigung. Dabei hatten sie nicht nur uns in Aufruhr gebracht. Sondern die Polizei war sogar bei meiner Mutter zu Hause, weil sie ja das Telefon immer abstellt und nicht anders zu erreichen war. Und das Heim ist nicht auf die Idee gekommen, als erstes mal meine Handynummer anzurufen. Mein erster Kontakt war der mit der Polizei.


    Solange ich nicht weiß, dass mein Vater in einer halbwegs vernünftigen Unterkunft ist, komme ich nicht zur Ruhe... meine Arbeit leidet auch schon sehr darunter. Ich bin Vollzeit erwerbstätig in einer anspruchsvollen Tätigkeit und eigentlich nur noch ratlos.


    Liebe Grüße

    Sabine

  • Liebe Sabine…Du Arme. Was für eine Aufregung.

    Vielleicht ist ein Heim bei Dir in der Nähe tatsächlich das Beste, denn da könnt Ihr allmählich durch kurze Ausflüge und Besuche wieder Vertrauen aufbauen in die Situation…ein Heim- bzw. Ortswechsel scheint ja einen Neustart zu ermöglichen, in Bezug auf Platzangebot und Entfernung. Deiner Mutter kannst Du ja freundlich anbieten, mit ihr einmal im Monat an festen Zeiten zu Deinem Vater zu gehen, dann hat sie Struktur und es ist ihr ggf. eine Last genommen.

  • Mit meiner Mutter ist kein vernünftiges Gespräch zu führen. Ich habe es in den letzten Wochen immer wieder probiert. Sie ist total abweisend und legt dann einfach den Hörer auf.


    Mein Vater ist überangepasst. Vielleicht vermittelt er ihr auch das Gefühl, es wäre soweit in Ordnung. Aber ich finde, egal was er sagt. Und gegenüber mir ist er vielleicht etwas offener. Man muss sich ja das Leben vorher betrachten und alles was ihm wichtig war... ein schönes Zuhause. Ganz viel Selbstbestimmung, gerne allein sein, trotzdem Geselligkeit und so weiter. Davon ist kaum etwas möglich. Auch wenn ich weiß, dass Bedürfnisse sich im Alter verändern. Mit Demenz ja sowieso...


    Er hat außer Kleidung, keine persönlichen Dinge dort. Meine Mutter findet selbst die eigene Bettwäsche überflüssig (weil da im Heim ist ja welche...). Die Möbel sind zusammengewürfelt. Stuhlbezüge fleckig! Ein krasses Downgrading nach einem Leben in Bauhausmöbeln und Eigenheim....


    Liebe Grüße

    Sabine

  • Liebe Sabine, bitte google doch nach der zuständigen Betreuungsstelle bei Dir vor Ort und nimm bald Kontakt mit ihr auf. Denn dort kann man Dir raten, was in diesem Fall der beste und rechtlich sicherste Weg ist, dauerhaft Frieden in die Situation und damit für Deinen Vater zu bekommen.

    Viel Erfolg und Kraft!

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Sabine67, zunächst wünsche ich Ihnen sehr, dass Sie auf Ihrem Weg der Klärung mit Ihrer Mutter weiter kommen, wir alle bestärken Sie darin und es gibt viele Handlungsmöglichkeit, die aber leider Zeit brauchen.

    Können Sie auch "Pflegezeit" in Anspruch nehmen, um alles für Ihren Vater zu klären. Diese freien Tage würden dann auf Antrag von der Pflegekasse finanziert.


    Der Umzug in ein Einzelzimmer kann schneller gehen, wenn Sie die Bedürfnisse hinter der Bescheidenheit Ihres Vaters deutlich machen. Aber eine schnelle Lösung ist schwierig, da ja wieder ein Mann das Zimmer belegen müsste. Sie könnten auch die Heimaufsicht beratend hinzuziehen, aber der offizielle Weg wird in Heimen oft nicht positiv wahrgenommen.


    Aber das Heim ist verpflichtet, alles zu tun, dass sich Ihr Vater wohlfühlt und einlebt. Dazu gehört auch die Möglichkeit wieder zu malen. Dies wäre eine wunderbare und sinnstiftende Aufgabe für die sogenannten zusätzlichen Betreuungskräfte, die sich mit einem Stundenanteil im Monat individuell um Ihren Vater kümmern müssen. Fragen Sie mal nach, wer für ihn zuständig ist.


    Die unzureichende Kommunikation über Ihren Ausflug im Heim und der Polizeieinsatz bietet vielleicht doch auch die Möglichkeit etwas zu bewirken: im Heim, bei Ihrer Mutter und bei Ihrem PlanB...

    Viel Kraft, Ihr Martin Hamborg

  • Nun habe ich mit Rat geholt von verschiedenen Stellen. Was die rechtliche Betreuung meines Vaters betrifft. Heute habe ich ein allerletzte Mal versucht, mit meiner Mutter zu sprechen. Mittlerweile beschwert sie sich über alle, die es gut meinen mit ihr. Und über meinen Vater, der sie mit Anrufen "belästigt".


    Es geht ihr sehr schlecht, sagt sie. Zum Arzt geht sie nicht. Sie tut mir auch leid, aber sie möchte keine Hilfe. Als ich ansprach, dass es meinem Vater auch nicht gut geht im Doppelzimmer (schlechte Stimmung mit dem Mitbewohner) und dass ich gerne noch mal Alternativen besprechen möchte, hat sie einfach aufgelegt.


    Sie ist überfordert mit allem und daher habe ich mich jetzt durchgerungen, beim Amtsgericht trotz Vollmacht eine rechtliche Betreuung prüfen zu lassen. Noch liegt der fertige Brief ans Gericht hier und es fällt mir sehr schwer, diesen Schritt zu gehen.


    Aber ich habe die Hoffnung, dass es sich zum Guten wenden könnte... Sie wird sicherlich im ersten Moment geschockt sein (auch wenn ich es schon angekündigt habe), aber vielleicht wird sie auch erleichtert sein, wenn ich ihr die Last abnehme... Ich kann es schwer kalkulieren.


    Alle sehen ihre Überforderung, aber sie will davon nichts wissen. So habe ich eine Doppelbaustelle. Depressive Mutter zu Hause, dementer Vater im Heim. Und mit diesem Problem ganz allein.


    Trotzdem denke ich oft, ich habe auch Glück im Unglück. Zumindest im jetzigen Zustand ist mein Vater immer noch ein zwar dementer, aber total liebenswerter toller Mensch. Er hat sich noch nicht ein einziges Mal wirklich beschwert über seine Lage. Er akzeptiert alles wie es ist. Selbst das Doppelzimmer. Auch wenn er sich dort sehr unwohl fühlt.. Bedankt sich überschwänglich für jede Zuwendung und Anrufe. Und gerade deshalb wünsche ich mir eine schöne Unterbringung für ihn, in der er sich wohl fühlt und es ihm gut geht. Dann kann er trotz Einschränkungen noch eine sehr gute Zeit haben.


    Dafür ziehe ich jetzt in den Kampf und werde zur Löwin 🐹.

    Liebe Grüße an Euch alle.

    Sabine

  • Liebe Sabine,

    ich finde deine Entscheidung richtig gut, ich hätte genauso entschieden👍. Du bist wirklich in einer sehr schwierigen Situation, aber wie ich schon mal sagte, man kann es eben einfach nicht immer allen recht machen. Unter diesem Problem leiden wir innerhalb der Familie auch oft, in den verschiedensten Bereichen.

    Ich drücke dir ganz ganz fest die Daumen für deinen Kampf! Letztendlich hilfst du deinem Vater und deiner Mutter. Vielleicht erkennt sie es, wenn eine gewisse Zeit vergangen ist und sie dann auch nicht mehr unter diesem Druck steht. Zumindest könnte es auch so ausgehen.

    Denke immer daran, dass du deinem offensichtlich sehr lieben Papa richtig glücklich machst, wenn er noch eine schöne Zeit für sich in Ruhe verbringen kann, egal ob in einer WG oder in einem schönen Einzelzimmer im Seniorenheim.


    Löwinnen sind stark und selbstbewusst und deshalb sage ich, du schaffst das!!


    Liebe Grüße von Stern ⭐️ ⭐️⭐️

  • Vielen lieben Dank für die lieben Worte und das Mut machen. Ich bin ganz gerührt von eurer Anteilnahme.


    Ich habe nun so lange über diesen Schritt nachgedacht und heute bis kurz vor 18.00 Uhr gewartet zur Post zu gehen. Immer wieder die nagende Frage, ist es das Richtige, was ich tue. Aber jetzt ist der Brief an die Betreuungsstelle beim Amtsgericht unterwegs. Und es fühlt sich richtig an.


    Wie sehr überfordert meine Mutter ist, wurde mir gestern noch mal sehr klar vor Augen geführt. Ich habe gefragt, wer denn jetzt die ärztliche Betreuung meines Vaters übernimmt. Der langjährige Hausarzt oder der Heimarzt. Antwort: Das weiß ich nicht und ich kann mich darum auch nicht kümmern. Kommst du mit dem Papierkram klar? Brauchst du Hilfe? Antwort: Auf meinem Schreibtisch ist ein großes Durcheinander. Ich habe den Überblick verloren.


    Sie hat meinen Vater in das letzte Mal vor 10 Tagen besucht und sagt auch, sie schafft es im Moment nicht...


    So kann es natürlich nicht weitergehen. Deshalb denke ich, ich habe das Richtige getan habe und hoffe jetzt, dass die Betreuungsstelle die Sache auch so sieht.


    Liebe Grüße

    Sabine

  • Liebe Sabine, das hast Du gut gemacht. Du hast das Nötige und Dir Mögliche getan- nun liegt es bei den Profis, sich ein Bild zu machen und die richtigen Schritte in die Wege zu leiten.

    Es kann auch sein, dass beide Eltern Betreuung bei den Dingen bekommen, die sie nicht (mehr) regeln können.

    Atme erstmal durch und gönn Dir eine Pause-Du hast sie mehr als verdient.


    Alles Liebe!

  • Liebe Sabine,

    Solch ein Verfahren dauert in der Regel etliche Wochen bis Monate, von daher passiert nicht sofort etwas "Schlimmes" und du kannst dich hoffentlich etwas entspannen. Würdest du die Betreuung selbst übernehmen wollen? Diese Frage wird evtl.kommen. Das Gericht wird zunächst einen Arzt für die psYchiatrische Untersuchung einschalten, der einen Heim-/Hausbesuch macht .

    Du hast alles richtig gemacht und Verantwortung übernommen! Wenn die Ehepartner selbst i.A.schon ein entsprechendes Alter erreicht haben, sind sie oft überfordert sich zu kümmern, Entscheidungen zu treffen, Briefe zu verstehen etc.

    Es ist eine aufregende Phase gerade für dich , bei mir war es vor ein paar Jahren genauso, das kostet Energie - Phasen sind zum Glück vorübergehend, nur eben gerade ungewiss.


    Alles Liebe für dich

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Sabine, auch ich wünsche Ihnen sehr, dass Ihre Entscheidungen Ihnen die nötige Sicherheit gibt!


    Sie müssen jetzt nicht alles mit Ihrer Mutter besprechen, es überfordert sie und sie ist in sich gefangen. Für Ihre Mutter gilt vielleicht im Augenblick nur das Prinzip "Schadensbegrenzung" , wenn Sie nun telefonieren, sprechen Sie mehr über ihre Sorgen, bei denen Sie aktuell leider auch nichts machen können - außer dass Sie hinhören, wo sich eine akute Selbstgefährdung abzeichnet.


    Wichtig ist, Ihr Vater fühlt sich wohl und Sie sind ihm ein wichtiger Beistand und er wird irgendwann eine bessere Situation bekommen.

    Ihr Martin Hamborg

  • Vielen Dank für die vielen guten und lieben Gedanken.


    Soeben kehre ich sehr deprimiert vom Besuch meines Vaters zurück. Er ist total unglücklich mit dem Verhalten des Mitbewohners. Bei dem Mitbewohner ist die Demenz deutlich weiter voran geschritten. Er läuft wohl häufiger nackt durch Zimmer und pinkelt auf den Boden...


    Das Pflegepersonal kommt ständig ohne anzuklopfen ins Zimmer. Privatsphäre gleich Null. Mein Vater ist sehr deprimiert über die ganze Situation. Der nur seltene Kontakt zu seiner Frau macht ihm zusätzlich zu schaffen. Ich sprach heute mit dem Leiter des Wohnbereichs, der meint, man müsse da wohl mehr Antidepressiva geben... Ich rufe oft im Wohnbereich an und frage wie es meinem Vater geht. Dann heisst es immer, alles prima.


    Ratlose Grüße in die Runde.

    Sabine

  • Liebe Sabine, ist Dein Vater eigentlich ärztlich diagnostiziert demenzerkrankt? Ich habe gerade in diesem und Deinem anderen Thread nichts dazu gefunden. Und: steht in dem Entlassungsbrief der Gerontopsychiatrie etwas von seiner Geschäftsfähigkeit? Dieser Brief sollte dem Heim vorliegen…


    Mein Gedankengang (bitte nur als „Gedanke“ einordnen!!): Wenn seine Geschäftsfähigkeit noch vorhanden wäre, könnte er sich ja (mit Deiner Hilfe) schonmal in dem anderen Heim/Wohngruppe bei Dir in der Nähe anmelden.

    Dazu wäre auch interessant, wofür genau Deine Mutter die Vollmacht hat und wann die rechtlich greift.


    Alternativ würde ich (ja, in dem Fall nur ich…ich kann bei sowas immer nicht ruhig sein 😏) telefonisch Kontakt mit der zuständigen Betreuungsstelle aufnehmen und mich beraten lassen. Man kann ja auch den Brief erwähnen, der ihnen schon oder bald vorliegt.

    Unsere hier hat das von Anfang an und bis heute ganz toll gemacht, sie waren/sind einfühlsam und haben mich beraten zu allen möglichen Alternativen und deren Folgen/Voraussetzungen.


    Warum ich das jetzt alles schreibe: Ich lese die Verzweiflung aus Deinen Zeilen. Du hast einen großen Schritt getan, indem Du den Brief abgeschickt hast… und Dir (und Deinem Vater) würde es sicher guttun, wenn Du nun stark und mutig weitergehst. Für mich war immer das Warten das Schlimmste… daher verstehe ich Dich gut.

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