Demenz im Alltag

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  • Liebe Mauerflower.

    Ja die Demenz wurde vor etwa 3 Jahren diagnostiziert. Vor 6 Jahren haben meine Eltern sich gegenseitig bevollmächtigt in allen Belangen und mich als Ersatzbevollmächtigte benannt. Daran ist nicht zu rütteln.


    Meine Mutter wird es als Strafe ansehen und mein Vater will vor allem keine Konflikte. Das verstehe ich, aber ich sehe keinen anderen Weg.


    Ich habe beim Betreuungs Verein in meiner Stadt angerufen und Rat eingeholt. Da war eine sehr nette Frau und sie hat mir dazu geraten, den Antrag bei Gericht zu stellen.


    Zweifel bleiben. Es ist eine krasse Intervention von mir. Mein Vater hat es bei klarem Verstand beschlossen, dass die Vollmacht bei meiner Mutter liegt... Gilt es nicht auch, dies zu respektieren und zu akzeptieren? Darüber habe ich viele Stunden nachgedacht. Und komme doch zu dem Schluss, intervenieren zu müssen. Weil ich keine Ruhe finde, bei der Vorstellung unter welchen Bedingungen mein Vater im Moment leben muss. Und auch die Belastung und Überforderung meiner Mutter sehe.


    Liebe Grüße

    Sabine

  • Liebe Sabine, dann warte auf die Reaktion(en) des Gerichts/der Betreuungsstelle. Du hast wirklich besonnen und klug gehandelt- für alle Beteiligten, inclusive Dir selbst.

    Dein Vater hat Deine Mutter bevollmächtigt, als diese offenbar noch in der Lage war, Entscheidungen zu treffen- dies hat sich aber inzwischen geändert und es gilt, auf diese neue Tatsache zu reagieren. Dies ist die Sache der genannten Stellen, und sie werden professionell und unbestechlich das beste für alle in die Wege leiten.

  • Liebe Sabine,


    ich kann mich hier nur anschließen. Es ist der Umstand eingetreten, an dem Deiner Mutter alles zu viel geworden ist. Sie kann nicht über Deinen Vater sprechen und auch nicht mehr in seinem Sinne handeln, obwohl seine Situation unerträglich geworden ist.


    Auch beim Gericht kann manches sehr schnell gehen, wenn der Ernst der Lage erkannt wird. Dafür drücke ich fest die Daumen.

    Ich will auch gar nichts weiter dazu schreiben, was ich von einer solchen Aussage halte, die das Heim getätigt hat. Verstehen kann ich einerseits, dass sie an der Lage des Vaters nichts verändern können, weil ihr Konzept das nicht hergibt. Umso trauriger für die Bewohner.


    Liebe Grüße

  • Liebe Sabine,

    Du hast in meinen Augen auf jeden Fall richtig gehandelt, hast dich ja auch erst noch an professioneller Stelle informiert und die Empfehlung erhalten. Es ist oft nicht einfach ein reflektierter und verantwortungsbewusster Mensch zu sein 😉 das mit der fehlenden Privatsphäre im DZ kann ich weiter total nachvollziehen und ich finde (nur)die Idee mit mehr Antidepressiva unmöglich!! Aber das war ein Pfleger, der gerade nicht besser weiß und kein Arzt, der es ja verordnen müsste.

    Ich denke, wenn wirklich die Zimmersituation nicht entscheidend geändert werden kann und ihr kein alternatives Heim findet, wirst du es eine Zeit lang nun aushalten müssen und dich solange versuchen abzulenken o.a.Strategien..


    Ich verstehe aber sehr gut, dass du es so nicht hinnehmen möchtest. Dein Vater ist ja noch nicht soweit, dass er es nicht merkt..

    Ich drücke die Daumen, dass es bald einen Schritt weiter geht. Vllt schreibst du in der Zwischenzeit schon ein paar Dinge auf, die du einem potentiellen Betreuer mitteilen willst, ich habe an die Betreuerin meines Vaters damals einen Brief mit wichtigen Fakten und meiner Einschätzung verfasst, dafür war sie sehr dankbar und rief mich an zur weiteren Klärung, ist dann noch zu meiner Mutter etc.


    Liebe Grüße

  • Liebe Rose60,

    den Hinweis mit dem Brief finde ich eine sehr gute Idee. Ich hatte erst einen sehr ausführlichen Bericht für den Antrag formuliert. Mich dann doch für eine Kurzfassung entschieden. Vieles muss ich persönlich erklären. Dennoch ist es sicherlich sehr hilfreich (auch für die eigene Strukturierung der Geschehnisse, Gedanken und Erwartungen) alles aufzuschreiben.


    Bei dem Termin mit dem Neurologen will ich unbedingt dabei sein. Der Pfleger wusste noch nicht mal die richtige Diagnose. Er meinte mein Vater hätte eine Schizophrenie. Als ich meinte, dass wäre mir neu, hat er die Krankenakte aufgerufen. Da stand schizophrene Sympotome, die gibt es als Folge der Demenz. Aber Schizophrenie ist ja ein eigenes Krankenbild...


    Weitere Psychopharmaka will ich unbedingt vermeiden. In der Nähe des Wohnorts meiner Eltern gibt es ein Hotel für Demenzerkrankte und Angehörige. Einschl. Tagespflege. Vielleicht kann ich ihm und mir dort eine Auszeit gönnen (und Zeit gewinnen).


    Liebe Grüße

    Sabine

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Sabine67, die Idee mit dem Hotel finde ich sehr gut, aber Sie müssen vermutlich alle Kosten übernehmen, da die Kasse nicht doppelt zahlen wird und die Kosten im Heim weiterlaufen.


    Wenn Sie es langfristig planen, können Sie vielleicht sogar mit Ihrem Vater einen Termin bei dem Neurologen vereinbaren. Eine Indikation für Psychopharmaka gibt es übrigens nicht für die Gefühle die entstehen, wenn jemand im Zimmer uriniert ...


    Ihnen wünsche ich ein gutes Gewissen, denn Ihre Mutter kann in keiner Weise die Verantwortung übernehmen, für die sie unterschrieben hat.

    Ihr Martin Hamborg

  • Lieber Herr Homborg.

    Schön, dass Sie das Schreiben. Das Hotel wurde mir von einer Frau empfohlen. Sie ist im Vorstand der Alzheimer Gesellschaft in dem Kreis, in dem meine Eltern leben. Zu dem Ortswechsel meinte sie, dass wäre nicht so schlimm, wenn ich dabei wäre. Ich bin ja sein Navigationssystem. Die Kosten sind egal. Zum Glück müssen wir uns darum keine Sorgen machen.


    Heute habe ich mit dem Hausarzt gesprochen. Er hatte meinen Vater schon im Heim untersucht. (Davon wusste weder der Pflege Leiter, mit dem ich gestern sprach, noch meine Mutter). Der Arzt meinte, im Moment gibt es keine Veranlassung für eine neurologische Untersuchung. "Die Demenz schreitet voran, daran kann auch der Neurologe nix ändern."


    Kurzes Telefonat mit meinem Vater eben. Er leidet sehr unter der Doppelzimmersituation. Besuche von meiner Mutter bleiben nachwievor aus.


    Ihre letzte Bemerkung, lieber Herr Homborg, macht mir Mut, dass die Betreuungsstelle es auch so einschätzen wird.


    Liebe Grüße

    Sabine

  • Ich bin wirklich endverzweifelt. Heute habe ich bei der Betreuungsstelle des Gerichts angerufen, gefragt wie es weitergeht. Mein Antrag wurde schon mal von einem Richter begutachtet, der sieht da aber jetzt keinen dringenden Handlungsbedarf und so geht der Antrag auf die normale Reise durch die Institutionen 6 bis 8 Wochen. Mein Vater ruft mich an, fleht mich an, ich sollte bitte sofort kommen, und ihn mitnehmen... er würde es keinen weiteren Tag in dem Zimmer aushalten. Er hat gesagt, er werde dort verrückt und gehe ein.


    Ich bin wirklich sehr besorgt, weil mein Vater in einem psychischen Ausnahmezustand schon mal ernsthafte Suizidgedanken geäußert hat. Und ich möchte verhindern, dass er wieder an den Punkt kommt... ihn einfach mitzunehmen zu mir, das traue ich mich nicht. Das wäre wahrscheinlich auch sehr unklug. Das Hotel für Demenzerkrankte ist im Moment leider ausgebucht. Was kann ich tun?


    Weiterhin ratlos.

    Sabine

  • Ich bin wirklich sehr besorgt, weil mein Vater in einem psychischen Ausnahmezustand schon mal ernsthafte Suizidgedanken geäußert hat. Und ich möchte verhindern, dass er wieder an den Punkt kommt... ihn einfach mitzunehmen zu mir, das traue ich mich nicht. Das wäre wahrscheinlich auch sehr unklug. Das Hotel für Demenzerkrankte ist im Moment leider ausgebucht. Was kann ich tun?


    Weiterhin ratlos.

    Sabine

    Liebe Sabine,

    du allein kannst nichts Grundsätzliches ausrichten.

    Du hast richterliche Hilfe angefordert, das war ein wichtiger und guter Schritt - und der Richter hat ja dir gegenüber positiv reagiert, aber die Lage weniger kritisch gesehen als du. Du hast die Sache in Gang gebracht, aber über die Geschwindigkeit bestimmen andere.

    Dir bleibt nichts, als abzuwarten. Von dir ist Geduld gefragt und von deinem Vater ist Geduld gefragt.

    Buchenberg

  • Ja ich weiß. Aber kann so etwas einen neuen Schub mit Wahnvorstellungen und Suizid Gedanken auslösen? Ich habe echt Angst um ihn.

    Liebe Sabine,

    du kannst Gedanken an Suizid nicht verhindern. Für dich ist die Situation dramatisch und einmalig, für den Richter und für das Heim ist es Routine. Du solltest aber auch das Vertrauen haben, dass die Pflegerinnen (und im Hintergrund der Richter) aktiv werden, wenn sich die Situation zuspitzt.

  • Lieber Buchenberg.


    Ja, dass Vertrauen hätte ich gerne. Aber angeblich verstehen sich die Männer gut und alles in Ordnung. Ich rufe oft dort im Wohnbereich und immer ist alles gut. Vielleicht sagt mein Vater aus Angst da nichts. Aber es geht ihm schlecht... Das sagt er mir 3 mal am Tag. Und auch Freunden, die ihn besuchen. Mir würde es auch schlecht gehen, wenn ein Fremder in mein Zimmer pinkelt...

  • Hallo Sabine,

    Das ist leider der normale Ablauf, wenn keine "Gefahr im Verzug" ist. Ich würde auch darauf vertrauen, dass dein Vater unter Aufsicht ist. Du hast es so oder so nicht in der Hand, du hast deine Möglichkeiten ergriffen und wirst es ein gewisses Maß loslassen müssen. Eine anstrengende Phase, so ging es bei meinem Vater auch .. Buchenberg schreibt zu Recht, für die professionellen Mitarbeiter ist es Routine und "Tagesgeschäft" .

    Meine Mutter hat anfangs auch im Einzelzimmer gesagt, sie würde verrückt unter den Mitbewohnern, eigentlich gab es aber genug geistig Fitte zum Unterhalten.

    Hat dein Vater Kontakt zu anderen ?

    Liebe Grüße

  • Gibt es jemand, zu dem du Vertrauen hast? Auc

    Ja. Eine Pflegerin, die auch sieht, dass es meinem Vater schlecht geht. Sie hat leider gerade keinen Dienst. Dieser Pfleger vom letzten Wochenende, der meinte Antidepressiva müssten her, hat mich noch "belehrt", dass Demente am besten im Doppelzimmer untergebracht wären und Einzelzimmer wäre ganz schlecht... (Tatsächlich vertreten manche Fachleute diese These... Im Endstadium damit kein Gefühl der Einsamkeit entsteht, wenn man nicht mehr an der Gemeinschaft teilhaben kann. Oder wenn sich zwei sehr gut verstehen.) Mittlerweile hasst mein Vater seinen Mitbewohner und will einfach nur seine Ruhe haben.


    Ich spreche morgen nochmal mit dem Hausarzt. Vielleicht kann er es dem Gericht gegenüber etwas dringend machen...


    Ich danke euch für die guten und klugen Gedanken.

    Liebe Grüße

    Sabine

  • Hat dein Vater Kontakt zu anderen ?

    Ja. Er ist schon mehr so der gesellige Typ. Und Ja ihr habt Recht. Im Moment kann ich nichts machen. Aber das ist für mich sehr schwer zu ertragen. Ich habe so große Angst, dass durch die Belastung im Doppelzimmer alles zunichte gemacht wird, was in den über zwei Monaten (auch für mich sehr schweren Monaten - weil auch da ganz allein mit der Verantwortung) in der geschlossenen Psychiatrie an Stabilisierung gelungen ist.

  • Hallo liebe Sabine,

    auch ich möchte mich kurz von einem anderen Ende der Welt melden.. Deine Situation wird ja wirklich immer komplizierter. Das tut mir unendlich leid für dich und ich verstehe deine Verzweiflung. Aber bitte behalte die Nerven, auch wenn die Möglichkeiten gerade sehr begrenzt sind.

    Da kann man nur hoffen, dass es nicht unendlich lange dauert, denn da ist ja jeder Tag ein Tag zu viel.

    Wäre es eine Variante, innerhalb des jetzigen Heimes das Zimmer zu wechseln, erstmal in ein anderes Zweibettzimmer? Nur als Übergangslösung meine ich jetzt.

    Hast du mit deiner Mutter darüber geredet?

    Ich schicke dir ein paar warme Sonnenstrahlen aus Afrika, fühl dich gedrückt, auch wenn’s nur für den Moment hilft. Vergiss nicht die starke Löwin!!

    Liebe Grüße

    Stern

  • Lieber Buchenberg. Liebe Rose60.


    Ich bin ja auch immer nur für ein paar Stunden einmal in der Woche da. Da sind ja all die anderen Stunden...


    Mich beschleicht aber neben der unguten Situation im Doppelzimmer ein zunehmend ungutes Gefühl, was die Betreuung angeht. Ich kam nach einer Woche in das Zimmer. Auf dem Tisch standen Tulpen, die schon eine Woche zuvor endverwelkt waren. In der Vase war kein Tropfen Wasser mehr. Und es lag dort die Bäckertüte mit gammeligem Inhalt, die ich eine Woche zuvor meinem Vater mitgebracht hatte.


    Der Mitbewohner trägt Klamotten von meinem Vater, weil die Wäscherei zum Teil die falschen Namen reinettikettiert hat. Der Leiter des Wohnbereich glaubt mein Vater hätte Schizophrenie und Hinlauftendenzen. Tatsächlich hat es Demenz und traut sich noch nicht mal alleine in den Aufzug.


    Die Parkinsontablette verträgt sich nicht mit Eiweiß und soll deshalb eine halbe Stunde vor oder nach dem Essen genommen werden. Wenn ich da war, kam sie immer mit dem Essen. Duschen einmal die Woche. Die Haare sind oft mega fettig.


    Vom ständigen Duzen der Bewohner und dem Nichtanklopfen vor dem Betreten des Zimmers mal abgesehen.


    Das mit dem Vertrauen ist da ein bisschen eingeschränkt....

    Ich versuche mal innerlich etwas Abstand zu gewinnen. Hilft ja alles nichts, wenn ich jetzt auch noch durchdrehe...


    Habt vielen Dank für Eure Kommentare und das Mitgefühl. Tut gut...

    Liebe Grüße Sabine

  • Hallo.

    Ich glaube die Fachleute haben noch kein Endstadium erlebt.

    Da liegen die meistens nur noch.

    Demente Gesellschaft würde da nur stören.

    Ich habe es gerade selber erlebt.

    Aber so lange sie am Leben teilnehmen können, gemeinschaftlich essen gehen, oder mit den anderen nach Wunsch zusammen sitzen können, reicht die Gesellschaft.

    Ich bin ja schon genervt, wenn ich mit jemand im Krankenhaus das Zimmer teilen muss.

    Warum soll er Dementer alles hinnehmen?


    Sabine, ich habe mich anfangs auch über alles aufgeregt.

    Das hat sich schnell erledigt, glaub mir.

  • Liebe Sabine, toll, dass Du beim Gericht angerufen hast und dass alles „im Gang“ ist! Gratuliere, das war der wichtigste und erste Schritt, den hast Du geschafft!


    Ich würde die Idee von Stern0709 aufgreifen und mich innerhalb des Heimes um eine (vorübergehende) Unterbringung im Einzelzimmer bemühen… evtl. hilft ja der Hinweis, dass Du den Aufpreis bezahlst, wenn das für Dich möglich ist. Denn daran hängt es oft. Es geht (hoffentlich) um 6-8 Wochen, dann bewegt sich mehr!


    Hat der Hausarzt Einsicht in die Vorgänge der letzten Wochen? Er kann eine Verordnung/Attest für ein Einzelzimmer ausstellen, das hat der Arzt meiner Mutter auch für sie gemacht. Und schwupp- hatte sie eins.

    Also wäre ein Anruf bei ihm evtl. tatsächlich hilfreich. Am besten beides probieren, dann kommt von 2 Seiten etwas in Bewegung…


    Fühl Dich umarmt (wenn Du magst)- alles Liebe!

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