Demenz im Alltag

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  • Ich habe mich schon mit ihm beraten. Es gilt die ärztliche Schweigepflicht. Und Hausbesuche nur auf Wunsch der Patientin. Ich hatte auch schon einen Termin vereinbart und Begleitung angeboten. Sie will aber nicht.

  • Deine Mutter ist wirklich ein harter Brocken!

    Aber es erinnert mich auch an meine Mutter. Letztes Jahr hab ich auch den Pflegedienst beauftragt täglich 2mal zu kommen, gegen ihren Willen. Aber ich hatte natürlich die Vollmacht. Sie hat sich mit Händen und

    Füßen gewehrt und mich beschimpft. Aber letztendlich hat sie es akzeptiert.

  • Hallo Sabine,

    Ich möchte aus meiner Erfahrung noch beitragen, dass meine Mutter mich anfangs wegen aller möglichen Dinge angerufen hat statt nach den Pflegern zu klingeln. Kann das bei deinem Vater auch der Fall sein? Lediglich eine Frage und Anregung ;)

    Das geht so natürlich nicht, dass du wegen solch pflegerischer Dinge ständig angerufen wirst..

    Im übrigen bitte immer dran denken, dass hier schriftlich kommuniziert wird und manchmal etwas zwischen den Zeilen "gelesen" wird, was nicht so gemeint ist.

    In diesem Sinne alles Liebe

  • Also meistens ist es so, dass ich anrufe und dann kommen die ganzen Dinge zur Sprache. Ich ermutigte ihn schon immer, sich selbst zu kümmern. Aber ich habe es selbst erlebt, dass es schwer ist, mal jemanden zu erwischen. Sie sind echt extrem beschäftigt... Eine Fachkraft plus eine Helferin für 20 Personen.

  • Auch wenn ich um Dinge telefonisch bitte, gerade seit 1 Woche der Versuch, dass der Fernseher eingerichtet wird. Sie sagen immer, ja ich schreibe es auf. Und dann passiert nichts.

  • So wie bei schwarzerkater war auch meine Erfahrung.

    Wichtig ist, dass man bedeutende Anliegen bei der Stationsleitung/Wohnbereichsleitung in Auftrag gibt, die Pfleger vergessen schnell mal was, was angeblich aufgeschrieben ist, weil dann gerade wieder was unerwartetes dazwischen kommt, jemand den Schlüssel verlegt oder das Gebiss in die Toilette geworfen hat oder schnell zur Toilette oder oder.. Fernseher sollte wirklich nicht ne Woche dauern.

    Es hat bei uns aber auch in den ersten Wochen "geruckelt"..

  • Lieben Dank fürs Mutmachen... Wenn ich nicht vor Ort bin, passiert nicht viel. Auch wenn etwas fehlt, z. B. Wäsche oder Zahnpasta muss mein Vater uns das mitteilen. Das Heim informiert nicht proaktiv. Sie haben das nicht im Blick...

  • Da muss ich meist auch selbst nach schauen, alle müssen sich erst an die neue Situation gewöhnen. Ich besorge von Zeit zu Zeit immer Pflegemittel auf Vorrat.

    Sie merken sicher auch, dass dein Vater sich noch von sich aus melden kann und verlassen sich etwas drauf.

  • Zu Anfang jede Woche, seit kurzem nur noch alle 3-4 Wochen, sie bemerkt es jetzt nicht mehr und ich brauche dringend den Abstand, ist aber ein anderes Thema.

  • Ein Vorrat ist eine gute Idee. Besorge ich gleich am Wochenende. In den Schränken ist ja Platz.


    Heute habe ich meinen Vater gefragt, ob wir uns mal ein paar andere Unterkünfte anschauen wollen. Er ist zögerlich, weil es sich für ihn so anfühlt, als würde er seine Frau hintergehen. Ich dränge ihn nicht. Wenn er jetzt noch nicht will, dann halt später... Er entscheidet und ich bin da, wenn er etwas ändern will.


    Heute sehe ich es ziemlich gelassen. Aber auch ich habe meine Tagesformen.


    Eine andere Frage. Wie wird denn das Zu-Bett-Gehen in anderen Heimen gehandhabt? Mein Vater hatte es mir schon berichtet und eben war ich live am Telefon dabei. Um 18.30 Uhr kommt die Pflegerin rein und sagt in ziemlich barschen Ton. "So jetzt hinlegen. Hier sind Deine Schlafsachen. Die ziehst du jetzt an und dann legst du dich hin." Eigentlich wollte mein Vater noch malen. Hatte aber jetzt Bedenken, dass sie ihm das wegnimmt. Weil er ja schon im Bett liegen sollte.


    Das macht mich schon traurig.

    Sabine

  • Bei meiner Mutter ist es mit den fehlenden Dingen für Körperpflege usw. genauso. Immer, wenn ich dort bin, schaue ich nach, was fehlt oder demnächst zur Neige geht und kaufe dann entsprechend ein, so dass immer genug da ist. Dein Vater könnte es vielleicht auch irgendwo vermerken, Einkaufszettel an einem bestimmten Ort z. B. Das funktioniert bei meiner Mutter leider nicht mehr. Auf jede Nachfrage antwortet sie, hab ich nicht mehr.

    Ich bin auch der Meinung, dass man es nicht unbedingt von den Pflegekräften erwarten kann, von allen Bewohnern im Blick zu haben, was irgendwo fehlt.

    Das zu-Bett-gehen ist bei uns auch so organisiert. Bis 19.30 Uhr ist das erledigt.

    Die Art und Weise bzw. den Ton, den du beschreibst, finde ich nicht richtig und auch nicht schön. Sowas geht nicht.

    Das kann man wahrscheinlich aber nicht verallgemeinern und auf alle Pflegekräfte beziehen.

  • Nein. Das erwarte ich auch nicht von den Pflegekräften. Die haben echt schon viel um die Ohren. Also ich packe die Schränke voll... Es tut mir dann halt leid, dass er warten muss bis ich wieder da bin. Ich werde es auf Dauer nur alle 14 Tage zum Besuch schaffen. Ist halt schon lang, wenn was fehlt.

  • Hallo Sabine,

    So ein Umgangston ist allerdings überhaupt nicht OK. Auch das Duzen kenne ich aus dem Heim meiner Mutter überhaupt nicht, dort wird sehr respektvoll mit den Bewohnern umgegangen und auch nicht so früh..

  • Duzen finde ich extrem übergriffig. Das geht nur, wenn die Bewohnerin/der Bewohner das den Pflegekräften ausdrücklich von sich aus anbietet.

    • Offizieller Beitrag
    Eine andere Frage. Wie wird denn das Zu-Bett-Gehen in anderen Heimen gehandhabt? Mein Vater hatte es mir schon berichtet und eben war ich live am Telefon dabei. Um 18.30 Uhr kommt die Pflegerin rein und sagt in ziemlich barschen Ton. "So jetzt hinlegen. Hier sind Deine Schlafsachen. Die ziehst du jetzt an und dann legst du dich hin." Eigentlich wollte mein Vater noch malen. Hatte aber jetzt Bedenken, dass sie ihm das wegnimmt. Weil er ja schon im Bett liegen sollte.

    Das macht mich schon traurig.

    Sabine

    Hallo Sabine67 ,

    je nach dem wie es Ihnen machbar ist, würde ich hierzu ein paar Worte mit der Stationsleitung wechseln. Einerseits den Tonfall betreffend wie Rose60 ja bereits schrieb, andererseits werden hier die Wünsche Ihres Vaters missachtet. Und an denen hat sich die Pflege auszurichten.
    Noch immer geht es in vielen Einrichtungen mit allerlei Ausflüchten viel zu früh ins Bett, was dann nicht selten "Schlafstörungen" nach sich zieht, denen wiederum medikamentös entgegengewirkt werden "muss".... .

    Es spricht rein gar nichts dagegen, wenn ein erwachsener Mensch um 18:30 Uhr noch nicht zu Bett gehen möchte. Es gibt auch einen Nachtdienst, der problemlos zum späteren Zeitpunkt ins Bett helfen kann; je nach Ablauf und Besetzung ist es günstig bis notwendig, dass auf einer Station die Bewohner der Einrichtung die noch aufbleiben möchten, zumindest zum großen Teil "bettfertig" gemacht werden (Abendversorgung, Nachthemd, Schlafanzug, dann zurück in den Sessel und wieder gewünschten Tätigkeit nachgehen). Es ist für den Nachtdienst dann wirklich lediglich eine Minutenangelegenheit, die Person später zu Bett zu bringen. Und - meiner Erfahrung nach, weil das die klassische Ausrede ist: das ist alles im Nachtdienst gut zu schaffen und betrifft normalerweise ohnehin nur eine handvoll Menschen - gerade auf Stationen für Menschen mit Demenz. Als Nachtdienstler beginne ich ohnehin mit einer Abendrunde, besuche also jeden auf Station - es ist kein Problem, dann auch ein paar Leuten die noch auf sind, ins Bett zu bringen - insbesondere dann, wenn die Abendversorgung durch den Spätdienst gelaufen ist und ich wirklich nur noch ins Bett begleiten muss.
    Abgesehen davon endet der Spätdienst meist auch nicht vor 20:30, so dass Ihr Herr Vater nicht zwingend so früh versorgt werden muss.

    Ich kenne es durchaus, dass es anfangs holprig ist, bis sich eine Zeit bzw. ein Ablauf eingependelt hat, der für alle akzeptabel und machbar ist.
    So wie Sie das beschreiben, geht das in meinen Augen aber nicht.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust


    • Offizieller Beitrag

    Liebe schwarzerkater ,


    ich bin da völlig bei Ihnen - und hoffe, Sie sehen in meinem Posting oben da auch keinen Widerspruch zu. Mit dem "Duzen" habe ich meine Probleme in der Pflege. Das ist sicherlich meinem jahrelangen "Training" auch geschuldet sowie meiner Erziehung. Trotzdem muss ich, als jemand der durch Schulungen die ich gebe und auch "Gasteinsätze" die ich habe eben auch festhalten, dass es "solche und solche" gibt und die fehlende professionelle Distanz die nicht selten mit dem (ungefragten) Duzen eingeleitet wird, Gefahren mit sich bringt. Denn leider wird für viele Menschen der Schritt zu Repsektlosigkeiten dadurch kleiner.
    Leitungskräfte haben wiederum das Problem, es für alle regeln zu müssen. Heißt, es ist schwierig, einzelnen Kräfte das zu gestatten, anderen nicht und darüber auch eine gewisse Kontrolle zu behalten... .

    Es gibt aber, anders als früher gelehrt und meinerseits verinnerlicht, immer wieder auch Erkenntnisse der Fachwelt, dass sich das Duzen positiv auswirkt. Vielleicht eher nicht in großen Einheiten, aber durchaus. Dr. S. Sachweh hat z.B. ein openAccess-Buch dazu veröffentlicht "Bei uns geht's bunt zu, nich?", in dem auch dieser Aspekt aufgegriffen wird.

    Aber möchte den Thread keinesfalls mit Theorie kapern, noch mit (m)einer allzupersönlichen Sichtweise darauf. Jedoch darauf hinweisen, dass ich beim oben beschriebenen Vorgang im Zusammenhang mit der Ansprache mich genötigt sehen würde, im Heim meiner Mutter kurz aufzutreten und "Spielregeln" zu verdeutlichen. Einfach, weil Grenzverschiebungen meiner Erfahrung nach eben häufig nicht mit großem Knall passieren in Pflege und Betreuung, sondern nach und nach...Stück für Stück.... . Weder Menschen mit Demenz noch ihre Angehörigen sind Bittsteller die gefälligst für alles was passiert, dankbar zu sein haben. Es kommt vor, dass das vergessen wird.... .

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

     



  • Lieber Herr Gust, lieber schwarzerkater,

    Vielen Dank für die Links und die wertvollen Gedanken. Ich bin ja noch neu in der ganzen Situation und da sind so externe Einschätzungen für mich unglaublich hilfreich. Obwohl ich schon selbst einen ganz guten Kompass habe, bin ich doch oft unsicher.


    Zu dem Tonfall und dem Duzen muss ich noch ergänzen, dass die Pflegerin keine Muttersprachlern ist im Deutschen. Sie duzt mich auch gelegentlich. Das wäre auch halb so wild, wenn nicht der entsprechende Tonfall dabei wäre. Mein Vater fühlt sich wie auf einem (O-Ton) "Kasernenhof".


    Ich habe heute morgen mit der Pflege Dienstleitung gesprochen. Der Leiter sagt dann relativ teilnahmslos "Nein das geht nicht. Ich kümmere mich." Es klingt wie aufgesagt. Nunja. Ich werde es beobachten... Und es gilt auch nicht für alle. Viele Pfleger:innen sind schon auch bemüht um die Alten, allerdings immer in Hektik.


    Noch ein Gedanke zum Duzen. So wie schwarzerkater es beschreibt, ist es ja ein Konzept des gemeinschaftlichen Miteinanders. Das finde ich toll und das würde meinem Vater auch gefallen. Er hat eigentlich immer alle Leute geduzt, auch da wo ich es schon etwas grenzwertig fand. In der Heimsituation findet er es aber abwertend.


    Auch das Nichtanklopfen, bevor die Pfleger:innen das Zimmer betreten. Wie seht ihr das?


    Was mich noch interessieren würde: Es gibt ja Pflegenoten für jedes Heim. Wie verlässlich sind die als Qualitätsindikator? Vielleicht mehr eine Frage an den Profi.


    Liebe Grüße und vielen Dank

    Sabine

    • Offizieller Beitrag

    Liebe Sabine67 ,


    meiner Meinung nach sind die heutigen / aktuelleren Berichte, nachvollziehbarer, besser geeignet einen Hinweis zu geben. Da hat sich viel getan. In den Anfängen der Pflegenoten waren diese geradezu lächerlich einfach auszuhebeln und eine 1 vor dem Komma war praktisch immer und für jeden drin (ab dem 2. Jahr), wenn man als Einrichtung wollte. Mittlerweile (2019) wurde das Prüfungssystem aber längst reformiert und auch tatsächlich verbessert.
    Für mich persönlich ist es immer einen Blick wert, was da an Qualitäts-/Transparenzberichten veröffentlicht wird. Die Verbraucherzentrale hat hier - wie ich finde - ganz gut erklärt, wie das funktioniert.
    Im Ergebnis sollte es in die persönliche Bewertung miteinfliessen, denke ich. Schwierig finde ich nach wie vor daran, dass es für pflegende und betreuende Angehörige doch mit ganz schön "Lesearbeit" verbunden ist wenn vielleicht 3 oder sogar mehr Einrichtungen miteinander verglichen werden sollen - und die Gewichtung einzelner Punkte immernoch schwierig sein kann und ist. In jedem Fall aber hilfreicher als das, was einst als "Pflegenoten" mal gestartet ist.

    Zum Nichtanklopfen: passt mir nicht, wenn ich es beobachte. Mich besorgen die möglichen Annahmen und Haltungen dahinter ("Kriegt eh nichts mit", "Ist schließlich unsere Station hier" etc.). Allerdings muss ich anerkennen, dass das vielfach nicht mehr so eng gesehen wird heute. Ich kann (will) mich nicht mehr umgewöhnen - das Anklopfen gehört einfach dazu, wenn ich fremden Wohnraum betreten möchte und ich halte damit auch nicht hinter dem Berg ggü. Kolleginnen und Kollegen, wenn ich wo mitarbeite.

    Mit dem "duzen" beschreiben Sie, wie ich finde, gut, was es eben auch ausmacht. Es ist etwas sehr Wahres daran, wenn es heißt, (auch) der Ton bzw. die Haltung dabei machen die Musik - siehe die Postings von schwarzerkater, denen ich mich anschließe.

    Sie haben das Thema angesprochen in der Einrichtung. Gut so. Mehr können Sie auch erst einmal nicht tun diesbezüglich, denke ich.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust



  • Hallo Sabine,

    Vor dem Betreten des Zimmers meiner Mutter wird immer angeklopft, auch wenn niemand weiß, dass ich da bin.. nur nachts werden sie vermutlich leise eintreten zum Kontrollgang.

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