Demenz im Alltag

Datenschutzhinweis: Bitte achten Sie darauf, dass Sie im Forum keine persönlichen Daten von sich selbst oder von Dritten posten. Auch sollten Ihre Angaben keine Rückschlüsse auf Ihre Person zulassen.
  • Ach , liebe schwarzerkater , da haben wir zeitgleich "ins gleiche Horn geblasen", von daher bitte bleib bei uns😉

    Ich schick dir mal ein <3 , liebe Rose.

    ((Manchmal ist es wirklich nicht leicht: hier die demente Mutter, die nun gar nicht mehr spricht, da die andere Familienangehörigen mit allem Drum und Dran .... man fühlt sich oft wie im Reißwolf.))

    Ganz liebe Grüße ;)

  • Lieber Sohn & Schwiegertochter & Nicole,

    ich stimme euch beiden, Sohn und Schwiegertochter, voll und ganz zu. So lieb wir unsere dementen Angehörigen haben, irgendwann drängen viele verschiedene Umstände in jeder einzelnen Situation uns dazu, auf den Plan B zurückzugreifen.

    Letztendlich hängt eigentlich alles von der Gesundheit der Pflegeperson ab. Wir haben hier schon viele Beiträge von pflegenden Angehörigen gelesen, die in die Richtung „ich kann nicht mehr“ gehen. An diesem Punkt kommt dann Plan B ins Spiel. Oft viel zu spät.

    Aber ich verstehe auch dich liebe Nicole. Du hast hier schon sehr viel und gut beschrieben, mit welcher Hingabe du deine Mutter pflegst und dich um alles kümmerst.

    Wenn an dieser Stelle dann die Empfehlung Heim kommt, ist das erstmal schockierend, das empfinde ich genauso. Aber diese guten Ratschläge kommen hier von lieben Menschen, die dir und auch mir gegenüber schon jahrelange Erfahrungen voraus haben. Das ist mein Empfinden. Letztendlich muss jeder Pflegende für sich die Entscheidung treffen, an welcher Stelle der Plan B zum Einsatz kommt.

    Ich verstehe auch sogar unsere dementen Angehörigen. Jeder möchte am liebsten so lange, wie es irgendwie geht zu Hause bleiben. Leider haben sie aber den Blick auf die Realität verloren und können die Probleme nicht mehr einordnen. Das erfordert von den Pflegenden irgendwann mehr Kraft, als vorhanden ist.

    Ich habe allergrößte Achtung vor dir, liebe Nicole und ich wünsche dir, dass es für dich in deinem Sinne positiv weitergeht. Deine Mama ist dir ganz bestimmt sehr dankbar dafür, auch wenn sie es nicht mehr zum Ausdruck bringen kann.

    ABER: Bitte verliere dich selbst nicht aus den Augen! ❤️

    Ich habe mir fest vorgenommen, all diese schwierigen Dinge für später früh genug zu planen und zu regeln, um meinen Kindern diese unendliche Last nicht aufzubürden. Das will ich auf gar keinen Fall.


    Alles Liebe für Euch!

  • Hallo Nicole2024

    Was mich sehr stört ist das ihr nahezu wirklich jedem Neuankömmling ans Herz legt direkt einen Heimplatz zu suchen, mit dem Hinweis es wird nicht mehr besser werden und denke an dich. Das wird dann immer und immer wieder wiederholt. Dieses stößt mir sehr auf.

    Ich bin schon eine ganze Weile in diesem Forum unterwegs und mein Eindruck war immer, dass sich hier Menschen zu Wort melden, die sich besonders viel Gedanken um ihre demenzkranken Angehörigen machen. Die schon vieles an Hilfestellungen probiert haben, endlos Angebote gemacht haben, mit Engelszungen auf die nicht-einsichtigen Angehörigen eingeredet haben und alles, wirklich alles, gegeben haben. Und dann kommt halt bei vielen der Punkt, an dem sie hier schreiben: "Ich kann nicht mehr - was soll ich tun"? Tja, und dann kommen eben manchmal Anworten, die man vielleicht nicht hören will, die aber dennoch aus der "Schwarm-Erfahrung" heraus Sinn machen.

    Ich denke, man sollte nicht pauschal über Menschen urteilen, die sich dafür entschieden haben, ihre Angehörigen in einem Pflegeheim versorgen zu lassen, man gibt ja damit die Verantwortung nicht komplett ab, sondern hat immer noch Möglichkeiten, die Beziehung zu gestalten.

    Als ich in der Betreuungssituation mit meiner Mutter am Anfang stand, fand ich, dass ich mir eigentlich zwei Fragen stellen muss: kann ich die Pflege leisten und will ich das tun? Für mich persönlich lautete die Anwort auf beide Fragen: Nein.

    Ich habe mir in jahrelanger Therapie mühsam Selbstschutz und das Setzen von Grenzen erarbeitet, ich war nicht bereit, das wieder aufzugeben.

    LG, SunnyBee

    Einmal editiert, zuletzt von SunnyBee ()

  • Liebe Alle.

    Gespannt habe ich Eure Diskussion in diesem Thread verfolgt. Ob häusliche Pflege oder Pflegeheim hängt von unendlich vielen Rahmen- und Nebenbedingungen ab. Die keiner von außen beurteilen kann. Ich habe die lieben Ratschläge hier nie in die eine oder andere Richtung empfunden...


    Nun stehe ich selbst vor dieser harten Entscheidung. Denn so oder so bin ich ganz allein damit... Ganz allein heißt wirklich ganz alleine. Kein Partner oder Kinder oder alte Freunde, die unterstützen könnten. Und ich versuche mir vor Augen zu führen, was das eine oder andere für meinen Vater und mich bedeutet. Ich bin sein letzter Anker im Leben. In einem Heim hier in meiner Stadt wäre ich der einzige Besuch... Fremde Leute und fremde Stadt.. Stunden und Tage allein. Dabei hätte ich auch keine ruhige Minute. Ich könnte mir das Leid nicht mit ansehen. Heim in der anderen Stadt noch schrecklicher, weil dann noch seltener Besuche von mir möglich.


    Also Alternative. Ein schönes Haus mieten und alle erdenkliche Unterstützung dazu "buchen". Erwerbstätigkeit auf 50 Prozent reduzieren und ihm eine häusliche Umgebung bieten, so lange es geht. Mit einem Team aus professionellen Helfer*innen. Auch wenn ich weiß, dass der relativ gute Zustand jetzt vergänglich ist. Ich wäge ab, was sind meine Opfer und will ich sie erbringen? Ich habe jetzt eine sehr schöne Wohnung in einem wunderschönen Stadtteil. Einen tollen Job mit sehr gutem Einkommen. Freunde in der Nachbarschaft. Das alles gebe ich wirklich ungern auf, aber im Moment erscheint es mir wie die berühmte Entscheidung zwischen "Pest und Cholera".


    Trotz der Zukunftssorgen haben wir so viele schöne Momente. Und die Anstrengung der ersten Wochen rentieren sich. Er fühlt sich super wohl hier und genießt es, so umsorgt zu werden. So wird es nicht bleiben können, aber nach den schrecklichen Monaten im Heim war diese "besondere Kur" einfach nötig!!!


    Die zweimonatige Auszeit vom Job sind schon totaler Luxus und ich hoffe, wir kriegen uns bis dahin sortiert.


    Liebe Grüße

    Sabine

  • Nun stehe ich selbst vor dieser harten Entscheidung. Denn so oder so bin ich ganz allein damit... Ganz allein heißt wirklich ganz alleine. Kein Partner oder Kinder oder alte Freunde, die unterstützen könnten. Und ich versuche mir vor Augen zu führen, was das eine oder andere für meinen Vater und mich bedeutet.

    Liebe Sabine, vor dieser Entscheidung standen wir damals auch, ebenfalls eigentlich ganz alleine (ich und mein Mann, auf die 70 zugehend und zunehmend selbst kränklich). Wir wohnten mit meinen Eltern/meiner Mutter Haus an Haus, schon immer ... Meine Mutter wurde zwar mit Beginn der Demenz sehr böse zu mir (und eigentlich auch zu sich), jedoch hatten wir vorher immer ein sehr gutes familiäres Miteinander.


    Ehrlich gesagt, habe ich mich nicht selbst entschieden, sondern "das Leben" (oder die Realität?) hat entschieden ... mit einem Wink des Schicksals, welcher Weg gegangen werden musste.


    Momentan kannst du nur vorwiegend rational abwägen:

    • Lässt dein Vater nötige Pflege zu? Wenn ja, von wem und in welchem Umfang?
    • Welche Art pflegerische Unterstützung ist möglich und welche Personen kommen infrage (das spielt auch eine große Rolle!)
    • Ist eine Pflege zuhause finanziell leistbar?
    • Kannst du die von DIR verlangte Pflege leisten: körperlich, mental ...?
    • Gibt es einen Plan B, falls es doch nicht mehr funktioniert? Wenn ja, welchen? Die Demenz wird ja unweigerlich fortschreiten ... Kein Mensch weiß, wie lange man mit dieser fortschreitenden Demenz lebt, bei guter Pflege sehr lange (meine Mutter ist seit drei Jahren im Pflegeheim und es geht ihr momentan sehr, sehr gut, nur spricht sie nicht mehr und das Umfeld muss mehr und mehr ihren kognitiven Fähigkeiten angepasst sein.)
    • Was würde sich dein Vater für sich wünschen, wenn er rational denken könnte und was wünscht er sich nun in seinem Zustand? Gibt es Diskrepanzen zwischen beiden?
    • Was würde sich dein Vater für dich und dein Leben wünschen? ((Hier sage ich ungefragt meine Meinung: Ich persönlich könnte es zum jetzigen Zeitpunkt nicht ertragen, wenn meine geliebte Tochter ihr Leben für mich aufgeben müsste - sie ist wirklich mein Ein und Alles, neben meinem Partner natürlich!))
    • Wie sieht deine spätere Zukunft aus, wenn du deinen Job und dein Umfeld aufgibst? Menschlich? Finanziell?
    • ...

    Es sieht vielleicht bei den Fragen so aus, als würde alles dazu tendieren, das Pflegeheim zu wählen. Aber so ist es nicht.


    ((Ich habe selbst in meinem Leben schon ungewöhnliche Entscheidungen getroffen, die hätten schief gehen können. Ich habe dadurch einiges wirklich verloren, anderes aber gewonnen. Summa summarum würde ich es wieder so machen. Viele haben mich damals nicht verstanden ...))


    Also liebe Sabine, es gibt vieles abzuwägen und tatsächlich kannst nur du selbst entscheiden.


    Ich habe in unserem Fall auch viele Ideen von außen gesammelt: Ärzte, die Pflegekräfte, andere Betroffene, Krankenhaus ... Alle haben mir gesagt, dass ich es letztlich selbst entscheiden muss, mir aber vorsichtig gesagt, in welche Richtung sie tendieren. Das hat mir etwas geholfen.


    Fakt ist und bleibt: Es ist (für viele) eine schwere Entscheidung, die man treffen muss ...


    Gerade fällt mir ein: Wenn es jetzt mit deinem Vater so gut läuft ..., vielleicht ist es für dich auch noch nicht soweit, eine endgültige Entscheidung zu treffen.Vielleicht hast du die Möglichkeit, den jetzigen Zustand noch etwas auszudehnen, bis die Realität dir einen Wink gibt, wie es weitergehen kann. Du könntest ja nach und nach schon jetzt Pflegekräfte hinzubuchen und trotzdem wieder arbeiten gehen ...


    ((Wir haben mit meiner Mutter auch unter großen Anstrengungen viele Jahre durchgehalten, haben meine Mutter sogar in alle Urlaube mitgenommen. Es war schwierig und doch möchte ich heute keinen Tag missen.))


    Ich wünsche dir, dass du gute Entscheidungen triffst, mit denen sowohl dein Vater als auch du ein weiterhin gutes Leben haben könnt. Das ist wichtig.

    Wir alle hier sprechen jeweils aus eigenen Erfahrungen. Ich wollte dich mit meinen Fragen an meinem damaligen Entscheidungsprozess teilhaben lassen. Vielleicht sind ein paar Gedanken dabei.

  • Hallo Sabine67,


    wie schön, dass Du die Zeit mit Deinem Vater genießen kannst.

    Und ja, der berühmte Plan B muss jetzt schnellstens her.


    Was ich nie machen würde, ist auf 50 % Arbeitszeit gehen. Aber das ist halt meine persönliche Sicht.

    Ich wollte keinesfalls, dass meine Kinder dies in meinem Fall machen. Auch nicht, dass sie ihre Umgebung und Freundeskreis aufgeben.


    Es gibt ja noch Möglichkeiten, die Ihr probieren könntet:

    wie Schwarzerkater schon ausführte, den Pflegedienst ausweiten.

    Durch Kurzzeitpflege oder Probewohnen verschiedene Heime ausprobieren.

    Betreutes Wohnen für dementiell veränderte Patienten.

    Eine Wohnung anmieten und 24-Stunden-Pflege.


    Mir scheint, es ist jetzt gerade noch früh genug bei Deinem Vater.


    LG PausE

  • Ihr Lieben.

    Habt tausend Dank für eure wertvollen Gedanken...


    Lässt dein Vater nötige Pflege zu? Wenn ja, von wem und in welchem Umfang?
    Welche Art pflegerische Unterstützung ist möglich und welche Personen kommen infrage (das spielt auch eine große Rolle!)

    Durch mich ist die Pflege sehr unkompliziert. Er ist weitgehend selbstständig. Braucht nur Hilfestellungen bei Auswahl der Anziehsachen und Einstieg in die Dusche. Wie eh und je legt er viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres. Macht fast alles allein.


    Ist eine Pflege zuhause finanziell leistbar?
    Kannst du die von DIR verlangte Pflege leisten: körperlich, mental ...?

    Finanziell zum Glück kein Problem. Körperlich von mir leistbar. Mental bin ich mir nicht sicher... Die größte Herausforderung ist im Moment sein Kummer, nun mit 83 bei seiner Tochter als Gast leben zu müssen...

    Was würde sich dein Vater für sich wünschen, wenn er rational denken könnte und was wünscht er sich nun in seinem Zustand? Gibt es Diskrepanzen zwischen beiden?
    Was würde sich dein Vater für dich und dein Leben wünsche

    Er möchte gerne in seinem Zuhause leben. Er weiß aber auch, dass er sich schwer auf Fremde einstellen kann. Eine wirklich gute Lösung scheint nicht in Sicht...


    Eure Gedanken haben mir aber einen guten Hinweis gegeben. Ich gehöre zwar so gar nicht zur Fraktion "erstmal abwarten". Aber es ist ein guter Gedanke, dass man auch mal warten muss, bis sich neue Ideen entwickeln.


    Liebe Grüße Sabine

  • Liebe Sabine,


    es ist schön zu lesen, dass du mit deinem Vater die gemeinsame Zeit genießen kannst und die Erfolge daraus bei ihm spürbar sind.

    Aber wir alle wissen auch, die Demenz wird fortschreiten und der Zustand sich verändern.

    Leider kann man die Zeit dafür nicht im geringsten einschätzen. Wenn ich mir ansehe, wie sich der Zustand meiner Mutter innerhalb der letzten 9 Monate verschlechtert hat, ist das für mich immernoch unfassbar. Das hätte ich mir vor einem Jahr nicht träumen lassen.


    Was die von Dir angedachte Reduzierung der Arbeitszeit betrifft hätte ich noch eine Idee.

    Hast du eventuell die Möglichkeit die Arbeitszeit erstmal befristet zu reduzieren?

    Bestens mit der Option auf Verlängerung der Teilzeit bzw. dann mit der Rückkehr in Vollzeit?

    Das würde dir auch ein Stück Sicherheit bieten.


    Der Pflegebedarf deines Vaters wird sich in jedem Fall erhöhen. Sicher kann viel durch einen Pflegedienst abgedeckt werden, doch wir wissen auch, dass Pflegepersonal knapp ist, das heißt die vereinbarten Leistungen werden schnell erbracht und genauso schnell ist das Pflegepersonal auch wieder weg.

    Es bleibt also noch viel Zeit, die dein Vater alleine überbrücken muss, während du arbeitest. Ist das händelbar?

    Vielleicht kannst du dich mal über einen Besuchsdienst erkundigen. Wenn das mehrmals pro Woche einzurichten wäre, könnte das eine Erleichterung bringen.

    Ich hab hier mal einen Link zur Suche von Betreuungsangeboten für dich rausgesucht.


    Pflegelotse | Online-Suchportal für Angebote im Bereich Pflege


    Naja, Fragen über Fragen… Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass du gute Antworten findest und drücke dir dafür die Daumen!


    Liebe Grüße Stern

  • Liebe Stern.

    Vielen lieben Dank für deine Kommentare. Ich bin jedesmal so gerührt, dass ihr euch neben den eigenen Herausforderungen auch noch für mich Gedanken macht. Wie wertvoll!


    Besuchsdienst für zwei Stunden an zwei Tagen ist organisiert und beginnt nächste Woche.

    Meine Arbeitszeit kann ich im Rahmen der Familienpflegezeit reduzieren. Das hat Vorteile. Kündigungsschutz, Zuschuss zur Renten und Arbeitslosenversicherung. Der Vollzeitarbeitsplatz bleibt erhalten. Geht für bis zu 24 Monaten...


    Ich möchte ihm in der jetzt noch halbwegs guten Zeit ein Stück Lebensqualität ermöglichen. Ich habe schon alles durchgerechnet... Da der Pflegebedarf im Moment überschaubar ist (ich weiß, dass sich das jederzeit ändern kann), bräuchte ich eher eine Haushaltshilfe und Betreuungs Dienst. Dafür können wir monatlich 2. 500 Euro aufbringen. Mein Vater ist vermögend und das Geld sollte jetzt für einen halbwegs guten Lebensabend ausgegeben werden.


    Schlimm genug, dass meine Mutter ihm das im eigenen Haus verweigert und sich einfach nicht mehr meldet. Ich versuche das zu akzeptieren, aber die innere Wut kommt doch hier und da hoch. Wenn mein Vater weint, weil er nicht mehr in sein Haus darf, ist es besonders schlimm für mich...


    Liebe Grüße Sabine

  • Liebe Sabine,

    ich hatte die Gedanken zu deiner Mutter noch halbwegs im Kopf, aber hab mich nicht getraut, danach zu fragen. Sie ist aber auch wirklich ein Spezialfall! Was muss sie dazu bringen, so verbittert und hartnäckig zu sein, wenn es um deinen Vater geht!? Sicher gibt es Gründe aus ihrer Sicht. Trotzdem schwer verständlich. Kümmert sie sich wenigstens um sich selbst und lässt sich helfen, Arzt oder wie auch immer?

    Wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit bis sie selbst für sich mehr Hilfe benötigt.

    Die Situation muss für deinen Vater vollkommen unverständlich sein, das kann ich absolut nachvollziehen. Wie schwierig!

    Leider hab ich dafür auch keinen schlauen Rat.

    Auf Grund dessen denke ich aber, dass eine Pflege deines Vaters dort im eigenen Haus und in Ihrer Nähe nur weitere Konflikte mit sich bringen würde. Das hilft ihm letztendlich garnicht, im Gegenteil es würde seinen Zustand womöglich verschlechtern.


    Auf jeden Fall möchte ich dir mal meinen Respekt mitteilen, wie aufopferungsvoll du das alles für deinen Vater machst, alle Achtung!!


    Ich hab jetzt 4 Stunden Büroarbeit für meine Mutter hinter mir. Papierkrieg mit Pflegedienst, Krankenkasse und was sonst noch so nebenbei kommt. Das alles sind auch Dinge, die Außenstehende niemals verstehen (wollen).


    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!

  • Sabine67

    Hat den Titel des Themas von „Demenz im“ zu „Demenz im Alltag“ geändert.
  • Liebe Stern.

    Lieben Dank für deine Antwort. Und ja die Zusatzbelastung durch meine Mutter ist schon sehr speziell... Eine Freundin meiner Mutter fragte mich neulich, war denn die Ehe so schlecht? Das kann ich gar nicht beantworten. Wahrscheinlich war es mehr Koexistenz als Ehe. Aber sicherlich gibt es schlechtere Ehen!


    Wenn ich meinem Vater mal den Rücken eincreme, merke ich, wie sehr er es genießt, überhaupt mal eine körperliche Zuwendung zu bekommen. Neulich hat er dann mal gesagt, ach das hat mir immer gefehlt, deswegen habe ich es mir hier und da mal geholt... Also irgendeine Art von Untreue war da wohl. Vielleicht sind es diese Verletzungen, die meine Mutter zu ihrem Verhalten bewegen. Ich weiß es nicht. Tiefer möchte ich da aber für meine Gedankenwelt nicht einsteigen...


    Vier Wochen sind überstanden und jeder Tag wird besser. Mein Vater erlebt es hier als sein Zuhause, das mit den Erinnerungen an seine alte Welt verschwimmt. Alle paar Tage ruft er meine Mutter an und redet über Unverbindliches. Bisher habe ich endlose Diskussionen mit ihm geführt, wie wollen wir deinen Lebensabend gestalten. Hinweise darauf, dass das hier alles nur ein Behelf ist. Ich mein eigenes Leben und Erwerbstätigkeit habe...


    Aber es führt ja zu nix als schlechter Stimmung. Er kann das ja gar nicht einordnen und sortieren. (war mir rational klar, aber ich konnte nicht anders.) Auch ich lerne von Tag zu Tag. Nun versuche Ich durchgehend unbeschwerte Tage zu ermöglichen. Damit geht es mir auch sehr viel besser... Alle Probleme muss ich eh alleine lösen.


    Je mehr ich die glücklichen Momente erlebe, die wir gemeinsam haben, desto weniger kann ich mir vorstellen, ihn in ein Heim zu bringen. Im Moment denke ich doch eher Haussuche und Alltag organisieren. Einige Angebote hatte ich schon mal angeschrieben und wir bekommen fast immer eine Einladung zur Besichtigung. Das stimmt mich schon mal positiv als Vater-Tochter-WG bei Vermietern nicht gleich aussortiert zu werden. Aber so ein Haus muss auch schon zu uns passen und mir genügend Freiräume lassen.


    Ich bemerke bei mir, dass ich viel entspannter werde und es als mein "Schicksal" annehme. Mein Leben jetzt ist ganz anders als zuvor, aber nicht schlecht...


    Ich bin selbst sehr gespannt wie es weitergeht.

    Liebe Grüße Sabine

  • Liebe Sabine, beim Lesen deines Berichts denke ich: Probiere es doch einfach mit der Vater -Tochter -WG. Momentan scheint es euch beiden gut zu tun und in die Zukunft kann sowieso keiner sehen. Wenn alles dann doch schlechter wird, kann man wieder neu nachdenken. Daher würde ich sagen: Macht euch die jetzt noch schöne Zeit nicht durch besorge Gedanken kaputt. Am Ende fügt sich vielleicht alles erstaunlich gut. Dann kommen Möglichkeiten zutage, an die heute noch niemand denkt.

    Meine Mutter hatten wir auch bis zur echt letztmöglichen Sekunde Zuhause. Und ich bereue es nicht. Als sie in ihr liebes Pflegeheim kam, war ihr das alte Leben komplett entglitten und weder ihr Haus noch ich als Tochter hatte noch Bedeutung. Das ist bei deinem Vater noch lange nicht soweit, denke ich. Also nur Mut. Was sich gut anfühlt, kann meist nicht ganz falsch sein, zumindest nicht, nachdem du so sorgfältig das Für und Wieder abgewogen hast.

  • Puh... Ein schwieriger Tag heute. Wie wechselhaft doch die Stimmungen sind. Heute war mein Vater den ganzen Tag über sehr depressiv. Er vermisst ein Zuhause und ist wütend, weil seine Frau nicht anruft und das Telefon einfach abstellt. Trotz aller Bemühungen konnte ich ihn nicht aus dieser depressiven Welt holen.


    Ich hoffe, dass der Tag morgen besser wird. Manchmal bin ich total ratlos und dann kommt zum Glück immer wieder ein Moment der Freude und ich besinne mich auf meine eigene Kraft. Wie lange die noch reicht?


    Liebe Grüße

    Sabine

    • Neu
    • Offizieller Beitrag

    Hallo Sabine67, zunächst auch meine große Anerkennung, wie Sie alles so erfolgreich schaffen und nun in Ruhe nach der perfekten Lösung suchen können!


    Die Phase der Depression gehören zu Ihrem Vater, das haben Sie hier schon häufiger geschrieben. Es ist ja auch eine normale Trauer und Enttäuschung nach so langer gemeinsamer Zeit mit seiner Frau.

    • Wie lange darf er traurig sein?
    • Wann beginnt die zermürbende Endlosschleife des Grübelns?
    • Wie können Sie kurz trösten und welchen Impuls können Sie ihm geben, aus dem depressiven Teufelskreis zu kommen?
    • Sie wissen ja, weniger ist oft mehr!

    Haben Sie sich einmal die Tagespflegeeinrichtungen in Ihrer Nähe angesehen? Möglicherweise gibt es dort bestimmte Tage, an denen Ihr Vater ein Gegenüber hat und sich austauschen kann. Da die Gäste oft nur an 1-3 Tage kommen, ist das Angebot bei guten Einrichtungen zielgruppenbezogen, z.B. durch eine Männergruppe / Männerstammtisch oder besondern Angeboten (Zeichnen/Malen)...


    Ein Gedanke noch: Wenn ich mich richtig erinnere, hat Ihre Mutter die "Boykotthaltung" aufgegeben, weil Sie klar entschieden haben. Es kann gut sein, dass sie sich mit der Entscheidung zu einer Tochter-Vater-WG wieder stärker für ihren Mann interessiert...

    Ihr Martin Hamborg

    • Neu
    • Offizieller Beitrag

    Hallo Nicole2024, Sie haben ja schon viele Antworten erhalten. Aus der Pflegeforschung gibt es eine zunächst paradox wirkende alte Erkenntnis:

    • 80% der demenzkranken Menschen werden zuhause gepflegt
    • 80% der demzenzkranken Menschen gehen in ein Pflegeheim

    Möglicherweise sind die Zahlen heute etwas anders, aber in vielen Beiträgen ist deutlich geworden, wie lange und mit welcher Last viele der Aktiven hier die Häuslichkeit gesichert haben. Wir sprechen über Jahre!

    Wenn Sie lange genug zurück lesen, gibt es sehr viele Beiträge zum schlechten Gewissen, zum PlanB um die Belastungen zu ertragen und Kraft zu schöpfen und die Erkenntnis, dass manchmal ein Heim, eine Tagespflege oder Kurzzeitpflege den Leidensdruck eines Menschen mit Demenz besser auffangen kann, als ein Ehepartner, - der oder die sich dann oft entsprechend in die Versorgung einbringen kann (Sie die Kür, die Pflege die Pflicht)


    Ich habe hier so viele bewegende Lebensgeschichten häuslicher Pflege miterlebt, deshalb wünsche ich mir, dass Sie Ihre Erfahrungen hier einbringen und nur kurz darauf hinweisen, dass Sie keinen Ratschlag brauchen für ein Heim.


    Ihr Martin Hamborg

  • Liebes Forum.


    Mittlerweile sind über sechs Wochen vergangen in der häuslichen Pflege bei mir hier. Mein Vater hat sich sehr gut erholt, depressive Phasen bleiben allerdings. In der vergangenen Woche sind wir einmal in die heimische Wohnung gefahren, weil meine Mutter Geburtstag hatte. Da habe ich noch mal gesehen, wie sehr mein Vater sein zu Hause vermisst. Und mit meiner Mutter ist nach wie vor kein Gespräch darüber möglich, wie so eine Rückkehr nach Hause gestaltet werden könnte. Bei dem Geburtstagsbesuch war sie eher distanziert bis mürrisch. Und wollte uns dann auch, nachdem der andere Besuch gegangen war, schnell wieder loswerden. Das ist schon eine bittere Erfahrung für meinen Vater.


    So vergeht Woche und Woche hier in K. und es ist noch nicht richtig ein Ziel in sich. Mittlerweile kommt zweimal in der Woche einen Besuchsdienst für 2 Std. und zweimal in der Woche geht mein Vater in die Tagespflege. Das klappt soweit ganz gut und auch der Alltag ist sehr gut zu bewerkstelligen, weil er alles noch eigenständig macht. In vier Wochen möchte ich wieder meine Berufstätigkeit zumindest in 50% Teilzeit aufnehmen. Aber das ist ja kein Zustand hier. Die Wohnung ist einfach nicht geeignet und auf Dauer geht das auch für mich nicht..


    Ich habe mich mal rechtsanwaltlich beraten lassen. Mein Vater hat natürlich ein uneingeschränktes Wohnrecht in seiner Wohnung. Aber wir brauchen ja Lösungen die auch lebbar sind. Wenn meine Mutter nach wie vor auf stur stellt, werde ich ihr die Alternativen präsentieren. Entweder Rückkehr in die gemeinsame eheliche Wohnung mit Pflegekräften oder in eine Eigentumswohnung im Haus.


    ... weiterhin ziemlich ratlos.

    Liebe Grüße Sabine

  • Das mit der gemeinsamen Wohnung würde ich lassen. Deine Mutter will nicht mehr und es würde nur in Stress, Streit und Zank enden.


    Ich würde das mit der Eigentumswohnung und der Pflegekraft in Angriff nehmen. Ihr könnt ihm doch sicher mit seinen Möbeln eine vertraute Umgebung schaffen. Dann hat er sein "Zuhause" wieder, aber die Reibungspunkte mit Deiner Mutter entfallen.

  • Ja klar. Das sehe ich auch so. Es wäre auch nur das "Drohszenario", damit sie einer Kündigung der Mieter zustimmt. Allerdings könnte ja auch sie in der Eigentumswohnung leben... Das Haus wurde zum großen Teil mit dem Erbe meines Vaters finanziert und die Luxusdachgeschosswohnung ist nach seinen Plänen als Architekt entstanden. Unfassbar für ihn wie für mich, dass er da nicht leben soll... Schließlich möchte meine Mutter keinen gemeinsamen Haushalt mehr. Oder wie seht ihr das? Liebe Grüße Sabine

  • Unter den Prämissen würde ich Deine Mutter zum Umzug bitten.


    Fraglich ist aber, ob das mit der Eigenbedarfskündigung so fix geht? Ich würde nicht drohen - das erzeugt nur wieder Druck und Kurzschlußhandlungen. Kannst Du es ihr nicht schmackhaft machen nach dem Motto: und jetzt einmal nur für Dich. Mach es Dir gemütlich und richte dich ein, wie Du magst?

  • Ich sehe ein bisschen das Problem, dass dein Vater vermutlich am liebsten einfach sein altes gewohntes Leben zurück hätte , MIT deiner Mutter und sie will das nicht - und erzwingen kann es natürlich eh niemand. Aber dein Argument, dass es das Erbe deines Vaters ist, wiegt natürlich schwer. So richtig fällt mir leider auch keine Super Idee ein.. leider

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!