Demenz im Alltag

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  • Selbstverständlich ist es schöner, wenn man es schafft, seinen Angehörigen zuhause zu pflegen. Ich ziehe meinen Hut vor jeden, der das schafft und dafür seine Arbeit aufgibt und sich voll dem Angehörigen widmet (zu Hinz schiel).

    Ja, an Hinz dachte ich auch. Aber er vermittelt mir beim Lesen seiner Beiträge das Gefühl, dass er eine ausreichend stabile Person ist, um mit den negativen Erlebnissen fertig zu werden, die es ja auch bei seiner Mutter gibt. Und dann ist seine Mom wohl auch eine zeitweise einsichtige Person, die er auch recht liebenswert rüberbringt.


    Aber wie auch Valentina61 schreibt, trotzdem würde ich niemandem raten, für den Angehörigen das eigene Leben incl. Arbeit, Wohnort usw. zu opfern.

    Irgendwann verstirbt der Angehörige, und dann?


    Dann ist der bisherige Lebensinhalt des Pflegenden dahin, eine Arbeit findet sich vielleicht nicht, oder nur schwer, die Freunde sind futsch, und die frühere Wohnung auch...

    Abgesehen vom finanziellen Aspekt, denn nicht jede/r ist in der Lage, die Einbußen durch Vermögen abzupuffern.


    Ich würde niemals mein eigenes Leben opfern.

    Ich würde auch niemandem das Recht zugestehen, so etwas von mir zu verlangen.

  • Liebe Sabine,

    auch ich möchte dich nochmal zu diesem Schritt Heim/WG ermutigen!

    Wir haben meine Mutter letztes Jahr ins betreute Wohnen gebracht, nicht weil sie es wollte, es ging nicht anders.

    Ich lebe mit meinem Mann im benachbarten Ausland. Zu uns wollte sie nicht, sie kennt hier niemanden und versteht die Sprache nicht. Nachvollziehbar.

    Andersherum hätten wir unser gerade neu gebautes Haus verkaufen und wieder in meine Heimat zu meiner Mutter ziehen müssen.

    Das war für uns aber keine Option.

    Ich bin mir sehr sicher, dass es auch meiner Mutter mit Pflege zu Hause noch besser gehen würde. Zumindest wäre sie dann wahrscheinlich nicht so oft so depressiv.

    Auch mir ist es unendlich schwer gefallen und sie tat und tut mir auch leid. Aber es ging einfach nicht anders!!

    Ich finde, du solltest bald eine Entscheidung treffen, damit endlich Ruhe einkehrt, für dich und auch für deinen Vater.

  • Liebe Alle!

    Ich seid alle zusammen mein Korrektiv und auch mein Rückhalt. Entscheidungen bleiben einsam und schwierig.... Aber ihr macht mir Mut und spiegelt meine Gedanken in für mich erkenntnisreicher Weise. Ich kann immer wieder Danke sagen!


    Wenn ich schon Rentnerin wäre, würde ich es vielleicht auf mich nehmen, die häusliche Pflege. Aber so ist es keine Option. Ich muss und möchte noch 10 Jahre arbeiten. Mein Vater versteht das auch. Meine Eltern haben beide ihre Berufe sehr geliebt und würden eine Aufgabe meiner Berufstätugkeit auch nicht erwarten. (Meiner Mutter ist es jetzt einfach egal, wie ich das hinkriege!)


    Für mich ist es jetzt sehr klar. Erste Priorität Demenz Wg. Zweite Option Pflegeheim. Andere Optionen gibt es nicht. Ab 15.06. gehe ich mit 50 Prozent in den Job zurück (brauche ich auch für mein eigenes Lebensglück). Vereinbart sind 6 Monate in Teilzeit. Das schaffe ich mit Tagespflege an drei Tagen (falls zu anstrengend für mich, geht auch ein Tag mehr). So haben wir Zeit, eine gute Lösung zu finden.


    Dank eurer Kommentare und Gesprächen mit Freunden halte ich mir nochmal vor Augen, wo und wie mein Vater leben würde, wenn ich nicht gehandelt hätte!!! Dort hätte ihn das Leben "hingespült", weil er sich nie darum gekümmert hat, was wird, wenn es zu Hause nicht mehr geht. Und weil er diese "Schönwetter-Ehe" geführt hat, die wohl auf Sand gebaut war.


    Ich habe für ihn dann unter diesen Vorzeichen, wenn wir ein gutes Heim/WG finden, das Maximum rausgeholt, was meine Ressourcen hergeben. Damit kann ich leben. Bis dahin werden wir noch den gemeinsamen Sommer genießen. Er findet es bei allem Heimweh zum Glück auch immer wieder schön, hier in der Stadt mit der dicken Kirche. Wir können zu Fuß zum Fluss gehen und dort auf der Bank sitzen und Schiffe gucken. Dann sind wir glücklich. Und das geht ja immer noch, so lange er mobil bleibt!


    Lieben Dank an Euch alle für die "Nebelscheinwerfer".

    Sabine

  • :) :!:


    Das ist doch schon ein guter erster Schritt.

    Und bitte: sei nicht zu anspruchsvoll bei der Suche nach einer passenden WG.

    Mein Vorschlag: nimm auch einen suboptimalen Platz, nur damit er erstmal untergebracht ist. Bei uns ist die Pflegeheim-Situation z.B. so angespannt, dass schon keine Wartelisten mehr geführt werden, und die freiwerdenden Plätze an den vergeben werden, der als Erster zum richtigen Zeitpunkt anruft.

    Du kannst so entspannt nach einem geeigneteren Platz suchen, ohne durch den bevorstehenden Arbeitsbeginn unter Druck zu stehen.

  • Ich kenne ja Deine Mutter nicht und auch Euch nur aus Deinen Zeilen. Aber könnte es sein, dass Deine Mutter jetzt genau das macht, was wir Dir alle raten? Sich abgrenzen, sich retten? Ich kann mir vorstellen, dass die letzten Jahre seit Beginn der Veränderungen bei Deinem Vater nicht einfach für sie waren. Immerhin wird sie auch nicht mehr die jüngste sein.


    Ich kann NoName nur beipflichten - such nicht das gestreifte Maiglöckchen mit lila Punkten und Schmetterlingen. Das gibt es nicht.


    Lass die Pflicht von anderen übernehmen - übernimm Du die Kür. Das wird für euch beide ein Gewinn sein auf lange Sicht.

  • Schwiegertochter71: da kann ich dir wiederum nur zustimmen.


    Sabine, deine Mutter hat möglicherweise aus ihrer Sicht sehr gute Gründe für ihren Rückzug. Sie hat mit deinem dementen Vater gelebt, und das vielleicht schon zu lange.

    Zusätzlich wird vielleicht nicht hilfreich gewesen sein, dass du und dein Vater euch in ihren Augen gegen sie verbündet habt. Ich kann nur anhand von dem raten, was du hier mitgeteilt hast, aber deine Posts haben bei mir bewirkt, dass ich genau das gedacht habe, und deiner Mutter ging es vielleicht ebenso.


    Macht nichts wenn es so ist/war, ist ebenso menschlich wie alles andere, was bei uns allen passiert.

    Nur erwarte in diesem Fall nichts von deiner Mutter, und stell dich ggf. auf Gegenwind bei ihr ein.

  • Aber könnte es sein, dass Deine Mutter jetzt genau das macht, was wir Dir alle raten? Sich abgrenzen, sich retten? Ich kann mir vorstellen, dass die letzten Jahre seit Beginn der Veränderungen bei Deinem Vater nicht einfach für sie waren. Immerhin wird sie auch nicht mehr die jüngste sein.

    Das darf sie auch. Sich retten. Aber sie hat all die Zeit auf der Vollmacht beharrt und alle Alternativen blockiert... Nun ist es ja anders. Und ich würde auch mehr Verständnis für sie haben, wenn sie an gemeinsamen Lösungen interessiert wäre. Oder einfach sagen könnte, ich kann nicht mehr und gut, dass du uns hilfst. Aber ich bin einfach immer die Böse. (Eifersucht meiner Mutter auf das gute Verhältnis zwischen meinem Vater und mir gab es schon immer. Und dies wird auch eine Rolle spielen).


    Nun gut. Es ist so. Ich suche nach einer guten Lösung, das muss und wird keine Ideallösung sein, aber erträglich muss es sein.


    Liebe Grüße

    Sabine

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Sabine67,

    Die Beiträge auf Ihren "offenen Beratungswunsch" haben wieder deutlich gemacht, wie schwer das Ringen um eine richtige Entscheidung ist. So viel Offenheit, so viel konstruktives Mitgefühl - danke in die Runde!!


    Zwischendurch hatte ich den Wunsch, dass wir hier besser darauf verzichten sollten, uns auf vermutete "blinde Flecken" aufmerksam zu machen. Sie haben es ja mit NoName klären können, aber es ist viel wertvoller, von eigenen Erfahrungen zu schreiben und auf Vermutungen zu verzichten.


    Wie die anderen hier im Kreis, wünsche ich Ihnen sehr, dass Sie auf Ihr Herz hören und darauf achten, gesund zu bleiben!

    Ihr Martin Hamborg

  • Ja, vielen Dank Herr Hamborg, Ihr Wunsch dient der Kenntnis. :)


    Ist ja auch wirklich nicht schön, wenn das Liedchen "BiepBiep, wir habn uns alle lieb" so rüde unterbrochen wird.

    Und NEIN NEIN, so haben Sie das sebstverständlich nicht gemeint, schon klar! Eine weiter Klärung erübrigt sich. ;)

  • Sabine67 Es freut mich sehr, dass du nun für dich, bzw. besser gesagt für euch, eine Lösung gefunden hast :) Ich drück dir ganz feste die Daumen, dass du bald einen schönen Platz für deinen Vater gefunden hast.

  • Eigentlich wollte ich heute zum Arzt wegen des Herzrasen... Doch dann kam es anders. Beim Warten auf den Fahrdienst der Tagespflege ist mein Vater einfach weggesackt. Hingefallen. Zum Glück nix passiert... Also hat er meine Termin bekommen und sich durchchecken lassen. Alles okay soweit, bis auf den Riesenschreck (und noch mal das "Vor Augen führen", dass der Zugang zum Leben in der Dachgeschosswohnung innerhalb von Sekunden verbaut sein kann).


    Der Tag hatte weitere Überraschungen!!! Die Demenz WG um die Ecke hat ein Zimmer frei. Bungalow für 8 Personen, mitten in einem Park gelegen. 5 min zu Fuß von meiner Wohnung. Jedes Zimmer hat sogar eine eigene kleine Terrasse... Am Donnerstag habe ich einen Termin vor Ort.


    Endlich ein Hoffnungsschimmer, auch wenn mein Vater davon nur bedingt begeistert ist. Er hofft insgeheim doch noch auf eine Rückkehr in sein Haus. Aber so geht es wohl vielen... Und dank Eurer Erfahrungen und Hinweise weiß ich, dass für ihn bald andere Dinge wichtig werden. Das Vergessen und eine Begleitung durch mich werden hoffentlich helfen, den Verlust von Haus und Heimat zu verkraften.


    Liebe Grüße

    Sabine

  • Hallo Sabine,

    das ist ja letztendlich dann eine schöne Überraschung mit dem WG Zimmer, hoffentlich gefällt es euch einigermaßen. Es klingt bzgl.der Nähe zu dir doch super.

    Ich würde euch wirklich wünschen, dass es eine gelungene Alternative ist. Und ja, die plötzliche Situation heute war dann vllt ein Zeichen, wie schnell der Bedarf nach einer räumlichen Veränderung kommen kann.

    Und hoffentlich kannst du dich dann bald durchchecken lassen, ich war heute wegen der gleichen Problematik bei meiner Ärztin.. man will vom Kopf her immer alles tun, was sein muss und ansteht, aber manchmal medet sich eben der Körper und bevor es ein "broken-heart-syndrom" wird, müssen wir einen Gang zurück schalten, ob wir wollen oder nicht..

    Alles Liebe!

  • Hallo Sabine,

    die WG um die Ecke hört sich mindestens wie ein Fünfer im Lotto an. Ich hoffe wirklich sehr für euch, dass am Donnerstag durch die Besichtigung noch ein Sechser wird!

    Ich wünsche euch von ganzem Herzen, dass es euch gefällt und dein Vater dort ganz in deiner Nähe untergebracht werden kann.

    Und ich wünsche dir so sehr, dass du endlich wieder ein bisschen zur Ruhe kommen und erholen kannst.


    Liebe Grüße und alles Gute 🍀

    Stern

  • Neuer Arzttermin am Freitag. Das wird nicht ignoriert von mir, auch wenn es mir im Moment herztechnisch gut geht.... Ich bin da schon beunruhigt.


    Und ich hoffe auch, dass das WG-Zimmer uns ganz gut gefällt (und wir auch den anderen ganz gut gefallen *zwinker*).


    Mit meinem Vater bespreche ich die Optionen und Perspektiven. Ich merke aber, dass das sehr belastend für ihn ist. Und jeder Schritt in Richtung dauerhaftes Leben in K. seine Verlustängste und Traurigkeit befeuert. Sollte ich besser mehr alleine agieren und nur konkrete Angebote mit ihm besprechen? Ich bin da sehr unsicher. Andererseits leben wir seit Wochen so eng zusammen und ringen um gute Lösungen. Wenn auch kognitiv eingeschränkt, ist er für mich dabei ein wichtiger Gesprächspartner! Es geht ja um sein Leben.


    Liebe Grüße Sabine

  • Danke Ihr Lieben. Ich fühle mich hier immer so gut aufgehoben und liebevoll begleitet bei all meinen Sorgen. DANKE!!! Und bitte alle Daumen drücken für den Donnerstag.

  • Ich würde es ebenfalls ohne Besprechungen jeder Option und aller Details machen. Ich denke, es überfordert ihn auch, wenn er es auch vielleicht nicht zugibt.

    Wir haben letztes Jahr nachdem es mit der Wohnung für meine Mutter entschieden war, versucht nicht mehr darüber zu reden.

    Erstens, weil sie sowieso jeden Tag ihre Meinung dazu geändert hat und zweitens, weil sie dann auch noch böse auf mich wurde.

    Vor allem Punkt 1 ist wichtig, auch für dich und deinen Vater.

  • Liebe Sabine67 , wie schön, dass in der Demenz-WG bei dir in der Nachbarschaft ein Zimmer frei ist. Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass es für deinen Vater geeignet ist. Die räumliche Nähe zu deiner Wohnung ist ein unschlagbarer Vorteil gegenüber weiter entfernten Einrichtungen, selbst wenn diese in anderen Bereichen besser sein sollten. Eine Rückkehr deines Vaters in sein Zuhause in eurer Heimatstadt ist angesichts der mangelnden Bereitschaft bzw. Fähigkeit deiner Mutter, Verantwortung zu übernehmen, schon wegen der Entfernung zu deinem Arbeitsplatz eine Illusion. Liebe Grüße

  • Ich bespreche auch nicht jede Option. Aber die Grundrichtung. Dass das Leben hier mit mir ein Übergang ist... in ein eigenes Leben in einer Einrichtung in einer WG oder Heim in K. Denn. Die Frage, was wird jetzt, ist allgegenwärtig und bewegt uns Tag und Nacht.

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