Demente Mutter verweigert nach Oberschenkelhalsbruch alles

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  • Hallo ,


    aus einer leicht dementen Mutter (93)ist durch einen Oberschenkelhalsbruch innerhalb von 3 Wochen ein völlig anderer Mensch geworden.

    Aufgrund ihrer Demenz hatte meine Mutter schon einen Hang zur Unruhe, sie war eigentlich den ganzen Tag unterwegs und hat dabei durchaus auch des Öfteren das Essen und Trinken vergessen.

    Meine Mutter lebt alleine in ihrer Wohnung, wir hatten aber seit ein paar Monaten einen Pflegedienst beauftragt, nach ihr zu sehen. Das geschah mehr oder weniger auch schon gegen ihren Willen, aber sie hat es letztendlich doch geduldet.


    Jetzt kam der Klassiker, Oberschenkelhalsbruch, OP, Geriatrie.

    Die ersten Tage nach der OP waren noch OK, aber seitdem sie in der Geriatrie ist, hat sich ihr Zustand rapide verschlechtert.

    Die OP scheint super gelaufen zu sein, denn sie konnte einen Tag später schon wieder recht gut laufen. Aber hierin liegt das Problem

    Sie “tigert” den ganzen Tag den Krankenhausflur auf und ab, isst nichts, verweigert alle Medikamente und ist geistig völlig abwesend. Den einzigen Satz den sie noch sagen kann ist, dass sie heim will. Uns Angehörige erkennt sie noch.

    Wir sind alle mittlerweile mit den Nerven am Ende. Diesen Verfall zu beobachten tut weh


    Demnächst soll sie, auf Anraten des sozialen Dienstes der Klinik, in ein Pflegeheim kommen, falls bis dahin ein Platz gefunden wurde.

    Wir wissen, dass das komplett gegen ihren Willen geschieht, uns ist aber auch bewusst, dass es keine Alternative gibt.


    Wie können wir unserer Mutter helfen, dass ihre letzten Tage noch etwas würdevoll sind.

    Wir haben auch schon überlegt sie zum Sterben nach Hause zu holen. Aber wer weiß wie lange dieses Sterben geht. Sie hat jetzt seit 5 Tagen nichts gegessen und läuft immer noch den ganzen Tag und laut Personal auch die ganze Nacht.

    Wie schafft sie das ?


    Ein verzweifeltes Fienchen

  • Liebes Fienchen, das klingt nach einem postoperativen Delir! Wurde das bei Deiner Mutter untersucht bzw ausgeschlossen?

    Bei einem solchen Delir (durch die OP, die Narkose und andere Faktoren ausgelöst) sind die von Dir beschriebenen Symptome häufig. Nur müssen sie richtig gedeutet und behandelt werden!

    Zur Aufnahme ins Heim: In der ersten Zeit nach der Geriatrie sollte das eine Art Reha bzw. Kurzzeitpflege sein, so würde ich es Deiner Mutter auch erklären. Sie darf und soll sich erholen. Erst wenn ihr Zustand wieder stabil ist, kann vernünftig über den weiteren Verbleib entschieden werden.


    Alles Liebe!

  • Hallo Mauerflower,


    Vielen Dank für deinen Antwort.


    Von dem Postoperativen Delir haben wir auch schon gehört, davon haben die Ärzte aber bisher nichts verlauten lassen. Da sie allerdings alle Medikamente verweigert, kann aktuell nichts behandelt werden.

    Auch können wir Zweck Kurzeitpflege, oder Ähnlichem überhaupt nicht mit ihr reden. Sie läuft wirklich ununterbrochen und außer in regelmäßigen Abständen den Satz “ Ich will heim“ zu sagen, geht gar nichts mehr.

    Das führt leider dazu, dass wir ihr gerade gar nichts erklären können.

    Die Ärzte waren uns bisher allerdings auch keine große Hilfe.

    Aktuell bezweifle ich, dass der Zustand meiner meiner Mutter nochmal stabil wird.

    Ohne Nahrung, Schlaf und genügend Flüssigkeitszufuhr, kann es doch gar nicht stabil werden,,oder ?

    Jeden Tag wenn wir sie besuchen, wird sie etwas weniger.


    Ein ratloses Fienchen

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    • Offizieller Beitrag

    Hallo Fienchen, bitte sprechen Sie dringend die Ärzte und den Sozialdienst auf ein mögliches Delir an, so wie es schon Mauerflower vorgeschlagen hat.


    Wichtig ist dabei dass Sie den Unterschied zu dem vorherigen Verhalten deutlich machen, war gehört zur Demenz, was ist neu...

    Im schlimmsten Fall müsste Ihre Mutter in eine Gerontopsychiatrie verlegt werden, wenn sie die Medikament nicht annimmt und die Geriatrie mit der Symptomatik nicht umgehen kann. Manchmal helfen hohe Schmerzmittel, aber üblicherweise wird für einige Wochen ein Neuroleptikum gegeben, sodass sich die "Fehlschaltung im Gehirn" reguliert.


    Ein postoperatives Delir oder "Durchgangssyndrom" muss m.E. abgeklärt werden, es ist eine schwere aber gut behandelbare Krankheit, die nicht mit einer Demenz verwechselt werden darf, auch wenn die Symptome ähnlich sind.

    Wenn Ihre Mutter durch Ihre Besuche etwas ruhiger wird und die Medikamente einnimmt, ergibt sich vielleicht eine gute Zusammenarbeit mit der Station.

    Ihr Martin Hamborg

  • Ich kann mich dem hier nur anschließen.


    Leider wird bei älteren Menschen darüber hinaus viel zu wenig auf einen einigermaßen guten Vitamin- und Mineralstoffhaushalt geachtet. Das sollte bei jährlichen Hausarztbesuchen im Grunde eine Pflichtuntersuchung sein.

    Wie viele ältere Menschen werden in Krankenhäuser eingeliefert, die einen schlechten Genesungsverlauf deshalb haben.

    Ich würde auch in diese Richtung denken. Ein B12-Mangel steht hier ganz oben, aber auch andere Nährstoffe. Wenn die Mama wieder etwas mehr zulassen kann, kann man vielleicht an eine Hochkaloriennahrung mit entsprechenden Inhaltsstoffen denken. Fresubin gibt es herzhaft oder süß.

    Ich drücke die Daumen, dass es wieder besser wird.


    Liebe Grüße

  • Vielen Dank für eure Antworten,


    leider hat sich die Situation schon wieder komplett verändert.

    Meine Mutter hat sich in der Geriatrie erneut einen Oberschenkelhalsbruch am gleichen Bein zugezogen und wurde heute erneut operiert.

    Wie viel kann ein Mensch ertragen, frage ich mich dabei.

    Sie ist jetzt wieder im Krankenhaus und ich habe dort schon darauf hingewiesen, dass ich darauf bestehe, dass diesesmal ein Neurologe hinzugezogen wird.


    Was die Medikamentengaben anbelangt können wir leider auch nicht positiv auf sie einwirken, das ist allerdings nicht nur Demenz oder Delir geschuldet, sondern zeitlebens ein Problem meiner Mutter.

    Sie hat in ihrem ganzen Leben noch keine Medikamente geschluckt und wird das nach ihrer Aussage auch nie tun.


    Wir fangen jetzt wieder ganz von vorne an.

    Heute konnten wir sie noch nicht besuchen. Ich bin gespannt was uns morgen erwartet.


    Fienchen

  • Ohje, liebe Fienchen, da macht eure Mutter es euch wirklich schwer ..

    Mein Gedanke aus dem Bauch raus: warum sollte man ihr die Medikamente aufzwingen und warum nicht dem Leben seinen Lauf lassen? Vllt will sie ja auch nicht mehr..

    In anderen Kulturen gehen die alten Menschen dann in den Wald oder die Wüste o.ä.

    Ich kann mir sonst noch Gerontopsychiatrie vorstellen, wo man deine Mutter unter richterlicher Anordnung "behandlungsfähig" macht?

    Alles Gute!!

  • Hallo, Finchen,


    das ist leider häufiger ein Dilemma. Ich kann deine Sorgen gut verstehen.


    Solche OPs sind anstrengend, bei einem nicht mehr so gut funktionierenden Stoffwechsel erst recht und bei Demenz . . .


    Ich würde, je nachdem, wie es Morgen aussieht, auch das im Hinterkopf behalten, was Rose so gut formuliert hat.


    Wenn die Mama so eingestellt ist und sie das trotz allem für sich so sieht und beibehält, dann kann man es zwar immer wieder versuchen, aber sie hat einen freien Willen. Gegen die Schmerzen gibt es Pflaster . . . Aber auch hier kommt es darauf an, dass sie die Inhaltsstoffe gut verstoffwechseln kann. Das sollten die Ärzte im Blick haben. Da ist jeder Patient anders.


    Ich hoffe, dass es eine gute Lösung für alle Beteiligten gibt.


    Liebe Grüße

    • Neu
    • Offizieller Beitrag

    Hallo Fienchen, wie geht es Ihrer Mutter jetzt, einige Tage nach der Operation?


    Rose60 hat ein wichtiges ethisches Dilemma angesprochen, da steht einerseits der lebenslange Wille (zum Beispiel völlig unabhängig zu sein) dem Handlungsauftrag zur ärztlichen Behandlung gegenüber. In Krankenhäuser gibt es Ethik-Komitees die in solchen Situationen unterstützen können.


    Der Vorschlag von Teutoburger - Opiat-Schmerz-Pflaster einzusetzen - kann dabei eine Lösung sein, um zumindest den (wahnsinnigen) Schmerzen gegenzusteuern, die sicher ein Auslöser für ein Delir sein können.

    Lassen Sie gern von sich hören, Ihr Martin Hamborg

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