Klinikaufenthalt und Kosten für Wartezeit Pflegeheim

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  • Mein Vater ist schwer dement und befindet sich momentan in der beschützenden Station der Gerontopsychiatrie.


    Er kann leider nicht mehr nach Hause, da eine Versorgung in seinem Zustand nicht mehr möglich ist. Geplant ist, dass er nach dem Klinikaufenthalt ins Pflegeheim kommt.


    Nun habe ich einen Brief von der Klinik bekommen. Die Kosten für den Aufenthalt würden nur für die Dauer der Krankenhausbehandlungsbedürftigkeit von der Krankenkasse übernommen. Sollte danach noch kein Pflegeplatz gefunden sein, müsste man die mögliche Wartezeit für den Heimplatz selbst bezahlen oder ggfs Sozialhilfe beantragen.


    Was unter der Behandlungsbedürftigkeit fällt ist nicht näher erläutert, allerdings entscheiden das die Ärzte.


    Irgendwie habe ich davon noch nie gehört. Zumal mit seinem Kranheitsbild.

    Eine Rückkehr nach Hause ist ausgeschlossen. In der Klinik könnte er ob der Kosten auch nicht bleiben.


    Wie sollte ich mich verhalten? Oder hat jemand hier schon das gleiche Problem gehabt?


    Würde mich über Antworten freuen.

  • Hallo.

    Ich stand vor einem ähnlichen Problem. Mein Vater war auch im Krankenhaus und der Oberarzt hat mir direkt zu Beginn des Aufenthalts mitgeteilt, dass er eine Entlassungsperspektive braucht. Wir haben rumtelefoniert und zum Glück eine Kurzzeitpflege gefunden. Im Krankenhaus gibt es Soziale Dienste, die Dich dazu beraten und auch unterstützen. Sonst gibt es auch Pflegeberatungsstellen in jeder Stadt.


    Kurzzeitpflege kann je nach Einrichtung und Pflegestufe mehrere Wochen in Anspruch genommen werden. Die Zeit muss man dann nutzen, um langfristige Lösungen zu finden. Für NRW gibt es auch eine Heimfinder App, die freie Plätze anzeigt. Wahrscheinlich gibt es so etwas auch in anderen Bundesländern.


    Ich wünsche Dir viel Kraft und eine gute Lösung für Deinen Vater.

    Liebe Grüße

    Sabine

  • Hallo Androce1, willkommen im Forum!

    Wenn Dein Papa im Moment in der beschützenden Gerontopsychiatrischen Station ist, wäre zunächst zu klären, ob er im Anschluss offen oder geschlossen untergebracht werden kann/soll.

    Denn entsprechend ist die Suche etwas einfacher (offen) oder komplizierter. Für die beschützende Unterbringung müsste ja jetzt schon ein richterlicher Beschluss vorliegen…oder hat das KH die Unterbringung beantragt?

    Ich würde zunächst das Gespräch mit dem Entlassmanagement suchen und klären, was diese schon unternommen haben bzgl. Heimplatzsuche.

    Hast Du eine Vollmacht für Deinen Vater?

    Liebe Grüße!

  • Hallo, vielen Dank.

    ja Vollmacht ist vorhanden.


    Ein richterlicher Beschluss liegt bereits vor. Den hat das KH gleich bei der Aufnahme beantragt. Die Unterbringung wurde zunächst für 6 Wochen genehmigt. Im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt ist die Verlegung in ein geschlossenes Pflegeheim geplant.


    Deshalb verstehe ich das Vorgehen des Entlassmanagements nicht. So schnell werden wir sicherlich keinen Platz in einem Heim mit beschützenden Bereich bekommen.


    Nun gut, am Montag werde ich beim Entlassmanagement anrufen und sehen ob ich mehr erfahre.

  • Wenn der Umzug in ein Heim mit „beschützender Abteilung“ geplant ist, kannst Du auch selber Dich umschauen…bei uns zB gibt es eine online Börse für Pflegeplätze, da kann man die Kriterien, nach denen man sucht, eingeben (zb Einzelzimmer/beschützend/Umkreis). Dann könntest Du auch ein wenig mit aussuchen, das heim schonmal anschauen etc.

    Zu der Kosten(nicht)Übernahme kann ich leider nichts sagen, da wird aber bestimmt einer der Fachleute/Moderatoren hier noch mehr zu wissen.

    • Offizieller Beitrag

    Sehr geehrte/r Androce1,


    laut § 27, Absatz 1 Sozialgesetzbuch V (regelt die Krankenversicherung) wird der Begriff Behandlungsbedürftigkeit wie folgt definiert:


    „Bei ei­nem regel­wid­rigen Kör­per- oder Geis­tes­zu­stand be­stehen­der Bedarf nach ärzt­licher Hil­fe, um ei­ne Krankheit zu erkennen, zu heilen, ih­re Ver­schlimmerung zu ver­hüten oder Krankheits­be­schwerden zu lin­dern.“


    Das umfasst sowohl die stationäre als auch die ambulante Behandlung. Ihr Vater ist nach dieser Definition sicher weiterhin behandlungsbedürftig, was aber nicht bedeuten muss, dass eine stationäre Behandlung aus Sicht der Ärzte und der Krankenkasse notwendig ist.


    Und hier kommt das Entlassmanagement ins Spiel, geregelt im § 39 Abs. 1a SGB V. Wenn ein Verbleib im Krankenhaus nicht mehr möglich ist, egal ob aus ärztlicher Sicht oder wegen fehlender Kostenübernahme, ist der Sozialdienst des Krankenhauses verpflichtet, eine anschließende Versorgung zu organisieren. Bereits seit dem 1. 10. 2017 gibt es dazu einen Rahmenvertragt, der für alle Krankenhäuser verbindlich ist. Siehe auch:


    Entlassmanagement
    Ein effektives Entlassmanagement der Krankenhäuser unterstützt und gewährleistet den Übergang in die Anschlussversorgung.
    www.bundesgesundheitsministerium.de


    Zitat von dieser Internetseite:

    „Das Krankenhaus hat gemeinsam mit der Kranken- und Pflegekasse rechtzeitig vor der Entlassung die für die Umsetzung des Entlassplans erforderliche Versorgung zu organisieren, etwa die notwendigen Leistungserbringer zu kontaktieren (zum Beispiel Vertragsärzte, Reha-Einrichtungen, ambulante Pflegedienste, stationäre Pflegeeinrichtungen) und für deren zeitgerechten Einsatz zu sorgen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft e. V. hat zu den Anforderungen des Entlassmanagements weitergehende Umsetzungshinweise für die Krankenhäuser veröffentlicht (www.dkgev.de), in denen insbesondere die Mindestinhalte des Entlassplans festgehalten sind.“


    Nach meiner Erfahrung gibt es immer wieder Probleme bei der Umsetzung des Entlassmanagements. Es müsste für den Entlassungsprozess im Rahmen eines Assessments ein Entlassplan erstellt und von Seiten des Krankenhaussozialdienstes die Initiative bei der Organisation der weiteren Versorgung Ihres Vaters ergriffen werden. Sprechen Sie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Krankenhaussozialdienstes an und fordern Sie die Unterstützung ein.


    Die Kostenübernahme für einen längeren Krankenhausaufenthalt durch das Sozialamt, wenn die Krankenkasse dies nicht mehr übernimmt, ist meines Wissens nicht möglich. Die Krankenhilfe ist für Menschen gedacht, die keinen Krankenversicherungsschutz haben.



    Mit freundlichem Gruß


    Birgit Spengemann

  • Ich hatte einen Riesenspass mit der privaten KV meines Vaters, die nach Einreichung der Rechnungen meinte, mein Vater sei zu lang in der Gerontopsychiatrie verblieben und hätte schon zwei Wochen vorher in ein Heim entlassen werden müssen: Private KV: Aufenthalt in Gerontopsychiatrie war zu lang, wir zahlen nur einen Teil


    Der Sozialdienst der Klinik war relativ nutzlos. Die am Anfang zuständige Dame arbeitete nur DI/DO nachmittag und FR vormittag. Es war fast unmöglich, sie zu erreichen. Ich habe meinen Vater dann selbst auf fast ein Dutzend Wartelisten für beschützte Heime gesetzt. Auch mit Gericht usw. gab es von der Klinik praktisch keine Unterstützung. Zwischenzeitlich war die Dame mal 2 Wochen gar nicht zu erreichen, und dann wurden wir einer anderen Kollegin zugeteilt, die zwar auch völlig überlastet war aber immerhin Vollzeit arbeitete. Diese half dann wenigstens zu einem gewissen Grad mit Bürokratie (krankenhausärztliches Zeugnis usw).


    Würde also jedem dringend empfehlen, sich selbst zu kümmern, sowohl zum Thema Heimplatz als auch Gericht. Die 6 Wochen Unterbringung kann m.W. einmal verlängert werden, danach braucht es ein längeres Gutachten für die dauerhafte Unterbringung (bis 2 Jahre). Viel Erfolg!

  • Vielen Dank erstmal für die Antworten.


    Ich habe zwischenzeitlich mit dem Entlassmanagement gesprochen. Es ist tatsächlich so, dass er solange bleiben kann wie medizinisch etwas gemacht wird. Wenn alle Untersuchungen und die Medikamenteneinstellung abgeschlossen ist, muss er entweder entlassen werden oder er müsste für die zwischenzeitliche „Verwahrung“ finanziell selbst aufkommen bis ein entsprechender Heimplatz gefunden ist.


    Das einzige was ich jetzt machen kann ist zu hoffen dass ich in der Zwischenzeit einen Heimplatz finde ansonsten weiß ich wirklich nicht weiter…

  • WWD-Admin

    Hat das Thema geöffnet.

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