Hilfe, Wohin mit dementen Vater nach Notfall?

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  • Ich bin gerade etwas verzweifelt. Meine Mutter hat sich immer um meinen dementen Vater gekümmert. Gestern musste sie plötzlich ins Krankenhaus. Mein Bruder und ich haben verzweifelt versucht, irgendwie Hilfe zu finden, wie wir unseren Vater irgendwo unter bringen können, haben aber nichts gefunden. Irgendwie versuchen wir jetzt das Wochenende rum zu bekommen. Ich war gestern Abend bei meinem Vater, bis er im Bett lag, gleich fahre ich wieder hin um mit ihm zu frühstücken und mein Bruder und ich wechseln uns heute ab.

    Aber morgen müssen wir beide wieder arbeiten. Ich weiß, dass ich frei nehmen kann um die Betreuung einer pflegenden Person sicher zu stellen.

    Trotzdem bleibt die Frage, wohin mit meinem Vater? Ist eine Kurzzeitpflege überhaupt kurzfristig möglich?


    Ich werde morgen früh erst mit dem Hausarzt sprechen und hoffen, dass ich eine Überweisung für ihn in die Gereatrie unseres Krankenhauses bekomme und uns dann erst mal in Ruhe nach einer Kurzzeitpflege umzuschauen.


    Aber das es am Wochenende keine Möglichkeit auf Hilfe gibt, hat mich ziemlich ratlos gemacht.

  • Liebe Finja.

    Kurzzeitpflege geht auf jeden Fall kurzfristig. Gibt es in deinem Bundesland vielleicht eine App Heimfinder? Für NRW gibt es das und es ist tagesaktuell. Es ist ja nur vorübergehend und daher geht vielleicht auch ein Ort, der etwas entfernt ist?


    Krankenhaus ohne medizinische Notwendigkeit würde ich vermeiden. Das Personal und die Abläufe sind meist nicht auf demente Menschen ausgerichtet.


    Hier findest du noch Infos

    Schnelle Hilfe: Wenn Angehörige plötzlich Pflege brauchen
    Ein Unfall, eine Krankheit, ein Schlaganfall – und schon ist alles anders. Wenn Angehörige plötzlich zum Pflegefall werden, kommen ihre Familien in eine…
    www.caritas.de


    Nimm dir die Pflegetage, dafür gibt es sie. Die Sozialen Dienste können Dir sicherlich kurzfristig unter die Arme greifen.


    Viel Kraft und eine gute Lösung für Euch.

    Sabine

  • Vielen Dank Sabine67 für deine Antwort. Den Heimfinder kannte ich nicht, das ist eine gute Sache und ich habe auch eines dort gesehen, das passen könnte. Ich hoffe es klappt.


    Was mich vor allem erschreckt, am Wochenede ist man ja völlig aufgeschmissen.

    Ich habe den Fahrer des Krankenwagens gefragt, er war zwar nett, hat aber direkt gesagt, dass mein Vater nicht im Krankenhaus aufgenommen werden kann. Und hat den sozialen Dienst empfholen, der aber natürlich am WE nicht erreichbar ist. Telefonnummer hatte er auch nicht.

    Dann hatte ich mich im Krankenhaus zuerst telefonisch nach meiner Mutter erkundigt und auch dort um Hilfe gebeten. Sofort abwehrende Antwort, da können wir nicht weiter helfen, da müssen sie sich selber drum kümmern.

    Heute habe ich mit der Schwester gesprochen, die mir Auskunft über den Zustand meiner Mutter gegeben hat. Aber auch hier sofort abwehrende Antwort, wir sind dafür nicht zuständig. Immerhin hat sie mir gesagt, ich muss mich mit dem Hausarzt in Verbindung setzten und hat mir die 3 Heime genannt, die bei uns in der Stadt Kurzzeitpflege anbietet (ist aber nichts frei lt. Heimfinder)

    Wir haben im Netz nach Notfallnummern gesucht und nichts gefunden.

    Wir haben dann bei der 116117 angerufen, als Antwort kam da nur, wir können ihn nur in die Psychatrie einweisen lassen.


    Man fühlt sich so Hilflos und allein gelassen.

    Und was passiert, wenn keine Angehörigen da sind?

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Finja,


    eine Demenz an und für sich ist erstmal nichts, was akut in einem Krankenhaus behandelt werden müßte. Von daher ist die Auskunft des Fahrers zwar für Sie erstmal nicht hilfreich, aber korrekt.

    Kurzzeitpflege ist auf jeden Fall kurzfristig möglich; ggfs. kann die Versorgung auch mittels eines ambulanten Dienstes sichergestellt werden, z.B. in Kombination mit Tagespflege?
    Hier im Wegweiser gibt es eine Seite, die Adressdatenbanken auflistet.
    Auch kann Ihnen ggfs. der Pflegestützpunkt Ihrer Region oder jemand bei der Pflegekasse weiterhelfen / vermitteln.

    Meiner Erfahrung nach ist es meist am effektivsten, selbst eine Liste zu erstellen und die Einrichtungen abzutelefonieren. Plätze werden oft kurzfristig frei und ebenso kurzfristig vergeben, je nach Kapazitäten der Einrichtungen (der Fachkräftemangel führt in manchen Regionen auch dazu, dass Plätze nicht vergeben werden können, weil nicht ausreichend Mitarbeiter da sind).

    Etwas zu den Arbeitnehmerrechten im (aktuten) Pflegefall finden Sie hier,

    ansonsten wenden Sie sich gerne auch ans Forum "Gesetzliche Leistungen".

    Ich hoffe, Sie finden schnell eine passende Lösung.


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

  • Liebe Finja.

    Mit den vielen Tipps findest Du bestimmt eine gute Lösung. Dein Beispiel zeigt, und genauso war es bei uns auch, dass die alten Leute ihr Leben "auf Kante nähen". Und wenn dann der worst case Eintritt, müssen die Kinder schauen, wie sie es hinkriegen.


    Ein "bisschen" habe ich mich darüber geärgert, dass meine Eltern nie darüber gesprochen haben und nie darüber nachgedacht, dass es eben irgendwann wegen der Demenz nicht mehr zu Hause geht. Und das kann von jetzt auf gleich sein.


    Ich wünsche Euch viel Erfolg...

    Sabine

  • Vielen Dank, die Tipps haben wirklich weiter geholfen. Wir haben jetzt einen Kurzzeitpflegeplatz ab morgen für die nächsten 2 Wochen. Ich hoffe das reicht.


    Gestern Abend war gruselig, mein Vater hat mich mit meiner Mutter verwechselt und wollte Zärtlichkeiten austauschen und hat mir Kussmünder zugeworfen. Es war harte Arbeit ihn zu übzeugen, das ich seine Tochter bin....


    Heute Morgen hat er dann "nur" nach seiner Frau gesucht. Später, nach dem Frühstück ging es dann besser und er hat wieder verstanden, das sie im Krankenhaus liegt.


    Ich habe den ganzen Morgen damit zugebracht, Pflegeheime anzurufen. Zuerst bin ich nur meine Liste der in der Nähe befindlichen Pflegeheime durchgegangen, ohne Erfolg. Dann habe ich mich doch an die Heimfinder Liste gehalten und die hat dann, nach einigen Fehlversuchen und als ich es schon fast aufgeben wollte, doch noch den gewünschten Erfolg gebracht. Leider erst ab morgen, aber gut, den einen Tag schaffen wir auch noch.


    Ich muss sagen, alle, mit denen ich telefoniert habe, waren sehr bemüht und haben es bedauert, keinen Platz zu haben. Viele haben mir die Heimfinder Liste empfohlen, ein Heim hat direkt angeboten, meinen Vater auf die Liste zum permanenten Verbleib zu setzen und die haben mir auch empfohlen, wenn alles nichts hilft, eine Einweisung vom Hausarzt für das Krankenhaus zu holen. Die Möglichkeit gibt es glücklicherweise. Der Hausarzt rief auch kurz, nachdem wir dann doch noch die Zusage für das Heim hatten, zurück


    Heute Nachmittag kam dann der nächste Tiefschlag. Meine Mutter ist im Krankenhaus kreuzunglücklich. Die Station ist überbelegt und dempentsprechend ist das Pflegepersonal überbelastet und sie haben keine Zeit für meine Mutter. Meine Mutter kann sich leider nicht durchsetzen und so bleibt sie den ganzen Tag im Bett liegen und bekommt auch nicht die nötige Hilfe beim waschen, weil sie sie nicht einfordert.


    Als ich mich dann bei einer Schwerster erkundigte, was denn jetzt bei meiner Mutter gemacht wird und wie es weiter geht, bekam ich eine sehr harsche Antwort, dass dürfe sie mir nicht sagen. Das darf nur der Arzt. Der Arzt ist aber Nachmittags nicht mehr erreichbar. Ich müsste morgen früh kommen, der Arzt ist dann ab halb neun da. Oder ich muss einen Termin im Sekretäriat des Artzes buchen. Als ich sie dann fragte, wo denn das Sekretäriat ist, meinte sie, wenn sie mir das sagt, reißt ihr die Sekretärin den Kopf ab, weil ich da persönlich vorbei komme, ich muss anrufen. Ich war etwas verdattert.... Sie hat mir dann, sichtlich wiederwillig, die Telefonnummer aufgeschrieben. Ab morgen früh 8 Uhr kann ich dann anrufen.

  • Liebe Finja,

    Ich freue mich, dass du einen Platz zur Kurzzeitpflege für Deinen Vater gefunden hast. Eine Baustelle versorgt. Und im Krankenhaus ist halt auch immer Pflege Notstand. Damit kann und darf aber auch nicht jedes unangemessene Verhalten entschuldigt werden...


    Das hilft dir natürlich nix für den Moment. Aber es ist gut im engen Austausch mit den Ärzten zu sein. Das mit der Sekretärin klingt eher nach Chefarzt. Das hatte mein Vater auch. Und "selbstverständlich" kommt der schwerkranke Patient zum Arzt und nicht umgekehrt.


    Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft und gute Lösungen.


    Sei lieb gegrüßt und willkommen in dieser Schicksalsgemeinschaft (sie ist ganz wunderbar und hat mir schon in vielen verzweifelten Momente nicht nur Rat, sondern auch Trost und Mitgefühl gespendet)


    Sabine

  • Hallo Finja,

    Erstmal gut, dass ab morgen schon ein Platz für deinen Vater gefunden ist. Die Situation mit deiner Mutter ist natürlich sehr unschön, aber du kannst gerade nicht auf alles gleichzeitig reagieren, immerhin ist sie mehr oder weniger versorgt. Es ist nun eine Krisensituation, aus der etwas neues entstehen kann, eine Veränderung der bisherigen Situation, da geht wohl nur Augen zu und durch und auf das naheliegende fokussieren.. ich denke wir alle hier kennen solche schwer aushaltbaren Situationen, hier kannst du dir manchmal Rat und oft Zuspruch holen 😉

    Alles Gute für morgen erstmal!

  • Liebe Finja,

    …und wenn Du glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Dank Deiner Bemühungen wurde für Deinen Vaters ein Kurzzeitpflegeplatz gefunden und Deine Ma befindet sich in ärztlicher Obhut. Ich hoffe, dass die Ärzte ihr Bestes geben und sie bald wieder nach Hause entlassen werden kann, so dass auch Dein Vater dorthin zurückkehren kann.

    Wenn Deine Mutter gesundheitlich angeschlagen ist und Hilfe benötigt wäre zu überlegen, auch für sie einen Pflegegrad zu beantragen. Alles Gute! Liebe Grüße, molli

  • Liebe Finja,

    Wenn Deine Mutter gesundheitlich angeschlagen ist und Hilfe benötigt wäre zu überlegen, auch für sie einen Pflegegrad zu beantragen. Alles Gute! Liebe Grüße, molli

    Dem Rat schließe ich mich an.

    Buchenberg

  • Vielen Dank für eure lieben Worte! :)


    Wir haben heute Morgen meinen Vater in das Heim gebracht. Es machte auf mich einen sehr netten Eindruck. Er hat ein schönes, großes Einzelzimmer. Das Heim ist in Wohneinheiten aufgeteilt, damit es etwas "familiärer" zugeht.


    Wir haben meinen Vater vorher nicht informiert, erst als er schon im Auto saß. Im Heim war er natürlich erst mal am Boden zerstört und die Tränchen kullerten nur so. Er hat es nicht verstanden, war aber auch nicht zu erwarten. Er wurde dann zum Mittagessen abgeholt, der ideale Zeitpunkt für uns zu gehen. Morgen werde ich ihn dann Nachmittags abholen und mit ihm meine Mutter besuchen.


    Bei meiner Mutter gibt es auch gute Nachrichten, ich habe heute mit der Ärtztin der Geriatrie telefoniert, sie sieht gute Chancen, dass meine Mutter wieder auf die Beine kommt und möchte sie gerne in ihr Programm aufnehmen. Ich habe dem natürlich zugestimmt und hoffe, dass sie noch heute verlegt wird. Heute Nachmittag werde ich noch einmal persönlich mit der Ärztin reden.


    Schwierig wird es dann in 14 Tagen. Meine Mutter bleibt 14 Tage im Krankenhaus, mein Vater muss aber am 4.3. das Heim wieder verlassen, dann ist sein Zimmer bereits anderweitig vergeben. Kann also sein, dass wir dann noch mal 1-2 Tage überbrücken müssen.


    Die Überlegung steht im Raum, uns um eine 24 Stunden Kraft zu bemühen. Der Platz in der Wohnung meiner Eltern wäre da.


    Bzgl. Pflegegrad: Meine Mutter hat bereits Stufe 1, das wurde vor noch nicht einmal einen Monat festgelegt. Meiner Meinung nach war das direkt zu niedrig, die Dame hat sich noch nicht mal angeschaut, wie meine Mutter läuft und war auch sonst sehr oberflächlich, hat sich komplett auf die Aussagen meiner Mutter verlassen, die natürlich nicht zugeben hat, dass sie nicht mehr so kann wie sie will.

    Mein Vater hat Pflegegrad 2, schon etwas länger.

    Ich denke, wir müssen für beide neu beantragen bzw. bei meiner Mutter Einspruch einlegen.

  • Liebe Finja,

    lege für Deine Mutter rasch Widerspruch ein - am besten per Einwurfeinschreiben (da Fristen laufen); die ausführlichere Begründung (nebst vorläufigem Brief aus dem Krankenhaus) kannst Du dann nachreichen. Und für Deinen Vater stellst Du einen Antrag auf Höherstufung. Denke an eine Vorsorgevollmacht, am besten bei der Bereuungsbehörde beglaubigen lassen (kann auch nachträglich gemacht werden, wenn Deine Mutter wieder zu Hause ist), damit Du alles im Namen Deiner Eltern rasch und unbürokratisch regeln kannst.

    Mit einer 24-Stunden-Betreuung haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht, vielleicht gibt es bei Euch im Ort eine Agentur, die solche Pflegekräfte vermittelt. Oder versuchen, über‘s internet eine Agentur zu finden (die Auswahl ist da sehr groß!).

    Deinem Bruder, Dir und Deinen Eltern alles Gute und viel Glück!

    LG molli

  • Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück..... Ich bin gerade völlig verzweifelt.

    Mein Vater ist nicht im Pflegeheim geblieben. Das Pflegeheim rief heute Nachmittag an, er will nach Hause, hat sich angezogen, hat es sogar irgendwie durch das Treppenhaus eine Etage tiefer bis nach draußen geschafft. Also bin ich wieder hin, habe versucht auf ihn einzureden, keine Chance. Irgenwann saßen wir beide heulend auf einer Bank und wussten nicht mehr weiter.


    Die vom Heim waren super nett. Sie hatten alles versucht, ihn abzulenken, ihn so ein Armband anzulegen, damit sie es mitbekommen wenn er raus läuft usw. Nichts zu machen.


    Die Pflegeleitung hat dann noch mit jemanden telefoniert wegen Einweisung in die Psychatrie, aber das er "nur" wegläuft, ist noch keine Eigenwohlgefährdung, hätten wir also nicht durchbekommen. Er hätte sich schon verletzen müssen oder vor ein Auto laufen müssen oder ähnliches. Super, klar, das verhindert man natürlich.

    Die Pflegeleitung hat dann noch mit seiner Hausärztin gesprochen. Die war auch total nett und hilfsbereit, sie kennt ja meinen Vater schon seit Jahren und hatte dann vorgeschlagen, dass er zu meiner Mutter in die Geriatrie aufgenommen wird. Sie hat eine Einweisung ausgestellt. Jetzt muss nur noch das Krankenhaus mitspielen.


    Tja und wenn es nicht mitspielt, bin ich ratlos. Ich bin fix und fertig, die letzten Tage haben mich immens geschlaucht. Meinem Bruder ergeht es nicht anders. Wir können meinen Vater nicht die nächsten zwei Wochen betreuen. Also was machen wir dann?


    Eine Vorsorgevollmacht ist auf meinen Bruder ausgestellt. Nutzt aber nichts, wenn mein Vater nicht bleiben will. Das Pflegeheim kann ihn nicht zwingen und wir auch nicht.

  • Liebe Finja - was für ein Drama! Dein Vater hängt sehr an seinem zu Hause und fühlte sich offenbar abgeschoben. Ich hoffe, die Geriatrie wird ihn dann mit aufnehmen. Meine Mutter hat mit PG 3 noch allein in ihrer Wohnung gelebt - mit Putzfrau, ambulantem Pflegedienst und meiner Unterstützung - aber ich arbeite nicht mehr und hatte dementsprechend Zeit, mich um eine stabile Tagesstruktur etc. zu kümmern. Es tut mir so leid für Deinen Vater, dass er mit der Situation nicht zurecht gekommen ist und hoffe für Euch das Allerbeste. LG molli

  • Und wenn man meint, es geht nicht schlimmer, wird man eines besseren belehrt. Meine Eltern haben beide Corona. Und ich weiß noch nicht mal, wie es meiner Mutter geht, da ich bisher den ganzen Tag mit meinem Vater beschäftigt war. Ich brauche jetzt eine kurze Pause für einen Kaffee und fahre gleich wieder zum Krankenhaus. Glücklicherweise ist zumindest bisher der Test bei mir negativ.


    Mein Vater hat natürlich nicht mitgespielt. Er ist wieder zuhause. Er versteht nicht, was Corona ist und dass es extrem gefährlich für ihn werden kann. Er hat keine Symptome, fühlt sich gut, daher ist es für ihn nicht realistisch.


    Die Hausärztin hatte mit dem Oberarzt abgesprochen, dass er entsprechende Beruhigungsmittel bekommt. Dazu ist es aber nie gekommen. Wir waren um 11 Uhr da, die ersten Untersuchungen wurden schnell erledigt und dann saßen wir da und warteten. Ich habe Mittags dann darum gebeten, ihm seine Medikamente zu geben. Und dann halt auch direkt das Beruhigungsmittel. "Jaja, machen wir." Nix ist passiert. Gegen halb drei brachte man uns dann aufs Zimmer, es passierte immer noch nichts. Ich hatte meine liebe Mühe und Not meinen Vater überhaupt zu halten. Ich habe noch mal nach den Medikamenten gefragt "Ja, wir kümmern uns darum". Kurz darauf kam die Schwester herein und hat versucht meinen Vater zum bleiben zu überzeugen. Sie hatte keine Chance. Daraufhin kam dann der Arzt. Anstatt nur mit mir zu sprechen, posaunte er sofort raus: Wir können sie nicht gegen ihren Willen hierbehalten. Das Stichwort für meinen Vater.....

    Ich habe dann wutentbrannt die Sachen wieder zusammen gepackt, bin auch alles andere als ruhig geblieben, habe auch meinen Vater angeschnautzt und bin raus mit ihm.


    Ich weiß nicht weiter.

  • Liebe Finja,

    Das ist wirklich sehr belastend. Wegen Corona würde ich mir jetzt nicht so Sorgen machen. Meine Mutter hatte bereits zweimal und jeweils sehr harmlos. Wenn dein Vater keine Symptome hat, steht das jetzt nicht im Vordergrund.

    Hast du schon mal mit dem sozialpsychiatrischen Dienst gesprochen, den es in jeder Stadt gibt? Vllt haben die noch eine Aussage und Idee dazu .

    Man kann doch nicht als Tochter gezwungen werden dort Gewehr bei Fuß zu stehen.. wie sind die Aussichten für deine Mutter?

    Käme eine 24 Std. Pflegekraft in Frage?

    Liebe Grüße

  • Ich war jetzt endlich bei meiner Mutter, Corona hat jetzt glücklicherweise keine großartigen Auswirkungen, außer Husten. Ich hoffe es bleibt so. Gut das wir immer auf die Impfungen bestanden haben.


    Ich hatte heute noch ein ausführliches Gespräch mit einer Dame von der Caritas. Sie hatte empfohlen, dass wir einen Pflegedienst engagieren, der Morgens, Mittags und Abends kommt wegen der Medikamente. Ansonsten Essen auf Rädern bestellen. Mehr konnte sie mir auch nicht anbieten.

    Sie hatte aber auch empfohlen, den sozialpsychatrischen Dienst zu informieren. Das werde ich morgen früh direkt machen.


    Mein Bruder und ich hatten eigentlich beschlossen, ein Entmündigungsverfahren für meinen Vater einzuleiten. Wie ich aber gerade gelesen habe, gibt es das nicht mehr, sondern man kann einen gesetzlichen Betreuer beantraten. Das ist aber wohl nicht so ohne weiteres möglich, wenn es eine Vorsorgevollmacht gibt. Da muss ich mich jetzt also erst mal schlau machen. Denn ehrlich, die Vorsorgevollmacht bringt rein gar nichts, wenn man trotzdem nicht einen Heimaufenthalt auch gegen den Willen des Betreuten veranlassen kann.


    Man kann doch nicht als Tochter gezwungen werden dort Gewehr bei Fuß zu stehen..

    Nein, kann man nicht, auch da haben wir uns bereits schlau gemacht, man kann nicht dazu gezwungen werden die Pflege zu übernehmen und es besteht auch keine Verpflichtung dazu. Deshalb werden wir uns jetzt so weit es geht rausnehmen, aber den sozialpsychatrischen Dienst informieren, dass es da jemenden gibt, der Hilfe braucht, sie aber von uns nicht annimmt. Damit wir nicht womöglich noch wegen unterlassener Hilfeleistung Probleme bekommen.


    Daher vielleicht ein einziger vorsichtiger Rat: Bei der nächsten Gelegenheit solltest du ein klares Wort mit den Ärzten sprechen, sollte dein Vater (deine Eltern) wiederum ins Krankenhaus kommen. Du müsstest klar sagen, dass du dich selbst außerstande siehst, deine Eltern voll allein zu versorgen.

    Puh, das hört sich aber auch nicht gerade einfach an, was du durchgemacht hast. Wie hast du deine Mutter denn ins Pflegeheim bekommen?


    Ich habe dem Arzt im Krankenhaus klar gesagt, dass ich und mein Bruder mich außerstande sehen, die Betreuung meines Vaters weiter zu übernehmen. Das hat ihn nicht interessiert. Ihm war nur wichtig, dass er meinen Vater nicht gegen seinen Willen festhalten kann. Ich habe mich sehr über sein nicht vorhandenes Feingefühl aufgeregt. Anstatt positiv auf meinen Vater einzuwirken, betrat er den Raum gleich mit diesen Worten..... Und ich bin ehrlich gesagt, ziemlich ausgeflippt.


    Glücklicherweise haben wir aber eine sehr nette und hilfsbereite Hausärtztin. Die werde ich morgen früh noch mal kontaktieren. Vor allem wegen der Verordnung für die Pflege.

  • Liebe Finja.

    Das sind schon sehr große Herausforderungen, die du schilderst... Das Verhalten des Arztes ist natürlich nicht sehr konstruktiv für Euch. Dennoch bin ich froh, dass der eigene Wille so ein hohes Gut ist. Auch wenn daraus schwierige Situationen entstehen.


    Eine rechtliche Betreuung würde daran nichts ändern. Mit einer Vollmacht soll eben die rechtliche Betreuung verhindert werden. Von dem was man machen kann oder auch nicht machen kann, gibt es keinen Unterschied.


    Eine Einweisung per richterliche Beschluss geht nur bei Fremd- oder Selbstgefährdung. Da sind die Hürden schon sehr hoch.


    Und trotzdem verstehe ich Deine Not und ich kann mir Deine Verzweiflung vorstellen.

    Eine gute Lösung scheint es auf die Schnelle nicht zu geben. So sehr ich sie Euch wünschen würde.


    Mitfühlend Grüße

    Sabine

  • Liebe Finja,

    du bist gerade wirklich garnicht zu beneiden. Ich schließe mich zuerst mal allen, die hier schon mehr oder weniger ratlos geantwortet haben, an. Ehrlich gesagt, ich hab sogar noch gegoogelt, 24 Stunden Pflege oder andere Möglichkeiten, aber es hat mich nicht schlauer gemacht.

    Die Idee der Caritas finde ich erstmal nicht schlecht, aber das reicht doch nicht aus. Die Medikamenteneinnahme ist dadurch sichergestellt, aber das ganze dauert max. 5 Minuten und dann ist der Pflegedienst wieder weg. Das hab ich selbst bei meiner Mutter so erlebt. Da würde ich versuchen, in dem Gespräch mit dem Pflegedienst noch weitere Möglichkeiten zu erfragen. Was ist noch an Hilfe nötig und möglich?

    Bitte versuche, irgendwie die Ruhe zu bewahren. Es ist sehr schwierig, aber es geht nur eins nach dem anderen. Anderenfalls bist du die Nächste, die krank ist und soweit soll es doch nicht kommen.

    Ich wünsche dir alles erdenklich Gute und dass sich schnellstmöglich eine Lösung findet.

    Liebe Grüße

    Stern

  • Liebe Finja,

    ich hab noch etwas vergessen.

    Die Medikamentengabe wird nicht über Leistungen der Pflegeversicherung abgerechnet. Es handelt sich dabei um häusliche Krankenpflege, eine Leistung der Krankenkasse, die unabhängig von einem Pflegegrad gezahlt wird. Das Pflegegeld bleibt davon also unberührt.

    Ich drücke dir ganz fest die Daumen.

    Liebe Grüße

    Stern

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