Hilfe, Wohin mit dementen Vater nach Notfall?

Datenschutzhinweis: Bitte achten Sie darauf, dass Sie im Forum keine persönlichen Daten von sich selbst oder von Dritten posten. Auch sollten Ihre Angaben keine Rückschlüsse auf Ihre Person zulassen.
  • Finja:

    Und was ich mich auch frage, was machen Senioren, die niemanden haben der sich um sie kümmert, der für sie einen Pflegeplatz sucht, der sich mit Ärzten und der ganzen Bürokratie herum schlägt? Diese Senioren fallen schnell durchs Raster und fallen erst auf, wenn es zu spät ist oder etwas passiert ist.

    Das habe ich mir auch schon oft überlegt.

    Und du hast recht. Es wird erst dann jemand tätig, wenn der Schaden eingetreten ist.

    Während meiner Odyssee durch die Instanzen wurde mir das auch zweimal tatsächlich so gesagt: viele (bürokratische) Hürden verschwinden auf magische Weise, wenn der Betroffene beispielweise ins Krankenhaus eingewiesen wurde. Dann übernimmt deren sozialer Dienst, und plötzlich ist alles einfach.

    Es ist verrückt.


    Aber erstmal Finja: Glückwunsch zum erfolgreichen Pflegeplatz. Du musst so erleichtert sein! :)


  • Besonders freue ich mich über Ratschläge von der Sorte : Du musst auch mal an dich denken, was für dich tun, die Tür hinter dir zu machen, auf andere Gedanken kommen etc. D

    Das glaube ich!


    Aber ich kann mir eine Vorstellung davon machen, und ich schließe mich den Vorschreiberinnen an: Respekt vor soviel innerer Kraft!


    Ich wünsche dir alles Liebe.

  • Pflegeheime und ambulante Dienste können sich weitgehend ihre Kunden aussuchen. Eine immer größere Rolle spielt dabei auch der pflegerische Aufwand, der die Mitarbeitenden belastet. Leitungskräfte entscheiden auch danach, was sie der Mannschaft noch zumuten können oder wollen.

    Selbiges gilt für die ambulante Pflege, die noch dazu häufig so schlecht gegenfinanziert ist, dass es sich in ländlichen Regionen schlicht nicht lohnt, einen Mitarbeiter für einen Kunden irgendwo aufs Dorf fahren zu lassen - selbst wenn die Zeit über wäre.... .



    Ich will eigentlich nur ausdrücken: diese Schwierigkeiten werden zunehmen. Rapide und in der Fläche. Und "wir" als Gesellschaft müssen Mechanismen finden, das im Interesse Pflegebedürftiger (was wir alle mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann mal sind) zu regeln.


    Ich konnte das bei der Suche nach einem Pflegeheimplatz auch so feststellen, dass sich die Heime den Patienten aussuchen können.

    In meinem Fall ist es ja ein mobiler Dementer, den ich gern untergebracht hätte, und die will nun wirklich keiner.

    Ich verstehe das auch in gewisser Weise.

    Das Heim/die Angestellten haften möglicherweise, wenn ihnen ein Patient z.B. auskommt, dann vielleicht einen Unfall verursacht, usw.

    Wer möchte sich diesen Ärger denn antun, wenn Alternativen in Form "einfacherer" Patienten mit ausschließlich körperlichen Gebrechen, oder eben bettlägerige Demente ausreichend zur Verfügung stehen?


    Und ja, die Schwierigkeiten werden mit einer immer älter werdenden Bevölkerung massiv zunehmen.

    Aber ich hätte keine Vorstellung, wie das Dilemma aufgelöst werden könnte.


    Übrigens beneide ich keine Pflegekraft, aber ich finde auch, dass 3500€ brutto nicht wenig sind, und diesbezügliche Klagen nerven vor diesem Hintergrund schon ein wenig.

  • Hinz Wow, du hast meinen vollen Respekt. Ich sehe es ja an meinem Vater wie anstrengend es sein kann, obwohl ich nicht mal die Hälfte von dem leiste, was du leistest.

    Und auch wenn er mir viel gibt, wenn er mir wie heute dankbar die Wange streichelt, weiß ich, dass ich es nicht aushalten könnte. Daher erst recht meine volle Hochachtung vor deiner Leistung.

    An sich denken finde ich wichtig. Aber wenn es nicht möglich ist, schmerzen solche Ratschläge nur. Trotzdem drücke ich dir die Daumen, dass du trotz allem immer wieder mal ein paar erholsame Momente hast. An sich denken kann auch schon einfach nur mal ein paar Minuten in der Sonne sitzen sein, ohne an etwas zu denken. Oder sonstige Kleinigkeiten.


    Morgen geht es für meinen Vater in die Kurzzeitpflege. Ich hoffe, dass es ihm dort besser geht als im Krankenhaus. Ich bin wirklich erschrocken, wie es ihm dort ergeht. Heute saß er im bekleckerten Unterhemd und in Windel beim Abendessen. Er zieht sich leider ständig aus und die Krankenschwestern haben ihre liebe Mühe mit ihm. Ich bin gespannt wie das Pflegeheim damit klar kommt.

  • Liebe Finja, vielen Dank für deine lieben Worte. Bei mir gibt es auch diese schönen Momente, meistens morgens, wenn meine Mutter oft klar, liebevoll und empathisch ist und wenig Schmerzen hat. Ohne diese Momente würde mir die Pflege viel schwerer fallen. Ich drücke dir die Daumen, dass es ín der Kurzzeitpflege gut klappt. Krankenhäuser und Demenzkranke sind zwei Welten, die aufeinander prallen, da könnte ich ganze Podcasts drüber vollquatschen.

  • Liebe Finja, vielen Dank für deine lieben Worte. Bei mir gibt es auch diese schönen Momente, meistens morgens, wenn meine Mutter oft klar, liebevoll und empathisch ist und wenig Schmerzen hat. Ohne diese Momente würde mir die Pflege viel schwerer fallen.


    Das ist schön :) Ich kann mir das gut vorstellen, dass solche Momente helfen. Und wenn es dann mal wieder hoch hergeht, ist es gut, wenn es einem möglich ist, sich solche Momente in Erinnerung zu rufen.


    Krankenhäuser und Demenzkranke sind zwei Welten, die aufeinander prallen, da könnte ich ganze Podcasts drüber vollquatschen.

    Ohja.... Ich habe heute seine Sachen in das Pflegeheim gebracht, er saß beim Mittagessen und hat gut gegessen. Tausend mal besser als im Krankenhaus, wo er dann mit Op-Hemdchen auf der Bettkante hockt und das nicht lange aushält, und daher nur wenig isst.

    Und er hatte eine Damenjeans an.... woher auch immer die stammt, seine Jogginghose, die er eigentlich anziehen sollte, ist verschwunden. Ich hätte auf mein Bauchgefühl hören sollen und im Krankenhaus sein sollen, als er abgeholt wurde. Aber die Schwester konnte mir keinen genauen Termin nennen und meinte, ist auch nicht nötig....


    Und kaum war ich wieder Zuhause, klingelt das Telefon, das Heim war dran in das er dann endgültig kommen soll: er kann Mittwoch noch kommen. Und das beste, das Zimmer ist dann auf der gleichen Etage wie das meiner Mutter, es liegt schräg gegenüber. Noch drei Wochen, dann sind sie wieder zusammen :)

  • Mensch, Finja, solche Geschichten wie Deine lese ich immer gerne: wenn etwas dann endlich gut ausgeht, was man gar nicht mehr zu hoffen wagte.


    Hinz, ich las von Dir mal, dass Ihr keinen Pflegedienst beschäftigt. Hast Du darüber auch keine Alltagsbegleitung versucht? Oder besser noch über eine der Agenturen für Alltagsbegleitung, die immer mehr werden?


    Ich weiß jetzt nicht, in welchem Bundesland Ihr lebt, in NRW sind die ja stark vertreten.

    Angebotsfinder | PfAD.uia


    Ruhig auch eine PLZ außerhalb von NRW eingeben, manchmal wird da noch was gelistet.

  • Hallo PausE, nee, einen Pflegedienst beschäftigen wir nichts, weil der viel Geld kostet, aber nichts leistet, was ich nicht selbst auch kann. Die Körperpflege ist aktuell bei meiner Mutter kein Problem. Sollte sie mal nicht mehr stehen können, dann müsste ich neu nachdenken, aber im Moment geht es. Mit dem Entlastungsbetrag wird ein einmal wöchentlicher Besuch einer netten Ehrenamtlerin bezahlt, die meiner Mutter vorliest oder mit ihr quatscht. Sie kann und darf nicht pflegen, aber ich kann an dem Vormittag Dinge im Haushalt und im Garten erledigen, zu denen ich sonst nicht komme, weil ich meine Mutter aus den Augen lassen müsste.

  • Hallo Hinz,


    Ja, so hatte ich es ja verstanden: Pflegedienst wird nicht für Pflege benötigt.

    Aber Du könntest doch mehr Hilfe wie die Ehrenamtlerin in Anspruch nehmen, damit Du mal rauskannst.


    Ich hab den Umwandlungsanspruch vor kurzem erst "entdeckt".

  • PausE Es ist leider so, dass meine Mutter sehr schwierig sein kann. Wenn jemand sie falsch anfasst und durch die Berührung eine Schmerzattacke auslöst, kann sie sehr aggressiv werden, verbal, aber auch körperlich. Deshalb kann ich die Betreuung in meiner Abwesenenheit nur Profis zumuten.

  • Hinz,

    Dann habe ich Dich ganz falsch verstanden als Du mal sagtest, dass Du für Verhinderungspflege niemanden findest, weil die Ausführenden das Geld als Einnahme versteuern müssten und für nahe Verwandte nur das anderthalbfache des monatlichen Pflegegelds im Jahr zur Verfügung steht.


    Hast Du Dir denn mal ein Angebot machen lassen vom Pflegedienst für die Alltagsbetreuung? Da wäre doch dann ein bisschen geholfen und die Verhinderungspflege könntest Du in voller Höhe bei denen auch noch einsetzen.

  • Liebe Hinz,


    ich habe die meisten deiner Posts wahrscheinlich nicht gelesen, aber was du hier schreibst, kommt wirklich sehr sehr liebevoll rüber.


    Ich freu mich für dich, dass ihr ein so gutes Verhältnis habt, auch wenn es vielleicht mal einen Ausreißer gibt.


    Viel Kraft weiterhin!



    Finja: Hey, das sind doch mal Nachrichten, oder?

    Was die Jeans angeht, hat er die vielleicht mit einer der Damen im Heim getauscht? 8)

  • Vielen Dank, @NoName!

    Liebevoll ja, furchtbar anstrengend auch.

    Übrigens bin ich ein Mann (Hinz-Koseform von Heinrich, der Kumpel von Kunz. vgl. auch Grimms Märchen -- "Heißest du Hinz? Heißest du Kunz? Heißest du etwa Rumpelstilzchen?"

  • :) :) :)


    Okay Hinz, hab ich mir gemerkt!


    Schönen Abend dir!

  • Finja: Hey, das sind doch mal Nachrichten, oder?

    Was die Jeans angeht, hat er die vielleicht mit einer der Damen im Heim getauscht? 8)

    Die Jeans wurde ihm im Krankenhaus zur Entlassung angezogen. Da es nur Herren auf dem Zimmer gab, ist ein Tausch nicht möglich :D


    Ohja, mein Vater ist gut in seinem nun endgültigen Zuhause angekommen. Entgegen meiner Befürchtung hat er alles ohne Proteste hingenommen. Ich sehe das mit gemischten Gefühlen, weil er offensichtlich jetzt auch seinen eigenen Willen verloren hat. Vor 2 Wochen hätte er noch einen riesen Aufstand gemacht.

    Aber letzte Nacht bin ich mit dem Gewissen eingeschlafen, er ist jetzt angekommen und gut versorgt. Das ist beruhigend.

  • Liebe Finja,

    es ist so toll, wie sich eure Situation in den letzten Tagen entwickelt hat!

    Es freut mich wirklich sehr für dich.

    Du bist eine riesige Last losgeworden und hast für dich schon einen sehr großen Erfolg erlebt:

    Du konntest beruhigt mit der richtigen Einstellung einschlafen, dass dein Vater gut versorgt ist. Meiner Meinung nach ist das der allerwichtigste Punkt für dich.

    Dein Vater kommt nun offensichtlich zu Ruhe und akzeptiert seine neue Umgebung. Selbst, wenn er seinen eigenen Willen verloren hat,

    ist das ein riesiger Schritt in die positive Richtung. Ich wage mal zu spekulieren, wenn deine Mutter auch dort in seiner Nähe ist, dann ist für ihn alles wieder beim Alten.

    Einen größeren Erfolg kann man sich wohl nicht wünschen.

    Mit dem Verlust des eigenen Willens des Kranken hab ich auch öfter mal Probleme. Wenn ich so sehe, wie sich meine Mutter einfach so vom Pflegedienst anziehen lässt und ihr dabei alles egal ist, denke ich, das ist doch nicht meine Mutter! Früher hat sie soviel Wert auf ihr Äußeres gelegt.

    Aber das sind letztendlich Kleinigkeiten, die Hauptsache ist, es geht ihnen gut.

    Ich wünsche dir weiterhin erstmal gute Erholung!


    Liebe Grüße

  • Ach, Finja, das freut mich wirklich sehr nach den Eskapaden der letzten Monate.

    Ob dein Vater so kampflos bleibt, muss man abwarten, wenn er sich mehr eingewöhnt hat. Solange genieße es und hoffentlich könnt ihr noch einen Urlaub machen, sobald alles geregelt ist.

    Liebe Grüße

  • Ohja, mein Vater ist gut in seinem nun endgültigen Zuhause angekommen. Entgegen meiner Befürchtung hat er alles ohne Proteste hingenommen. Ich sehe das mit gemischten Gefühlen, weil er offensichtlich jetzt auch seinen eigenen Willen verloren hat. Vor 2 Wochen hätte er noch einen riesen Aufstand gemacht.

    Aber letzte Nacht bin ich mit dem Gewissen eingeschlafen, er ist jetzt angekommen und gut versorgt. Das ist beruhigend.

    Finja, super ... ich freue mich für dich.

    So ähnlich war es vor knapp drei Jahren bei meiner Mutter. Sie hat vorher zu Hause komplett jegliche Hilfe verweigert ... und war dann im Pflegeheim wie ausgewechselt.


    Dein Vater muss nicht seinen kompletten Willen verloren haben ..., nur der Widerstand ist weg. Und dieser Widerstand tut ganz oft gar nicht gut (übrigens keinem von uns), wenn es ein Kampf gegen das Unvermeidliche bzw. gegen Windmühlenflügel ist. Insofern erst einmal ein Riesenfortschritt. Ich wünsch dir eine weitere ruhige Nacht!!!!

  • Ich denke euch für eure Worte! Ja, ich hoffe, die schwierigste Zeit ist vorbei. Das Forum hat mir immer wieder die Kraft gegeben, die Tage durchzuhalten. Es ist mir klar, dass noch schwierige Tage kommen werden, aber daran denke ich jetzt noch nicht. Nächste Woche werden mein Mann und ich noch ein paar Tage weg fahren, darauf freue ich mich jetzt.


    Ich habe gestern mit meiner Mutter zusammen meinen Vater besucht. Meine Mutter war so beruhigt. Sie hatte die Befürchtung, mein Vater liegt die ganze Zeit im Bett, weil das zuhause der Fall war (es ging nicht anders wegen der häuslichen Umgebung). Umso mehr hat sie sich gefreut, dass er im Rollstuhl saß und ganz gut aussah. Und sie hat über das Zimmer gestaunt, wie groß es ist. Es hat ihr gut gefallen. Ich schätze sie dachte, es ist eher so wie in einem Krankenhaus. Wir werden es jetzt so nach und nach gemütlicher einrichten.


    Ich habe mich auch noch mit einer Pflegerin unterhalten. Die Nacht war wohl nicht so einfach. Er hat sich ständig ausgezogen und war sehr unruhig. In seinem Zimmer lagen auch lauter kleine Wattekügelchen auf dem Boden, ich vermute von einer zerfetzten Windel.

  • Liebe Finja,

    durch die mehrfachen Ortswechsel in den letzten Wochen kann ich mir gut vorstellen, dass es ein Delir ist, vorübergehende Desorientiertheit und Verwirrung. Die Pfleger werden das sicher beobachten und dokumentieren. Gibt es einen Neurologen, der/die ins Heim kommt, so wie bei uns wöchentlich? Manchmal kann/sollte man medikamentös etwas versuchen.. anfangs muss sich einiges zurecht ruckeln, bis sich alle gegenseitig etwas besser kennen. Ich wünsche dir sehr, dass du dir bald weniger Sorgen machen musst

    Liebe Grüße

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!