Vater 86 ruft jeden Abend an und möchte Rente bei alten Arbeitgeber beantragen.

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  • Hallo,


    mein Vater ist 86 und seit einigen Jahre an Demenz erkrankt. Er lebt mit meiner pflegebedürftigen Mutter in einer Wohnung. Seit einem Monat

    ruft er immer abends bei mir oder meiner Schwester an packt eine Tasche und möchte zu seinem alten Chef und die Rente zu beantragen. Ich kann mit der Situation besser umgehen als meine Schwester und meine Mutter. Bei mir beruhigt er sich, fühlt sich aber nicht wie 86. Da mein Vater alle Zettel und sonstige Sachen die auf seine Rente hinweisen irgendwo in der Wohnung versteckt, wissen wir nicht was wir tuen können um ihn am abend zu beruhigen. Außerdem haben wir etwas Angst das er sich in der nächsten Zeit auf den Weg macht und völlig orientierungslos ist. Gibt es da vielleicht einige Tipps und Hilfen die wir noch nutzen können.


    VG Mathias

  • matthes

    Hat den Titel des Themas von „Vater 86 ruft jeden Abend an und möchte die Rente bei alten Arbeitgeber Rente beantragen.“ zu „Vater 86 ruft jeden Abend an und möchte Rente bei alten Arbeitgeber beantragen.“ geändert.
  • Hallo Mathias,

    willkommen im Forum! Wenn Dein Vater dement ist, solltet ihr nach Möglichkeit wichtige Dinge wie Rentenbescheide, Bankunterlagen etc. abheften und sicher außerhalb der Reichweite Deines Vaters verwahren. Wenn Deine Mutter selbst auch pflegebedürftig ist, empfiehlt es sich, dass Du oder Deine Schwester diese Aufgabe übernimmt. So Dein Vater abends anruft: versuche ihn davon zu überzeugen, dass er sein Vorhaben auf den nächsten Tag verlegen soll - ich würde da gar nicht großartig diskutieren, sondern ablenken und dann rasch eine gute Nacht wünschen.

    Ihr könntet den örtlichen Pflegestützpunkt kontaktieren (wegen Unterstützung) und ggfs. einen ambulanten Pflegedienst beauftragen, abends Deinen Vater ins Bett zu bringen. Bei Verschlechterung der Demenz wäre ein Antrag auf Erhöhung des Pflegegrads sinnvoll. Vielleicht wäre es möglich, einmal die alte Arbeitsstelle Deines Vaters zu besuchen? Er würde dann vielleicht realisieren, dass sich dort inzwischen vieles geändert hat!

    Liebe Grüße, molli

  • Hallo matthes -- herzlich Willkommen im Forum!


    Ich habe auch so einen Vater, der früher ein erflogreicher Geschäftsmann war, und dann am Anfang der Demenz hyperaktiv wurde. Er wurschtelte ständig in seinem Büro rum, zog alte Ordner raus, und verstand Sachen nicht mehr richtig. Mal hatte er Steuerunterlagen aus dem Jahr 1994 und meinte, er müsse eine Nachprüfung vorbereiten (machte sogar Kopien und leuchtete Zahlen an). Einmal rief er mich an und wollte wissen, wie wir es denn dieses Jahr mit dem Getreide machen. Es stellte sich heraus, dass es dabei um die 1964 stillgelegte Landwirtschaft seiner Großeltern handelte. Am schlimmsten war jedoch, wenn er alte Bankabrechnungen fand, von Aktien, die längst verkauft waren, und damit "fehlten." Hatte Siemens irgendwann mal verkauft, dann Allianz gekauft, und jetzt halt BMW ... aber weise das mal einem Dementen nach, der sich in dem Thema verheddert. Vor Behörden hatte er zum Glück einen gewissen Bammel, zum Thema Rente kam nie was.


    Das einzige, was bei uns geholfen hat ist Ablenken. Meine Mutter hatte eigentlich ganz gerne, wenn sie ihn mal ein Paar Stunden in sein Büro schicken konnte, weil er sie dann nicht ständig genervt hat. Aber sie ist dann halt immer mal wieder, wenn er mal abgelenkt war, hingegangen und hat die rumliegenden Ordner wieder weggestellt. Geht wohl bei euch nicht, wenn ihr nicht vor Ort seid, aber ich würde was ähnliches vorschlagen: "die haben doch jetzt schon zu, das machen wir morgen." Wenn er wirklich bei Ämtern anruft oder sogar böse Briefe schreibt, dann kann es auch Sinn machen, die vorzuwarnen. Ich habe das z.B. bei Banken und Versicherungen gemacht. Es ist aber wirklich schwierig, das zu regeln, wenn die Leute daheim sind und sich in solche Zufallsthemen verfressen. Bei uns wurde es erst mit dem Einzug in Gerontopsychiatrie bzw. Heim besser.


    Und was molli sagt ist auch sehr wichtig -- Nimm alle wichtigen Dokumente an dich und lass deinen Vater mit alten Sachen "spielen." Mein Vater hat Unmengen von wichtigen Sachen, die in einem kleinen Safe lagen, unauffindbar versteckt oder vielleicht sogar weggeworfen (von A wie Abiturzeugnis bis Z wie Zulassung des Autos) ... es ist ein riesiger Aufwand, sowas wieder zu beschaffen.

  • Hallo Mathias,

    auch von mir ein Willkommen im Club…

    Dem was Oiocha schreibt muss ich mich unbedingt anschließen.

    Wir haben letztes Jahr im September mit meiner Mutter dem Umzug ins betreute Wohnen gemacht, nachdem sich ihr Zustand innerhalb weniger Wochen krass verschlechtert hat.

    Beim Ausräumen ihrer alten Wohnung fanden wir Briefe mindestens der letzten 2-3 Jahre, teils noch geschlossen, teils beschriftet mit „noch lesen“. Alles überall in der Wohnung verteilt, teilweise zwischen Werbeprospekten versteckt. Ich fand Rechnungen, Mahnungen, eine letzte Aufforderung des Finanzamtes zur Erstellung der Steuererklärungen für die letzten 4 Jahre. Es war der absolute Wahnsinn und dabei kam wirklich Freude auf.

    Um die Wohnung mit allem, was dazugehört zu kündigen, hatte ich im ersten Moment nur die Kundennummern von den Kontoauszügen. Insgesamt kam ein halber Ummzugskarton voll Post zusammen, den ich dann in mühevoller Kleinarbeit sortiert, gelesen, beantwortet und abgeheftet hab.Das wünsche ich wirklich niemandem.

    Deine Mutter kann die Situation vermutlich nicht mehr lange alleine stemmen. Ich denke, es muss schnellstmöglich ein Pflegedienst her.

    Meiner Mutter wurde seinerzeit zum Abend ein leichtes Beruhigungsmittel verordnet, so dass sie nicht mehr bis irgendwann nachts herumgeisterte und auf komische Gedanken kam.

    Liebe Grüße

    Stern

  • Danke für die hilfreichen Tips, von Euch! Ich werde mich mit meiner Schwester absprechen und wir sichern alle wichtigen Unterlagen. Auch das mit der Ablenkung und oder mit dem Vertrösten auf morgen werden wir auch berücksichtigen.


    Vielen Dank nochmal!🙏

    • Offizieller Beitrag

    Hallo matthes, einen Gedanken möchte ich gern noch hinzufügen: Wenn ein schwieriges Verhalten oder eine Unruhe zu einer bestimmten Uhrzeit auftritt, ist es sinnvoll, nach Auslösern zu suchen.

    Das kann z.B. Langeweile sein. Auch körperliche Faktoren wie ein niedriger abendlicher Blutdruck oder Blutzucker können Unruhe oder Ängste und damit das Verhalten auslösen.

    Hat sich irgend etwas verändert? Wie reagiert Ihre Mutter auf die Verwirrtheit?

    Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Martinhamborg,


    eigentlich ist es bei meinem Vater morgens und abends. Ich werde das aber mal mit meiner Schwester besprechen, sie wohnt ganz in der Nähe und kommt jeden morgen mit Frühstück zu meinen Eltern. Meine Mutter reagiert sehr gelassen. Sagt aber immer wieder das sie es nicht mehr schafft. Sie ist aber auch sehr stimmungsschwankend.

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