Hinlauftendenz und Ortungssysteme

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  • Hallo in die Runde, seit mehreren Wochen haben wir ein neues Problem mit meiner Mutter. Wie an anderer Stelle schon beschrieben lebt sie im betreuten Wohnen. Der Pflegedienst ist im Haus stationiert und 24/7 vor e. Ihr ehemaliges Einfamilienhaus und das Haus ihrer im Februar verstorbenen Cousine befinden sich in max. 200 Meter Entfernung. Seit sie vom Tod der Cousine erfuhr entwickelt sie diese Tendenz. Sie muss zu deren Haus, um Dinge mit ihr zu klären sowie zu meinem Elternhaus, um dort mit meinem vor 10 Jahren verstorbenen Vater und auch Ihrer Mutter zu sprechen.

    Sie wurde mehrfach vom Pflegepersonal aufgehalten, was sich als schwierig erwies, da sie aggressiv wurde und auch von früheren Nachbarn vor dem Haus entdeckt und dann zurück gebracht.

    Meine Fragen ist nun, wie verhält es sich mit GPS-Trackern? Der Pflegedienst bat mich, das in Erwägung zu ziehen. Ich hab schon eine Menge im Internet gelesen, bin jedoch weiter unsicher. Welche Formen von Trackern sind sinnvoll? Ich las auch, dass diese nur mit Erlaubnis des Betroffenen verwendet werden dürfen? Wie soll ich das meiner Mutter erklären?? Gibt es Zuschüsse durch die Krankenkasse?

    Ich würde mich freuen, wenn Ihr Eure Erfahrungen mit mir teilt und überhaupt bin ich über jeden Hinweis dankbar.

    Wie schön, dass es Euch gibt!

    Liebe Grüße

    Stern

  • Hallo,

    rein rechtlich ist die Überwachung von Dritten ein heikles Thema, auch wenn zum eigenen Schutz etc. etc.

    Aber praktisch sind die Dinger schon.

    Ich hatte bei meiner Mutter im Betreuten Wohnen einen Android-Tracker am Schlüsselbund befestigt. Da sie den Schlüssel beim Verlassen der Wohnung immer meitnahm und ihn allenfalls mal verlegte hat das Ding beide Probleme gelöst. Die vom "Obstladen" sind wohl noch besser, aber für unsere Zwecke reichte der einfachere.

  • Hallo Chris,

    auch zu den rechtlichen Hintergründen bei Ortungssystemen hab ich schon einiges gelesen. Natürlich steht für mich in erster Linie die Sicherheit meiner Mutter im Vordergrund. Leider haben wir in der Vorsorgevollmacht solche Dinge nicht geregelt. Innerhalb der letzten Woche ist meine Mutter dreimal weggelaufen, immer mit dem gleichen Ziel, ihr früheres Haus. Niemand weiß, ob es das einzige Ziel bleibt.

    Ich bin hin und hergerissen, weiß nicht, wie ich mich verhalten soll bezüglich dieser Anschaffung. Einen Schlüsselfinder hat sie bereits am Schlüssel. Den hatten wir vor kurzem speziell für die leidige Schlüsselsuche angeschafft. Er hat allerdings nur eine Reichweite von 40 Metern und gibt dann lediglich einen Ton ab. Jetzt bräuchten wir ja eigentlich etwas mit genauerer Ortung oder? Also per App denke ich. Der vom Obstladen wäre super, geht aber leider nicht, da dort vom Pflegedienst Android Geräte verwendet werden.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Stern0709,


    ein GPS-Tracker kann in der von Ihnen geschilderten Situation sehr hilfreich sein. So gibt er Ihnen und dem Pflegepersonal doch etwas mehr Sicherheit, Ihre Mutter schnell wiederzufinden, wenn sie sich aus ihrer Wohnung entfernt. Zumal der Pflegedienst im „Betreuten Wohnen“ keine Rund-um-die-Uhr-Beaufsichtigung leisten kann.


    Es ist allerdings tatsächlich so, dass die Aktivierung eines Ortungssystems ohne Zustimmung der betroffenen Person, einen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte, also die Verletzung eines Grundrechts, darstellt.


    Mittlerweile wird dazu geraten, diese Thematik schon bei Bekanntwerden der Erkrankung mit der demenzkranken Person zu besprechen und das Einverständnis im Rahmen der Vorsorgevollmacht festzuhalten.


    Ist diese Möglichkeit wegen vorangeschrittener Erkrankung nicht mehr gegeben, müsste über das Betreuungsgericht eine Feststellung der Geschäftsunfähigkeit beantragt werden. Nur dann kann die Betreuerin oder der Betreuer das Tragen eines GPS-Trackers ohne Einwilligung der oder des Demenzkranken, mit Zustimmung des Betreuungsgerichtes, veranlassen.


    Gut wäre es, wenn Sie das Tragen eines GPS-Trackers mit Ihrer Mutter besprechen könnten und Ihr Einverständnis dafür erhalten. Vielleicht kann ja die behandelnde Hausärztin oder der Hausarzt bei der nächsten Konsultation unterstützend auf Ihre Mutter einwirken und ein GPS-Gerät empfehlen.


    Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, dass die Kosten für ein GPS-Gerät von der Krankenkasse übernommen werden. Es muss in diesem Fall von einem Arzt verordnet werden. Da die neusten Techniken eventuell noch nicht im Hilfsmittelverzeichnis eingetragen sind, könnte man auf eine Einzelfallentscheidung der Krankenkasse plädieren.


    Wer bei seiner Krankenkasse einen GPS-Tracker beantragen will, kann sich schon bei der Antragstellung auf ein Urteil vom 17. September 2019 (Az: L 16 KR 182/18) berufen. Darin stellt das Landessozialgericht klar, dass GPS-Systeme, die eine Alarmfunktion haben und eine Lokalisierung des Trägers ermöglichen, für Menschen mit Weglauftendenz und Orientierungsstörungen dem Grundbedürfnis der Mobilität und der Teilhabe allgemein dienen. Schließlich kann eine enge Beaufsichtigung auch als sehr einschränkend empfunden werden.


    Auf der folgenden Internetseite finden Sie weitere Informationen dazu, auch welche unterschiedlichen Geräte und Nutzungskombinationen es gibt.


    https://www.pflege.de/hilfsmit…otruf/gps-tracker-demenz/



    Mit freundlichem Gruß


    Birgit Spengemann

  • Hallo Frau Spengemann,

    vielen lieben Dank für Ihre ausführliche und für mich sehr hilfreiche Antwort.

    Unsere Vorsorgevollmacht wurde vor Bekanntwerden der Demenz meiner Mutter gemacht und enthält auch leider keine Angaben zur Verwendung solcher Geräte. Ich werde mich zunächst an den Hausarzt wenden und versuchen, das Problem mit ihm zu regeln. Er hat auf jeden Fall die besseren Argumente und befindet sich in der viel besseren Ausgangsposition als ich. Momentan kann ich meiner Mutter leider garnichts recht machen, also ein erfolgreiches Gespräch mit ihr nicht absehbar.

    Vielen Dank für Ihre Mühe und liebe Grüße

    Stern

  • WWD-Admin

    Hat das Thema geöffnet.

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