Umgang mit Pflegedienst und co

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  • Hallo liebe Alle,


    ich habe schon länger hier im Forum gelesen und finde alles interessant. Wichtige Aussagen von verschiedenen Usern haben mir weitergeholfen, also hoffe ich noch ein paar Antworten mehr zu bekommen.

    Meine Mutter ist 84 und seit 2 Jahren - gesichert diagnostiziert - dement. Eine Mischung aus Alzheimer und vaskulärer Demenz, außerdem ist sie durch Arthrosen/Arthritis schon sehr immobil. Sie hat Pflegegrad 4,

    einen Pflegedienst für die Tablettengabe und die Körperhygiene. Der Physiotherapeut kommt 2x in der Woche und einmal der Logopäde.

    So jetzt zu meinen Fragen:

    Meine Mutter kämpft sehr um ihre Selbständigkeit und ist (schon immer stur wie ein Muli gewesen) jetzt von den Versuchen, alles allein zu regeln, nur sehr schwer abzuhalten.

    Sie möchte sich allein waschen und versteht leider eben nicht mehr, dass sie das nicht mehr kann. Warum? Vergessen, kann da nicht mehr hinkommen (Po!), unvollständig (oben ja, unten nicht mal versucht) usw.. Irgendwas ist immer. Das ist ja auch normal bei einer fortgeschrittenen Demenz, die sie hat.

    Aber warum zum Kuckuck fragt der Pflegedienst sie immerzu , ob sie gewaschen werden will?

    Auch nachdem ich mehrfach schon erklärt habe, dass ihre Aussagen einfach nicht an der Wirklichkeit orientiert sind und sie sie nicht fragen sollen. Und dafür gesorgt habe, das eigentlich alle Pfleger das im Pflegeplan nachlesen können???

    Das würde dazu führen, wenn man das Fragen so durchgehen lässt, das sie nur alle paar Wochen gewaschen wird. Das kann echt nicht sein, finde ich.

    Eine zweite Frage betrifft einen Therapeuten, der sich im Beisein meiner Mutter mehrfach trotz meiner Erklärungen in die Frage einmischt, wer den Leistungsnachweis unterschreibt.

    Meine Mutter ist in finanziellen und überhaupt "Verwaltungs"fragen nicht mehr geschäftsfähig. Die würde blindlings eine Schenkungsurkunde über ihr Vermögen an irgendjemanden unterschreiben, wenn der nett fragt.

    Also versuche ich das so zu regeln, dass sie nichts unterschreibt (habe eine Generalvollmacht). Sie hat da schon Böcke geschossen und weil sie in einer Dauerschleife festhängt - Autonomie!!!!!! -, versuche ich keine, auch noch so harmlose Unterschrift, auch nicht in meiner Gegenwart zuzulassen. Denn dann fühlt sie sich bestärkt und möchte mehr davon.

    Und nein mit Validation komm ich da nicht weiter. Denn dann, siehe oben, fühlt sie sich bestärkt und möchte mehr davon. Da greift die Persönlichkeit und die frühere Lebensführung eben noch mit ein. Stichwort: Das hab ich immer so gemacht!

    Ich wäre echt dankbar, wenn hier jemandem was einfällt, wie ich mich da aufstellen kann. Der ganze Ärger macht mich fertig.

    Vielen Dank fürs lesen und noch viel mehr, falls Euch was einfällt.

  • Hallo Albatros,

    Ich kann gut nachvollziehen, wie du unter Sturheit und unter Validierung leidest. Ich hatte ebenfalls mit beidem meine liebe Not.

    Aber du willst ja nicht nur deine Mutter umbiegen, sondern auch noch den Pflegedienst! 😉


    Da hast du dir zu viel vorgenommen.


    Deine Mutter ist stur aus Gewohnheit, das ist der letzte Rest ihrer Persönlichkeit, an die sie sich klammert. Die Pflegerinnen fragen trotzdem nach, weil ihr Ethos ein anderes ist als deines. Die Pflegerinnen dürfen keinen Zwang anwenden. Wenn eine Kranke nicht will, dann müssen sie das akzeptieren. Du siehst die Pflegerinnen als deine Assistentinnen, die dir da helfen, wo du nicht weiterkommst. Das funktioniert nicht.

    Mein Rat: Lass sie ihren Job machen. Die haben das gelernt und wie gesagt: Ihr Ethos ist ein anderes als deines. Bei ihnen steht der Respekt vor der Patientin im Vordergrund, bei dir ein gewaschener Hintern.

    Vielleicht solltest du mal eine Hospitation in einem Pflegeheim machen, um zu lernen, was mit Demenzkranken möglich ist und was nicht möglich ist.

    Lieben Gruß!
    Buchenberg

  • Lieber Buchenberg,


    danke erstmal für die schnelle Antwort.

    Es ist wahrscheinlich, das habe ich auch schon vermutet, zuviel verlangt.

    Aber vielleicht sollte ich noch dazu sagen: Meine Mutter ist harninkontinent und teilweise stuhlinkontinent.

    D.h., es ist insgesamt auch eine Frage der Gesundheit. Zusätzlich kann sie sich nach dem Stuhlgang nicht selbst säubern - das ist den Pflegern bekannt - und lässt man das Waschen, wird sie wund.

    Außerdem wehrt sie sich ja nicht gegen das Waschen, jedenfalls nicht indem sie es direkt ablehnt oder gar schimpft oder tätlich wird. Es ist nur die Aussage, sie hätte sich schon gewaschen. Wenn einzelne Pfleger einfach sagen, "Kommen Sie Frau XXXX, wir gehen jetzt ins Bad zum Waschen/Duschen!", dann kommt sie bereitwillig mit.

    Wo fängt die Vernachlässigung an, wenn man sie nicht wäscht?

    Und bitte versteht mich nicht falsch, sie darf ganz viel entscheiden! Will sie nicht essen - ok! Will sie viel essen - ok! Torte - kein Problem!

    Freizeit, soweit sie sie überhaupt noch gestalten kann - ihre Entscheidung. Usw...

    Und bei mir ist eine Grenze erreicht, wenn sie anfängt zu riechen oder sogar zu stinken.

    Der Pflegedienst ist nicht :!: meine Assistenz, sondern die meiner Mutter.

    Ich habe diese Aufgaben fast 2 Jahre übernommen und war gewiss nicht überpingelig. 1x Duschen in der Woche und sonst hat sie alles selbst geregelt.

    Nachdem sie eben auch in punkto Stuhlgang Probleme hatte, sie und die Toilette manchmal abenteuerlich verschmutzt waren, mußte ich einfach einen Notstopp machen, weil ich nicht mit ihr unter einem Dach lebe und nicht immer da bin. D.h., der Pflegedienst soll sicherstellen, dass mind. 2x am Tag die Pants gewechselt werden und dass sie sauber ist. Ich kann mich nicht damit abfinden, dass sie in ihrem Kot sitzt oder liegt, weil sie auf Nachfrage sagt: Da ist nix.

    Hoffentlich könnte ich unsere Situation ein bisschen besser erklären.

    Auch an Dich liebe Grüße

    Albatross

  • Hallo Albatros,

    schön, dass du mir meine Meinung nicht krumm genommen hast!
    Ich habe noch drei Dinge:
    Erstens hatten wir für die Pflege der dementen Schwiegereltern eine Duschtoilette. Das hat viel zur Hygiene (und auch für unsere Entspannung) beigetragen. Wenn du deinen Umbau-Etat von 4000 Euro noch nicht verbraucht hast, kann ich dir eine Duschtoilette sehr empfehlen.
    Zweitens haben ambulante Pflegerinnen in der Regel mehr Zeitdruck als das Personal in einem Pflegeheim. Letztere können, wenn sich eine Patientin "ziert", abbrechen und später noch mal versuchen.
    Drittens war Schwiegermutter, sobald sie ins Heim kam, viel weniger bockig. Die "störrischen Alten" scheinen ein Territorialverhalten zu haben. In ihren eigenen vier Wänden und gegenüber den Familienangehörigen bestehen sie auf ihrer Dominanz. In der fremden bzw. neuen Umgebung des Heims, fügen sie sie leichter in den gesamten Tagesablauf ein. Das sind unsere Erfahrungen.

    Gruß Buchenberg

    P.S. Demenzkranke mit Pflegestufe 4 sind generell wohl besser im Pflegeheim aufgehoben als zu Hause mit ambulanter Versorgung.

    Einmal editiert, zuletzt von Buchenberg ()

  • Buchenberg

    Könntest Du mir noch mal sagen, was mit Duschtoilette gemeint ist? Ein Bidet oder so eine z.B. aus Japan stammende Supertoilette mit allem drum und dran?

    Deine Idee mit dem Pflegeheim ist wahrscheinlich wirklich die einzige Lösung.

    Denn die Mutter - Kind - Beziehung bestimmt ganz sicher noch ihre Gefühle für/über ihr Leben, das ja ohne mich nicht mehr stattfindet. Sie kann nicht loslassen, in einem Heim vermutlich deutlich besser. Auch weil es nicht mehr ihr Territorium ist.


    schwarzerkater

    Ich kann nur sagen, dass die Ablehnung meiner Mutter (ich könnte darüber Bücher füllen) dazu führte, dass ihre Haut aussah wie ein Streuselkuchen und sie ihre Kleidung grundsätzlich nicht wechselte. Sie ging auch nie mehr zu Bett, sondern saß nachts bibbernd in einem Sessel.

    Das klingt furchtbar und war bestimmt nur schwer auszuhalten für Dich.

    Auch Du denkst an eine Übersiedlung ins Heim.

    Also Auftrag an mich: ich sollte dringend darüber ausführlich nachdenken.


    Da ich meine Mutter vor gut 2 Jahren zu mir in die Stadt holen musste, habe ich seit dem mit allen Arztterminen, allem was ich für sie so organisieren musste und noch immer muss, echt einen Vollzeitjob. Ihr hat der Umzug nicht gut getan, die Demenz hat einen ordentlichen Schub gemacht.

    Da sie in ihrem Leben viel umziehen musste und verloren hat (Kriegskind), wollte ich ihr einen weiteren Umzug, jedenfalls so schnell, ersparen. Seufz, mal sehen.

    Schön mit Euch hier im Forum Menschen zu haben, die diese Pflegesituation mit Demenzkranken einfach besser verstehen. Freunde können das meist nicht glauben, was da so abgeht.


    Liebe Grüße

    Albatross

  • Mit Pflegegrad 4 den Alltag nur mit ambulanter Pflege zu meistern, halte ich für sportlich! Den Vollzeitjob, den Du beschreibst: Arzttermine, Organisation, schriftliche Angelegenheiten, Therapietermine, Maniküre, Pediküre, Friseur etc. kenne ich auch und weiß, wie kräftezehrend das ist…


    Eigentlich sollte sich mit dem Pflegedienst und dem Waschen/Duschen eine Routine ergeben - ohne dass gefragt wird „Möchtest Du jetzt gewaschen werden“ (unsere amb. Pflegerinnen haben meine Mama geduzt). Stattdessen lieber „Komm‘, wir gehen ins Bad zur Katzenwäsche/Duschen“. Nachdem Du wiederholt das Problem angesprochen hast, offenbar ohne Erfolg, würde ich in Erwägung ziehen, den Pflegedienst zu wechseln. Was wird denn abgerechnet, wenn da „große Morgentoilette“ steht und die Pflegerin nach fünf Minuten schon wieder aus der Tür ist, wenn Deine Mutter erklärt, sie wäscht sich selber???

  • Mal eine neugierige Frage: Ich stelle fest, dass fast alle Forist*innen wie aus der Pistole geschossen zu einem Umzug ins Pflegeheim raten, wenn sich jemand meldet, der Fragen zur häuslichen Pflege hat. Gibt es hier überhaupt Menschen, die er Pflege Demenzkranker zu Hause positiv gegenüber stehen?

  • Hinz, pflegst du zuhause? Klappt das alles gut? Deine Erfahrungen sind hier sehr interessant und willkommen.

    Ja, ich betreue meine Mutter, 87, seit 4 Jahren bei ihr zu Hause Tag und Nacht, wobei mich mein Bruder zweimal pro Woche für einige Stunden ablöst. Ich habe das in anderen Threads schon mal kurz erwähnt. Meine Mutter hat seit einem postoperativen bzw. posttraumatischen Delir einen massivst beeinträchtigten Orientierungssinn, ihr Gedächtnis ist ebenfalls sehr unzuverlässig, abhängig von Tagesform, Tageszeit und Befinden. Zudem ist sie weitgehend immobil. All dies ist ihr nicht ständig bewusst, Neglect heißt das Phänomen, was bedeutet, dass man gut auf sie aufpassen muss. Mit dem Delir traten über Nacht Wesensveränderungen auf und besserten sich nicht, was bedeutet, dass sie eine extrem kurze Lunte hat und, für Außenstehende kaum berechenbar, in Sekunden von einer liebreizenden alten Dame zur Furie werden kann. Auslöser hierfür sind neuropathische Schmerzen, die durch Medikamente zwar in ihrer Häufigkeit, aber nicht in der Heftigkeit reduziert werden konnten. Ihre Artikulationsfähigkeit, Wortschatz und Grammatik sind voll erhalten, die dementiellen Veränderungen sind in den 4 Jahren weitgehend unverändert geblieben. Einen Pflegedienst haben wir nicht, sie hat Pflegegrad 3 und mit den täglichen Problemen und meiner Verfassung werde ich diesen Thread jetzt nicht kapern. Nur soviel: Es gibt wunderschöne und fürchterliche Tage - und es gibt leider viele schlafarme Nächte.

  • Nachdem Du wiederholt das Problem angesprochen hast, offenbar ohne Erfolg, würde ich in Erwägung ziehen, den Pflegedienst zu wechseln.

    Das habe ich getan, auch weil der erste Pflegedienst in vielerlei Hinsicht unzuverlässig war - Tabletten vergessen, Tabletten um 9 Uhr gegeben und die nächste Portion um 11 Uhr, obwohl bei Schmerzmittel ca. 6h dazwischen liegen sollten, Schlüssel vergessen, Abrechnung falsch zu unseren Ungunsten etc.

    Was jetzt im neuen Pflegedienst grundsätzlich besser ist aber die Fragen kommen zum Teil immer noch, obwohl ich schon bei der ersten Kontaktaufnahme und bei allen Gesprächen danach betont habe, wie wichtig das für mich ist.

    Ich glaube inzwischen, dass meine Mutter noch relativ gut kommunizieren kann, täuscht viele Menschen massiv über ihre weiteren Kompetenzen.

    Sie kann kein Telefon mehr bedienen, keinen Kaffee kochen, sich im Kühlschrank zurecht finden, das sich wettergerecht und auch überhaupt anziehen ist nur wechselhaft vorhanden....

    Ihr Orientierung ist außerhalb der Wohnung weg, die Biographie ist weitestgehend weg, auch die zeitliche Orientierung - also insgesamt schwierig.

    Ich denke mir, Ihr alle könnt Euch vorstellen, wo es so hapert.

    Was wird denn abgerechnet, wenn da „große Morgentoilette“ steht und die Pflegerin nach fünf Minuten schon wieder aus der Tür ist, wenn Deine Mutter erklärt, sie wäscht sich selber???

    Da wird immer abgerechnet, was geplant war. Denn wenn die Einsätze nicht 24h vorher abgesagt oder geändert werden, muss der geplante Einsatz bezahlt werden. Auch das ist, so berechtigt bzw. verständlich, eben auch ärgerlich.

    Der Betrag für die Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 4 gibt halt nicht 5 oder mehr Wasch-/Duschversuche extra pro Woche her.


    Mit Pflegegrad 4 den Alltag nur mit ambulanter Pflege zu meistern, halte ich für sportlich! Den Vollzeitjob, den Du beschreibst: Arzttermine, Organisation, schriftliche Angelegenheiten, Therapietermine, Maniküre, Pediküre, Friseur etc. kenne ich auch und weiß, wie kräftezehrend das ist…

    Exakt!!!

  • Da wird immer abgerechnet, was geplant war. Denn wenn die Einsätze nicht 24h vorher abgesagt oder geändert werden, muss der geplante Einsatz bezahlt werden.

    Dann macht die Frage „Möchten Sie etwa, dass ich Sie jetzt auch noch dusche???“ im Hinblick auf einen früheren Feierabend bzw. Rauchpause der ambulanten Pflegekraft ja durchaus Sinn 😉

  • Gibt es hier überhaupt Menschen, die er Pflege Demenzkranker zu Hause positiv gegenüber stehen?

    Tue ich, sonst würde ich nicht tun, was ich tue.

    Die Pflege ist, auch wenn der Kranke nicht außergewöhnlich anspruchsvoll durch die Demenz wird, wie molli bemerkte, kräftezehrend. Und an viel zu vielen Tagen geht es nur um meine Mutter, mein Kopf ist genau genommen nie frei von ihr. Das finde ich so schon tendenziell ungesund und sie ist nicht außergewöhnlich anspruchsvoll.

    Ich hatte gehofft mit dem Pflegedienst eine Erleichterung für meine Mutter und mich zu ermöglichen. Denn dann müßte ich nicht so viel um sie herum sein, ihr Leben nicht in jedem Punkt beeinflussen. Sie hat es durchaus sehr gern, wenn man sie betüddelt. Aber eben nicht immer nur ich, das gibt Reibungsverluste ;).


    und mit den täglichen Problemen und meiner Verfassung werde ich diesen Thread jetzt nicht kapern

    Das ist kein kapern. Wenn du magst, bist Du selbstverständlich willkommen, auch in diesem Thread zu erzählen. Ich denke, ich kann (also bezogen darauf, dass ich den Thread erstellt habe) von dir und allen, die schreiben wollen, nur profitieren.

    Es gibt keine perfekte Lösung zum perfekten Zeitpunkt. Und Ihr könntet mit Euren Erfahrungen helfen, eine gute oder gangbare zu finden.

  • Buchenberg

    Könntest Du mir noch mal sagen, was mit Duschtoilette gemeint ist? Ein Bidet oder so eine z.B. aus Japan stammende Supertoilette mit allem drum und dran?

    Duschtoilette kommt ursprünglich aus Japan. Gibt es ab 1000 Euro. Spült ab wie unsere Toiletten, hat aber per Fernbedienung (Touch-Feld an der Wand) einen Wasserstrahl, der den Po spült. Gibt es auch zusätzlich mit Bidetfunktion für Damen. Der Spülstrahl schaltet sich selber ab, dann bläst noch ein Wind trocken.
    Alle Funktionen laufen nur, wenn jemand auf dem Toilettenring sitzt und schalten sofort ab, sobald man von der Toilette aufsteht. Das ist narrensicher. Unsere beide Dementen haben das genossen. Für die Pflegenden ist das eine große Erleichterung. Natürlich ist das auch Komfort für uns Gesunde.

    Gruß Buchenberg

    Einmal editiert, zuletzt von Buchenberg ()

  • Buchenberg

    Danke für den Hinweis. Das werde ich überlegen. Stelle ich mir toll vor.

    Kennt jemand von Euch den Film "Der Prinz von Zamunda" mit E. Murphy?

    Am Anfang wird er morgens ganzkörpergewaschen und eine der Frauen sagt: "Der kleine Prinz ist jetzt sauber!" An die Szene muss ich bei den Toiletten denken :) ;) Luxus!

  • Hinz - ich stehe der Sache durchaus positiv gegenüber. ABER viele Pflegende gehen zu weit über die eigenen Grenzen. Geben sich völlig auf und gehen gesundheitlich vor die Hunde. Und das in einem Kampf, den man nicht gewinnen kann. In unserer Nachbarschaft gingen darüber auch Ehen kaputt. Ist es das dann Wert, an der häuslichen Pflege festzuhalten?


    Und viel zu oft hört man " man schiebt doch niemanden ins Heim ab". Ich glaube niemand hier, hat sich das einfach gemacht. Aber oft ist es die Lösung für mehr Lebensqualität für beide Seiten.


    Und auch oft profitieren die zu Pflegenden auch von einem Heim. Es wird professionell gepflegt und die Angehörigen haben die Zeit, qualitative Zeit mit dem zu Pflegenden zu verbringen. Und die Ansprache in einem guten Heim ist eine andere. Wenn ich überlege, was in dem Heim meiner Schwiegermutter alles angeboten wurde, das war toll. Und zu Hause? Fernsehen, Zeitung. Das war es.

  • Hinz: hier im Forum ist ein Pool von Menschen, die ihre demenzkranken Angehörigen zunächst zuhause betreut haben, ob nah oder fern, die daran selbst psychisch oder physisch krank geworden sind oder zumindest am Rande davon und hier wird eben niemand abgewertet oder gar verurteilt, der als Konsequenz die stationäre Pflege im Heim überlegt oder bereits in Auftrag gegeben hat. Ich denke, die Pflegenden, die es Zuhause hinbekommen, suchen hier weniger den Austausch, weil nicht notwendig. Daher mag hier für dich ein "gefärbter" Eindruck entstehen.

    Viele hier holen sich hier auch Zuspruch, dass sie kein schlechter Mensch sind, weil sie die Betreuung irgendwann nicht mehr hinbekommen. Ich habe hier noch von niemandem gelesen, der/die die Entscheidung für Pflegeheim konfliktlos hinbekommen hat.


    Es freut mich für dich, wenn du/ihr es mit der häuslichen Pflege noch hinbekommt, wichtig: beides ist letztendlich eine Entscheidung, also den Zustand belassen oder ändern, da wir alle hier erwachsen sind.

    Liebe Grüße

  • hier im Forum ist ein Pool von Menschen, die ihre demenzkranken Angehörigen zunächst zuhause betreut haben, ob nah oder fern, die daran selbst psychisch oder physisch krank geworden sind oder zumindest am Rande davon und hier wird eben niemand abgewertet oder gar verurteilt, der als Konsequenz die stationäre Pflege im Heim überlegt oder bereits in Auftrag gegeben hat.

    Hast du den Eindruck, ich hätte jemand*frau abgewertet, die oder der ihre Angehörigigen in stationäre Pflege gegeben hat? Wie käme ich dazu? Das steht doch niemandem zu.


    Entschuldigung. Ich habe dieses Forum vor Kurzem erst entdeckt und mich von der Überschrift "Ratgeberforum Alltag, Pflege und Betreuung" angesprochen gefühlt. Vielleicht waren meine Erwartungen einfach falsch. Ich dachte an Tipps, wie der Alltag bei der Betreuung und Pflege von Demenzkranken leichter zu bewältigen ist. @Buchenbergs Tipp mit der japanischen Toilette ist so ein Beispiel.

  • mein Kopf ist genau genommen nie frei von ihr. Das finde ich so schon tendenziell ungesund und sie ist nicht außergewöhnlich anspruchsvoll.

    Ich hatte gehofft mit dem Pflegedienst eine Erleichterung für meine Mutter und mich zu ermöglichen. Denn dann müßte ich nicht so viel um sie herum sein, ihr Leben nicht in jedem Punkt beeinflussen. Sie hat es durchaus sehr gern, wenn man sie betüddelt.

    Das geht mir genauso. Ob es ungesund ist? Sicher ist es ungesund, das eigene Berufs- und Privatleben drastisch zu reduzieren, Schlafmangel ist ungesund und körperliche Pflege, wenn man sie nicht profimäßig betreibt, ist auch belastend und es ist auch nicht jedermanns/fraus Sache, ständig mit Körperausscheidungen zu tun zu haben. Andererseits wird von jungen Eltern auch erwartet, dass sie Tag und Nacht in Alarmbereitschaft sind, Exkremente zu entsorgen und ihr Außerhaus-Leben völlig unterzuordnen, ganz besonders war das in der Generation meiner Mutter der Fall.


    Einen Pflegedienst beschäftigen wir nicht. Aus dem einfachen Grund, dass die Grundpflege (noch) ganz gut klappt. Meine Mutter wäscht sich nach Anreichen der Utensilien weitgegend selbst und die Stellen, an die sie nicht drankommt, wasche ich. Das habe ich durchgesetzt. Was würde ein Pflegedienst nützen? Er wäscht meine Mutter und gleich nach dem Frühstück geht was in die Buxe, und dann ist die Pflegekraft über alle Berge.

  • Ich möchte mich Rose60 anschließen. Ich selbst bin auch noch nicht lange hier, hab schon vieles gelesen und viele gute Meinungen und Tipps erhalten.

    Ich hab auf jeden Fall eine große Achtung vor dir, dass du deine Mutter zu Hause pflegst! Sicher gibt es auch bei dir Höhen und Tiefen und solange du für dich/euch entscheidest, dass die Situation so okay ist, dann ist es auch völlig in Ordnung. Viele verschiedene persönliche Umstände sind bei jedem von uns letztendlich Grund für Entscheidungen für die Pflege der dementen Eltern.

    Vielleicht gehört deine Mutter zum Kreis der glücklichen, fröhlichen Dementen, was die ganze Sache meiner Meinung nach nicht noch schwieriger macht.

    Leider ist das nicht in jedem Fall so. Ich kann nur von mir sprechen, aber letztendlich musste eine Entscheidung her, da die Situation mit meiner Mutter zu Hause nicht mehr zu verantworten war. Auch hier spielten schon andere Voraussetzungen eine große Rolle. Ich bin nicht in ihrer Nähe und kann schnell helfen oder mich permanent um sie kümmern. Trotzdem hab ich jetzt noch manchmal dran zu knabbern, sie aus ihrem zu Hause genommen zu haben. Sie lebt nicht im Heim, sondern im betreuten Wohnen. Wir haben ihr eine wunderschöne eigene Wohnung eingerichtet und sie wird gut betreut und gepflegt. Leider erkennt sie das selbst nicht so gut und ich werde dafür schuldig gesprochen.

    Wie wir wissen, gibt es keine Verbesserung des Gesundheitszustandes bei Demenz. Ich bin mir jedoch sicher, dass du hier auch für die Pflege zu Hause noch sehr hilfreiche Tipps und Anregungen erhalten kannst. Du kannst deine Fragen bedenkenlos stellen. Irgend jemand kann bestimmt helfen.

    Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Kraft, gute Nerven und alles Liebe für die nächste Zeit.

    Verliere dich aber selbst nicht aus den Augen!


    Liebe Grüße

    Stern

  • Hallo Hinz,


    diese ganze Pflegethematik ist ein Prozess. Die Angehörigen befinden sich oft in ganz verschiedenen Stadien der Demenz. Ich habe auch lange zu Hause gepflegt das hat meines erachtens relativ gut geklappt, Heimunterbringung wollte ich eigentlich nicht hören. Was ich halt nicht bemerkt habe wie ich Woche für Woche immer mehr ausgebrannt bin und irgendwann der Punkt erreicht war wo es nicht mehr ging.


    Das ist ja das tückische bei der Demenz, es kann lange Zeit gut gehen es kann aber auch sein das beim Frühstück noch "alles in Ordnung" ist und zum Mittagessen hat man einen Schwertstpflegefall zu Hause. Ich habe das genau so erlebt, Vater leicht dement und voll selbstständig am Morgen -> Herzrythmusstörungen, Synkopen, völlig unselbstständiger Pflegefall am Abend den man nicht länger als 5-10 Minuten allein lassen konnte.



    Viele habe hier teils sehr lange Leidenswege hinter sich und befinden sich in anderen Phasen der Pflege und viele mussten erleben das bestimmte Punkte kommen (können).

    Ich habe die Pflege z.b. jetzt schon fast ein Jahr "hinter mir". Da hat sich mein Blick auf die letzten Jahre nochmals ganz massiv gewandelt. Ich sehe heute manche Sachen kritischer die ich, in guter Absicht, mir selbst und meinem Vater "angetan" bzw. durchmachen haben lassen. Ein Tunnelblick während der Pflegezeit weil sich mein ganzes Leben ausschließlich um die Pflege gedreht hat.


    Ich glaube auch nicht das ein Heim hier als "Allheilmittel" propagiert wird. Das ist es nämlich auch nicht und es ist auch keineswegs so das man nach dem Heimumzug "Ruhe von dem Thema" hat. Persönlich bei mir war es eher das Gegenteil. Was aber ratsam ist, sich in den Einrichtungen die es vor Ort gibt umzusehen und sich einen Plan B zuzulegen. Braucht man ihn nicht ist das wunderbar, braucht man ihn doch ist man froh bereits etwas "Vorarbeit" geleistet zu haben.


    Du schreibst einen Pflegedienst habt ihr nicht (hatte ich auch nicht), dafür war mein Vater in der Tagespflege. Es geht dabei auch darum an Fremdpflege zu gewöhnen (bei der Pflegeperson aber auch bei einem selbst). Das macht Übergänge, sollten Sie notwendig sein, ein wenig einfacher.


    Ansonsten, nutze diese Forum, schreibe wie es dir geht. Die Leute hier verstehen dich besser als du vielleicht meinst.

  • Hallo,

    Ich fand persönlich

    ..... alle raten "wie aus der Pistole geschossen" zur Heimpflege ...


    ... nicht so sehr freundlich.

    Geht mir genauso, ich fand das schon ein bisschen wertend. Jeder hier hat seine ganz eigene Geschichte und ich habe hier ausnahmslos nur Leute kennengelernt, die sich die allergrößte Mühe geben. Selbst wenn man einen Angehörigen im Pflegeheim unterbringt, heißt das ja nicht, dass man aufhört, sich zu kümmern.

    LG, SunnyBee

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