Umgang mit Pflegedienst und co

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  • Andererseits wird von jungen Eltern auch erwartet, dass sie Tag und Nacht in Alarmbereitschaft sind, Exkremente zu entsorgen und ihr Außerhaus-Leben völlig unterzuordnen, ganz besonders war das in der Generation meiner Mutter der Fall.

    Hallo Hinz,

    ich habe zwei inzwischen erwachsene Kinder und glaube, Kinderbetreuung mit Pflegebetreuung ein wenig vergleichen zu können.

    Wenn mein Kind im Entdeckerdrang die Steckdosen erforschen will, dann kann/muss ich die sperren/schützen und mein Kind je nach Alter abhalten durch Wort und/oder Tat.

    Wenn aber der Respekt vor einer erwachsenen, pflegebedürftigen Person zwar das Abschalten des Ofens ermöglicht, bleiben dennoch die vielen Dinge, die ein Erwachsener kann/will/gewohnt ist, die bei einem kleinen Kind noch nicht zum Tragen kommen. Und das über viele Jahre bis die Demenz soweit fortgeschritten ist, dass er zu solchen vielfältigen Willensäußerungen nicht mehr in der Lage ist. Ich finde, dass ist schon ein erheblicher Unterschied.

    Einen Pflegedienst beschäftigen wir nicht. Aus dem einfachen Grund, dass die Grundpflege (noch) ganz gut klappt. Meine Mutter wäscht sich nach Anreichen der Utensilien weitgegend selbst und die Stellen, an die sie nicht drankommt, wasche ich. Das habe ich durchgesetzt. Was würde ein Pflegedienst nützen? Er wäscht meine Mutter und gleich nach dem Frühstück geht was in die Buxe, und dann ist die Pflegekraft über alle Berge.

    Die Grundpflege geht bei meiner Mutter nicht mehr "ganz gut". Sie ist entweder aus körperlichen oder aus dementiellen Gründen auf engmaschige Hilfe angewiesen.

    Außerdem ich lebe ca. 30 Wegminuten von ihr entfernt. Und verbringe schon viele Stunden bei ihr. Ich kann sie nicht von morgens um 7 bis abends 22 Uhr umsorgen, dann hätte ich nicht einmal mehr ein Restleben.

    Stimmt, morgens waschen und dann ist der Pfleger weg. Aber er war da.

    So muss sie nur 1-2 h auf eine Hilfe warten. Wenn ich manchmal erst am Spätnachmittag gehe, kommt die Pflegekraft eben abends und sie muss nicht bis nächsten Vormittag warten.

    Tabletten das Gleiche, ohne Gabe geht nicht mehr (kommt nicht mit Zeiten usw. zurecht), auch weil sie Schluckstörungen hat.


    Meine Mutter fühlt sich auch vom Pflegedienst nicht so in ihrer Intimität verletzt wie von mir oder meiner Familie.

    Und es bleibt mehr Qualitätszeit und nicht nur das Abarbeiten der Pflichten.


    Liebe Grüße

    Albatross

  • Wir alle haben das Recht und die Pflicht für uns selbst zu sorgen. Ohne Selbstfürsorge kann ich nicht für Kinder, Partner oder Eltern sorgen. Denn ist mein Körper krank/kaputt, habe ich nicht die körperliche Kraft für andere zu sorgen und ist meine Seele krank oder überlastet, dann kann ich wahrscheinlich nicht gut nachdenken und keine guten Entscheidungen treffen.

    Wer im Stress ist, macht Fehler!


    Das Pflegeheim ist für viele, besonders hier im Forum zu lesen, oft die letzte, lang hinausgezögerte Alternative.

    Jedenfalls in den Aussagen, die ich hier gelesen habe.


    Sehr häufig wird das Heim nur als Horror und das Abgeben als ein Abschieben dargestellt, das man macht, um Party zu feiern und sich nicht "die Nägel zu ruinieren". Das sagen oft genau die, die niemanden pflegen.

    Davon bleibt man vielleicht doch nicht unberührt. Und urteilt dann so, ohne sich dessen bewusst zu sein.


    Entschuldigung aber: Diese Krankheit ist einfach Sch......

    Liebe Grüße

    Albatross

  • Hinz : ich habe nicht behauptet, dass du jemanden abgewertet hast, sondern habe den Umgang im Forum beschrieben. Du hast dich gewundert über schnelle Empfehlung für Pflegeheim innerhalb dieses Threads,in dem es um Pflegedienst für häusliche Pflege geht...

    Du hast auch die Möglichkeit, ein eigenes Thema mit deinen Fragen zu eröffnen, dafür ist das Forum ja gedacht😉 das wäre kein "kapern", sondern dein gutes Recht

    Liebe Grüße

  • Liebe alle -


    ich gebe allen recht, die sagen, Heim ist kein Allheilmittel. Aber es gibt Mitglieder im Forum, für die es keine andere Option ist. Ich habe Hochachtung für jeden, der ein oder beide Elternteile oder Schwiegereltern pflegt.

    Ich kann mich zum Thema Heim selbst als Beispiel nehmen: voll berufstätig ohne Partner, konnte ich nicht einfach auf Vollzeit-Pflege meiner Mutter "umsteigen". Ich muss für mich selbst vorsorgen, sonst bin ich später ggf. ein Sozialfall. Und hinzu kommt, dass meine Mutter extrem bösartig war. Muss ich mich psychisch und physisch fertigmachen lassen, weil es sich um meine Mutter handelt? Mich beleidigen, mit Dingen bewerfen lassen? Mein Leben komplett vergessen. Ich denke nicht.

    Für mich hinkt der Vergleich mit den jungen Eltern und ihrer Pflege um ihre Kinder auch ein wenig. Denn die meisten Eltern entscheiden sich bewusst für ein Kind. Wir haben uns alle nicht bewusst dafür entschieden, dass wir Eltern mit Demenz bekommen und uns kümmern müssen.

  • Den letzten Satz möchte ich nochmal aufgreifen.


    Bei Kindern, Ausnahmen sind leider Kinder mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen, begleite ich in ein eigenständiges Leben. Kinder lernen, entwickeln sich, bekommen Flügel und wir geben ihnen Rückhalt. wir wissen vorher, diese Zeit dauert vielleicht 18 Jahre - aber bereits nach wenigen Jahren steigert sich die Selbständigkeit der Kinder. Und Eltern sind dann meist noch jung und haben die Reserven, auch mal anstrengende Zeiten zu überstehen. Menschen mit Demenz entwickeln sich rückläufig. Vieles ist ein Kampf, den wir nicht gewinnen können. Viele Kinder sind dann selber entweder auch schon älter und die Gesundheit ist nicht mehr zu 100% gegeben oder sie stehen noch im Berufsleben und können nicht einfach aussteigen. Auch können Menschen mit Demenz sehr alt werden. Die Mutter meines Lieblingsonkels ist fast 100 Jahre alt geworden. Davon hat sie fast 20 Jahre in einem Demenz-Heim verbracht. Das darf man auch nicht vergessen. Und was ich oft im Heim bei Schwiegermutter erlebt habe - die dementen Menschen waren es nicht gewohnt, dass auch andere Menschen sich um sie kümmern. Das war oft ein Problem, weil die Pfleger abgelehnt wurden und die Kinder immerzu für alles kommen sollten. Eine Pflegerin sagte mir, dass sie deshalb niemals einen alten Menschen auf "sich prägen". Es wäre einfach unfair, weil es dann für alle Beteiligten noch schwerer ist.


    Ich denke dieser Vergleich funktioniert einfach nicht.

  • schwarzerkater

    Wenn "wie aus der Pistole geschossen" war nicht abwertend gemeint. Die Redewendung bedeutet "prompt". Negativ konnotiert ist sie meines Wissens nicht. Tja, so ist die Wahrnehmung unterschiedlich. Ich fühle mich unter Rechtfertigungsdruck, weil ich an der Pflege zu Hause festhalte, "so lange es geht", wie ich bereits mehrfach sagte, was beinhaltet, dass der Tag kommen kann, an dem es nicht mehr geht und ich das körperlich nicht mehr schaffe. Dafür muss sich nicht mal der Zustand meiner Mutter verschlechtern. Es reicht, wenn ich selbst von der Leiter falle und mir was breche. Dann ist sogleich Kurzzeitpflege dran, denn mein Bruder kann eine 7/24-Pflege nicht leisten.



    Sehr häufig wird das Heim nur als Horror und das Abgeben als ein Abschieben dargestellt, das man macht, um Party zu feiern und sich nicht "die Nägel zu ruinieren". Das sagen oft genau die, die niemanden pflegen.

    Davon bleibt man vielleicht doch nicht unberührt. Und urteilt dann so, ohne sich dessen bewusst zu sein.

    Menschen, die selbst nie mit Pflege zu tun hatten, können kein qualifiziertes Urteil abgeben.

    Da hat sich mein Blick auf die letzten Jahre nochmals ganz massiv gewandelt. Ich sehe heute manche Sachen kritischer die ich, in guter Absicht, mir selbst und meinem Vater "angetan" bzw. durchmachen haben lassen. Ein Tunnelblick während der Pflegezeit weil sich mein ganzes Leben ausschließlich um die Pflege gedreht hat.

    Natürlich dominiert die Pflegesituation, wenn man kaum Zeit für andere Dinge hat. Vor allem, wenn bei mir, durchschnittlich jede dritte Nacht schlafarm ist, weil meine Mutter Schmerzattacken hat oder Albträume oder das Bett verlässt, weil sie aufs Klo muss und eine psychische Sperre gegen Windeln hat. Meine Mutter ist nicht meine erste Pflegeerfahrung; ich habe vor gut 20 Jahren meine Oma vier Jahre lang betreut, zunächst mit fast täglichem Feierabendpendeln von 150 km, dann von Donnerstagabend oder Freitag bis Montagmorgen durchgehend. Der große Unterschied war, meine Oma war zwar zeitweise schwer depressiv, aber nie dement. Zudem war unser Verhältnis völlig frei von Altlasten, wie das zwischen Großeltern und Enkeln oft der Fall ist, aber so gut wie nie zwischen Eltern und Kindern. Von daher ist meine Mutter mit ihrer Demenz, Unbeherrschtheit, ihren Schmerzattacken ein ganz anderes Kaliber. An Tagespflege denke ich auch. Das Dumme dabei ist, dass sie nicht will und dass ich nicht viel davon hätte, weil meine Freunde und Bekannten genau dann von der Arbeit kommen, wenn die Tagespflege zumacht.

  • Hinz

    Alle haben offenbar Rechtfertigungsdruck: Die zu Hause pflegen und die ihre Angehörigen in ein Heim geben (müssen).

    Wichtig ist doch nach allem Überlegen, dass es eine für beide Seiten angemessene und zu rechtfertigende Entscheidung ist.

    Die Demenz stellt uns vor diese extremen Herausforderungen, wobei ohne Zauberstab und Magie an der Existenz der Krankheit nix zu machen ist. Einen tollen, guten, wünschenswerten Weg - also Gesundheit - gibt's dann nicht mehr.


    Wenn Deine Mutter nicht will, kannst Du sie (noch?) nicht in die Tagespflege geben. Dennoch:

    Die Tagespflege kann manchmal die Nächte entspannter werden lassen, weil der Tag abwechslungsreich, lustig und vielleicht auch ein bisschen anstrengend war. Oder einfach nicht immer der gleiche Tagesablauf für die Pflegebedürftigen.


    Auch mal tagsüber Schlaf nachholen, Dinge tun, die einfach nur Spaß machen sollen, Sport machen o.ä. könnte Dir doch helfen, auch wenn Du keine Freunde treffen kannst.


    Pflegepersonen brauchen auch Pflege. Selbstpflege.


    Liebe Grüße

    Albatross

  • Zu Deiner Ausgangsfrage Albatross wie man es mit der Unterschrift hält: Wir mussten kürzlich einen neuen Personalausweis beantragen. Mit Muttern im Bürgerbüro: war lustig - alle Mitarbeiter und die anderen Wartenden waren nett und freundlich. Meine Mutter hat mit meiner Hilfe (ich musste nur buchstabieren) dort tatsächlich ihren neuen Perso auf diesem flachen Monitor auf dem vorgegebenen Feld unterschrieben. Das war nur möglich, weil sie das regelmäßig „übt“: beim Unterzeichnen von Leistungsnachweisen z. B. bei der Ergotherapie. Fragt man sie dagegen nach ihrem Namen: „Weiß ich nicht…“

    Ansonsten regle ich schriftliche Sachen, z. B. Versicherung kündigen etc., mit Hilfe der Vorsorgevollmacht. Da unterschreibe ich dann mit dem Zusatz „i. V.“.

    Theoretisch kann jeder, der möchte, mit meiner Mutter zum Notar und sie einen Schenkungsvertrag über ihr gesamtes Vermögen unterschreiben lassen. Wenn der Notar und der Beschenkte gut befreundet sind, braucht es nicht viel: der Notar beruft sich auf einen „wachen Moment“. So geschehen bei meiner Großmutter (dement), die bei ihrem ältesten Sohn lebte, der dann den Kontakt zu ihren übrigen Kindern und Enkeln komplett unterbunden hat und mit Hilfe eines befreundeten Notars meine Oma veranlasst hat, ein entsprechendes Testament zu seinen Gunsten aufzusetzen. Der sich vor und nach dem Tod meiner Oma entwickelte Gerichtsprozeß war lang und teuer und führte für die enterbten Kinder nicht zum „Erfolg“. Der Onkel bekam alles. Aber er lebte danach nicht mehr sehr lange und starb infolge eines Unfalls. Ihm war von daher langfristig kein Glück beschieden…

    Einmal editiert, zuletzt von molli ()

  • Es ist wunderbar, dass es bei euch noch so gut zu Hause klappt. Ihr seid sicher ein eingespieltes Team - das ist ein großes Geschenk ... und was du für deine Mutter tust, ist großartig!!!

    Vielen Dank! Es klappt leider nicht jeden Tag gut. Klare Tage wechseln sich mit verwirrten Tagen ab. Heute ist nach vier guten ein fürchterlicher. Schmerzen führen zu Unsicherheit und Angst und die führen zu Garstigkeit. Mal sehen, wie's gleich mit dem Fernsehkrimi klappt.

  • molli

    Deine Aussagen stimmen natürlich. Manche Dinge, wie das Beispiel mit Deinem Onkel und Deiner Oma zeigt, kann man nicht verhindern. Meine Devise ist in dieser Hinsicht:

    Ich möchte die Tür zum Tresor nicht auf lassen, nur weil es mit Sicherheit irgendwo einen fähigen Panzerknacker gibt.

    Also versuche ich meine Mutter so gut wie möglich zu schützen, sodass sie ihr Leben noch mit einem kleinen, netten Komfort ohne allzu viel Ärger genießen kann.

    Wenn mir die Aufwand zu groß würde, weil die "Verwaltung" ihres Lebens überbordende Ausmaße annähme, wäre sie mit einem gerichtlich bestellten Betreuer bestenfalls gleich gut aufgestellt.

    Wie ich so mitbekomme, leider nicht selten schlechter oder gar grausig schlecht gestellt. Stichwort Überlastung, Inkompetenz und/oder Gleichgültigkeit.

    ich versuche halt mein Bestes. Ob es klappt, werde ich hinterher wissen.

  • Auf der anderen Seite hatten wir bei schlechten Tagen, Stunden, Minuten immer die Hoffnung, dass die schwarzen Wolken sich auch wieder lichten können.

    Nach mehr als vier Jahren habe ich keine Hoffnung, dass sich die "Demenz unklarer Genese" meiner Mutter zurückbildet, obwohl man uns wegen des plötzlichen Beginns nach einer Operation zunächst Hoffnung gemacht hatte. Seither ist ihre Demenz eine Wundertüte: "ich hatte dir ja heute Morgen gesagt, der Fleck auf meiner Hose stört mich nicht, aber jetzt möchte ich doch, dass sie gewaschen wird" bis hin zu "bist du mein Sohn oder mein Bruder?", das ist die Bandbreite. Verändert hat sich das in der ganzen Zeit nicht nennenswert.

  • Und so ging das Tag für Tag. Demenz ist wirklich eine der furchtbarsten Erkrankungen, die ich kenne.

    So ist es leider. Und weil es tendenziell bergab geht, ist es nicht einfach sich als Pflegende*r jeden Tag neu zu motivieren. Ich freue mich über die schönen Erlebnisse, die es immer noch gibt und versuche die Verwirrtheit und die Grobheiten nicht an mich ranzulassen oder ihnen durch Ablenken und "humorisieren" die Luft rauszulassen. Klappt leider nicht immer.

  • Klappt leider nicht immer.

    Klappt bei mir im Laufe der Zeit einfach immer seltener. Ich fühle mich ausgemergelt, wie Teig der viel zu dünn ausgewalzt wird.

    Deshalb merke ich, dass auch meine Lunte in allem einfach kürzer wird, eigentlich einfache Aufgeben erscheinen mir schwer zu bewältigen.

    Und immer wenn meine Mutter ihre depressiven Momente hat, gerate ich ins Rudern.

    Ich fange an, das Pflegeheim als einzigen gangbaren Weg zu sehen.

  • Irgendwann war der Zeitpunkt da, dass es ihr auffiel, weil wir zu sehr in ihre Intimsphäre und in ihr gefühlt selbstbestimmtes Leben eindrangen (eindringen mussten). Das hat sie nicht akzeptieren können. Und ich spreche da nicht von mangelnder Dankbarkeit, sondern von purer Ablehnung in allen Facetten.

    Ach, lieber Schwarzer Kater,


    krass, wie treffend Du das in Worte fasst, was mir auch mit meinen Eltern passiert ist. Dieses Zitat gehört dringend in die "Goldenen Worte" von Buchenberg.

    Dieser Realitätsverlust und die Konsequenzen aus der Aggression darüber ist ja eine Tragikomödie, die nur das Leben schreiben kann. Einem Autor würde man das nie glauben.


    "Alle Facetten" ist eine schöne Umschreibung für eine Katastrophe, die für diejenigen, die das noch nicht erlebt haben, vollkommen unfaßbar ist.

    Da blieb mir der Humor im Halse stecken ..., übrig blieb Panik, Depression und was es noch so alles an unschönen Gefühlsregungen gibt ...

    Mittlerweile (Nach 2,5 Jahren) habe ich meinen Humor wiedergefunden.

  • Der kommt und geht bei mir in Wellen ..., aber ich übe mich im Surfen auf den Wellenkämmen des Humors ... Jähe Abstürze sind nicht auszuschließen, aber es ist die Mühe wert, liebe Valentina.

    Liebe Schwarzer Kater,


    das wird immer besser, das muss ich mir merken! Ich hoffe, wir alle werden mal an der Weltmeisterschaft teilnehmen.


    Bitte, bitte schreib ein Buch darüber, Du hast einfach eine so tolle Schreibweise.

  • Ich fange an, das Pflegeheim als einzigen gangbaren Weg zu sehen.

    War Deine Mutter denn schon einmal in einem Pflegeheim, z. B. in der Kurzzeitpflege? Ihr könntet es doch ausprobieren, für 3 Wochen z. B.. Dann hättest Du etwas Luft zum Durchatmen und Deine Mutter wäre mal raus und „unter Menschen“. Und wenn die Zeit um ist, könnt ihr überlegen, ob es auf Dauer in Frage kommt oder ob ihr es zu Hause (vielleicht dann mit Tagespflege an fünf Tagen die Woche) noch einmal probieren wollt….

  • War Deine Mutter denn schon einmal in einem Pflegeheim, z. B. in der Kurzzeitpflege?

    Liebe molli,


    nein sie war noch nicht dort.

    Sie hat erst seit dem Herbst 23 einen Pflegegrad, weil sie vorher körperlich und geistig relativ "gut" drauf war. Dann ist sie schwer gestürzt und war 1 tag allein in ihrer Wohnung auf dem Boden. Sie hatte sich nicht verletzt aber der Tag ohne Essen und Trinken war nicht gut für Körper und Geist.

    Vorher hatte sie sich auch gegen jeden Verdacht, krank zu sein und Hilfe zu brauchen gewehrt. Trotz Diagnose, die sie schon mehrfach auch von Ärzten gesagt bekam.

    Versorgt haben wir sie ja nur, weil wir das so wollten. Sagte sie ernsthaft. Und weil sie sprachlich auch noch recht gut drauf war, konnte sie viele Menschen davon erfolgreich überzeugen. Fassadenverhalten in beispielhafter Exzellenz.


    Zur Tagespflege kann ich mich selber noch nicht überreden. Da arbeite ich seit ein paar Wochen dran, ich mache sogar Fortschritte.

    Weil ich nicht mit ihr zusammenwohne, müßte ich dann morgens und nochmal nachmittags für ein paar Stunden hin. Dort gewöhnt sie sich zwar an die Pflege im Heim - für mich ist es wegen der Fahrtzeiten eine zusätzliche Belastung.


    Hier in unserer Stadt ist es sehr schwer an einen Platz in einem Heim zu kommen, aktuell werden seit einiger Zeit Pflegeplätze abgebaut, ganze Stationen aufgelöst inclusive Kündigung der Bewohner wegen des schlimmen Personalmangels.

    Dafür gibt es mehr betreutes Wohnen. Im betreuten Wohnen wohnt meine Mutter ja schon, das ist also keine Alternative.


    Danke für Deine Ideen molli. Ich bleibe dran!


    Liebe Grüße

    Albatross

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde und danke wie Sie so deutlich gemacht haben, wie schwer es Ihnen gefallen ist, den Gedanken an ein Heim zunächst zuzulassen, dann ein gutes Heim zu finden, das Einleben zu gestalten und die vielen Probleme zu lösen usw.


    Wenn Sie, geschätzte Hinz, über die Jahre zurück lesen, bekommen Sie einen Eindruck, wie sehr und wie lange hier alle mit dem schlechten Gewissen gekämpft haben.


    Aber es ist wichtig, dass Sie die Frage gestellt haben. da es uns in diesem Forum darum geht, alle Fragen aufzunehmen und uns gegenseitig zu begleiten.


    Oft habe ich darum geworben, dass wir auch vom Ende her denken und ein Heim als PlanB rechtzeitig in Erwägung ziehen. Gerade wenn die Pflege abgelehnt wird und eine schwere Verletzung oder Erkrankung ein schnelles Handeln erforderlich macht. Je besser wir die Heime der Umgebung kennen, um so können wir entscheiden, wenn es - auch für einen Kurzzeitpflege - unvermeidlich ist.


    Im Mittelpunkt steht aber immer die gegenseitige Unterstützung in den oft so extremen Herausforderungen.

    Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Albatross, gern möchte ich Ihre konkrete Frage aufgreifen:


    Wie kann und sollte ein ambulanter Pflegedienst die Pflege sicherstellen, wenn sie oft abgelehnt wird?


    Es ist fachlich nicht korrekt, wenn eine Pflegekraft mit der Antwort eines Menschen mit Demenz oder Depressionen zufrieden ist, "ich habe mich schon gewaschen" und ein Risiko für eine Schädigung billigend in Kauf nimmt.


    Sie hat einen Beratungsauftrag und ist gehalten, unter Einbeziehung der Angehörigen die Pflege so zu planen, dass diese sichergestellt wird - im Rahmen ihrer "Einwirkungsmöglichkeiten" wie dies auch von den Prüfinstanzen gefordert und kontrolliert wird.


    Die Frage "Möchten Sie gewaschen werden" ist oft inkompetent, weil sich Menschen mit einer Demenz eigentlich immer selbst so wahrnehmen, dass sie sich gewaschen haben und dann die Hilfe ablehnen.


    Der Pflege-Expertenstandard Demenz verpflichtet die Pflegekraft dazu, eine Beziehung aufzubauen, in der eine Versorgung wahrscheinlich und erfolgversprechend ist.


    Das kann manchmal länger dauern und deshalb ist es wichtig, die Beobachtungen mit der Pflegedienstleitung zu besprechen und den Pflegeplan verbindlich festzulegen. "Schwarze Schafe" - ob bei Pflegekräften oder Leitungen - gibt es überall, deshalb bitte ich Sie nicht gleich das Vertrauen in die ambulante Pflege zu verlieren.


    Aber es ist wichtig, die Probleme anzusprechen. Manchmal braucht es viel Geduld, bis es bei einem großen Team endlich klappt, manchmal sind Beschwerden oder ein schneller Wechsel besser...


    Bewährt hat sich die Frage, die schon vorgeschlagen wurde: "... Herr/Frau... darf ich Sie ins Bad begleiten ... noch mal eine kleine Katzenwäsche (am besten die Worte des Menschen mit Demenz verwenden)


    Ganz entscheidend ist der Schritt davor, denn Menschen mit Demenz, die Hilfe ablehnen, müssen sich vor der Versorgung wohlfühlen - (während sonst gilt, sich nach der Pflege wohl zu fühlen). Nicht allen Pflegenden ist dieses Ziel bekannt.


    In der Pflegeplanung sollte alles so konkret wie möglich vereinbart werden, d.h.


    - Was ist zu tun, wenn die Pflege abgelehnt wird?

    - Wie kann ich die Abwehr umgehen, indem ich z.B. nur zu einem kleinen Spaziergang in der Wohnung einlade, der dann auf dem WC endet?

    - Welche Hilfsmittel sind möglich?

    - Was ist zu beachten, wenn eine Depression (auch neben der Demenz) besteht?

    - Wann kann ich ablenken, validieren, aushandeln, an ein Versprechen erinnern ... oder selbstverständliche Handlungsimpulse oder Initialberührungen geben, damit die Versorgung möglich wird.


    Klar ist natürlich, das jede Form von Zwang und Gewalt nicht erlaubt sind - aber es gibt bis dahin sehr sehr viele kompetente Handlungsmöglichkeiten. Hier hilft vielleicht der Blick in die Kindererziehung, in der heutzutage ja auch (fast) alle ohne Gewalt auskommen wollen und müssen.


    Soweit Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Hinz, ich möchte noch mal Ihre Beobachtung herausarbeiten, dass es dann schwieriger ist, wenn Ihre Mutter Schmerzen hat.


    Dies ist immer meine erste Frage bei herausforderndem Verhalten, denn Schmerzen sind besonders bei Menschen mit Demenz bei Ablehnung, Abwehr oder Verzweiflung eine Ursache oder Auslöser.


    Schön zu lesen, wie Sie sogenannte "nicht-medikamentöse Verfahren zur Schmerzbehandlung" nutzen - der fachliche Begriff, auch für eine ablenkende Fernsehsendung ...

    In der Regel sind die Hausärzte heute bereit, alles auszuschöpfen und z.B. Bedarfsmedikamenten können deutlich entspannen.


    Ganz viel Wert haben alte Hausmittel, Wickel, Einreibungen usw.

    Haben sie diesbezüglich Erfahrungen mit Ihrer Mutter sammeln können?

    Alles Gute Ihr Martin Hamborg

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