Umgang mit Pflegedienst und co

Datenschutzhinweis: Bitte achten Sie darauf, dass Sie im Forum keine persönlichen Daten von sich selbst oder von Dritten posten. Auch sollten Ihre Angaben keine Rückschlüsse auf Ihre Person zulassen.
  • Hallo Herr Hamburg,


    vielen Dank für Ihre Erklärungen. Es freut mich zu hören, dass ich mit meiner Sicht auf diese Frage nicht völlig daneben liege und von den Pflegern etwas Unerfüllbares verlange.

    In diesem Bewusstsein fühle ich mich gestärkt in der Kommunikation mit dem Pflegedienst.

    Wir hatten den Dienst auch wegen anderer Vorkommnisse gewechselt, diese Frage blieb auch auch beim neuen Dienst bei einigen Pflegern vorhanden.

    Gott sei Dank kann ich, weil Stadt, den Dienst leichter wechseln. Ich würde das auch jedem empfehlen, der das Gefühl entwickelt, dass man da nicht mehr so richtig reinen Tisch machen kann.


    Klar ist natürlich, das jede Form von Zwang und Gewalt nicht erlaubt sind - aber es gibt bis dahin sehr sehr viele kompetente Handlungsmöglichkeiten. Hier hilft vielleicht der Blick in die Kindererziehung, in der heutzutage ja auch (fast) alle ohne Gewalt auskommen wollen und müssen

    Das unterstütze ich ausdrücklich, Gewalt/Zwang ist nicht akzeptabel und hilft eben auch nicht weiter. Sie schrieben hier im Forum einmal so ungefähr, dass in einer bestimmten Phase der Demenz Diskussionen oder ein Nein der Pflegepersonen auf den dementen Menschen und sein ablehnenden Verhalten

    "strukturell stützend" wirkt. Das erlebe ich auch so. Wie eine Aufforderung zur Wiederholung des herausfordernden Verhaltens.

    Gewalt/Zwang ist auch in diesem Sinne ausschliesslich kontraproduktiv.


    Liebe Grüße

    Albatross

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Albatross

    Außerdem wehrt sie sich ja nicht gegen das Waschen, jedenfalls nicht indem sie es direkt ablehnt oder gar schimpft oder tätlich wird. Es ist nur die Aussage, sie hätte sich schon gewaschen. Wenn einzelne Pfleger einfach sagen, "Kommen Sie Frau XXXX, wir gehen jetzt ins Bad zum Waschen/Duschen!", dann kommt sie bereitwillig mit.

    Ich möchte gerne, auch wie molli schon betonte, dies verstärken. Ich halte das für verlangbar, von einem Pflegeprofi. Zu wissen, wie und wann ich meinen Kontakt anpassen muss an den Betroffenen. Zwang und Gewalt scheiden selbstverständlich aus und hier haben schon viele MitforistInnen Hilfreiches dazu gesagt.

    Es geht hier doch darum, dass man erkennen kann ob man Menschen entwender mit einer Fragestellung überfordert, und oder durch eine Frage schon ein Problem hineingibt (Scham z.B.; Zweifel an der eigenen Fähigkeit; Autonomiedefizit usw. usfrt.): "Möchten Sie vielleicht bitte bitte gerne.....?" .
    Mehr oder minder beiläufig "Na, dann kommen Sie mal mit ins Bad. Zeit, sich fürs Frühstück fertig zu machen." sagen nachdem man ein paar Worte "SmallTalk" ausgetauscht hat - und gut.
    Über dieses Wissen sollten auch die Mitarbeitenden des Pflegedienstes verfügen - und falls nicht, ist es in meinem Augen das Gespräch wert. Klar, manchmal prallt man ab - trotz aller Varianten. Aber Sie haben ja beschrieben, dass Sie regelrecht beobachten konnten, wie unterschiedlich dies mit Mitarbeitenden funktionierte - und zwar aufgrund der Art, wie diese die Versorgung initiierten.

    Selbstverständlich sein im gemeinsamen Tun. Das hilft Menschen mit Demenz manchmal mehr, als höfliche, gutgemeinte Fragen.
    Das gilt in einer Einrichtung genauso wie Zuhause.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

  • Wenn Sie, geschätzte Hinz, über die Jahre zurück lesen, bekommen Sie einen Eindruck, wie sehr und wie lange hier alle mit dem schlechten Gewissen gekämpft haben.

    Hallo Herr Hamborg, vielen Dank für Ihr Interesse und Ihre Ratschläge. Auch wenn das eher selten vorkommt, ich bin ein Mann, der rund um die Uhr pflegt. Die Reaktionen Außenstehender auf diesen Umstand sind übrigens ein interessantes Thema für sich. Vielleicht mache ich mal einen Thread dazu auf.


    Inhaltlich rennen Sie bei mir offene Türen ein. Eine Heimunterbringung meiner Mutter kann von jetzt auf gleich erforderlich werden. Ich war, touch wood, bis jetzt nicht arbeitsunfähig krank, seit ich meine Mutter pflege und Zustand meiner Mutter ist wie er ist, es war auch schon mal deutlich schlimmer als jetzt. Aber sollte ich ernsthaft länger krank werden oder meine Mutter körperlich stark abbauen, würde an einer stationären Unterbringung kein Weg vorbeiführen. Die meisten Heime in der Umgebung kenne ich schon, teils aus eigener Anschauung, teils, weil ich Menschen kenne, die dort arbeiten.


    Die Schmerzen meiner Mutter sind heftige Attacken von neuropathischen Schmerzen, die sich durch eine angepasste Schmerztherapie in ihrer Zahl zwar reduzieren aber nicht beseitigen ließen. Berührungen an den falschen Stellen können Schmerzattacken auslösen, weshalb meine Mutter misstrauisch bis panisch reagiert, wenn fremde Menschen sie anfassen wollen. Bei Krankenhausaufenthalten führte das bisher immer zu heftigen Konflikten.

    2 Mal editiert, zuletzt von Hinz ()

  • Hallo jochengust,


    auch Ihnen vielen Dank für die Rückmeldung.

    Selbstverständlich sein im gemeinsamen Tun. Das hilft Menschen mit Demenz manchmal mehr, als höfliche, gutgemeinte Fragen.

    Genauso funktioniert es sehr häufig am besten. Aus dem, was anliegt kein großes Thema machen.

    Meine Mutter hat außerhalb der Wohnung oft Angst, weil sie halt ziemlich unsicher auf den Beinen ist. Treppenstufen sind der Horror. Muss sie mit mir aber auf dem Weg in die HA-Praxis überwinden, so 6 Stück.

    Also sage immer zu ihr, komm ich hake dich jetzt unter und wir gehen Stufe für Stufe. Auf jeder Stufe fordere ich sie auf, einmal durchzuschnaufen.

    So geht es dann doch immer noch und ich kann sie loben, dass sie das ganz toll gemacht hat. Die Ängste spielen dann keine große Rolle mehr. Am besten noch was finden, worüber wir lachen können. Wenn wir über eine Tollpatschigkeit meinerseits lachen, noch besser.


    Liebe Grüße

    Albatross

  • Lieber Hinz,


    ganz kurz nur: Mein Mann pflegt mit, alles was es so gibt.

    Wenn er das erzählt oder ich, dann wird er wie ein Zirkuspferd mit besonderen Fähigkeiten bestaunt.

    War schon so als die Kinder klein waren und offensichtlich zu ihrem Vater eine enge und liebevolle Beziehung hatten. Vice versa natürlich auch.

    Sarkastisch: Männer haben auch Gefühle - Hunger und Durst.


    Liebe Grüße

    Albatross

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Hinz, über Ihre Idee für einen eigenen Thread "Männer als Hauptpflegeperson" würde ich mich freuen. Wir haben hier ja schon etliche sehr gute Erfahrungen teilen können, aber es hilft sicher Mitlesenden dabei, den richtigen Beitrag zu finden. So wird die Erfahrung die uns Albatros und ihren Mann vielleicht irgendwann zur Ausnahme!

    Ihr Martin Hamborg

  • Ich habe auch ein Zirkuspferd zu Hause - mein Mann hat die komplette Elternzeit incl. Kindergartengewöhnung und aller Arzt- und Therapietermine mit unserer Tochter gemacht. Ich habe gleich wieder Vollzeit arbeiten müssen, weil ich der Hauptverdiener unserer Familie bin. Da wurde er auch schon ungläubig angestaunt. Es wird Zeit, dass sich das ändert.

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!