Wie soll es weitergehen mit meiner Mutter

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  • Meine Mutter lebt allein in meinem Elternhaus. Ich habe nach dem Tod meines Vaters auch die Pflege meiner Mutter übernommen. Heute rief die Haushaltshilfe weinend an. Meine Mutter wolle sie rausschmeissen. Sie würde nicht ordentlich arbeiten und sie brauche auch niemanden. Ich bin sofort hingefahren. Meine Mutter war vollkommen agressiv der Haushaltshilfe gegenüber. Die solle sofort abhauen. Ich habe mich mega mit meiner Mutter gestritten. Eigentlich dumm vorn mir, denn sie kann sich ohnehin bereits heute Mittag an nichts mehr erinnern. Aber ich konnte nicht anders. Sie wolle sich nichts von mir vorschreiben lassen. Vor zwei Jahren hatte meine Mutter schon den Pflegedienst rausgeschmiessen. Die Situation wird immer schlimmer. Für meine Mutter bin ich der Leibeigene. Wenn ich 5 Minuten !! zu spät nach der Arbeit bei ihr bin, geht der Anrufterror los. Inzwischen bin ich persönlich am Ende. Ich traue mich nicht mal mehr Freunde zu treffen, da ich Angst hab meine Mutter ruft ständig an und will das ich komme. Der Besuch bei der Neurologin im Februar war eher ernüchtern. Es gäbe keien organischen Auffälligkeiten. Gegen ihre depressive Stimmung hat sie Medikamente erhalten, die aber keine Veränderung herbeigeführt haben. Wie soll ich mit ihr weiter umgehen? Muss ich das alles über mich ergehen lassen? Ja, sie ist krank aber wie weit ist das eine Legitimation für ihr Handeln. Auf die anderen Probleme die ich jeden Tag mit ihr habe, möchte ich gar nicht weiter eingehen. Das würde den Rahmen sprengen. Drei Tage geht sie im übrigen in die Tagespflege.

    Was also tun?

  • Oh je, das klingt schlimm. Erstmal - Du bist nicht ihre Leibeigene. Stell das Telefon zwischendurch einfach mal ab und treffe Dich mit Freunden. Du darfst Dich nicht völlig isolieren.


    Und Du brauchst Hilfe von außen. Du kannst das alleine nicht schaffen. Hast Du schon mal mit ihrem Hausarzt gesprochen?

  • Hallo Schwiegertochter71,

    leider ist die hausärztliche Versorgung in unserer Stadt sehr schlecht. Ihr Hausartzt hat wenig Zeit und Termine gibt es nur Wochen im voraus. Schildert man ihm die Situation, erhält man nicht mehr als ein Schulterzucken.

    Ich fühle mich meiner Mutter natürlich vollkommen verpflichtet und lasse alles nur noch über mich ergehen.

  • Hallo Alex9990,

    was du hier über den Hausarzt schreibst, halte ich für sehr problematisch. Ich kenne diese Situation von meinem eigenen Hausarzt ähnlich. Telefonisch nie erreichbar, Anliegen nur auf AB sprechen. Zum Glück hab ich ihn nicht oft nötig. Aber es ärgert mich und ich weiß, dass es so nicht immer weitergehen kann. Deshalb bin ich der Meinung, dass es für dich die nächste Aufgabe ist, einen anderen Hausarzt zu suchen. Vielleicht kann jemand von den Freunden, Nachbarn oder Verwandten … eine Empfehlung geben.

    Der Hausarzt ist in den meisten Fällen der erste Ansprechpartner und deshalb sehr wichtig.

    Die Ablehnung jeglicher Hilfe durch die Demenzkranken ist ein großes Thema. Letztendlich kannst du aber nicht alles hinnehmen und über dich ergehen lassen.

    Vielleicht stellst du mal die Frage, gute Pflege mit entsprechenden Hilfe zu Hause oder lieber Pflegeheim? Das klingt sehr hart, aber manchmal geht es nicht anders.

    Ich hab den Pflegedienst damals auch gegen den Willen meiner Mutter ins Boot geholt.

    In den meisten Fällen können die Pflegekräfte auch sehr gut mit solchen ablehnenden Situationen umgehen.

    Den Tipp nicht jedes Mal ans Telefon zu gehen, wenn deine Mutter anruft, hast du schon bekommen und ich rate dir aus eigener Erfahrung, nimm ihn an. Es hilft ungemein und verschafft dir ein kleines bisschen Ruhe.

    Deine Mutter wird am Abend nicht mehr wissen, wie oft sie angerufen hat. Am Anfang ist das schwierig und fühlt sich schlecht an, aber du wirst sehen, es geht.

    Du hast auch ein eigenes Leben, wofür du ebenfalls Zeit brauchst.

    Ich wünsche dir viel Kraft für die nächsten Entscheidungen und alles Liebe!

    Viele Grüße

    Stern

  • Hallo Stern,

    vielen Dank für deine Antwort.

    Leider ist bei uns die Situation so, dass andere Hausärzte keine Neupatienten annehmen. Mir bleibt also nur der unsere.

    Gestern Abend war ich wieder bei meiner Mutter. Sie war noch immer vollkommen agressiv und verwirrt gleichzeitig. Einfach nur schlimm. Sie will sich jetzt selbst eine neue Haushaltshilfe besorgen, die jetzige darf das Haus nicht mehr betreten.

    Viele Grüße

    Alex

  • Das wird aber nicht die letzte Haushaltshilfe und das letzte Problem sein. Wenn der Hausarzt nicht hilft, dann würde ich mal in anderer Richtung nach Hilfe schauen. Hast Du denn für den Fall der Fälle Vollmachten oder musst Du auch zuschauen, bis es komplett eskaliert? Bei vielen kam ja erst Bewegung in die Sache, wenn es durch einen Sturz o.ä. zur Einlieferung ins Krankenhaus kam.

  • Liebe Alex,

    ich wage mal zu vermuten, dass auch der Einsatz einer neuen Haushaltshilfe keine endgültige Lösung sein wird. Deine Mutter wird auch da angebliche Mängel zu finden.

    Die Ursache ist wohl die Krankheit deiner Mutter. Die Ablehnung von Hilfe durch Demenzerkrankte liegt ja in sehr vielen Fällen vor.

    Wurde bei deiner Mutter bereits eine Demenz diagnostiziert? Besteht schon ein Pflegegrad?

    Wende dich bitte an einen örtlichen Pflegestützpunkt in deiner Stadt bzw. näheren Umgebung und schildere die Situation. Von dort werden sehr gute Hilfsangebote gemacht.

    Auch die Krankenkasse bietet Pflegeberatungen.

    Bezüglich des Hausarztes und vielleicht auch Neurologen kannst du die 116117 anrufen bzw. über die Website weitere Informationen finden. Hier mal der Link.

    Arzt- und Psychotherapeutensuche

    Jetzt hab ich dir einige Vorschläge gemacht, bitte unternimm etwas. Die von dir beschriebene Situation kann so nicht bleiben,

    vor allem muss auch für dich eine Verbesserung bzw. Entlastung geschaffen werden. Lass das nicht einfach über dich ergehen!!

    Ich kenne das alles zur Genüge. Meine Mutter hat sich gegen alles gewehrt und am Anfang hab ich es so akzeptiert. Solange, bis die Demenz meiner Mutter jeden einzelnen Tag von mir bestimmt hat. Vorwürfe, Beleidigungen und Endlosdiskussionen über eventuelle Hilfe waren an der Tagesordnung.

    Ich konnte auch fast nicht mehr.

    Zum Glück hat mein Mann einen klaren Kopf behalten und irgendwann gesagt, bis hierhin und nicht weiter! Innerhalb einer Woche haben wir einen Umzug ins betreute Wohnen organisiert. Das war auch eine Herausforderung, letztendlich ging es aber irgendwie. Die Wohnung haben wir gemeinsam mit meiner Mutter besichtigt, alles das ging auch nicht wirklich freiwillig.

    Heute bin ich auch schlauer und lasse mich nicht mehr in so viele Diskussionen verwickeln. Manche Dinge muss man dann einfach festlegen.

    Hast du eine Vorsorgevollmacht?

    Ich bin gespannt, was du erreichst…. Du tust es auch für dich!

    Liebe Grüße

    Stern

  • Vielleicht ist das auch noch interessant für dich:



    Arbeitsfreistellung wegen Pflege für bis zu zehn Arbeitstage

    Wenn nahe Angehörige eines Arbeitnehmers oder einer Arbeitnehmerin plötzlich Pflege oder Unterstützung bei der Organisation von Pflegemaßnahmen brauchen, können Beschäftigte sich sofort für bis zu zehn Arbeitstage von der Arbeit freistellen lassen. Das legt das Pflegezeitgesetz (PflegeZG)fest. Es fällt in den Bereich des Arbeitsrechts.

    Diese Zeit dient in erster Linie dazu, die Pflege zu organisieren. Hierzu gehört zum Beispiel, sich kurzfristig über Pflegeleistungsangebote zu informieren, Behörden aufzusuchen oder die nötigen weiteren Schritte einzuleiten, damit eine geeignete pflegerische Versorgung des Angehörigen gewährleistet ist.

  • Liebe Alex,

    Du bist die Tochter, aber nicht der Lakai! Gib‘ Deiner Mutter bitte einmal tüchtig Wind von vorne und stelle Deine Interessen, z. B. Freunde treffen, an die erste Stelle. Ein bisschen loslassen heißt nicht fallenlassen. Und wenn Deine Ma anruft: einfach nicht ans Telefon gehen (denn in 99 % ist es nichts wirklich wichtiges).

    LG molli

  • Ich kann dich verstehen Alex9990. Das würde mich auch fertigmachen. Mir reicht es schon so manches mal und das, obwohl das Verhalten von meiner Mutter noch nicht so schlimm ist. Sie macht mir aber auch immer ein schlechtes Gewissen. Wenn ich z.B. mit der Freundin meines Sohnes in die Stadt fahre, dann ist sie 5 Tage angepisst, zieht ein Gesicht und ist schnippisch und fragt zu guter letzt, warum ich sie nicht gefragt hätte ob sie mit möchte. Aber ich wollte sie nicht fragen. Ich wollte einfach mal alleine was machen, ohne sie. Wenn wir am Samstag nicht das dritte oder vierte Mal in der Woche keinen Kaffeetrinken fahren, stöhnt sie das ganze Wochenende rum wie langweilig ihr ist. Dabei habe ich sie in so vielen Gruppen angemeldet gehabt, was sie auch alles vorher super fand. Aber wenn sie dann dahin sollte, wollte sie nicht mehr und ich musste sie wieder abmelden. Oder sie hat behauptet ich hätte sie einfach angemeldet ohne es mit ihr abzusprechen.

    Ich muss dazusagen das meine Mutter mit im Haus wohnt und ich sie mehrmals am Tag sehe. Sie tut aber manchmal so, als kümmere sich niemand um sie und sie wäre immer alleine.


    Sorry für den langen Text.


    Alex9990 ich verstehe dich und deinen Kummer und würde an deiner Stelle ab einem gewissen Punkt, wirklich mal ein Seniorenheim in Betracht ziehen. Du hast auch noch ein Leben. Wir haben ALLE nur dieses EINE LEBEN. Hat Sie schon einen Pflegegrad und wenn welchen ?


    LG

    Mel74

  • Hallo zusammen und vielen lieben Dank für die vielen Antworten und Hilfen.

    Sorry das ich erst jetzt antworte, aber die Zeit (meine Mutter) lies es nicht zu. Gestern war bis jetzt der absolute Tiefpunkt. Gestern morgen stand die Haushaltshilfe wieder vor ihrer Haustür. Ich hatte gehofft, die Angelegenheit hätte sich beruhigt. Aber das war wohl nur ein frommer Traum. Sie hat sie jetzt endgültig ihres Hauses verwiesen. Es muss wirklich schlimme für die Frau gewesen sein und die ist eigentlich ein Goldstück. Ich habe gestern einen Höherstufungsantrag bei der Pflegekasse gestellt. Bisher hat sie Pflegegrad 2. Mein Telefon stand gestern mal wieder nicht still, den gangzen Tag nur Anrufterror. Ich bin aber bis auf zweimal nicht drangegangen, was mir aber sehr schwer viel. Gestern Abend bin ich dann zu meiner Mutter gefahren. Sie hat mich in den ersten 20 Minuten nicht zuordnen können. Sie war der Meinung, ich sei ihr Mann und Liebhaber. Und wo ich denn die letzte Nacht gewesen wäre. Ich hätte ja schließlich bei ihr schlafen müssen. Erst nach längeren gezielten Fragen, merkte sie das ich ihr Sohn bin und nicht ihr Mann. Ein Trauerspiel sondergleichen. Mit dem Hausarzt habe ich gestern auch telefoniert. Auch ein Trauerspiel. Er sagte zu mir nur, dass dies ein Pflegeproblem sein und er nicht der richtige Ansprechpartner. Das Gespräch hat keine 5 Minuten gedauert. Er wünscht mir gute Nerven bei der Pflege meiner Mutter. DAs mit dem Seniorenheim oder dem betreuten Wohnen ist ja ganz nett, aber ohne ihre Zustimmung läuft da nicht viel. Wenn ich das Thema nur andeute, ist die Agression auf Ihrer Seite voll entbrannt. Wie soll ich sie aus dem Haus bekommen, wenn sie nicht will.

  • Wenn deine Mutter mal sich selbst oder andere gefährdet, kannst du einen Antrag auf rechtliche Betreuung stellen, dann muss sie offiziell begutachtet werden. Oft muss es dafür erst zu einem Zwischenfall kommen.. es heißt jedenfalls nicht, dass du nun alles übernehmen musst, wozu sie die Haushaltshilfe weggeschickt hat!

    Die Zwischenphase kann ne schlimme Zeit werden 😕

    Hast du schon mit einer örtlichen Pflegeberatung oder dem sozialpsychiatrischen Dienst gesprochen?

    Alles Liebe für dich

  • Die Zwischenphase kann ne schlimme Zeit werden 😕

    Hast du schon mit einer örtlichen Pflegeberatung oder dem sozialpsychiatrischen Dienst gesprochen?

    Lieber Alex,

    ich denke, du musst unbedingt etwas unternehmen bezüglich einer Beratung. Rose hat es grade nochmal formuliert.

    So wie du deine Situation beschreibst, kann es nicht bleiben, dabei bleibst DU vor allem auf der Strecke. Scheinbar entwickeln Demenzkranke ungeahnte Kräfte, was Agressionen betrifft. Das kenne ich von meiner Mutter.

    Du hast einen Anfang gemacht, was den Telefonterror angeht. Ziehe das unbedingt durch! Wenn du einmal pro Tag mit ihr sprichst, dann ist es mehr als ausreichend.

    Bei mir war es haargenau so. Es ist mir so unendlich schwer gefallen, aber letztendlich klappte es von Tag zu Tag besser.

    Deine Mutter wird am Abend nicht mehr wissen, wie oft und warum sie angerufen hat.

    Du musst nicht 24/7 für sie erreichbar sein!

    Das ist auf Dauer nicht auszuhalten. Ich hatte weiter oben geschrieben, dass es bei uns soweit ging, bis mein Mann gesagt hat, es reicht jetzt, bis hierhin und nicht weiter!

    Leider war ich zu diesem Zeitpunkt schon selbst fix und fertig. Lass DU es nicht soweit kommen! Du brauchst noch genug Kraft für viele andere Dinge! Bleib stark!

    Alles Liebe

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Alex9990, auch ich möchte Sie sehr darin bestärken, dass Sie auf sich achten und sich achten!


    Sie können Ihrer Mutter nur helfen, wenn Sie gesund, klar und stark bleiben.


    Hat sich Ihre Mutter durch die Demenz in ihrer Persönlichkeit verändert oder kennen Sie dieses schwer auszuhaltende Verhalten von früher?


    Es ist manchmal sehr schwer zu ertragen, wenn die eigenen Eltern sich immer mehr schädigen, keine Hilfe annehmen und im Chaos untergehen. Manchmal hilft es, wenn Ihnen der Mensch mit Demenz ein Versprechen gibt, an dass Sie selbstverständlich erinnern können.


    Den großen Streit vor der Haushaltshilfe bei der ersten Kündigung haben Sie vermutlich mehr für sich gemacht. Sie wissen ja, dass Ihre Mutter alles schnell wieder vergisst.


    Weiß die bisherige Haushaltshilfe, dass Sie wissen, dass sie nichts falsch gemacht hat?

    Vielleicht ist es so möglich, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder ihre Aufgaben übernehmen kann. Manchmal kann es helfen, wenn Sie zunächst bei Putzen dabei sind und ein wenig steuern - falls dies möglich ist....

    Aber Streit verstärkt die Abwehr - was haben Sie alles schon ausprobiert, um Streit und damit Stress zu vermeiden?


    Für die Einschätzung des Arztes fehlt mir das Verständnis: Wenn Sie als Sohn verkannt werden, ist dies zunächst kein normales Pflegeproblem, es sollte ernst genommen werden.


    Vielleicht gelingt es Ihnen bei der Begutachtung des medizinischen Dienstes dabei zu sein, denn auch diese Fachleute haben einen Beratungsauftrag und kennen die Angebote vor Ort und müssen konkrete Empfehlungen geben, damit die Pflege zuhause sichergestellt ist.


    Aber "eigentlich" braucht Ihre Mutter eine medizinische Abklärung am besten in einer Klinik. Wenn es zu einer akuten Krise kommt, kann es über einen Notarzt schnell gehen...

    Auch an den Tipp den Pflegestützpunkt und den sozialpsychiatrischen Dienst anzusprechen kann ich nur unterstützen.

    Ihnen viel Kraft, Ihr Martin Hamborg

  • Hallo zusammen,

    nochmal vielen lieben Dank für die ganzen Tips und Ratschläge.

    Am Donnerstag habe ich jetzt einen Termin beim hiesigen Pflegestützpunkt. Wobei mir die nette Frau schon im Vorfeld nicht viel Hoffnung gemacht hat. Aber mal sehen. Das vergangene Wochenende war mal wieder der Horror. Unzählige Anrufe, am Samstag war sie wieder der Meinung ich sei ihr Mann, sie droht ständig sie vor einem Zug zu schmeissen, wenn ich nicht wieder bei ihr einziehe. Den Bus zur Tagespflege verpasst sie jetzt mindestens zweimal die Woche und ihre Tabletten nimmt sie entweder alle auf einmal oder gar keine. Die Begutachtung durch den MD ist jetzt vsl. Ende April. Weiterhin lässt sie niemanden außer mir an sich heran. Ich habe dieses WE erneut an ihre Vernünft apeliert, zumindestens in ein betreutes Wohnen umzuziehen. Fehlanzeige.

    Ja, es ist die eigene Mutter. Aber man fragt sich schon, was man sich alles gefallen lassen muss. Immer Verständnis aufzubringen fällt mir sehr schwer. Nicht immer sofort an das Telefon zu gehen ist auch kaum eine Lösung. Alleine schon die Anrufe machen mich psychisch fertig. Und ich bin mir sehr sehr sicher, es wird zukünftig alle nur noch schlimmer.

  • Hallo Alex,

    Ich denke (fast?) alle Mitglieder hier haben diese Phase, in der man lernen darf und muss, persönliche Grenzen zu ziehen, denn i.A.ist das ja keine Sache von wenigen Wochen oder Monaten, in denen man sich zusammenreißt und irgendwie durch muss/will. Es nützt deiner Mutter nichts, wenn du von der dauerhaften seelischen Überlastung krank wirst, denn je länger man wartet mit dem Abgrenzen, desto länger kann es nachher dauern wieder daraus zu kommen.

    Also: Telefonannahme soweit einschränken, wie du es längerfristig verkraftest! ) natürlich entscheidet das jede/r für sich, aber manchmal ist es hilfreich, wenn es jemand von außen und aus Erfahrung sagt..)

    Es ist schließlich DEIN Leben;)

    Und der Begriff "Betreutes Wohnen" ist sehr unterschiedlich gefüllt, hier in meiner Umgebung bedeutet es lediglich eine seniorengerechte Wohnung mit "zubuchbaren Pflegeleistungen" so wie sonst bisher zuhause!! Also Achtung Falle! In anderen Gegenden bedeutet es mehr Betreuung, so wie im Forum schon zu lesen war.

    So wie du es beschreibst, würde das ohne mehr Betreuung nicht weiterbringen.

    Leider ist es wirklich oft so, dass erst etwas passieren muss. Von meinem Gefühl sind Suizidandrohungen ja immer von innerer Not geleitet, was dir aber nicht wirklich weiterhilft. Hattest du schon Kontakt mit sozialpsychiatrischen Dienst der Stadt?

    Deine Mutter ist für meinen Eindruck mit dem Alleinleben überfordert, und setzt dich dauernd unter Druck. Das kenne ich und weiß, wie belastend es ist, selbst wenn es freundlicher und eher passiv aggressiv formuliert wird.

    Du darfst und musst dich schützen!!

    Also ich würde mir an deiner Stelle irgendwo auf einen Zettel schreiben, wie oft du täglich/wöchentlich o.ä. bereit bist ans Telefon zu gehen und dich fertig machen zu lassen. Wichtig ist, sich aus der Opferrolle zu befördern, das stärkt!! Ich hoffe es klingt nicht zu hart, aber ich habe diese Phase in anderer Form und zum Glück professioneller Unterstützung durchlaufen.

    Alles Gute!!

  • Deine Beschreibung der Situation kommt mir nur zu bekannt vor. Meine Schwiegermutter war auch für keine Option offen: Wohnung mit Service - will ich nicht, betreutes Wohnen - will ich nicht. Hilfe von außen? Will ich nicht. Mein Mann hat sich daran völlig aufgerieben, dann habe ich Klartext gesprochen. Wer nicht will, der muss sehen, wie er es schafft. Wir haben dann alle Hilfen zurückgefahren und sind auch nicht bei jedem Anruf losgerannt. Am Anfang war es - besonders für meinen Mann - schwer, sich zu distanzieren. Aber mit der Zeit wurde es leichter und es hat uns als Familie gerettet. Ich habe ihr dann auch sehr deutlich gesagt, dass wir es dann halt auf den Notfall ankommen lassen. Und wenn ein freier Pflegeplatz dann am "A.... der Heide ist", dann wird der genommen.


    Wir haben uns das dann gut ein Jahr angeschaut. Haben ihr eine Hilfe für 1x die Woche besorgt (die wurde zähneknirschend akzeptiert), eine Friseurin und eine Fußpflegerin die ins Haus kamen.


    Es kam dann, wie es kommen musste. Sie hatte einen Schlaganfall (den Notfallknopf hat sie natürlich nie getragen, was sollen denn die Leute sagen? Alleine in der Wohnung - welche Leute?) und die Hilfe hat sie zufällig gefunden. Dann endlich kam es ins Rollen. Krankenhaus, Reha, erneute Schlaganfälle, Kurzzeitpflege und Dauerpflege. Und ja - das Heim war gut, aber nicht da wo sie wollte. Aber es gab keine Wahl, frühzeitig sich zu kümmern hatte sie ja abgelehnt.


    Wir hatten einen tollen Platz in einer Senioren - WG, den mussten wir aber ziehen lassen. Die Neurologin im KH hatte ihr eingeredet, dass sie nach der Reha wieder völlig fit sei. Natürlich hat sie das nur zu gerne geglaubt. Die Ärztin könnte ich heute noch.


    Alles in allem sind wir lange gegen Wände und Türen gelaufen und haben uns manch blutige Nase geholt. Selbst Leute, die sie lange kannte und genau gesehen haben, dass es alleine nicht mehr geht, meinten meinen Mann mit Sätzen wie "das kannst Du doch mit deiner Mutter nicht machen" traktieren zu müssen. Die Wende kam erst im KH durch den Sozialen Dienst, die sofort den Eilantrag auf Pflegegrad 2 gestellt hat und uns bei der Suche nach dem Kurzzeitpflegeplatz enorm behilflich war.

  • Alleine schon die Anrufe machen mich psychisch fertig.

    Liebe Alex,

    ich verstehe dich sehr sehr gut. Ich hatte mit meiner Mutter exakt die gleichen Probleme letztes Jahr, als es noch um mehr Hilfe zu Hause bzw. später um den Umzug ging.

    Letztendlich haben wir ihr keine große Wahl mehr geboten, sie konnte unmöglich alleine in ihrer Wohnung weiter leben.

    Irgendwannn kam eine Einsicht, nachdem mein Mann Klartext mit ihr geredet hat. Sie stimmte dem Umzug ins betreute Wohnen zu.

    Ich dachte, damit müsste endlich Ruhe einkehren, aber leider habe ich mich da schwer getäuscht. Auch nach dem Umzug regelmäßiges Schimpfen, Drohungen und Beleidigungen.

    Genau deshalb musst du für dich versuchen, den Telefonterror zu unterbinden. Er macht uns krank und damit ist niemandem geholfen, auch deiner Mutter nicht.

    Ich hab selbst gerade auch wieder eine sehr schwierige Phase mit meiner Mutter. Ihr aggressives Verhalten wird immer schlimmer.

    Es tut mir gut, dass ich heute mal nichts von ihr gehört habe. Aber es ist auch bei mir so, dass ich mich bei jedem Telefonklingeln erschrecke. Das muss sich unbedingt wieder ändern. Im Laufe der Zeit wird es einfacher, nicht jedes Mal ans Telefon zu gehen, diese Erfahrung hab ich gemacht.

    Bitte versuche auch DU das unbedingt!

    Alles Liebe

  • Wenn deine Mutter mal sich selbst oder andere gefährdet, kannst du einen Antrag auf rechtliche Betreuung stellen, dann muss sie offiziell begutachtet werden. Oft muss es dafür erst zu einem Zwischenfall kommen.. es heißt jedenfalls nicht, dass du nun alles übernehmen musst, wozu sie die Haushaltshilfe weggeschickt hat!

    Die Zwischenphase kann ne schlimme Zeit werden 😕

    Hast du schon mit einer örtlichen Pflegeberatung oder dem sozialpsychiatrischen Dienst gesprochen?

    Alles Liebe für dich

    Leider ist es oft wirklich so, dass es erst zu einem Zwischenfall kommen muss, bevor was passiert. Das hatte ich der Dame vom sozialpsychatrischen Dienst auch gesagt und sie hat dem dann unter großen Zögern zugestimmt.

    Unsere Gesetze sind da sehr streng, es darf nichts gegen den Willen von jemanden passieren. Das ist natürlich gut und richtig, macht es aber für uns, die in solchen Situationen sind, unendlich schwer.


    Uns bleibt also nur zu versuchen, unser bestes zu tun um eine Versorgung sicher zu stellen, ohne uns selber dabei zu vergessen.

    Wie zum Beispiel, dass jemand regelmässig vorbei kommt, Wir hatten bei unserem Vater, als er alleine Zuhause bleiben musste, den Pflegedienst bestellt zur regelmässigen Tablettengabe. Wir hatten dem Pflegedinst den Schlüssel überlassen. Es ist eine Kleinigkeit aber so ist jemand 3 mal täglich da gewesen und hatte ein Auge drauf. Wäre das evtl. eine Möglichkeit für dich?


    Und das mit dem Verwechseln hatte ich auch. Mein Vater hat mich für seine Frau gehalten. Es wurde nur gruselig, als er Zärtlichkeiten austauschen wollte :|

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