Kurzzeitpflege vs. Verhinderungspflege

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  • Guten Abend,


    da mich gerade ein häusliches Thema sehr beschäftigt, habe ich durch Stöbern im Internet dieses Forum gefunden, und ein wenig quergelesen.


    Ich bin gerade hin- und hergerissen; kurz zu meiner/unserer Situation:


    Mein Vater (81) hat nach diversen Knochenbrüchen seine Mobilität weitgehend eingebüsst und verbringt 90% des Tages im Rollstuhl. Seit 2 Jahren bahnt sich eine altersbedingte Demenz an, sehr schwach, aber er vergisst halt Dinge (was gab es zum Mittagessen, war der Pflegedienst schon da, was für Termine stehen an, etc.).

    Er hat Pflegestufe 3, täglichen Einsatz vom Pflegedienst, Unterstützung im Haushalt, Physiotherapie und Ergotherapie kommen regelmäßig. Bisher hat alles funktioniert, meine Mutter (76) kümmert sich um ihn, und ich bzw mein Mann schauen auch fast jeden Tag vorbei; wir haben insofern ein sehr enges Verhältnis.


    Nun hatte meine Mutter einen Knochenbruch und wird zur Reha fahren dürfen; just in den zwei Wochen, in denen ich und mein Mann in Urlaub fahren werden. Ihre Zeit im Krankenhaus haben wir sehr gut mit dem Pflegedienst abfedern können, mein Vater ist auch mit der Situation besser umgegangen als erwartert.


    Jetzt haben wir uns unterhalten, wie es in der Zeit, wenn Mutter zur Reha ist und wir im Urlaub sind, mit ihm weitergehen soll. Er ist der Meinung, wenn der Pflegedienst regelmäßig kommt, reicht das aus. Wir sollen ihm alles Wichtige aufschreiben, diverse Dinge vorbereiten, und dann klappt das schon, sein O-Ton. Kurzzeitpflege verbindet er mit Pflegeheim, und das will er nicht, er ist richtig zusammengesackt, als ich davon angefangen habe. Ich will ihn ja nicht dort "abliefern" , aber ich möchte auch etwas Sicherheit haben, dass ihm nichts passiert. Meine Mutter sieht es ähnlich; wir wollen das Beste für ihn, aber was ist eben das Beste?


    Ich bin hin-und hergerissen, vielleicht reagiere ich auch über; unser Pflegedienst ist super und unterstützt uns auch sehr gut... wenn ich daran denke, dass mein Vater unglücklich in der Kurzzeitpflege ist und darauf wartet, wieder nach Hause abgeholt zu werden, das nimmt mich richtig mit :-(

    Der Urlaub selbst ist kein Streitthema, meine Eltern verstehen, dass wir aus verschiedenen Gründen eine Auszeit benötigen.


    Entschuldigt bitte meinen langen Text, Danke für's Lesen... ich weiß, unser Fall ist nur ein kleiner Fisch hier im Forum, aber ich kann gerade so schlecht umgehen damit :-( ein paar Erfahrungsberichte würden mir sehr helfen :)


    LG Letty

  • Hallo Letty,

    ein "kleiner Fisch" ist das nicht, was ihr da habt.
    Meine Frage an euch: Falls Vater vom Pflegedienst ambulant versorgt wird (auch mit Essen?? und mit Unterstützung von Nachbarn oder Freundinnen?), könnt ihr dann wirklich entspannt Urlaub machen? Nur dann wäre das eine Möglichkeit.

    Für meine Frau und mich waren (Kurz)Urlaube eine Tortur, bei denen unser Pflegedienst alle paar Stunden uns angerufen hatte und obwohl die Schwester meiner Frau "übernommen" hatte.
    Falls unter diesen Bedingungen für euch entspannter Urlaub nicht möglich ist, führt kein Weg an Verhinderungspflege in einem Pflegeheim vorbei. Für die Erholung der Angehörigen ist sie nämlich gedacht.

    Liebe Grüße!
    Buchenberg

    Einmal editiert, zuletzt von Buchenberg ()

  • Ich sehe das größte Problem in der Immobilität deines Vaters und den Stürzen in der Vorgeschichte. Er müsste während eurer Abwesenheit schon mehrfach am Tag Besuch bekommen, der nach ihm schaut und ein Hausnotrufgerät müsste er auch haben. Wenn er die Kurzzeitpflege ablehnt, wird man ihn nicht zwingen können ein Besuch zum mal Angucken vielleicht Ängste nehmen könnte. Ansonsten würde auch Tagespflege die Zahl der Stunden, die er sich selbst überlassen wäre, um 8 reduzieren.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Letty,


    für die Zeit der Abwesenheit Ihrer Mutter und während Ihres Urlaubes besteht die Möglichkeit einer außerhäusigen Unterbringung, entweder in einer Kurzzeitpflege-Einrichtung oder in einem Pflegeheim als Verhinderungspflege. Mit beidem wird Ihr Vater nicht einverstanden sein, wenn ich es recht verstehe.


    Für die Inanspruchnahme von Tagespflege, die bereits erwähnt wurde, stehen zusätzliche Sachleistungen des jeweiligen Pflegegrades zur Verfügung. Wobei das Angebot eher auf eine kontinuierliche und dauerhafte Nutzung ausgerichtet ist. Ob der Besuch einer Tagespflege-Einrichtung im Rahmen von Verhinderungspflege möglich ist, müsste mit den in Frage kommenden Einrichtungen abgeklärt werden.


    Es wäre meines Erachtens auch möglich, das Zusatzbudget für die Tagespflege zu beantragen und die Mittel der Verhinderungspflege für eine Aufstockung der Pflegediensteinsätze zu verwenden. Vielleicht kann der Besuch der Tagespflege auch nach der Reha-Maßnahme Ihrer Mutter fortgesetzt werden, wenn Ihr Vater sich dort wohlfühlt.


    Wenn Sie und Ihre Mutter sich gar nicht vorstellen können, dass Ihr Vater tagsüber stundenweise und nachts allein in der Wohnung bleibt, gäbe es noch die Möglichkeit, eine Reha-Klinik zu suchen, die pflegebedürftige Angehörige mit aufnimmt und vor Ort betreut.


    Ab dem 1. 7. 2024 tritt sogar eine Ergänzung im Pflegeversicherungsgesetz in Kraft, die eine Mitnahme von Pflegebedürftigen erleichtern soll (§ 42 a SGB XI -Versorgung Pflegebedürftiger bei Inanspruchnahme von Vorsorge- oder Rehabilitationsleistungen durch die Pflegeperson).


    Hierzu habe ich diese Informationsseite gefunden:


    https://www.pflege-durch-angeh…er-pflegende-angehoerige/


    Außerdem gibt eine Übersicht von Rehakliniken, in denen die Mitnahme von Pflegebedürftigen jetzt schon möglich ist.


    https://www.qualitaetskliniken…beduerftige-begleitperson



    Mit freundlichem Gruß


    Birgit Spengemann

  • Hallo an alle,


    erst einmal vielen Dank für Eure Antworten, dies hilft mir sehr bei einer nüchteren Betrachtungsweise.


    Es stimmt mich auch sehr nachdenklich von Euch zu hören, dass Eure Vater/Mutter/Großeltern einen ambulanten Pflegedienst ablehnen; wie ist eine Pflege neben eigener Familie, Job und überhaupt eigenem Leben hinzubekommen? Der Tag hat ja nur 24 Stunden. Mein absoluten Respekt an Euch!!


    Der ambulante Pflegedienst wurde von meinen Vater von Anfang an akzeptiert, er freut sich auch, wenn sie kommen, und er unterhält sich immer nebenher mit ihnen.


    Wir haben uns jetzt auch nochmal zusammen gesetzt und werden schauen, ob eine Begleitung meiner Mutter zur Reha möglich ist (vielen Dank für den Tipp) und ich spreche mit dem Pflegedienst, wie häufig sie vorbei kommen könnten. Danach telefoniere ich die Kurzzeitpflegen hier vor Ort ab. Mein Vater sieht schon ein, dass wir uns für den worst case wappnen wollen, damit er gut versorgt ist. Aber er fremdelt auch mit dem Gedanken, aus seiner Umgebung gerissen zu werden und plötzlich von fremden Leuten umgeben zu sein.


    Noch eine Frage dazu:

    Es wäre meines Erachtens auch möglich, das Zusatzbudget für die Tagespflege zu beantragen und die Mittel der Verhinderungspflege für eine Aufstockung der Pflegediensteinsätze zu verwenden.

    Was heißt das konkret? Wir hatten bisher mit Tagespflege noch nichts zu tun gehabt; ich dachte, dass dies eine vollständig kostenpflichtige Eigenleistung ist.

    Ist dieses Budget unabhängig vom Budget für Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege??


    Danke

    LG Letty

  • Hallo Letty,


    das Budget für die Tagespflege gibt es zusätzlich zu Pflegegeld und Sachleistung. Es ist genau so hoch wie der Betrag der Sachleistung, steigt also mit dem Pflegegrad.


    Bietet Euer Pflegedienst die Möglichkeit der Tagespflege an? Dann würde ich zuerst dort anfragen.

    Es ist noch ein Eigenanteil von ca. 25 -30€ pro Tag zu zahlen für Verpflegung und Unterkunft.


    Und ja, wie Frau Spengemann schon ausgeführt hat, ist die Tagespflege auf regelmäßige Teilnahme ausgerichtet.

    Je früher Dein Vater mit der Tagespflege beginnt, desto besser.


    Er will ja möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben, mit zunehmender Demenz schwindet die Einsicht aber mehr und mehr.


    Es ist auch für Deine Mutter immens wichtig Entlastung zu erhalten.


    Alles Gute

    PausE

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Letty,


    im Prinzip hat PausE Ihre Frage zum Budget für Tagespflege schon beantwortet. Hier noch einige Ergänzungen dazu:


    - Für den anfallenden Eigenanteil, die sogenannten Hotelkosten (Kosten für Mahlzeiten, Miete und Investitionskosten), können die monatlichen Entlastungsleistungen in Höhe von 125 Euro verwendet werden, wenn sie nicht für andere Angebote genutzt werden.


    - Der Bezug von Pflegegeld oder Pflegesachleistungen für die ambulante Pflege wird nicht tangiert. Es gibt keine Kürzungen oder Verrechnungen.


    Mit freundlichem Gruß

    Birgit Spengemann

  • Hallo Frau Spengemann,


    könnten Sie oder jemand aus dem Forum, der das weiß, mir sagen:


    Wenn die Tagespflege genutzt wird, berührt das die Zahlungen an den Rentenversicherungsträger der Pflegeperson, wenn diese Rentenbeiträge aus der Pflegekasse für sich bezieht?


    Liebe Grüße

    Albatross

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Albatros,


    Ihre Frage bezieht sich auf eine der Voraussetzungen, um Rentenversicherungsbeiträge als Pflegeperson zu erhalten, nämlich dass der Pflegeumfang für die pflegebedürftige Person mindestens 10 Stunden, verteilt auf mindestens 2 Tage, pro Woche betragen muss.


    Wenn der Aufenthalt in der Tagespflege nur an einzelnen Tagen in der Woche stattfindet , kann man angeben, dass an den übrigen Tagen der notwendige Pflegeumfang geleistet wird. Auch bei täglicher Betreuung in einer Tagespflegeeinrichtung kann es durchaus notwendig sein, dass die häusliche Pflege morgens und/oder abends geleistet wird. Es kommt also auf die Art und Häufigkeit des Unterstützungsbedarfs an.


    Gibt es Erfahrungen damit, ob die Pflegekasse expliziet nachfragt, wenn Tagespflege in Anspruch genommen wird? Mir ist darüber nichts bekannt.


    Mit freundlichem Gruß

    Birgit Spengemann

  • Guten Morgen,


    nochmals vielen Dank für Eure Beiträge; wir haben uns auch noch einmal in der Familie und mit dem Pflegedienst beraten, und jetzt sehe ich auch vieles klarer und positiver :)

    Danke & Alles Gute

    Letty

  • Wenn die Tagespflege genutzt wird, berührt das die Zahlungen an den Rentenversicherungsträger der Pflegeperson, wenn diese Rentenbeiträge aus der Pflegekasse für sich bezieht?

    Also ich habe bislang folgendes heraus gefunden.


    Die Pflegekasse der pflegebedürftigen Person zahlt auf ein fiktives Einkommen die vollen Rentenbeiträge von derzeit 18,6%.


    Das fiktive Einkommen (Durchschnittsgehalt) wird jährlich von

    der Bundesregierung ermittelt.


    Im Jahr 2024 beträgt es für Westdeutschland 3535€ und für Ostdeutschland 3465€ pro Monat.


    (Ab 2025 gibt es für Ost- und Westdeutschland keine getrennten Bezugsgrößen mehr, sondern nur noch eine einheitliche Größe).


    Monatliche Beitrags Bemessungsgrundlage in Prozent der Bezugsgröße :


    Pflegegrad 2:

    Reines Pflegegeld = 27% von 3535€

    Fiktives Brutto Einkommen wäre da 945,54€ Monat, wovon 18,6 % an die Rentenversicherung gezahlt würden, sprich 177,53 € pro Monat.


    Bei Kombinationsleistung nur noch 22,95%


    Sachleistungen 18,9%


    Ausrechnen kann sich das ja jeder selbst. Die Rentenbeiträge werden einmal im Jahr von der Pflegekasse an die Rentenversicherung übermittelt. Der pflegende Angehörige bekommt einmal im Jahr unaufgefordert ein Schreiben darüber.


    Bei Pflegegrad 3

    Reines Pflegegeld 43%

    Kombinations Pflege 36,55%

    Sachleistungen 30,1%


    Pflegegrad 4

    Reines Pflegegeld 70%

    Kombinations Pflege 59,5%

    Sachleistungen 49%


    Pflegegrad 5

    Reines Pflegegeld 100%

    Kombinationsleistung 85%

    Sachleistungen 70%


    Schade finde ich das es somit egal ist wie oft man zb Hilfe vom Pflegedienst in Anspruch nimmt oder wie oft derjenige die Tagespflege besucht.


    Beispiel Pflegestufe 4:


    Macht man alles alleine den Monat werden 2474,50€ als fiktives Einkommen berechnet und davon 18,6% an die Rentenkasse gezahlt, also 460,26€.


    Nimmt man nur einmal den Pflegedienst in Anspruch sinkt man sofort auf fiktives Einkommen 2103,32€ fiktives brutto und an die Rentenversicherung werden nur noch 391,20 gezahlt.


    Nimmt man Tagespflege in Anspruch sinkt der Anspruch auf fikt Einkommen brutto 1732,15€, somit werden in die Rentenkasse nur noch 322,18 eingezahlt.


    Es lohnt sich wenn man alles selbst macht, finde es persönlich bisschen unglücklich das ansonsten pauschaliert wird. Ein Tag Tagespflege in der Woche wird genauso angesehen wie fünf Tage in der Woche. Auch Kombinationsleistung finde ich unglücklich. Sobald man diese in Anspruch nimmt fällt man um den oben genannten Prozentsatz runter. Wobei es doch ein Unterschied sein sollte ob derjenige morgens und abends sieben Tage in der Woche Hilfe bekommt oder zb einmal in der Woche zum waschen. Tagespflege ist ja auch ein Unterschied ob die pflegende Person einen oder fünf Tage in der Woche in der Tagespflege ist.


    Daher habe ich persönlich, als ich den Pflegedienst einmal in der Woche zur großen Wäsche hier hatte für meine Mutter monatlich um eine private Rechnung gebeten welche ich dann überwiesen habe. War für mich von Vorteil so komplett auf die Kombinationspflege zu verzichten, volles Pflegegeld zu erhalten und somit auch volle Rentenbeiträge. Dieses rechnet sich aber nur bei sehr wenig Unterstützung vom Pflegedienst.


    Ich hoffe, ich konnte es ein bisschen aufklären.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Nicole,


    vielen Dank für Ihre Ergänzung zum Thema Rentenversicherungsbeiträge für nichtprofessionelle Pflegepersonen, insbesondere im Hinblick auf die Abstufungen der Beiträge bei Kombinationsleistungen und Inanspruchnahme von Sachleistungen. Wirklich eine gute Ergänzung.


    Hier nochmal zur Vervollständigung der Link zur Internetseite des Bundesministeriums für Gesundheit zu den sozialen Absicherungen für Pflegepersonen:


    https://www.bundesgesundheitsm…icherung-der-pflegeperson



    Mit freundlichem Gruß

    Birgit Spengemann

  • WWD-Admin

    Hat das Thema geöffnet.

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