Hallo erstmal und meine „Geschichte“

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  • Lasst uns also unser gemeinsames Boot steuern so gut es geht, auf dass wir die ruhigeren Gewässer erreichen. Und wenn eine(r) mal keine Kraft mehr hat zum Paddeln, dann paddeln die anderen eben ein bisschen mehr.

    Hier hatte ich tatsächlich Tränen in den Augen. Bei mir ist es ja tatsächlich so, dass ich von außen zu schauen muss, wie meine Eltern untergehen.


    Das ist das was das Forum ausmacht, jederzeit Hilfe zu bekommen.

  • Trotzdem will ich aus diesem Boot mit Euch nicht aussteigen, nur im Moment mehr ruhig mitfahren, manchmal mit Worten mitrudern, wenn ich glaube, etwas sagen zu können...

    Bitte bleibe ein Mitfahrer. Aus der Vergangenheit sind sicher noch einige Baustellen abzuarbeiten.

  • @ecia: ich kann es total nachvollziehen, dass bei dir nun nochmal vieles hochkommt. Das ging mir nach dem Tod meines Vaters und letztes Jahr nach dem Tod meines Bruders so, ca. ein halbes Jahr wirklich depressiv mit vielen flashbacks etc. Hast du psychologische Betreuung? Da kann ich nur zu raten.

    Mir hat die psychosomatische Akutklinik letzten Herbst auch sehr weitergeholfen. Die gibt es sowohl für gesetzlich als auch privat Versicherte und ist intensiver als eine Reha, die man im Rentenalter auch nicht mehr so ohne weiteres bekommt, ich glaube nur nach Gelenkersatz-OP. Aber die psychosom. steht dir zu, du hast ja offensichtlich auch ne Menge Mist erlebt!

    Es ist schön, wenn du dich ansonsten zwischendurch meldest, nun scheint es ja für den Fall deiner Schwester auch hier vielleicht mal wichtig zu sein.

    Alles Liebe für dich

    Rose60

  • Ich selbst ermahne mich immer (bzw. werde ermahnt :-). mein Leben so zu leben, dass ich das Schöne nicht übersehe, sondern genieße bzw. mir bewusst Schönes schaffe. Gleichzeitig möchte ich in meinen Werten verankert bleiben, menschlich sein, mir Mühe geben und nicht z.B. "Gleiches mit Gleichem vergelten", mich nicht in Trauer und Wut verlieren, wobei beide Gefühle partiell durchaus mal gesund sein können.

    Genauso sollte es sein. Vielleicht habe ich das mit dem Sog in den Abgrund etwas zu drastisch beschrieben. Mir geht es ausschließlich in Bezug auf meine Eltern so.


    Bei allen anderen Dingen im Leben läuft es glücklicherweise einigermaßen rund.


    Wenn ich bei dem Vergleich mit dem Wasser bleiben darf: In meinem Leben schippern wir auf so einer Art Partyboot (stell Dir einen Schaufelraddampfer mit Beleuchtung kurz nach dem Sonnenuntergang vor) über einen großen See oder einem breiten Fluss bei besten Wetter und leichtem Wellengang dahin. Wir genießen einfach das Leben ohne Sorgen und mit Arbeit, die Spaß macht.


    Zu diesem Leben hatte ich meine Eltern eingeladen (bzw. sie wollen mit an Bord und ich habe ihnen die Bordkarte spendiert!). Statt in ihrer Luxuskabine zu bleiben, den Seeblick und das leichte Schaukeln des Bootes und die Tea-Time zu genießen, sind meine Eltern irgendwann auf dem Weg zum Kaptänsdinner in ein Boot eingestiegen, das irgendwo als Unrat herumlag und dessen Boden ganz durchlöchert ist und sind mit der "Putzfrau" als Steuermann unterwegs.

    Das verstehe ich. Das war bei mir genauso, aber ich tröste mich damit, dass ich alles Menschenmögliche getan habe, um meiner Mutter zumindest ein Floß zuzuwerfen. Auf dem treibt sie jetzt den Fluss hinunter, ... aber sie sieht dabei nicht (mehr) unglücklich aus. Das zählt.

    Sie woll(t)en mich zwingen, diesen (ihre) Weg zu befahren, was objektiv betrachtet falsch ist und mich in eine völlige Isolation von meinem gesamten Leben führen würde.

    Leider sind sie unglücklich, diese Trauer wird mit der Wut auf mich kompensiert.


    Mit "Sog in den Abgrund" meinte ich eher das "Problem" mit meinen Eltern. Sie reißt es bildlich immer mehr in die Tiefe und sie sind mittlerweile so weit von mir entfernt, dass ich ihnen noch nicht einmal mehr die Hand reichen kann, weil sie so tief im Sumpf stecken.

    Durch meine Aufarbeitung (z.T. Wegschaffen der Messi-Massen, Gespräche mit alten Freunden der Eltern) haben sich solche Abgründe aufgetan, die so einfach nicht zu verkraften sind.

    Zu seinen Eltern soll man eigentlich aufschauen und das geht jetzt nicht mehr.

  • Ich finde das war ihr schreibt sehr berührend.


    Ich möchte aber auch nochmal bei dem einhacken was Rose gesagt hat. Habt ihr psychologische Hilfe? Ich kann ebenfalls nur sehr dazu raten. Mir war es in meiner schweren Zeit eine ganz unglaubliche Hilfe die mein Leben massiv zum besseren gewendet hat.


    Ohne immer wie Werbung klingen zu wollen, es gibt im Internet extrem niedrigschwellige und kurzfristig verfügbare Angebote mit psychologischer Beratung z.B. per Videochat auch am Abend nach 20 Uhr.


    ecia25

    Ich kann deine Worte so gut nachvollziehen. Vielleicht hilft es dir zu wissen das du in dieser Erfahrung nicht alleine bist.
    Ich habe vielleicht schon ein Stück mehr Abstand (heute sind es bei meinem Vater 11 Monate) aber stoße immer wieder auf die gleichen Sachen wie du. Ich bewerte heute (auch mit dem was ich durch meine Psychologin gelernt habe und weil ich heute in vieler Hinsicht ein anderer Mensch bin wie vor einem Jahr) ebenfalls ständig mein "Elternhaus" neu. Leider auch nicht zum positiven weil ich erst heute mit etwas Abstand sehe wie ich über Jahrzehnte hin kleingemacht und manipuliert wurde. Gerade mein Vater um dessen Anerkennung ich ja immer gerungen habe kommt da im Moment recht schlecht weg.

    Seih es drum, das ist ein schmerzhafter Prozess den viele durchmachen müssen. Ich selbst tröste mich damit das am Ende vielleicht ein ganz deutlicher innerer Abstand zu alldem steht, man das Thema abschließt und als Ballast abwirft.
    (Wobei ich manchmal gar nicht weiß bin ich mehr sauer auf mich selbst weil ich es zugelassen habe und mir selbst nicht helfen konnte, oder richtig sich der Groll eher gegen die die das aktiv getan haben).


    Hat eigentlich mit dem Thema nichts zu tun, was mich im Moment massiv irritiert. Ich habe nie eine Ähnlichkeit (äußerlich) mit meinem Vater gesehen. Jetzt treibe ich viel Sport habe mein Gewicht massiv reduziert und plötzlich ist die Ähnlichkeit da wenn ich in den Spiegel schaue und zwar sehr deutlich ausgeprägt, zu einem Zeitpunkt wo ich das eigentlich gar nicht mehr haben möchte.

  • Hallo Sohn83 , wie schön, dass du dich hier immer nochmal einklinkst!

    Ich musste schmunzeln, wenn ich meine Haare länger trage, sehe ich meiner Mutter ähnlich, wenn sie zu kurz sind(wie aktuell), sehe ich meinem Vater ähnlich - und letzteres ist noch schlimmer..

    Du bist noch auf dem Weg, wo dir sicher einige Schuppen von den Augen fallen und wie ich sicher weiß, kann das mitunter traurig sein - aber: es lohnt sich. Auch wenn man zwischendurch trauriger wird, manche Dinge sind sinnvoll zu betrachten, damit man das Paket zumachen kann irgendwann, i.S.v. war so, ist Sch..., aber nicht mehr zu ändern - und dann positive Ziele nach vorn setzen.

    Wenn man es immer verschlossen hält, kommt es irgendwann an falscher Stelle hoch, wo andere dann sagen "was ist denn mit dem los?"

    Also weiter so auf dem Weg der Befreiung!!

    Man kann Strategien entwickeln (mit professioneller Hilfe), wie man manchmal schneller aus dem Loch herauskommt oder nicht immer wieder alten Bildern ausgeliefert ist .

    Ich wünsche dir viel Erfolg bei der weiteren Bearbeitung und dass du dann einiges "verschließen" kannst!

    Liebe Grüße

  • Hallo Sohn83 , wie schön, dass du dich hier immer nochmal einklinkst!

    Ich musste schmunzeln, wenn ich meine Haare länger trage, sehe ich meiner Mutter ähnlich, wenn sie zu kurz sind(wie aktuell), sehe ich meinem Vater ähnlich - und letzteres ist noch schlimmer..


    Jetzt musste ich aber herzlich lachen ;-).

    Danke für deine lieben Worte besser könnte man es nicht beschreiben.

  • Ja genau, den Verdacht auf Demenz würde ich vor der Mutter nicht erwähnen. ZU einem späteren Zeitpunkt der Demenz wird die Tragweite jeglicher Diagnose jedoch (eigentlich zum Glück!) nicht mehr erfasst.

    DANE für diese Meinung... das ist interessant... ich glaube ich hätte zu jeder Zeit dem zugestimmt, dann habe ich mal gelesen, man solle die Eltern nicht belügen und man solle nicht auf Demenz testen lassen ohne es anzusprechen und dann dachte ich: okay... ja solange selbstbestimmt irgendwie noch geht ist da auch was dran....
    Tatsächlich finde ich genau diese Entscheidung nicht so einfach, denn ich verstehe beide Argumentationen...
    Ich neige persönlich dazu es Ihr nicht zu sagen... ABER das hat auch den Grund das ich mit einer agressiven Reaktion Ihrerseits rechne... und das versuche ich tatsächlich zu umgehen wo immer es geht (ja teilweise ist es keine gute Idee, weil ich dabei auf der Streclke bleibe.... aber ich habe so viel um die Ohren, dass ich das Gefühl habe eine Auseinandersetzung mit ihr gerade nicht auch noch zu ertragen.... eigentlich schlimm... ich bin eine gestandene Frau aber vor meiner alten, kranken Mutter habe ich immernoch Angst ! )

  • DANKE dieser Post enthält so viel Wahrheit !!!

  • dann habe ich mal gelesen, man solle die Eltern nicht belügen und man solle nicht auf Demenz testen lassen ohne es anzusprechen

    Hallo Trinity,

    die (wahrscheinliche) Diagnose "Demenz" ist ja bisher nur eine Vermutung. Mit Vermutungen musst du nicht kommen. Aber du kannst und musst deiner Mutter sagen, zu welcher Ärztin du sie bringst: Neurologin, Fachärztin für "Erkrankungen des menschlichen Nervensystems sowie der Muskulatur".

    Vielleicht reicht auch schon der Begriff "neurologische Fachärztin".

    Mit der Ärztin zu klären wäre auch, ob du während der Untersuchung anwesend sein sollst oder nicht.

  • Wobei ich manchmal gar nicht weiß bin ich mehr sauer auf mich selbst weil ich es zugelassen habe und mir selbst nicht helfen konnte, oder richtig sich der Groll eher gegen die die das aktiv getan haben

    Sein nicht sauer auf Dich oder auf Deinen Vater. Du kannst es ohnehin nicht ändern.

    Diese Dinge konntest Du als Kind nicht wirklich beurteilen: Für Dich war es normal, wie solltest Du erkennen, was da wirklich abgelaufen ist.


    Leider auch nicht zum positiven weil ich erst heute mit etwas Abstand sehe wie ich über Jahrzehnte hin kleingemacht und manipuliert wurde. Gerade mein Vater um dessen Anerkennung ich ja immer gerungen habe kommt da im Moment recht schlecht weg.


    Die große Leistung besteht ja darin, was aus Dir geworden ist, trotz der Erniedrigungen. Du bist nicht zerbrochen, sondern bist gewachsen und wirst noch weiterwachsen.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde, auch von meiner Seite "danke" für die wertvollen Beiträge. Es hat mich wieder sehr bewegt, wie intensiv diese gegenseitige Unterstützung ist und ich als Fachmann nur wenig hinzufügen möchte.


    Das Bild des Bootes, in dem viele der aktiven Schreibenden und vermutlich auch Mitlesende gemeinsam rudern ist echt stark!

    Beim Lesen habe ich gedacht: Die Richtung stimmt, alle rudern Sie in die gegenseitige Unterstützung und Stärkung durch die gemeinsame schwere Erfahrung mit demenzkranken Eltern, die zusätzlich einen Persönlichkeitsstörung haben! Niemand ist mehr allein - so wie früher in der Kindheit, alle stehen sich gegenseitig bei und stärken sich!!


    Ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie diesen Kurs halten, zudem sind Klarheit in der Bewertung der Situation und im Handeln wichtig!


    Als ich Ihren Beitrag, Trinity15 las, dachte ich erst einmal nicht an eine narzisstische Begleiterkrankung. Die starke Zunahme von demenzähnlichen Symptomen sind sehr oft Folge eines Delirs nach einem Krankenhausaufenthalt. Oft verbunden mit Halluzinationen und wahnhaftem "ver-rücktem" Erleben. Oft haben mir alte Menschen später erzählt, wie unangenehm ihnen diese Phase war. Bitte fragen Sie den Neurologen diesbezüglich nach einer Einschätzung, denn sehr wechselhafte Bewusstseinszustände und Schwankungen sind typische Merkmale. Ich gehe mal davon aus, dass Ihre Mutter nicht (mehr) die "alten" (trizyklischen) Antidepressiva bekommt, die das Delirrisiko erheblich verstärken...


    Hinzu kommt der Aspekt auf den Sohn83 aufmerksam gemacht hat: Gerade bei einer gefäßbedingten (vaskulären) Demenz haben Durchblutungsstörungen und ein (relativ) zu niedriger Blutdruck Einfluss auf die Schwankungen. Wenn die Gefäße sowieso zu eng sind, braucht es einfach mehr Druck und eine Ohnmacht ist ein wichtiger Hinweis für eine genaue ärztliche Diagnostik.

    Hinzu kommt, dass viele Schmerzmittel und Psychopharmaka zusätzlich den Blutdruck senken. In solchen Situationen habe ich die Pflegekräfte immer angehalten, mehrfach am Tag - und bei besonderen Verhaltensweisen - den Blutdruck zu messen und diese dem behandelndem Arzt vorzulegen.


    Ich schreibe dies so ausführlich, weil oft bei Menschen mit Depressionen, herausfordernden Persönlichkeiten oder belastenden Biografien die körperlichen Aspekte zu wenig beachtet werden.

    Alles Gute, Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Herr Hamborg,


    Erst mal herzlichen Dank für ihre ausführliche Antwort.

    Tatsächlich gehen ich von einem Delir aus, als meine Mutter im Sommer 2022 nach ihrer schweren OP ins Altersheim kam.

    Auch das mit den Blutdrucksenkern scheint mir logisch und tatsächlich hat ihre Ärztin die Medikation umgestellt und seit ca. 10 Monaten ist meine Mutter auch nicht mehr ohnmächtig geworden (das würde das erklären, tatsächlich hatte ich mich über die neuen Medikamente gewundert, aber obwohl ich die Ärztin nie gesehen habe, sondern nur am Telefon gesprochen hatte ich bei ihr ein gutes Gefühl- das scheint sich ja nun zu bestätigen…)

    Ich empfinde es so, dass meine Mutter zwar keinerlei Kritik verträgt, aber das war schon immer so (eher noch schlimmer), sonst ist sie inzwischen sehr friedlich und sogar relativ zufrieden. Sie meckert öfter mal über die bösen Pfleger oder übers essen(aber ich glaube fast das ist normal). Tatsächlich empfinde ich sie milder als früher… meine Schwester und meine beste Freundin (die sie ja beide gut kennen, aber seitdem sie im Altersheim ist kaum sehen (beide haben jetzt 100km Anfahrt) ) reden ständig davon dass unsere Mutter diese Dinge macht um mich zu Stressen oder um mich traurig zu machen (Geburtstag vergessen)… Ich verneine das (und bin mir zu 99% sicher) dass es das nicht ist, sondern dass sie es wirklich nicht mehr weiß… das hat mich letzte Woche sehr getroffen und sehr traurig gemacht…

    Manchmal weiß ich nicht so recht wie ich mich verhalten soll: das Ruder komplett übernehmen und auch ärztlich alles so machen wie ich es für richtig halte, oder akzeptieren dass sie es zwar toll findet wenn viele Ärzte sie untersuchen und sich viele Leute kümmern, sie dann aber nichts ändert und nicht an sich arbeiten… ?

    Sie sitzt mit ihren 78 Jahren im Rollstuhl (seitdem mein Papa tot ist und sie die Rückenverletzung hatte) sie hatte Monate lang Physio, wenn die Dame da ist kann sie am Rolator laufen, sobald sie weg ist sagt sie: sie könnte das nicht (schätze da ist auch Angst vor einem meinen Sturz?), meine Mutter ist Inkontinent (Harn- als auch Stuhlgang) mal schlimmer mal ist es fast wieder weg, die Zeit zwischen früher, heute und morgen verschwimmt… sie schmeißt oft alles durcheinander, Anfang Januar konnte sie sich kein Brot mehr selbst schmieren, jetzt geht es wieder. Ich habe inzwischen vor jedem Telefonat Herzklopfen wie verrückt, weil ich nicht weiß was mich erwartet… mir fällt es noch sehr schwer mit der jedes Mal neuen Situation umzugehen…

    Das schlimmste ist: seit Jahren (seit ca2019) ist meine Mutter schon nicht mehr mit einkaufen gefahren, der Haushalt meiner Eltern war eine Katastrophe, gekocht hat wenn, dann mein Papa… Ich dachte immer es wäre weil sie körperlich so unfit ist (denn das ist sie schon lange), aber inzwischen glaube ich dass sie vieles schon damals kognitiv nicht mehr hin bekommen hat.

    Sie hat schon seit Jahren soziale Kontakte abgelehnt (früher hatte sie sehr viele Menschen um sich…)

    Ich mache mir vorwürfe, weil ich denke ich habe das Ausmaß nie gesehen (sehen wollen?) und hätte mehr tun sollen… manchmal denke ich der Zug ist abgefahren, ich kann einfach nur noch für sie da sein….

    Hinzu kommt, dass ich wirklich mit der gesamten Situation überfordert bin, da es ja zusätzlich noch die Themen: Hausverwaltung, meine Tante und mein eigenes Leben mit Kind, Haus, Hund und Selbständigkeit gibt…

    Ich fühle mich dauerhaft schlecht, weil ich immer denke: ich fahre zu selten hin, ich rufe zu selten an, ich müsste sie viel öfter mit den Rollstuhl aus dem Altersheim raus holen…

    Im Prinzip führe ich die Vorwürfe (im abgeänderter Form) weiter, die mir meine Mutter ein ganzes Leben lang gemacht hat… 😔

  • Hallo, erstmal mach Dich von den Vorwürfen frei. Man kann seine Zeit nur einmal vergeben. Deine Mutter ist gut aufgehoben und es wird für sie gesorgt. Du musst Dich jetzt nicht aufarbeiten, es wird nicht mehr besser. Wenn sie zufrieden ist (meckern gehört dazu), dann ist es doch gut. Du musst hier nichts mehr gut machen.


    Du darfst abgeben und Du darfst auch mal nicht anrufen.


    Meine Eltern sind inzwischen auch alt und leben ihr Leben so vor sich hin. Sie wollen keine Einmischung. Und deshalb lasse ich es, so lange ich es für vertretbar halte.


    Gruß

  • Mensch, Trinity15, das ist so traurig zu lesen.

    Mach Dir bitte keine Vorwürfe mehr. Ich weiß, das sagt sich so leicht, ich kann das auch sehr gut, mir Vorwürfe machen.


    Aber am wichtigsten ist doch nach vorne zu schauen. Wir können nun helfen, uns kümmern, jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten.

    Die Patienten sind oft Meister im Verschleiern, kompensieren anfangs ihre Defizite.


    Im Nachhinein sind mir erste Anzeichen lang vor der Diagnose aufgefallen bei meiner Mutter.

    Sie erzählte vor Jahren mal von einer Begegnung auf einer Reise, die unter anderem in den ersten Ort führte, in dem meine Mutter nach der Flucht für acht Monate lebte.

    Sie meinte einen Nachbarsjungen erkannt zu haben, der war natürlich auch jetzt in ihrem Alter. Sie sprach ihn an und war entrüstet, dass er sie nicht wiedererkannte.


    Es war ihr nicht begreifbar zu machen, dass es vielleicht nicht der Junge war und dass es ganz natürlich sei, dass er sie nicht erkenne.



    Du hast so viel zu wuppen, ich finde Dich ganz stark, was Du alles leistest.

    Es gibt Menschen, die sehen ihre Kinder wirklich als Bedürfniserfüller, jederzeit bereitstehend.

    Lass Dich durch solch alten Zöpfe nicht vereinnahmen.

    In erster Linie sind sie für sich selbst verantwortlich und haben die Weichen selbst gestellt.

    Wir können dafür sorgen, dass sie versorgt sind. Aber uns selbst verlieren, ist in den meisten Fällen nicht das, was unsere Eltern sich für uns gewünscht hätten.

    Wenn sie gesund wären.

  • Hallo Trinity15

    auch von mir willkommen im Forum. Du hast ja eine ganz schöne Achterbahn seit Juli 2022 mitgemacht, was die Sorgen, Betreuung und Emotionen angeht.

    So ähnlich habe ich es auch erlebt, als meine Mutter Anfang 2021 ins Pflegeheim kam, nach dem Tod ihres Mannes. Die unmittelbaren Sorgen der Pflege und Versorgung sind dann erst mal weg, aber es dauert doch eine ganze Weile, bis man alles auch emotional verarbeitet hat, vor allem, wenn von seiten der Mutter noch Vorwürfe kommen. Das ist schwer wegzustecken.

    Meine Mutter hat mir noch eine ganze Weile Vorwürfe gemacht, sich ständig beschwert und mit Selbstmord gedroht. Irgendwann habe ich begriffen, dass Worte alles sind, womit sie noch hat und habe mich dagegen gewappnet. Ich durfte dann auch mal durchatmen und mit meinem Leben weitermachen.

    Du darfst jetzt auch mal durchatmen und eine kleine Pause machen, wie die anderen schon sagten, Deine Mutter ist erstmal gut versorgt. Du hast viel für sie getan und dafür gesorgt, dass sie versorgt ist. Du hast keine Schuld an der Situation, sondern machst das Beste daraus, für Dich(!) und für sie (auch wenn sie das vielleicht nicht mehr so wahrnimmt, Du weißt es und darauf kommt es an).

    Ich wünsche Dir alles Gute für den Weg, liebe Grüße - SunnyBee

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