Meine Mutter, 89, hat Demenz

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  • Hallo zusammen, ich bin neu hier im Forum, und wollte mich, bzw. meine Situation kurz vorstellen. Ich lebe allein, und wohne Haus an Haus mit meiner Mutter, die seit ca. 3 bis 4 Jahren an Demenz erkrankt ist. Wie bei vielen Betroffenen, schlich sich auch bei ihr die Erkrankung nach und nach immer mehr ein. Da ich krankheitsbedingt schon verrentet bin, habe ich die Pflege für sie übernommen. Und so, wie die Erkrankung voranschreitet, nehmen auch die täglichen Herausforderungen für mich zu. Meine Kinder sind erwachsen, und haben inzwischen ihr eigenes Leben, und mein Bruder kümmert sich leider auch sehr wenig um unsere Mutter. Somit liegt die komplette Verantwortung bei mit, und ich fühle mich oft überfordert, und weiß nicht weiter. Nun bin ich sehr froh, dass ich auf dieses Forum aufmerksam gemacht wurde, und freue mich auf den Austausch.

  • Liebe groundhog day .

    Herzlich willkommen im Forum. Du wirst hier auf viele Menschen treffen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Auch wenn jede einzelne Situation einzigartig ist.. Allein der Austausch tut sehr gut und man erhält super hilfreiche Tipps und Gedankenanstöße. Es ist oft der erste Schritt, sich hier anzumelden, auf dem Weg zu erkennen, dass man es alleine nicht schafft und auch nicht schaffen muss.


    Hast du schon einen Pflege-Dienst, der Dich stundenweise entlasten könnte? Oft hilft das "Durchschnaufen" zwischendurch. Erzähl gerne mehr, was Deine Herausforderungen sind. Und Du wirst hier viel Beistand erhalten.


    Liebe Grüße

    Sabine

  • Herzlich Willkommen groundhog day :)


    Eine Tagespflege kann dich auch entlasten. Ab Pflegestufe 2 übernimmt die Pflegekasse die Kosten.


    Es ist wichtig, sich nicht selbst in der Pflege zu vergessen, insbesondere wenn du alleine für alles verantwortlich bist. Das hilft weder dir noch deiner Mutter.


    Aber hier im Forum bist du gut aufgehoben. Und wenn es einfach nur dafür da ist, seinen Frust von der Seele zu schreiben. Auch das hilft schon enorm.

  • Hallo, und vielen Dank für die herzliche Aufnahme, und die freundlichen Nachrichten von euch. An dieser Stelle gleich die Frage, schreibt ihr in der "du", oder in der "Sie" Form? Tatsächlich muss ich mich hier noch ein bisschen vertraut machen, ich hoffe auch, dass es mit der Antwort hier klappt.

    Ansonsten schreibe und erzähle ich gern mehr von mir uns meiner Situation. Gerade habe ich nur eine relativ stressige Woche mit vielen Terminen, so dass mir die Zeit fehlt, und manchmal kann ich mich abends auch gar nicht mehr konzentrieren, geht euch das auch so? Dann bin ich teilweise nicht mehr in der Lage vernünftige Sätze zu formulieren, einfach weil ich den ganzen Tag soviel geredet, also erklärt, wiederholt, wieder erklärt etc. habe.

    Hilfe über den Pflegedienst haben wir bislang nur im Haushalt, einmal die Woche für eine Stunde. Gegen eine Tagespflege wehrt sich meine Mutter bislang, das möchte sie auf keinen Fall. Ich denke, sie merkt gar nicht, wie sehr sie meine Hilfe den ganzen Tag braucht, kennt ihr das auch?

  • Liebe/r groundhog day,

    auch von mir noch ein nettes Hallo…

    Seitdem ich selbst hier im Forum bin und das ist auch noch nicht sooo lange, sind wir beim DU und ich finde, es vermittelt eine gewisse Leichtigkeit untereinander. Jeder hier hat so sein persönliches Päckchen zu tragen und im Kreise aller Anonymen finde ich das DU eine optimale Lösung.

    Bei meiner dementen Mutter fing es auch mit einer Wochenstunde Unterstützung durch den Pflegedienst an. Selbst dagegen wehrte sie sich schon mit Händen und Füßen.

    Ganz schnell wurde aber mehr Hilfe nötig. Auch meine Mutter wollte damals auf gar keinen Fall in die Tagespflege. Nach langen Diskussionen stellte ich sie dann vor die Wahl: Tagespflege oder mehr Hilfe durch den Pflegedienst zu Hause?

    Damit war das Thema Tagespflege erst einmal vom Tisch.

    Aus meiner heutigen Sicht, hab ich damals viel zu lange mit ihr diskutiert. Also bitte, warte nicht zu lange auf die nötige Hilfe.

    Überlege dir, wieviel Hilfe und wofür sie nötig ist und dich entlastet.

    Du könntest dann mit eurem Pflegedienst besprechen, was machbar ist.

    Gibt es schon einen Pflegegrad?

    LG Stern

  • Auch an dich liebe(r) Stern0709, nochmal ein herzliches Dankeschön für die freundliche Aufnahme hier im Forum.

    Ich fand ganz interessant, was du berichtet hast, gefällt es deiner Mutter denn nun in der Tagespflege, und an wieviel Tagen ist sie dort untergebracht? Diese Gespräche kenne ich auch nur zu gut, immer wenn der Vorschlag von mir kommt, meint meine Mutter, soweit wäre sie noch nicht.

    Eine ganz andere Sache beschäftigt mich auch oftmals, gerade hatte ich wieder aktuell so eine Situation, da würde mich sehr interessieren, ob diese Erfahrung bei euch auch schon gemacht wurde. Und zwar ist es häufig so, dass meine Mutter an Tagen wo sie hier zu Hause sehr verwirrt ist, dann z.B. woanders ist, und ich die Rückmeldung bekomme, dass man ihr ihre Demenz kaum angemerkt hat. Grundsätzlich ist sie nicht so oft woanders, gestern hatte ihre Schwägerin Geburtstag, und dort habe ich sie für ein paar Stunden allein gelassen, da ich einen Termin hatte. Wenn ich dann solche Rückmeldungen bekomme, weiß ich gar nicht, was ich denken soll. Einerseits freut es mich natürlich für meine Mutter, und auch für alle anderen, aber ich denke dann auch, was ist hier eigentlich los, wie kann das sein? Habt ihr solche Erfahrungen auch schon gemacht?

    Erstmal liebe Grüße von groundhog day.

  • Zuerst auch von mir ein herzliches Willkommen hier.

    Ja, solche Erfahrungen kenne ich und die sind im Grunde auch klassisch, weil sich die dementen Menschen vor anderen so wenig Blößen wie möglich geben wollen. Genau daraus entsteht ja auch das Phänomen, dass sie sich bei Begutachtungen durch den MDK von ihrer besten Seite zeigen, so dass die Angehörigen oft genug die Befürchtung haben müssen, nicht die tatsächlich erforderliche Einstufung zu bekommen.

    Da werden dann einfach alle Kräfte zusammengenommen und alle Energie hineingesteckt, dass nur ja niemand irgendeine Schwäche der dementen Person mitbekommt - und oft ist es hinterher dann noch heftiger, weil die Energie verbraucht ist.

  • Liebe groundhog day

    Die Diskussionen über die Tagespflege hatten wir letztes Jahr im Sommer mit meiner Mutter.

    Da wohnte sie noch in ihrer eigenen Wohnung. Dann hat sich ihr Zustand innerhalb von ein paar Wochen so derart verschlechtert, dass eine Entscheidung her musste.

    Wir haben den Pflegedienst dann 3 x täglich zur Med.gabe gehabt plus zusätzlich 2 Stunden pro Woche für Betreuung und Unterstützung im Haushalt.

    Dazu muss ich aber sagen ich wohne 370km entfernt.

    Aber auch das ging nur ein paar Wochen gut.

    Scheinbar hatte meine Mutter zu dieser Zeit einen heftigen Schub. Sie wusste nicht mehr wann und ob sie überhaupt etwas gegessen hatte, lief orientierungslos im Haus herum und klingelte nachts bei den Nachbarn.

    Wir haben sie dann zu einem Umzug in Betreute Wohnen gedrängt. Die Wohnung hatten wir uns längere Zeit vorher schon angesehen und sie war glücklicherweise noch frei.

    Seitdem geht sie nun einmal pro Woche zur Tagespflege, was sie ja niemals wollte.

    Am Anfang hat sie sich gesträubt und wollte immer zurück in ihre Wohnung.

    Mittlerweile hat sie sich aber daran gewöhnt. Zumindest bekomme ich diese Info vom Pflegepersonal. Allerdings sagt ihr der Begriff Tagespflege mittlerweile auch nichts mehr.

    Auch bei uns war es damals genauso, dass Außenstehende kaum etwas von ihrer Demenz mitbekommen haben. Dinge, die mehrfach erzählt wurden, waren dann eben normale Altersvergesslickeit. Auch ich selbst hab noch fast ein Jahr nach der Diagnose gedacht, es geht ja noch… Das ganze Ausmaß haben wir dann eigentlich beim Ausräumen der Wohnung erst erkannt. Was wir dabei vorgefunden haben, hat sich nicht nur in ein paar Wochen entwickelt.

    Vielleicht musst du mal unauffällig den ein oder anderen Schrank anschauen, das hätte ich auch viel früher tun sollen.

    Was ist mit Arztterminen, nimmt deine Mutter sie wahr? Alleine oder mit dir?

    Auf jeden Fall solltest du alle Aussagen deiner Mutter mit einer gewissen Skepsis betrachten.

    Nicht immer merkt man sofort, ob das Gesagte stimmt oder nicht…

    Liebe Grüße

    Stern

  • Hallo groundhog day,

    was für ein hübscher Nickname, ich find den absolut passend für unsere Situationen.


    Das mit der Fassade für andere kenne ich von meiner 88jährigen Mutter auch. Ich mein, es geht ja wahrscheinlich jedem so, dass man sich von seiner besten Seite zeigen will. Bei unseren kranken Angehörigen ist es noch verstärkt, weil sie versuchen eine "Normalität" vorzuspielen, die es nicht mehr gibt.

    Meine Mutter meint immer, es sei doch alles bestens, warum denn was ändern im Haus. Sie will kein Pflegebett, keinen Treppenlifter, keine erhöhte Toilette, keinen Pflegedienst, der ihr die Tabletten richtet, die Augentropfen und Insulinspritzen verabreicht, warum sie denn in die Tagespflege solle und sie wolle überhaupt nie aus ihrem Haus.


    Sie können nicht mehr erkennen, was für eine Belastung sie sind, sie nicht mehr allein in ihrem Heim leben können.


    Und bei all diesen Mankos ist es faszinierend für mich zu beobachten, dass Muttern von Kinderstimme in nullkommanix auf ihre "Sparkassenstimme" umswitchen kann.

    Sie hat früher dort gearbeitet.


    Dem MDK erzählt sie ihre "Wahrheit", aber die kennen auch ihre Pappenheimer und finden durch Nachfragen schon die tatsächliche Situation raus. Hinterher stelle ich beim MDK noch ein paar Sachen klar.


    LG PausE

    • Offizieller Beitrag

    Hallo groundhog day ,



    Und zwar ist es häufig so, dass meine Mutter an Tagen wo sie hier zu Hause sehr verwirrt ist, dann z.B. woanders ist, und ich die Rückmeldung bekomme, dass man ihr ihre Demenz kaum angemerkt hat. Grundsätzlich ist sie nicht so oft woanders, gestern hatte ihre Schwägerin Geburtstag, und dort habe ich sie für ein paar Stunden allein gelassen, da ich einen Termin hatte. Wenn ich dann solche Rückmeldungen bekomme, weiß ich gar nicht, was ich denken soll. Einerseits freut es mich natürlich für meine Mutter, und auch für alle anderen, aber ich denke dann auch, was ist hier eigentlich los, wie kann das sein? Habt ihr solche Erfahrungen auch schon gemacht?

    Erstmal liebe Grüße von groundhog day.

    auch von mir ein "Willkommen im Forum". Dieses Phänomen kennen viele.
    Diese Fassade, das "Zusammenreissen" vor Dritten. Es kann so weit gehen, dass z.B. auch erfahrene Gutachter sich Mühe geben müssen dahinterzusehen um festzustellen, wie groß der Hilfebedarf im Alltag tatsächlich ist.
    Dazu kommt, dass Betroffene durch Besucher oder in Besuchssituationen anders oder nicht so sehr gefordert sind wie im Alltag. Ihre Schwägerin war bestimmt bemüht, eine gute Gastgeberin zu sein und hat Ihre Mutter daher vermutlich auch "umsorgt". Sie war also nicht sehr gefordert und dadurch fällt es dann meist auch leichter, die Fasse aufrechtzuerhalten.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

  • Dem MDK erzählt sie ihre "Wahrheit", aber die kennen auch ihre Pappenheimer und finden durch Nachfragen schon die tatsächliche Situation raus. Hinterher stelle ich beim MDK noch ein paar Sachen klar.


    LG PausE

    Hallo alle!

    Habe jetzt schon oft gelesen, dass ihr dem MDK mit Informationen verseht - ich hatte einen Brief geschrieben (da selbst nicht vor Ort beim Telefongespräch), in dem ich einige Dinge berichtet hatte. Die damalige Antwort vom MDK-Mitarbeiter war, dass meine Darstellungen absolut nicht mit in die Bewertung eingehen werden, sondern dass der Mitarbeiter der mit meiner Mutter spricht sich dann selbst ein Bild der Situation (Pflegestufe-Bedarf) bilden wird.

    Ich stelle also immer wieder fest, das ich mich zu leicht habe "abspeisen" lassen.

    Spielt eigentlich keine Rolle mehr, da meine Mutter nun im Pflegeheim gut betreut wird. Trotsdem vielleicht interessant fuer diejenigen, die sich noch "am Anfang" befinden....

    Liebe Gruesse

    Weit Weg

  • Die damalige Antwort vom MDK-Mitarbeiter war, dass meine Darstellungen absolut nicht mit in die Bewertung eingehen werden

    Nach meiner Erfahrung ist das zwar eine Art Standartantwort, aber tatsächlich haben die Gutachter da dann schon einiges auf dem Schirm, sofern sie sich vor dem Besuch damit befasst haben.

    Das ist so ähnlich wie in der Kindererziehung: man sollte nicht immer eine sofortige erkennbare Wirkung erwarten, aber eine verzögerte, die vielleicht tiefer dringt ist wahrscheinlich.

  • Bei so einer Antwort würde ich umgehend einen Brief an den MD schreiben. Es kann ja nicht sein, dass ich als Angehörige einen seitenlangen Fragebogen ausfüllen soll und dann werde ich nicht gehört?


    Aber vielleicht sollte man bei den Begutachtungen aus Rücksicht auf den Patienten gar nicht hinterm Berg halten und schonungslos alles aufzählen, was nicht der Wahrheit des Patienten entspricht. Ich bin mit dem rücksichtsvollen Weg beim MD immer durchgedrungen, aber mag natürlich sein, dass ich einfach Glück hatte.


    Ansonsten es wie ecia25 halten, ist wohl der entspanntere Weg. Und zum Ziel führt der dann ja auch.

  • Danke, ihr Lieben.

    Wie gesagt, da ich damals nicht persönlich mit dabei sein konnte, schickte ich den Brief, da ich wusste, das meine Mutter beim Telefonat "schwindeln" wuerde.

    Naja, das liegt schon lange hinter uns, jetzt ist sie in einem guten Heim und scheint sich dort recht wohl zu fuehlen (sie ist zu Hause, sagt sie).

    Euch allen noch einen schönen Sonntag!

    Liebe Gruesse

    Weit Weg

  • Hallo @groundhogday und alle,


    groundhog day By the way: Dein Nick passt sehr gut zu meinem Thread, da hätte ich aber auch drauf kommen können ... ;)


    Als es damals bei meiner Mutter um die Erhöhung der Pflegestufe (sie hatte 1) ging, habe ich in einem Schreiben meine Beobachtungen festgehalten und sie hatte dann in nullkommanix Pflegestufe 3.

    Sie behauptet heute noch (nach 3 Jahren im Pflegeheim), dass sie alles kann und sich prima alleine versorgen kann.

    Ich denke, dem MDK ist klar, dass die Aussagen der Angehörigen, bzw. derjenigen die betreuen, wichtig sind, da die Demenzerkrankten eben einen gewissen Realitätsverlust haben, bzw. die Realität nicht mehr richtig erkennen und einordnen können. Gehört meiner Meinung nach zum Wesen der Krankheit und ist halt so.

    Ich persönlich bin ein großer Freund von Dokumentation, denn: das was ich damals für den MDK schriftlich festgehalten hatte, konnte ich dann auch zum Teil bei ihrem Einzug ins Pflegeheim verwenden und musste nicht alles nochmal schreiben. Durch die Dokumentation lassen sich bspw. auch Veränderungen gut festhalten und/oder erkennen.


    Liebe Grüße, SunnyBee

  • Ich habe sehr unterschiedliche Erfahrungen mit dem MDK gemacht. Die este hat sich viel Zeit genommen, hat meine Eltern unauffällig "geprüft" ala "Zeigen sie mir doch einmal ihr Badezimmer". Ich hatte bei ihr einen sehr guten Eindruck.

    Die zweite hat nur ihren Fragenkatalog abgehakt. Meine Mutter hat während der ganzen Zeit im Sessel gesessen und musste noch nicht mal aufstehen, damit die Dame sehen konnte, wie gut sie wirklich noch laufen und aufstehen kann. Und meine Mutter hat natürlich alles beschönigt. Meine Einwände wurden nur mit einem Seitenblick gewürdigt. Ergebnis: Pflegestufe 1. Sie kam dann ins KH, dort wurde vom KH ein Neuantrag gestellt und alleine aufgrund der Aktenlage wurde Stufe 2 bewilligt. Zwischen beiden Anträgen lagen keine 2 Monate.

    Sprich, wenn man den Eindruck hat, der MDK schaut nicht hinter die Fassade, lohnt sich immer ein Einspruch.

  • Hallo ihr Lieben,

    zunächst erstmal vielen Dank für die vielen hilfreichen und ermutigenden Antworten auf meine letzte Nachricht. Es tut so gut zu lesen, dass ich nicht allein mit meinen Problemen bin. Auch der Tipp mit der Dokumentation finde ich richtig gut, ich hatte mir auch schon hin und wieder mal vorgenommen, am Abend so ein paar gravierende Dinge zu notieren, aber dabei blieb es dann auch.

    Nun wollte ich euch heute mal fragen, ob ihr folgendes Problem auch kennt:

    Und zwar hat sich der Alkoholkonsum meiner Mutter in den letzten Jahren drastisch erhöht, bzw., ist zumindest auch eine Regelmäßigkeit vorhanden. Ich würde auf jeden Fall von einem mißbräuchlichen Konsum sprechen. Ich habe das Gefühl, und ganz zu Anfang hat es meine Mutter auch zugegeben, dass sie verzweifelt über die Situation ist, und wenn sie dann etwas trinkt, kann sie es besser ertragen. Im Prinzip völlig einleuchtend, nur hat sie die Sache meiner Meinung nach nicht mehr unter Kontrolle. Tagsüber sehe ich oftmals ein Bierglas, auch schon zum Mittag, dann steht irgendwo eine Flasche Rotwein, und die Schnapsflaschen versteckt sie, den trinkt sie heimlich. Gelegentlich kann ich es riechen, und sie lutscht dann jetzt neuerdings Bonbons nach dem Konsum. Das macht die ganze Sache noch komplizierter. Kennt das jemand von euch auch?

    Erstmal herzliche Grüße und einen schönen Sonntagabend.

  • Hallo groundhog day


    leider, leider kenne ich das Thema allzu gut.

    Nun wollte ich euch heute mal fragen, ob ihr folgendes Problem auch kennt:

    Und zwar hat sich der Alkoholkonsum meiner Mutter in den letzten Jahren drastisch erhöht, bzw., ist zumindest auch eine Regelmäßigkeit vorhanden.

    Der Mann meiner Mutter (nicht mein Vater) war jahrzehntelang heftiger Trinker, wobei er das sehr gut verbergen konnte, er war ein sogenannter "Spiegeltrinker".

    Mir ist das erst in den letzten Jahren seines Lebens aufgefallen, bzw. als sich auch die Demenz meiner Mutter immer deutlicher zeigte und sie auch anfing, mehr Alkohol zu sich zu nehmen, als für sie gut war. Die beiden befanden sich in einer üblen Abwärtsspirale ... sie merkte nicht mehr, wie viel sie trank und er konnte es nicht stoppen, bzw. aufhören.

    Bei den beiden fing es oft vormittags mit einem Wein-Schorle an, mittags gab es ein Bier zu Essen, nachmittags - oft mit Nachbarn - Likör oder Sekt und abends dann Wein. So richtig ausgeflippt bin ich einmal, als ich meine Mutter für eine Woche mit zu mir genommen hatte, weil ihr Mann im Krankenhaus war und bemerkte, dass ihre Handtasche klapperte ... sie hatte sie mit diesen kleinen Schnapsfläschchen, die es im Supermarkt an der Kasse gibt (ihr wißt bestimmt was ich meine ...) vollgepackt ... Da wurde mir klar, dass sie ein Problem hat - Demenz und Alkohol vertragen sich nicht. Es gab ein paar unschöne Vorfälle, über die ich - heute noch traumatisiert - nur schwer sprechen kann.

    Ihr Mann starb letztendlich an Leberkrebs / -zirrhose und meine Mutter kam in der Stadt, in der ich lebe, in ein Pflegeheim. Anfangs hat sie oft nach Alkohol gefragt und gezetert, wenn sie - ihrer Meinung nach - nicht genug bekam. Ich hatte mich mit der betreuenden Hausärztin und der Pflegedienstleitung abgesprochen - ein Glas Wein am Abend wollten wir ihr gerne gönnen. Jetzt läuft es so: ich bringe am Wochenende, wenn ich sie besuche, eine Flasche Wein mit und gebe sie in der Küche ab. Sie bekommt dann zum Abendbrot ihr Glas Wein, das hat sich nach einer Weile gut eingespielt und wird jetzt so von ihr akzeptiert. Im Sommer bringen mein Bruder oder ich ab und zu ein Radler mit, das trinken wir dann zusammen im Garten des Pflegeheims.

    Ich sehe Alkohol im Zusammenhang mit Demenz mit Sorge, denn in der Demenz nimmt ja die Fähigkeit zur Selbstkontrolle und der Einschätzung der Realität ab und das kann dann schnell aus dem Ruder laufen ...


    Liebe Grüße, SunnyBee

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