24 Stunden Pflege, eure Erfahrungen

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  • Hallo,


    ich lese hier immer wieder, dass bei Demenz von einer 24 Stunden Pflege abgeraten wird. Daher würde mich eure Erfahrungen interessieren.

    Und evtl. hilft dieser Thread dem einen oder anderen bei der Entscheidung, 24 Stunden Pflege oder Heim.


    Wir selber mussten eine 24 Stunden Pflege organisieren. Mein Vater weigert sich standhaft in ein Heim zu gehen. Meine Mutter ist selber im Anfangsstadium einer Demenz und körperlich eingeschränkt. Sie können sich nicht mehr alleine versorgen, auch nicht mit Hilfe eines Pflegedienstes. Mein Bruder und ich können die Pflege nicht übernehmen. Daher blieb nur die 24 Stunden Pflege.


    Wir haben aktuell eine liebe Dame aus der Ukraine. Sie hat schon 4 Jahre Erfahrung in der Pflege hier in Deutschland. Ihr Deutsch ist aber immer noch dürftig.

    Sie kümmert sich um den Haushalt, die Mahlzeiten und leichte Pflegtätigkeiten wie Medikament geben, Hilfe bei der Dusche, leeren des Toilettenstuhles und ähnliches.


    Meine Mutter betont immer wieder, wie froh sie über die Hilfe ist und ich habe auch den Eindruck, dass sie sich liebevoll um meine Mutter kümmert. Mein Vater, der schwer dement ist, hat sie mehr oder weniger akzeptiert, wird aber von ihr nur mit dem nötigsten versorgt. Ich kann es ihr nicht verdenken, mein Vater hat einen extremen Dickkopf und wird von ihr auch keine Hilfe akzeptieren. Es ist einfach nur gut, dass sie im Notfall da ist und meine Mutter unterstützt. Mehr erwarte ich nicht.


    Zum organisatorischen: 24 Stunden Pflege ist nicht korrekt. Auch so eine Pfelegekraft muss sich an unsere Arbeitsrechte halten. Die Einhaltung obliegt aber komplett ihr selber, wir helfen nur bei der Einhaltung der Rahmenbedingungen. Es ist auch natürlich fließend und so richtig sicher bin ich mir nicht, was alles zur Arbeitszeit dazu gehört. Gehört z.b. die Einnahme eines gemeinsamen Frühstückes schon zur Arbeit dazu? Sie muss ja selber Frühstücken.

    Sie hat einmal in der Woche einen freien Tag, frühstückt aber an dem Tag in der Regel noch mit meinen Eltern. Dann hat sie Nachmittags mindetens 2 Stunden nur für sich. Nachts steht sie nicht auf (ist auch vertraglich nicht vereinbart).

    Sie sorgt also selber dafür, das sie nicht zuviele Stunden arbeitet und ich habe auch den Eindruck, dass sie sich genug Freiraum verschafft.


    Wegen der Kosten: Bei 2 betreuten Personen ist es billiger als ein Pfelegeheim. Bei einer Person dürfte es in etwa gleich viel kosten wie der Eigenanteil beim Pfelegeheim. Die Pflegekasse übernimmt keinerlei Kosten. Unsere Pfelgevermittlung hat zwar gesagt, wir könnten Verhinderungspflege beantragen, das ist aber nicht korrekt. Für so eine Pflegekraft ist die Verhinderungspflege nicht gedacht.


    Leider bleibt so eine Pfelegekraft nur für längstens 3 Monate. Unsere ist jetzt ca. 1 Monat da. Ich weiß, dass es bei Personen aus der Ukraine Ausnahme geben kann wegen des Krieges. Darauf hoffe ich gerade. Denn die Eingewöhnung hat durchaus einige Zeit gedauert. Daher graut mir vor dem Wechsel.


    Ich bin gespannt auf weitere Erfahrungen.

  • Liebe Finja,

    Ich habe selbst zwar keine direkten Erfahrungen mit ausländischen Pflegekräften, kenne aber einige Familien, die dies genutzt haben. Einige waren sehr zufrieden damit und konnten dem Wunsch der Eltern entsprechen, dass diese nicht ins Heim wollten. Manche haben über die oft sehr geringen Deutschkenntnisse berichtet und eine Freundin von Alkoholproblemen der Pflegerinnen berichtet. Sowas kommt natürlich auch vor und ich weiß (aus Erfahrung), dass es große Preisunterschiede bei den Diensten gibt, einige sind günstiger und dafür kaum vernünftig krankenversichert etc. Sowas wollte ich nicht unterstützen und für meine Eltern passte es aus verschiedenen Gründen nicht, auch wenn es einzelne Vorteile für sie gehabt hätte.

    Die Pflegerinnen erfahren von dementen Männern oftmals Übergriffigkeiten, hörte ich... Also ein bewundernswerter "Job ".

    Wenn es wenigstens eine Zeit lang so klappt bei euch, ist es doch gut. Ich weiß, dass man als Angehöriger definitiv mehr gefragt ist zusätzlich als im Heim.

    Liebe Grüße

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    • Offizieller Beitrag

    Hallo Finja, hier im Forum wurden zumeist positive Erfahrungen berichtet, oft nach mehreren Anläufen, bis die "Chemie" stimmt. So wie Sie schreiben, sind gerade die Wechsel ein Problem, da ist die Trauer, wenn eine "Perle" geht und der Neuanfang mit einer fremden Person.


    Auch ich würde mich freuen, wenn hier noch einmal die Erfahrungen mit den sogenannten 24/7 Kräften zusammengetragen werden. Besonders interessant ist es, ob es Erfahrungen gibt, wie und unter welchen Bedingungen dieses System auch über Jahre positiv wirken kann.


    Ihr Martin Hamborg

  • Ich habe natürlich auch schon darüber nachgedacht, den Gedanken aber immer wieder verworfen. Zum einen wegen der extremen Stimmungsschwankungen meiner Mutter, die bei Schmerzattacken zu Panik und verbalen wie körperlichen Aggressionsausbrüchen neigt, die ich einer nicht professionellen Betreuungskraft auf die Dauer nicht zumuten möchte. Zum anderen aber, und das vor allem, weil solche Verhältnisse auf Ausbeutung hinauslaufen. Damit es fair zuginge, wären 4 Betreuungskräfte nötig. Man müsste ein Dreischichtsystem fahren, damit Arbeitszeitregeln eingehalten werden könnten. Die vierte Kraft wäre nötig, um Urlaub und andere Ausfallzeiten aufzufangen. Für alle wäre der gesetzliche Mindestlohn, wahrscheinlich aber der für Pflegehilfskräfte zu zahlen. Das ist nicht zu stemmen, hier bei uns jedenfalls nicht. Also bin ich die 24-Stunden-Kraft und werde 2x pro Woche stundenweise abgelöst.

  • Habe bis jetzt immer interessiert mitgelesen aber zu diesem Thema möchte ich etwas teilen. Ich kenne die Situation solcher ausländischen Pfkegekräfte von 2 Seiten. Meine Schwägerin wird seit vielen Jahren durch solche Menschen unterstützt. Erst bei der Pflege ihres Mannes, jetzt bei eigener Bedürftigkeit. Obwohl es auch negative Erfahrungen gab (500,00 € Tefefonkosten, trinken aller Alkoholbestände, Abreise nach 2 Tagen ohne Angabe von Gründen und Information an die Familie ....) überwiegen im speziellen Fall die positiven Aspekte. Seit 2 Jahren kommen immer die gleichen Pflegerinnen im Wechsel. Deren Familien waren auch schon zu Besuch. Ja wenn ich ehrlich bin arbeiten die Damen oft länger als im deutschen Arbeitsrecht verankert, allerdings betonen sie immer das es ihnen gut geht. Sie mit den Regelungen (1 Tag die Woche komplett frei, freie Zeit während meine Schwägerin mittags ruht) zufrieden sind. Den Tagesablauf gestalten sie gemeinsam mit meiner Schwägerin sehr individuell. Wirken manchmal eher wie WG- Mitglieder, planen auch gemeinsame Unternehmen usw. Meiner Schwägerin geht es so sehr gut.

    Die zweite Sicht habe ich durch Kolleginnen erhalten. Arbeite in einem Pflegeheim und 2 meiner Kolleginnen sind ehemalige 24 Stundenkräfte (aus Rumänien und der Ukraine). Nachdem die zu Betreuenden verstorben sind bzw. In ein Heim zogen waren die Kolleginnen plötzlich ohne Arbeit. Haben nie etwas negatives über ihre Anstellungen erzählt, aber wenn man genau hin hört wird deutlich das die jetzige Situation (geregelte Arbeitszeit, Urlaubsanspruch, Tariflohn und unbefristetes Beschäftigungsverhältnis) vieles leichter machen (Familiennachzug bzw. finanzielle unterstützung der zu Hause gebliebenen) und bevorzugt werden. darüber hinaus hat mein Mann eine Korsakow Diagnose aktuell funktioniert die Versorgung zu Hause noch. Für uns wäre eine 24 Stundenkraft keine Option, trotz Platz im Haus. Zum einen akzeptiert er Fremde in der Versorgung nicht und zum anderen hätte ich Probleme das sich jemand von seiner Familie trennt damit meine das nicht muss. Denke aufgrund dessen was ich erfahre muss man jeden zu Betreuenden und was für ihn am besten funktioniert individuell betrachten.

  • Ich verstehe die Bedenken sehr gut. Uns fiel es auch nicht leicht diesen Schritt zu gehen, er ist aktuell allerdings wirklich die einzige Lösung für uns.

    Mein Vater war ca. 3 Wochen praktisch alleine Zuhause, weil meine Mutter im Krankenhaus war und er die Kurzzeitpflege verweigert hat. In diesen 3 Wochen habe ich tausend Ängste ausgestanden und bin bei jedem Telefonklingeln zusammen gezuckt. Es ist alles gut gegangen, auch weil mein Bruder und ich so oft wie möglich da waren. Aber die 3 Wochen haben bei meinem Bruder und mir Spuren hinterlassen, das war Stress pur.


    Für meinen Vater alleine könnte es allerdings auch schwer werden. Ich bin mir nicht sicher, ob er eine Kraft auf Dauer akzeptieren würde. Meine Mutter ist da ein großer Puffer.


    Und meine Eltern sind keine Schwerst Pflegefälle. Daher ist es eher eine Haushaltshilfe. Wenn ich mir vorstelle, so eine Dame soll einen Schwerst Pflegefall betreuen, also da sträubt sich in mir auch alles. Aber sie hat auch schon bettlägerige Patienten gehabt.


    Was ich auch nicht gut fand, auf unsere Frage nach den Mindestvoraussetzungen für das Zimmer bekamen wir als Antwort von der Pfelegevermittlung: "Ein kleines Zimmer mit Bett und Schrank reicht." Das kam für uns nicht in Frage. Wir haben ihr Zimmer gründlich renoviert und versucht so gemütlich wie möglich einzurichten, mit Sessel und Fernseher usw. Sie soll sich ja auch wohl fühlen.


    Ich habe in meinem Bekanntenkreis auch von guten Erfahrungen gehört. So hat unser Nachbar zum Beispiel eine Kraft für seine Mutter gesucht. Als der zweite Wechsel anstand, brach der Ukraine Krieg aus und die Dame durfte aufgrund dessen bei ihr bleiben. Seitdem ist sie da und ja, wie Rose64 schrieb ist es mehr eine Frauen WG.


    Nutze ich die Notsituation unserer Kraft aus? Ich bin zwiegespalten. Das die Pflegvermittlung daran am Besten verdient, ist keine Frage. Eine deutsche Kraft wäre unbezahlbar.

    Auf der anderen Seite bin ich aber der Meinung, zumindest bei uns, ist es eine Win-Win Stiuation. Unsere Kraft bekommt mehr Geld, als sie Zuhause bekommen würde. Sie hat keinerlei Kosten (außer ihren Handyvertrag). Sie hat bei uns auch sehr viele "Freiheiten". Die Kosten für den Wocheneinkauf sind ziemlich in die Höhe gestiegen :D

    Ihre Kinder sind Erwachsen und aus dem Haus.

    Meine Eltern müssen glücklicherweise nicht rund um die Uhr betreut werden, aber trotzdem haben wir die Sicherheit, dass immer jemand da ist.


    Aber ich weiß auch, das ist nicht überall so.

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    • Offizieller Beitrag

    Hallo Forum,


    da der Begriff 24-Stunden-Pflege(kraft) nicht zutreffend ist (wie oben schon genannt, rechtlich gar nicht geht), finde ich die Bezeichnung Live-In-Pflege(erstmal) ersatzweise ganz gut. Hier auch Infos seitens des Bundes.

    Auch meine Erfahrung und mein Erleben damit, waren sehr unterschiedlich (zuletzt Ende letzten Jahres). Ich stimme zu, dass es eine Frage der individuellen Situation ist ob das klappt. Letztlich erwarte ich hier mehr Regulierung irgendwann - denn der "graue Pflegemarkt" zieht natürlich auch schwarze Schafe an.
    Problematisch habe ich des öfteren erlebt, dass unklare Erwartungen / Vereinbarungen zu Ärger führten. Wenn nächtlicher Bedarf bestand, wurde die Situation schon häufiger schwierig.
    Ich kann nicht sagen, dass mir das immer einen guten Eindruck machte. Einerseits. Andererseits ist es doch so: der Bedarf an Unterstützung in der Häuslichkeit nimmt zu - und die Menschen, die das überall verfügbar machen könnten, haben wir wohl in naher Zukunft nicht.
    Daher wird das Modell auch bleiben.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

  • Andererseits ist es doch so: der Bedarf an Unterstützung in der Häuslichkeit nimmt zu - und die Menschen, die das überall verfügbar machen könnten, haben wir wohl in naher Zukunft nicht.

    Genau so ist es. Ich habe letzte Tage eine Doku über Pflegende Angehörige gesehen. Dort meinten die Eltern, die Kinder sind moralisch dazu verpflichtet ihre Eltern zu pflegen. Das ist häufig noch die Meinung der aktuellen pflegebedürftigen Generation (über Sinn und Unsinn will ich an dieser Stelle nicht diskutieren). Aber es zeigt sich ein Wandel. Diejenigen die heute pflegen, sagen häufig, das will ich meinen Kindern nicht antun. Problem ist nur, wer soll die Pflege übernehmen? Die Pflegeheime sind jetzt schon am Limit. Pflegedienste können keine durchgehende Betreuung garantieren, da bleibt nur die Pflege aus dem Ausland.


    Hier wurde über die Ausnutzung der Notsituaion dieser Betreuungskräfte geschrieben. Ich denke, das hat man auch selber in der Hand. Wie zum Beispiel ihnen ein schönes Zimmer zu bieten, sie nicht alleine zu lassen und auch ihre Grenzen anzuerkennen.


    Was ich von uns hier beschreibe, hört sich evtl. auch zu harmonisch an. Die ersten Tage waren stressig. Die Pflegekraft hat erst einmal Druck ausgeübt, um ihre Freizeit zu sichern. Verständlich, aber es war sehr irritierend für mich.

    Wir haben die "Kontrolle" an die Pflegekraft abgegeben. Ich bin bei weitem nicht über alles im Bilde, durch die Sprachbarriere fällt es auch der Betreuungskraft schwer, uns zu berichten. Und auf die Berichte meiner Eltern kann ich mich nicht verlassen.

    Und klar, ich muss mich weiterhin mehrmals die Woche um meine Eltern kümmern. Es hat also einiges vereinfacht, vor allem hat es mir die Sorge genommen. Aber schwierig ist es immer noch.

  • Hier wurde über die Ausnutzung der Notsituaion dieser Betreuungskräfte geschrieben. Ich denke, das hat man auch selber in der Hand. Wie zum Beispiel ihnen ein schönes Zimmer zu bieten, sie nicht alleine zu lassen und auch ihre Grenzen anzuerkennen.

    Es gibt einen gesetzlichen Mindestlohn, es gibt eine wöchentliche Höchstarbeitszeit, es gibt einen Mindesabstand zwischen zwei Arbeitseinsätzen. Außerhalb dieses Rahmens ist es Ausbeutung und seit einem Urteil aus dem Jahr 2020 auch fast immer illegal. Hält man den rechtlichen Rahmen ein, wird es exorbitant teuer. Leider ist der Staat <3 <3 liebes BMFSFJ, schöne Grüße an die Kollegen Lauterbach und Lindner <3 nicht bereit, das Ausbeutungsproblem, das "Live-ins" trifft, aber in viel stärkerem Maß pflegende Angehörige, anzupacken. Wo steht geschrieben, dass Pflege und Betreuung zu Hause viel, viel billiger zu sein hat als stationäre Pflege? Der Staat sollte allen Pflegebedürftigen bzw. deren Bevollmächtigten/gesetzlichen Betreuenden ein Budget zur Verfügung stellen, das eine ausbeutungsfreie Pflege zu Hause ermöglicht.

  • Diese Liebe lese ich aus deinen Zeilen heraus, liebe Finja. Bei dir möchte man gern eine 24h-Pflegekraft sein. Deine Eltern können sich auch glücklich schätzen, selbst wenn sie dir das so nicht sagen.


    Aber ich sage es dir! Alles Liebe ....

    <3 :thumbup: , das gilt letztlich für den gesamten Textbeitrag von schwarzerkater, aber der Schluss ist besonders wichtig.

  • Unsere polnischen Pflegekräfte sind der rettende Strohhalm, um meine Mutter vor der Endstation Pflegeheim zu bewahren.

    Wenn Platz vorhanden ist, wenn die Kosten gestemmt werden können, wenn es das Naturell und die Verfassung des Demenzerkrankten es zulassen, kann ich diese Form der Fürsorge und Pflege absolut empfehlen, wobei es natürlich auch ganz entscheidend ist, gute Arbeitsbedingungen zu schaffen und für ausreichend Ruhezeiten/Freizeit zu sorgen.

    Das ganze zu organisieren war neben den alltäglichen Aufgaben ein ziemlicher Kraftakt für mich, der sich aber in jedem Fall gelohnt hat - nicht unbedingt finanziell (Pflegeheim wäre günstiger), aber meiner Mutter geht es, so gebrechlich sie inzwischen auch ist, gut. Und das ist das Wichtigste!

  • Das ist auch grade negativ aufgefallen. Die Formulierung spielt bei mir in einer Liga mit "ins Pflegeheim abgeschoben". So lange das so formuliert wird, wird den Menschen, die das so wählen (müssen) ein schlechtes Gewissen gemacht und das finde ich nicht i.O.


    Es geht den Menschen in den Heimen auch gut. Zu Hause ist es oft nicht wirklich besser. Unsere Nachbarin hat eine Haushälterin (Pflegekraft kann man nicht wirklich sagen) aus der Ukraine und kanns ich mit ihr kaum verständigen. Ob das so viel besser ist?

  • Hm, wobei ich den Begriff "Endstation" irgendwie auf eine unangenehme Weise als sehr negativ wertend empfinde ...


    Das ist auch grade negativ aufgefallen. Die Formulierung spielt bei mir in einer Liga mit "ins Pflegeheim abgeschoben". So lange das so formuliert wird, wird den Menschen, die das so wählen (müssen) ein schlechtes Gewissen gemacht und das finde ich nicht i.O.


    Das geht mir wie schwarzerkater , Zuhause wird es ja auch die "Endstation" sein, nur anders..

    Eijeijei, was fährt denn hier für ein Film? Meine Oma sprach vom "letzten Loch vor der Hölle", nachdem sie mit der Seniorengruppe ihrer Kirchengemeinde das damals (1999) topmodernde Pflegeheim am Platze besichtigt hatte. Dagegen ist "Endstation" doch neutral. Die Wahrheit ist es auch, man*frau begibt sich zum Sterben dorthin, wie in ein Hospiz, nur heißt es anders. Danach kommt eben nur noch der Friedhof. Das ist nun mal psychologisch was anderes als das eigene Zuhause.


    Was seid ihr gleich so angefasst?

    Molli hat doch keine Kritik an Menschen geübt, die warum auch immer ein Heim als bessere Lösung ausgewählt haben. Nicht jede*r hat die Möglichkeit, 24/7 selbst zu pflegen oder ausbeutungsfrei Live-in-Betreuungskräfte aus Polen oder Ukraine zu beschäftigen.

  • Was seid ihr gleich so angefasst?

    Das kommt daher weil Pflege, Pflegeheim etc.. gesellschaftlich einfach negativ besetzt sind. Genau so abschieben etc.. Fast jeder der diesen Weg mit einem Angehörigen gehen MUSSTE! hat (gerade am Anfang) mit massiven (unbegründeten) Schuldgefühlen zu kämpfen. Da hilft es wenig solche Ausdrücke in einem Forum wie diesem zu hören.

    Ein wenig ist das so als würde man anstatt Krankenhaus, Sterbehaus sagen.

    Ich glaube gerade hier in diesem Forum ist es wichtig Sachen korrekt darzustellen. Das meist der Umzug ins Pflegeheim der letzte Umzug ist wissen wir alle, auch viele der dort wohnenden.


    Ein Pflegeheim kategorisch auszuschließen hilft niemanden, ein falscher Schritt in der eigenen Wohnung kann schon morgen das Pflegeheim unumgänglich machen weil eine gute Versorung zu Hause nicht mehr möglich ist.


    Ein Pflegeheim kann durchaus ein schöner uns lebenswerter Ort sein. Viele Demenzkranke profitieren dort von der Gemeinschaft und Aktivitäten (siehe hier z.b. Tagespflege). Ganz ehrlich umsorgt im Pflegeheim wäre mir auch lieber als allein in der Wohnung mit dem TV als einzigen "Gesprächspartner".

    Meinem Papa waren nur 5 Monate im Pflegeheim "vergönnt", nach schwieriger Eingewohnung (für ihn und für mich) hat er sich dort sichtlich wohl und gut aufgehoben gefühlt. Trotz starker Demenz.

  • Die Wahrheit ist es auch, man*frau begibt sich zum Sterben dorthin, wie in ein Hospiz, nur heißt es anders. Danach kommt eben nur noch der Friedhof. Das ist nun mal psychologisch was anderes als das eigene Zuhause.

    Hallo Hinz,


    die Zielsetzungen sind nicht deckungsgleich, ebensowenig die Schwerpunkte der Arbeit. Auch die Umstände unter denen die Arbeit geleistet wird unterscheiden sich meist, auch die fachlichen Ausrichtungen der Mitarbeitenden unterscheidet sich. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Aufnahmevoraussetzungen.


    Im Pflegeheim leben Menschen nicht selten viele Jahre.
    Die Aufenthaltsdauer in einem stationären Hospiz liegt bei einigen Wochen (ca. 23 Tage - Stichwort "absehbar") im Schnitt.

    Und selbst da - als kleiner Hinweis für Sie: Menschen die ich auf der Hospizstation eines Krankenhauses kennenlernen und versorgen durfte, versprachen sich davon eher keinen "Sterbeort". Wenn ihre Wahl für die Entlassung auf ein Hospiz fiel, dann begründeten Sie das z.B. mit dem Wunsch einer (bestimmten) Begleitung und der Sorge, ambulant oder im Pflegeheim könne die nötige Symptomkontrolle nicht gewährleistet werden (in der Regel Atemnot / Schmerzen).

    Wenn Sie Ihre "Wahrheit" gelegentlich mal auf den Prüfstand stellen werden Sie vielleicht nachvollziehen können, weshalb hier andere Angehörige empfindlich auf den Begriff "Endstation" reagieren.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust




  • Hinz : ich persönlich bin wegen des Ausdrucks "Endstation Pflegeheim" tatsächlich nicht beleidigt, aber aufgefallen ist es mir auch in dem Sinne, wie Sohn83 es erklärt hat.

    Die Gewissensbisse waren auch bei mir recht lange stark, aber es ging eben nicht anders, außer wir hätten meine Mutter verwahrlosen lassen in ihrem Zuhause, das sie nun schon länger nicht mehr erkennen würde, weil Zuhause der Ort ihrer Kindheit seit einiger Zeit ist. Sie lebt fast 5 Jahre schon im Heim - das zum Thema "man geht dort zum Sterben hin". Und sie er-lebt dort tatsächlich mehr als es in ihrem Haus gewesen wäre, es wird gelacht, gefeiert, gebastelt, gesungen, Gottesdienste gehalten, sie geht regelmäßig zum Friseur - alles selbstständig erreichbar. Vorher sagte sie lange schon, sie spüre deutlich dass sie sehr bald sterben wird - wie gesagt fast 5 Jahre und mehr seitdem..

    Eigentlich gut , dass dies hier nochmal diskutiert werden kann und vllt mit Vorurteilen aufräumt bei einigen Leser*innen..

    Liebe Grüße

    Rose60

  • Liebe Finja, ich glaube, diese Doku habe ich auch gesehen ("Pflegen bis zum Umfallen")? und habe dafür nur einen Begriff: moralische Erpressung". Dieser Vater sprach von christlicher Nächstenliebe und ließ selbst genau diese seiner Tochter gegenüber vermissen.

    Ja, genau, ich habe den Link dazu hier im Forum gefunden. Respekt vor den Pflegenden, die dort gezeigt wurden. Für mich war aber direkt klar, das könnte und wollte ich nicht.
    Ich sehe mich selber durchaus in einer moralischen Verpflichtung meinen Eltern zu helfen. Das beinhaltet aber nicht um jeden Preis selber zu pflegen sondern nur dafür zu sorgen, dass sie versorgt sind, soweit sie es zulassen.


    Es hat aber auch sein Gutes, dies alles mitmachen zu müssen: ich habe hierdurch erkannt, dass ich meiner Tochter (und meinem Mann) beizeiten sagen muss, dass sie um gar keinen Preis ihr Leben einmal für mich opfern dürfen (natürlich dürfen sie helfen, aber sich nicht opfern).

    Absolut. Mein Mann und ich habe in den letzten Wochen häufig darüber gesprochen und wir stimmen beide überein, dass wir lieber frühzeitig in ein Pflegeheim gehen, als unseren Kindern das zuzumuten. Das haben wir auch schon unseren Kindern gesagt.


    Diese Liebe lese ich aus deinen Zeilen heraus, liebe Finja. Bei dir möchte man gern eine 24h-Pflegekraft sein. Deine Eltern können sich auch glücklich schätzen, selbst wenn sie dir das so nicht sagen.


    Aber ich sage es dir! Alles Liebe ....

    Dankeschön :)

    Aber ich versichere dir, bei meinen Eltern möchtest du keine Pflegekraft sein ;)


    Wenn Platz vorhanden ist, wenn die Kosten gestemmt werden können, wenn es das Naturell und die Verfassung des Demenzerkrankten es zulassen, kann ich diese Form der Fürsorge und Pflege absolut empfehlen, wobei es natürlich auch ganz entscheidend ist, gute Arbeitsbedingungen zu schaffen und für ausreichend Ruhezeiten/Freizeit zu sorgen.

    Genauso sehe ich das auch.


    Bei uns scheint es allerdings jetzt doch in die falsche Richtung zu laufen. Wegen einer Kleinigkeit, hängt derzeit der Haussegen schief. Es war kein Brot zum Frühstsück da, sie "mussten" Brötchen essen. Meine Mutter kann mit ihrem Gebiss nichts hartes kauen, deshalb konnte angeblich auch mein Vater kein Brötchen essen. Meine Eltern haben auf stur gestellt und haben auch das Mittagessen verweigert mit der Begründung, das war alles durcheinander gematscht und hat nicht geschmeckt. Meine Mutter, vorher Feuer und Flamme für die Kraft, ist jetzt nur noch auf sie am schimpfen. Mein Vater hat keine eigene Meinung mehr und bläst daher ins gleiche Horn. Mal sehen wie es weiter geht.


    Da mein Vater aber immer schlechter laufen kann und die Wohnung nicht für einen Rollstuhl geeignet ist (2 Treppenstufen zur Toilette), ist die Zeit zu Hause gezählt und wir sind jetzt doch aktiv auf der Suche nach einem Heim.


    Für mich war früher das Wort "Pflegeheim" auch negativ behaftet. Ich kannte Pflegeheime nur als Ort, wo man als Pfelegebedürftige im Bett liegt, den Tag alleine auf dem Zimmer verbringt und die Mahlzeiten in einem großen Saal einnimmt. Keine Ahnung warum sich das Bild so in mir verfestigt hat.

    Ich war daher positiv überrascht, als ich das Heim gesehen habe, wo mein Vater zur Kurzzeitpflege hin sollte. Das hat mir so gut gefallen, ich habe direkt gesagt, ja, in so einem Heim könnte ich mir gut vorstellen, meinen Lebensabend zu verbringen.

  • Die Wahrheit ist es auch, man*frau begibt sich zum Sterben dorthin, wie in ein Hospiz, nur heißt es anders.

    Ne, das ist wohl nur in den Fällen, wo vom Krankenhaus ins Heim abgeschoben wird, der Fall. Die meisten Leute gehen ins Heim, weil sie es allein zu Hause nicht mehr schaffen oder weil sie von Angehörigen dorthin gebracht werden, weil diese die Pflege selbst aus vielerlei Gründen selbst nicht übernehmen können. Der Lebenswille ist bei jedem Menschen, egal ob alt oder jung, denke ich stark ausgeprägt.

    Für alte Menschen, die sich strikt weigern - wie Finjas Vater - ins Pflegeheim zu gehen, habe ich vollstes Verständnis, weil ich selbst bisher kein Heim gesehen habe, wo ich meinen Lebensabend würde verbringen wollen.

    Ich glaube gerade hier in diesem Forum ist es wichtig Sachen korrekt darzustellen.

    Dann muss man aber auch sagen dürfen, dass Pflegeheime profitorientierte Unternehmen sind, die gern am teuersten, aber in der Pflege dem wichtigsten Faktor sparen: dem Personal.


    Und zur „Endstation“: in den meisten Fällen ist es doch so, dass beim Umzug ins Pflegeheim die Wohnung aufgelöst und ein „Zurück“ in die eigenen vier Wände damit ausgeschlossen ist.

    Menschen sind anpassungsfähig - und meiner Mutter ging es letztes Jahr in der Kurzzeitpflege auch nicht schlecht. Aber auf Dauer war das für uns keine Option!

  • Soweit ich recherchiert habe, sind längst nicht alle Heime profitorientiert. Die ich bislang kennengelernt habe, sind von Caritas oder Diakonie finanziert - diese sind "non-profit" , sondern gemeinnützig.

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