Demenzkranker Opa baut in seinem Enthusiasmus permanent Mist

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  • Im Gegensatz zu vielen lethargischen Demenzkranken habe ich hier einen, der dement ist, auf selbstständig macht (es aber nicht ist) und sich dabei grenzenlos selbst überschätzt und sich dabei mitunter in riskante Situationen begibt.

    Er hat früher mit Vorliebe in seinem Gärtchen und in seiner Werkstatt getüftelt.

    Nun ist das Problem aber, dass er mit über 90 immer noch den Willen hat derartiges zu tun, dabei aber lauter Mist baut und es nicht mehr auf die Reihe bekommt.

    Beispiel: Er bastelt am Strom. Es gibt einen Kurzschluss.

    Oder: Er klettert auf die Leiter, fällt und hat 10 Schutzengel, dass nichts passiert.

    Oder: Mein Vater kauft eine Pumpe. Er schraubt daran herum, dass die Garantie verfällt, schraubt alles falsch zusammen, sodass es eine Havarie gibt.

    Was er auch anfasst, er repariert oder macht es kaputt und alles schlechter als besser.

    Schläuche im Badezimmer, Abflussrohre. Wo er die Hände dran hat, geht irgendwas hinterher nicht mehr.


    Was macht man da? Er ist ja noch mündig und hat keinen Vormund.

    Ich kann doch nicht alles verstecken und ihn irgendwo einsperren.

    Ich hab über dieses Problem mit Ärzten gesprochen und auch mit dem Pflegestützpunkt, der kontrolliert ob die Pflege gewährleistet ist.

    Alle sagen: Lassen Sie ihn, solange er noch kann.

    Dass das mitunter aber schnell gefährlich ist, sehen die wenigsten. Oder eher gar keiner.

    Das ist, als hätte ich ein Kind, das permanent scheiße macht und ich laufe rum und sorge für Schadensbegrenzung.

    Es mag jetzt böse klingen, aber als er seinen Rheumaschub hatte, lag er wenigstens im Bett und hat nicht permanent Mist gebaut.

    Jetzt gehts ihm körperlich besser, es lässt aber im Kopf nach und er hat seinen Sturkopf, kann es aber nicht mehr.

  • Hallo Linchen,

    vielleicht kannst du seinen Reparaturdrang lenken - wäre es evtl. möglich ihm kaputte und nicht mehr wirklich reparierbare Geräte zu geben mit der Bitte, das er sich drum kümmert? Dann würde sein Drang zu werkeln anerkannt / befriedigt und er wäre eine Zeit beschäftigt und du könntest ihn dabei bestärken und sein Tun verbal wertschätzen und müsstest ihn dann vielleicht seltener davon abhalten an Sachen zu schrauben, die er nicht reparieren sollte. Vielleicht wären ja auch Gartenprojekte irgendwie denkbar. Alles mit dem Fokus, dass er eine Aufgabe hat, nicht ausgebremst, sondern dabei unterstützt/ gewertschätzt wird und ihr weniger Kämpfe (vielleicht) dadurch hättet.

  • Hallo Linchen,

    vielleicht kannst du seinen Reparaturdrang lenken - wäre es evtl. möglich ihm kaputte und nicht mehr wirklich reparierbare Geräte zu geben mit der Bitte, das er sich drum kümmert? Dann würde sein Drang zu werkeln anerkannt / befriedigt und er wäre eine Zeit beschäftigt und du könntest ihn dabei bestärken und sein Tun verbal wertschätzen und müsstest ihn dann vielleicht seltener davon abhalten an Sachen zu schrauben, die er nicht reparieren sollte. Vielleicht wären ja auch Gartenprojekte irgendwie denkbar. Alles mit dem Fokus, dass er eine Aufgabe hat, nicht ausgebremst, sondern dabei unterstützt/ gewertschätzt wird und ihr weniger Kämpfe (vielleicht) dadurch hättet.

    Das Problem ist, was er soll macht er nicht und was er nicht soll, da stürzt er sich drauf. Er würde die Strategie sicher recht schnell durchschauen.

    Aber die Grundidee ist gut. Problem ist eben nur, er sucht sich meist selbst solche Aufgaben und das sind dann meist die, wo entweder abgeraten wird oder die, die am gefährlichsten sind.

    Ich hatte neulich etwas gepflanzt und habe mich täglich sehr gefreut es zu gießen und was macht er? Reißt es raus. Begründung: Es wäre Unkraut.

  • Dann ist die Frage vielleicht eher, wie kann etwas Unbedenkliches zum Werkeln für ihn attraktiv werden...Würde ein Verbot das schaffen? "Opa, dies Gerät bitte in Ruhe lassen, das darf nicht verändert werden!" - das bezieht sich dann aber eben auf etwas, was er kaputtwerkeln kann, da es keine echte Relevanz für dich/ euer Haus hat.

    Einmal editiert, zuletzt von thalia24 ()

  • Dann ist die Frage vielleicht eher, wie kann etwas Unbedenkliches zum Werkeln für ihn attraktiv werden...Würde ein Verbot das schaffen? "Opa, dies Gerät bitte in Ruhe lassen, das darf nicht verändert werden!" - das bezieht sich dann aber eben auf etwas, was er kaputtwerkeln kann, da es keine echte Relevanz für dich/ euer Haus hat.

    Das kannst du vergessen. Wie gesagt. Die Dinge, die er nicht anrühren soll, rührt er erst recht an. Da ist er wie ein kleines Kind.

    Wir werden es mittlerweile so machen, dass wir Dinge wie neue Schlösser etc. direkt verstecken, wenn sie mit der Post kommen.

  • aber das meine ich ja: ihm sagen, dass er etwas nicht anrühren soll. Das

    Nicht-anzurührende ist dann aber was harmloses, was kaputt gehen darf. Ein Fakeschloss oder sowas

  • aber das meine ich ja: ihm sagen, dass er etwas nicht anrühren soll. Das

    Nicht-anzurührende ist dann aber was harmloses, was kaputt gehen darf. Ein Fakeschloss oder sowas

    Interessanter Ansatz. Mal sehen ob das was bringt.

    Werde es mal ausprobieren. Danke dafür.

    • Neu
    • Offizieller Beitrag

    Hallo Linchen, auch ich habe gleich an das gedacht, was uns thalia24 geschrieben hat. Es geht in dieser Phase um 4 Dinge


    - Schadensbegrenzung: Ziel ist es, Ihrem Vater einen Schritt voraus zu sein, Risiken zu erkennen, denen gegenzusteuern und möglichst schnell Schäden zu erkennen (Risikokontrolle)


    - Ablenkung oder besser: Fokussierung oder Lenkung der Aufmerksamkeit, d.h. in seinem Blickfeld sollten so viele interessante Dinge sein, das er möglichst wenig kaputt machen kann


    - Paradoxe Aufgaben, das ist was Sie, thalia24, als "Nicht-Anzurührendes" beschreiben oder Lob für seine Aktivität trotz der Schmerzen. Wichtig ist, dass Sie es nicht als Betrug sehen, sondern ganz wertschätzend im Sinne seiner starken Selbstständigkeit und Selbstwirksamkeit.

    Sie stecken in einem ethischen Dilemma, dass manchmal ungewöhnliche Verhaltensweisen rechtfertigt.


    - Mögliche Ursachen erkennen: das trotzige und entschlossene Verhalten Ihres Vaters kann durchaus durch körperliche Symptome verstärkt werden: etliche Krankheiten können eine innere Unruhe auslösen, die sich dann in dem Betätigungsdrang ausdrückt. Dieser kann auch Folge von Schmerzen sein. Wir erleben, dass eine konsequente Schmerzbehandlung zu deutlichen Verbesserungen im Verhalten führen kann.


    Einen Faktor können Sie vermutlich nicht beeinflussen, die Persönlichkeit Ihres handwerkenden Vaters. Dafür gibt es aus guten Gründen keine Medikamente, aber das was Thalia24 vorgeschlagen hat.

    Haben Sie Ideen, was Sie in den vier Bereichen machen können?

    Ihr Martin Hamborg

  • Danke für die aussagekräftigen Ratschläge. Es ist mein Großvater. Dennoch. Vielen Dank.

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