Beschuldigungen,Drohungen und Tränen

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  • Hallo zusammen,


    Infos :


    Oma 87 Jahre - (Demenz)

    Opa 88 Jahre

    Vater 62 Jahre

    Ich 35 Jahre


    Meiner Oma geht es zunehmend schlechter, es gibt keine offizielle Diagnose weil sie nicht zum Arzt möchte - aber Vater/Opa und ich sind uns sicher dass es in Richtung Demenz geht.


    Beispiele :


    - Ihre Hosen und Handtaschen macht jemand kaputt -> Opa wird verdächtigt

    - Dinge in der Wohnung werden verlegt -> Opa wird verdächtigt

    - Eigentumswohnung die über ihren Namen läuft hat sie Angst zu verlieren weil Opa sich gut mit Computern auskennt (tut er nicht) und er dabei ist angeblich die Urkunden zu fälschen

    - Ständig ist angeblich jemand an ihrem Bankschließfach und klaut Geld (Keiner hat eine Vollmacht) + sie ist nicht reich

    - 3x dieses Jahr schon Portmonee verloren mit riesiger Aufmachung + Polizei gerufen

    - Handypin wird immer wieder gewechselt dann vergessen und zum Telekomladen gegangen -> dann Panik weil Telekommitarbeiter böse Absichten hat und jetzt wieder den neuen Pin kennt -> Teufelskreis


    Gibt noch zich weitere Beispiele !


    Problem : Als einzige Vertrauenperson wird mein Vater von ihr akzeptiert - die beiden streiten sich dann aber ständig, er ist keine Hilfe in der Situation. "Ach du spinnst doch" "Du bist nichtmehr normal" -> Tränen/Streit und Streß vorprogrammiert.


    Wenn wir zu viert zusammen sind dann ist ALLES in Ordnung - sie wirkt wie eine ganz normale alte fitte Frau. Manchmal kommen Nebensätze wie "Hat jemand wieder die Gläser umgestellt" aber dann ist auch gut.


    Ich war auchmal ihre Vertrauensperson allerdings hat mein Vater in einem Streit zu ihr mal gesagt dass alle (einschließlich mir) von ihr genervt sind. Seitdem sieht sie mich leider mit anderen Augen.


    Wenn ich mit ihr alleine bin dann erzählt sie nichts mehr, man merkt wie sie sich zurückhält weil sie mir entweder nichtmehr traut oder mich nicht "nerven" möchte. Dabei wirkt sie relativ normal aber auch leicht depressiv.


    Momentan ist alles im Bruch. Oma und Opa sind nach 50 Jahren Beziehung kurz davor sich zu trennen weil er ihr angeblich Dinge klaut und mein Vater ist auch keine Hilfe in der Situation - er besucht zwar meine Oma oft allerdings endet dass dann IMMER im Streit, weil er auch nicht nachgeben kann.


    Sie möchte weder zum Arzt noch eine Betreuung haben -> sie ist doch nicht verrückt (ihre Worte).


    Vielleicht hätte jemand Tipps wie man mit der Situation umzugehen hat.

    Was ich machen möchte dass ich mal öfters zu Besuch komme und einfach nur zuhöre und versuche zu beruhigen -> kann das aber rein beruflich und psychisch auch nicht allzuoft - aber das wäre erstmal der erste Schritt.


    Würde mich über Anregungen freuen


    Mit freundlichen Grüßen

    Elbe

    • Neu
    • Offizieller Beitrag

    Hallo Elbe22 ,


    willkommen im Forum.

    Sie werden hier hilfreiche Tipps durch andere Angehörige erhalten, die sich gut in Ihre Situation einfühlen können.

    Meiner Erfahrung nach, wenn es darum geht Vertrauen aufzubauen und Zugang zu bekommen, ist es von Vorteil wenn Sie auch ohne eine bestimmte Intension besuchen. Ohne Absicht im Sinne von "Ich muss sie dazu bringen, zum Arzt zu gehen.". Ohne Absicht "Sie muss endlich einsehen, dass sie Hilfe braucht.".
    Diese Dinge können sozusagen "Nebenziele" sein (Arztbesuch), sollten aber nicht von vornherein alles und jeden Besuch überschatten, insbesondere wenn die Themen so konfliktbehaftet sind. Mangelnde Einsicht in den eigenen Hiflebedarf ist nicht untypisch für Demenz, ebenso wie das starke Bemühen, eine Fassade aufrecht zu erhalten.

    Eine Diagnose allerdings wäre natürlich wichtig. Sie finden dazu auch etwas in diesem Thread. Und hier im Wegweiser auch oder an dieser Stelle (Tipps für den Arztbesuch).
    Ich nehme an, dass auch kein Pflegegrad vorliegt? Gibt es eine Vorsorgevollmacht?

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

  • Danke für die Tipps !


    Es gibt keinen Pflegegrad weil meine Oma quasi körperlich sehr fit ist und sie auch anders kann. Heißt wenn ich jetzt eine Frau kennenlernen würde und dann mit ihr meine Oma besuche, würde sie einen absolut "normalen" Eindruck einer älteren Frau abgeben ohne Anschuldigungen - heißt sie kann stundenlang eine Fassade aufrecht erhalten so dass man denkt es wäre alles in Ordnung.


    Die "komischen" Phasen treten in Schüben auf - oft bei Einsamkeit (Opa im Krankenhaus) oder wenn mein Vater im Urlaub ist weil dann eine Bezugsperson fehlt.


    Wenn wir 4 zusammen sind - dann ist alles in Ordnung.

    Wir können zusammen 4 Stunden im Garten grillen und man merkt ihr fast nichts an - dann fallen nur ganz selten Nebensätze wie "Ist schon schwierig das Leben wenn jemand ständig Löcher in meine Jeans macht"


    Sobald sich die Konstellation ändert bröckelt die Fassade.


    Eine Vorsorgevollmacht existiert nicht.

  • Hallo Elbe22,

    auch von mir erstmal herzlich willkommen hier im Forum.

    Die von Dir beschrieben Probleme bezüglich Fassade aufrecht erhalten und jegliche Hilfe ablehnen sind hier wohl nahezu fast jedem/ jeder bekannt. Solange deine Oma weiterhin relativ fit ist und keinen Arzt in Anspruch nehmen möchte, bleibt vorerst nur die Möglichkeit, alles sehr genau zu beobachten.

    Vielleicht ist es hilfreich, die Vorfälle über einen längeren Zeitraum zu dokumentieren und eventuell darüber mit dem Hausarzt zu sprechen. Ich hab es vor etwa einem Jahr mit meiner Mutter genau so gemacht.

    Auf jeden Fall würde ich umgehend dazu raten, mit der Oma über eine Vorsorgevollmacht zu sprechen und diese zu erstellen. Sie ist, so wie du beschreibst, noch sehr fit und kann so ihren Willen noch gut äußern. Unabhängig von einer eventuell bestehenden und fortschreitenden Demenz kann eine Vorsorgevollmacht in diesem Alter sowieso sehr schnell notwendig werden, auch auf Grund anderer Erkrankungen. Vermutlich ist auch dafür viel Überzeugungsarbeit erforderlich, aber die musst du/ihr in Kauf nehmen.

    Vielleicht kann auch dabei der Hausarzt behilflich sein und sich so gleichzeitig ein Bild von deiner Oma verschaffen.

    Das sind erstmal aus meiner Sicht die wichtigsten Dinge, viel Erfolg und Glück dabei.

    Liebe Grüße

    Stern

  • Ich möchte den Vorschlag von Stern mit dem Dokumentieren auch nochmal bekräftigen: die Beobachten können dem Hausarzt als Info dienen (manche versuchen die Familien auch zu unterstützen, indem sie die - vermutlich - an Demenz erkrankte Person zum Check Up einladen (mal wieder Blutdruck etc. kontrollieren) und dann auf Demenz mittesten.
    Es ist aber auch hilfreich für den Medizinischen Dienst, wenn es irgendwann zu einer Einstufung wegen Pflegegrad geht, gerade wenn die Oma vor anderen noch die Fassade gut aufrecht erhalten kann.

    Eine Vorsorgevollmacht wäre auch prima, vielleicht kann es ja so "verkauft" werden, dass Opa und Oma und evtl. auch dein Vater alle eine machen - zur Sicherheit / um im Fall der Fälle alle abgesichert zu haben, auch wenn niemand wünscht, dass die mal gebraucht werden. Dann hätte es evtl. nicht den Charakter, dass nur die Oma was tun soll.


    Ein anderer Gedanke war noch, ob Du und / oder Dein Vater vielleicht einen Kurs für Angehörige von Demenzerkrankten mitmachen könntet. Denn wenn er ihre Vertrauensperson ist, dann wäre es vielleicht ein Weg, dass er etwas mehr versteht, wie er hilfreicher reagieren kann, so dass der Vorwurfsdruck und das Unverständnis weniger werden, wenn er mit ihr spricht. Wäre das denkbar, wäre Dein Vater für sowas bereit?


    Ich wünsche Dir und euch viel Kraft, das ist eine schwierige Zeit für alle.

  • Hallo Elbe22,

    die anderen haben schon viel sinnvolles und wichtiges geschrieben, was ich nicht wiederholen brauche, aber ich möchte noch einiges zur Vorsorgevollmacht ergänzen.


    Die Angst, von Angehörigen um Geld betrogen zu werden, ist ganz oft da. Misstrauen kann von einer möglichen Demenz hervorgerufen oder verstärkt werden.
    Und dann gibt es selten tatsächlich mal die schwarzen Schafe, die das wirklich missbrauchen und ein paar weitere Schilderungen von Dementen, die diese Horrorgeschichten verbreiten, obwohl sie nicht stimmen.
    Immer mal wieder liest oder hört man also davon und dann kann sich das im Unterbewusstsein festsetzen.


    Vielleicht hilft es, ein bisschen schwarz-weiß zu malen und die Alternative, sofern es denn sein müsste, das kann man ja leider manchmal gar nicht beeinflussen, an die Wand zu malen:

    Eine rechtliche Betreuung könnte ebenfalls das Konto leerräumen, aber die wird ja von einem Gericht bestellt und das Gericht entscheidet auch, wer das wird und das kann man ja letztlich gar nicht beeinflussen. Da gibt es dann Berufsbetreuer, die sie vielleicht gar nicht kennen und da wäre die Gefahr doch nochmal größer, an den falschen zu geraten?!

    Natürlich ist das ein bisschen überzeichnet und entspricht nicht genau so der Realität, z.B. entscheidet das Gericht zwar aber wählt gerne Angehörige aus, wenn diese dazu bereit wären die Betreuung zu übernehmen. Keine der Aussagen für sich betrachtet ist aber falsch - zumindest soweit ich weiß, ich bin nur Laie und kann und darf keine rechtsverbindliche Aussage geben.


    Im besten Fall droht man das auch gar nicht, sondern wie von thalia24 vorgeschlagen machen das alle gemeinsam und jemand, vielleicht Du, spricht diesen Gedanken laut aus, um seine eigene Entscheidung zu begründen.


    Außerdem ist es natürlich möglich, auch die Vorsorgevollmacht inhaltlich so anzupassen, dass sie möglichst wenig Missbrauchspotenzial bietet, z.B. über Kontrollmöglichkeiten von Dritten. Da müsst Ihr als Angehörige Euch aber vielleicht vorher absprechen, ob das für Euch im Zweifelsfall leistbar ist oder ob Ihr Euch damit nur unnötig belastet. Man kann die

    Vollmacht auch vorerst an einem neutralen Ort aufbewahren, um erst im klar definierten Bedarfsfall darauf zuzugreifen. Ein Betreuungsverein kann Euch sicher weiter helfen, wie das für alle Seiten angenehm gestaltet werden kann.


    Viel Erfolg und alles Gute!

  • Hallo Elbe22

    willkommen in diesem Forum.

    Die Vorredner haben schon viel Nützliches geschrieben, daher nur eine kurze Anmerkung aus meiner eigenen Erfahrung.

    Es gibt keinen Pflegegrad weil meine Oma quasi körperlich sehr fit ist und sie auch anders kann.

    Beim Pflegegrad spielt die körperliche Fitness nur bedingt eine Rolle. Ich glaube, seit 2017 wird Demenz, d.h. die kognitive Beinträchtigung bei der Vergabe eines Pflegegrads berücksichtigt.

    Eine Diagnose ist da natürlich hilfreich, aber meine Mutter hat z.B. inzwischen Pflegegrad 3 (mit Demenz) und ist körperlich eigentlich recht fit. Eine offizielle Diagnose gab es nie, ich habe mir dann einiges aus den medizinischen Unterlagen, die ich im Chaos ihres Hauses gefunden habe, zusammen gereimt. Der medizinische Dienst kam damals zu ihr nach Hause für ein Gespräch und ich hatte vor diesem Termin über die Krankenkasse zusätzlich Informationen (sprich: meine Beobachtungen) an den medizinischen Dienst weiterleiten lassen. Ich habe das deshalb gemacht, weil ich ganz genau wusste, dass meine Mutter die "Fassade" mit aller Macht aufrecht erhalten würde und ich dann hinterher sowieso in der Verantwortung sein würde.

    Zu dem Zeitpunkt hatte ich allerdings bereits eine Vollmacht, das hat auch sehr geholfen.

    Dir alles Gute, liebe Grüße, SunnyBee

  • Bei meiner Mutter war es im vergangenen Jahr genauso bei der Begutachtung durch den MDK: sie ist körperlich noch recht fit & gesund, aber kommunikativ total eingeschränkt und war zeitlich-örtlich gar nicht orientiert. Allein das hat zusammengerechnet für Pflegegrad 3 gereicht. Im Gutachten werden mittlerweile auch die eher durch Demenz beeinträchtigten sozial-kommunikativen Aspekte mit bewertet, das war früher (glaube ich) nicht der Fall.

    Die kommunikativen Einschränkungen haben auch Ärzte im Vorfeld bereits dokumentiert (wir mussten mal ins Krankenhaus zur Abklärung von Schmerzen), da ging es auch bereits darum, eine Diagnose durch die Aufnahem "Verdacht auf Demenz" aufzunehmen.

    • Neu
    • Offizieller Beitrag

    Im Gutachten werden mittlerweile auch die eher durch Demenz beeinträchtigten sozial-kommunikativen Aspekte mit bewertet, das war früher (glaube ich) nicht der Fall.

    Ja, diese Änderung 2017 - von den Pflegestufen zu den Pflegegraden, war sehr wichtig in dieser Beziehung und eine absolut sinnvolle Reform. Der individuelle Zustand, kognitive Leistungsfähigkeit und die Selbstversorgungsfähigkeit im Alltag spielen nun eine erheblich bessere / größere Rolle bzw. überhaupt eine.


    Elbe22 es gibt auch online-Rechner dafür, finden Sie über eine Suchmaschine. Allerdings ist es so, dass diese nur einen gewissen Eindruck vom voraussichtlichen Ergebnis liefern können, keine verbindliche Zusage.

    In einigen Jahren wird das zum großen Teil von KI erledigt werden.

    Zu Fragen rund um die Leistungen der Pflegeversicherung erhalten Sie auch in diesem Forum Rat von Expertinnen.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

  • Danke für euren Input !


    thalia24 leider wäre mein Vater dafür nicht bereit, ist auch ein sehr "eigener" Mensch der sich zwar zeitlich um seine Mutter kümmert aber der Rest bleibt auf der Strecke. Bin aber diesbezüglich am Ball dass ich viele Informationen aufsauge und dann quasi meinem Vater Verhaltenstipps versuche mit auf den Weg zu geben.


    Ich denke ich werde mich die Tage mal mit meinem Vater zusammensetzen und die Punkte besprechen.

    Es ist halt alles sehr verwirrend, weil das nur in Phasen/Schüben auftritt.

    Ich kann mit ihr 30min telefonieren und sie ist geistig absolut fit auf dem Level von einer 50 Jährigen.


    Der normale Alltag bei ihr ist überhaupt kein Problem - dieses psychotische überwiegt total (Verfolgungswahn/Beschuldigungen/Portmonee verstecken und nicht wiederfinden). Diese Phasen kommen immer dann wenn sie für gewisse Zeit "alleine" ist.


    Glücklicherweise war heute ein guter Tag undzwar hat mein Vater ein Versteck von ihr gefunden (in ihrem Beisein) wo das Portmonee/Handy/Schlüssel/Bargeld wieder aufgetaucht ist. Für gewöhnlich ist jetzt erstmal für mehrere Wochen komplette Ruhe und wir als Familie haben ein bisschen Zeit eine gute Lösung zu finden.


    Danke für die netten Worte und Ratschläge, ich werde mich weiter einlesen/Informationen sammeln und mich dann mit meiner Familie zusammensetzen.

    • Neu
    • Offizieller Beitrag

    Hallo Elbe22, es ist ein gutes Zeichen, dass Ihre Großmutter offensichtlich die wahnhaften Impulse kontrollieren kann und sie es nur dann nicht schafft, wenn sie zu lange allein ist. Aber es ist gut, dies zu dokumentieren und dem Arzt zu berichten.

    Jetzt kommt es besonders darauf an, dass Sie sich für ein möglichst stressfreies Zusammenleben einsetzen und Ihrem Vater dabei helfen, einen angemessenen Umgang mit Menschen mit Demenz zu finden.


    Bei einem Pflegegrad sollten die Probleme berücksichtigt werden, denn wenn mit "personeller Unterstützung" wahnhaftes Verhalten verhindert werden kann, zählt dies mit einigen Punkten.

    Dabei ist eine Demenzdiagnose nicht wichtig, denn der Medizinische Dienst fragt entsprechend nach und berücksichtigt im Modul 2.

    Ihr Martin Hamborg

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