Was ich genre hätte

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  • Sehr geehrter Herr Gust,
    diese Entscheidung ist eben nicht leicht zu treffen und läuft in die Richtung "wann ist der richtige Zeitpunkt" . Wann darf man einen dementen Menschen gegen seinen Willen in einem Heim unterbringen? Ich wage es nicht zu beurteilen, dem Hausarzt trau ich es nicht zu. Also wäre es doch gut, wenn ein "Fachmann" sich vom Zustand meiner Mutter ein Bild machen würde. Meine Mutter versorgt sich und ihren Haushalt bestens, Verwahrlosung scheidet also aus,sie kauft ein und geht zum Essen, machmal kocht sie, schaut aber immer wieder nach, ob die Herdplatten aus sind. Sie vergiss sehr viel, aber das manchen andere auch, sie ist manchmal böse, das ertrag im Wesentlichen ich! Und ich glaube oder hoffe, dass es jetzt noch zu früh für ein Altenheim ist, weil sie mich bittet und bettelt ihr das nicht anzutun. Gibt es jemanden, der beurteilen kann, ob ein Mensch noch in der Lage ist alleine zu leben?

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Annemarie,


    in der Regel macht sich der Richter ein sehr genaues Bild von der Situation und trifft erst dann seine Entscheidung.
    Es wird darauf ankommen, wie er die Situation beurteilt - dieser kann seine Entscheidung auch auf zusätzliche Atteste / Gutachten stützen, falls er das für nötig hält.
    Maßgabe wird sein, ob sich Ihre Mutter selbst oder Dritte gefährdet.
    Es gibt rechtliche Unterschiede, die ich aber nicht umfangreich näher erläutern kann: eine Zwangseinweisung und ein erzwungener Umzug sind verschiedene Dinge. Es wird hier wahrscheinlich nicht um eine geschlossene Unterbringung gehen.
    Einige Urteile im Zusammenhang mit der Aufenthaltsbestimmung können Sie auch im Internet einsehen: BVerfG 2 BvR 1451/01; BGH 1 StR 357/94; BGH XII ZB 2/ 03 auch LG Offenburg 4T88/96 und OLG Hamm 15 W 189/02 sind hierzu interessant.


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

  • Der Zustand meiner Mutter hat sich in den letzten Wochen sehr verschlechtert. Offensichtlich ist das mittelfristige Gedächtnis auch schon in Mitleidenschaft gezogen, sie vergisst ihre ET-Termine und weiß oft nicht mehr, was am Tag vorher war. Manchmal kommt sie mit den elekt. Geräten nicht mehr zurecht, und meint dann, dass alles kaputt geht. Trotzdem möchte sie von einem Umzug ins Altenheim nichts hören und blockt sofort ab oder meint, dass ich sie abschieben will. Haben sie nicht einen Tipp für mich, wie ich diesen Wohnungswechsel vollziehen kann, ohne dass sie ihre Würde und Achtung verliert.?
    Ich kann mir einfach nicht vorstellen sie dort "abzugeben" - vermutlich würde sie auch immer wieder in ihre Wohung zurückgehen, weil sie den neuen Wohnsitz nicht akzeptieren wird.
    Bin mal wieder ziemlich ratlos.

    • Offizieller Beitrag

    Sehr geehrte Annemarie,


    vielleicht können Sie diesem Thread noch etwas entnehmen:
    http://www.wegweiser-demenz.de…no_cache=1&tx_mmforum_pi1[action]=list_post&tx_mmforum_pi1[tid]=10


    Meiner Meinung nach hat ein Umzug ins Pflegeheim nicht notwendigerweise etwas entwürdigendes. Und ein Umzug kann durchaus etwas anderes sein, als ein "Abschieben".
    Wenn für beide Seiten die Situation nicht mehr zu tragen ist und mit erheblichen Gefahren verbunden ist, kann ein Pflegeheim eine gute Lösung sein.
    Auch dann, wenn ein Mensch mit Demenz dies zunächst nicht erkennen kann:
    http://www.alzheimerforum.de/2/8/3/Umzug_ins_Pflegeheim.html
    dies hier beschreibt bereits im Titel sehr gut, dass der Wechsel ins Pflegeheim ein Gebot der Erkrankung sein kann:
    http://www.demenz-ratgeber.de/…erbringung_optimieren.htm


    Ich schlage zumeist wie im ersten Thread vor, den Mensch mit Demenz langsam ans neue Umfeld durch Besuche und Teilnahme an Festivitäten zu gewöhnen. So wie es aussieht vermute ich aber, dass Sie Ihre Frau Mutter dazu nicht werden bewegen können, oder?


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

  • Leider nein, meine Mutter ist total sperrig und uneinsichtig.Und wenn das bei mir nicht "ankommt", fängt sie zu weinen an und droht mir mit Selbstmord. Ich leide sehr unter ihren Vorwürfen , denn sie ist bitter enttäuscht von mir, wenn ich sagt, dass wir im Januar eine Lösung suchen müssen. Sie versteht es einfach nicht und sagt dann, dass man mit 83 ja wohl mal was vergessen könne. In ihrem Umfeld kommt sie ja noch bestens zurecht, einschließlich der Haushaltsführung. Das macht mir ja die Entscheidung soo schwer. Gruß v. Annemarie

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Annemarie,


    hier noch so ein paar Gedanken zu ihrem Dilemma:


    Erstens scheint es so zu sein, dass die Krankheit schneller voranschreitet, wenn Menschen sich zu Hause vergraben, häufig alleine sind und kaum soziale/kommunikative/kognitive Anregungen erfahren.


    Zweitens: Wenn Ihre Mutter niemanden im Haus akzeptiert, aber eigentlich noch halbwegs alleine zurecht kommt, können Sie mit Hilfe einer Wohnberatung (Die gibt es je nachdem von Kommunen, Wohlfahrtsverbänden...) wenigstens dafür sorgen, dass die Wohnung Ihrer Mutter sicherer wird - z.B. durch einfachere Geräte, ein Herdsicherungssystem, Wassermelder, Temperaturregler, Nachtlichter etc. Die Umrüstung können Sie Ihrer Mutter als seniorengerechte Ausstattung "verkaufen"...


    Drittens: Es gibt ja auch Tagespflege und Demenz-WGs, es muss ja nicht zwingend ein Heim sein! Eine Tagespflegeeinrichtung z.B. könnten Sie als Seniorenbegegnungsstätte "vermarkten", in der Ihre Mutter anderen Leuten "helfen" kann. Das ist für viele akzeptabler als derjenige zu sein, dem geholfen wird.


    Viele Grüße
    S. Sachweh

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