Krankhafte Eifersucht als beginnende Demenz

  • Liebe Experten,


    zum Problem: Seit ein- bis zwei Jahren beobachten wir, das mein fast 80jähriger Vater zunehmend eifersüchtig wird.


    Dabei verdächtigt er Nachbarn oder Familienangehörige, das sie sich seiner Frau/unserer Mutter nähern wollen bzw. unterstellt entsprechende Verhältnisse.


    Nun wird zunehmend deutlich, das er dabei Situationen zu erleben scheint, die so nicht stattgefunden haben.


    Aufgrund einer Nervenerkrankung am Rücken hat er über einen längeren Zeitraum stärkere Medikamente eingenommen und ist insgesamt psychisch sehr instabil: Er weint viel und hat große Altersängste.


    Ich habe ihn als Vertrauensperson nun soweit, das er sich seinem Hausarzt - einem Allgemeinmediziner - anvertrauen möchte.


    Nun meine Frage: Ich spiele mit dem Gedanken, den Hausarzt vorab über unsere Gedanken und Einschätzungen zu informieren. Halten sie das für sinnvoll?
    Zumal auch seine Mutter damals im hohen Alter begann, Situationen als real zu empfinden, die nicht stattgefunden haben, bis schließlich hin zum Nichterkennen von Personen.


    Was würden sie mir raten?


    Vielen Dank

    • Offizieller Beitrag

    Sehr geehrte Fragenstellerin, sehr geehrter Fragensteller!


    Anhand der Angaben zur Symptomatik Ihres Vaters lässt sich eine beginnende demenzielle Entwicklung in der Tat nicht ausschliessen. Natürlich gibt es auch andere Gründe für zunehmende Eifersucht. Beispielsweise kann auch übermässiger aktueller wie früherer Alkoholkonsum typischerweise Eifersuchtsideen mitbedingen, die jeglicher realer Grundlage entbehren. Auch in der Folge bestimmter Medikamenteneinnahmen (z.B. höherdosierte Schmerzmittel vom Morphintyp) können paranoide Vorstellungen (z.B. bestohlen zu werden) bzw. Eifersuchtsideen auftreten. Am häufigsten ist im Alter von 80 Jahren allerdings ein beginnender dementieller Prozess, der meist auch das Vorderhirn (Frontalhirn) mit einbezieht. Bei Schädigungen in diesem Hirnareal kommen Eifersuchtsideen gehäuft vor.


    Zu Ihrer konkreten Frage: Aufgrund der vielfältigen möglichen Ursachen der berichteten Wesensänderung Ihres Vaters rate ich Ihnen ausdrücklich dazu, den Hausarzt über diese Entwicklung zu informieren. Die sogenannte Fremdanamnese - also die Schilderung der Entwicklung von Krankheitssymptomen durch einen Verwandten oder eine dem Patienten nahestehende Person - ist für eine korrekte Beurteilung der Symptomatik eine wesentliche Hilfe für jeden Arzt. Wichtig ist dabei auch eine möglichst detaillierte Übersicht über die in den letzten Jahren von ihrem Vater eingenommenen Medikamente.


    Ihrem Vater und Ihnen wünsche ich in dieser schwierigen Situation alles Gute!


    Mit freundlichen Grüssen,


    Dr. E. Kaiser

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