Demenzauslöser durch Medikamente??

  • Guten Tag,
    meine Mutter (85) ist nach Ostern mit Schmerzen im Schienenbein in die Geriatrie eingewiesen worden. Dort hat sie nach der körperlichen Untersuchung das Mittel Palladom bekommen am ersten Tag 4 mg am folgenden 8mg. So, am 2 Tag abends war meine Mutter komplett durch den Wind. Das heißt sie konnte ihre Serviette nicht vom Brot unterscheiden. Wollte diese dann essen hat verwirrt geredet. Tiere auf dem Fußboden gesehen usw. Dieses Medikament wurde ihr noch Frei. Sa. u. Sonn.weiter gegeben da am Wochenende kein Arzt auf der Station war.Montags habe ich mit der Ärztin gesprochen ,an dem Morgen wurde das Medikament weggelassen. Zitat der Ärztin".Solche Nebenwirkungen hätten sie noch nicht gehabt.....!!!"Nach 24 Std. sollte das Med. aus dem Körper sein. Ja das war es wohl. Aber seitdem ist meine Mutter verwirrt orientierungslos.usw.Tag und Nachtrythmus gestört.Sie hat bis zu dem Krankenhausaufentalt alleine gewohnt.Natürlich sind uns in der letzten Zeit auch Sachen aufgefallen, leichte verwirrtheit. aber so schlimm wie sie seid dem ist, war es noch lange nicht. Jedenfalls ist sie nach dem Krankenhaus direkt in die Kurzzeitpflege.Sehr schnell haben wir alle festgestellt das sie nicht mehr alleine wohnen kann.Im Pflegeheim wurde es noch schlimmer. Zimmer unte Wasser gesetzt findet die Toilette nicht.schläft nachts kaum.totale unruhe immer am räumen.usw. Letzte woche war es dann so das sie äußerte das sie vom Balkon springen will. Sofort wurde sie in eine psychatrische Klinik eingewiesen. Nach 2 Tagen kam sie in die geschlossene Abt. weil sie starke Weglauf tendenz hatte. Dort ist sie auf neue Medikamente eingestelt worden.Vorher hatte der Hausarzt die Medikation vom KH übernommen (außer Palladom)Tavor , Metformin,Novalgin, Melperon, Pantropazol.Seit gestern ist sie wieder im Pflegeheim.Leider habe ich jetzt nicht die Namen der neuen Medikamente. Bericht bekomme ich heute Mittag.Sie scheint aber etwas ruhiger zu sein und zu schlafen.
    Interessant finde ich das im Bericht des ersten KH von dem Medikament Palladom nichts steht.
    Meine Frage kann eine Demenz ausgelöst werden durch ein zu starkes Medikament? Meine Mutter hat vorher kaum Medikamente genommen mal ne ibu, paar vitamine, und was gegen Inkontinenz. Was raten sie mir warauf sollte man bei ihr achten. Demnächst kommt der Neurologe ins Pflegeheim....
    Bin gerade wieder aus dem Pflegeheim gekommen.Meine Mutter war verwirrt,hat wieder Tiere gesehen und nachts nicht die Toilette gefunden Gut gestern ist sie ja erst aus der geschlossenen Abteilung entlassen worden.und sie muß sich erst mal einfinden
    Die neuen Medikation ist folgende:
    Metformin 500mg 1-0-1
    Seroquel 50mg 1-0-1
    Mantozol 40 mg 1-0-0
    Vesikur 5mg 1-0-0
    Torasemid 10mg 1-0-0
    Zopiclon 7,5mg 0-0-1


    Sind das die richtigen Mittel das sie ruhiger wird. Sie ist noch immer gut zu Fuß und wir hoffen das die Weglauftendenz bald vorbei ist.Denn in dem Pflegeheim gibt es keine geschlossene Demenzabteilung sowieso nicht in der Nähe.Wie Leben relativ ländlich.
    Vielen Dank im vorraus

    • Offizieller Beitrag

    Sehr geehrte Fragenstellerin, sehr geehrter Fragensteller!


    Anhand Ihrer Angaben schliesse ich, dass Ihre Mutter bereits vor der aktuellen Zustandsverschlechterung leichtere Anzeichen eines geistigen Abbaus gezeigt hat (z.B. leichtere Vergesslichkeit).
    Viele Gründe können nun zur Verschlechterung beigetragen haben. Es ist dabei nicht auszuschliessen, dass Ihre Mutter mögliche Nebenwirkungen der Schmerzmedikation (Palladon) gezeigt hat, da gerade ältere Patienten mit bereits bestehenden Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit unter Opiaten wie Palladon z.t. Halluzinationen, Wahnvorstellungen oder deutliche Orientierungs-, Konzentrations- u. Merkfähigkeitsstörungen entwickeln können. Eine Demenz wird aber durch solche Präparate nicht verursacht - vielmehr kann sich bei bereits vorliegendem beginnenden Hirnabbau eine zustäzliche Medikation, z.b. von Palladon, überproportional stark auswirken. Derartige Nebenwirkungen von Opiaten sind auch in den entsprechenden Fachinformationen der Medikation aufgeführt. Grundsätzlich ist aber die probeweise Verschreibung eines starken Schmerzmittels aufgrund der starken Schmerzsymptomatik Ihrer Mutter nicht in Frage zu ziehen. Allerdings sollte die Dauer und die Dosierung dieser versuchsweisen medikamentösen Behandlung idealerweise engmaschig kontrolliert werden.
    Andere denkbare Gründe für eine sprunghafte Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit bei älteren Menschen sind z.B. Flüssigkeits- und Nahrungsmangel, zu wenig Natrium (sogenannte Hyponatriämie), Fieber oder Blutverlust. Manchmal kann die Kombination bestimmter Faktoren ein sogenanntes Delir auslösen, das sich von der Demenz dadurch unterscheidet, dass die Symptome im Laufe der Zeit - unterstützt durch Antipsychotika - reversibel sind.
    Im Fall Ihrer Mutter wurde im Lauf der Behandlung offenbar auf die Medikation von Palladon verzichtet, was mir ganz wesentlich scheint. Die Medikation eines Antipsychotikums (Qetiapin / Seroquel) soll nun die Wahnbildungen und Halluzinationen zurückdrängen und einen geordneteren Bezug zur Realität ermöglichen. Hier gilt es, bei älteren Personen auf die möglichen kardialen Nebenwirkungen wie z.B. die Verlängerung der Überleitungszeit am Herzen zu achten (sog. QTc-Zeit).


    Nach den von Ihnen übermittelten Angaben ist sicherlich eine regelmässige neurologische Verlaufseinschätzung zur Klärung der Unterscheidung zwischen einer passageren deliranten oder einer chronischen dementiellen Symptomatik wichtig. An der jeweiligen Diagnose sollte sich dann die entsprechende pharmakologische Behandlung orientieren.


    Ich wünsche Ihrer Mutter und Ihnen alles Gute!


    Mit freundlichen Grüßen,


    Dr. E. Kaiser

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!