Angehörige können sich nicht mit dem Heim anfreunden

  • Mein Vater ist nunmehr seit 5 Wochen im Pflegeheim. Meine Mutter fährt ihn jeden Tag besuchen und verbringt die Zeit dort mit ihm. Er ist auch dort gut aufgehoben, wie es halt im Heim so ist! Aber nicht nur meiner Mutter auch mir, als Tochter tut es in der Seele weh, wenn wir uns nach den Besuchen verabschieden müssen und ihn im Heim lassen müssen. Zuhause ging es aber nicht mehr mit der Pflege. Was gibt es für Alternativen? Gibt es nicht auch Heime, wo Angehörige näher untergebracht sind oder sollte man zuhause alles umbauen und dann für eine Betreuung von 24 Stunden sorgen? Wie funktioniert so etwas? Tut man dem an Demenz erkrankten Patienten damit einen Gefallen? Es ist wirklich schwer, nicht anders helfen zu können!

    • Offizieller Beitrag

    Guten Morgen F,
    Sie stellen viele wichtige Fragen in dieser neuen Situation und manchmal ist es sinnvoll, eine Entscheidung noch einmal zu überdenken, um auch "danach" noch Alternativen zu behalten. Ideen für die 24-Stunden-Versorgung und eine sichere häusliche Versorgung oder über Alternativen wie eine Demenz-WG finden Sie auf vielen Beiträgen in diesem Forum.


    Ihre entscheidende Frage ist: Tuen Sie dem demenzkranken Vater einen Gefallen, wenn Sie Ihre Entscheidung immer wieder in Frage stellen und damit bei jedem Besuch Sorgen, Zweifel oder ein schlechtes Gewissen ausdrücken? Die Wahrnehmung für diese Stimmungen bleibt bei einem Demenzkranken lange erhalten und verstärkt die Trauer bei einem Abschied. Wahrscheinlich merkt Ihr Vater, wie schwer es Ihnen fällt und er wird traurig, weil es seiner Tochter schlecht geht und es dreht sich ein Teufelskreis.


    In diesem Forum haben wir schon manchmal darüber nachgedacht, wie das Einleben im Heim gefördert werden kann. Besonders wichtig ist es mir, dass Partner und Kinder das Einleben unterstützen, indem Sie auch gemeinsam zu anderen Bewohnern Kontakt suchen.
    Wird Ihr Vater stolz, wenn die andere Mitbewohner sehen, wie sehr seine Frau und Tochter für ihn da sind? Hat er schon erste Kontakte aufgebaut, sodass er die Aufmerksamkeit auf Mitbewohner richten kann, wenn seine Lieben ihn verlassen müssen? Wie können Sie solche Kontakte fördern?


    Für das Einleben und das Wohlbefinden muss ein Heim Konzepte und Instrumente haben, beides wird vom MDK geprüft - zumindest der Nachweis in der Pflegedokumentation.
    Die Pflegekraft, die für Ihren Vater zuständig ist, wird sich vielleicht sogar freuen, wenn Sie sich gemeinsam überlegen, was Sie und Ihre Mutter dafür beitragen können.


    "Wohlbefinden" von Demenzkranken wird in der Pflege breit diskutiert, es gibt umfangreiche und zeitaufwendige Instrumente. Aber je mehr Sie mitteilen, woran Sie bei Ihrem Vater Wohlbefinden erkennen, um so eher können auch die Pflege- und Betreuungskräfte darauf achten (und dies für eine gute Zensur beim MDK dokumentieren).


    Vielleicht fragen Sie auch danach, wie die Selbstbestimmung Ihres Vater gefördert wird, ober wie Mitarbeiter biografische Themen in der Betreuung aufgreifen?


    Mit all den Fragen helfen Sie nicht nur Ihrem Vater, sondern auch dem Mitarbeiter, denn diese Aspekte gehören zu den "Transparenzkriterien" nach denen das Heim geprüft wird.
    Sie können also davon ausgehen, dass sich die Mitarbeiter darüber Gedanken machen und gute Heime beziehen Angehörige ein. Vielleicht gibt es auf diesem Forum einen Austausch über die Erfahrungen mit diesen "Transparenzkriterien".


    Mit meinen Fragen und Vorschlägen möchte ich auch um Geduld werben, das Einleben in ein Heim dauert seine Zeit und es ist für alle Beteiligten eine große Umstellung!
    Ihr Martin Hamborg

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