Demenz -Korsakow-Syndrom

  • Meine Frau leidet seit fast drei Jahren am Korsakov-Syndrom. (Endstufe) Ich höre von Pflegepersonen des öfteren, dass meine Frau an Demenz leiden würde. Ich pflege meine Frau jetzt drei Jahre und bin der Meinung, dass eine Demenz ganz anders verläuft als das Korsakov-Syndrom. Mit einer Demenzkranken kann man sich doch noch unterhalten, oder? Es ist mir fast gar nicht mehr möglich, mich mit meiner Frau zu unterhalten. Sie versteht zwar vieles, oder ich glaube es wenigstens, aber sie selber kann sich gar nicht mehr verständlich äußern. Sie redet oft alleine vor sich hin und schimpft dabei sehr viel, aber verstehen kann man sie nicht. Selbständiges handeln ist nicht mehr möglich, ich muß sie füttern, sauber machen zumal sie in die Hose macht. Gibt es da irgendwelche Vorschläge Tricks oder sonstige Ratschläge die ich anwenden könnte. Des weiteren möchte ich gerne wissen, wie lange so was anhalten kann und mit was ich noch zu rechnen habe!
    Für eine Nachricht wäre ich sehr dankbar.
    Mit freundlichen Grüßen
    Rudi

  • Sehr geehrter Herr Rudi,


    Das Korsakow-Syndrom ist die Folge einer jahrelangen Fehlernährung und einem damit verbundenen Vitamin-B1-Mangel. Dabei kommt es zu einer strukturellen Schädigung des Gehirns. Bei einer schweren Schädigung kann sich ein Symptombild zeigen, wie Sie es beschrieben haben. In der Tat ist für ein "klassisches" Korsakow-Syndrom ein anderer Verlauf zu erwarten als z.B. für eine Alzheimer-Demenz. Während das Korsakow-Syndrom ein "Endstadium" einer jahrelangen Mangelernährung beschreibt, haben wir es bei einer Demenz mit einem weiterhin fortschreitenden Krankheitsprozess zu tun. Dies bedeutet aber nicht, dass sich die von Ihnen beschriebenen Symptome nicht auch genau so bei einer fortgeschrittenen Demenz zeigen können. Aus pflegerischer Sicht hat man es also in beiden Fällen - vereinfacht ausgedrückt - mit einem "dementen" Patienten zu tun.


    Prognostische Aussagen lassen sich hier aus der Ferne nur schwer treffen. Wenden Sie sich hierfür an den behandelnden Arzt.


    Für konkrete Ratschläge hinsichtlich des Umgangs mit Ihrer Frau möchte ich auf unsere beiden Unterforen "Kommunikation und Konflikte" und "Wohnen, Betreuen, Pflege" verweisen.



    Alles Gute und mit freundlichen Grüßen,


    Marc M. Lässer

  • Vielen Dank für Ihre Hinweise. Aber einen Umzug in eine Pflege kommt für meine Frau vorerst nicht in Frage. Ich habe meine Frau innerhalb der letzten 1,5 Jahre drei Mal in eine Kurzzeitpflege gehabt, und habe nach relativ kurzem Heimaufenthalt immer eine "Fremde Frau" wieder bekommen. Ich habe dann lange daran arbeiten müssen, um meine Frau wieder einigermaßen herzustellen. Außerdem vermisst sie mich und würde Seelisch zu Grunde gehen. Aber trotzdem danke für Ihre Tips. Rudi

  • Mein Mann leidet auch an dem Korsakow-Syndrom.Und ich wollte mal fragen ob die Krankheit bei allen so verläuft.
    Für eine Nachricht wäre ich sehr Dankbar
    Mit freundlichen
    Grüßen
    Ulrike Bertsch

  • Sehr geehrte Frau Bertsch,


    Ich nehme an, dass sich Ihre Frage auf den ersten Beitrag von Rudi zu diesem Thema bezieht. Das Symptombild eines jeden Patienten mit einem Korsakow-Syndrom ist vom Ausmaß der bereits erfolgten Gehirnschädigung abhängig. Das Ausmaß der Schädigung steht nachvollziehbarerweise wiederum mit der dauerhaften Einnahme von Alkohol in Verbindung. Auch wenn sich Korsakow Patienten in der Regel in Ihren Symptomen ähneln (ausgeprägte Merk- und Lernfähigkeitsstörung, Orientierungsverlust, Konfabulationen, usw...) stellt sich die Ausprägung dieser Symptome im Einzelfall doch sehr unterschiedlich dar. Manche kognitive Fähigkeiten können durchaus noch gut erhalten sein (z.B. logisches Denken) und bei entsprechendem therapeutischen Maßnahmen muss auch nicht gezwungenermaßen von einem degenerativen Verlauf der Erkrankung und somit mit dem Verlust der noch vorhandenen Gedächtnisleistungen und anderer kognitiver Funktionen ausgegangen werden.


    Sollte es im Falle Ihres Mannes noch nicht geschehen sein, rate ich Ihnen zu einer Erfassung des Status quo mit einer neuropsychologischen Untersuchung in einer Gedächtnisambulanz. Dabei wird sich zeigen, inwieweit die einzelnen kognitiven Funktionsbereiche bei Ihrem Mann bereits durch die Schädigung betroffen sind. Genau so wichtig ist es die erhalten kognitiven Fähigkeiten Ihres Mannes möglichst genau zu beschreiben - diese können eventuell noch mehr als bisher als Ressource für die Alltagsbewältigung genutzt werden.


    Sollten Sie noch weitere Fragen haben, zögern Sie nicht diese zu stellen.


    ich wünsche Ihnen und Ihrem Mann alles Gute,


    Marc M. Lässer

  • Hallo


    Mein Vater leidet seit 3 Jahren an Korsakow- Syndrom. Zuerst hat er nur komische Dinge erzählt und immer von früher gesprochen. Doch in den letzten Monaten veränderte sich schlagartig sein Zustand. Im Feb 14 hatte er noch Pflegestufe 2, mittlerweile hat er Pflegestufe 3. Er wird gefüttert und gewaschen sowie gewindelt. Seit einigen Wochen spricht er kein Wort mehr und nun liegt er im Krankenhaus und verweigert das Essen. Nun muss ich als Betreuerin die Entscheidung treffen, ob er durch eine Magensonde ernährt werden soll und somit sein Leben verlängert wird. Ich möchte ihn nicht weiter leiden lassen doch ohne Magensonde würde er verhungern. Könnt ihr mir einen Tip geben?!

  • hallöchen,
    vor 9 wochen, habe ich meinen stiefvater (jahrzente alkoholiker) ins krankenhaus fahren lassen, bewegungsunfähig, geistig mehr als verwirrt, mit leeren augen, ziemlich schnell wurde er auf eine geschlossene abteilung mit dem befund "dellirium tremens" verlegt, dort hiess es schon sehr bald das er infolge des delliriums nun an einer Wernicke-Enzephalopathie ,nun schlussendlich stand im beschluss seinen aufenthalt zu verlängern die diagnose korsakow syndrom, wohl als folge der Wernicke-Enzephalopathie, auch wurde uns schonmal nahe gelegt, ihm ein geeignetes pflegeheim zu suchen....
    auf anraten der pfleger ,dort wo er jetzt ist gingen wir zunächst darauf ein und versuchten uns in seine welt zu versetzen, was gar nicht so einfach war weil er so weit in der vergangenheit lebte, dass ich selbst weder die personen kannte von denen er redete, noch die geschichten dazu, irgendwann platzte meiner mutter (wohl eher versehentlich) raus das er gerade nicht auf der arbeit sei, sondern sich zur genesung in einem krankenhaus befindet, hier fing er an nach zu denken (sichtlich), wir behielten diese strategie bei, und holten ihn immer wieder auf den boden der tatsachen zurück,, momentan drehen seine geschichten sich um die neuzeit (mit kleinen abweichungen), er lernte das selbstständige essen....dann kam ein infekt dazwischen, der die pfleger zwang ihn auf die intensivstation zu verlegen, hier war er das erste mal einigermassen klar ,die ärztin auf der intensivstation meinte ,er sei sehr hoch dosiert mit den medikamenten, die wohl mit dafür sorgten ,dass er geistig verwirrter ist.....wieder zurück in der geschlossenen abteilung, hat er den sprung vom rollstuhlfahrer,der zum eigen schutz fixiert werden musste geschafft ,bis hin zum selbständigen laufen,selbst den weg zur toilette findet er meistens wieder alleine, in der letzten woche scheint er sehr nachdenklich, er fragt immer wieder nach was mit ihm los sei, und ist sich wohl immer mehr bewusst,dass er um es mit seinen worten auszudrücken "bekloppt" sei ,
    auch ist er seit der letzten woche, immer mal wieder (wenn auch nur kurz) klar in seinen gedanken,
    nun zu meiner frage,
    da ich im internet recherchiert habe, und über das korsakow syndrom eben nur lesen konnte, dass sich der zustand NICHT bessert,
    kann es sein, dass die diagnose einfach falsch ist,
    oder kann sich die gehirnregion eben doch regenerieren,bzw kann er neu erlerntes, bzw erneut gelerntes eben doch behalten?
    kann man eventuell sogar hoffnung haben, ihn irgendwann wieder zuhause zu pflegen?
    ich weiss der text ist sehr lang, aber ich versuche irgendwie meine mutter und natürlich auch meinen stiefvater zu unterstützen, will ihr aber auch keine hoffnung machen wo keine zu erwarten ist......
    ich danke im vorraus für eine antwort
    g.l.g annette

  • Sehr geehrte Annette,


    Ohne ihren Vater bzw. seine gesamte Krankengeschichte genauer zu kennen sind prognostische Aussagen im Rahmen eines solchen Forums immer nur sehr schwierig zu treffen. Hier ist der jeweilige Behandler sicher der bessere Ansprechpartner.


    Aus eigener klinischer Erfahrung ist es aber nicht ungewöhnlich, dass es nach der Erholung von einem solchen Alkoholentzugsdelir im weiteren Verlauf bei entsprechenden therapeutischen Massnahmen und anhaltender Alkoholabstinenz auch bei der gesicherten Diagnose einer Wernicke-Encephalopathie zu einer allgemeinen Stabilisierung und zu einer Verbesserung bei den Fähigkeiten zur Alltagsbewältigung kommen kann. Inwieweit bei Ihrem Vater nun noch weitere Verbesserungen zu erwarten sind, lässt sich so aber leider nicht abschätzen. Hier raten wir Ihnen dem Ganzen noch etwas Zeit zu geben und die Situation im weiteren Verlauf noch einmal neu zu beurteilen.


    Vorerst alles Gute und mit freundliche Grüßen,


    Marc M. Lässer

  • Guten Tag! zusammen!


    Mein Vater hat nun seit ca. 18 Jahren hm ist es Demenz-Korsakow? Ich höre ständig was Anderes. Die einen nennen es Demenz, die anderen Korsakow, gar Andere setzten sich gar nicht damit auseinander und bezeichnen ihn bloß als schwer krank. Ich für meinen Teil würde nur endlich gerne wissen, was das eigentlich ist. Denn seit seiner Erkrankung in 1998 (ich war damals 8) tue ich mich sehr schwer damit und hadere mit meinen Gedanken und der Trauer.
    Ich fühle mich einerseits als hätte ich meinen Vater verloren und andererseits ist er ja physisch noch anwesend.
    Sein Verhalten ist wie folgt zu beschreiben: Alles, was gegenwärtig geschieht, verschwindet schnell aus seinem Gedächtnis. Er mag in dem Moment da sein und mit uns Kuchen essen und Kaffee trinken aber kurze Zeit später weiß er davon nichts mehr. Alte Geschichten kennt er noch, er ist zum Beispiel ein Auto Narr und kann einem alles über Motoren, Getriebe etc. erzählen und auch seine geliebten Comics kennt er, so wie natürlich auch seine Lieblingsband Queen (nach seinem Wissen lebt Freddie noch, dafür könnte man ihn beinahe beneiden!) An uns Kinder kann er sich nicht mehr erinnern. Ich habe mich mal vorsichtig an diese Thematik ran getastet und gefragt, ob er sich an die Geburt seiner Kinder erinnert, er verneint es und sagt "Ne das weiß ich nicht" und auch sonst kann er sich an nichts von uns erinnern aus Kindheitstagen (nach der Erkrankung auch nicht). Irritierend ist es nur immer wieder, dass wenn er mich sieht, mich beim Namen nennt, nicht immer aber es kommt vor. Das verwirrt mich einfach, ich weiß nicht, wie das kommt und ja wer ist er, was hat er und meine schwierigste Frage, wo ist nun mein Papa :-( Die letzte Frage ist natürlich nicht zu beantworten, ich weiß, wo er ist physisch... Aber wo ist er in seiner Gedankenwelt? Ich habe ganz bewusst nicht geschrieben, dass er unter der Krankheit leidet, denn an sich macht er einen zufriedenen Eindruck. Natürlich ist auch er pflegebedürftig, braucht Hilfe beim Essen und auch Windeln etc. Aber an sich scheint er nicht darunter zu leiden... Es sind eher wir Kinder, die damit zu kämpfen haben...
    Besten Dank für Anmerkungen und Antworten im Voraus und liebe Grüße
    Franzi

  • Hallo zusammen...Meine Geschichte ähnelt sehr der Schilderung von Annette.Bei meinem 57j Bruder wurde vor 9 Wochen das Korsakow Syndrom diagnostiziert.. Er war bis letzte Woche auf der geschlossenen Station im Krankenhaus...seitens Krankenhaus wurde uns eine Betreuung im Heim vorgeschlagen...Leider wurde keine passende Einrichtung gefunden und so hieß es Hals über Kopf ...raus aus dem Krankenhaus und wie sie ihn unterbringen...Ihr Problem...viel Glück...Wir versuchen seitdem eine Betreuung zu Hause zusammen mit Pflegedienst. Allerdings wird dies immer schwieriger, da er sein Problem nicht erkennt...Pflegedienst ablehnt und wir es zeitlich und nervlich so nur schwer auszuhalten...Er unterstellt uns wir geben ihm falsche Medikamente oder betäuben ihn um ihn zu rasieren und zu waschen und vieles mehr...ständiges Genörgel und ständige Suche nach Alkohol oder Schlüsseln. Seitens der Sozialpsychiatrischem Dienst wurde mir keine Aussicht auf Erfolg in Sachen Übergabe in eine Pflegeeinrichtung gegeben...Ich habe aber das Aufenthaltsbestimmungsrecht. Freiwillig wird er aber in kein Heim gehen...Welche Möglichkeiten habe ich...Welche Unterstützung kann ich noch für zu Hause bekommen...Er verfällt wieder in Verwahrlosung...nimmt aber nix an...lg nepi77

  • Sehr geehrter Fragensteller,


    in dieser zunehmend schwieriger werdenden Situation könnten Sie Kontakt mit dem zuständigen Amtsarzt aufnehmen (der Wohnort des betreffenden Patienten ist bezüglich der Zuständigkeit entscheidend). Ein Amtsarzt kann nach seiner Entscheidung eine Einweisung zu weiteren diagnostischen, medizinischen, pflegerischen Maßnahmen veranlassen, wenn dies aus seiner Sicht erforderlich erscheint. Mein Rat: Suchen Sie den Kontakt zum entsprechenden Amtsarzt und stellen Sie die verschiedenen Aspekte der Vorbehandlung sowie der aktuellen Situation Ihres Bruders dar.


    Ich wünsche Ihrem Bruder und auch Ihnen alles Gute!


    Mit freundlichen Grüßen,


    Dr. E. Kaiser

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