Beschwerdestelle

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  • Hallo,


    mein Schwiegervater (68 Jahre - Pflegestufe 2) hat schwerste Demenz und ist seit Juli 2010 in einem Heim mit geschlossener Abteilung untergebracht.


    Wir sind mittlerweile sehr unzufrieden, weil er in den 4 Monaten über 5 Kilo abgenommen hat, weil keiner bei den Mahlzeiten aufpasst, ob er richtig isst. Ausserdem wird er nicht richtig gepflegt, hatte schon wunde Stellen am Hintern (weil nach dem Stuhlgang dieser nicht richtig gesäubert wird), läuft in Sachen rum, wo der Kot und Urin schon getrocknet ist, wird tagelang nicht rasiert, Klamotten verschwinden, hatte mehrere Tage Durchfall und keiner informiert uns, usw.


    Eine Beschwerde bei der Stationsleitung und der Heimleitung hat nichts gebracht. Leider gibt es in unserer Nähe nur zwei Heime mit geschlossener Abteilung und das andere Heim ist auch nicht viel besser (da war er letztes Jahr zur Kurzzeitpflege).


    Gibt es eine offizielle Beschwerdestelle für Heime, wo man mal ein bißchen Druck ausüben kann.


    Danke im Voraus und Gruß

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Blackbird 71,


    zuständig für Beschwerden ist die örtliche Heimaufsichtsbehörde.
    Ich habe allerdings meine Bedenken, ob eine Beschwerde die Versorgungsqualität Ihres Schwiegervaters nachhaltig verbessert.
    Beschweren sollten Sie sich trotzdem. Außerdem sollten Sie herausfinden, ob es einen - funktionierenden - Heimbeirat gibt. Die Heime sind verpflichtet, so einen Beirat zu installieren.
    Bei offensichtlichen Pflegemängeln ist auch der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MdK) eine gute Adresse für Beschwerden. Vor Kontrollen des MdK haben die Heimbetreiber in der Regel mehr Respekt als vor solchen der Heimaufsicht.
    Haben Sie schon einmal über eine Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz nachgedacht? Das ist allerdings abhängig von Ihrem Wohnort, denn solche Wohngemeinschaften gibt es noch nicht überall.
    Kurzfristig können Sie auch versuchen, Kontakt zu anderen Angehörigen herzustellen und mit denen gemeinsam den Heimbetreiber noch einmal zu einem Gespräch auffordern. Haben Sie sich denn schon einmal an den Betreiber des Heims gewendet? Der müsste eigentlich ein Interesse daran haben, dass sein Heim nicht in ein schlechtes Licht gerät.


    Alle vorgeschlagenen Beschwerde-Wege haben den Nachteil, dass sie Zeit und Nerven kosten. Wenn Sie also eine Alternative - z.B. in Form einer "Demenz-WG" fänden, wäre das wahrscheinlich die bessere Lösung für Ihren Schwiegervater und Sie.


    Soweit erst einmal für heute.


    beste Grüße von


    Klaus-W. Pawletko

  • Vielen Dank für die hilfreichen Infos.


    Eine WG käme für meinen Schwiegervater nicht in Frage, da er extremst unruhig ist und die Ärzte ihn auch nicht ruhiger bekommen und er schon sehr weit fortgeschritten ist mit seiner Demenz (er erkennt ja uns kaum noch). Ausserdem leben wir auf dem Lande und soweit sind die hier noch nicht :)


    Aber das mit dem MDK ist ein guter Vorschlag, den ich mal im Hinterkopf behalten werde. Wir haben am Freitag einen Termin bei der stellv. Heimleiterin. Da das Heim ja der AWO angehört, könnte ich mich dann auch mal noch an eine höhere Instanz wenden.


    Er hat jetzt über 6 Kilo abgenommen und die haben mir dann gestern erzählt, dass er ein schlechter Esser wäre. Aber das stimmt nicht, denn er hat gestern mit unserer Hilfe das ganze Mittagessen aufgegessen und dann immer noch Hunger gehabt. Wenn er alleine essen soll, dann ist er frustriert, weil er manchmal das Essen einfach nicht auf dem Teller als solches erkennt und sagt, er wäre satt. Da muss ihn immer anstupsen und drauf hinweisen, dass da noch Essen liegt. Und z. Bsp. Sachen wie "Erbsen mit Möhrchen" kriegt er ja alleine gar nicht geregelt...


    Wir werden das auf jeden Fall jetzt verstärkt im Auge behalten.


    Danke fürs Zuhören und die Tipps :)

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Blackbird71, hoffentlich war Ihr Gespräch in der Einrichtung erfolgreich. Aus meiner Sicht möchte ich noch einige ergänzende Gedanken zu dem Thema Unzufriedenheit und Beschwerden mitteilen:


    1. Einrichtungen und Dienste der Altenhilfe sind zu einem Beschwerdemanagement verpflichtet, dies wird auch von den MDK`s und Heimaufsichten überprüft.


    Sie können sich dieses Verfahren zeigen lassen und so einen Eindruck über die Dienstwege bekommen und darüber, wie die Einrichtung Probleme lösen möchte. Manchmal gibt es formale Beschwerdeprotokolle, üblich ist immer auch eine Rückmeldung innerhalb einer bestimmten Frist.


    Das Ziel und die Chance aus Fehlern und Beschwerden zu lernen, ist aber nicht allen Mitarbeitern vertraut, deshalb nutzen Sie bitte diese "Instrumente".


    2. Sie sprechen das Ernährungsproblem Ihres Schwiegervaters an: Möglicherweise besteht schon ein bedeutender Gewichtsverlust, denn bei 10% in 6 Monaten ist pflegerisches Handeln dringend geboten. Die Dienste und Einrichtungen der Altenhilfe müssen sich an einem Expertenstandard zum "Ernährungsmanagement" orientieren. Diesbezüglich können Sie in der Einrichtung nachfragen.


    3. Probleme in der Pflege müssen durch eine Pflegeplanung schriftlich und verbindlich geplant werden, auch hier können Sie nachfragen und sich die Unterlagen zeigen lassen. Fragen Sie nach der zuständigen Bezugspflegekraft, diese sollte wichtige Informationen zu den Ernährungsgewohnheiten, Vorlieben und Abneigungen sammeln, auch der von Ihnen beschriebene "Impuls" zur Nahrungsaufnahme gehört in diese Planung.
    Engagierte Pflegekräfte wünschen sich genau diese Mitarbeit und den Austausch darüber, was möglich ist.


    4. Wenn Sie können, beteiligen Sie sich. Die notwendige Zeit für die Nahrungsaufnahme steht bei schwer Demenzkranken in keinem Verhältnis zu den Zeiten, die über die Personalschlüssel vorgegeben sind. Viele Einrichtungen freuen sich deshalb über ein ehrenamtliches Engagement auch durch orientierte Mitbewohner, Menschen aus der Nachbarschaft und Familienangehörige. Auch das "therapeutische Essen" bringt Ruhe in die Einrichtung, Mitarbeiter sind dann eingeladen, gemeinsam mit den Demenzkranken zu essen.


    5. Manchmal ist die Kommunikation zwischen den Pflegekräften und Angehörigen sehr belastet. Doch alle Beteiligten sind gut beraten, wenn sie in Sinne einer Pflegepartnerschaft zusammenarbeiten, nach Verständnis suchen und Missverständniss gemeinsam klären.


    Mit mehreren Einrichtungen, die nach dem Qualtitätsmanagement IQM-Demenz arbeiten, werden wir im nächsten Jahr noch viele Erfahrungen zum Thema Ernährung zusammentragen und damit den Austausch der Beteiligten anregen.


    Ich hoffe, meine Gedanken konnten einen kleinen Beitrag für ein konstruktives Miteinander schaffen und fördern unseren weiteren Austausch.
    Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Herr Hamborg,


    vielen Dank für Ihre Tipps und Ratschläge.


    Wir hatten am Freitag ein sehr langes und konstruktives Gespräch mit der stellv. Heimleiterin. Sie hat auch die Stationsleiterein und die Schichtleiterin dazukommen lassen.


    Da wir einen 3-Seiten-Bericht über die Missstände verfasst hatten (was nur die letzten 4 Wochen betraf), hat das Heim nun auch die Möglichkeit, auf das zu achten, was uns wichtig ist.


    Was draus wird, bleibt abzuwarten....

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