Zahnarztbesuch

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  • Wie kann man einen Besuch beim Zahnarzt möglichst gut vorbereiten, damit eine Behandlung möglich ist? Mein Vater ist 76 und hat Alzheimer. Er ist sehr ängstlich geworden. Sein Gebiss muss dringend repariert werden, denn oft nimmt er es zum Essen aus dem Mund, statt damit zu kauen. Scheinbar "sitzt" die Zahnprothese nicht mehr richtig. Ich habe nun für demnächst einen Zahnarzttermin vereinbart und mach mir nun Sorgen, ob mein Vater die Behandlung überhaupt zulässt?

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Herr oder Frau Schmitt,


    das ist eine schwierige Frage, die ich alleine wohl auch nicht befriedigend lösen kann.


    Grundsätzlich wäre es von Vorteil, wenn eine Person, der Ihr Vater vertraut, mit dabei sein könnte und seine Hand halten würde, damit er weniger Angst hat.


    Der Zahnarzt sollte im Idealfall Erfahrung mit demenzkranken Menschen haben und wissen, dass er absolut ruhig bleiben und langsam und leise reden muss und nur langsame Bewegungen/ Annäherungsversuche starten darf.


    Das größte Problem dürfte der Abdruck sein, der für eine neue Prothese nötig ist... und ich befürchte fast, dass die meisten Menschen mit fortgeschrittener Demenz spätestens dann Panik bekommen, wenn ihnen die Abdruck-Masse in den Mund gedrückt wird (da das ja meistens auch einen Brechreiz auslöst). Aber kauen und verständlich sprechen können ist so wichtig, dass ich den Versuch auf alle Fälle wagen würde.


    Und vielleicht wissen die medizinischen Kollegen aus dem Forum Prävention, Diagnose und Therapie ja, ob z.B. Lachgas oder ähnliche Anästhetika bei Menschen mit Demenz noch sinnvoll eingesetzt werden können? Vielleicht haben die anderen Forums-Mitglieder entsprechendes Knowhow erworben und sind bereit, ihre Erfahrungen mit Ihnen zu teilen?


    Ich drücke Ihnen die Daumen, vielleicht läuft es ja besser als erwartet!


    S. Sachweh

    • Offizieller Beitrag

    Sehr geehrte/r eschmitt,

    wie der Termin tatsächlich abläuft bleibt abzuwarten, aber Sie können einiges zur Vorbereitung tun.
    1. Sprechen Sie unbedingt vorher mit der Praxis und dem Zahnarzt wegen der zu erwartenden Schwierigkeiten. Auf diese Weise können sich die Beteiligten darauf einrichten, dass es vielleicht einfach etwas länger dauert und absprechen: möglichst keine oder nicht lange Zeit im Wartezimmer verbringen
    2. Schön wäre es, wenn der behandelnde Zahnarzt auch ein Fachzahnarzt für Alterszahnheilkunde wäre. Ich arbeite hier mit einem solchen zusammen und habe absolut positive Erfahrung mit dem sich daraus ergebenden weiteren Wissen des Zahnarztes gemacht. Einen solchen finden Sie, wenn vorhanden, über die Kassenzahnärztliche Vereinigung Ihres Bundeslandes.
    3. Der Termin sollte möglichst in den Vormittagsstunden liegen, da demente Menschen hier meist aufnahmefähiger sind.
    4. Bleiben Sie die ganze Zeit während der Behandlung anwesend und möglichst in Körperkontakt (Hand halten).
    5. Wegen der Ängstlichkeit sollten Sie mit dem behandelnden Hausarzt oder Facharzt sprechen, der dann prüfen kann, ob die Ängste sinnvoll medikamentös beeinflussbar sind.

    Was für mich zunächst entscheidender an Ihrer Frage ist:
    Sie schreiben nicht, dass Ihr Herr Vater zu wenig isst sondern "nur", dass er zum Essen die Zahnprothese herausnimmt. Von daher auch meine
    Standardfrage: Wo ist das Problem?
    Menschen können sich sehr gut daran gewöhnen, ohne Zähne zu essen - auch festere Nahrung, die natürlich mundgerecht zubereitet sein muss. Man kann problemlos auf "den Felgen kauen", wie es mal ein Zahnarzt mir gegenüber ausdrückte. Das deswegen alles durch den Mixer muss und als "Pampe" serviert werden muss, ist Unsinn. Möglicherweise ist die Zahnprothese für ihren Herrn Vater ein Fremdkörper geworden, obwohl diese nicht unbedingt reparaturbedürftig ist. Umgekehrt: auch die Reparatur der Prothese ist keine Garantie dafür, dass Ihr Herr Vater diese dann auch beim Essen nutzt.
    Wenn er also ohne Prothese nicht zu wenig ißt, lassen Sie es nicht zu einer "ideologischen Frage" werden, ob er die Prothese nun trägt oder nicht.
    Damit will ich selbstverständlich nicht davon abraten, zum Zahnarzt zu gehen. Im Gegenteil, regelmäßige zahnärztliche Behandlung dementer Menschen kommt leider immernoch viel zu kurz. Nehmen Sie den Termin also in jedem Fall wahr.


    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

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